Ich bin Feminist

Der Feminismus lässt sich auf eine einfache Formel bringen, die Hedwig Dohm bereits im 19. Jahrhundert artikuliert hat:

“Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

Der Feminismus ist nichts weiter als Ausdruck der Überzeugung, dass alle Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Der Feminismus ist keine Ideologie, die Frauen oder Männer verändern will, sondern kämpft lediglich dafür, dass jede Frau und jeder Mann in Freiheit und unter Garantie des Lebens das eigene Glück suchen darf, egal wie dieses Glück aussieht.

In Frankreich wird die französische Revolution am 14. Juli gefeiert. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Unabhängigkeit am 4. Juli gefeiert. Beide Revolutionen aber befreiten nicht die Frauen! Der Feminismus ist Ausdruck der Überzeugung, dass alle Männer und Frauen im Besitz der Menschenrechte sind und nicht nur Männer.

Frauen waren in Europa noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht im Besitz der Menschenrechte. Sie durften in Frankreich und den USA nicht wählen, im Gegensatz zu ehemaligen männlichen Sklaven. Die Tore der höheren Bildung waren ihnen verschlossen und ökonomisch wurden sie brutal ausgebeutet.

Frauen waren Sklaven.

Noch heute werden Frauen an vielen Orten der Welt brutal unterdrückt. Sie werden gesteinigt und in Gefängnisse gesperrt. Einige sind aus Stein, andere aus Stoff.

Was Frauen erleben und erleben mussten, aber auch was sie erkämpft und erreicht haben, nämlich die Freiheit für sich und alle Menschen, stellt alles davor Dagewesene in den Schatten. Der Feminismus hat mehr Menschen befreit als die französische Revolution oder die amerikanische Revolution, die lediglich weniger als die Hälfte der Bevölkerung befreit hatten.

Wären die Heldinnen der feministischen Revolution Männer gewesen, stünden heute überall Statuen dieser Helden herum, Jungs und Mädchen könnten aus dem Stand ein paar Namen von Feministinnen nennen und sie würden sich stolz als Suffragetten verkleiden. Die Schriftstellerin Rebecca West sagte einst:

„Ich selbst habe es nie geschafft, genau herauszufinden, was Feminismus ist. Ich weiß nur, dass ich immer dann als Feministin bezeichnet werde, wenn ich Gefühle zum Ausdruck bringe, die mich von einer Fußmatte unterscheiden.“

Das Wort „Feminist“ ist ein Kompliment.

Nennt mich einen Feministen! Es macht mich stolz, Feminist genannt zu werden, denn Marie le Jars de Gournay war eine Feministin. Im Jahr 1622 veröffentlichte sie das Werk „Über die Gleichheit“ und argumentiert dort, dass alle Menschen ungeachtet der Herkunft und des Geschlechts vernunftsbegabte Wesen sind und daher gleich an Rechten und Pflichten:

„Genau genommen ist das menschliche Wesen übrigens weder männlich noch weiblich: das unterschiedliche Geschlecht ist nicht dazu da, einen Unterschied in der Ausprägung herauszubilden, sondern es dient lediglich der Fortpflanzung. Das einzige wesenhafte Merkmal besteht in der vernunftbegabten Seele. Und wenn es erlaubt ist, beiläufig einen kleinen Scherz zu machen, dann wäre hier wohl jene anzügliche Bemerkung nicht unpassend, die besagt: nichts ähnelt dem Kater auf einer Fensterbank mehr als – die Katze. Der Mensch wurde sowohl als Mann wie Frau geschaffen. Männer und Frauen sind eins.“

Hundert Jahre später widersprach der Humanist Rousseau dieser Auffassung und erklärte statt der feministischen Menschenrechte die humanistischen Männerrechte. Die französische Philosophin Olympe de Gouges kritisierte den Sexismus ihrer Zeit mit deutlichen Worten:

„Die Sturmglocke der Vernunft ist im ganzen Universum zu hören; erkennt eure Rechte! Das gewaltige Reich der Natur ist nicht mehr umlagert von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglaube und Lügen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und Anmaßung zerstreut. Der versklavte Mann hat zwar seine Kräfte vervielfacht, aber er hat der eurigen bedurft, um seine Ketten zu sprengen. Kaum in Freiheit versetzt, ist er nun selbst ungerecht geworden gegen seine Gefährtin. O Frauen! Frauen, wann wird eure Verblendung ein Ende haben? Was sind denn die Vorteile, die euch aus der Revolution erwachsen sind? Ihr werdet noch mehr verachtet, noch offener verhöhnt.“

Im 17. Jahrhundert erklärte Marie les Jars de Gournay die Gleichheit von Männern und Frauen, aber im 18. Jahrhundert erklärten die Männer der Französischen Revolution kurzerhand nur die Männer- und Bürgerrechte. Oft werden diese Männer- und Herrenrechte fälschlicherweise als Menschen- und Bürgerrechte übersetzt, obwohl Frauen dezidiert nicht mit „des hommes“ gemeint waren, was Oylmpe de Gouges in ihrer Antwort „Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ deutlich kritisierte.

„Fürchtet ihr, dass unsere französischen Gesetzgeber – Richter über jene Moral, die sich lange Zeit in der Politik eingenistet hat, nun aber überlebt ist – es euch wiederholen: „Frauen, was habt ihr mit uns gemein?“ „Alles“, werdet ihr zu entgegnen haben. Und wenn sie sich in ihrer Schwäche darauf versteifen, mit ihren eigenen Prinzipien in Widerspruch zu geraten, dann setzt beherzt die Macht der Vernunft ihren eitlen Anmaßungen entgegen, euch überlegen zu sein (…) Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermaßen das Recht haben, die Tribüne zu besteigen!“

Zu keiner Zeit war die Hauptströmung des Feminismus von dem Gedanken geprägt, Männer seien den Frauen untergeordnet. Dem Humanismus jedoch hingen nicht selten führende Philosophen an, die Frauen den Männern unterstellten. Es sind daher die Humanisten, die sich fragen sollten, ob der Humanismus etwas ehrenwertes ist, nicht die Feministinnen!

Feministinnen kämpften stets für die Gleichberechtigung aller Menschen. Die führenden Köpfe im Kampf gegen die Sklaverei waren nicht selten Frauen: Aphra Behn (17. Jahrhundert), Mary Wollstonecraft (18. Jahrhundert), Mathilde Franziska Anneke (19. Jahrhundert).

Während Olympe de Gouges für die Menschenrechte stritt und das Recht eines jeden Menschen auf einen fairen Prozess verteidigte, erklärten die männlichen Sieger der Revolution den Terror. Obwohl Olympe de Gouges eine blühende Republikanerin war und in dem König einen Feind der Demokratie sah, kämpfte sie für einen fairen Prozess des Königs, weil für sie Menschenrechte unveräußerlich waren, selbst für die größten Feinde. Für Olympe de Gouges sollte die Vernunft herrschen. Die Sieger der Revolution sahen das anders. Am 17. Januar 1794 erklärte Maximilien Robespierre den Sieg der „Natur“ über die Vernunft:

„Wenn man vorschlägt, Ludwig XVI. den Prozess zu machen, so stellt man die Revolution in Frage. Kann er gerichtet werden, so kann er freigesprochen werden, kann er freigesprochen werden, so kann er unschuldig sein. Ist er aber unschuldig, was wird aus der Revolution? (…) Wie könnte der Tyrann den gesellschaftlichen Pakt für sich anrufen? Er hat ihn vernichtet! Welche Gesetze sind an seine Stelle getreten? Die Gesetze der Natur: das Volkswohl.“

Olympe de Gouges jedoch verteidigte die Gesetze der Vernunft und landete dafür auf dem Schafott. Am 3. November 1793 wurde sie hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatte sich den „Gesetzen der Natur“ widersetzt. Sie wusste warum.

Der griechische Philosoph Platon erklärte zwar schon vor über 2400 Jahren in dem fünften Buch seiner Abhandlung „Politeia – Der Staat“, dass Frauen den gleichen Zugang zu politischen Ämtern haben müssen und forderte sogar die Gleichstellung der Frauen in der Erziehung, er erklärte aber dennoch eine generelle Minderwertigkeit der Frau und begründete dies mit der Natur.

In seiner Schrift „Timaios – Über die Natur“ erklärt er im 44. Aufsatz, dass Männer, die Zeit ihres Lebens Feiglinge waren oder Unrecht übten, als Frauen wiedergeboren werden. In der „Politeia“ betont er, dass „der Anblick nackter Frauen bei der Gymnastik auch die älteren Frauen, sowie auch die Greise in den Gymnasien lächerlich sind, wenn sie, als runzlige und gar nicht lieblich anzuschauen, dennoch ihre Lust zu Leibesübungen nicht aufgeben“.

Platon erklärt zwar, dieses Gefühl der Lächerlichkeit sei einer für ihn nicht verständlichen Abneigung der Nacktheit geschuldet, es fällt jedoch auf, dass er jedes Mal mit der Natur argumentiert, wenn er den Mann über die Frau stellt.

Wenn die Mächtigen krank werden, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie verlangen nach der Vernunft des Arztes. Wenn ihnen Unrecht widerfährt, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie rufen nach der Vernunft des Richters. Wenn Menschen aber andere Menschen unterdrücken wollen, dann holen sie schnell die Natur aus der Kiste. Dann gibt es auf einmal die Natur der Frau, die Natur des Juden oder die Natur des Schwarzen und die Mächtigen tun so, als wüssten sie genau, was die Natur will, ganz so als hätten sie erst letzten Sonntag mit Mutter Natur Kaffee getrunken. Hedwig Dohm kritisiert dieses Verhalten scharf:

„Wie der Mensch sich seinen Gott nach seinem Ebenbild schafft, so legt ein jeder seine Anschauungen der Natur in den Mund. Eine Byzantinerin ist die Natur, redet dem, der gerade die Macht hat, zu Munde, oder gibt wenigstens immer die Antwort, die der Fragende erwartet. Was ist natürlich, was unnatürlich? Die meisten geistigen Errungenschaften sind Einbrüche in vermeintliche Naturgesetze. Das scheinen die Antifeministen selbst zu bestätigen, wenn sie sagen: „Wir müssen auf der Änderung dieser verkehrten Welt bestehen.“ Recht haben sie. Wir bestehen ja auch darauf. Nur wollen sie, dass die Welt wieder so werde, wie sie einstmal war, wir aber wollen, dass sie werde, wie sie noch niemals war. Und sage nicht, es muss so sein, weil es niemals anders war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!“

Hedwig Dohm verurteilte besonders, dass die alte Frau von so vielen Menschen verächtlich gemacht wird:

„Von dem, was für unangemessen gilt, beruht das meiste auf Gewohnheit und Zeitvorurteil. Ein Beweis dafür ist, dass ein Tun, das die alte Frau lächerlich macht, bei dem gleichaltrigen Mann Beifall, oft den allerlebhaftesten, findet. Eine alte Frau mit Schlittschuhen an den Füßen, auf dem Fahrrad, auf dem Pferd, – lächerlich; der achtzigjährige Moltke auf dem Pferd wurde als eine bewundernswerte Erscheinung angestaunt; dem weißbärtigen Schlittschuhläufer folgen nur wohlwollende Blicke.

Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen; aber gegen den zu frühen Tod des Weibes sind viele Kräutlein gewachsen. Das kräftigste heißt: bedingungslose Emanzipation der Frau – und damit die Erlösung von dem brutalen Aberglauben, dass ihr Daseinsrecht nur auf ihrem Geschlecht beruhe.“

Es ist völlig irrelevant, was die Natur will, wenn sie überhaupt was will. Die meisten Menschen heute würden gar nicht leben, ginge es nach der Natur.

Wenn es nach der Natur ginge, wäre ich schon längst tot!

Würden Sie etwa noch leben? Hatten Sie schon mal eine Operation? Tragen Sie ein Brille? Haben Sie eine schwere Grippe überstanden? Nutzen Sie moderne Technik? Dann sind Sie wider der Natur noch hier. Die Natur hätte Sie längst entsorgt!

Viele Menschen glauben, Natur sei das Naherholungsgebiet am Stadtrand. Die Wälder in Deutschland sind aber keine Natur. Sie sind Kultur. Sie werden von der Vernunft der Mitglieder des Forst- und Grünflächenamts gut verwaltet. Natur ist nicht gepflegter Wald und gemähte Wiese. Natur ist, wo der Mensch Beute ist!

Die Natur hat keine Absicht. Sobald der Natur Absichten und Moral unterstellt wird oder sobald der Natur ein Schöpfer gegeben wird, haben wir es mit einer Religion zu tun und Religion ist Kultur.

Gut und böse sind Kategorien der Vernunft. Die Vernunft versucht zwar, Natur wissenschaftlich zu verstehen, aber alles, was Vernunft hat, weiß oder mindestens ahnt, dass Moral in der Natur nicht zu finden ist.

Die Moral war lange Zeit ein Diktat der Götter. In der heutigen Zeit, da der Glaube an Gott vielerorts verschwunden ist, flüchten nicht wenige, die religiös heimatlos geworden sind, in den Schoß der Natur und ernennen die Natur zu ihrem Gott. So wie sich die Menschen einst Gott nach ihrem Bilde schufen, so legen sie heute der Natur ihre Ansichten in den Mund! Für die Einen regelt Gott, was gut und was böse ist, für die Anderen die Natur.

Ob man nun aber gottesfürchtig oder naturfürchtig ist, das Sagen haben jene, die glaubhaft machen können, Erleuchtete zu sein, die vorgeben, den direkten Draht nach oben zu haben. Sie wissen angeblich genau, was Gott oder die Natur will. Sie behaupten, es vernommen zu haben und erklären, den wahren Weg zu kennen. Sie sind die Propheten, die Guten! Und sie benehmen sich so!

Um gute Dinge zu vollführen, braucht es jedoch keinen Gott. Gott stört bei guten Taten nicht, hilft höchstens dabei. Böse Taten jedoch brauchen einen Gott, nämlich den festen Glauben daran, die abscheulichen Taten im Namen eines höheren Sinns und Zwecks zu begehen. Gotteskrieger kämpfen für den lieben Gott und Naturgläubige für die liebe Natur.

Die Natur ist aber nicht lieb. Sie ist auch nicht böse. Die Natur ist indifferent und kennt keine Moral. Sie ist!

Gut und böse sind Kategorien der Vernunft. Der Mensch muss sie selbst definieren, verteidigen und leben. Hätte der Mensch alles Neue verdammt, weil es 5000 Jahre vorher anders gemacht wurde, säße er heute noch als ständige Beute in einer Höhle und würde noch vor dem 30. Lebensjahr verrecken.

Es waren kluge Philosophen wie die Feministinnen, die ihre Vernunft genutzt haben, um sich zu emanzipieren und sich zu befreien von den Ketten, die uns vermeintlich von der Natur angelegt wurden. Es ist daher eine Frage des Stolzes, Feminist zu sein. Hedwig Dohm sagte:

„Mehr Stolz, Ihr Frauen, der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn!“

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Der israelische Verteidigungsminister erklärt seinen Rücktritt

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat seinen Rücktritt erklärt. Wer ist dieser Mann?

Avigdor Lieberman ist Gründer der Partei „Unser Haus Israel“ und ist unbestritten ein Hardliner. In einem Land, das von seinen Nachbarn vernichtet werden soll, ist es nicht ungewöhnlich, eine harte Linie zu entwickeln. Die regierende Partei im Gazastreifen fordert in ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden weltweit (Artikel 7) und wirft regelmäßig Raketen auf Israel ab, in der Hoffnung, so viele Menschen wie möglich zu töten. Die Fatah wiederum preist in der sogenannten Palästinensischen Autonomie auf Feierlichkeiten den Völkermord an Juden, während Straßen und Plätze nach Judenmörder benannt und Familien von Terroristen fürstlich belohnt werden. Da würde ich auch hart drauf reagieren.

Avigdor Lieberman reagiert mit seinen Rücktritt auf Israels Zustimmung zu einer Waffenruhe mit der Hamas. Die Waffenruhe sei eine „Kapitulation vor dem Terror“ und fügt hinzu: „Wir kaufen uns Ruhe für eine kurze Zeit und schaden dabei der nationalen Sicherheit.“

Jeder Jude, der sich der erklärten Massenmordabsicht der Hamas entgegenstemmt, ist ein Hardliner – und das ist auch gut so! Wohin ein sofort Umgang mit diesen Mördern führt, zeigt die Geschichte.

Es gibt weder in der Hamas noch in der Fatah einen einzigen Politiker, der so gemäßigt ist wie Avigdor Lieberman. Im Vergleich zu der Hamas und der Fatah ist Lieberman ein Friedensengel. Gäbe es in der Regierung der palästinensischen Autonomie auch nur einen Mann wie Avigdor Lieberman, der Frieden wäre übermorgen da! Ein Beispiel:

Im Jahr 2001 gestand Lieberman, einem zwölfjährigen Jungen, der seinen Sohn angegriffen hatte, ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Vorfall ereignete sich 1999 in der israelischen Siedlung Nodkim. Nachdem sein Sohn ihm von dem Angriff erzählt hatte, spürte Lieberman dem Jungen auf und schlug ihn. Er wurde wegen tätlichen Angriffs und Drohung schuldig gesprochen. Das ist Israel! Terroristen, die Juden niederstechen, Eltern vor ihren Kindern abschlachten und auf Straßen und in Synagogen Massaker veranstalten, werden in der Palästinensischen Autonomie nicht verurteilt, sondern als Helden gefeiert. Das ist der Unterschied!

Das Problem vieler selbsternannter Nahostexperten, auch bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, besteht darin, dass sie bereits jauchzen, wenn ein Politiker in Gaza kein Hitler ist, sie aber garstig einen jüdischen Politiker in Israel in Grund und Boden kritisieren, wenn er kein Nathan der Weise ist.

Vor einiger Zeit habe ich Bekanntschaft mit einem rheinischen Lokalpolitiker gemacht, der ein typisches Beispiel der Gattung Nahostexperte ist. Sein Name ist Frieder Wolf. Er ist der Leiter des Kölner Büros für „Internationale Angelegenheiten“. Ja, Köln leistet sich einen eigenen Kölschen Außenminister. Frieder Wolf gibt an, sich für den christlich-jüdischen Dialog einzusetzen und besonders, so betont er, liege ihm der Frieden im Nahen Osten am Herzen.

Wie schön. Ein Beamter einer Stadt, in der es über 600 Jahre gedauert hat, einen Dom zu bauen, wo Kirchtürme wegsacken, Stadtarchive einstürzen und über Silvester stundenlang ein rechtsfreier Raum entstand, weil die Polizei nicht in der Lage war, die Grundrechte seiner Bürgerinnen zu garantieren, diese Stadt mit Baustellen an jeder Ecke möchte vom Rhein aus den Nahen Osten befrieden.

Der Regisseur und Autor Tuvia Tenenbom besuchte jüngst den kölschen Außenminister in seinem Büro, nachdem er sich als Mann vorgestellt hatte, der seine Aufgabe darin sähe, Juden zu retten. “Ein Judenretter”, dachte sich Tuvia und entschied: “Ich möchte sehen, wie das Büro eines städtisch angestellten Judenretters in Köln aussieht.”

Tuvia ging also ins Büro von Frieder Wolf und war überrascht über das Bild, das er prominent platziert im Büro des kölschen Außenministers vorfand: Frieder Wolf zusammen mit Mahmud Abbas von der Fatah, der im Juli 2013 diese Worte zu überwiegend ägyptischen Journalisten sprach:

“In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.”

Das erste Mal fiel mir der Kölsche Außenminister auf, als er in einer Diskussion zu einem Vortrag mit dem Titel “Wo Israel ist und wo Palästina? Der lange Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung aus israelischer Sicht” nicht vor einem Israel-Nazideutschland-Vergleich zurückschreckte und keinen Mucks von sich gab, als die Veranstaltung mit der Aussage einer jungen Frau endete, die ernsthaft anmerkte, dass sie angesichts des Verhaltens Israels den Hass gegen Juden und Israelis verstehen könne. In einer späteren Mail fragte ich ihn, wie es möglich sein kann, Friedensgespräche mit der Hamas zu fordern, im Wissen, dass die Hamas laut Artikel 7 der Hamas Charta alle Juden vernichten möchte und ein Minister der Hamas folgendes öffentlich erklärt:

„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“

Darauf erwiderte der Kölsche Außenminister vom offiziellen Mailaccount der Stadt Köln aus, dass sich „Ekelhaftigkeiten“ auf beiden Seiten finden lassen:

„Gegenseitiges Misstrauen ist ein Teil des ungelösten Konflikts. Die Mehrheit der Israelis befürchtet, dass die Palästinenser und Araber alle Juden ins Meer treiben wollen, und die Mehrheit der Palästinenser befürchtet, dass aus Israel mehr und mehr Groß-Israel und die Westbank dem Stadt Israel einverleibt wird.“

Wenn ein Nahostexperten spricht, kann es richtig heiter werden. Nahostexperte Wolf zum Beispiel sagt, Israelis „befürchten“ nur, dass Palästinenser und Araber alle Juden ins Meer treiben wollen. Es klingt fast so als seien paranoiden Juden für ihn das Problem und nicht der Minister der Hamas, der genau diesen Vernichtungswunsch im Fernsehen erklärt hat oder der Mufti Muhammad Hussein, der von Mahmud Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt wurde und am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah folgende Worte in die jubelnde Menge sprach:

„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben. Die Juden werden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume zu uns rufen: ‚Oh Moslem, Diener Allahs, da versteckt sich ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.'“

Der Kölsche Außenminister ist sich sicher, „Ekelhaftigen“ gibt es auf beiden Seiten:

„Äußerungen radikaler Siedler stehen denen von Hamas nicht nach. Beide sind ekelhaft und verabscheuungswürdig.“

Das ist der typische Taschenspielertrick selbsternannter Nahostexperten. Sie vergleichen politische Führungspersonen und religiöse Autoritäten auf der arabischen Seite mit radikalen Privatpersonen auf der israelischen Seite. Der Kölsche Außenminister führt aus:

„Ich verurteile Hasstiraden, Rassismus und ganz besonders Antisemitismus. Aber ich verurteile Rassismus auf beiden Seiten. Und das, was radikale Kräfte auf israelischer Seite äußern und bisweilen auch tun (siehe die wiederholten Übergriffe fanatisierter jüdischer Siedler gegen Palästinenser) ist ebenfalls blanker Rassismus. Wer nicht beides thematisiert, ergreift einseitig Partei. Das geschieht häufig in der Politik. Führt aber in die Sackgasse, in der der Nahe Osten seit Jahrzehnten steckt. Da mache ich nicht mit.“

Der Kölsche Außenminister behauptet zwar, ganz besonders den Antisemitismus zu verurteilen, als ich ihn aber mit blankem Judenhass auf arabischer Seite konfrontierte, da verurteilte er nicht sofort laut vernehmlich, sondern verwies auf angeblich ebenfalls gleichwertige „Ekelhaftigkeiten“ auf israelischer Seite. Das ist kein Verurteilen, das ist Relativieren und Verharmlosen!

Es ist so, als verwiese ein Mann, der um eine Stellungnahme zu dem Judenhass von Goebbels befragt wird, auf den Umstand, dass es auch unter Juden Kriminelle gäbe, um dann etwas von „graduellen Unterschieden“ zu faseln. Wenn man mit blankem Judenhass konfrontiert wird, muss man nicht Übergriffe jüdischer Siedler thematisieren, denn das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun! Antisemitismus ist unabhängig vom Verhalten von Juden. Ich zitiere einen arabischen Prediger:

„Überließen uns die Juden Palästina, würden wir dann beginnen, sie zu lieben? Natürlich nicht! Wir werden sie niemals lieben. Absolut nicht! (…) Dein Glaube bezüglich der Juden soll sein, erstens, dass sie Ungläubige sind und zweitens, dass sie Feinde sind! Und sie sind nicht nur Feinde, weil sie Palästina besetzt halten. Sie wären auch unsere Feinde, wenn sie niemals irgendetwas besetzt hätten!“

Für die meisten Nahostexperten reicht es, wenn sich Palästinenser menschlich verhalten. Israelis aber müssen Heilige sein. Genau diese Haltung, von Juden mehr zu verlangen als vom Rest der Welt, ist klassischer Judenhass. Der Kölsche Außenminister verlangt von Israel nicht nur, es besser zu machen als alle andere, Israel muss perfekt sein, schließlich ist Israel der Jude unter den Staaten.

„Graduelle Unterschiede“ nennt es der Kölsche Außenminister. Ich nenne es Judenhass. Wer Juden etwas übel nimmt, das er Nichtjuden nicht übelnimmt, ist ein Antisemit.

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Heute feiern wir 100 Jahre Demokratie

Am 12. November 1918 erging folgender Aufruf an das Deutsche Volk vom Rat der Volksbeauftragten:

“Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“

Dieser Tag ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts und somit der Beginn der Demokratie in Deutschland. Von einer Demokratie kann schließlich nicht gesprochen werden, wenn über die Hälfte der Bevölkerung nicht wählen darf.

Am 30. November 1918 trat das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen daraufhin zum ersten Mal in Deutschland wählen und gewählt werden.

Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eine der größten Revolutionen, die die Menschheit je erlebt hat. Es ist eine Revolution, die es ermöglicht hat, dass die ganze Bevölkerung die Grundrechte erhielt, die uns heute selbstverständlicher Teil unserer Demokratie scheinen. Die Frauen und Männer, die für dieses Recht gekämpft haben, waren Heldinnen und Helden, die nicht selten staatlicher Repression und sogar politischer Verfolgung ausgesetzt waren.

Die Aufklärung beginnt mit der Gewissheit, dass alle Menschen in ihren Rechten gleich geschaffen sind. Die großartige Schriftstellerin Hedwig Dohm, die ihr Leben lang für das Frauenwahlrecht gekämpft hatte und am 19. Januar 1919 in hohen Jahren und kurz vor ihrem Tod das erste Mal wählen durfte, hat es auf folgende einfache Formel gebracht:

“Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

In Frankreich wird die französische Revolution am 14. Juli gefeiert. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Unabhängigkeit am 4. Juli gefeiert. Die Reformation des Christentums wird am 31. Oktober gefeiert. Die feministische Revolution in Deutschland sollte ebenfalls einen Feiertag bekommen!

Frauen waren in Europa noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht im Besitz der Menschenrechte. Sie durften in Frankreich und den USA nicht wählen, im Gegensatz zu ehemaligen männlichen Sklaven. Die Tore der höheren Bildung waren ihnen verschlossen und ökonomisch wurden sie brutal ausgebeutet.

Frauen waren Sklaven.

Noch heute werden Frauen an vielen Orten der Welt brutal unterdrückt. Sie werden gesteinigt und in Gefängnisse gesperrt. Einige sind aus Stein, andere aus Stoff.

Was Frauen erleben und erleben mussten, aber auch was sie erkämpft und erreicht haben, nämlich die Freiheit für sich und alle Menschen, stellt alles davor Dagewesene in den Schatten. Die Revolution der Frauen hat mehr Menschen befreit als die französische Revolution oder die amerikanische Revolution, die lediglich weniger als die Hälfte der Bevölkerung befreit hatten.

Wären die Heldinnen der feministischen Revolution Männer gewesen, stünden heute überall Statuen dieser Helden herum, Jungs und Mädchen könnten aus dem Stand ein paar Namen der Revolution nennen und sie würden sich stolz als Suffragetten verkleiden. Die Schriftstellerin Rebecca West sagte einst:

„Ich selbst habe es nie geschafft, genau herauszufinden, was Feminismus ist. Ich weiß nur, dass ich immer dann als Feministin bezeichnet werde, wenn ich Gefühle zum Ausdruck bringe, die mich von einer Fußmatte unterscheiden.“

Das Wort „Feminist“ ist ein Kompliment.

Nennt mich einen Feministen! Es macht mich stolz, Feminist genannt zu werden, denn Marie le Jars de Gournay war eine Feministin. Im Jahr 1622 veröffentlichte sie das Werk „Über die Gleichheit“ und argumentiert dort, dass alle Menschen ungeachtet der Herkunft und des Geschlechts vernunftsbegabte Wesen sind und daher gleich an Rechten und Pflichten:

„Genau genommen ist das menschliche Wesen übrigens weder männlich noch weiblich: das unterschiedliche Geschlecht ist nicht dazu da, einen Unterschied in der Ausprägung herauszubilden, sondern es dient lediglich der Fortpflanzung. Das einzige wesenhafte Merkmal besteht in der vernunftbegabten Seele. Und wenn es erlaubt ist, beiläufig einen kleinen Scherz zu machen, dann wäre hier wohl jene anzügliche Bemerkung nicht unpassend, die besagt: nichts ähnelt dem Kater auf einer Fensterbank mehr als – die Katze. Der Mensch wurde sowohl als Mann wie Frau geschaffen. Männer und Frauen sind eins.“

Hundert Jahre später widersprach der Humanist Rousseau dieser Auffassung und erklärte statt der feministischen Menschenrechte Gournays die humanistischen Männerrechte. Zu keiner Zeit war die Hauptströmung des Feminismus von dem Gedanken geprägt, Männer seien den Frauen untergeordnet. Dem Humanismus jedoch hingen nicht selten führende Philosophen an, die Frauen den Männern unterstellten. Es sind daher die Humanisten, die sich schämen sollten, nicht die Feministinnen!

Feministinnen kämpften stets für die Gleichberechtigung aller Menschen. Die führenden Köpfe im Kampf gegen die Sklaverei waren nicht selten Frauen: Aphra Behn (17. Jahrhundert, England), Olympe de Gouges (18. Jahrhundert, Frankreich), Mathilde Franziska Anneke (19. Jahrhundert, USA). Die Amerikanische Revolution und die Englische Revolution befreiten jeweils nur Männer. Die Suffragettenbewegung jedoch befreite im 20. Jahrhundert alle Menschen und ist somit die erfolgreichste Revolution der Menschenheitsgeschichte, deutlich erfolgreicher als die Französische Revolution, die im Terror endete und Frauen ihre Rechte absprach.

Olympe de Gouges lebte während der Französischen Revolution. Sie stellte die Vernunft in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung und und widersprach dem Terror:

„Die Sturmglocke der Vernunft ist im ganzen Universum zu hören; erkennt eure Rechte! Das gewaltige Reich der Natur ist nicht mehr umlagert von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglaube und Lügen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und Anmaßung zerstreut. Der versklavte Mann hat zwar seine Kräfte vervielfacht, aber er hat der eurigen bedurft, um seine Ketten zu sprengen. Kaum in Freiheit versetzt, ist er nun selbst ungerecht geworden gegen seine Gefährtin. O Frauen! Frauen, wann wird eure Verblendung ein Ende haben? Was sind denn die Vorteile, die euch aus der Revolution erwachsen sind? Ihr werdet noch mehr verachtet, noch offener verhöhnt.“

Erklärte noch im 17. Jahrhundert die Philosophin Marie les Jars de Gournay die Gleichheit von Männern und Frauen (1622), erklärten die Sieger der Französischen Revolution kurzerhand die Männer- und Bürgerrechte (1789), oft fälschlicherweise als Menschen- und Bürgerrechte übersetzt, obwohl Frauen dezidiert nicht mit „des hommes“ gemeint waren, was Oylmpe de Gouges in ihrer Antwort „Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ auch offen kritisierte.

„Fürchtet ihr, dass unsere französischen Gesetzgeber – Richter über jene Moral, die sich lange Zeit in der Politik eingenistet hat, nun aber überlebt ist – es euch wiederholen: „Frauen, was habt ihr mit uns gemein?“ „Alles“, werdet ihr zu entgegnen haben. Und wenn sie sich in ihrer Schwäche darauf versteifen, mit ihren eigenen Prinzipien in Widerspruch zu geraten, dann setzt beherzt die Macht der Vernunft ihren eitlen Anmaßungen entgegen, euch überlegen zu sein (…) Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermaßen das Recht haben, die Tribüne zu besteigen!“

Während Olympe de Gouges für die Menschenrechte stritt und das Recht eines jeden Menschen auf einen fairen Prozess verteidigte, erklärten die männlichen Sieger der Revolution den Terror. Obwohl Olympe de Gouges eine blühende Republikanerin war und in dem König einen Feind der Demokratie sah, kämpfte sie für einen fairen Prozess des Königs, weil für sie Menschenrechte unveräußerlich waren, selbst für die größten Feinde. Für Olympe de Gouges sollte die Vernunft herrschen. Die Sieger der Revolution sahen das anders. Am 17. Januar 1794 erklärte Maximilien Robespierre den Sieg der „Natur“ über die Vernunft:

„Wenn man vorschlägt, Ludwig XVI. den Prozess zu machen, so stellt man die Revolution in Frage. Kann er gerichtet werden, so kann er freigesprochen werden, kann er freigesprochen werden, so kann er unschuldig sein. Ist er aber unschuldig, was wird aus der Revolution? (…) Wie könnte der Tyrann den gesellschaftlichen Pakt für sich anrufen? Er hat ihn vernichtet! Welche Gesetze sind an seine Stelle getreten? Die Gesetze der Natur: das Volkswohl.“

Olympe de Gouges jedoch verteidigte die Gesetze der Vernunft und landete dafür auf dem Schafott. Am 3. November 1793 wurde sie hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatte sich den „Gesetzen der Natur“ widersetzt. Sie wusste warum. Wenn die Mächtigen krank werden, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie verlangen nach der Vernunft des Arztes, wenn ihnen Unrecht widerfährt, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie rufen nach der Vernunft des Richters, wenn sie aber unterdrücken wollen, dann holen sie schnell die Natur aus der Kiste und dann gibt es auf einmal die Natur der Frau, des Juden oder des Schwarzen und die Mächtigen tun so, als wüssten sie genau, was die Natur will, ganz so als hätten sie erst letzten Sonntag mit Mutter Natur Kaffee getrunken. Hedwig Dohm jedoch argumentierte:

„Wie der Mensch sich seinen Gott nach seinem Ebenbild schafft, so legt ein jeder seine Anschauungen der Natur in den Mund. Eine Byzantinerin ist die Natur, redet dem, der gerade die Macht hat, zu Munde, oder gibt wenigstens immer die Antwort, die der Fragende erwartet. Was ist natürlich, was unnatürlich? Die meisten geistigen Errungenschaften sind Einbrüche in vermeintliche Naturgesetze. Das scheinen die Antifeministen selbst zu bestätigen, wenn sie sagen: „Wir müssen auf der Änderung dieser verkehrten Welt bestehen.“ Recht haben sie. Wir bestehen ja auch darauf. Nur wollen sie, dass die Welt wieder so werde, wie sie einstmal war, wir aber wollen, dass sie werde, wie sie noch niemals war. Und sage nicht, es muss so sein, weil es niemals anders war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!“

Hedwig Dohm sagte:

„Mehr Stolz, Ihr Frauen, der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn!“

Die Namen:

Harriet Tubman
Marie de Gournay
Hrotsvit
Olympe de Gouges
Aphra Behn
Rosa Parks
Ada Lovelace
Hedwig Dohm
Adelheid von Burgund
Hildegard von Bingen
Marie Curie
Aspasia

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Der 11. November ist nicht nur Karneval

Als ich vor einigen Jahren vor dem Kölner Karneval flüchtete, fuhr ich mit meiner Frau und unserem Hund durch die Normandie im Norden Frankreichs. Wir kamen an einer Vielzahl Soldatendenkmäler vorbei.

In Frankreich ist die Erinnerung an die Brutalität des Großen Krieges von 1914 bis 1918, der später als 1. Weltkrieg bezeichnet wurde, weil ein zweiter folgen sollte, allgegenwärtig. Sowohl in Frankreich als auch im Vereinigten Königreich, in den USA, in Kanada, Belgien, Australien, Neuseeland und vielen weiteren Ländern wird am 11. November an den Krieg und die Opfer gedacht.

Am Ende des Ersten Weltkrieges legte der Waffenstillstand von Compiègne fest, dass alle Kriegshandlungen am „Elften Tag des elften Monats um elf Uhr“ enden sollten. Diesem Ereignis wird in vielen Ländern alljährlich am 11. November als Veteranentag gedacht. In einigen Ländern werden in Erinnerung an den Waffenstillstand sogar zwei Schweigeminuten gehalten.

In Deutschland wird der 11. November anders begangen. Am Elften im Elften um Elf Uhr Elf beginnt in vielen närrischen Hochburgen Deutschlands der Karneval.

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An open letter to Rashida Tlaib by Gerd Buurmann

Rashida Tlaib was recently elected to Congress. Let me be one of the first persons writing a letter to the new Congresswoman.

The Honorable
Rashida Harbi Tlaib
United States House of Representatives

Dear Ms. Tlaib,

There are nearly 1,694,000 Muslims living peacefully with Jews in Israel. They are the neighbors, colleagues, teachers, lawyers, judges, deputies, police officers, firefighters, soldiers, cooks, sexual partners and much, much more of the Jewish population. They laugh, live, eat, cry and fight together. They live together, not only because they want to live together, but because they have to live together. They share the same country. They are connected in fidelity with the trees, rivers, mountains, seas, lakes, towns, villages and deserts of their homeland which they often include in their prayers. They are one family! Some are distant relatives, others trusted friends. 1,694,000 Muslims are affirmative in their attitudes towards Jews and reach out their hands in peace.

However, those 1,694,000 Muslims are discriminated against by the global campaign of hatred called BDS! The name BDS stands for „Boycott, Divestment and Sanctions“. BDS opposes Israel as a whole and is against Israeli culture. All 1,694,000 Muslims who are living in peace, neighborliness, equality, tolerance and respect with Jews are Israeli citizens and thus the target of BDS discrimination. The campaign encourages boycotting and punishing Muslims, as well as to end any kind of support for those Israeli Muslims.

BDS demands that Muslims who live peacefully with Jews be treated as Jews. What do you say about this hate?

The Hamas Deputy Minister of Religious Endowments, Abdallah Jarbu, declared on February 28, 2010:

“Jews are foreign bacteria –microbes unparalleled in the world. (…) I condemn whoever believes in normalizing relations with them, whoever supports sitting down with them, and whoever believes that they are human beings. They are not human beings.“

Wiam Wahab, a former Lebanese minister, said on Al-Jadid / New TV (July 4, 2010) that he supported Brazil for their soccer, but Germany politically „because they hate the Jews and they burned them“.

Lebanon is one of the countries which have imposed a travel ban against me, Gerd Buurmann, just because I dared to visit the land of Israel. Besides Lebanon, Syria, Kuwait, Yemen, Libya, Saudi Arabia and Iran reserve the right to not let people into their countries if they are Jews or visited Israel. Many of these countries express pride in having expelled all Jews from their countries. They are proud of genocide. These countries also have pride in pursuing homosexuals. Homosexuals are executed regularly in Iran, Yemen, Saudi Arabia and in Gaza. These countries operate the worst kinds of apartheid.

The hate is directed against a country which decided to equip public hospitals with prayer rooms for all religions, after a Muslim had successfully appealed to the Supreme Judicial Court because he had to pray outdoors in front of a hospital in Tel Aviv. There are no prayer rooms in hospitals in the Gaza Strip, in Algeria, Saudi Arabia, Jordan and in Libya for Jews, much less even residence permits for them. In these regions, it is forbidden to be a Jew. Those places are all „Jew-free“!

Israel is a country in which a 19-year-old Arab woman from the northern port city of Akko, Lina Mahul, won first place in the Israeli edition of „The Voice“. Mohammed Assaf on the other hand won „Arab Idol“ with a song which tells of the destruction of Israel.

What is your position on this hate?

Some time ago in Israeli television, a hidden camera revealed how the people of Israel responded to discrimination. A gas station retailer refused to serve Arabs. TV show guests responded as follows:

Israel is the only country in the Middle East in which 1,694,000 Muslims live securely, in a democracy which allows them to be gay or lesbian. They have the same rights as all other citizens in the country, regardless of their gender and skin color.

Every fifth Israeli is a Muslim. Israel is the only country in the Middle East, in which the people can choose their government… and have it replaced. The Israeli government is the only democratically elected country in the Middle East in which Muslims and Arabs reside.

Do you support Israel?

Mahmoud Abbas was elected in 2005 as president of the Palestinian Authority, but his term ended on January 9, 2009. Since then, he holds no legitimacy. BDS remains silent! Jordan is a monarchy with Islam as the state religion and Sharia law. All non-Muslim Palestinians in Jordan are second-class citizens. BDS is silent! In Syria, all Palestinians have been disenfranchised and are locked up in refugee camps. In January 2014, the Syrian army encircled Palestinians in a camp and let them starve.

Dear Ms. Tlaib,

Jew-hatred is a special form of discrimination and can be expressed in this simple formula:

„A Jew-hater criticizes Jews for things that non-Jews are not criticized for.“

This is precisely the hatred of the BDS movement and of everyone blaming Israel while keeping silent about the Hamas and Fatah, formally known as PLO.

BDS is silent on all barbaric inhumanity in the world, but criticizes Israel because the country is not perfect. BDS denies the right for the existence of Jews if they are not perfect. Jews must be superhuman in order to retain a right of existence. For all others it’s OK to just be human. An Israeli politician is already demonized when he’s not a saint. An Arab politician can be a saint for just not being a devil. This is the century old campaign against Jews and BDS is a modern child of that ancient hatred.

This hatred spends billions to find Jews who are not perfect and call out: Look, the Jews! Countless journalists, correspondents, European and American organizations are in Israel for the sole purpose of making documentaries and writing stories that show that Jews are not perfect. These images, films and stories are produced in short intervals in order to perpetuate the idea that Israel is the greatest threat to world peace.

Israel is the only country that despite a nearly seventy-year-long war, whereby adversaries aim for its complete destruction, has retained all basic principles of a democratic society. This is unique in history. Although Israel is not perfect, there is no other country which does so well in the face of such animosity and hate. The Prime Minister of Israel Benjamin Netanyahu said in 2015:

„President Abbas, I know it’s not easy. I know it’s hard. But we owe it to our peoples to try, to continue to try, because together, if we actually negotiate and stop negotiating about the negotiation, if we actually sit down and try to resolve this conflict between us, recognize each other, not use a Palestinian state as a stepping stone for another Islamist dictatorship in the Middle East, but something that will live at peace next to the Jewish state, if we actually do that, we can do remarkable things for our peoples.“

The Israeli Declaration of Independence states:

„WE EXTEND our hand to all neighbouring states and their peoples in an offer of peace and good neighbourliness, and appeal to them to establish bonds of cooperation and mutual help with the sovereign Jewish people settled in its own land. The State of Israel is prepared to do its share in a common effort for the advancement of the entire Middle East.“

Dear Ms. Tlaib,

should Israel’s peace offers be boycotted or should Israel be supported?

Please don’t list the mistakes Israel has made. I’m informed enough. Please explain why you are not only more critical of Jews, but very tough in your assessment. Why do you support an organization that boycotts, sanctions and punishes Jews when they’re not perfect, but then silent on the barbarous inhumanity of those who want to annihilate the Jews?

Part of your family is living in an area between Jordan and Israel. It’s not the fault of Israel that they live in misery. It’s the fault of the Palestinian National Authority. Fatah as well as Hamas oppress life, liberty and the pursuit of happiness. They have installed an apartheid regime. They are to blame! Don’t you think so, too?

Alles Liebe,
Gerd Buurmann (Cologne, Germany)

Veröffentlicht unter Nachrichten | Kommentare deaktiviert für An open letter to Rashida Tlaib by Gerd Buurmann

Vielen Dank!

Heute schaue ich in meinen Briefkasten und finde dieses Geschenk. Wer immer mir dieses wunderbare Buch geschickt hat: Vielen Dank! Ich bin sehr gerührt. Toll.

Wenn sich die edle Person, die mich glücklich beschenkt hat, zu erkennen geben möchte, einfach melden.

Danke!

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Der öffentliche Friede

Im Strafgesetzbuch steht unter §166:

Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Interessant bei dieser Formulierung ist, dass der öffentliche Friede nicht mal gestört sein muss, es reicht, wenn die Handlung geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Die Frage ist allerdings:

Was ist der öffentliche Friede in Zusammenhang mit einer Religion?

Um diese Frage beantworten zu können, hilft wohl nur ein Blick in ein religiöses Werk weiter. Schauen wir daher mal in den Koran hinein. In Sure 5 finden wir:

Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einen Menschen das Leben hält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach beginnen viele von ihnen Ausschreitungen im Lande. Der Lohn derer, die gegen Allah und seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden und dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil.

Kurz zusammengefasst steht dort folgendes

„Wir haben den Juden verordnet, wer tötet, tötet eine ganze Welt. Für Euch aber gilt, wenn jemand ein Verderben im Lande anrichtet, dann hackt ihnen die Hände und Füße ab.“

Der Ausdruck „Verderben im Lande“ ist in etwa so klar definiert wie „öffentlicher Friede“. Weniger ungenau und geradezu konkret werden Koran und Strafgesetzbuch jedoch, wenn es darum geht, was mit den Leuten geschehen soll, die ein „Verderben im Lande“ anrichten oder den „öffentlichen Frieden“ stören. Das Strafgesetzbuch sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Der Koran jedoch sieht Vertreibung, Kreuzigung oder wechselweise Hände und Füße abhacken vor, je nach Stimmungslage und ortsüblicher Tradition.

Offenkundig stört der Koran mit diesen Worten nicht den öffentlichen Frieden, denn er kann frei und ohne Auflagen öffentlich vertrieben werden.

Kritikern des Islams wird jedoch oft vorgeworfen, den öffentlichen Frieden durch ihre Kritik zu stören. In der Europäischen Menschenrechtskonvention heißt es zum Thema Freiheit der Meinungsäußerung in Artikel 10:

Die Ausübung dieser Freiheiten ist mit Pflichten und Verantwortung verbunden; sie kann daher Formvorschriften, Bedingungen, Einschränkungen oder Strafdrohungen unterworfen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die nationale Sicherheit, die territoriale Unversehrtheit oder die öffentliche Sicherheit, zur Aufrechterhaltung der Ordnung oder zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral, zum Schutz des guten Rufes oder der Rechte anderer, zur Verhinderung der Verbreitung vertraulicher Informationen oder zur Wahrung der Autorität und der Unparteilichkeit der Rechtsprechung.

Es geht um die Sicherheit. Genau da liegt das grundlegende Problem.

§166 StGB wird oft als ein Paragraf missverstanden, der die Gotteslästerung unter Strafe stellt. Das macht dieser Paragraf jedoch mitnichten. In Deutschland ist es selbstverständlich erlaubt, Gott zu lästern. Auch Religionen dürfen verballhornt und ins Lächerliche gezogen werden, selbst unter Verwendung obszöner Worte und unter Zuhilfenahme von polemischen Bildern. Weder Charlie Hebdo noch das Satireblatt Titanic sind in Deutschland verboten.

§166 StGB gibt dem Staat nicht das Recht, inhaltlich, ästhetisch oder moralisch über Meinungen und Aussagen zu Religionen und Gott zu urteilen. Das Beschimpfen von Religionen und Weltanschauung ist nicht verboten. Allerdings gibt dieser Paragraf dem Staat die Möglichkeit, das Beschimpfen von Bekenntnissen zu ahnden, wenn damit der „öffentliche Friede“ gestört wird. Das bedeutet, je unentspannter und gewaltbereiter Mitglieder einer Religionsgemeinschaft auf Urteile über ihren Glauben reagieren, umso eher ist der „öffentliche Friede“ in Gefahr.

§166 StGB ist klassische Täter-Opfer-Umkehr in ein Gesetz gegossen.

Der Mord an den Filmemacher Theo van Gogh im Jahr 2004, die brutalen Ausschreitung nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in Dänemark im Jahr 2005, die Morde an die Künstlerinnen und Künstler von Charlie Hebdo im Frühjahr 2015, die anhaltende Verfolgung von Kritikern des Islams wie Hamed Abdel-Samad und Seyran Ateş zeigen, dass es eine Menge Muslime gibt, die die Sure 5 des Korans als Rechtfertigung für Gewalt auslegen. Sie stören den „öffentlichen Frieden“ um gegen jene vorzugehen, die „Verderben im Lande“ stiften.

Mit §166 StGB werden nicht jene belangt, die zur Gewalt greifen, sondern jene, gegen die sich die Gewalt richtet.

So wie es Menschen gibt, die Frauen das Tragen eines zu kurzen Rocks vorwerfen, wenn sie vergewaltigt wurden, so macht §166 StGB die Kritiker von Religionen zu Tätern, wenn sich durch ihre Aussagen Fanatiker bemüßigt sehen, zur Gewalt zu greifen.

So wie es Länder gibt, die Frauen zwingen, sich zu verhüllen, da sie andernfalls den „öffentlichen Frieden“ mit ihren „Reizen“ stören würden, so verhüllt §166 StGB Aussagen über Religionen, wenn es Menschen gibt, die diese Aussagen als Beschimpfungen wahrnehmen und sich dadurch so gereizt fühlen, dass der „öffentliche Friede“ in Gefahr ist.

§166 StGB ist ein Kopftuchzwang fürs Beschimpfen.

Das Strafgesetzbuch und die Europäische Menschenrechtskonvention honorieren die Gewaltbereitschaft religiöser Fanatiker und extremer Ideologen. Es gibt nur einen Weg hinaus aus dieser Situation. §166 StGB muss abgeschafft werden. Das Missbrauchspotential ist einfach zu hoch. Der Paragraf lädt notorisch beleidigte Leberwürste der Religionen geradezu ein, eine Störung der öffentlichen Ruhe herbeizuführen, um dadurch ihren Willen einer missverstandenen Ehre durchzusetzen.

Was immer uns Fundamentalisten glauben machen wollen, Worte, Bilder, Kunstwerke und Zeichnungen vermögen es nicht, den öffentlichen Frieden zu stören. Es sind religiöse Menschen, die den öffentlichen Frieden stören, wenn sie nicht in der Lage sind, mit harscher Kritik, wüstem Spott und bitterer Polemik ebenso umzugehen wie Politikerinnen, Schauspieler, Köche, Lehrerinnen und alle anderen Menschen.

Es wird Zeit, dass wir nicht mehr die Kritiker mit den zu kurzen Röcken des religiösen Anstands kriminalisieren, sondern die religiösen Vergewaltiger mit ihren fundamentalistischen Überzeugungen darüber, was über Gott gesagt werden darf. Kein Gott braucht das deutsche Strafgesetzbuch. Ein Gott, der das deutsche Strafgesetz braucht, um seine Macht zu manifestieren, ist ein armseliger Gott.

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Mach mit! Sprich aus!

Wie war das möglich? Wie kam es dazu, dass eine bestimmte ethnische Gruppe in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als eine Feindgruppe dargestellt wurde und sechs Millionen Juden in Deutschland und Europa ermordet wurden?

Wie konnten Millionen anderer Menschen das totalitäre Regime in Deutschland unterstützen, die Ideologie des Nationalsozialismus attraktiv finden und die Verfolgungen von Millionen Mitbürgern ignorieren? Wo blieb die Solidarität, Mut und Protest gegen das, was zu der Zeit passierte?

Auf diese Fragen und viele andere suchen wir in dieser Sendung Antworten. Mach mit! Sprich aus!

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Was gesagt werden darf

„Der Prophet Mohammed hatte nun mal gerne mit Kindern ein bisschen was. Ein 56-Jähriger und eine Sechsjährige? Wie nennen wir das, wenn es nicht Pädophilie ist?“

In Jahr 2009 hielt eine Österreicherin zwei Seminare zum Thema „Grundlagen des Islam“. Darin ging sie auf die Ehe zwischen Mohammed und seiner Frau Aisha ein. Da die Ehe, der Überlieferung zufolge, geschlossen wurde, als Aisha noch ein Kind war, tätigte die Vortragende oben zitierte Aussage. Ein Wiener Gericht verurteilte sie daraufhin zu einer Geldstrafe in Höhe von 480 Euro.

Da die Frau dadurch ihr Recht auf freie Meinungsäußerung verletzt sah, beschwerte sie sich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (Beschwerdenummer 38450/12). Dieser folgte ihrer Argumentation jedoch nicht. Der Gerichtshof erklärte, die Gerichte in Österreich hätten sorgfältig „die Rechte der Frau mit dem Recht anderer auf Schutz ihrer religiösen Gefühle abgewägt“ und seien zu dem Schluss gekommen, dass die Frau die „Grenzen einer objektiven Debatte überschritten habe“. Wenn ein österreichisches Gericht entschiede, die Aussage der Frau als bedrohlichen Angriff auf den religiösen Frieden in Österreich zu bewerten, so sei dies rechtens.

Wenn eine einfache Aussage über die mutmaßliche Pädophilie eines historischen Feldherrn, der laut einigen Überlieferungen vor eineinhalb Jahrtausenden gewirkt, gelehrt, gemordet und mutmaßlich mit Kindern geschlechtsverkehrt hatte, den religiösen Frieden in einem der Aufklärung verschriebenem westlichen Land gefährden soll, dann ist etwas faul in diesem Staate.

Ist das der sogenannte Euroislam?

Es ist unerheblich, wer den oben zitierten Satz für wen getätigt hat. Es tut nichts zur Sache, dass der Vortrag im Auftrag einer Partei gehalten wurde, die in Österreich im Jahr 2017 mit der Regierungsverantwortung bedacht wurde. Der Satz sollte von muslimischen Religionskritikern so problemlos getätigt werden können wie von linken Atheisten oder rechten Katholiken.

Das Christentum wurde in den letzten Jahrhunderten arg kritisiert. Heute nennen wir es Aufklärung! Im Jahr 1927 erschien das Werk „Warum ich kein Christ bin“ von Bertrand Russel. Im Jahr 1950 bekam der Autor den Nobelpreis für Literatur verliehen. Er schrieb:

“Die Religion stützt sich vor allen und hauptsächlich auf die Angst. Ich betrachte die Religion als Krankheit, als Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.”

“Das schlimmste an der christlichen Religion ist ihre krankhafte und unnatürliche Einstellung zur Sexualität.”

“Wenn man sich auf der Welt umsieht, so muss man feststellen, dass jedes bisschen Fortschritt im humanen Empfinden, jede Verbesserung der Strafgesetze, jede Maßnahme zur Verminderung der Kriege, jeder Schritt zur besseren Behandlung der farbigen Rassen oder jede Milderung der Sklaverei und jeder moralische Fortschritt auf der Erde durchweg von den organisierten Kirchen der Welt bekämpft wurde. Ich sage mit vollster Überzeugung, dass die in ihren Kirchen organisierte christliche Religion der Hauptfeind des moralischen Fortschrittes in der Welt war und ist.”

Heinrich Böll war ebenfalls Nobelpreisträger. Er schrieb:

“In seinem Durchschnitts-‘Organ’ ist der deutsche Katholizismus mies bis dreckig, in seinen Methoden dumm bis dreist.”

Der ebenfalls Nobelpreisträger Albert Camus stellte fest:

“Unmoralisch ist das Christentum.”

Friedrich Nietzsche wiederum schrieb:

“Das Christentum war bisher das größte Unglück der Menschheit.”

“Ich heiße das Christentum den einen großen Fluch, die eine große innerlichste Verdorbenheit, den einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist – ich heiße es den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit.”

Heinrich Heine spöttelte:

“Ärgert dich dein Auge, so reiss es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.”

Haben Heine, Böll, Nietzsche, Russel und Camus den religiösen Frieden gestört?

Die Antwort lautet: Ja und es war gut so! Obwohl sie deutliche Worte gegen Christen nutzen, von „Schandfleck“ bis „mies und dreckig“, gelten sie heute als Leuchttürme der Aufklärung. Wer sie verurteilt, verurteilt die Aufklärung.

Was die Welt braucht sind mehr geistige Hämmer, die so auf den Islam schlagen, wie einst Nietzsche auf das Christentum eingeschlagen hat.

Ein Bäcker aus Mekka wird hingerichtet, wenn er den Islam verlässt. In Europa leben Menschen, die nicht mehr ohne Personenschutz das Haus verlassen können, weil sie den Islam kritisiert haben. Islamische Gelehrte haben Todesurteile über diese Kritiker gefällt. Diesen Menschen fällt der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in den Rücken.

Auch in Deutschland wird Kritik am Islam geahndet. Im Jahr 2016 wurde der Religions-Wissenschaftler Hamed Abdel-Samad angezeigt und von der Berliner Staatsanwaltschaft verhört, weil er Mohamed als „Massenmörder und krankhaften Tyrann“ bezeichnet hatte. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er daraufhin:

Wie kann man eigentlich Volksverhetzung messen? Zählt man die Köpfe, die wegen meines Buches abgetrennt wurden, kommt man auf die Zahl Null. Auch wurden deshalb keine Menschen vertrieben oder von ihrer Arbeit entlassen. Wie viele Menschen sind aber seit dem Erscheinen meines Buches im Namen von Mohamed und dem Koran getötet worden?

Wie viele Menschen wurden vertrieben, versklavt oder vergewaltigt? Wer soll wen eigentlich anklagen? Islamkritiker in der islamischen Welt müssen mit Todesstrafe, Gefängnis oder Auspeitschung rechnen. Auch in Europa werden sie von radikalen Islamisten bedroht. Für Politiker sind sie unerwünscht oder mindestens ‚nicht hilfreich‘. Von Linken und Dialog-Profis werden sie schikaniert, diffamiert und kritisiert. Dass auch die deutsche Justiz sich an dieser Sanktionierung beteiligt, ist für mich ein Skandal!“

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, denen, laut Aussagen der Täter, im Namen des Islams Gewalt angetan wurde. Kritische Worte über einen Krieger und religiösen Fanatiker, der vor mehreren Jahrhunderten gewirkt hat und noch heute Krieger und Fanatiker zu ihren Taten motiviert, als rechtlich zu ahnenden Angriff zu bezeichnen und die Kritiker, die diese Worte nicht selten unter Lebensgefahr zu sagen wagen, gerichtlich zu verurteilen, ist ein ungeheuerlicher Skandal in einer der Aufklärung verschriebenen Gesellschaft.

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Das Ende der Volksparteien – Endlich!

Aus allen Ecken der Republik erklingt die Sorge über das Ende der Volksparteien, dabei gibt es überhaupt keinen Grund zur Sorge. Das Ende der Volksparteien ist gut.

Kaum etwas wird in Deutschland mehr geschätzt als Sicherheit. In Deutschland gilt es als erstrebenswerte Stabilität, wenn die Kanzlerin oder der Kanzler länger regiert als Adolf Hitler. Drei Personen haben dies bisher geschafft: Angela Merkel, Helmut Kohl und Konrad Adenauer. Sechzig Prozent der bisherigen fast siebzigjährigen Geschichte der Bundesrepublik fand unter diesen drei Regierungschefs statt.

Kaum etwas wird im politischen Alltag mehr gefürchtet als der Dissens. In Deutschland wird der Konsens großgeschrieben.

Eine Volkspartei versucht den offenen Meinungsaustausch zu vermeiden, indem sie so viele Menschen wie möglich unter ihrem wie auch immer gearteten Begriff des Volkes subsumiert. In einer Volkspartei ist nicht der Streit das höchste Gut, sondern die Harmonie. Dabei gehört der Streit zur Demokratie.

Der Zustand der Demokratie ist die Krise.

Das Wort Krise ist Griechisch (κρίσις) und bedeutete ursprünglich Meinung, Beurteilung, Entscheidung. Die Krise ist somit eine Zeit in der nach reiflicher Beurteilung und dem Austausch von Meinungen Entscheidungen gefällt werden. Nichts anderes wird in einer Demokratie gemacht.

Hinter dem Wunsch nach Volksparteien versteckt sich die Angst vor der Demokratie. In einer Demokratie ist das Volk keine große Masse von Menschen, die identisch sind, sondern eine bunte Mischung von Individuen, die unterschiedlich und doch gleichberechtigt sind. In einer Demokratie ist es notwendig, dass gestritten wird und das so viele Ansichten wie möglich auf den Tisch kommen.

Die Kriminalisierung und die Entfernung des anderen Gedanken sind die ersten Schritte in den Totalitarismus.

Ich freue mich daher über das Ende der Volksparteien, die all die Unterschiede, die uns Menschen zu eigen sind, als etwas gefährliches ansehen und die Masse um der Sicherheit Willen lieber unter dem Begriff eines Volkes vereinen wollen.

Harmonie ist Opium für das Volk.

Ich freue mich über jedes Wahlergebnis, bei dem keine einzige Partei über 22% kommt. Ich sehe es als Vorteil an, wenn alle mit allen reden und sich mindestens drei Partei zu einer Regierungskoalition zusammenraufen müssen. So bleibt die Demokratie lebendig, bunt, vielfältig, kompliziert und vor allem in der Krise.

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