Unter Freunden muss man sich auch mal Stärke geben

Es ist wichtig, für Freunde da zu sein, wenn man gebraucht wird. Tapfer im Nirgendwo motiviert daher hiermit alle Freundinnen und Freunde Israels, die nächsten Tage damit zu verbringen, auf allen Kanälen und Netzwerken ein wenige Unterstützung nach Israel zu senden, um Stärke zu spenden.

An all meine israelischen Freundinnen und Freunde, die gerade in Angst um ihr oder in Angst um das Leben ihrer Familie, Kinder, Freundinnen und Freunde leben, an jene, die in Bunkern sitzen oder Angehörige haben, die das tun, an alle, die behandelt werden, weil eine Rakete in ihrer Nähe eingeschlagen ist und an jene, die damit leben müssen, gehasst zu werden und wissen, dass es da draußen unzählige Menschen gibt, die sie töten wollen, Euch möchte ich sagen, ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, das alles ertragen zu müssen, ich weiß nicht, wie es sich in so einem Stress lebt, was es bedeutet, in so einer permanenten Gefahr zu sein, dass andere Menschen einen töten wollen und sogar Synagogen in Deutschland attackieren und jüdische Schüler in deutschen Schulen angreifen; ich weiß nur, dass es unfassbar wenig echte Freunde gibt, die mitfühlend sind und in Anbetracht dieser unfassbaren Brutalität, die Euch entgegenschlägt, sich mit klugen Ratschlägen zurückhalten und stattdessen nur Wärme, Geborgenheit und Rückhalt geben. Aber, seid Euch gewiss: Meine Unterstützung habt Ihr. Ich singe, lache, weine, trinke und lebe mit Euch durch diese Zeit. Es ist nicht Eure Schuld, gehasst zu werden. Ich bin bei Euch.

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To all my Israeli friends who are living in fear for their or in fear for the lives of their families, children, friends, those in bunkers or who have relatives who have to endure this, to all who are in treatment because a rocket is falling in their vicinity and to those who have to live with being hated and to know that there are countless people out there who want to kill them, I want to tell you, I do not know what it feels like to have to endure all this, I do not know how it feels to live in such stress, what it means to be in such permanent danger that other people want to kill you and even attack synagogues in Germany and Jewish students in German schools; All I know is that there are unbelievably few real friends who are compassionate and, given this incredible brutality that opposes you, hold back with wise advice and instead only give warmth, security and support. But, be sure: you have my support. I sing, laugh, cry, drink and live with you through this time. It’s not your fault to be hated. I am with you.

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Всем моих израильским друзьям, которые живут и сами в страхе или в страхе за жизнь своей семьи, детей, друзей, тех, кто находится в бункере или имеет родственников, которые находятся там, всем, кому приходится лечиться, потому что ракета попала поблизости, и всем, кто должны жить ненавидимыми, и знать, что есть бесчисленное количество людей, которые хотят их убить, я хочу сказать вам, я не знаю, какое это испытание, что нужно все это вынести, я не знаю, как живут в таком стрессе, что это значит постоянно находиться в такой опасности, зная, что другие люди хотят убить вас и даже атакуют синагоги в Германии и нападают на еврейских школьников в Германии; я знаю только то, что есть невероятно мало настоящих друзей, которые способны сострадать и, учитывая эту невероятную жестокость, которая противостоит вам, воздерживаются от умных советов, а вместо этого посылают только тепло, безопасность и поддержку. Но, будьте уверены: у вас есть моя поддержка. Я пою, смеюсь, плачу, пью, живу с вами в это время. Это не ваша вина, что вас ненавидят. Я с вами.

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Israelischer Professor aus Baltimore erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bonner Polizei

Am 11. Juli 2018 ist es in Bonn zu einem judenfeindlichen Übergriff gekommen. Der israelische Professor Yitzhak Melamed aus Baltimore wurde attackiert, weil er eine jüdische Kopfbedeckung, eine Kippa, trug. Danach wurde er von der Polizei geschlagen. Tapfer im Nirgendwo präsentiert nun einen Brief des Professors an einen Freund in deutscher Übersetzung.

Mein guter Freund,

In den letzten zwei Tagen wurde ich von verschiedenen deutschen Medien angesprochen, die um eine Stellungnahme zu dem Vorfall baten, der sich am 11. Juli im Bonner Hofgarten ereignet hat. Ich kann nicht all diese Anfragen beantworten, da ich mich um meine Arbeit und um meine Familie kümmern muss. Daher lass mich hier stattdessen kurz und präzise den Verlauf der Ereignisse an diesem Tag beschreiben.

Lass mich zunächst anmerken, dass mich die Beschreibung des Vorfalls in der Erklärung der Bonner Polizei vom 12. Juli zutiefst beunruhigt. Der Bericht ist voll von glatten und grundlosen Lügen, die sowohl die Brutalität als auch die Ineffizienz der Bonner Polizei am 11. Juli verschleiern sollen. (Ich werde diese schweren Anklagen kurz erläutern.)

Ich war eingeladen, eine Vorlesung an der renommierten Sommerschule der Universität Bonn in klassischer deutscher Philosophie zu halten. Bedauerlicherweise konnte ich aufgrund familiärer Verpflichtungen nur für zweieinhalb Tage kommen und ich sollte am Mittwoch, den 11. Juli um 18 Uhr meinen Vortrag halten. Den Morgen des Tages hatte ich damit verbracht, an meinen Nachforschungen zu arbeiten.

Um 12:30 Uhr traf ich mich mit Dr. Lina Steiner von der Universität Bonn, die eine ehemalige Kollegin und enge Freundin vor mir und meiner Frau ist. Lina zeigte mir das schöne Schloss. Danach wollte sie mir die Stadt zeigen, (denn obwohl ich schon oft deutsche Universitäten besucht habe, war ich vorher noch nie in Bonn gewesen).

Es war kurz nach 14 Uhr, als wir die Straße überquerten und in die Bonner Hofgärten einkehrten. Kurz darauf kam ein etwa 1,60 Meter großer stämmiger Mann auf uns zu und fragte mich „Bist du Jude?“ Er fügte hinzu, dass er Palästinenser sei. Ich begann zu sagen, dass ich Sympathie für die Notlage der Palästinenser hege und den gegenwärtigen bedrückenden Zustand der islamisch-jüdischen Beziehungen zutiefst bedauere, doch da fing die Person schon an, (als er merkte, dass ich ein Fremder war), auf Englisch zu brüllen: „Ich ficke Juden. Ich ficke Juden.“

Dr. Steiner und ich erkannten sofort, wohin die Unterhaltung driftete und gingen daher auf die andere Seite, um uns von der Person zu entfernen, die uns jedoch mit hartnäckigen Flüchen folgte. Dann versuchte er meine Kippa wegzuwerfen und schrie auf deutsch, dass ich in Deutschland keine Kippa tragen dürfe. Ich nahm mein Kippa vom Boden und legte sie wieder auf meinen Kopf. Der Typ wurde wütender: „Nein. Du darfst die Kippa hier nicht haben.“ (Das ist meine Erinnerung an seine Schreie auf Deutsch).

Dann rief er mehrmals: „Keine Juden in Deutschland“ und warf zum zweiten Mal meine Kippa zu Boden. Ich hob sie auf und legte sie auf meinen Kopf. „Du hörst nicht auf mich“, rief er und schlug mir zum dritten Mal meine Kippa vom Kopf. Ich hob sie auf und legte sie auf meinen Kopf. Er schubste mich.

Als all das passierte, bat Lina Passanten, die Polizei zu rufen, und ein paar von ihnen machten den Anruf. (Es waren ziemlich viele Leute da). Der Angreifer ging währenddessen auf den nahegelegenen Rasen und zog Kreise. Nach ungefähr fünf Minuten kam er zu uns zurück. Er schubste mich und dann versuchte ich, ihm in die Leistengegend zu treten, damit er uns verlässt. Ich traf ihn nicht, aber er wurde davon abgeschreckt und ging wieder ins Grüne, um dort seine Kreise zu ziehen.

Ich fragte Lina, wo die Polizei bliebe. Dann kam der Angreifer zum dritten Mal. Er schubste mich erneut, fluchte und ich versuchte (und scheiterte wieder), ihm in die Eier zu treten. Dann hörten wir die Sirene der Polizei. Es waren mindestens zwanzig Minuten vergangen, nachdem wir darum gebeten hatten, die Polizei zu rufen. (Es gab viele Passanten in der Nähe, die das bestätigen können). Der Angreifer bewegte sich langsam fort, aber als das Polizeiauto parkte, rannte er davon.

Die Polizei bewegte sich langsam und der Angreifer war dabei, sich aus meinem Blickfeld zu bewegen. Er war bereits ungefähr vierhundert Meter vor mir entfernt, als ich nach einigem Zögern entschied, ihm hinterher zu laufen, um die Polizei in seine Richtung zu lenken. (Das Gebiet war stark bevölkert und der Angreifer hatte sein Hemd ausgezogen, so dass es für mich klar war, dass er sich aus dem Staub machen wollte.)

Nach dreihundert Metern sah ich ein paar Polizisten aus der entgegengesetzten Richtung rennen, allerdings an dem Angreifer vorbei und auf mich zu. Ich hatte nicht viel Zeit, mich zu wundern, da sich sofort vier oder fünf schwer bewaffnete Polizisten auf mich warfen, (zwei von vorne und zwei oder drei von hinten). Sie drückten meinen Kopf in den Boden und während ich völlig kampfunfähig und kaum in der Lage war zu atmen, (ganz zu schweigen davon, einen Finger bewegen zu können), begannen sie, in mein Gesicht zu schlagen.

Nach ein paar Schlägen fing ich an, auf Englisch zu schreien, dass ich die falsche Person sei. Sie legten mir Handschellen hinter meinen Rücken an und nach ein paar weiteren zusätzlichen Schlägen in mein Gesicht, während ich schrie, dass ich die falsche Person sei, ließen sie sich endlich von mir ab. Ich konnte wieder atmen.

Ich bat die Polizei, meine Tasche zu öffnen und meine Identitätsdokumente zu nehmen. Meine Brille war kaputt. Meine Armbanduhr zerrissen. Nach weiteren fünf oder zehn Minuten wurde ihnen klar, dass sie einen Fehler gemacht hatten. Einer der Polizisten kam, nahm die Handschellen ab und sagte mir, dass sie jemanden gefasst hätten, der uns angegriffen hätte. Dann schrie mich einer der Polizisten in einem didaktischen Ton an (auf Englisch): „Leg Dich nicht mit der deutschen Polizei an!“

Das war mehr als genug. Ich sagte dem Polizisten sarkastisch: „Ich habe keine Angst mehr vor der deutschen Polizei. Die deutsche Polizei hat meinen Großvater ermordet. Sie hat meine Großmutter ermordet. Sie hat meinen Onkel ermordet, und sie hat meine Tante ermordet. Alles an einem Tag im September 1942. Also, leider habe ich keine Angst mehr vor ihnen.“

Der Polizist war verblüfft. Ich fragte ihn nach seinem Namen, aber er weigerte sich, mir zu antworten. Ich fragte noch einmal und bekam wieder keine Antwort. Später konnte ich die Identifikationsnummer auf seiner Polizeiweste aufschreiben, die ich noch bei mir habe.

Die Polizisten baten mich und Dr. Steiner, sie zur Polizeistation zu begleiten, um als Zeugen auszusagen. Als wir in der Station waren, bemerkte ich, dass mein Gesicht blutete. Ich sagte zu Dr. Steiner, dass ich wahrscheinlich sehr komisch aussähe.

In der Polizeistation bat uns die Polizei, auszusagen. Ich fragte, wo ich eine Beschwerde gegen die Polizisten einlegen könnte, die mich geschlagen hatten, aber die Polizisten versuchten dann für die nächsten anderthalb Stunden, uns zu überzeugen, keine Beschwerde einzulegen.

Sie entschuldigten sich und sagten, es sei ein Fehler gewesen. Ich antwortete, dass es tatsächlich nur ein Fehler gewesen sein könne, aber selbst wenn es so sei, Dutzende von Schläge in mein Gesicht – während ich handlungsunfähig war – nichts weiter als reine Brutalität sei. Dann versuchte ein Polizist, mir einzureden, ich hätte „seine Hand berührt“ und die Polizei sei nur in Reaktion darauf auf mich gesprungen. Ich sagte ihm, das sei eine glatte Lüge.

Er versuchte mir einzureden, ein unbewusster Instinkt von mir habe mich vielleicht geleitet, aber ich antwortete, dass auch dies eine billige und glatte Lüge sei, da die vier oder fünf Polizisten, die auf mich gesprungen waren, dies aus zwei Meter Entfernung getan hatten und es daher keinen körperlichen Kontakt zwischen mir und einem der Polizisten gegeben haben konnte, bevor sie mich angegriffen hatten.

Der weitere Verlauf dieses surrealen Gesprächs dauerte sehr lange. Sie versuchten weiterhin, mir einzureden, aufgrund von Reflexen oder Instinkten von mir hätte ich die Hand eines der Polizisten berührt, was dann wohl eine Rechtfertigung dafür sein sollte, mich zu schlagen. Dann insinuierten sie, dass, wenn ich die Presse informieren würde, sie mich beschuldigen würden, ich hätte Widerstand geleistet. Ich sagte nur, dass ich Beschwerde einlegen wolle.

Während des ganzen Gesprächs blutete mein Gesicht. Niemand bot mir Erste Hilfe oder etwas in der Art an. (Sie sagten mir nur, ich könne ja in ein Krankenhaus gehen.)

Schließlich wurde von einer höheren Behörden eine Verfügung erlassen, dass der Fall an einer anderen Stelle verhandelt werden solle, da es sich um ein Hassverbrechen und somit um eine politisch motivierte Tat handele. Wir gingen also zu einer anderen Polizeistation.

Dort war der Befrager viel höflicher. Als er auf mich zukam, fragte er: „Das hat Ihnen dieser Gauner angetan?“ Ich antwortete: „Nein, mein Herr. Ich muss Ihnen die Wahrheit sagen. Das hat mir die deutsche Polizei angetan.“ Er bedeckte sein Gesicht mit der Hand und sagte: „Oh nein.“ Dann ging er zu seinen Vorgesetzten, kehrte zurück und nahm meine Aussage entgegen.

Er fragte mich, ob ich eine Beschwerde gegen die Polizei einreichen wolle. Ich sagte ihm, ich hätte nichts persönliches gegen einen der Polizisten und ich hätte keine Lust an einer zukünftigen Zusammenarbeit mit der Bonner Polizei, aber ich fände, es sei in seinem Interesse als deutscher Staatsbürger, etwas gegen die Polizeibrutalität zu unternehmen, vor allem wenn es wieder Ausländer und Minderheiten beträfe.

Obwohl ich den Text nicht lesen konnte, weil meine Brille verloren gegangen war, füllte der Befrager die Beschwerde in meinem Namen aus und ich unterschrieb sie. Dann brachte er mich zum Hotel. Ich ging schnell in mein Zimmer, wusch mir das Blut aus meinem Gesicht und von meinem Körper und ging dann zu meinem Vortrag, (obwohl ich fünfundvierzig Minuten zu spät kam).

Ich konnte in dieser Nacht nicht richtig schlafen, da mein Körper verwundet war und ich keine Position finden konnte, die nicht schmerzhaft war. Um 8:15 Uhr sollte ich eigentlich den Zug zum Frankfurter Flughafen nehmen, um dann endlich nach Hause zu fliegen. Ich wurde um 6.30 Uhr durch ein Telefonanruf der Bonner Polizei aufgeweckt. Die Polizei sagte mir, die Polizeipräsidentin wolle sich gerne mit mir treffen und fragte, ob sie um 7:15 Uhr ins Hotel kommen dürfe. Ich stimmte zu.

Die Präsidentin kam, um sich zu entschuldigen. Ich sagte ihr, dass Fehler menschlich seien, aber dass das brutale Vorgehen durch die Polizei kein Fehler war, da ich völlig handlungsunfähig war und zu der Zeit kaum atmen konnte. Sie sagte mir, die Polizisten hätten einen fairen Prozess verdient. Ich stimmte dem sofort zu.

Wir verabschiedeten uns als Freunde, so schien es mir damals, doch während ich nach Hause flog, erhielt ich von Freunden die Nachricht über den Polizeibericht zu dem Vorfall (am Morgen des 12. Juli), der in den ersten Berichten zu diesem Vorfall in den deutschen Medien kritiklos zitiert worden war. Sowohl der Polizeibericht als auch die metastatischen Nachrichten erklärten, die Polizeipräsidentin habe sich entschuldigt, (was ich als klaren und unaufrichtigen politischen Schritt interpretierte), dass ich mich einer Verhaftung widersetzt hätte und mich die Polizei daher folglich hätte schlagen „müssen“, so als eine Höflichkeit deutschen Bildungsstils, (siehe zum Beispiel den Bericht in der Deutschen Welle).

Nun, Du kannst jetzt selbst urteilen. Versuche, (wenn Du es kannst), Dir vorzustellen, wie Du Dich einer Verhaftung widersetzt, wenn Du entweder keinen körperlichen Kontakt mit der Polizei hast oder wenn fünf Polizisten auf Deinem Rücken sitzen und Du kaum in der Lage bist, richtig zu atmen. (Wir Philosophen sehen uns ja als Experten in Gedankenexperimenten, aber die Bonner Polizei scheint in der Lage zu sein, den Kreis zu quadrieren.)

Am Ende des Tages, mein Freund, ist es Deine Gesellschaft und Deine Polizei. Wie gesagt, ich habe keine Lust auf weitere Begegnungen mit der Bonner Polizei. Polizeibrutalität ist eine der schlimmsten Aspekte der gegenwärtigen amerikanischen Gesellschaft. Es ist rassistisch und es ist gemein. Du magst denken, dass die Dinge in Deutschland anders sind, aber ich bezweifle das sehr.

Der einzige Grund, warum die Präsidentin der Bonner Polizei bei mir um „Entschuldigung“ gebeten hat, ist, dass ich Professor an der Johns Hopkins Universität bin. Wenn ich ein Außenseiter der deutschen Gesellschaft wäre, würde sich niemand darum kümmern (und offensichtlich würde niemand dem Beschwerdeführer glauben).

Wenn die Sonne an diesem Freitag in Baltimore untergeht, möchte ich Dir Shabbat Shalom wünschen, mein Freund. Vergiss bitte nicht, dem modernen „Ausländer, Waise und Witwe [גג, יתםם אאאנננ]“ zuzuhören, auch wenn sie sich beschweren und erklären, von den Behörden missbraucht worden zu sein. Denn sie könnten vielleicht Recht haben.

Dein Yitzhak Yohanan Melamed
Baltimore, 13. Juli 2018

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„Kein Jude in Deutschland!“

Am 11. Juli 2018 ist es in Bonn zu einem judenfeindlichen Übergriff gekommen. Ein Mann wurde attackiert, weil er eine jüdische Kopfbedeckung, eine Kippa, trug. Danach wurde er von der Polizei geschlagen.

Das Klima wird rauher in Deutschland. Seit Monaten werden Schülerinnen und Schüler in Deutschland angegriffen, weil sie Juden sind. Im April 2018 wurde ein junger Mann in Berlin angegriffen, weil er eine Kippa trug. Im Juni 2018 wurden in der selben Stadt ein paar Jugendliche angegriffen, weil sie jüdische Musik hörten. Im März 2018 wiederum wurde bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin der israelische Stand bedrängt.

Jetzt wurde ein israelischer Professor aus den USA bei einem Spaziergang in Bonn angegriffen.

Der Täter, ein junger deutscher Mann mit arabischen Wurzeln, schubste den Professor und schlug ihm seine Kippa vom Kopf. Dabei überzog er sein Opfer mit diversen Beleidigungen. Da der Professor die Kippa wieder aufsetzte, wurde ihm die Kopfbedeckung erneut vom Kopf geschlagen. Dabei schrie der Angreifer: „Kein Jude in Deutschland!“

Eine Begleiterin des Professors rief die Polizei. Als sich die Sirenen des Polizeiautos näherten, rannte der Täter weg. Der Professor verfolgte ihn. Dies führte laut Schilderung der Polizei zu folgendem Missverständnis:

Die zur Hilfe eilende Polizei hielt den Professor für den Täter. Da er der Aufforderung der Polizei, stehen zu bleiben, nicht Folge leistete, überwältige ihn die Polizei, brachte ihn zu Boden und fixierte ihn. Es wurde Gewalt angewandt. Dem Professor wurde unter anderem ins Gesicht geschlagen. Nach Angaben eines Polizeisprechers trug der Professor einige Verletzungen davon.

Die Bonner Polizeipräsidentin, Ursula Brohl-Sowa, erklärt dazu, die ganze Angelegenheit sei „ein schreckliches und bedauerliches Missverständnis“.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigt sich „zutiefst empört“ über den Vorfall und erwartet, „dass gegen den mutmaßlichen palästinensischen Täter nun rasch ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.“ Er fügt hinzu: „Wir müssen zeigen, dass jede Form von Antisemitismus in Deutschland sofort sanktioniert wird.“

Dass die Tat von einem Deutschen mit arabischen Wurzeln ausgegangen ist, erfülle ihn mit besonderer Sorge: „Wir dürfen bei unseren Anstrengungen in der Integrationsarbeit nicht nachlassen. Ich begrüße es, dass sich die Polizei für die Verwechslung von Opfer und Täter entschuldigt hat.“

Die Zahl der antisemitischen Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist laut Verfassungsschutzbericht gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten die Behörden eine Zunahme um neun Prozent auf 324 Straftaten.

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Eine erstaunlich sorglose Antwort

Im April 2018 wurde ein junger Mann in Berlin angegriffen, weil er eine Kippa trug. Im Juni 2018 wurden ein paar Jugendliche ebenfalls in Berlin angegriffen, weil sie jüdische Musik hörten. Im März 2018 wurde bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin der israelische Stand bedrängt. Im August 2017 wurde in Baden-Würtemberg auf ein jüdisches Geschäft geschossen. In den letzten Monaten wurden Schülerinnen und Schüler in Deutschland angegriffen, weil sie Juden sind.

Die letzten zwölf Monate haben gezeigt, dass der Judenhass in Deutschland und Europa quicklebendig ist. Ein Grund dafür ist die Naivität und Sorglosigkeit vieler Behörden im Umgang mit Judenhass. Vor genau zwölf Monaten, also zu einer Zeit, bevor all die oben erwähnten Taten begangen wurden, schrieb ich folgende Mail an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF):

„Ein gewisser Omed Y. aus Frankfurt am Main gibt auf seiner Facebookseite an, als Dolmetscher für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu arbeiten.

Auf seiner Facebookseite erklärt er ebenfalls, dass alle Muslime gegen israelische Zionisten kämpfen sollten.

Er erklärt ebenfalls, man solle Juden foltern, indem man ihnen schwere Steine an die Hoden bindet.

Er sagt auch, dass man Israelis wieder vergasen sollte.

Arbeitet dieser Mann tatsächlich als Dolmetscher bei Ihnen?“

Die Antwort des BAMFs lautete:

„Sehr geehrter Herr Buurmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage, zu der ich Ihnen als eine Sprecherin des Bundesamts Folgendes mitteilen kann:

Auf Grund der antisemitischen Äußerungen einer Person, die in ihrem Facebookprofil das Bundesamt als Arbeitgeber nennt, möchten wir klarstellen: Das Bundesamt distanziert sich ausdrücklich von jeder Form von Rassismus. Zum konkreten Fall: Dolmetscher sind beim Bundesamt nicht angestellt, sondern werden auf freiberuflicher Basis gebucht. Besagte Person wurde kurzzeitig gebucht und war für das Bundesamt letztmalig im Jahr 2016 tätig und hatte auch zuvor kaum Einsätze. Die Eintragung des Arbeitgebers im Facebookprofil obliegt jedem Nutzer selbst, der Arbeitgeber hat hierauf keinen Einfluss.

Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Edith A.“

Eine erstaunlich sorglose Antwort, wenn man bedenkt, was in den darauffolgenden Monaten alles passiert ist.

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Eine Antwort auf BDS

Es gibt eine einfache Reaktion auf jene Menschen, die zur BDS Kampagne gehören und somit dazu aufrufen, Israel zu boykottieren: Man gibt ihnen einfach, was sie wollen.

Jede Stadt, die eine Partnerstadt in Israel hat, jeder Veranstalter, der mit Israelis kooperiert und jeder Mensch, der mit israelischen Partnern zusammenarbeitet, muss einfach nur folgendes erklären:

„Gerne nehmen wir Ihren Wunsch an und beenden jede Zusammenarbeit mit Ihnen. Sie wollen Israel boykottieren und wir sind durch Zusammenarbeit mit Israel ein Teil dessen, das sie boykottieren! Wir akzeptieren Ihren Wunsch, uns zu boykottieren und stellen Ihnen daher unsere Räume, Bühnen und Orte nicht zur Verfügung.“

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Wer ist Khola Maryam Hübsch?

Kennen Sie Khola Maryam Hübsch? Sie werden sie vermutlich schon mal bei der ein oder anderen Talk Show gesehen haben.

Khola Maryam Hübsch wird oft und gerne in deutsche Talk Shows eingeladen, wenn eine Frau gesucht wird, die für den Islam sprechen soll. Das Problem ist jedoch, Khola Maryam Hübsch spricht nicht für den Islam, jedenfalls nicht für die Mehrheit. Khola Maryam Hübsch ist Mitglied der Ahmadiyya Gemeinschaft und die meisten Muslime weltweit erklären, die Lehre der Ahmadiyya sei Häresie.

Was ist die Ahmadiyya Gemeinschaft?

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft wurde von Mirza Ghulam Ahmad in den 1880er Jahren in Britisch-Indien gegründet. Mirza Ghulam Ahmad wurde am 13. Februar 1835 in Qadian geboren und starb am 26. Mai 1908 in Lahore. Er erhob für sich den Anspruch, nicht nur der „Erneuerer des 14. islamischen Jahrhunderts“ zu sein, sondern war auch fest davon überzeugt, der „Verheißene Messias“ und der „Mahdi der Endzeit“ zu sein. Er beanspruchte, im Geist und in Vollmacht Jesu aufzutreten. In dieser Bescheidenheit ist es nur verständlich, dass er auch erklärte, ein Prophet Gottes zu sein.

Im Jahr 1882 erhob Mirza Ghulam Ahmad den Anspruch, ein von Gott Auserwählter zu sein. Am 20. Februar 1886 schließlich soll Allah sich ihm offenbart und erklärt haben, er solle eine neue Gemeinschaft gründen, was er dann auch am 23. März 1889 tat. Im Juli 1895 teilte ihm Allah dann noch mit, Jesus habe die Kreuzigung überlebt, sei nach Indien ausgewandert und dort eines natürlichen Todes gestorben.

Als Mirza Ghulam Ahmad starb, hatte er bereits etwa 400.000 Anhänger gesammelt. Mirza Ghulam Ahmad erinnert an einen anderen „Propheten“, der ebenfalls im 19. Jahrhundert wirkte und sich als Prophet vorstellte. Sein Name war Joseph Smith und er lebte in den USA.

Joseph Smith lebte von 1805 bis 1844 und erklärte, er habe die Fähigkeit, mithilfe eines „Sehersteins“ verborgene Schätze aufspüren. Er behauptete, im Frühjahr 1820 seien ihm Gott und Jesus erschienen und am 21. September 1823, ein Engel mit dem Namen Moroni, der ihm Gottes Auftrag überbracht haben soll, ein Buch von Goldplatten zu übersetzen, welche „die Fülle des immerwährenden Evangeliums“ enthalten sollen. Diese Goldplatten lägen in einem Hügel mit dem Namen Cumorah in der Nähe von Manchester. Diese Goldplatten will er gefunden haben und gründete auf Basis dieser Platten die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, besser bekannt als die Mormonen.

Mirza Ghulam Ahmad erklärte, Jesus sei in Indien gewesen und Joseph Smith erklärte, Jesus sei zwischen seinem Tod und seiner Himmelfahrt noch mal kurz nach Amerika geflogen. Die Mormonen verstehen sich selbst als Christen und die Ahmadiyya als Muslime. Wer jedoch glaubt, ein Mitglied der Ahmadiyya würde für den Islam sprechen, glaubt auch ein Mormone spreche für das Christentum.

Dennoch ist diese Ahmadiyya-Sekte die einzige dem Islam nahestehende Gemeinde, die in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt wurde und zwar im Bundesland Hessen im April 2013. Zudem sind die Ahmadiyyas die ersten Gläubigen, die in Deutschland eine Moschee gebaut haben, nämlich die Wilmersdorfer Moschee.

Die Wilmersdorfer Moschee wurde zwischen 1924 und 1928 in der Brienner Straße im Berliner Ortsteil Wilmersdorf erbaut. In der Zeit des Nationalsozialismus trat in dieser Moschee der Jerusalemer Großmufti Mohammed Amin al-Husseini als Ehrengast der SS auf. Der Großmufti war in Berlin, um mit Adolf Hitler über die “Endlösung der Judenfrage” zu sprechen. Al-Husseini wollte das Land, über das er später zu herrschen plante, “judenrein” haben und weil auch die Naziregierung das wollte, diskutierten der Mufti und der Führer die Möglichkeit zur systematischen, industriellen Ermordung aller Juden.

Nach dem Treffen fand die Konferenz am Wannsee statt, dessen Ziel die Planung der Vernichtung aller Juden in Europa war. Al-Husseini soll einer der ersten Nichtdeutschen gewesen sein, der von dieser Planung erfuhr. Adolf Eichmann informierte al-Husseini im Kartenraum des Berliner SS-Hauptquartiers, indem er dort seine Unterlagen für die Wannseekonferenz benutzte. Eichmanns Adjutant sagte aus, dass der Großmufti sehr beeindruckt und so eingenommen von diesem Bauplan zur Judenvernichtung gewesen sei, dass er Eichmann bat, ihm einen Experten als persönlichen Assistenten nach Jerusalem zu schicken, um dort Todeslager und Gaskammern zu bauen, so bald Deutschland den Krieg gewonnen habe und er selbst an der Macht sei.

Es gab aber auch Ahmadiyya, die sich gegen das Naziregime stellten. Im Jahr 1925 zum Beispiel wurde der Schriftsteller Hugo Marcus Geschäftsführer der Gemeinde. Da er vor seinem Übertritt Jude war, wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt. Die Gemeinde half ihm jedoch, ins Exil in die Schweiz zu entkommen. Der in Berlin lebende ägyptische Arzt Mohamed Helmy wiederum rettete heimlich eine jüdische Familie, wobei ihm Kamal el-Din Galal half, der dabei heimlich entwendete Papiere des Großmuftis Mohammed Amin al-Husseini benutzte, an die er wegen des Besuchs des Großmuftis in der Wilmersdorfer Moschee gelangt war. So rettete dieser Besuch einer jüdischen Familie das Leben.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft hat eine lange und widersprüchliche deutsche Geschichte. Eine Sache aber ist klar, die Ahmadiyyas sind die Mormonen des Islams und wenn Anne Will, Maybrit Illner und Sandra Maischberger mit Khola Maryam Hübsch über den Islam sprechen, dann sollten sie in Zukunft auch darauf verzichten, mit Katholiken oder Protestantinnen über das Christentum zu sprechen und stattdessen auf der Suche nach einem gesprächigen Christenmenschen bei der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage durchklingeln.

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Bilder vom Kölner CSD 2018

„Wozu demonstriert Ihr eigentlich noch? Es gibt doch nun alle Rechte!“

Die Menschen, die das sagen, wissen nicht, worum es den Menschen geht, die bei den Demonstrationen für Freiheit, Gleichberechtigung und Liebe wie der CSD Parade 2018 der Cologne Pride mitgehen.

Es ist schwer ein Haus zu bauen, aber es ist ebenso schwer, ein Haus zu unterhalten. Mit der Einführung der Ehe für Homosexuelle ist eine der letzten großen Diskriminierungen von Homosexuellen in Deutschland gefallen. Deshalb demonstrieren und kämpfen wir nicht mehr nur für die Einführung von gleichen Rechten, vor allem in jenen über siebzig Ländern, in denen Homosexualität immer noch ein Verbrechen ist, sondern wir kämpfen und demonstrieren jetzt auch für die Einhaltung der gleichen Rechte in unserem Land.

Wir kämpfen für die Rechte in anderen Ländern und verteidigen die gleichen Rechte in unserem Land!

Rechte, die nicht verteidigt werden, sind tote Rechte und können sehr schnell wieder verschwinden. Hier daher ein paar Bilder von der CSD Parade 2018 in Köln, bei der ich mit meinem Theaterprojekt Kunst gegen Bares teilgenommen habe:

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Angela Merkel und ihre Gastarbeiter der Grenzsicherung

Bei einer Pressekonferenz in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán am 5. Juli 2018:

„Wenn Sie gestatten, möchte ich einen Satz über Solidarität sagen, denn das schmerzt uns Ungarn. Wir empfinden es als ungerecht, dass man uns in Deutschland oft mangelnde Solidarität vorwirft und ich möchte Ihnen nur die Tatsache mitteilen, dass in Ungarn vierundzwanzig Stunden am Tag achttausend bewaffnete Personen an der Grenze stehen und die Grenze schützen, durch die, wenn die Migranten durchkommen, sie nach Deutschland kommen. Selbst mit dem Türkeiabkommen gilt, wenn ungarische bewaffnete Personen nicht die Grenze schützen würden, würden täglich vier- bis fünftausend Migranten nach Deutschland kommen. Davor schützen wir Sie. Das ist Solidarität. Ich denke eine ernstzunehmende Solidarität.“

Angela Merkel antwortet darauf:

„Jetzt der abschließende Satz zu dem Thema. Der Außengrenzenschutz, den Ungarn leistet, ist anerkannt. Das ist überhaupt gar keine Frage. Der Unterschied zwischen uns beiden liegen in einem anderen Feld. So, jetzt machen wir noch ein Foto.“

Damit hat Angela Merkel unmissverständlich erklärt, dass sie die Politik und die Art der ungarischen Regierung, die Außengrenzen zu schützen, anerkennt. Angela Merkel zeigt damit, dass sie die schmutzige Arbeit einer Grenzsicherung zwar als notwendig anerkennt, sie diese Arbeit aber lieber von ausländischen Gastarbeitern ausgeführt sehen möchte. Sie möchte sich selber offenkundig nicht die Hände schmutzig machen.

Wenn ausgerechnet diese Bundeskanzlerin die „Gastarbeiter“ kritisiert und ihnen mangelnde Solidarität vorwirft, ist ein unerträgliches Maß der deutschen Selbstgerechtigkeit erreicht.

Jeder selbstverliebte, deutsche Wolkenkuckucksprinz, der sich seinen weißen Hermelin nicht schmutzig machen möchte und dennoch sicher in seinem ökologisch artgerechten Garten lustwandeln möchte, bevor er abends bei Bio-Wein und lokalem Walnussbrot darüber philosophiert, was es bedeutet, ein gutes und gerechtes Leben zu führen, muss die schmutzige Arbeit zur Sicherung seines Ökosystems delegieren. In Ländern wie Ungarn und der Türkei hat Deutschland willige Gastarbeiter für das schmutzige Staatsgeschäft der Grenzsicherung gefunden. Die deutsche Prinzessin sagt: „Es gibt keine Grenze in der Flüchtlingsfrage“ und die Gastarbeiter sorgen dafür, dass die deutsche Prinzessin weiterhin ihr gutes Image pflegen kann.

Natürlich gibt es eine Grenze in der Flüchtlingsfrage! Alles hat eine Grenze! Kein Raum hat unendliche Kapazität. Die Grenze für Flüchtlinge liegt dort, wo ein Land nicht mehr in der Lage ist, sich um die Flüchtlinge zu kümmern. Wer sich weigert, eine Grenze zu definieren, weigert sich, Verantwortung zu übernehmen. Nur wer weiß, wo die eigene Grenze liegt, kann helfen.

Als Ende 2015 am Münchener Hauptbahnhof eine ungewohnt hohe Zahl von Flüchtlingen ankam und sie von applaudierenden Deutschen empfangen wurden, da fielen überall die Sätze: „Jetzt zeigt Deutschland sein freundliches Gesicht“ und „Auf dieses Deutschland bin ich stolz!“

Mir waren die Deutschen, die das selbstergriffen patriotisch und tränengerührt stolz in die Kameras sagten, von Anfang an suspekt. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass es ihnen gar nicht um die Flüchtlinge ging, sondern nur um ihr eigenes Image! Sie benutzten die Flüchtlinge, um ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen. Es verfestigt sich immer mehr die Vermutung, dass es auch Angela Merkel nur um ihr Image und ihren Machterhalt geht.

Wem es um die Flüchtlinge geht, muss sich der Verantwortung stellen, die mit der Hilfsbereitschaft einhergeht, nämlich die Frage nach der Grenze der eigenen Möglichkeit und Bereitschaft.

Es herrschte in Deutschland von Anfang an eine grenzenlose Naivität im Umgang mit der Flüchtlingssituation. Die Flüchtlinge, die aus Syrien und anderen Kriegsgebieten kommen, sind größtenteils durch Krieg traumatisierte und brutalisierte Männer, die aus zerbrochenen Clanstrukturen stammen, zusammengehalten von einer autoritären Religion, gegründet von einem patriarchalen Feldherren! Diese Menschen brauchen individuelle Hilfe und intensive Betreuung. Sie in überfüllte, enge Räume und Zelte zu zwängen, nicht selten zusammen mit Menschen aus Ländern und Kreisen, mit denen sie in der Heimat im Krieg lagen, ist das Gegenteil von Hilfe. Es ist ein Fortführen des Kriegs mit anderen Mitteln! Natürlich ticken diese Männer in solchen Umständen gehalten irgendwann aus!

In einer Gemeinde, in der hoch traumatisierte und brutalisierte Flüchtlinge in Lager gepfercht werden, ist die Obergrenze erreicht! Es ist die moralische Pflicht eines souveränen Staates, die eigene Grenze selbst zu schützen. Es ist höchst unsolidarisch, die Arbeit der Grenzsicherung zu delegieren und im höchsten Maße unanständig, dann auch noch zu behaupten, man glaube daran, dass es keine Grenzen geben dürfe.

Genau diese unsolidarische Unverschämtheit wurde jedoch im Jahr 1993 Teil des deutschen Grundgesetzes. Bis ins Jahr 1993 erklärte das deutsche Grundgesetz: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ Da aber immer mehr Verfolgte kamen, wurde das bis dahin schrankenlos gewährte Asylgrundrecht herausgenommen und durch Artikel 16a ersetzt. Seit dem gilt folgende Einschränkung: Ausländer, welche über einen Staat der Europäischen Union oder einen sonstigen sicheren Drittstaat einreisen, können sich nicht auf das Asylrecht berufen (Art. 16a Abs. 2 GG).

Da Deutschland nur von sicheren Drittstaaten umgeben ist, kann sich niemand mehr auf das Asylrecht berufen, es sei denn, die sicheren Drittstaaten weigern sich, das Spiel der Deutschen mitzumachen und stattdessen die Verfolgten nach Deutschland weiterleiten.

Wenn Angela Merkel von einer europäischen Lösung redet, meint sie damit im Grunde, die Staaten Europas sollen sich gefälligst sklavisch dem Image Deutschlands unterwerfen und die schmutzige Arbeit machen, die sie zwar als notwendig anerkennt, aber selbst nicht vollführen möchte, da sie eine deutsche Prinzessin des guten Gewissens bleiben möchte.

Die Flüchtlingskrise in Europa ist zum großen Teil ein deutsches Problem. Es braucht daher auch eine deutsche Lösung.

Viele Flüchtlinge kommen nach Europa, weil sie nach Deutschland wollen. Es ist daher nur anständig, wenn Deutschland selbst ein paar Lösungen zur Grenzsicherung anbietet, statt alles ausschließlich auf die europäischen Nachbarn abzuwälzen, die auch noch kritisiert werden, wenn die Bilder für die deutschen Wolkenkuckuckskinder zu unerträglich werden.

Es ist deutlich menschlicher, einzugestehen, dass man nicht mehr helfen kann, als Hilfe vorzutäuschen! Ein Idealist, dem es nur um sich selbst und die Pflege des eigenen Gewissens geht, der die Verantwortung nicht ertragen kann, in hilfesuchende Augen schauend eingestehen zu müssen, nicht helfen zu können, macht lieber die Tore anderer auf und applaudiert dann selbstergriffen den Flüchtlingen zu, während sie in überfüllte Auffanglager abgeschoben werden, wo sich dann die Tore wieder schließen. Diese Idealisten handeln nach dem Motto: „Ich will morgens in den Spiegel schauen können!“ Menschen aber, die helfen wollen, leben nach dem Motto: „Ich will morgens aus dem Fenster schauen können!“

Es ist menschlich, begrenzt zu sein. Es ist Teil der Vernunft, Grenzen zu ziehen. Daher muss der Mensch vernünftig sein!

Am 3. Oktober 1990 wurden an einem Tag etwas mehr als 16 Millionen Menschen Deutsche im Sinne des Grundgesetzes. Es war die größte Einwanderung in der Geschichte der BRD. Sie entflohen einem unmenschlich, autoritären System der Überwachung und Unfreiheit. Zum Glück brachten diese Flüchtlinge ein eigenes Land und ein eigenes festes Zuhause mit. Sie mussten nicht in Sammellagern gehalten werden. Zudem sprachen sie unsere Sprache und sie teilten mit uns eine lange gemeinsame Geschichte und Tradition. Dennoch hat sich eine Generation später besonders unter diesen Neubundesdeutschen ein radikales Gedankengut entwickelt, das Tausende von Menschen in Dresden, Leipzig und Heidenau mit menschenverachtenden Parolen auf die Straße treibt.

Als 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, von kriegstraumatisierten Männern und Frauen, da brauchte es zum demokratischen Erfolg eine jahrzehntelange Besatzung durch Amerikaner, Engländer und Franzosen. Als sich dann in den sechziger und siebziger Jahren, also eine Generation später, die Jugend mit ihren Eltern auseinandersetzte, da wäre dieses Deutschland fast im Terrorismus versunken.

Wenn Deutsche schon Schwierigkeiten haben, durch Krieg und Diktaturen traumatisierten Deutschen zu helfen, woher nimmt dann dieses Deutschland die Anmaßung, daran zu glauben, grenzenlos Flüchtlingen aus fremden Kulturen helfen zu können? Was für eine Hybris! Es ist deutscher Größenwahn zu glauben, man könne ohne Obergrenze helfen und deutscher Größenwahn hat auf der Welt nicht gerade den besten Ruf.

Europa ist eine Figur der griechischen Mythologie. Eine weitere bekannte Figur ist Ikarus! Er war der Sohn des Dädalus und wurde zusammen mit seinem Vater von König Minos im Labyrinth des Minotauros auf Kreta gefangen gehalten. Zur Flucht erfand Dädalus Flügel für sich und seinen Sohn, indem er Federn mit Wachs an einem Gestänge befestigte. Vor dem Start schärfte er Ikarus ein, nicht zu hoch und nicht zu tief zu fliegen, da sonst die Hitze der Sonne beziehungsweise die Feuchte des Meeres zum Absturz führen würde. Zuerst ging alles gut, aber dann wurde Ikarus übermütig und stieg so hoch hinauf, dass die Sonne das Wachs seiner Flügel schmolz, woraufhin sich die Federn lösten und er ins Meer stürzte. Der verzweifelte Dädalus benannte die Insel, auf der er seinen Sohn beigesetzt hatte, zur Erinnerung an sein Kind Ikaria.

Wenn sich der deutsche Übermut und Größenwahn im Idealismus nicht bald legt, läuft Europa Gefahr, in Ikaria umbenannt zu werden.

Nach der Silvesternacht in Köln erklärte die Kölner Polizei, sie sei von der „völlig neuen Dimension der Gewalt“ vor dem Kölner Dom überrascht. Was dort geschah, ist jedoch keine völlig neue Dimension der Gewalt. Es war eines der ältesten Verbrechen der Welt, nämlich religiös und kulturell motivierter Frauenhass, exekutiert von einer Horde Männer, die in patriarchalen Strukturen groß wurden, mit einer autoritären Religion im Nacken, die in ihrer extremen Form Frauen zu Freiwild erklärt, wenn sie ihren Körper nicht komplett verhüllen; Männer, an denen die Aufklärung vorbei gegangen ist und die eher in Gruppen und Clans denken als in Individuen; Männer, die die Ehre eines im siebten Jahrhundert verstorbenen Soldaten aus Mekka, den sie als Propheten verherrlichen, höher schätzen als die Würde einer lebendigen Frau; Männer, die wegen einer pervertierten Idee von Ehre eher eine Frau töten, als ihre eigene Religion zu hinterfragen; Männer, die Frauen eher in ein Gefängnis aus Stoff zwängen, als männlichen Sexualverbrechern Handschellen anzulegen; Männer, die Frauen als Schlampen bezeichnen, wenn sie ihr Recht auf einen Orgasmus einfordern; Männer, für die Frauen nichts weiter sind als Ware auf dem Markt der Macht.

Mit all diesen Fragen will sich aber die deutsche Regierung nicht beschäftigen und hält weiterhin an dem Phantasma fest, es gäbe keine Obergrenze. Dafür lässt Deutschland andere europäische Staaten und vor allem die Türkei und Ungarn die Drecksarbeit machen, ganz nach dem Motto, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!

Für die türkische und die ungarische Regierung ist die Verteidigung der Grenze mit Waffengewalt als Ultima Ratio eine Selbstverständlichkeit. Die AfD hat über Schießbefehle an Grenzen nur fabuliert, die deutsche Regierung unter CDU, CSU und SPD lässt jedoch schießen.

Entweder übernimmt Deutschland selbst die Verantwortung für die zum Teil schmutzige Arbeit des Staatsgeschäfts oder die Gastarbeiter werden irgendwann zu Recht revoltieren. Das wäre dann jedoch das Ende der Europäischen Union.

Es ist nicht schön, Grenzen definieren zu müssen, wer aber nach Werten lebt, schafft damit eine Hierarchie und erklärt, was geht und was nicht geht. Ein Rechtsstaat mit Werten und Normen ist eine Gesellschaft mit Grenzen. Diese Grenzen zu verteidigen kann mitunter schmutzig sein, aber sie verschwindet nicht, indem man sie nicht macht.

Zur Arbeit eines jeden Nationalstaats gehört nun einmal die Sicherung der Grenzen. Jeder Nationalstaat zeichnet sich zudem dadurch aus, dass er die Menschheit in Staatsbürger und Ausländer einteilt. Selbstverständlich gelten für alle Menschen die Menschenrechte. Staatsbürgerpflichten und Staatsbürgerprivilegien gelten allerdings nur für Staatsbürger und Staatsbürgerinnen.

Das zu verdauen, fällt manch einem Wolkenkuckucksprinzen schwer. Er liegt lieber auf dem Feld seines eingezäunten und von Gastarbeitern bewachten Garten und lässt seine Nase aus dem hohen Gras herauswachsen, während er über seine eigene, selbstgefühlte Gutheit masturbiert und dabei so sehr die Blüten aus den Blumen schnaubt, dass die Bienen und Schmetterlinge verhungern müssen.

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MiQua – Mitten im Quartier

Im Jahr 1933 kam in Deutschland eine faschistische, rassistische und judenfeindliche Partei an die Macht. Diese Partei war fest davon überzeugt, es gäbe eine „Herrenrasse“ und diese „Herrenrasse“ seien die Deutschen. In ihrer rassistischen Ideologie erklärte sie, Juden seien kulturlose Parasiten. So begann in Deutschland eine beispiellose staatliche Verfolgung von Juden, die in der industriellen Vernichtung von sechs Millionen Juden gipfelte.

Im Jahr 1939, viel zu spät, wurde dem Deutschen Reich der Krieg erklärt, kurz nachdem es Polen angegriffen hatte. Ein Jahr vorher waren im ganzen Deutschen Reich die Synagogen und jüdischen Geschäfte in der Reichspogromnacht von Mitgliedern der Partei und vielen deutschen Mitläufern attackiert und niedergebrannt worden. Bereits im Jahr 1935 waren Juden per Gesetz zu einer minderwertigen Rasse erklärt worden. Die Welt tat nichts.

Erst ab 1939 wurde die Welt langsam aktiv. Im Zuge des Kriegs wurden die Städte Deutschlands flächenbombardiert. Auch Köln wurde in Schutt und Asche gelegt. Die Bomben, die über Köln abgeworfen wurden, legten allerdings offen, worauf die Domstadt gebaut war. Unter den Ruinen kam das alte Köln zum Vorschein, auf das das neue Köln gebaut worden war. Die Bomben legten das Erbe Kölns offen. Rund um das Rathaus rissen die Bomben die Böden auf und zum Vorschein kam das alte jüdische Viertel.

Nicht wenige Kölnerinnen und Kölner, vom Rassenwahn befallen, werden gestaunt haben, als sie erkennen mussten, dass das Herz Kölns einst jüdisch war. Das Judentum ist nicht nur ein Teil der Geschichte Kölns, sondern ein elementarer Pfeiler der Stadt. Jüdisches Leben fand in Köln Jahrhunderte lang mitten im Quartier statt. Köln zeigt, die Geschichte des Rheinlands hat jüdische Wurzeln.

Das Judentum ist die älteste noch immer praktizierte Kultur am Rhein. Viel zu lange wurde dieser Fakt nicht gewürdigt. Juden sind nicht nur ein Teil der heutigen Kölner Stadtgesellschaft, sondern der älteste Teil der Stadt. An dem Ort, an dem sich einst das Jüdische Viertel befand, wird nun ein Museum gebaut. Endlich.

Das Museum wird die zweitausend Jahre alte Geschichte der Stadt präsentieren. Wichtigster Teil des Museums wird die Ausgrabungen des Jüdischen Viertels sein, das bis zur Vertreibung der Juden im Jahr 1424 im Herzen Kölns stand. Das Museum wird MiQua heißen: Museum im Quartier.

Das Wort MiQua soll an das hebräische Wort מִקְוֶה (Mikwe) erinnern. In Köln nämlich wurde durch den Krieg die Kölner Mikwe offengelegt. Eine Mikwe ist ein rituelles Tauchbad und die Mikwe von Köln ist heute die älteste ihrer Art nördlich der Alpen. Die Mikwe wird ohne Zweifel eine der Hauptattraktionen des neuen Museums werden.

Das Wort MiQua bedeutet aber auch, dass sich jüdischen Leben in Köln von Beginn an Mitten im Quartier angespielt hat.

Es hat viel zu lange gedauert, bis der Bau endlich beginnen konnte. Ein sogenanntes „Bürgerbegehren zur Erhaltung des Rathausplatzes der Stadt Köln“von vollkommen geschichtsvergessenen Kölnerinnen und Kölner hatte zuvor Jahre lang gegen das Museum agitiert. Ihre Hauptforderung las sich wie folgt:

„Der Rat der Stadt Köln hat beschlossen, über den Ausgrabungen auf dem Rathausplatz einen musealen Großbau zu errichten. Dieser wird mindestens 2/3 der bestehenden Fläche verschließen. Durch die geplante Bauhöhe von 15 Metern entsteht ein massives Gebäude. Der ursprüngliche Charakter des Rathausplatzes geht dadurch unwiederbringlich verloren. Der geplante Gebäudekomplex rückt unmittelbar an die Renaissancelaube heran, sodass “Ecke Unter Goldschmied / Portalsgasse” stehend, die Sicht auf das gesamte historische Rathaus verdeckt wird.“

Das Bürgerbegehren war eine einzige Fehlaussage, ruhend auf der falschen Annahme, der Ort der Ausgrabung sei der Rathausplatz! Das war der Platz jedoch nicht. Der Rathausplatz in Köln befindet sich seit der Existenz des Rathauses, das übrigens ins damalige jüdische Viertel gebaut wurde, direkt vor der Rathauslaube und dem Bürgerturm.

Mittelalterliche Urkunden belegen, dass das „domus in quam cives conveniunt“, also das Haus, in dem die Bürger zusammen kommen, im „domus inter judeos sita“ gelegen ist, also im Judenviertel.

Der vermeintliche Rathausplatz war somit nie ein Platz, sondern einer der ersten Orte Kölns, die bebaut wurden. Erst der Krieg machte daraus einen Platz und legte das Jüdische Viertel frei aus dem die Juden im Jahr 1424 vertrieben worden waren. Es war der Stadtrat eben jener Kölner Christen, die ihr Rathaus ins jüdische Viertel gestellt hatten, der die Juden aus dem Herzen Kölns vertrieb. Wie im 20. Jahrhundert beteiligten sich auch im 15. Jahrhundert viele Kölner Bürgerinnen und Bürger an der Vertreibung.

Mit der Vertreibung wurde auch die jüdische Geschichte Kölns zerstört. Nur wenige Kölnerinnen und Kölner wissen heute noch, was Fakt ist: Das Judentum ist die älteste noch heute praktizierten Religion Kölns! Juden bevölkern Köln länger als Christen. Als Köln den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium erhielt, gab es das Christentum mit dem Evangelium schlicht noch nicht. Der Evangelist Lukas schrieb sein Evangelium, da war Colonia schon über 30 Jahre alt. Das erste Mal wird eine jüdische Gemeinde in Köln urkundlich im Jahr 321 in einem Dekret von Kaiser Konstantins erwähnt:

„Allen Stadträten gestatten Wir durch allgemeines Gesetz, Juden in die Kurie zu berufen.“

In einer weiteren Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Der Bau einer jüdischen Versammlungsstätte zeigt, dass zu dieser Zeit schon eine größere Gemeinde vorhanden war.

In den Jahren 1287 und 1288 kam es im Rheinland zu einer Verfolgungswelle gegen Juden. Im frühen 14. Jahrhundert wurde im Kölner Dom die sogenannte „Judensau“ auf einer der Stuhlwangen des Domchores angebracht. Sie befindet sich noch heute dort! Auch an der Außenfassade befinden sich antijüdische Abbildungen. Eine Statue zeigt einen Juden mit Gebetsschal, dessen hinterer Körper die Gestalt eines Tieres hat und eine andere Figur an der Außenfassade zeigt eine weitere „Judensau“.

Im Jahr 1424 wurden alle Juden aus Köln vertrieben. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon und dem Code Civil, in dem das aufklärerische Ideal der Religionsfreiheit festgehalten wurde, kehrten Juden nach Köln zurück. Ein Jahrhundert später sollten sie jedoch wieder vertrieben werden, diesmal von den Nazis.

„Warum ist es am Rhein so schön?“

Juden kennen die Antwort auf diese Frage länger als Christen. Sie tranken ihren Wein auf die Schönheit des Rheins bereits, bevor es Christen taten. Einige Juden halfen sogar mit, den Kölner Dom zu bauen. Niemand geringeres als Heinrich Heine war Vizepräsident des Kölner Dombauvereins und die Familie Oppenheim stifte sogar Fenster für den Kölner Dom. Auf den Fenstern unten rechts kann man vier Gebäude erkennen, den Kölner Dom, allerdings noch als Baustelle, rechts daneben das Oppenheimsche Kinderhospital, links daneben der Kölner Glaspalast und darunter die ehemalige Kölner Synagoge auf der Glockengasse, die in der Nacht zum 10. November 1938 niedergebrannt wurde.

Immer wieder wurden Juden in Köln verfolgt und ihr Wirken für die Stadt marginalisiert. Dennoch finden sich einige Statuen von Juden am Kölner Rathausturm, zum Beispiel der Kölner Komponist Jacques Offenbach und der Kölner Rechtsanwalt Max Isidor Bodenheimer.

Max Isidor Bodenheimer war ein Vorreiter der zionistischen Bewegung. Ende des 19. Jahrhundert, fast zwei Jahrtausende nachdem die ersten Juden nach Köln gezogen waren, entwickelte er in Köln eine tollkühne Idee, die Realität werden sollte. Bodenheimer schlug vor, da Juden viel zu oft in Europa verfolgt worden waren, das jüdische Land, das vor über eintausendneunhundert Jahren zerstört worden war, wieder am Originalort entstehen zu lassen. Über ein halbes Jahrhundert später wurde dieses moderne Israel Realität. Die Gründung Israels ist der einzige Moment in der ganzen Geschichte der Menschheit, da ein Volk, das in der Zerstreuung seine Sprache (Hebräisch), Tradition (Feiertage) und Verfassung (Tora) bewahrt hatte, seine Kultur wieder einer eigenen Nationalität zufügen konnte!

Nicht nur der moderne Staat Israel hat seine Wurzeln in Köln, auch die Fahne Israels wurde 1897 in Köln entworfen und zwar von den damals in der Domstadt lebenden Kaufmann David Wolffsohn. An dem Ort in Köln, wo der moderne Zionismus erfunden wurde, befindet sich heute ein großer Schild Davids.

Ein anderer berühmter Jude, der in Köln lebte war David Wolffsohn. Er war ein Zeitgenosse von Bodenheimer und arbeitete eng mit ihm zusammen. Er schuf die Fahne, die später die Flagge Israels werden sollte.

Die jüdische Geschichte Kölns hat die jüdische Geschichte weltweit maßgeblich beeinflusst. Endlich wird dieser Geschichte mit einem Museum ein Denkmal gesetzt und dieses Museum lässt keinen Zweifel mehr zu: Jüdisches Leben findet in Köln seit zwei Jahrtausenden Mitten im Quartier statt. MiQua!

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Diese historische Rede müssen Sie kennen!

„Ich erteile das Wort der Frau Abgeordneten Juchacz.“

Mit diesen Worten kündigte der Präsident der Weimarer Nationalversammlung am elften Sitzungstag des neugewählten Parlaments, der am 19. Februar 1919 stattfand, den ersten Redebeitrag einer Frau vor einem demokratisch gewählten Parlament. Ihr Name war Marie Juchacz von der SPD.

Im Jahr 1918, vor genau hundert Jahren, wurde in Deutschland die Demokratie eingeführt. Davor gab es in Deutschland keine Demokratie, denn von einer Demokratie kann nicht gesprochen werden, wenn über der Hälfte des Volkes das Wahlrecht aberkannt wird.

Vor genau hundert hundert Jahren erhielten Frauen in Deutschland das aktive und das passive Wahlrecht. Tapfer im Nirgendwo präsentiert zu diesem Jubiläum der Demokratie und des Frauenwahlrechts die erste Rede, die jemals in einem deutschen Parlament von einer von Männern und Frauen gewählten Frau gehalten wurde:

Meine Herren und Damen!

Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, und zwar ganz objektiv, dass es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat.

Die Frauen besitzen heute das ihnen zustehende Recht der Staatsbürgerinnen. Gemäß ihrer Weltanschauung konnte und durfte eine vom Volke beauftragte sozialistische Regierung nicht anders handeln, wie sie gehandelt hat. Sie hat getan, was sie tun mußte, als sie bei der Vorbereitung dieser Versammlung die Frauen als gleichberechtigte Staatsbürgerinnen anerkannte.

Ich möchte hier feststellen und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.

Wollte die Regierung eine demokratische Verfassung vorbereiten, dann gehörte zu dieser Vorbereitung das Volk, das ganze Volk in seiner Vertretung. Die Männer, die dem weiblichen Teil der deutschen Bevölkerung das bisher zu Unrecht vorenthaltene Staatsbürgerrecht gegeben haben, haben damit eine für jeden gerecht denkenden Menschen, auch für jeden Demokraten selbstverständliche Pflicht erfüllt. Unsere Pflicht aber ist es, hier auszusprechen, was für immer in den Annalen der Geschichte festgehalten werden wird, dass es die erste sozialdemokratische Regierung gewesen ist, die ein Ende gemacht hat mit der politischen Unmündigkeit der deutschen Frau.

Durch die politische Gleichstellung ist nun meinem Geschlecht die Möglichkeit gegeben zur vollen Entfaltung seiner Kräfte. Mit Recht wird man erst jetzt von einem neuen Deutschland sprechen können und von der Souveränität des ganzen Volkes. Durch diese volle Demokratie ist aber auch zum Ausdruck gebracht worden, dass die Politik in Zukunft kein Handwerk sein soll. Scharfes, kluges Denken, ruhiges Abwägen und warmes menschliches Fühlen gehören zusammen in einer vom ganzen Volke gewählten Körperschaft, in der über das zukünftige Wohl und Wehe des ganzen Volkes entschieden werden soll.

Der Herr Ministerpräsident hat in seinem Regierungsprogramm einen Ausblick gegeben für unser Arbeiten in der Zukunft. Er hat aber auch zu gleicher Zeit einen besonderen Ausblick gegeben für das Wirken der Frauen im neuen Deutschland. Er hat uns weite hoffnungsvolle Perspektiven gegeben für unser Arbeiten. Ich möchte hier sagen, dass die Frauenfrage, so wie sie jetzt in Deutschland, in ihrem alten Sinne nicht mehr besteht, dass sie gelöst ist. Wir werden es nicht mehr nötig haben, mit Versammlungen, mit Resolutionen, mit Eingaben um unser Recht zu kämpfen. Der politische Kampf, der immer bestehen bleiben wird, wird sich von nun an in anderen Formen abspielen. Innerhalb des durch Weltanschauung und selbstgewählte Parteigruppierungen gezogenen Rahmens haben wir Frauen nunmehr Gelegenheit, unsere Kräfte auswirken zu lassen.

Aber damit begeben wir uns nun keineswegs des Rechts, andersgeartete Menschen, weibliche Menschen zu sein. Es wird uns nicht einfallen, unser Frauentum zu verleugnen, weil wir in die politische Arena getreten sind und für die Rechte des Volkes mitkämpfen. Kein Punkt des neuen Regierungsprogramms ist da, an dem wir sozialdemokratischen Frauen ohne Interesse wären.

Ich begrüße es ganz besonders, dass im Regierungsprogramm bekundet wird, dass auch das Verwaltungswesen demokratisiert werden soll, so dass in Zukunft den Frauen auch Gelegenheit gegeben sein wird, mit in alle offenstehende Ämter einzutreten.

Ich betrachte den Punkt des Arbeitsprogramms, der da sagt: Heranziehung der Frauen zum öffentlichen Dienst, entsprechend den auf allen Gebieten vermehrten Frauenaufgaben, nur als eine Konsequenz des jetzt gegebenen Zustandes.

Ich bringe diesem Passus durchaus kein Misstrauen entgegen, sondern betrachte es als eine Selbstverständlichkeit, dass auch in der neuen Verfassung, die wir mit schaffen helfen werden, die Frau als gleichberechtigte und freie Staatsbürgerin neben dem Manne stehen wird. Ich wünsche ganz besonders, dass bei den jetzt schon fälligen Aufgaben im Verwaltungswesen die Frauen mit herangezogen werden und denke dabei in allererster Linie an eine Stelle, die nach meinem Dafürhalten im Arbeitsamt des Reiches einrichtet werde müsste, wo Frauen selbständig arbeiten, bei der Witwen- und Waisenfürsorge, bei der Regelung der Fürsorge für Kriegshinterbliebene.

Das ist ein Gebiet, in welches die Frauen einfach hineinpassen und hineingehören nach ihrer ganzen Veranlagung und wo sie für das Wohl das Volkes Ersprießliches leisten können.

Wir Frauen werden mit ganz besonderem Eifer tätig sein auf dem Gebiet des Schulwesens, auf dem Gebiet der allgemeinen Volksbildung, und ich glaube, hier aussprechen zu dürfen, dass die Mütter es ganz besonders begrüßen müssen, dass auch nun wir Frauen Gelegenheit haben werden, unsere Kinder den Bildungsanstalten zuzuführen, welche das neue Deutschland ihnen öffnen wird.

Die gesamte Sozialpolitik überhaupt, einschließlich des Mutterschutzes, der Säuglings- und Kinderfürsorge, wird im weitesten Sinne Spezialgebiet der Frauen sein müssen. Die Wohnungsfrage, die Volksgesundheit, die Jugendpflege, die Arbeitslosenfürsorge sind Gebiete, an denen das weibliche Geschlecht besonders interessiert ist und für welche das weibliche Geschlecht ganz besonders geeignet ist.

Hier möchte ich einflechten und glaube, damit einem Wunsche weiter großer Kreise Ausdruck zu geben: es ist jetzt schon im Moment bitter notwendig, dass die Bezüge unserer Alters- und Invalidenrentner aufgebessert werden. Es ist absolut keine Kategorie von Menschen da, die so unter der Not des Krieges, unter dem Elend, den Folgeerscheinungen des Krieges leiden muss, wie diese Ärmsten und Bedauernswerten.

An einem gesunden Aufbau unseres Wirtschaftslebens sind wir Frauen gleicherweise interessiert wie die Männer und jede einzelne Frau wird in ihrer Partnergruppe nach ihrer Weltanschauung das Beste dazu geben, dass wir wieder zu einer Gesundung unseres Wirtschaftslebens kommen. Wissen doch gerade wir Frauen und Mütter am besten, was auf dem Spiele steht, wenn es uns nicht gelingt, uns wieder aus diesem Elend zu erheben, in dem wir uns jetzt befinden.

Wir Frauen sind uns sehr bewusst, dass in zivilrechtlicher wie auch in wirtschaftlicher Beziehung die Frauen noch lange nicht die Gleichberechtigten sind. Wir wissen, dass hier noch mit sehr vielen Dingen der Vergangenheit aufzuräumen ist, die nicht von heute auf morgen aus der Welt zu schaffen sind. Es wird hier angestrengtester und zielbewusstester Arbeit bedürfen, um den Frauen im staatsrechtlichen und wirtschaftlichen Leben zu der Stellung zu verhelfen, die ihnen zukommt.

Zu all diesen Dingen, die wir uns vorstellen, hat die Umgestaltung unserer Staatsform zur Demokratie uns die Wege geöffnet. Jetzt heißt es, diese Wege zu beschreiten und das zu schaffen, was zum Glück unseres Volkes in der Zukunft notwendig ist. Zum Glück dieses Volkes, zur vollen Befreiung des Volkes ist aber notwendig, dass alle Parteien wissen, worauf es in jeder Stunde ankommt, und da möchte ich ganz besonders sagen, dass wir den Zug der Zeit nicht aufhalten dürfen, dass wir nicht bremsen dürfen, sondern immer mit vorwärtsschreiten müssen, dass wir den Strömungen der Zeit ein psychologisches Verständnis entgegenbringen müssen.

Diese Strömungen, die aus der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung geboren werden, sind lange genug mit Gewalt, mit starrer Gewalt, die in unserem alten System wurzelte, zurückgehalten worden und konnten nicht zur Entfaltung kommen, bis es explodierte. Es ist hier in der politischen Debatte so manches gesagt worden, was mich zum Widerspruch reizte und zum Nachdenken gebracht hat.

Herr Graf v. Posadowsky hat zum Beispiel hier die Frage gestellt: Was ist unter Junkernherrschaft zu verstehen? Das weiß alle Welt mit Ausnahme einer ganz kleinen Gruppe, die sich bisher gegen dieses Wissen verschlossen hat. Ich möchte Herrn Graf v. Posadowsky-Wehner den Rat geben, einmal bei den deutschen Frauen anzufragen, was man unter den Junkern bisher in Deutschland verstanden hat und auch noch heute versteht. Dieses freieste Wahlrecht, unter dem diese Nationalversammlung gewählt worden ist, hat die Stärke der Gruppe des Herrn Grafen v. Posadowsky und seiner Freunde gezeigt, und wir alle wissen, und es hat mich gewundert, dass es niemand bisher hier gesagt hat, dass auch unter dem demokratischen Wahlrecht zum Deutschen Reichstag es nicht möglich gewesen ist, der Volksmehrheit so zu ihrem Rechte zu verhelfen, wie es eigentlich hätte sein müssen, weil unsere Auffassung das nicht zugelassen hat. Der Einfluss der Junker war stets stärker, als er ihnen zahlenmäßig gebührte.

Es ist weiter von Herrn Graf v. Posadowsky gefragt worden, warum wir uns diesen Waffenstillstand haben gefallen lassen. Die Antwort ist bisher in diesem Hause schon gegeben worden, aber ganz kurz will ich meine Meinung dazu sagen. Der Herr Graf v. Posadowsky und seine Freunde wissen ganz genau, warum wir uns diesen Waffenstillstand gefallen lassen müssen. Weil dieser Krieg durch ihre Politik bis zum moralischen Zusammenbruch unseres Volkes geführt hat.

Und die Revolution! Ja, meine Herren, Sie werden diese Revolution nicht verstehen, Sie werden sie niemals buchen als das, was sie ist, eine geschichtliche Tatsache, die herauswachsen musste aus den Verhältnissen, zu denen Sie getrieben haben.

Wilsons Urteil früherer Zeit ist hier angeführt worden. Warum wird es dann nicht in Vergleich gestellt mit dem, was Wilson jetzt sagt? Das ist doch das Maßgebende, dass er nicht verhandeln und nicht Frieden schließen wollte mit einer Regierung, die nicht aus der Demokratie hervorgegangen ist.

Nicht, was vor vier Jahren gesagt worden ist, sondern was gesagt wurde mit Bezug auf die heutigen Zustände, das ist das Maßgebende, nach dem man sich richten muss.

Es ist die Frage gestellt worden, woher denn plötzlich die vielen Feinde gekommen seien, mit denen Deutschland zu rechnen hatte. Es ist gesagt worden, der Deutsche sei vor dem Kriege geehrt und geachtet gewesen. Ja, eine Gegenfrage: War das nicht Selbsttäuschung, sind diese Feinde nun plötzlich aus dem Boden herausgewachsen, nachdem der Krieg da war, oder ist es nicht vielleicht so, dass das, was gedacht und gefühlt worden ist, nunmehr zum Ausdruck kam? Preußen-Deutschland hatte keine Sympathien im Ausland, das hat uns der Krieg gezeigt. Wenn wir dafür sorgen helfen, dass Deutschland wieder zu vernünftigen Zuständen kommt, dass Deutschland wieder das Land wird, in dem alle seine Bewohner Gerechtigkeit genießen und sich wohlfühlen können, wenn wir aufgrund demokratischer Verhältnisse zu anderen Zuständen kommen, als wir sie heute haben, vielleicht ist es dann einmal möglich, eine geachtete Stellung im Ausland zu bekommen, aber mit einer ganz anderen Politik, als sie unter dem alten Regiment mit Ihrer Hilfe gemacht worden ist.

Herr Graf Posadowsky sagte, die staatliche Ordnung wäre jetzt gestört, alle öffentliche Ordnung läge darnieder. Mord, Raub, Plünderung, Diebstahl, Verbrechen aller Art wären an der Tagesordnung. Wie war es denn im Kriege? Hat denn das alte Regiment vermeiden können, dass täglich neue Plakate an die Litfasssäulen unserer Großstädte geschlagen wurden, worin 100000, 50000, 20000 und 10000 Mark Belohnung ausgesetzt wurden für Diebe, Räuber, Mörder aller Art. Ist das eine Erscheinung, die erst jetzt aus den revolutionären Zuständen herausgewachsen ist, oder ist es nicht vielleicht so, dass wir all diese schlimmen Zustände infolge des Kriegselends bekommen haben?

Schon zu Anfang des Krieges und während der Kriegsjahre sind ganze Postzüge ausgeraubt worden, und es ist begreiflicherweise nicht alles, was geschehen ist, in die Zeitungen gekommen. Aber all das ist unter dem alten Regiment geschehen. Ich verwahre mich von vornherein ganz stark dagegen, dass ich etwa unsere Beamtenschaft verunglimpfe, wenn ich hier feststelle, dass auch Beamte an dieser Ausplünderung ganzer Eisenbahnwaggons mit beteiligt waren. Ich will nur feststellen, dass sich auch unter dem alten Regiment Raub, Mord, Diebstahl und Verbrechen aller Art in so erschreckender Weise gehäuft haben, dass wir wirklich nicht mit Stolz auf die vier Kriegsjahre zurückblicken können.

Ich werte alle diese Erscheinungen rein menschlich; sie sind geboren aus der Not und dem Elend des Volkes. Der Krieg ist kein Jungbrunnen der Moral. Physisch und moralisch hat das Volk unter diesem Kriege ganz ungeheuer gelitten und leidet heute noch unter seinen Folgeerscheinungen. Deshalb soll man nicht wie ein Philister über die verschiedensten Taten, die uns nicht gefallen, herziehen. Man soll von ihnen sprechen und auf Abhilfe sinnen.

Von dem Herrn Grafen v. Posadowsky wurde auch die Unterdrückung der Presse als etwas ganz Neues angeführt. Wir billigen die Unterdrückung der Presse von heute durchaus nicht; das brauche ich nicht besonders festzustellen. Aber wo war denn die Pressefreiheit während des Krieges? Wer erinnert sich nicht der endlosen Zensurdebatten, die wir bis zum Überdruss in den Zeitungen gelesen haben. Wir haben niemals einen Erfolg der vielen Proteste zu sehen bekommen, bis das alte System zusammengebrochen ist. So lange hatten wir auch die schimpfliche Knebelung der Presse auch in politischer Beziehung. Die Zeitungen der verschiedensten Richtungen, auch die Zeitungen Ihrer Partei (nach rechts) haben ja bitter darüber Klage geführt. Deshalb mutet es heute ganz besonders an, wenn gerade Herr Graf v. Posadowsky als Ihr Vertreter sich über die Knebelung der Presse beklagt. Wir stellen die Freiheit der Presse und die Freiheit der Versammlungen über alles.

Während des Krieges aber ist es hundertfach vorgekommen, dass auch Abgeordnete des Reichstags aufgefordert wurden, die Manuskripte ihrer Beiträge in Versammlungen einzureichen, und dass sie mit einer Unmenge behördlicher Schikanen kämpfen mussten.

Dem Tüchtigen freie Bahn, das ist die Parole, die wir auch zu jeder Zeit anerkennen. Aber es ist in Preußen-Deutschland nicht so gewesen, wie er Herr Graf v. Posadowsky es hier hat hinstellen wollen. Wo waren denn die sozialdemokratischen Schöffen und Geschworenen, wo hatte man den sozialdemokratischen Lehrer gefunden in dem Lande, in dem nicht einmal ein sozialdemokratischer Nachtwächter angestellt werden konnte. Ein Aufatmen ist durch die Reihen der Beamtenschaft und der Lehrer am 9. November gegangen. Das können wir am allerbesten beurteilen. Die Tausende von Zuschriften, die wir bekommen haben, die vielen Anmeldungen für unsere Bewegung, die wir aus diesen Kreisen erhalten haben, sind uns ein Beweis, und das Gros der Beamtenschaft zweifelt gar nicht daran, dass sie unter der neuen Regierung und unter dem neuen System sich zweifellos auch wirtschaftlich besserstehen werden.

Die Sozialdemokratie hat es in der Zeit ihres Wirkens, schon bevor sie eine solche Machtstellung eingenommen hat wie heute, bewiesen, dass sie die Interessen der Beamtenschaft wohl zu wahren weiß. Ähnlich verhält es sich mit dem Mittelstand. Die Beamtenschaft ist politisch geknebelt worden, und die warmen Befürworter des Mittelstandes, sie haben ihre Machtstellung in der Vergangenheit mit dazu benützt, auch den Mittelstand vor ihren Wagen zu spannen, indem sie ihn wirtschaftlich in Fesseln schlugen. Die einfachen und mittleren Verhältnisse, aus denen die höheren Staatsbeamten hervorgegangen sind, mit denen ist es auch nicht allzu weit her. Ich habe nicht oft davon gehört, dass Söhne und Töchter von Arbeitern und Tagelöhnern in höhere staatliche Dienste genommen worden wären. Welche Geheimräte, welche Landräte, welche Regierungspräsidenten, welche Staatssekretäre und Minister sind denn unter dem alten System aus so einfachen Verhältnissen hervorgegangen? Können Sie solche nennen? Ich bezweifle es.

Hatten wir Offiziere aus Arbeiterkreisen? Nein, die hatten wir nicht. Es ist ja wunderbar, wie wir jetzt von allen Seiten Helfershelfer für die sozialpolitischen Arbeiten bekommen, nur sieht man bei all den Vorschlägen, die Sie (nach rechts) machen, sehr den Pferdefuß. Es ist der ganzen Welt bekannt, dass es in unserem sozialpolitischen Leben immer so gewesen ist, dass es uns nicht genug war, was geschehen, aber Ihnen (nach rechts) stets zu viel.

Wir Frauen können uns ja dessen nur freuen, wenn Sie jetzt plötzlich den Hang verspüren, fruchtbare sozialpolitische Arbeit zu leisten. Wir können dabei ja gar nicht genügend Bundesgenossen bekommen. Wenn alle Parteien bis zum äußersten rechten Winkel hier den starken Willen zur Sozialpolitik bekunden, dann kann es ja mit dieser Fortentwicklung in Deutschland nicht schlecht bestellt sein. Ganz komisch mutet es mich an, als an die bürgerlichen Parteien hier von dem Herrn Grafen das Ersuchen zum Zusammenschluss gerichtet wurde, nach einem so starken Bekenntnis zur Monarchie. Ich habe die Ansicht, dass es ganz konsequent ist, nach diesem starken Bekenntnis zur Monarchie, wie es hier abgelegt worden ist, dass Ihre Partei isoliert bleiben muß in diesem Hause.

Es ist selbstverständlich Sache der bürgerlichen Parteien selbst, sich gerade dazu zu äußern, aber ich möchte hierbei doch sagen, da es ganz komisch anmutete, und zwar roch es sehr stark nach der alten Kampfmaxime gegen die Sozialdemokratie. Ich bin überzeugt, dass Sie sich keinen Augenblick bedenken würden, die große Mehrheit des deutschen Volkes auch heute noch nach dem alten Muster zu vergewaltigen, wenn Sie dazu die Macht hätten. Ich möchte noch einiges andere sagen.

Es ist hier von Herrn Haase einiges über die Politik der Unabhängigen Sozialdemokratie ausgesprochen worden. Nach seinem Dafürhalten müssen wir Deutsche stillhalten unter allen Umständen, auch wenn wir sehen, dass – und ich gebrauche mit Absicht dieses so viel benutzte Schlagwort – die Errungenschaften der Revolution kaputtgemacht werden, dass Pressefreiheit und Freiheit der Staatsbürger, Versammlungsfreiheit vernichtet werden, dass der Demokratie mit Maschinengewehren und bedrohlichen Umzügen das Grab gegraben wird. Dazu haben wir nicht den Willen; das Bekenntnis zur Demokratie, welches ich im Anfang meiner Ausführungen hier für uns eingelegt habe, verbietet es uns und macht es uns grundsätzlich zur Unmöglichkeit, die Wege einzuschlagen, wie sie von jener Seite beliebt werden.

Es muß noch einmal festgestellt werden, obwohl es schon des öfteren geschehen ist, dass die Unabhängige Sozialdemokratie die Spartakuspolitik unterstützt hat. Ich erinnere daran, dass zwischen dem 6. und 13. Januar dieses Jahres, als die Presse in Berlin geknebelt war, die Aufrufe, die von der Spartakusgruppe, von den revolutionären Obleuten und von der Unabhängigen Sozialdemokratie unterzeichnet waren, die Volksgenossen, die Arbeiter zur Bewaffnung aufgefordert haben. Ich meine, dass dieses mit dem vielen anderen zusammengenommen, was hier gesagt worden ist, die Rechtfertigung dafür abgibt, dass eine solche Politik von der Sozialdemokratie nicht gutgeheißen werden kann, weil sie all dem widerspricht, was uns in den langen Jahren vor dieser Zeit von den Führern und Führerinnen der Unabhängigen Sozialdemokratie gesagt und gelehrt worden ist, die sich jetzt auf der anderen Seite befinden.

Es ist gesagt worden, in dem Programm der Regierung fehle jeder Tropfen Sozialismus. Darauf möchte ich erwidern, dass es heißt, die Augen vor den Realitäten des heutigen Lebens zu schließen. Wir sind es der Arbeiterschaft einfach schuldig, eine solche Politik zu verfolgen, wie wir es heute tun, weil wir es vor der Masse der Arbeiter, vor den Männern und Frauen und vor unseren Kindern nicht verantworten könnten, wenn wir durch eine derart verkehrte Politik, wie es von jener Seite beliebt wird, dazu beitragen würden, dass alles das, was die Arbeiterschaft in den ersten Novemberwochen sich errungen hat, die Freiheit des Staatsbürgers bis zur letzten Konsequenz wieder verscherzt würde und dass damit dem Fortschritt die Wege wieder verschlossen würden.

Die befreiten Frauen Deutschlands sollten den Söhnen, Vätern, Brüdern, Freunden, die sich in Feindesland befinden, heute hier von dieser Stelle ihre herzlichen Grüße zurufen. Wir bedauern es aufs tiefste, dass sie dort die ganzen seelischen und körperlichen Qualen der Gefangenschaft durchmachen müssen, und wir bedauern die vielen Angehörigen hier in unserem armen unglücklichen Deutschland, die auch heute noch bangen müssen um ihre Lieben da draußen, denen der Krieg noch immer nicht zu Ende gegangen ist, weil sie ihre Lieben noch nicht in die Arme schließen können, weil die Frauen, die hier in Seelenqual um ihre Männer bangen, das Verlangen danach haben, all die Qual der letzten viereinhalb Jahre auszulöschen in den Herzen derer, mit denen sie verbunden sind.

Das soll hier mit diesen Worten zum Ausdruck gebracht werden. Wir wollen unsere Stimme laut ertönen lassen, damit auch die Frauen in den anderen Ländern, damit die Völker der anderen Länder es hören, dass es deutsche Frauen, deutsche Männer und Frauen sind, die sich innerlich empören gegen dieses furchtbare Unrecht, das uns hier geschieht.

Es ist nicht berechtigt, dass man unsere Volksgenossen uns so lange fernhält. Wir wenden uns auch hier an dieser Stelle gegen die furchtbare Blockade, die uns auch heute noch und jede Stunde mit dem Hungertod bedroht. Dieser Hunger, der schon so viele unserer Volksgenossen dahingerafft hat, weicht auch heute noch nicht von unserer Seite, trotzdem der Friede vor der Türe stehen sollte und trotzdem der Völkerhass heute schweigen müsste, und es ist das Furchtbarste, was die Entente sich heute in dieser Stunde noch zuschulden kommen lässt, dass sie dieses wehrlose deutsche Volk auch noch weiter dem Hunger überliefert, nachdem sie viereinhalb Jahre und länger diese Blockade aufrechterhalten hat.

Unter einziger wirtschaftlicher Reichtum ist unsere Arbeitskraft. Nur vermöge dieser Arbeitskraft und ihrer Anwendung ist es möglich, uns wieder aus diesem tiefen Elend zu erheben. Aber wenn man uns nicht die Nahrungsmittel und unserer Industrie nicht die Rohstoffe gibt, wenn man uns nicht in anderer Weise durch Gewährung von Kredit und anderen Hilfsmitteln entgegenkommt, dann macht man uns dieses Aufrichten so bitter schwer, und die Völker der ganzen Welt benachteiligen sich selbst. Denn was ein Volk leistet in der Welt, kommt dem anderen zugute.

Genau so, wie der einzelne Mensch arbeiten muss, um die Volkskraft zu stärken in dem Lande, dem er angehört, so sollten auch die Völker zusammenwirken zu ihrem eigenen Wohl und Besten.

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Hundert Jahre ist diese Rede nun her. Was verbinden Frauen und Männer heute mit dem Erfolg, dass passive und aktive Wahlrecht für Männer und Frauen errungen zu haben? Generationen hatten dafür gekämpft. Der Widerstand seitens der Gegnerinnen und Gegner der Frauenbewegungen war immens, der Glaube an die Minderwertigkeit von Frauen hielt sich hartnäckig. Viele Aktivistinnen sahen die Erlangung der politischen Gleichberechtigung von Männern und Frauen als ihre Lebensaufgabe – viele wurden enttäuscht und erlebten die Einführung nicht mehr. Welche Bedeutung hat das Frauenwahlrecht für sie heute? Die Literaturwissenschaftlerin Isabel Rohner und die Journalistin Rebecca Beerheide haben Frauen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien gefragt. Herausgekommen ist ein vielfältiges Buch voller persönlicher Einblicke.

„100 Jahre Frauenwahlrecht: Ziel erreicht – und weiter?“

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