Selfiestick auf Deutsch heißt: Bilderstöckchen!

Seit einigen Tagen wandert ein wunderbarer Kalauer durch das Internet: „Selfiestick auf Kölsch heißt: Bilderstöckchen!“

Mir gefällt das sehr. Ich rufe daher auf, den Begriff „Bilderstöckchen“ in den Duden aufzunehmen als Synonym für Selfiestick. Dafür müssen wir den Begriff von nun an nur konsequent nutzen. Ich werde es tun!

Ich bin ein großer Freund davon, die deutsche Sprache kreativ zu nutzen, um neue Worte zu erfinden. In der Geschichte gibt es eine Menge kreativer Menschen, die neue deutsche Worte erfunden haben, die heute alle nutzen.
Philipp von Zesen zum Beispiel ist so ein Mann.

Er hat all diese Worte erfunden:

Ableitung (für das Fremdwort Derivation),
Abstand (Distanz),
Angelpunkt (Pol),
Anschrift (Adresse),
Augenblick (Moment),
Ausflug
(Exkursion),
Besprechung (Rezension),
Bücherei (Bibliothek),
Emporkömmling
(Parvenü),
Entwurf (Projekt),
Farbgebung (Kolorit),
Freistaat (Republik),
Glaubensbekenntnis
(Credo),
Gotteshaus (Tempel),
Grundstein (Fundament),
Kreislauf
(Zirkulation),
Leidenschaft
(Passion),
Letzter Wille (Testament),
Mundart (Dialekt),
Nachruf (Nekrolog),
Rechtschreibung (Orthographie),
Sterblichkeit (Mortalität),
Verfasser (Autor),
Vollmacht
(Plenipotenz),
Wahlspruch (Devise),
Weltall (Universum).

Es gibt auch Erfindungen von Philipp von Zesen, die es nicht in unseren aktiven Wortschatz geschafft haben. Tapfer im Nirgendwo stellt eine kleine Auswahl dieser Worte vor. Wenn Sie wissen möchten, was das Wort bedeutet, einfach darauf klicken.

Beistrich,
Blitzfeuererregung
,
Blutzeuge,
Dörrleiche,
Entgliederer,
Erzvater,
Gesichtskreis,
Gottestum
,
Jungfernzwinger,
Kirchentisch,
Krautbeschreiber
,
Leuthold,
Lotterbett
,
Lusthöhle
,
Lustkind,
Meuchelpuffer,
Schalksernst,
Spitzgebäude,
Spottnachbildung,
Tageleuchter,
Weiberhof,
Zeugemutter
.

Das Wort Meuchelpuffer gefällt mir sehr. Ich werde es in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen. Auch andere Personen haben die deutsche Sprache mit ihren Verdeutschungen bereichert, zum Beispiel der Schriftsteller und Pädagoge Joachim Heinrich Campe.

Ihm verdanken wir folgende Wörter:

altertümlich (antik),
Erdgeschoss
(Parterre),
Esslust
(Appetit),
Feingefühl
(Takt),
fortschrittlich
(progressiv),
herkömmlich
(konventionell),
Hochschule
(Universität),
Lehrgang
(Kursus),
Randbemerkung
(Glosse),
Stelldichein
(Rendezvous),
Streitgespräch
(Debatte),
tatsächlich
(faktisch),
Voraussage
(Prophezeiung),
Wust
(Chaos)
Zerrbild
(Karikatur).

Campe erfand ebenfalls auch Wörter, die es nicht in unseren Sprachgebrauch geschafft haben, zum Beispiel diese:

Freigläubiger,
Zwangsgläubiger
,
Heiltümelei
,
Menschenschlachter
.

Die Wörter: Aufmerksamkeit, Bedeutung, Bewußtsein, Grundlage und den in der deutschen Philosophie nicht mehr wegzudenkenden Begriff an sich verdanken wir dem Philosophen Christan Wolff.

Dem Generalpostdirektor Heinrich von Stephan wiederum verdanken wir folgende Wörter:

postlagernd (poste restante)
freimachen (frankieren)
Fernsprecher (Telefon)

Ein recht neues Wort, dass er jüngst in den Duden aufgenommen wurde, ist Rudelgucken. Ich habe keine Ahnung, wer für dieses Wort verantwortlich ist, aber es ist ein deutlich besseres Wort als „public viewing“, vor allem wenn man bedenkt, dass „public viewing“ in den USA nicht das gemeinsame Anschauen von auf Großbildschirmen übertragenen Veranstaltungen bezeichnet, sondern Leichenschau bedeutet.

Auch einige Leserinnen und Leser von Tapfer im Nirgendwo haben neue Worte erfunden.

Bürgerei (Politik)
einsnullig (digital)
Klangschachtel (iPod)
Gottesburg (Kathedrale)
Tonfuchtler (Dirigent)
Tannenturm (Pagode)
Verkrankung (Epidemie)
Krankling (Virus)
Mendeling (Gen)
Mendelei (Gentechnik)
Anschläger (Terrorist)
Heiligenglied (Reliquie)
Erdkundekugel (Globus)
Zwischennetz Erforscher (Internet Explorer)
Winzigweich (Microsoft)
Luststock (Joystick)
DuRohr (YouTube)
Gesichtsbuch (Facebook)

Wer Lust hat, möge weitere deutsche Worte erfinden und sie unten in die Kommentarspalte schreiben. Es gibt auch Wörter, die sind so deutsch, dass andere Sprachen sie einfach übernommen haben. Hier ein paar Beispiele

Russisch:
Schlagbaum: „schlagbaum“
Butterbrot: „buterbrod“
Eintopf: „aintopf“
Achtung: „achtung“
Waldschnepfe: „wal’dschnep“
Inzucht: „inzucht“
Landschaft: „landschaft“
Unteroffizier: „unterofizer“
Streikbrecher: „schtreikbrecher“
Jagdtasche: „jagdtasch“

Japanisch:
Arbeit: „arubaito“
Gemeinschaft: „gemainshafuto“
Weinglas: „waingurasu“
Sauerkraut: „zawakurauto“
Gasmaske: „gasumasku“

Schwedisch:
Besserwisser: „besserwisser“
gefundenes Fressen: „gefundenes fressen“
ungefähr: „ungefär“

Französisch:
Berufsverbot: „le berufsverbot“
Gemütlichkeit: „la gemütlichkeit“
Glockenspiel: „le glockenspiel“
Waldsterben: le waldsterben
Zuckerwatte: „la zuckerwatte“

Tschechisch:
Hochstapler: „hochštapler“
Liebesbrief: „líbesbríf“
Meisterstück: „majstrstyk“
Stammgast: „stamgast“

Albanisch:
Baustelle: „baushtell“
Duschkabine: „dushkabin“
Tankstelle: „tankshtell“

Kroatisch:
Gastarbeiter: „gastarbajter“
Bademantel: „bademantil“
Bohrmaschinie: „bormasina“
Frühstück: „frustuk“
Hausmeister: „hausmajstor“
Kurzschluss: „kurcslus“
Reißverschluss: „rajsferslus“
Schmirgelpapier: „smirgl papir“
Trinkgeld: „tringelt“

Dänisch:
ungefähr: „ungefær“
besoffen: „besoffen“
Weltschmerz: „weltschmerz“

Finnisch:
Kaffeepause: „kahvipaussi“

Holländisch:
Fingerspitzengefühl: „Fingerspitzengefühl“

Norwegisch:
Umsonst: „omsonst“

Polnisch:
Schlafmütze: „szlafmyca“

Türkisch:
Heimatlos: „haymatlos“

Dies sind nur ein paar Beispiele. Klicken Sie hier für weitere deutsche Wörter, die es in andere Sprachen geschafft haben.

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Wollte ZDF heuteplus Israel dämonisieren?

Am 26. Mai 2016 präsentierte das Magazin ZDF heute+ auf Facebook einen Bericht über ein zwölfjähriges Mädchen, das von seinen Eltern und seinem sozialen Umfeld derart zum Hass missbraucht wurde, dass es loszog, um Juden zu morden.

Es geht in dem Bericht allerdings nicht darum, wie es zu dem Hass gekommen ist. Stattdessen präsentiert das ZDF einen tendenziösen und unausgewogenen Bericht, der dazu schweigt, dass die Diktatur der Hamas und der Fatah Kinder zum Morden anstiftet und als Terroristen missbraucht, um die eigene Vernichtungsindustrie am Laufen zu halten, die in der Gründungscharta der Hamas unter Artikel 7 festgelegt ist, nämlich die Vernichtung des gesamten jüdischen Volkes weltweit.

Statt diese Erklärung zur Vernichtung des jüdischen Volks wenigstens zu erwähnen, werden Israelis angeklagt, die sich gegen den Judenmord wehren und zwar in Form einer selbsternannten und von Europa subventionierten „Menschenrechtsorganisation“. Die Eltern kommen ebenfalls zu Wort. Sie werden jedoch nicht gefragt, warum sie die eigene Tochter nicht vor dem Hass bewahrt haben. Stattdessen dürfen sie gegen Israel wettern. Am Ende wird gezeigt, wie das Mädchen gefeiert wird. Spätestens hier wäre es angebracht gewesen zu erwähnen, dass die Familien von Terroristen und Judenmördern von der Hamas und der Fatah fürstlich belohnt werden, nicht selten mit Geldern aus Deutschland. Eine arme Familie braucht nur eine Tochter, die Juden absticht und die Armut wird gemindert!

Warum hat das ZDF nicht gefragt, warum Israel diese Kindersoldatin wieder frei gelassen und in die Hände ihrer Seelenpeiniger übergeben hat? Warum zeigt das ZDF die Erklärung eines mit stieren Augen blickenden Mädchens, dass mehr als vermuten lässt, dass es auswendig gelernte Propaganda abspult, wie ein Kind, das solange gepeinigt wurde, bis alle empathischen Gefühle verschwunden sind und noch ein Kindersoldat spricht? Ich fragte daher bei der Redaktion nach:

„Können Sie mal einen Beitrag darüber machen, warum das Mädchen morden wollte? Woher kommt der Hass auf Juden? Ich finde, ein Bericht über die HJ (Hamasjugend) ist mehr als überfällig! Nur dann versteht man auch die israelische Reaktion.“

Die Antwort kam prompt:

ZDF heute+ hat mir versprochen, bei der nächsten Redaktionskonferenz über die Hamasjugend und den Judenhass, der in die Köpfe arabischer Kinder gehämmert wird, als mögliches Thema zu reden.

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Ein Flugblatt für Gaza

So wie die Nazis damals die Feinde jedes aufgeklärten Deutschen waren, so sind die Eiferer von der Hamas heute die Feinde jedes aufgeklärten Arabers. Es ist die Hamas, die arabische Kinder als Schutzschilde missbraucht. Die Kinder sterben, weil die Hamas sie in den Tod schickt. In Israel aber bieten Bunker allen Bürgerinnen und Bürgern Schutz vor den Raketen, unabhängig vom kulturellen Hintergrund.

Nur eine bedingungslose Kapitulation der Hamas und all ihrer Sympathisanten wird das Sterben auf beiden Seiten beenden!

Die Hamas feuert immer wieder Raketen auf Israel ab oder lässt es zu, dass verbündete Terrororganisationen wie der Islamische Dschihad Israel vom Gazastreifen aus angreifen. Dennoch versorgte Israel den Gazastreifen weiterhin mit Wasser, Essen, Medizin und Strom. Israelischen Hospitäler heilen die Wunden der Menschen, egal woran sie glauben.

Deutschland wurde einst von den Alliierten befreit. Vorher musste das Land aber bekriegt werden. Heute lebt Deutschland in Frieden mit seinen ehemaligen Feinden und ist mit ihnen sogar verbündet. Auch Gaza muss befreit werden.

Die Geschichte Deutschlands zeigt, der Hass auf Juden muss ernst genommen werden. Ein großer Teil der Deutschen hasste Juden damals so wie heute ein großer Teil der Araber Juden hasst. Damals stellten sich nur wenige Aufrichtige dem Hass der Nazis entgegen. Die Geschwister Scholl gehörten dazu. Sie schrieben in ihrem dritten Flugblatt:

„Unser heutiger „Staat“ aber ist die Diktatur des Bösen. „Das wissen wir schon lange“, höre ich Dich einwenden, „und wir haben es nicht nötig, dass uns dies hier noch einmal vorgehalten wird.“ Aber, frage ich Dich, wenn Ihr das wisst, warum regt Ihr Euch nicht, warum duldet Ihr, dass diese Gewalthaber Schritt für Schritt offen und im verborgenen eine Domäne Eures Rechts nach der anderen rauben, bis eines Tages nichts, aber auch gar nichts übrigbleiben wird als ein mechanisiertes Staatsgetriebe, kommandiert von Verbrechern? Ist Euer Geist schon so sehr der Vergewaltigung unterlegen, dass Ihr vergesst, dass es nicht nur Euer Recht, sondern Eure sittliche Pflicht ist, dieses System zu beseitigen?

Wenn aber ein Mensch nicht mehr die Kraft aufbringt, sein Recht zu fordern, dann muss er mit absoluter Notwendigkeit untergehen. Wir würden es verdienen, in alle Welt verstreut zu werden, wie der Staub vor dem Winde, wenn wir uns in dieser zwölften Stunde nicht aufrafften und endlich den Mut aufbrächten, der uns seither gefehlt hat. Verbergt nicht Eure Feigheit unter dem Mantel der Klugheit. Denn mit jedem Tag, da Ihr noch zögert, da Ihr dieser Ausgeburt der Hölle nicht widersteht, wächst Eure Schuld gleich einer parabolischen Kurve höher und immer höher.“

Diese Worte gelten heute für das von der Hamas geknechtete Volk:

„Opfert nicht einen Pfennig bei Straßensammlungen (auch wenn sie unter dem Deckmantel wohltätiger Zwecke durchgeführt werden). Denn dies ist nur eine Tarnung. In Wirklichkeit kommt das Ergebnis weder dem Roten Kreuz noch den Notleidenden zugute.“

Die Geschwister Scholl waren klar in ihrer Ansage: Ein deutsches Volk, das sich nicht selbstständig von den Nazis befreien kann, verdient es, unterzugehen und wie Staub zerstreut zu werden. Es liegt heute ganz in den Händen des Volkes von Gaza. Wenn sich die Menschen in Gaza nicht selbstständig von den Barbaren, Schlächtern und Mördern, die sich selbst stolz in die Tradition der Nazis stellen, befreien können, kann es für Gaza irgendwann vielleicht die Antwort geben, die es für die Nazis in Deutschland gab.

Der Untergang der Nazis wurde vom deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker später eine Befreiung genannt. Gaza kann ebenso befreit werden. Im ersten Flugblatt der Geschwister Scholl heißt es:

„Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt!“

Mit der Hamas wird das palästinensische Volk zu Grunde gehen. Der Hass der Hamas und all ihrer Sympathisanten ist für das Sterben und Leid im Nahen Osten verantwortlich. Die Hamas wirft Raketen auf israelische Kinder oder lässt es zu, dass Israel von verbündeten Terrororganisationen angegriffen wird und versteckt sich hinter arabischen Kindern. Die ehemalige israelische Premierministerin Golda Meir soll es in wenigen Worten auf den Punkt gebracht haben:

“Wir können den Araber vergeben, dass sie unsere Kinder töten. Wir können ihnen nicht vergeben, dass sie uns zwingen, ihre Kinder zu töten. Wir werden erst Frieden mit den Arabern haben, wenn sie ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.”

Israel will den Krieg nicht. Israel will Freiheit und Frieden. In der Unabhängigkeitserklärung Israels heißt es:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

So wie ich als Deutscher heute frei bin, so kann auch Palästina einst frei sein.

Freiheit für Palästina!
Freiheit von der Hamas!
Freiheit von allen Verbündeten der Hamas!

Das geht jedoch nicht ohne eine bedingungslose Kapitulation der Hamas und all ihrer Sympathisanten! Kapitulieren muss der gesamte Teil des palästinensischen Volkes, der für den Krieg gegen Israel so jubelt wie die Deutschen einst für den totalen Krieg Hitlers jubelten.

Die letzten Worte gehören daher den Geschwistern Scholl. Sie entstammen ihrem vierten Flugblatt und wurden vor mir leicht abgeändert:

„Obgleich wir wissen, dass die nationalislamistische Macht militärisch gebrochen werden muß, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten palästinensischen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt muss aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das palästinensische Volk auf sich geladen hat, und ein rücksichtsloser Kampf gegen die Hamas und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, usw. vorausgehen. Mit aller Brutalität muss die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalislamismus zusammenhängt, aufgerissen werden. Für die Hamas und ihre Anhänger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wäre.

Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muss nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, dass niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs Neue zu versuchen. Vergesst auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf dass keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre!

Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!

Bitte vervielfältigen und weitersenden!“

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Warum jene, die an Homöopathie glauben, keine homöopathischen Mittel kaufen sollten

Wenn auf einer Party einmal zu viel Harmonie herrschen sollte, dann empfehle ich, folgende Frage in den Raum zu werfen: „Was haltet ihr von Homöopathie?“ Ich garantiere, der Abend wird im Streit enden.

Es wird vermutlich noch ruhig beginnen. Zunächst werden die Gegner erklären, dass eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus bisher nicht nachgewiesen werden konnte, aber die Befürworter werden erwidern, die Mittel hätten bei ihnen gewirkt. Darauf werden dann die Gegner sagen, eine Relation zwischen Wirkung und Mittel sei nicht bewiesen, aber die Befürworter werden gewiss kontern, das sei ihnen egal, denn wer heilt habe recht. Dann wird es noch maximal zwei bis drei gesittete Gedankenaustausche geben, aber dann knallt es!

Dass jene, die nicht an die Wirkung homöopathischer Mittel glauben, erklären, man solle für die Pillen kein Geld ausgeben, ist klar. Aber auch jene, die an die Wirkung von homöopathischen Mitteln glauben, sollten ihr Geld stecken lassen! Der Grund ist ganz logisch.

Wenn es eine Wirkung von homöopathischen Mitteln gibt, dann muss es auch einen Grund für diese Wirkung geben. Der Grund liegt laut homöopathischer Lehre in der Potenzierung. Die Grundsubstanz des Arzneimittels wird wiederholt (meist im Verhältnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Ethanol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben und derart verdünnt, dass die Grundsubstanz am Ende nicht mehr nachgewiesen werden kann. Homöopathen glauben, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ wirksam wird.

Genau hier liegt das Problem. Da nicht nachgewiesen werden kann, ob ein Mittel wirklich potenziert wurde, weiß man nie, ob ein vermeintlich homöopathisches Mittel echt ist oder nur eine Fälschung. Jede Ärztin, die ein homöopathisches Mittel einkauft, kann nicht wissen, ob das Mittel echt ist. Niemand kann das wissen!

Für Gauner ist die Homöpathie somit das perfekte Verbrechen. Sie können homöopathische Mittel fälschen, ohne dass es ihnen nachgewiesen werden kann. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland Homöopathika für 482 Millionen Euro umgesetzt; das entspricht 8,1 Prozent aller rezeptfreien Arzneimittel. Davon wurden zwanzig Prozent von einem Arzt oder Heilpraktiker verordnet und achtzig Prozent wurden direkt vom Anwender in der Apotheke gekauft. Wer weiß, vielleicht waren die meisten Mittel nur Fälschungen!

Woher weiß man, ob Homöopathie hilft, wenn man echte homöopathische Mittel nicht von Fälschungen unterscheiden kann?

Stellen wir uns einfach nur folgenden Versuch vor: Unter 1000 Kügelchen befinden sich 10 Homöopathika. Die restlichen 990 Kügelchen sind schlichte unpotenzierte Kügelchen. Wenn alle 1000 Kügelchen zusammengeworfen und vermischt werden, ist es unmöglich die zehn Homöopathika zu finden. Selbst mit modernsten Mitteln kann ein homöopatisches Mittel nicht von einer Fälschung unterschieden werden!

Wie stark das Vertauen zur Homöpathin auch ist, das Mittel kann immer eine Fälschung sein. Selbst die Homöopathin kann sich nicht sicher sein! Vertraut die Homöopatin dem Zulieferer? Kennt der Zulieferer die Herstellerin? Selbst wenn man eine Heilung erlebt, kann man nie sicher sein, ob die Heilung nicht von einer anderen Sache rührt, denn das Mittel kann eine Fälschung sein!

Homöopathie ist wie Weihwasser. Niemand kann sicher sein, ob es wirklich gesegnet wurde! Darum sollten sich vor allem jene, die an Homöopathie glauben, immer fragen, ob sie nicht dabei sind, gut Geld für Fälschungen auszugeben.

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Was bedeutet Hardliner?

Der Gründer der Partei „Unser Haus Israel“ und ehemalige Außenminister von Israel, Avigdor Lieberman, wird wieder Teil der israelischen Regierung sein. Er folgt als Verteidigungsminister auf den zurückgetretenen Mosche Jaalon. Lieberman hat sich mit der regierenden Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf eine Beteiligung an der Koalition geeinigt. Eine Bedingung dafür war, dass seiner Partei der Posten des Verteidigungsministers zufallen solle.

In Deutschland wird seit der Ernennung Liebermans eifrig geunkt. So ziemlich alle reden von einem Rechtsruck und nicht wenige sehen den Frieden in weite Ferne rücken. Noch ferner? Wie viel ferner kann ein Frieden rücken, wenn die regierende Partei im Gazastreifen in ihrer Charta die Vernichtung aller Juden weltweit fordert und die Fatah in der sogenannten Palästinensischen Autonomie auf Feierlichkeiten den Völkermord an Juden preist, Straßen und Plätze nach Judenmörder benennt und Familien von Terroristen fürstlich belohnt?

Avigdor Lieberman ist unbestritten ein Hardliner. In einem Land, das von seinen Nachbarn vernichtet werden soll, ist es nicht ungewöhnlich, eine harte Linie zu entwickeln. Im Vergleich zu der Hamas und der Fatah jedoch ist er ein Friedensengel. Lieberman ist für eine Zweistaatenlösung, aber nicht wenige Parteien auf der Gegenseite, von der Hamas bis zur Hisbollah, führen die Vernichtung Israels und sogar die Auslöschung des gesamten jüdischen Volkes im Parteiprogramm. Jeder Jude, der sich dieser Massenmordabsicht entgegenstemmt, ist ein Hardliner. Und das ist auch gut so! Wer diesen Begriff in negativer Weise verwendet, hat nicht begriffen, um welchen mörderischen Hass es hier geht und erklärt, man solle auf die Absicht, vernichtet zu werden, nicht so hart reagieren! Wohin jedoch ein softer Umgang mit Judenmördern führt, zeigt die Geschichte.

Es gibt weder in der Hamas noch in der Fatah einen einzigen Politiker, der so gemäßigt ist wie Avigdor Lieberman. Gäbe es in der Regierung der palästinensischen Autonomie auch nur einen Mann wie Avigdor Lieberman, der Frieden wäre übermorgen da! Ein Beispiel:

Im Jahr 2001 gestand Lieberman, einem zwölfjährigen Jungen, der seinen Sohn angegriffen hatte, ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Vorfall ereignete sich 1999 in der israelischen Siedlung Nodkim. Nachdem sein Sohn ihm von dem Angriff erzählt hatte, spürte Lieberman dem Jungen auf und schlug ihn. Er wurde wegen tätlichen Angriffs und Drohung schuldig gesprochen. Das ist Israel! Terroristen, die Juden niederstechen, Eltern vor ihren Kindern abschlachten und auf Straßen und in Synagogen Massaker veranstalten, werden in der Palästinensischen Autonomie nicht verurteilt, sondern als Helden gefeiert. Das ist der Unterschied!

Das Problem vieler selbsternannter Nahostexperten besteht darin, dass sie bereits jauchzen, wenn ein Politiker in Gaza kein Hitler ist, sie aber garstig einen jüdischen Politiker in Israel in Grund und Boden kritisieren, wenn er kein Nathan der Weise ist.

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Nachdrücklich klar gemacht

Anfang April 2016 erstattete ich Anzeige aufgrund diverser Hassbotschaften und Mordaufrufe, die ich auf der Facebookseite „Islam Fakten“ gefunden hatte. Eine Auswahl der Aussagen liest sich wie folgt:

„Gottlose juden inshallah werdet ihr wieder vergast und endgültig ausgelöscht“

„war schon gut was Hitler gemacht hat dreckigen Hundesöhne“

„scheiß Juden sollen verrecken die Schweine Bastarde“

„dreckiger Judenpack. ich sage es immer hätte man mein kumpel Adolf’o zu ende bringen lassen was er angefangen hat hättma jetzt die probleme nicht“

Die Kommentare fanden sich allesamt unter einem Video, das von „Islam Fakten“ geteilt wurde. Auf dem Video sah man eine 23-jährige Terroristin, die mit einem Messer in der Hand auf der Flucht war, nachdem sie einen Menschen auf der Straße niedergestochen hatte. Umstehende Passanten versuchten, die Terroristin an der Flucht zu hindern. Die Seite Islam Fakten kommentiert das Video allerdings mit diesen Worten:

„JUDEN greifen eine alte PALÄSTINENSISCHE FRAU an und beschmeisen sie mit Steinen !“

Die Seite „Islam Fakten“ betrieb somit bewusste Manipulation zum Schaffen von Judenhass. Es überraschte daher nicht, das binnen weniger Minuten die Kommentarspalte mit Judenhass vollgepostet wurde. Ich erstatte Anzeige bei der Polizei und dokumentierte auf Tapfer im Nirgendwo ein paar Einträge, um so den Umfang des Hasses zu zeigen. In dem Artikel stellte ich fest:

„Klickt man auf die Namen der Menschen, die in deutscher Sprache Hitler feiern und die Vergasung von Juden fordern, landet man nicht selten bei Menschen, die sich selbst als gläubige Muslime präsentieren. Man zeige mir nur eine Seite auf Facebook, die sich als jüdisch ausgibt und auf der Menschen, die sich als gläubige Juden bezeichnen, die Vernichtung aller Muslime fordern. Man wird eine solche Seite nicht finden. Es gibt schlicht und ergreifend solche Seiten nicht!

Im Jahr 1933 gab es kein von Juden getragenes deutschsprachiges Medium, das zum Hass und zur Vernichtung des deutschen Volkes aufrief; es gab aber viele deutsche Medien, die zur Verfolgung des jüdischen Volkes aufriefen, weil die schimmsten Horrorgeschichten über Juden verbreitet wurden. Sämtliche Horrorgeschichten waren Lügen. Im Jahr 2016 gibt es keine von Juden organisierte Seite auf Facebook, die zur Vernichtung aller Muslime aufruft, aber es gibt unendlich viele Seiten des Judenhasses, die von Muslimen betreut werden und auf denen unzählige Muslime in deutscher Sprache zur Vernichtung aller Juden aufrufen, Seiten, die sich „Islam Fakten“ nennen und die übelsten Gerüchte und Lügen über Juden verbreiten!

Und was macht 2016 die deutschsprachige Welt, die das alles lesen kann? Sie verharmlost, entschuldigt, schaut zu und behauptet, so ganz unschuldig seien die Juden ja nun nicht an dem ganzen Ärger. So war es 1933 auch!“

Am 24. Mai 2016 saß ich aufgrund meiner Anzeige im Polizeipräsidium in Köln. Ich dachte, ich solle lediglich eine Zeugenaussage machen, doch was mich erwartete, war grotesk.

Ich saß im Präsidium und wurde belehrt. Mir wurde nachdrücklich klar gemacht, was in §55 StPO steht, nämlich:

„Jeder Zeuge kann die Auskunft auf solche Fragen verweigern, deren Beantwortung ihm selbst oder einem der in § 52 Abs. 1 bezeichneten Angehörigen die Gefahr zuziehen würde, wegen einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit verfolgt zu werden.“

„Haben Sie das verstanden“, wurde ich gefragt und ich sagte: „Ja.“ Dann wurde mir erklärt, die Kölner Staatsanwaltschaft habe ausdrücklich gebeten, mir §55 StPO nachdrücklich klar zu machen, denn bisher gäbe es nur einen Menschen, dem man nachweisen könne, die Aussagen veröffentlicht zu haben, so erklärte es mir der Polizist, nämlich mir! „Stellen Sie sich vor“, erklärte mir der Polizist, „sie schrieben über Kinderpornographie, dann dürften sie die Bilder auch nicht zeigen.“

Mein Einwand, dass das nicht so ganz vergleichbar sei, wurde direkt akzeptiert. Ich erklärte schlicht, dass ich die Sätze zitiere, um das Ausmaß des Judenhass zu dokumentieren und fügte hinzu, wenn diese Sätze im Original binnen weniger Minuten über tausend „Gefällt mir“ bekommen, es eine journalistische Pflicht sei, diesen Umstand klar und deutlich mit Zitaten zu benennen, um eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass die eine Seite schweigen muss,“ erklärte ich, „während die andere Seite laut ihren Hass postulieren darf.“

Ich unterzeichnete meine Aussage und ging. Jetzt sehe ich der weiteren Entwicklung mit hohem Interesse entgegen. Mal schauen was kommt.

(Nachtrag: Die Ermittlungen wurden eingestellt.)

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Juden leben in Köln länger als Deutsche

Lange bevor in Europa das deutsche Volk in Erscheinung trat, lebte und formte bereits ein anderes Volk das Gesicht der Städte, die heute zu Deutschland gehören. Die Städte Köln, Bonn, Worms, Speyer, Trier und Augsburg, um nur ein paar zu nennen, gibt es deutlich länger als Deutsche.

Völker kommen und gehen. Sie entstehen, bestehen, verwehen. Nicht selten werden Völker von außen bestimmt. Das beste Beispiel dafür ist das deutsche Volk, das in den verschiedenen Sprachen verschieden bezeichnet wird. Die Finnen nennen Deutsche „Saks“, weil sie die Sachsen in ihrer direkten Nachbarschaft haben. Die Sachsen treten erstmals ab dem 3. Jahrhundert in Erscheinung. Die Franzosen wiederum nennen die Deutschen Alemannen, eine Volksbezeichnung, die ebenfalls erstmals im dritten Jahrhundert auftaucht. Die Polen nennen die Deutschen Niemieckis und die Engländer Germanen. Kaum ein Deutscher würde sich jedoch Germane nennen und nur wenige bezeichnen sich als Sachsen oder Alemannen. Die Deutschen nennen sich „deutsch“! Woher kommt jedoch das Wort „deutsch“?

„Deutsch“ komm von dem Wort „diutisc“ und bedeutet so viel wie „zum Volk gehörig“. Mit diesem Begriff wurde die nicht-romanischsprechende Bevölkerung jenseits der nördlichen Grenze des Römischen Reichs bezeichnet. Der erste wichtige Beleg für den Begriff ist eine Textstelle aus dem 4. Jahrhundert, eine Passage in der gotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila. In seiner griechischen Vorlage fand er als Gegenbegriff zu jüdisch den Begriff „ἐθνικός“ (zum Heiden-Volk gehörig). Die nichtjüdischen Völker, die noch christlich bekehrt werden sollten, wurden mit diesem Wort zusammengefasst. Wulfila übersetzt den Begriff ins Gotische und verwendete dazu das Wort „þiudisko“.

Mit diesem Begriffwurden alle nicht Latein sprechenden Stämme jenseits der römischen Grenze zu einem Volk subsumiert. Diese Stämme zeichneten sich dadurch aus, dass ihre Frageworte mit einen W-Laut anfingen. Das ist übrigens noch heute so. Die Frageworte der deutschen Sprachfamilie lauten: Wer, Wie, Was, Who, Why, Where, Waarom, Wat, Waar. Die romanischen Sprachen zeichnen sich durch Frageworte aus, die mit Q anfangen: Quand, Que, Qui, Quando, Quoi.

Die Lautverschiebung von Q zu W wird in der Sprachwissenschaft „Erste Deutsche Lautverschiebung“ genannt und geschah ungefähr fünfhundert Jahre vor moderner Zeitrechnung. Da entstand ein neuer Sprachraum, der später der „deutsche“ Raum genannt wurde.

Der sprachliche Vorstellungsraum „deutsch“ wurde zu einer Zeit erfunden, als bereits eine Synagoge in Köln stand. Neben den Buchstaben des Latein, die heute benutzt werden, um Deutsch zu schreiben, waren es auch die Buchstaben des Hebräischen, die genutzt wurden, die deutsche Laute zu schreiben. Es gibt heute sogar noch eine sehr bekannte deutsche Sprache mit hebräischer Schrift, in der erzählt und gesungen wird: Jiddish. Die Sprache ist fast tausend Jahre alt und deutlich älter als die deutsche Hauptstadt Berlin.

Die unter dem Begriff „þiudisko“ zu einem Raum zusammengefassten Stämme waren alles andere als ein Volk mit einer gemeinsamen Identität. Nicht wenige lagen im Krieg miteinander.

Nach dem Zusammenbruch des Antiken Römischen Reichs war Mitteleuropa für Jahrhunderte ein chaotisches Gebiet der Völkerwanderung mit Scharmützeln an jeder Ecke. Erst die Karolinger brachten wieder Ordnung in die Region, indem Karl der Große von der römisch-katholischen Kirche wieder zum Cäsar (Kaiser) gekrönt wurde. So entstand das karolingische Ostfrankenreich. Aus dem Westfrankenreich sollte sich später Frankreich entwickeln. Aus dem Ostfrankenreich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen das Heilige Römische Reich heraus. Der Name „Sacrum Imperium“ ist für 1157 und der Titel „Sacrum Romanum Imperium“ für 1254 erstmals urkundlich belegt. Ab dem 15. Jahrhundert kam dann der Zusatz „Deutscher Nation“ hinzu, um das Reich vom Antiken Rom zu unterscheiden.

Als dieses Reich im frühen 19. Jahrhunderte aufhörte zu existieren, war Mitteleuropa wieder ein Flickenteppich mit dutzenden Landesvätern. „Deutschland“ war lediglich ein Vorstellungsraum. Der Traum einer deutschen Republik zerplatze in der gescheiterten Revolution 1848/49. Den Vorstellungsraum Deutschland dominierten stattdessen das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen, der Rheinbund und der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs, der sich im Jahr 1815 gegründet hatte. Der Deutsche Bund war ein Staatenbund, den die „souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands“ schlossen. Die Mitgliedes des Deutschen Bunds waren auch der Kaiser von Österreich und die Könige von Preußen, Dänemark und der Niederlande. In diesem Bund gärte der Wunsch nach einer deutschen Nation. Die Konkurrenz zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft im Bund spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz entschied Preußen 1866 die Vorherrschaft zu seinen Gunsten, führte die diversen Länder zu einem Reich zusammen und gab ihm den Namen „Deutsches Reich“, in Anlehnung an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, um so eine jahrhundertlange Tradition der vermeintlichen Deutschen vorzugaukeln. So wurde das deutsche Volk im Jahr 1871 erfunden! Für das „Deutsche Reich“ wurde sogar ein Denkmal errichtet – oder besser fertiggestellt. Um die Macht des neuen Deutschen Reiches zu dokumentieren, wurde eine über sechshundertjährige Baustelle fertiggestellt. Das Gebäude sollte daraufhin vier Jahre lang das höchstes Gebäude der Welt sein: der Kölner Dom!

Köln wurde somit 1871 deutsch. Davor war die Stadt mal römisch, mal französisch, mal preußisch gewesen. Kein Volk jedoch lebt länger in Köln als Juden. Die älteste Schrift, die jüdisches Leben in Köln dokumentiert, ist ein Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahre 321. In diesem Dekret heißt es:

„Allen Stadträten gestatten Wir durch allgemeines Gesetz, Juden in die Kurie zu berufen.“

In einer weiteren Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Der Bau einer jüdischen Versammlungsstätte zeigt, dass zu dieser Zeit schon eine größere Gemeinde vorhanden war. Das Judentum gehört zu Köln, bevor das Christentum Teil der Stadt wurde. Das Judentum brachte die Geschichten von Noah, Abraham, Sarah, Rebecca, Moses, Adam und Eva an den Rhein.

Als sich das Christentum mit der Macht der römischen Kaiser über Europa ausbreitete und sich einige Jahrhunderte später unter diesem Teppich das deutsche Volk erfand, wurden Juden schnell zu den Erzfeinden des neuen Volks erklärt. Im Jahr 1096 kam es im Verlauf des Ersten Kreuzzuges zu mehreren Pogromen. Am 27. Mai 1096 fielen in Mainz Hunderte von Juden Gewaltexzessen zum Opfer. Ähnliches geschah im Juli desselben Jahres in Köln. Im Jahre 1146 wurden mehrere Juden bei Königswinter von einem aufgebrachten christlichen Mob erschlagen, kurz vor Beginn des Zweiten Kreuzzuges. Nach dem Vierten Laterankonzil im Jahr 1215 waren alle Juden dazu angehalten, sich durch ihre Kleidung deutlich als Nichtchristen auszuweisen. Besonders die Farbe Gelb wurde genutzt, um Juden in Europa diskriminierend zu kennzeichnen. Juden wurden gezwungen, einen gelben Ring in Brusthöhe auf ihrer Kleidung zu tragen.

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Aus dieser Stigmatisierung entwickelte sich später der gelbe Judenstern der Nazis. Ähnliche Kleiderordnungen waren im Islam schon seit dem frühen 8. Jahrhundert für Juden üblich. Ihre Kennzeichnungspflicht begann 717 mit einem Befehl von Kalif Umar II. Die Art des Kennzeichens war anfangs nicht festgelegt und variierte. 807 befahl Kalif Hārūn ar-Raschīd in Persien für Juden dann einen gelben Gürtel.

In den Jahren 1287 und 1288 kam es im Rheinland zu einer Verfolgungswelle gegen Juden. In Andernach, Altenahr, Bonn und Lechenich wurden Juden getötet und ihre Häuser geplündert. In den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts wurde im Kölner Dom die sogenannte „Judensau“ auf einer der Stuhlwangen des Domchores angebracht. Sie befindet sich noch heute dort!

Trotz der Verfolgung prägten Juden das Gesicht Europas. Die bedeutsamste Prägung dürfte die Gründung der SchUM (hebräisch שו״ם) sein. SchUM war eine Art jüdische Hanse, nämlich ein Bund der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz. Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben ihrer mittelalterlichen, auf das Latein zurückgehenden hebräischen Namen: Schin (Sch) für Schpira (Speyer), Waw (U) für Warmaisa (Worms) und Mem (M) für Magenza (Mainz).

Die SchUM-Städte vertraten neben Handelsangelegenheiten auch eine gemeinsame Richtlinie bei der Auslegung der Religionsgesetze, die als Takkanot Schum (תקנות שו״ם) bekannt sind. Mit diesen Erlassen und den Talmudschulen, die unter den Juden in ganz Europa hohes Ansehen genossen, erlangten die SchUM-Städte Anfang des 13. Jahrhunderts eine führende Rolle im aschkenasischen Judentum. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie sogar als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur.

Nach vier Jahrhunderten endete die große Zeit von SchUM um 1350, als diese Gemeinden infolge der Großen Pest und von Massakern ausgelöscht wurden. In der Folgezeit entstanden zwar wieder kleine Gemeinden, die jedoch nie mehr jene Bedeutung erlangten, die sie vorher hatten.

Aus Köln wurden im Jahr 1424 alle Juden vertrieben. Das Volk, das in Köln länger gesiedelt hatte als Christen, wurde zu illegalen Siedlern erklärt und vertrieben! Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon und dem Code Civil, in dem das aufklärerische Ideal der Religionsfreiheit festgehalten wurde, kehrten Juden nach Köln zurück. Ein Jahrhundert später sollten sie jedoch wieder zu illegalen Siedlern erklärt werden, diesmal von den Nazis.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es viele jüdische Siedlungen in Europa. Sie wurden Schtetl genannt. Für die Nazis waren diese Schtetl jedoch illegale jüdische Siedlungen, die sie vernichteten und mit ihnen einen Großteil der jüdischen Bevölkerung Europas. Die Nazis erklärten, Juden könnten keine Deutsche sein, eine nationale Identität, die erfunden wurde, lange nachdem Juden bereits in deutsche Lande gesiedelt hatten. Das Judentum ist die älteste noch heute praktizierte Religion Deutschlands! Die Nazis aber erklärten, Juden könnten keine Deutsche sein, verfolgten und ermordeten sie und die Katholische Kirche schloss ein Konkordat mit den Nazis.

Wenn man sich die Geschichte Kölns genau anschaut, so war das Leben dort unter den Römern, Franzosen und Amerikanern deutlich besser als unter den Preußen und Deutschen. Vielleicht hätte dieses Volk gar nicht erfunden werden müssen. Deutsche waren viel zu oft Besatzer und andere Völker viel öfter Befreier. Erst mit den Alliierten kehrte die Religionsfreiheit nach Deutschland zurück und Juden wurden nicht länger als illegal bezeichnet. Es sollte jedoch nicht lange dauern, bis in Deutschland ein neuer Trick gefunden wurde, Juden zu illegalen Siedlern zu erklären, diesmal jedoch woanders, in Palästina. Dabei leben auch in Palästina Juden deutlich länger als sogenannte Palästinenser. Das palästinensische Volk ist sogar noch jünger als das deutsche Volk und wurde erst im 20. Jahrhundert erfunden.

Der Begriff „Palästina“ hat einen hebräischen Ursprung und geht auf das in der Bibel beschriebene Volk der Philister zurück. Das Volk der Philister gibt es nicht mehr, aber einen Philister kennt jedes Kind: Goliath.

Das Wort „Palästina“ taucht schriftlich erstmals bei dem antiken griechischen Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot auf, der das Gebiet im 5. Jahrhundert vor moderner Zeitrechnung so nannte. Nach der Zerschlagung des jüdischen Volkes im Jahr 135, nannten die Römer das Gebiet offiziell in Palästina, um dadurch jeglichen Bezug zum jüdischen Volk zu verwischen.

Das palästinensische Volk wurde erst 1967 erfunden. Davor gab es kein palästinensisches Volk. Es gab keine palästinensische Sprache, keine unabhängige palästinensische Kultur, kein palästinensisches Staatsoberhaupt und kein palästinensisches Volk. Es gab lediglich eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die einzig und allen durch den Umstand vereint wurden, dass sie in einem Gebiet lebten, das von Römern einst Palästina genannt wurde, so wie eben jene Römer einst ein anderes Gebiet als „deutsch“ bezeichneten. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Palästinenser“ sogar oft als Synonym für „Jude“ benutzt! In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Jerusalem ein sogenanntes palästinensisches Orchester. Es bestand ausnahmslos aus Juden. Wie also konnte es geschehen, dass ein Volk der Palästinenser erfunden wurde, das sich heute dadurch auszeichnet, dass Juden nicht mehr dazugehören?

Der mit Abstand größte Teil Palästinas liegt im heutigen Jordanien. Weitere Gebiete Palästinas sind der Golan, der Gazastreifen, das Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich im heutigen Israel. Alle, die in dem Gebiet Palästina leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser im Sinne dieser Gebietsbeschreibung! Im 20. Jahrhundert wurden jedoch Juden aus der Gruppe der „Palästinenser“ vertrieben, so wie Juden einst aus der Gruppe der „Deutschen“ vertrieben wurden.

Nach dem 1. Weltkrieg und durch den Untergang des Osmanischen Reiches wurde das Gebiet Palästina herrschaftslos. Ab 1922 verwaltete dann der Völkerbund das Gebiet. Alle Menschen, die in dem Gebiet lebten, wurden als Palästinenser bezeichnet, mochten sie nun christlich, muslimisch, jüdisch oder heidnisch sein. Heute gibt es in Palästina die unterschiedlichsten Länder. Aber nur ein Land ist demokratisch: Israel! 1948 wurde Israel von Juden gegründet. Sie glaubten an die Möglichkeit einer friedlichen Demokratie im Nahen Osten. In der Unabhängigkeitserklärung Israels heißt es:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbstständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

An dem Tag, an dem diese Erklärung verlesen wurde, erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem kleinen Land Israel den Vernichtungskrieg. Im Zuge dieses bis heute anhaltenden Krieges verließen 500.000 Menschen ihre Heimat im Glauben an die Versprechungen der arabischen Nationen, nach der Vernichtung Israels könnten die Araber als Sieger in die Region zurückkehren. Israel bot jedoch allen Menschen innerhalb der neuen Grenzen an zu bleiben, um sich in Demokratie und Selbstbestimmung frei zu entfalten, schließlich waren sie alle Palästinenser. 160.000 Araber nahmen das Angebot an und blieben. Mittlerweile sind über 20 Prozent aller Israelis arabische Bürgerinnen und Bürger, mit allen Rechten. Israelis sind somit die freiesten Palästinenser der Welt!

Mahmud Abbas wurde zwar 2005 als Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, aber seine Legislaturperiode endete am 9. Januar 2009. Seitdem hält er sich ohne Legitimation an der Macht. Jordanien ist eine Monarchie mit dem Islam als Staatsreligion und der Scharia als Gesetz. Demokratisch kann Jordanien somit nicht genannt werden, allein schon deshalb nicht, weil alle Palästinenser, die nicht dem Islam angehören, in Jordanien Bürger zweiter Klasse sind. In Syrien sind die Palästinenser entrechtet und werden in Lager gesperrt. Im Januar 2014 kesselte die syrische Armee Palästinenser in einem Lager ein und ließ sie dort verhungern. In Gaza herrscht heute die Hamas. Sie wurde zwar gewählt, aber nach der Wahl tauschte sie sofort Demokratie gegen Staatsterror aus. Seitdem herrscht die Hamas in Gaza ohne Legitimation. In kaum einem Gebiet der Erde werden Palästinenser brutaler unterdrückt als in Gaza. Die Gründungscharta der Hamas fordert die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes (Artikel 7) und die Zerstörung Israels (Artikel 13). Minister der Hamas rufen zur Vernichtung aller Juden auf, die sie öffentlich, auf Plätzen, in Moscheen und im Fernsehen, als Ungeziefer und Bakterien bezeichnen, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören. So wie Hitler einst das Deutsche Reich „judenrein“ machen wollte, wird heute Gaza „judenrein“ gemacht. Nicht zufällig ist der Gruß der Hisbollah und der Hamas der Hitlergruß. Die Vereinten Nationen schauen zu und die Europäische Union finanziert den Wahnsinn auch noch.

Letztendlich scheiterten die Nazis mit ihrem Versuch, Europa “judenrein” zu machen. Die Hamas jedoch ist bisher sehr erfolgreich. Alle Juden wurden im Jahr 2005 innerhalb weniger Tage aus dem Gazastreifen vertrieben. Am Morgen des 12. September 2005 verließen die letzten Juden den Gazastreifen über den Grenzübergang Kissufim. Der Abzug wurde von Arabern teils frenetisch mit Freudenschüssen und Autokorsos gefeiert. Die verlassenen Synagogen wurden in Brand gesteckt. Es kam zu einer wahren “Gazakristallnacht”. Es folgten heftige innerarabische Kampfhandlungen vereinzelter arabischer Klans und der Bewegungen Hamas und Fatah untereinander. Viele Hundert arabische Zivilisten verloren ihr Leben. Seit der Vertreibung der Juden aus Gaza wird Israel ununterbrochen und teilweise täglich mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossen. Mit der Vertreibung der Juden begann der Krieg und der moralische Niedergang.

Es ist heute im Nahen Osten wie in Europa damals. Obwohl Juden schon in Palästina lebten bevor es Muslime gab, erklären Muslime heute Juden zu illegalen Siedlern im Nahen Osten. Europäische Politiker übernehmen diese Rhetorik. Sie haben vergessen, dass es ihre Vorfahren genauso gemacht hatten. In Europa wurden Juden vertrieben, obwohl sie schon in Europa lebten, bevor Deutsche und Franzosen überhaupt erfunden wurden.

Das heißt aber nicht, dass Juden und Deutsche Gegensätze sind. Deutsch ist, wer Deutsch spricht, denkt und träumt. Seit es eine deutsche Nation gibt, sind auch jene Deutsche, die eine deutsche Staatsbürgerschaft haben. Zu jeder Zeit aber, waren Deutsche die mit der deutschen Sprache.

In dieser Bedeutung können Juden sogar zu den ersten Schrift-Deutschen gezählt werden. Die diversen deutschen Sprachen hatten lange kein eigenes Alphabet. Die deutsch Sprachen wurden gesprochen, nicht geschrieben. Es gibt aber zwei Alphabete, in denen die diversen deutschen Sprachen erstmals schriftlich niedergelegt wurden. Diese beiden Alphabete sind heute noch gebräuchlich für das Deutsche. Das überwiegend benutze Alphabet fast aller heute noch gesprochenen deutschen Sprachen ist Latein. Es gibt aber auch eine deutsche Sprache, die auf Hebräisch geschrieben wird: Jiddish.

„Warum ist es am Rhein so schön?“

Juden wissen es länger als Christen und Deutsche. Juden tranken ihren Wein auf die Schönheit des Rheins bereits, bevor es Christen und Deutsche taten. Dennoch wurden sie später von Deutschen und Christen als illegale Siedler vertrieben und ihre Bedeutung für die Kultur Europas negiert. Juden sind in Europa und Deutschland jedoch genauso wenig illegal wie heute im Nahen Osten. Juden haben Europa geprägt!

An dem Kölner Rathausturm zum Beispiel befindet sich die Statue von Max Isidor Bodenheimer.

Max Isidor Bodenheimer war Jurist und Vorreiter der zionistischen Bewegung. Ende des 19. Jahrhundert, fast zwei Jahrtausende nachdem die ersten Juden nach Köln gezogen waren, entwickelte er in Köln eine tollkühne Idee, die Realität werden sollte. Bodenheimer schlug vor, da Juden viel zu oft in Europa verfolgt worden waren, das jüdische Land, das vor über eintausendneunhundert Jahren zerstört worden war, wieder am Originalort entstehen zu lassen. Über ein halbes Jahrhundert später wurde dieses moderne Israel Realität. Die Gründung Israels ist der einzige Moment in der ganzen Geschichte der Menschheit, da ein Volk, das in der Zerstreuung seine Sprache (Hebräisch), Tradition (Feiertage) und Verfassung (Tora) bewahrt hatte, seine Kultur wieder einer eigenen Nationalität zufügen konnte! Zwar ist jedes Volk ein Konstrukt, aber das jüdische Volk ist schon ein ausserordentlich beeindruckendes Konstrukt.

Nicht nur der moderne Staat Israel hat seine Wurzeln in Köln, auch die Fahne Israels wurde 1897 in Köln entworfen und zwar von den damals in der Domstadt lebenden Kaufmann David Wolffsohn. An dem Ort in Köln, wo der moderne Zionismus erfunden wurde, befindet sich heute ein großer Schild Davids.

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Slamt doch einfach!

Da auf der Achse des Guten der Artikel „Ein i’Slamistisches Gedicht für Manuela Schwesig“ erschienen ist, veröffentlicht Tapfer im Nirgendwo noch einmal den Artikel „Slamt doch einfach“ vom 22. Oktober 2012 in überarbeiteter Form:

Die Initiative i,Slam versteht sich als Projekt, das jungen, talentierten Muslimen die Möglichkeit geben will, gehört zu werden, wenn sie sich zu gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Themen äußern wollen. i,Slam formuliert es auf der Homepage so:

„Das ist die Grundidee des i,Slam! Es gibt so viele begabte, muslimische Jugendliche, die nicht wissen, wohin mit ihren Texten, ihren Ideen, ihrer Meinung. Wer also Lust hat, ein Teil dieser Bewegung zu werden, dem schenken wir unsere Aufmerksamkeit und bieten ihm inschaAllah die Plattform zur Entfaltung seiner Kreativität.“

Das klingt ja alles schön und gut, aber darf ich Euch jungen, gläubigen Menschen mal einen kleinen, bescheidenen Rat geben, wie ihr ein friedvolles Zusammenleben aller Religionen erreichen könnt? Hört auf, Eurer Umwelt ständig Euren Glauben unter die Nase zu reiben!

Seit Jahren schon organisiere ich die Offene Bühne Show Kunst gegen Bares. Ich war bereits auf ein paar Poetry Slams und auf einigen Stand Up Bühnen. Soll ich Euch mal was verraten? Überall waren stets Menschen unterschiedlichsten Glaubens auf der Bühne! Aber wisst Ihr, was der Unterschied war? Es war stets relativ egal, welcher Religion jemand angehörte. So ziemlich alle Veranstaltungen, auf denen ich bisher war, waren interreligiös, ganz einfach weil alle anders waren, weil die Welt nun mal so ist. Es gab auch viele, die nicht gläubig waren. Es geht nämlich auch ohne!

Was mich an dieser dezidiert interreligiösen Veranstaltung stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der dort die Religion definiert wird. Muss ich etwa gläubiger Muslim sein, um dort mitmachen zu dürfen. Was ist ein gläubiger Moslem? Darf ein Moslem Texte gegen den Propheten dichten? Haben all die offensiv zu ihrer Religion stehenden Zuschauer ein Anrecht auf Beleidigtsein? Wer entscheidet was beleidigend ist? Wie tolerant ist eigentlich der „I-Slam“? Auf der Achse des Guten gibt es die Antwort:

„Wir wollen keine Kraftausdrücke oder Beleidigungen“, so die „fünfte Säule des i,Slam“. „Der Respekt vor den Religionen muss gewahrt werden“, betonen die Gründer. Aus diesem Grund beschäftigt „i,Slam“ auch einen „theologischen Berater“, der dafür Sorge trägt, dass bloß keine Blasphemie auf die Bühne gelangt. Denn im Gegensatz zu konventionellen Poetry Slams werden die Beiträge bei „i,Slam“ schon vorab von den Initiatoren gelesen und auf Spuren von Gotteslästerung überprüft.

Warum fällt es so vielen Menschen so unglaublich schwer, einfach nur Christ, Jude, Moslem oder Atheist zu sein, ohne daraus ein Alleinstellungsmerkmal zu machen, das nach gesonderten Konferenzen, Veranstaltungen und Konzerten schreit?

Slamt doch einfach!

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Hoffnung über Amsterdam

Die Westerkerk in Amsterdam ist eine der bekanntesten Kirchen der Stadt. Ganz in der Nähe befindet sich das Haus, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie vor den Nazis verstecken musste. Der Turm der Westerkerk ist fünfundachtzig Meter hoch und damit der höchste Kirchturm Amsterdams. Anne Frank schrieb am Samstag, 11. Juli 1942 in ihr Tagebuch:

„Liebe Kitty!

Vater, Mutter und Margot können sich noch immer nicht an das Geräusch der Westerturmglocke gewöhnen, die jede Viertelstunde angibt, wie spät es ist. Ich schon, mir hat es sofort gefallen, und besonders nachts ist es so etwas Vertrautes. Es wird Dich vermutlich interessieren, wie es mir als Untergetauchte gefällt. Nun, ich kann Dir nur sagen, dass ich es selbst noch nicht genau weiß. Ich glaube, ich werde mich in diesem Haus nie daheim fühlen, aber damit will ich überhaupt nicht sagen, dass ich es hier unangenehm finde. Ich fühle mich eher wie in einer sehr eigenartigen Pension, in der ich Ferien mache. Ziemlich verrückte Auffassung von Untertauchen, aber es ist nun mal nicht anders. Das Hinterhaus ist ein ideales Versteck. Obwohl es feucht und ein bisschen schief ist, wird man wohl in ganz Amsterdam, ja vielleicht in ganz Holland, kein so bequem eingerichtetes Versteck finden. Unser Zimmer war mit seinen nackten Wänden bis jetzt noch sehr kahl. Dank Vater, der meine ganze Postkarten- und Filmstarsammlung schon vorher mitgenommen hatte, habe ich mit Leimtopf und Pinsel die ganze Wand gestrichen und aus dem Zimmer ein einziges Bild gemacht. Es sieht viel fröhlicher aus.“

Am 19. April 2016 war der Musiker David Serebrianik zu Gast in Amsterdam und traf dort den Carellonisten der Westerkerk Boudewijn Zwart. Wie sich das Treffen entwickelte, beschreibt David Serebrianik wie folgt:

„So wie wir Juden halt sind, nutzte ich sofort die persönliche Beziehung, um an dem Mittag des 19. Aprils 2016 die Glocken der Westerkerk eine bestimmte schöne Weise ertönen zu lassen. An diesem Mittag hörte die City Amsterdam einem Zionisten und einem Christen zu, wie sie die Hymne Israels spielten! That’s freedom baby! Am Israel Chaj!“

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Am 19. April 2016 spielten die Glocken der Westerkerk die Hatikva (Hoffnung). Anne Frank hätte diese Melodie in ihrem Versteck hören können. Ebenfalls am 19. April, jedoch 72 Jahre früher, schrieb Anne Frank:

„Was gibt es schöneres auf der Welt, als aus einem offenen Fenster hinaus in die Natur zu schauen, die Vögel pfeifen zu hören, die Sonne auf den Wangen zu fühlen und einen lieben Jungen in den Arm zu haben?“

Am 19. April 2016 wäre Anne Frank 86 Jahre alt gewesen. Sie wurde jedoch im Alter von fünfzehn Jahren ermordet. Es gab damals kein Land, das ihr helfen wollte oder konnte. Israel gab es damals noch nicht! Darum steht sie heute nicht als berühmte Journalistin mit siebzigjähriger Erfahrung als Autorin an einem offenen Fenster, spürt die Sonne auf ihren Wangen, hört Vögel pfeifen und denkt an die Liebe, das Leben und die Hoffnung.

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Erdo Erdo Erdoğan

Erdo Erdo Erdoğan
macht ein Gesicht wie ein Pavian.
Er ist wegen etwas beleidigt,
das keiner so ganz verstehen kann.

Erdo Erdo Pferdoğan
mutiert dann plötzlich zum Weinoğan.
Er weint und weint und weint und weint und ich sag einfach: „Na dann.“

Ich sag eigentlich nie „Na dann“,
aber wenn ich Erdoğan sehe, gibt’s nichts anderes, was ich sagen kann.
Manchmal sag ich einfach auch: „Alter, come on.“

Nachts bindet er sich einen Dildo um den Kopf
und spielt dann das letzte Einhorn.
Durch die Strassen Istanbuls macht er fröhlich Hop Hop Hop.
Er ist das letzte Einhorn!

Erdo Erdo Hairdoğan,
sag bloß nix gegen seinen Bart.
Das trifft ihn dann ziemlich hart!
Er kriecht in eine Ecke und kommt auf gar nichts, gar nichts klar.

Erdo Erdo Querdoğan,
sein Bart steht ihm eigentlich!
Es ist nur dieser Pedo-Blick,
der sagt: „Versteckt eure Kinder und Tiere, bevor ich sie alle fick.“

Nachts reibt er sich ganz sexy mit Honig ein
und spielt dann Biene Maja.
Zum Abflug bereit, springt er aus dem Fenster und bricht sich das Bein.
Aber er ist Biene Maja!

Erdo Erdo Erdoğan,
lach doch mal ein bisschen.
Sei nicht so sensibel,
dann geht’s Dir auch nicht so beschissen.

Diesen gut gemeinten Rat wollte ich Dir einfach mal sagen.
Es wär auch viel sympathischer, als alle verklagen,
Erdoğan Beschwerdoğan!

***

Das war „Wüggly Függöt“ von Ivan Spielt Akustisch Vorwiegend Deutsches Liedgut. Da Erdoğan den Sänger und Texter nicht verklagt hat, nehme ich mal an, das Lied geht klar und hat die Zensur überstanden. Daher teile ich das Lied jetzt.

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