Die Nebenwirkung der Impf-Politik

Die momentane Impfpolitik ist eine Therapie, die eine nicht zu unterschätzende Nebenwirkung hat. Wir müssen uns damit auseinandersetzen.

Seit einiger Zeit ist die Gesellschaft in geimpfte und ungeimpfte Menschen gespalten. Diese Spaltung findet körperlich statt. In Gaststätten, Theatern, Clubs, Restaurants und in vielen anderen Lokalitäten und Geschäften können ungeimpfte und geimpfte Menschen nicht mehr aufeinander treffen. Nicht wenige Menschen führen diese Spaltung sogar in der eigenen Familie durch.

Wer kennt ihn nicht, Onkel Hartmut, mit dem man sich an Weihnachten gestritten hat, weil er eine Partei gewählt hat, die so gar nicht geht; oder Tante Rita, die auf homöopathische Mittel schwört und sich auf keinen Fall impfen lassen möchte; oder Lukas, der Sohn von Robert und Adelheid, der nun ihre Tochter ist und Larissa heißt und sich darüber beschwert, dass die Hochzeitseinladungen nicht genderneutral verfasst wurden; oder Emir aus dem Büro, der Erdoğan gewählt hat, obwohl er Homosexuell ist, also Emir, nicht Erdoğan; oder Nachbarin Frau Sugulle, die auf die Häuserwand „White silence = violence“ gesprüht hat oder Candace, die immer zum Stammtisch kommt und Donald Trump gut findet, obwohl sie eine PoC ist; oder Rüdiger, der Veganer ist und es Dich wissen lässt, während Du die Weihnachtsgans isst? 

Ob an Weihnachten, Pessach oder Thanksgiving, ob im Büro, in der Kneipe oder auf Familienfestlichkeiten, überall trafen wir auf Menschen, deren Meinungen wir nicht teilten. Manchmal gab es Streit und Türen wurden geknallt. Aber am Ende waren wir doch immer gütig und vertrugen uns wieder. Es waren ja unsere Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, Arbeitskollegen, Nachbarinnen und Vereinsmitglieder*innen, Menschen, die wir persönlich trafen, in deren Augen wir gesehen hatten. All dies gibt es nicht mehr. Die Menschen, die unser Blut manchmal zum Kochen bringen, werden uns physisch fremd. Wir sind gespalten. Aus Abneigung wird Hass.

Wenn Du wissen möchtest, wie humanistisch jemand denkt, warte, bis er Angst um sein eigenes Leben hat und glaubt, einen Schuldigen gefunden zu haben.

Was in den sozialen Netzwerken abgeht, ist alles andere als sozial. Im Internet ist der Ton rau, die Umgangsformen sind miserabel und überall wimmelt es von heftigsten Beleidigungen. Das Internet ist so brutal, weil wir uns dort nicht ins Antlitz schauen. In der digitalen Welt sind alle Menschen gespalten. Online begegnen sich Menschen nicht als Wesen, die ihre gegenseitige Menschlichkeit spüren. Digital stehen wir uns nicht in unserer körperlichen Sterblichkeit atmend gegenüber. Wir spüren nur unseren eigenen Atem und fühlen nur unsere eigenen Gefühle und unsere eigenen Ängste. Der Andere jedoch ist im Netz ein körperloses Wesen und kann daher leicht entmenschlicht werden. Schnell wird in so einer Situation der Andere zum Unmenschen erklärt, zum Tyrannen, Extremisten, Volksschädling, Verfassungsfeind, Querdenker, Längsdenker, Nazi, Schlafschaf, Schwurbler, Faschist, Covidiot oder Sarsloch.

Im Netz beleidigen sich die Menschen, weil sie keine Angst haben, vom Gegenüber eins auf die Fresse zu bekommen. Im Netz fürchten wir uns nicht mehr. Wir hassen uns. Wir sind gespalten.

Ich habe bereits im März 2020 gedacht, als die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus ausgerufen wurden, ob es wirklich so eine gute Idee ist, uns voneinander zu distanzieren und noch mehr im Internet miteinander zu kommunizieren. Im Internet bilden sich nämlich Blasen und Echokammern. Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, Ängsten und Erfahrungen schotten sich voneinander ab. Im Internet wird entfreundet.

Entfreunden ist das neue Türenknallen. 

All das war kein großes Problem, solange man einige der entfreundeten Menschen noch im wirklichen Leben traf und erkannte, dass man zwar in der virtuellen Welt keinen Kontakt zu ihnen wünscht, es aber auch keinen Grund gibt, sie im echten Leben zu hassen. Es sind ja schließlich Onkel Hartmut und Tante Rita und Weihnachten ist nur einmal im Jahr. Das war einmal.

Mit der aktuellen, staatlich erzwungenen Bekämpfung des Virus wurde ein wichtiges Korrektiv geschwächt: „Liebe Deinen Nächsten!“

Die körperliche Auseinandersetzung findet nicht mehr statt. Was unser geistiges Immunsystem stärkt, was und respektvoll sein lässt, nämlich der Umstand, mit Menschen, deren Meinungen und Haltungen wir nicht teilen, manchmal körperlich nahe sein zu müssen, findet nicht mehr statt.

Sogar Gewalt ist für manche erzürnte Distanzierte mittlerweile ein probates Mittel. Was im Netz für Gewaltphantasien kurieren, ist erschreckend. Alles nur, weil sich die jeweiligen Gegner nicht mehr als Menschen sehen, sondern als Feinde. Teilweise wirkt sich dieser Hass bereits auf die Strasse aus.

Der Klick im Internet wird zum Kick auf der Straße.

Gaststätten heissen nicht mehr Willkommen. Theater rufen nicht mehr: „Hereinspaziert!“ Unendlich viele Mauern wurden errichtet und überall stehen Menschen und wollen Papiere sehen. In der Distanz zum Nächsten als körperlichen Nächsten sind wir einander zu Grenzsoldaten geworden. Jeder verlangt Rechenschaft voneinander: „Sag mir, wo du stehst, sonst k(l)icke ich dich weg.“

Das ist eine Nebenwirkung der momentanen Therapie. Sie ist schwerwiegend. Wir dürfen sie nicht verharmlosen. Wir müssen darüber sprechen, gemeinsam, an einem Ort, den wir teilen.

(Bild: Antonio Ruiz Tamayo)

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Keine roten Linien mehr

Bundeskanzler Olaf Scholz hat erklärt: „Es darf keine roten Linien geben, das hat uns diese Pandemie nun wirklich gezeigt.“

Was soll das heißen?

Die größte rote Linie unseres Landes ist unsere Verfassung. Mit dem Grundgesetz erklären die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands, dass es gewisse rote Linien gibt, die keine Regierung jemals überschreiten darf. Egal, was auch immer passiert, einige rote Linien haben eine Ewigkeitsgarantie und dürfen von keiner Regierung unter keinen Umständen überschritten werden.

Das Grundgesetz ist eine rote Linie!

Mit seiner Aussage, es dürfe keine rote Linien geben, meint Olaf Scholz implizit auch die Grundrechte, das Grundgesetz und die verfassungsmäßige Ordnung. Es handelt sich somit um eine verfassungsfeindliche Aussage, getätigt vom Bundeskanzler Deutschlands, einem der mächtigsten Menschen des Landes. Im Grundgesetz steht im vierten Absatz des zwanzigsten Artikels:

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Solange Olaf Scholz nicht erklärt, dass es für ihn doch noch eine rote Linie gibt, nämlich das Grundgesetz, wird Deutschland von einem Bundeskanzler regiert, der die Verfassung unter Umständen für obsolet erklärt. Olaf Scholz sagt weiterhin:

„Wir sind ein Land, in dem sich die allermeisten an Gesetze halten.“

Zu diesen Allermeisten gehört Olaf Scholz nach eigener Aussage nicht, schließlich gibt es für ihn keine rote Linien mehr. Es gibt allerdings rote Ampeln:

„Wir halten vor roten Ampeln an. Wir achten die Verkehrsregeln. Nicht weil uns überall gleich die Polizei kontrolliert. Sondern weil es zu unserer Natur gehört, dass wir uns an solche Regeln halten.“

Es gehört zu der Natur des Menschen, zu gehorchen? Ich dachte, es gibt keine rote Linien. Was gilt denn nun, Herr Bundeskanzler? Und überhaupt, man zeige mir den Menschen, der noch niemals über eine rote Ampel gegangen ist, weil er in der konkreten Situation, mit keinem Verkehr in der Nähe, sich und seiner Bewertung der Gefahr mehr vertraut, als der roten Ampel.

Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen. Der Mensch ist Mensch, weil er Regeln aufstellen und brechen kann, weil er gehorchen und Widerstand leisten kann.

Gehorsam ist nur ein anderes Wort für Zustimmung und Unterstützung.

Es ist immer Vorsicht geboten, wenn mächtige Menschen mit der vermeintlichen Natur des Menschen argumentieren. Es ist nämlich nicht die Natur des Menschen zu gehorchen. Es ist in der Vernunft des Menschen zu zweifeln. Der Mensch ist frei, weil er in die Verantwortung geworfen wurde. Der Mensch hat keine Ausreden. Er hat nur die eigene Selbstverantwortung. Das ist seine Freiheit. In dem Aufsatz „Was ist Aufklärung“ führt Immanuel Kant aus:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Dass der bei weitem größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“

Im Jahr 1964, als Hannah Arendt über den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem berichtete, sprach sie mit dem Publizisten Joachim Fest über diese Philosophie bei Kant und kritisierte sehr scharf die „Dummheit, die so empörend war“ von Eichmann, sich ausgerechnet auf Kant zu berufen, um sich so von der persönlichen Verantwortung und Schuld an der Vernichtung von Millionen Juden zu entledigen. Eichmann hatte erklärt, er sei sein Leben lang den Moralvorschriften Kants gefolgt und habe vor allem den Kantischen Pflichtbegriff zu seiner Richtschnur gemacht. Hannah Arendt führt aus:

„Ja. Natürlich eine Unverschämtheit, nicht? Von Herrn Eichmann. Kants ganze Moral läuft doch darauf hinaus, dass jeder Mensch bei jeder Handlung sich selbst überlegen muss, ob die Maxime seines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann. […] Es ist ja gerade sozusagen das extrem Umgekehrte des Gehorsams! Jeder ist Gesetzgeber. Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant.“

Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen.

Bundeskanzler Olaf Scholz fällt nun weit hinter Hannah Arendt und Immanuel Kant zurück und erklärt, es gehöre zu der Natur des Menschen, sich an Regeln zu halten und somit zu gehorchen.

Nein, es gehört zu der Vernunft der Menschen, sich zu Regeln zu verhalten. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Widerstand zu leisten. Genau dieser menschlichen Begabung zur Vernunft trägt Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes mit dem Recht auf Widerstand Rechnung. Es ist eine klare rote Linie.

Wer diese rote Linie negiert, negiert die Menschlichkeit.

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„Vive Mutti“ – Wenn dein Land Mama zu dir sagt

Eine Betrachtung der Sprache von Maximilian Deeds.

Am Ende tendiert man ja oft zu Nostalgie. Ich glaube aber tatsächlich, Angela Merkels Status als, Umfragen zufolge, beliebteste Bundespolitikerin könnte ihre Amtszeit überdauern. Ins Bewusstsein der Menschen in Deutschland ist ihre Person fest eingebrannt.

Was ließen wir ihr über fast anderthalb Dutzend Jahren nicht an Beinamen zukommen, von Angie bis Angelo Merte. Sie alle zeugen von der kulturellen Auseinandersetzung mit einer Regierenden, die sich stets distanziert hielt aber gerade genug Zutraulichkeit bereitstellte, um einen Ödipus- Komplex zu provozieren.

Wenn am 8. Dezember 2021 ein Nachfolger gewählt wird, damit Merkel den Kohlschen Rekord nicht bricht, dann endet die einzige Kanzler:innenära, die es in meinem Erleben, in meiner politischen Anteilnahme je gab.

Der erste Bundestagswahlkampf, an den ich mich lebhafter erinnere, wurde 2005 ausgetragen und einige Jahre später als ich dann das erste Mal fragte: Können eigentlich alle Bundeskanzlerin werden?

Gerhard Schröder, Edmund Stoiber, sie alle kannte ich vom Sehen und Hörensagen, die Stimme aus Parodien im Radio und das karikierte Konterfei vom „Steuern runter macht Deutschland munter“ Aufkleber auf der blauen Mülltonne. Ich hatte ihn aus der BILD. Zuordnen konnte ich Schröder schließlich erst, weil er ihr unterlegen war.

Ich werde daher bestimmt auch immer Kanzlerin zum Regierungsoberhaupt sagen. Künftige Amtsträger sind da mitgemeint. Die oft überbetonte oder ihr abgesprochene Weiblichkeit dürfte dazu beigetragen haben, dass ich dieses Amt als implizit weiblich empfunden habe.

Natürlich ist es markant und feiernswert, wenn eine Frau zum ersten Mal das wichtigste Amt im Staat bekleidet. Dieses Ereignis sollte auch nicht dadurch verwässert werden, dass es fortan als Normalität gälte und daher nicht explizit erwähnt gehörte. Ohnehin halte ich es für schwachsinnig, Normalität zu erstreben. Sie wirkt auf mich unattraktiv und obendrein fluide und dann unrealistisch. Normalität zu fördern erstickt Fortschritt im Keim. Wir wollen nicht aufhören, zu feiern. Denn es war nicht normal und ist es nicht. Nein, eine Kanzlerin war super.

Aber vielleicht kamen viele öffentliche Stimmen auch nur über die Mutterrollen-Handhabe mit einer sie regierenden Frau klar. Das führte bald schon zu dem Spitznamen, der ihre mediale Begleitung geprägt hat wie kein anderer: Mutti.

Mutti lässt genug Platz zum Belächeln, eine Mutter darf aber eben auch als Frau im Weltbild vieler Chauvis mal durchgreifen. >>Ja, Mama… eyeroll<<.

In London habe ich Merkel 2013 auf einem Werbeplakat für die Biografie „The Chancellor and Her World“ mal als Bernsteinlady beschrieben gelesen. Damit kam sie vermeintlich immerhin besser weg als Britain’s very own Iron Lady. Frauenkarrieren im Spannungsfeld von hartem Material aus chemischen Verbindungen und Mutterschaft. Beide waren als Chefin keine Feministinnen und dadurch vielleicht die Größten.

Darüber hinaus eröffnet „Mutti“ aber auch einen möglichen weiteren Schluss: Deutsche sträubten sich 2005 bei aller wachsenden Verantwortung vor Anführer:innen. Keine:n Volksheld:in sollte es geben. Stattdessen wie Teenies rebellieren und über Mama klagen, doch am Ende brauchten sie dann doch ihre Milch. Naja, oder so ähnlich. Vielleicht war es auch etwas (weniger biologisch) mütterliches, das Deutschland im Allgemeinen fehlte. Selbst in Frankreich riefen sie ihr jüngst zu: „Es lebe Mutti!“

So französisch der erste Teil des Ausrufs, so haben sie uns abgenommen und übernommen, dass wir sie liebevoll Mama nennen. Vielleicht nicht wissend, dass der Ausdruck Mutti veraltet ist und als Bezeichnung eher abwertend und ganz allgemein Frauen ab einem gewissen Alter und bürgerlichen Format, auch kinderlose trifft. Unweigerlich sollten wir uns in Deutschland dennoch fragen, inwiefern dieser Eindruck von Glaubwürdigkeit auf unsere eigene Bedeutung schließen lässt.

Die Französ:innen haben schon ihre La France. Im Rahmen der Revolution soll etwa davon gesprochen worden sein, wie die Liebe zum Heimatland die Glieder der Kämpfer habe anschwellen lassen. Aber nach französischer Manier beschützt und stabilisiert werden, wie die geerbte, grazile, betörende, zerbrechliche, schutzbedürftige Schönheit vom Land des Vaters, musste das unbedingt standhafte, felsenfest kompromisslose, angriffslustige Deutschland in der Geschichte dem gemeinhinnigen Gefühl der Leute nach nicht.

Deutschland hat heute kein Bundesheer wie etwa Österreich, sondern eine Wehr. Diese wurde grundsätzlich, im Gegensatz zum Namensvetter Wehrmacht, tatsächlich vom verteidigenden Charakter aus gedacht, was einmal mit der Überführung des Reichsheeres in die Reichswehr nicht gelungen ist. Auf dem Weg zu einem neuen Selbstverständnis also schließlich auch einen mütterlichen Führungsstil wagen beziehungsweise projizieren, der sich nicht nach Kriegsheldentum anfühlt?

Der Glaube an ein tatsächliches Matriarchat Merkel ist natürlich noch irrwitziger als im Falle Heidi Klum bei Germany’s Next Topmodel. Aber als Mutter der Nation auf Zeit bekam Merkel irgendwo zwischen aller uniformen Professionalität einen Grad der Versöhnlichkeit in und intime Beziehung zu Teilen der sie umgebenden Bevölkerung hin, die wohl noch mehr vom Volk gewünscht war.

Ich interpretiere genau diesen Widerspruch als Quelle recht authentischer Bürger:innennähe. Links liegen gelassen oder auf Abstand gehalten werden möchte man von einer Mutti eben nicht, vor allem, wenn die tiefe Menschlichkeit bei Interviews, Fußballspielen oder politischen Gesten immer wieder durchblitzte. Das stachelte einige Menschen womöglich letztenendes regelrecht an, in ihrer Figur dann doch nach einer fast schon hegemonialen Verbindlichkeit zu suchen. Wer hat hier wem das Muttikonzept aufgedrängt?

Wie viel davon kalkuliert war, vermag ich nicht zu ermitteln. Ganz sicher geholfen hat ein Satz, wie beim TV Duell gegen Steinbrück: „Sie kennen mich“. Der Herausforderer redet sich also um Kopf und Kragen und so einfach erreicht einen dann eben nur Mutti. Schwups, wieder an der Brust, um beim schwierigen Milchmotiv von vorhin zu bleiben. Ob sich das ein Vati so erarbeitet hätte, ist fraglich. Sexismus muss sich auf die Beliebtheitswerte einer Person wahrlich nicht immer negativ auswirken. Unerfüllte, konventionelle Erwartungen können auch spielerisch herausfordernd wirken.

Mit Merkel wurden die Deutschen irgendwie nicht fertig. Und das, obwohl oder eben weil sie ständig merkelte. Sich aus Prekarität ein Denkmal bauen lassen, hat sie down to an art. „Mutti“ erlaubt eben Heroisierung und sofortigen Götzenmord gleichzeitig. Eine von uns, die auch nur mit Wasser kocht. Das ist eine Attitüde, eine Gewissheit in der Ansprache Mutti, welche die Unantastbarkeit nicht erfasst und trotzdem erträglich macht.

Civey ermittelte für web.de unlängst den hohen Zuspruch auch in meiner Generation, was einen Eindruck stützen kann, den ich schon in meinem Bekanntenkreis bemerke: Kaum jemand würde die Stimme der CDU geben, aber wir waren doch immer selig, wenn sie im Kanzlerinnenamt verblieb, oder? Kann ich ein Amen dafür bekommen?

Und wenn sie auch Mutti ist und nicht die Mutter Gottes, ist das eine Stärke. Denn Mutti kann man in Frage stellen, lässt aber im Endeffekt nichts auf sie kommen. Und Mutti ist so heilig, wie eine Heilige einem nie werden kann.

Aus meiner Sicht hat sie in dieser ellenlangen Zeit das Kanzlerinnenamt nahezu unbewohnbar gemacht und das Format demontiert. Oft war mir ihre Politik zu fluktuativ und zu träge an den jeweils falschen Stellen aber unter Angela Merkel war dieses Land ein Deutschland, das zuhört und so der Welt zeigen konnte, was es gelernt hat.

Profillos finde ich sie trotz ausgeprägter Beständigkeitsneigung und Visionenarmut gar nicht. Mäßigung erfordert Mut auf einer polemischen Weltbühne. Ruhige Gelassen- und Besonnenheit im Angesicht von Kritik und Lob erfordert Mut. Diplomatie erfordert Mut. Abwägung erfordert Mut. Konsens erfordert Mut. Mutti ist die Beste.

Danke Merkel.

***

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(TINMD)

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„Keine Menschen mehr!“

„Sie sind ein indirekter Mörder!“
„Sie haben jegliche Menschlichkeit verloren!“
„Keine Menschen mehr!“

Diese drei Sätze hat im traurigen Monat November ein Polizist zu einem Demonstranten gesagt.

Diese Aufnahme wurde am 29. November 2021 im sächsischen Pirna gemacht.

Ich weiß nicht, wer der Mann ist, dem von dem Polizisten die Menschlichkeit abgesprochen wurde. Ich weiß nicht, was er denkt, was er wählt und was er sonst so macht. Ich weiß nicht, ob er jemand ist, den ich mag oder ob er jemand ist, dem ich lieber nicht begegnen würde. Ich weiß nicht, was vor dem Video alles passiert ist. All das ist aber auch irrelevant, für die Bewertung dieser Szene.

Wenn ein Polizist denkt, gewisse Bürgerinnen und Bürger seien für ihn keine Menschen mehr und wenn er diese Überzeugung auch noch offen artikulieren kann, ohne das eine vorgesetzte Person eingreift, dann wird es sehr, sehr gefährlich.

In Sachsen hat ein bewaffneter Polizist einem unbewaffneten Bürger nicht nur die Menschlichkeit abgesprochen, er hat sogar erklärt, ab wann Bürgerinnen und Bürger für ihn keine Menschen mehr sind.

Als der Demonstrant fragte, was die ungimpften Menschen denn seien, wenn sie jegliche Menschlichkeit verloren hätten, erklärte der Polizist: „Das weiß ich auch grad nicht, keine Menschen mehr!“

Die Würde des Menschen ist unantastbar, egal ob er geimpft ist oder nicht. Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes haben sich in ihre Verfassung geschrieben, dass der Staat und seine Institutionen nie wieder die Würde des Menschen infrage stellen dürfen. Diese klare Ansage an den Staat ist das höchste Grundrecht von allen. Es ist der erste Artikel. Dieser Artikel gilt für alle Menschen, seien Sie nun geimpft oder nicht. Der erste Artikel des Grundgesetzes gilt sogar für Verbrecher. Sogar einem Mörder darf ein Polizist nicht sagen, er sei kein Mensch mehr.

Im November 2021 hat ein bewaffneter Polizist einem unbewaffneten Bürger ins Gesicht gesagt: Artikel Eins gilt in meinen Augen für gewisse Kreaturen nicht mehr. Sie sind in meinen Augen nicht mal mehr Menschen.

Der Demonstrant wiederum hat erklärt, der Polizist sei für ihn ein Spinner. Man kann den Demonstranten für diese Wortwahl jederzeit zur Rechenschaft ziehen, aber auch diese Aussage des Demonstranten ist unerheblich für die Bewertung der unfassbaren Entgleisung des Polizisten.

Ein Polizist, der einen Bürger zu einem indirekten Mörder erklärt, nur weil er nicht geimpft ist und dieser Person dann nicht nur ihre Menschlichkeit abspricht, sondern gleich das ganze Menschsein, der ist für mich kein Spinner, sondern brandgefährlich.

Nachtrag: Die Polizeidirektion Dresden hat zu der Angelegenheit wie folgt Stellung genommen:

„Die Polizeidirektion Dresden sieht die Aussage des Beamten grundsätzlich als persönliche Meinungsäußerung an. Dahin gehend sind aktuell keine dienstrechtlichen Konsequenzen angedacht. Gleichwohl spiegelt das Gesagte nicht die Meinung der Polizeidirektion Dresden wieder. Wir hätten uns von dem Beamten deutlich mehr Sensibilität im Umgang mit dem Bürger gewünscht. Und das auch dann, wenn es sich in der Situation in Pirna um eine unzulässige Zusammenkunft handelte.“

Folgende Nachfrage habe ich daraufhin gesendet:

„Wie bewerten Sie die Tatsache, dass der Polizist seine „persönliche Meinungsäußerung“, Ungeimpfte seien keine Menschen, in voller polizeilicher Montur und bewaffnet im Dienst gegen eine konkrete Person getätigt hat, die er zudem als „indirekten Mörder“ bezeichnet hat?“

Die Antwort des Polizeisprechers war kurz und knapp:

„Die Stellungnahme, die ich Ihnen bereits übersandt habe, ist abschließend. Weitere Bewertungen werde ich nicht treffen.“

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Kein Vergleich

Am 5. Februar 2020 wurde der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen der FDP, der CDU und der AfD zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt. Der bis dahin amtierende Ministerpräsident Bodo Ramelow zog daraufhin eine Parallele zu 1930 und zitierte auf Twitter Adolf Hitler, der am 2. Februar des Jahres sagte:

„Den größten Erfolg erzielten wir in Thüringen. Dort sind wir heute wirklich die ausschlaggebende Partei. (…) Die Parteien in Thüringen, die bisher die Regierung bildeten, vermögen ohne unsere Mitwirkung keine Majorität aufzubringen.“

Dazu postete er zwei Bilder. Auf dem einen Bild waren Thomas Kemmerich und der AfD-Politiker Björn Höcke zu sehen und das andere Bild zeigte Adolf Hitler und Paul von Hindenburg.

Das Bild von Hitler und Hindenburg wurde am 21. März 1933 in Potsdam gemacht. Bodo Ramelow verglich somit eine Wahl in Deutschland des Jahres 2020 mit den Ereignissen in Deutschland zwischen 1930 und 1933.

Die Wahl wurde rückgängig gemacht, so wie es Angela Merkel gefordert hatte. Sie erklärte nach der Wahl:

„Die Wahl dieses Ministerpräsidenten war ein einzigartiger Vorgang, der mit einer Grundüberzeugung gebrochen hat für die CDU und auch für mich, nämlich dass keine Mehrheiten mithilfe der AfD gewonnen werden sollen. Da dies absehbar war in der Konstellation, wie im dritten Wahlgang gewählt wurde, muss man sagen, dass dieser Vorgang unverzeihlich ist und deshalb auch das Ergebnis wieder rückgängig gemacht werden muss.“

Nur ein paar Tage nach dieser Aussage wurde Bodo Ramelow wieder zum Ministerpräsidenten gewählt. Danach ging alles nur noch um Corona.

Gut, dass seitdem nichts mehr passiert ist, dass auch nur ansatzweise so mit der Zeit zwischen 1930 und 1933 zu vergleichen ist, wie die Wahl in Thüringen im Februar 2020.

***

Eine kleine Lese-Empfehlung, einfach auf den Titel klicken: „Unpassende Vergleiche sind schlimmer als Hitler!“

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Dieses Gedicht stammt nicht von Kurt Tucholsky

Es geistert ein Gedicht durch das Internet, das Kurt Tucholsky zugeschrieben wird. Es stammt jedoch nicht von Kurt Tucholsky.

Das Gedicht lautet wie folgt:

„Geimpfte sind nicht bessre Leute,
nur weil sie solidarisch sind.
Sie schützen sich und andre heute,
so leben morgen Greis und Kind.

Die Ungeimpften sind nicht schlechter,
nur weil sie Ignoranten sind.
Sie sind Immunsystemverfechter,
für gute Argumente blind

und mehrenteils verrückt geworden.
Sie fallen allen nur zur Last.
Und doch: Man soll sie nicht ermorden!
Fürs erste reicht ja auch der Knast.“

Das Gedicht ist nicht von Kurt Tucholsky.

Es wurde am 26. November 2021 von Cornelius W. M. Oettle auf Twitter hochgeladen.

Cornelius W. M. Oettle ist Autor des Satire-Magazins Titanic und erklärte 116 Minuten nach seiner Veröffentlichung des Gedichts auf Twitter:

„Da es Fragen zum Ursprung des Gedichts gibt: Tucholsky hatte sich beim Schreiben wohl am 2019 erschienenen Gedicht „Zur Versachlichung der Böllerdebatte“ von Cornelius W. M. Oettle orientiert.“

Bei Cornelius W. M. Oettle wird das Gedicht auf das Jahr 1928 datiert, wo es in der Zeitschrift „Die Weltbühne“ erschienen sein soll. Die Leitung der Weltbühne hatte in dem Jahr der Schriftsteller und Journalist Carl von Ossietsky.

Im November 1931 wurde Carl von Ossietsky vom Vierten Strafsenat in Leipzig zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Damals war Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg laut Artikel 198 des Versailler Vertrags der Aufbau einer eigenen Luftwaffe verboten worden, deshalb wurde vom deutschen Militär heimlich an einem Aufbau gearbeitet. Der Pazifist Carl von Ossietsky berichtete von diesen heimlichen Versuchen. Am 12. März 1929 erschien in der Weltbühne unter dem Pseudonym Heinz Jäger der Artikel „Windiges aus der deutschen Luftfahrt“. Aufgrund dieses Artikels wurde Carl von Ossietsky angeklagt.

Zur Begründung der Verurteilung hieß es, Ossietzky habe Nachrichten bekannt gemacht, von denen er wusste, dass ihre Geheimhaltung für das Wohl und die Landesverteidigung des Deutschen Reiches erforderlich sei. Er habe „dadurch die Sicherheit des Reiches gefährdet“ und sich des Landesverrat schuldig gemacht.

Carl von Ossietzsky war unsolidarisch gegen den politischen Willen im Reich, Deutschland im Sinne einer Luftwaffe sicherer zu machen. Er galt als unsolidarischer und ignoranter Pazifismusverfechter. Er fiel zur Last. Und doch: Man wollte ihn nicht ermorden! Fürs erste reichte ja auch der Knast.

Gerade im Wissen um diesen Prozess, stinkt die Satire von Cornelius W. M. Oettle zum Himmel. Aber wir wissen ja auch, was Kurt Tucholsky dazu gesagt hätte. Er darf das! Es ist halt nur Kacke.

***

Zwei weitere Zitate, die gerne falschen Autoren zugeordnet werden, lauten:

„Ich missbillige, was du sagst, aber ich werde bis zum Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.“ – Dieser Satz nicht von Voltaire! Wenn Sie wissen wollen, wer ihn geschrieben hat, klicken Sie hier.

„Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ – Dieser Satz ist nicht von Bertolt Brecht! Wenn Sie wissen wollen, woher der Spruch kommt, klicken Sie hier.

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Kurze Zustandsbeschreibung nach der Impfung

Ich bin geimpft. Trotz meiner Impfung habe ich keine Angst vor Ungeimpften bekommen. Die Impfung hat mich auch nicht zorniger und wütender werden lassen.

Die Impfung hat bei mir keine Ungeimpftenintoleranz ausgelöst. Ich verspüre keinen Drang, ungeimpfte Menschen von meinem Tisch und aus meinem Leben zu verbannen.

Ich benötige keine Isolation von Ungeimpften und teile gerne Räume mit ihnen.

Bei mir ist auch nicht der unbändige Drang erwachsen, Informationen über den Impfstatus von Menschen in meiner Nähe zu erhalten.

Ich schreibe all das hier nur auf, weil ich diese Nebenwirkungen gerade bei vielen anderen Menschen entdecke, die sich haben impfen lassen.

Vielleicht wäre es gut, wenn noch etwas intensiver an einer Impfung gearbeitet werden würde, die so gut ist, dass sich Geimpfte nicht vor Ungeimpften fürchten müssen.

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Wenn ein vorsorgliches Töten „leider“ nicht möglich ist

Thomas Umbehaue schreibt seit über zehn Jahren als Lokalreporter für den Stadtspiegel Essen. Für gewöhnlich berichtet er über Dinge, die in Essen und Umgebung passieren. Dabei hat er es zu einer erstaunlichen Reichweite geschafft. Laut eigener Aussage schaffte er im letzten Jahr den „Sprung von 10.000 Lesern auf 1.000.000.“

Am 23. November 2021 präsentierte er seinen Leserinnen und Leser eine ganz besondere Glosse. Unter der Überschrift „ENDLICH MAL KLARTEXT – Geimpft, Genesen oder Gestorben das sind die Aussichten für den Winter“ stellte er die Frage, ob nicht die Impfungen gegen Corona durch Polizeibeamte erfolgen sollten. Man hätte zum Beispiel bei „den Demos der ewig gestrigen (…) die Personen doch schon zusammen und könnte direkt ohne Termin Impfungen durchführen.“

Seine Glosse beendet er mit den Worten: „Keulen, wie bei der Vogel oder Schweinegrippe ist ja leider nicht möglich.“

Unter dem Keulen versteht man das vorsorgliche Töten von Tieren, um die Weiterverbreitung von Seuchen zu verhindern.

Das ist ja mal richtig komisch. Nicht nur erklärt Thomas Umbehaue Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, zu Tieren, er findet es auch schade, dass man sie nicht vorsorglich töten kann, um die Verbreitung von Corona einzudämmen.

Selten so gelacht!

Mittlerweile wurde diese Glosse vom Netz genommen.

Kurt Tucholsky sagte einst, Satire dürfe alles. Natürlich darf auch Thomas Umbehaue jeden Witz machen, egal wie geschmacklos er ist. Ich darf aber auch auf diese Geschmacklosigkeit reagieren. Wie nur finde ich die richtigen Worte? Ich versuche es mal so:

Thomas Umbehaue ist kein Kurt Tucholsky. Sein Humor lässt sogar vermuten, dass er geistig eher bei jenen Gestalten zu finden ist, gegen die Kurt Tucholsky am Ende seines Lebens angeschrieben hat.

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Das Evangelium nach Corona

Und Jesus nahm das Brot, verteilte es unter den Geimpften und sprach: „Die Weitergabe an Personen, die weder geimpft oder genesen sind, ist nicht erlaubt.“

Wort des lebendigen Gottes:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschützet würde. Da machte sich auf auch Josef, dass er sich schützen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten keinen Impfausweis für die Herberge.

(…)

Zu einem hohen Fest zog Jesus hinauf nach Jerusalem. Am Schaftor waren fünf Hallen in denen lagen viele Kranke. Es war aber dort ein Mensch, der war ungeimpft. Als Jesus ihn liegen sah und vernahm, dass er ungeimpft war, sprach er zu ihm: „Du verstopfst hier die Betten, du egoistischer, unsolidarischer Tyrann. Wahrlich ich sage dir: Selber Schuld. Hättest du dich doch nur impfen lassen. Krepier doch!“

(…)


Und Jesus ging auf einen Berg und seine Jünger schalteten sich aus dem Home Office dazu. Er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: „Selig sind, die erklären, geimpft zu sein. Selig sind die Unversöhnlichen; denn sie erhöhen die Impfquote. Selig sind, die Ungeimpfte ausgrenzen; denn sie gefallen Gott. Selig seid ihr, wenn ihr Menschen schmäht, wenn sie sich nicht an die Anti-Corona-Maßnahmen halten.“

(…)

Früh am nächsten Morgen kam Jesus in den Tempel. Da brachten die Schriftgelehrten ihm eine Frau, die nicht geimpft war, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: „Meister, diese Frau ist nicht geimpft. Was sagst du, was sollen wir tun?“ Jesus richtete sich auf und sprach zu ihnen: „Wer unter euch geimpft ist, der werfe Steine auf sie, denn sie hat Schuld auf sich geladen. Dank ihr droht der nächste Winter im Lockdown.“

(…)

Und als Jesus gekreuzigt wurde, sprach ein Mann, der neben ihm am Kreuze hing: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Jesus sprach zu ihm: “Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Himmelreich sein. Denn wir hängen hier im Mindestabstand von 1,5 Meter, so wie es geschrieben steht.“

Lasset und singen, wie wir es im letzten Jahr taten:

„Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, dann ruft das Ordnungsamt, denn es ist ein Verstoß gegen die Coronaschutzmaßnahmen.“

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Danke Adam Sandler!

Eine musikalische Danksagung von Jens Eike Krüger.

Es wäre leichter vor meiner Tür stände jetzt ein Sack Zement, als der, der da grad steht in Tränen und im Unterhemd, der jetzt auf meiner Couch liegt und erst in drei Tagen geht und gerade nur aus einer Bettdecke und einem Arm besteht, mit dem er abwechselnd ein Eis und eine Fernbedienung hält und sich daran krallt, wenn Mama am Telefon erzählt, dass noch viele Mädchen kommen und viele Mädchen gehen und die Jungs von heute einfach alles viel zu kritisch sehen.

Du bist wieder mal alleine, Deine Mum ist eine MILF, manchmal ist es gut, wenn man weiß, dass nichts hilft. Wo immer grad ein Mädchen ist, wird sie von wem anderen verführt und wir schauen Filme mit Adam Sandler, weil man dabei nichts spürt.

Und wir saßen da als Teenager zwischen Big Daddy und Mr. Deeds, als uns ein Soundtrack offenbarte, was es für Gefühle gibt. Heute wirkt alles weit weniger energetisch auf dem schmalen Grad zwischen Pathos und pathetisch.

Du bist wieder mal alleine, Deine Mum ist eine MILF, manchmal ist es gut, wenn man weiß, dass nichts hilft. Wo immer grad ein Mädchen ist, wird sie von wem anderen berührt und wir schauen Filme mit Adam Sandler, weil man dabei nichts spürt.

Wir sind die Letzten der Kommune und wir ziehen hier niemals aus, bis die Bullen uns hier raus ziehen, aus diesem Lichspielhaus. Sieben Milliarden Euro und weder Herz noch Plot dahinter und wir könnten anderen danken, aber wir danken Adam Sandler, denn wir haben das große Rad gesehen, es lässt sich nicht vermeiden, Leben bedeutet Fühlen, und Fühlen bedeutet Leiden. Wir sind noch keine Hinduisten, aber das hier ist ein Sampler. Andere haben ihren Yogi – wir haben Adam Sandler.

Danke Adam. Danke Adam Sandler!

Hier steht ein armer Junge, wo einmal eine Band war. Wir suchen Wege aus dem Samsara mit Adam Sandler.

Live-Version des Songs. Aufgenommen in der Hertzkammer. Mit Artur Schulz (Gitarre) und Moritz Gröger (Drum). Online gestellt ganz besonders für Viktoria Burkert.

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(TINJEK)

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