Gott will es!

Ich wurde als Säugling katholisch getauft. Ich habe in meiner Kindheit ein paar Mal gebeichtet und sogar bei einigen katholischen Messen gedient.

Wissen Sie, was das allererste Gebot Gottes ist? Ich meine nicht das erste der zehn Gebote. Ich meine das allererste Gebot, das Gott laut Bibel dem Menschen gegeben hat. Was waren die ersten Worte Gottes an den Menschen?

Ich gebe mal einen Tipp: Alle katholischen Würdenträger brechen dieses Gebot mit Absicht und aus Prinzip.

Das Erste, was Gott jemals zum Menschen gesagt hat, ist: „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ Ein wenig profaner ausgedrückt, das Erste, was Gott jemals zum Menschen gesagt hat, ist: Ficken!

Wenn sich Gott schon dazu entschließt, sich dem Menschen zu offenbaren, darf davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem ersten Satz, den er sagt, um etwas wirklich wichtiges handeln muss, etwas, dass ihm sehr am Herzen liegt. Er hätte sagen können: „Nutzt Zahnseide“ oder „Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu“. Aber er sagte: „Ficken!“

Warum also haben sich der Papst und alle katholischen Priester dazu entschlossen, diese erste Wort Gottes zu ignorieren, ganz nach dem Motto: „Weißt Du was Gott, Du hast uns zwar damals was ganz besonderes gesagt, als Du das erste Mal zu uns gesprochen hast, aber das ist Bullshit. Wir haben beschlossen, es ganz anders zu machen. Schönen Tag noch!“

Ich kann ja verstehen, dass man ein paar der späteren Gebote Gottes ignoriert, aber gleich das Erste?

Ich halte mich auch nicht an alle Gebote. Gott sagt zum Beispiel, ich soll nur Kleider aus einem Stoff tragen. Ich aber sage: „Lieber Gott, Du bist nicht meine Mutter und ich kein Kind mehr. Ich kann mich selber anziehen!“

Es sind aber einfach zu viele Gebote. Beim Kaffeekränzchen mit Moses auf dem Berg Sinai ist Gott ein wenig ins Plaudern geraten. Man muss schon eine besonders gute Beziehung zu Gott hegen, um alle 613 Gebote Gottes zu befolgen.

Aber vielleicht waren die 613 Gebote auch nötig, weil der Mensch einfach zu blöd ist, mit der einfachsten Lösung für eine schöne Welt zu leben. Sie lautet: Ficken!

„Was? Ficken? Mehr nicht? Das ist alles? Ach, und sich um die Welt kümmern? Okay. Aber wie meinst Du das, Gott? Hast Du es nicht etwas präziser?“

So ist der Mensch eben, wenn etwas zu einfach ist, muss er es kompliziert machen, solange bis am Ende das erste Gebot vollkommen in sein Gegenteil verkehrt wurde und streng gläubige Männer in Kleidern und mit rauchenden Handtaschen versehen durch hochdekorierte Schmuckanlagen wandeln und stolz erklären: „Wir ficken nicht! Das wäre ja noch schöner!“

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Der neue Tatort

Das Publikum der Kunst gegen Bares Köln präsentiert die Höhepunkte aus dem neuen Hamburger Tatort mit Til Schweiger. Der Film wurde am 11. März 2013 im ARTheater gedreht. Alles ohne Probe. Viel Vergnügen!

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Da hier eh alle schon über den neuen Tatort reden …

Bisher bot sich jeden Sonntag Abend auf Facebook das gleiche Bild: Tausende kotzten sich über den aktuellen Tatort aus, dem Rest war der Tatort egal. Gestern aber geschah etwas vollkommen Neues: Zwar fanden sich immer noch viele kritische Stimmen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen, aber zum ersten Mal häuften sich auch positive Kommentare und Statusmeldungen. Zum ersten Mal nutze eine bemerkbare Masse von Menschen Facebook, um zu posten, ihnen habe der Tatort gefallen. Der Tatort! Gefallen! Hier mal drei Beispiele aus meinem Freundeskreis:

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Tapfer im Nirgendwo kann da nur sagen: Glückwunsch, Til Schweiger, klassischer Fall von „alles richtig“ gemacht.

Wenn es etwas positives gibt, das über diesen Tatort gesagt werden kann, dann dies: Es ist das Ende des Tatort, so wie wir es kannten! Endlich mal kein gebrochener Kommissar. Endlich mal keine Sozialromantik. Endlich mal kein pseudo-gesellschaftskritisches Geschwafel. Endlich mal Selbstironie! Endlich mal Action! Endlich mal kein sterbenslangweiliger Pseudo-Realismus. Endlich mal Unterhaltung. Endlich mal Dialoge, die echt klingen. Die hölzernen Dialoge rund um Kommissarin Odenthal werden von jetzt an noch unerträglicher klingen. Endlich mal ein Tatort, der uns nichts beibringen wollten. Endlich mal ein Tatort mit einer vernünftigen Kamerakunst. Endlich mal ein Tatort mit einem Drehbuch. Allein die erste Szene zwischen Vater Nick und Tochter sollten ein Lehrbeispiel für alle kommenden Drehbuchautoren des Tatorts werden. In wenigen Sätzen wird dort die genaue Familiensituation erzählt ohne dass es direkt erklärt wird. So wird geschrieben!

Ich gebe zu, ein typischer Tatort war das nicht. Til Schweiger ist nicht einmal geduckt unter rot-weißem Flatterband gelaufen und der Kommissar, den er spielt, nutzt seine und fremde Waffen mehr als ausgiebig. Der ersten Person, die er nicht im direkten Kampf kaltmacht, entgegnet er: „Du wirst verhört!“ Damit belässt er es aber nicht. Er tritt sogar nach. Zudem belügt er seine Vorgesetzen und schreckt sogar vor Folter nicht zurück. Ein Vorbild an praktischer Ethik ist dieser Kommissar definitiv nicht. Im Gegenteil. Es tut aber mal gut, einen Tatort zu sehen, in dem der Kommissar nicht der zaudernde Engel mit Dienstausweis ist und in dem sogar die Vorgesetzten am Ende alle Dienstvorschriften fahren lassen und die Verbrechen des Kommissars decken.

Dieser Kommissar ist anders als alle Anderen. Mit Til Schweiger ist es im Grunde ein wenig wie mit der Homo-Ehe. Alle, die über diesen Kommissar nun meckern und ätzen und glauben, mit ihm sei die traditionelle Tatort-Familie in Gefahr, sei versichert: Nick ist anders, als alle anderen Tatort-Kommissare, ja, aber bei den altbewährten Kommissarinnen und Kommissaren wird sich nichts ändern. Versprochen! Sie werden weiterhin die gebrochenen und zögernden Kommissare bleiben, die die Welt verbessern wollen. Nick möchte das nicht. Er will nur „das Pack“ schnappen und seiner Tochter ein Weichei kochen. Die Welt ist ihm egal. Das ist mal was Anderes und für die Traditionalisten der Tatort-Familie gewohnungsbedürftig. Es gibt aber keinen Grund, vor dem Neuen gleich Angst zu haben.

***

Eigentlich sagt dieser heutige Zeitungsständer alles:

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Du Hure!

Rainer Brüderle war gestern zu Gast bei Maybrit Illner. Das ist kein Grund für einen #aufschrei. In der selben Runde saß aber auch Oskar Lafontaine und was er sich erlaubte, ist mehr als ein #aufschrei wert. Er nannte Bundeskanzlerin Angela Merkel eine „Kurtisane“. Interessanterweise war es Rainer Brüderle, der als Einziger in der Runde diese Wortwahl kritisierte. Tapfer im Nirgendwo stellt einmal gegenüber:

Vor einem Jahr sagte ein Mann von der FDP zu einer Journalistin an einer Bar, sie könne ein Dirndl ausfüllen.

Gestern nannte ein Mann von der LINKEN vor Millionen Menschen die Bundeskanzlerin eine Kurtisane, also eine zu Liebesdiensten zur Verfügung stehende Frau, mit anderen Worten: eine Hure!

Ich werde das ungute Gefühl nicht los, dass es einem großen Teil derer, die Brüderle kritisiert haben, aber nun zu Lafontaine schweigen, gar nicht um Sexismus geht. Ich glaube vielmehr, ihnen sind die Rechte der Frauen egal. Sie wollen offenkundig nur der FDP schaden.

Das aber nenne ich: Instrumentalisierung von Sexismus! Und das ist auf jeden Fall ein #aufschrei wert!

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Einmal Buchenwald und zurück

Gestern am späten Nachmittag war ich bei einer Diskussion mit Tuvia Tenenbom im Domforum in Köln. Nach der Diskussion meldete sich ein Mann im Publikum zu Wort und began seine Ausführung wie folgt: „Ich war zwar noch nie in Israel, aber ich war schon mal in Buchenwald.“ Dann folgte ein langer Monolog, in dem er sich selbst als Nahostexperte auswies. Ich muss gestehen, ich habe gelacht. Das ist doch wieder mal typisch: Wer einmal in Buchenwald war, ist sofort ein Experte in Judenfragen und wer Israel verstehen will, muss nicht nach Israel reisen; einmal Buchenwald und zurück reicht!

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Unterlassene Hilfeleistung

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Gestern wurde ich auf dem Neumarkt in Köln vom Roten Kreuz mit der Bitte angesprochen, Blut zu spenden. Ich antwortete: „Gerne würde ich Blut spenden, aber es ist mir verboten.“ Die Frau vom Roten Kreuz schaute mich merkwürdig an. „Ich bin kein Zeuge Jehova“, fügte ich schnell zu, „nicht das Sie das denken. Das Gesetz Deutschlands verbietet es mir!“

Tatsächlich, es die deutsche Rechtsprechung, die mir das Spenden von Blut verbietet. Der Grund: Ich habe vor über zwölf Jahren Menschen geliebt, die ich besser nicht geliebt hätte, um jetzt im Sinne der deutschen Rechtsprechung reines Blut zu haben. Es waren Männer! Ich habe zwar nie promiskuitiv gelebt, meine Sexualpartner sind mehr als überschaubar und seit über zwölf Jahren lebe ich einer treuen Partnerschaft mit meiner wunderbaren Ehefrau; aber schon ein schwuler Geschlechtsverkehr im Leben reicht, um im Sinne der deutschen Gesetze unreines Blut zu haben. Ich habe Blutgruppe 175! Meine Ehefrau lebte vor mir übriges in einer langen Beziehung mit einer Frau. Somit ist auch ihr Blut unerwünscht.

Meine Frau und ich sind in den Augen der deutschen Rechtsprechung eine HIV-Risikogruppe. Es ist nämlich für die deutsche Rechtsprechung egal, ob jemand safer Sex praktiziert oder in einer treuen Sexualpartnerschaft lebt, wer schwul oder lesbisch ist, hat unreines Blut – Risikogruppe eben. Es geht schließlich um die Sicherheit. Wie immer ist es die Sicherheit, die vorgeschoben wird, um klare Diskriminierung zu rechtfertigen. Es könnte ja danach gefragt werden, ob man in einer geschlossenen Sexualbeziehung steht, ob es häufig wechselnde Sexualpartner gibt oder ob safer Sex praktiziert wird, aber nein, wichtig ist nur eins: „Bist du schwul, oder was?“

Dabei bin ich sogar bereit, eine Rasterfahndung zu akzeptieren, die vorsieht, dass das Blut von Schwulen und Lesben gesondert und besonders geprüft wird, aber nur wegen der sexuellen Orientierung gleich das Blut zu verurteilen, das geht gar nicht. Rasterfahndung ist das Fahnden nach bestimmten Personen aufgrund besonderer Merkmale. Schon das finde ich problematisch. Aber die momentane Rechtsprechung fahndet nicht aufgrund besonderer Merkmale, sie urteilt aufgrund besonderer Merkmale. Das ist reine Diskriminierung! Mit der gleichen perversen Logik könnte man allen Muslimen das Fliegen verbieten, alles natürlich mit dem Hinweis auf die Sicherheit, stellt diese Religion doch eine besondere Risikogruppe in Sachen Flugzeugterrorismus dar.

Das Rote Kreuz weißt regelmäßig darauf hin, dass nicht genug Blut gespendet wird. Überall fehlt es an Blut. Durch die Adern vieler treu und safe lebender Homosexueller fließt Blut, das dringend gebraucht wird und gerne gespendet werden würde, aber die deutsche Rechtsprechung erlaubt es nicht. Es ist Blut von Menschen, die aufgrund ihres Lebensstils eigentlich keine Risikogruppe darstellen, aber für die deutsche Rechtsprechung sind sie eine Risikogruppe, nur weil sie homosexuell sind.

Die deutsche Rechtsprechung verweigert somit die Annahme dringend benötigten und guten Bluts, nur aufgrund unbegründeter Diskrimierung. Eine Hilfe zu verweigern, die angeboten wird und bedenkenlos angenommen werden könnte, nenne ich unterlassene Hilfeleistung. Die deutsche Rechtsprechung macht sich somit mit ihren Vorurteilen in meinen Augen der unterlassenen Hilfeleistung schuldig! Es wird Zeit, dass mal jemand wegen unterlassener Hilfeleistung klagt!

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„Aber nur im Kontingent“

Am 20. Februar 2013 feierte meine Komödie „Aber nur im Kontingent“ Premiere in der Synagoge an der Roonstraße in Köln. Tapfer im Nirgendwo präsentiert einen kleinen Auszug aus dem Text.

„Aber nur im Kontingent“ von Gerd Buurmann
Ein Stück Wiedergutmachung für mindestens fünf Kontingentflüchtlinge

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Der erste Deutsche, den ich jemals gesehen habe, war eine Frau.

Eine große Frau.

Eine große deutsche Frau.

Eine große deutsche Frau in Uniform

und Hose!

Stimmt.

Das fand ich am Faszinierendsten. Ich hatte vorher noch nie eine Frau in Hosen gesehen. Bei uns trugen Frauen immer Röcke.

Sie kam auf uns zu und sprach.

Sie war nicht stumm.

Sie sprach: „Ihre Fahrkarten, bitte!“

„Ihre Fahrkarten bitte!“

„Ihre Fahrkarten bitte!“

„Ihre Fahrkarten bitte!“

„Ihre Fahrkarten bitte!“

Das war vermutlich der erste Satz, den ich jemals von einer Deutschen gehört habe.

Wir waren im Zug,

Unsere Eltern und wir.

Im Zug nach Deutschland.

Wir waren noch Kinder.

Wir hatten schon viel von deutschen Zügen gehört.

Deutsche Züge sind immer pünktlich.

Deutsche Züge bringen einen, wohin man will.

In deutschen Zügen gibt es Speisewagen.

Und Gepäckwagen, die das Geld wieder ausspucken, wenn man den Wagen zurückbringt.

In Deutschland gibt es das Geld zurück.

Aber es gibt zwei Klassen.

Stimmt, zwei Klassen. Das war auch neu.

Wir waren in Deutschland.

Beim Klassenfeind.

Zu Hause.

Wir sind Flüchtlinge.

Waren!

Bitte?

Wir waren Flüchtlinge. Sowas bleibt man nicht. Jedenfalls nicht freiwillig.

Wir sind jetzt Deutsche.

Wir waren Kontingentflüchtlinge.

Sind!

Sind?

Wir sind Kontingentflüchtlinge.

Immer noch?

Klar.

Bleibt man das etwa?

Verliert man es?

Kontingentflüchtling heißen in Deutschland Flüchtlinge, die in festgelegten Anzahlen

(Kontingente)

gleichmäßig auf die einzelnen Bundesländer verteilt werden. Dies betrifft Flüchtlinge, die im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion, aufgrund von Sichtvermerken

(Visa)

oder einer Übernahmeerklärung des Bundesministeriums des Innern aufgenommen wurden.

Aufgenommen!

Wir wurden aufgenommen!

Aufgenommen!

Auserwählt!

Ja, wir sind auserwählt.

Auserwählt Deutsche zu werden.

Deutsche zu sein!

Hurra!

Aber nur im Kontingent.

Natürlich.

Muss ja alles seine Ordnung haben.

§ 23 des Gesetz über Maßnahmen für im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen aufgenommene Flüchtlinge. Absatz Eins:

Die oberste Landesbehörde kann aus völkerrechtlichen oder humanitären Gründen oder zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland anordnen, dass Ausländern aus bestimmten Staaten oder in sonstiger Weise bestimmten Ausländergruppen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird.

Politische Interessen?

Bestimmte Ausländergruppen?

Еврей!

Was?

Wie sind Еврейство!

Na, wenn das kein Grund ist.

Grund?

Politisches Interesse! Deutschland braucht mehr Еврейство.

Aber nicht zu viele.

Nicht zu viele!

Nur ein Kontingent.

Klar, ein Kontingent.

Etwas mehr.

Etwas weniger.

Um das Loch zu stopfen.

Das Loch.

Das Loch in der Geschichte.

Da wo andere Völker ein warmes Gefühl haben, da haben wir Deutsche unser Loch in der Geschichte.

Wir Deutsche.

Wir sind Kontingentflüchtlinge.

Vor über zwanzig Jahren erkannte Deutschland, dass es zu wenig Juden hatte.

Warum?

Egal.

Wo waren die Juden hin?

Das würde jetzt nur Verwirrung stiften.

Jedenfalls durften Juden aus der ehemaligen Sowjetunion jetzt nach Deutschland einreisen und Deutsche werden.

Einfach so?

Einfach so!

Warum?

Weil wir Juden sind.

Ach so.

Sag nicht Juden.

Was?

Sag jüdische Bürger!

Weil wird jüdische Bürger sind.

Sag nicht jüdische Bürger. Sag jüdischen Mitbürger!

Weil wir jüdischen Mitbürger sind.

Nein. Mitbürger jüdischen Glaubens!

Weil wir Mitbürger jüdischen Glaubens sind.

Ich hab’s. Sag: Mitbürger mit jüdischem Migrationshintergrund.

Weil wir Mitbürger mit jüdischem Migrationshintergrund sind.

Sehr gut.

Danke.

Wir waren gefragt.

Wir waren erwünscht.

Wir wurden geholt.

Viele mit dem Zug!

Irgendwo in Deutschland organisierten ein paar Bürokraten den Rückzug der Juden.

Sag nicht Juden.

Mitmigranten mit bürgerlichem Judenhintergrund.

Per Zug.

Die Gnade der späten Geburt.

Wir kamen erst mal in ein Lager.

Quatsch.

Doch klar.

Ach komm schon, das war doch kein Lager.

Natürlich war es kein Lager Lager, aber es war ein Lager.

Ein super Lager.

Die haben uns sogar Weihnachtsbäume geliefert.

Stimmt. Im Lager gab es Weihnachten!

Und ein REWE.

Genau, in unserem Lager gab es ein REWE!

Es war übrigens damals der REWE mit dem größten Umsatz pro Quadratmeter in ganz Deutschland.

Der REWE war nämlich der einzige Laden im Lager.

Der einzige Laden im Lager.

Klingt wie ein Lied.

Notier das mal.

Der einzige Laden in Lager.

Sehr klein.

Alle Flüchtlinge kauften da ein.

Mit den 400 Mark.

Ja, erinnere mich, die 400 Mark!

In Deutschland bekamen wir 400 Mark, jeden Monat, einfach so. Fürs nichts tun.

Fürs da sein.

Fürs pure da sein.

400 Mark für den einzigen Laden im Lager.

Und wir mussten nichts dafür tun.

Nur Fegen.

Einmal die Woche.

Freitags.

Freitags mussten sich alle Männer des Lagers auf dem Hauptplatz versammeln und fegen.

Ich wollte da auch immer mitmachen. Ich fand das nämlich immer so toll. Das Gemeinschaftsgefühl. Im Lager.

Es gab 400 Mark!

Das war so viel Geld, wie mein Vater in einem Jahr in der Ukraine verdiente!

Meine Mutter hat uns davon sofort Yoghurts gekauft.

Für jeden einen!

Stimmt, in der Ukraine hatten wir immer nur einen Yoghurt und den mussten wir uns teilen. Jetzt hatten wir alle einen Yoghurt. Einen Yoghurt für uns allein. Das war Deutschland!

Einmal hat mein Cousin sogar 500 Mark auf der Straße gefunden. Es war Osterm. Wir spielten verstecken. Verstecken im Lager. Auf einmal kam mein Cousin mit 500 Mark aus dem Versteck gerannt und rief: Смотри, что я нашел! Er hatte 500 Mark gefunden. Einfach so. Auf der Straße. Wir haben uns natürlich gleich gefragt, warum in Deutschland 500 Mark auf der Straße lagen. Vielleicht war es ja ein Brauch in Deutschland, zu Ostern Geld auf die Straßen zu werfen. Oder das Geld war vergiftet.

Wir waren schließlich in Deutschland.

Oder es war ein Test. Die Deutschen wollten wissen, ob wir Juden das Geld zurückgeben.

Wir haben also gleich einen Zettel geschrieben und ihn an den einigen Laden im Lager geheftet:

500 Mark gefunden! Wem es gehört, soll zu uns in die Wohnung kommen.

Wohnung?

Was?

Zimmer!

Gut. Zimmer.

Im Lager gab es keine Wohnungen.

Hey, Hey, Hey!

Was?

Jetzt sag nicht dauernd Lager.

Warum nicht.

Das stimmt doch nicht.

Doch!

Nein, so war doch nicht.

Wie denn sonst?

Du willst mir sagen, in Deutschland wurden Juden in ein Lager …

Sag nicht Juden.

Da wurden Mitjüdische Hintergrundsbürger in ein Lager gebracht und dann konnte dort ein deutscher Bürgermeister anrufen und Juden bestellen.

Sag nicht Juden.

Halt die Fresse.

Opfer!

Also in Deutschland konnte man Juden bestellen.

Vermutlich.

Wie muss ich mir das vorstellen?

Keine Ahnung.

Ich schlage vor, wir spielen das einfach mal nach.

Was?

Ja! Du spielst einfach einen Bürgermeister von irgendeiner deutscher Stadt.

Ich?

Ja! Und ich bin Esther die Lagerleiterin.

Lagerleiterin?

Was weiß ich, wie die Leute da hießen. Also, ich bin die Lagerleiterin. Esther, die Lagerleiterin. Wollte ich immer schon mal sein. Also Du rufst mich jetzt an.

Wählscheibe? Ist das Dein Ernst?

Ja, Tschuldigung. Das Wort Lager hat mich so melancholisch gemacht.

Ring Ring.

Unna Massen Lager, wie kann ich helfen?

Unna Massenlager?

Nein nicht Massenlager. Unna Massen Lager.

Unna Massenlager?

Ja, in Unna gibt es einen Stadtteil der heißt Massen und da war das Lager. Unna Massen Lager. Wie kann ich helfen?

Ja, hier spricht der Bürgermeister von Wanne Eickel.

Wie kann ich Ihnen helfen Herr Bürgermeister.

Ja, ähm, das ist mir jetzt ein bißchen unangenehm.

Ihnen muss nichts unangenehm sein.

Danke.

Bitte. Also, wie kann ich helfen?

Ja, ähm, wir … Wir haben zu wenige junnnnnn.

Wie Bitte?

Wir haben zu wenige junnnn.

Ich kann Sie nicht verstehen.

Judn.

Bitte?

JUDEN! Wir haben zu wenige JUDEN!

Ach so, Juden.

Ja.

Das tut mir leid.

Mir auch.

Blöd.

Sie sagen es.

Wie konnte das denn geschehen?

Ich will jetzt nicht darüber sprechen.

Und wie kann ich ihnen helfen?

Ich wollte fragen, ob sie vielleicht ein Dutzend hätten?

Ein Dutzend?

Ja?

Ich schau mal nach.

Danke.

Sie haben Glück.

Ja?

Ja! Wir haben noch ein Dutzend.

Das ist ja wunderbar!

Wann kommen Sie sie abholen?

Abholen?

Ja.

Ich muss sie auch noch abholen?

Wie denn sonst?

Können Sie sie nicht schicken?

Schicken?

Ja, mit dem Zug! Ich zahle auch.

Das geht natürlich auch.

Wunderbar. Dann haben wir ja alles.

Ja, dann haben wir alles.

Also gut. Auf Wiederhören.

Ja. Auf Wiederhören.

Und, äh, Schalom!

Shalom.

Wolfgang, die Juden kommen!

So war das ist Deutschland?

Wie denn sonst?

Da rief ein Bürgermeister im Lager an und bestellte Juden?

Vermutlich.

Woher wusste eine Stadt, wie viele Juden sie brauchten? Gab es da eine Formel? Eine Judenformel.

Vermutlich haben sie einen Prozentsatz errechnet.

Oder geschaut wie viele Juden sich eine Stadt leisten konnte, wegen Sozialhilfe und so.

Und eine Stadt, die besonders viel auf sich hielt, hat sie viele oder wenige Juden bestellt.

Natürlich viel!

Vielleicht hat eine Stadt aber auch gegengerechnet.

Gegengerechnet?

Ja, man hat geschaut wie viele Nazis in der Stadt sind und dann hat man …

Nein! Nein! Nein! So war es bestimmt nicht.

Also bei uns war das so: Meine Eltern wollten unbedingt nach Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen?

Ja, das war bei vieler Familie ein Synonym für den Garten Eden. Gelsenkirchen! Aber nach Gelsenkirchen konnten sie uns nicht lassen. Gelsenkirchen war schon voll.

Voll?

Ja. Voll. Kontingent erschöpft.

Mit anderen Worten: Judenvoll.

Kann man so sagen.

Woran hat man erkannt, dass eine Stadt judenvoll ist?

Keine Ahnung.

Bekam die Stadt dann ein Schild? „Diese Stadt ist judenvoll!“

Vermutlich. „Gelsenkirchen. Judenvoll seit 1993!“

20130226-225422.jpg (Fotos von Antonio Ruiz Tamayo)

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Walters Monolog

Tapfer im Nirgendwo präsentiert einen Ausschnitt aus dem Stück „Aber nur im Kontingent“ von Gerd Buurmann, das am 20. Januar 2013 in der Synagoge an der Roonstraße in Köln Uraufführung hatte. Es ist der Monolog von Walter. In der Uraufführung gespielt von Walter Solon.

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Ich bin ganz bewusst nach Deutschland gekommen.

Ich komme aus Brasilien. Sao Paolo. Die Stadt ist noch katholischer als Köln.

Mein Urgroßvater ist damals nach Brasilien ausgewandert.

Ausgewandert. Wie das klingt. Er ist geflüchtet. Vor den Nazis.

Mein Vater hat mir immer erzählt, jedes mal, wenn Opa Rudi im Fernsehen bei der Fussball-WM die Deutschlandhymne hörte, hat er geweint. Vor Heimweh. Das hab ich nie verstanden. Heimweh nach Deutschland?

Ich bin also selbst hier hergekommen. Nach Deutschland. Ich muss gestehen, ich habe so eine Art Geisterbahn erwartet. Geisterbahn Deutschland. Hinter jedem Baum steckt ein Nazi. Buh! Aber da waren keine Nazis hinter den Bäumen. Es war fast ein bisschen enttäuschend. Da war ich in Deutschland und nirgendwo ein Nazi.

Aber dann, nach Monaten, traf ich doch einen Nazi. Es war mein Vermieter. Er kam in meine Wohnung, um mir Geld zu geben. Ich hatte aus Versehen eine Monatsmiete doppelt überwiesen. Er kam in meine Wohnung und da sah er auf meinem Tisch ein Buch über den Holocaust. Er fragte, warum ich so ein Buch lese und ich weiß nicht, warum ich dann gesagt habe, was ich sagte, aber ich antwortete: Weil ich Jude bin. Er sah mich an. Echt? Ja, sagte ich. Ich bin Jude!

Dann war es kurz ganz still.

Aber dann ging es los. Ein wahrer Monolog brach aus ihm heraus. Dass sich die Juden in Israel wie Sau Benehmen würden, dass die Juden in Amerika zu viel Einfluss hätten, dass sie am September Elf Schuld seien und immer nur ans Geld denken würden. Er könne es nicht mehr hören, immer und überall, von der Schule bis zu den Nachrichten, immer nur Auschwitz, Auschwitz, Auschwitz. Irgendwann sei auch mal gut damit, sagte er. Man könne als Deutscher nirgendwo mehr hin, ohne als Nazi beschimpft zu werden. Das sei auch Völkermord, sagte er, seelischer Völkermord. Er glaube manchmal, die Juden seien sogar froh über die Nazis. Da hätten sie jetzt die Keule, um die ganze Welt unter ihre Fuchtel zu kriegen. Israel wolle doch nur das deutsche Geld. Entschädigung, Entschädigung, Entschädigung, zischelte er und dabei hielt er die Hand auf und spielte einen Juden, so wie man ihn aus der Nazipropaganda kennt.

Ich saß da und hörte zu. Als er fertig war, gab er mir das Geld. Es war wie in einem Puff. Ich sah ihm nur in die Augen und sagte: „Juden zahlen eben nicht doppelt.“

Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe. Es kam einfach so aus mir heraus. Ich war schockiert. Ich hatte mir einen Nazi in Deutschland ganz anders vorgestellt. Nicht so. Er war ein ganz normaler Mann. Mein Vermieter. Mein Nachbar. Ein Nazi.

Das komische daran ist, dass ich vermutlich der erste Jude war, mit dem er je gesprochen hatte. Er hatte seinen ganzen Monolog Jahre lang in sich hineingefressen. Er war sein ganzes Leben auf der Suche nach einem Juden gewesen und ich war auf der Suche nach einem Nazi. Wir haben uns schließlich gefunden. In einem Mietshaus in Deutschland.

Allerdings war es für ihn weitaus befriedigender als für mich. Glaube ich.

Stellen Sie sich vor, sie sperren einen Mann die ersten fünfzig Jahre seines Lebens in einen Turm mit Pornoheften ein und lassen dann nach fünfzig Jahren die erste Frau auf ihn los. Es wird bestimmt nichts gutes dabei herauskommen. Jedenfalls nicht für die Frau.

So kann man wohl mein Gefühl beschreiben an dem Tag, an dem ich mich in Deutschland das erste Mal als Jude gefühlt habe.

***
(Bild: Antonio Ruiz Tamayo)

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#purim

Es ist Purim!

Purim ist ein jüdisches Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung in der persischen Diaspora erinnert. Nach dem Buch Ester versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, alle Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Ester, die Frau des Königs und Jüdin legt daraufhin ein Wort bei ihrem Mann und König ein. Als der König erkannte, dass auch seine Frau der Vernichtung aller Juden zum Opfer fallen würde, ließ er Haman hängen. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Jetzt beginnt erst der für mich wichtige Teil.

Königin Ester bittet den König, den Aufruf Hamans zur Vernichtung der Juden rückgängig zu machen, aber der König sagt ihr, dass das nicht in seiner Macht läge, „denn die Schriften, die in des Königs Namen geschrieben und mit des Königs Ring versiegelt wurden, durfte niemand widerrufen.“ (Ester 8,8) Daraufhin bittet Ester den König, wenn er schon den ausgerufenen Hass rückgängig machen könne, er zumindest das Recht aller Juden ausrufen kann, sich zu verteidigen. „Und es war geschrieben in des Königs Ahasveros Namen und mit des Königs Ring versiegelt. Und er sandte die Briefe durch die reitenden Boten auf jungen Maultieren, darin der König den Juden Macht gab, in welchen Städten sie auch waren, sich zu versammeln und zu stehen für ihr Leben“. (Ester 8, 10-11)

Dies ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Erkenntnisse im Buch Ester: Judenhass, der in die Welt gesetzt wurde, kann nicht einfach so wieder abgeschafft werden, nicht einmal von einem König. Wer Judenhass erst einmal gesät hat, kann dies nicht wieder ungeschehen machen. Es gibt ein schönes Gleichnis, dass den Schaden, der durch Worte des Hasses verursacht werden kann, gut auf den Punkt bringt:

„Ein Mann hatte schlecht über einen anderen gesprochen. Er ging zum Rabbi und fragte ihn, wie er das wieder gut machen könne. Der Rabbi trug ihm auf, ein Federkissen zu besorgen und herzubringen. Das tat der Mann und der Rabbi gab ihm den Auftrag, das Kissen aufzuschneiden und die Federn aus dem Fenster zu schütteln. Als der Mann damit fertig war, stellte sich der Rabbi neben ihn und sah eine Weile zu, wie die Federn vom Wind über die ganze Stadt verteilt wurden. Dann sagte er zu dem Mann: „So, und nun fange damit an alle Federn wieder einzusammeln.“

Nun können Juden nicht darauf hoffen, dass geläuterte Judenhasser alle Federn des Hasses, die sie zerstreut haben auch tatsächlich wieder einsammeln. Daher muss das Recht auf Verteidigung selbstverständlich sein.

Ich muss beim diesjährigen Purim-Fest an Jakob Augstein denken. Natürlich ist Jakob Augstein kein Haman, aber von ihm sind in der letzten Zeit die schlimmsten journalistischen antisemitischen Äusserungen der deutschsprachigen Presse gekommen. Laut Augstein hat Jerusalem die Macht, den Willen in Berlin zu beugen, bekommt Israel alles was es will, ohne dafür zahlen zu müssen, beherrschen Juden die amerikanische Politik und hält Netanjahu die Welt am Gängelband. Jakob Augstein traut Juden in Israel sogar zu, für den Film „The Innocence of Muslims“ verantwortlich zu sein. Mit anderen Worten:

Jakob Augstein propagiert eine jüdische Weltverschwörung!

Was Jakob Augstein mit all seinen Aussagen angerichtet hat, kann nur mit Schrecken erahnt werden. Seine sogenannte „Israelkritik“ hat mehrfach die Grenze zum Antisemitismus überschritten. Es ist somit verständlich, das sich Juden gegen diese Dämonisierung Israels gewehrt haben. Das Simon Wiesenthal Center erklärte Jakob Augsteins Aussagen zu den schlimmsten antisemitischen Verunglimpfungen des Jahres 2012. Nun hätte sich das Feuilleton in Deutschland durch diese Entscheidung natürlich fragen können, ob es mit der sehr einseitig gegen Israel gerichteten Berichterstattung zu weit gegangen ist, aber das Feuilleton in Deutschland handelte nicht wie Ahasveros. Im Gegenteil: Mehrheitlich wurde der Glaube Augsteins an die jüdische Weltverschwörung als nicht antisemitisch bezeichnet.

In einem Land, in dem ein anzüglicher Kommentar an einer Bar eine regelrechte Sexismus-Debatte ausgelöst hat, wurden die Äußerungen von Jakob Augstein aufs schamloseste verharmlost.

Tapfer im Nirgendwo lädt daher alle Leserinnen und Leser ein, von der Kapagne #aufschrei zu lernen. Damit die Mehrheitsgesellschaft einmal ein Gefühl für den vorhandenen und den Alltag durchdringenden Antisemitismus bekommt, lade ich alle Leserinnen und Leser ein, über antisemitische Erlebnisse zu berichten und diese Erlebnisse mit einem Hashtag zu versehen. Ich schlage vor: #purim

Ich warne aber jetzt schon vor dem Ergebnis, denn es kann besonders die linken Israelkritiker verschrecken, schließlich wurde die erste nach 1949 durch einen Deutschen vorgenommene Selektionen von Juden durch einen linken Terroristen vorgenommen: Wilfried Böse. Auch der deutlich größte Teil aller Morde an Juden nach 1949 unter Mithilfe deutscher Terroristen gehen auf das Konto von Linksextremisten. Am 9. November 1969 wurde sogar versucht, die Reichsprogromnacht durch einen Brandanschlag auf ein jüdisches Gemeindehaus zu „feiern“. Auch hier kamen die Täter aus dem linken Spektrum.

Es wird also Zeit, dass sich gerade die linken „Israelkritiker“ einmal die Frage stellen, was sie mit ihren als Kritik getarnten Ressentiments bereits alles angerichtet haben.

Heute ist Purim. Ein guter Tag, sich gegen Antisemitismus zu wehren!

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Es wird immer widerlicher

George Galloway ist britischer Politiker, Mitglied des Parlaments von Westminster und ein offener Rassist. In einer Debatte an der Universität Oxford, die von Mahmood Naji organisiert wurde, verließ Galloway den Raum, als er bemerkte, dass ein Redner Israeli ist. Als Eylon Aslan-Levy das Wort „Wir“ in Bezug auf Israel benutzte, fragte Galloway: „Sie haben wir gesagt. Sind Sie Israeli?“ Als Aslan-Levy dies bejahte, verließ Galloway den Raum und sagte, er rede nicht mit Israelis, da er das Land Israel nicht anerkenne.

Wie nennt man nochmal jemanden, der mit einem Menschen nur wegen seiner Herkunft nicht reden will? Ach ja: Rassist!

George Galloway hat klar gemacht, dass er nicht bereit ist, mit einem Israeli zu sprechen, weil er die Existenz des israelischen Volkes nicht anerkennt. Er kritisiert nicht die israelische Politik, sondern die Existenz von Israelis! Das ist blanker, purer Antisemitismus mit Vernichtungsgedanken. Es wird immer widerlicher. Übrigens, die Partei in der Galloway ist heißt „Respect Party“. So sieht also Galloway’scher Respekt aus. Eylon Aslan-Levy sagt zu der ganzen Angelegenheit:

“Ich bin bestürzt darüber, dass ein MP aus einer Debatte mit mir stürmt, mit keinem anderen Grund als meiner Herkunft. Sich zu weigern, mit jemandem nur wegen seiner Nationalität zu sprechen, ist purer Rassismus und völlig inakzeptabel für einen Abgeordneten.”

Ich bin nicht bestürzt. Das Wort ist viel zu klein für meine Gefühle. Ich bin entsetzt! Wieder ist es soweit gekommen, dass Judenhass einen Weg in die Gesellschaft gefunden hat. Unter den Nazis wurden in Europa Juden boykottierte, weil sie jüdische Eltern hatten; heute werden Juden boykottiert, weil sie aus Israel kommen. Mit Sicherheit würde es Galloway nie in den Sinn kommen, einen Raum zu verlassen, weil ein arabischer oder palästinensischer Israeli im Raum ist. Es muss schon ein jüdischer Israeli sein. Das ist eben der Judenhass von heute!

Und die Zuschauer im Raum lachen. Sie wirken so hilflos wie ihre Vorfahren vor 70 Jahren, als sich der Judenhass das letzte Mal so offen in Europa zeigte. Damals lautete ein Wort der britischen Politik Appeasement. Damit sollten die Nationalsozialisten beschwichtigt werden. Heute lautet der Begriff BDS. Damit sollen die Nationalislamisten ruhig gestellt werden.

Wir uns aber nichts vormachen. Nazis lassen sich nicht beschwichtigen. Egal ob es Nationalsozialisten oder Nationalislamisten sind. Das Ziel der Nazis ist die Vernichtung. Die Nazis vor 70 Jahren wollten das jüdische Volk vernichten und die Nazis von heute das israelische Volk.

Die Gründungscharta der Hamas fordert die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes (Artikel 7) und die Zerstörung Israels (Artikel 13). Minister der Hamas rufen zur Vernichtung aller Juden auf, die sie öffentlich, auf Plätzen, in Moscheen und im Fernsehen, als Ungeziefer und Bakterien bezeichnen, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören. Das ist die Apartheid, die George Galloway unterstützt!

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