Die Amis haben keine Kultur!

Als ich die Super Bowl Begegnung des Jahres 2020 zwischen den San Francisco 49ers und den Kansas City Chiefs schaute, dachte ich lange Zeit, Kansas City läge in Kansas. Das stimmt zwar, denn Kansas City ist die drittgrößte Stadt in Kansas, allerdings gehören die Kansas City Chiefs weder zu Kansas City in Kansas, noch zu Kansas City in Oregon oder Kansas City in Tennessee, sondern zu der größten Stadt in Missouri, die sich genau an der Grenze zu Kansas befindet, nämlich Kansas City.

Im Norden Missouris befindet sich Iowa. Dort fand ein Tag nach dem Super Bowl Spiel, das die Chiefs mit 20:31 für sich entschieden, eine wichtige Vorwahl der Demokraten zur Präsidentschaftswahl statt. Als das ZDF Nachrichtenmagazin heute darüber berichtete, wurde folgende Karte eingeblendet.

Bei dem gelb unterlegten Staat handelt es sich nicht um Iowa, sondern um Colorado. Rechts davon ist Kansas und rechts davon Missouri. Über Missouri wiederum ist Iowa und somit richtig weit weg von Colorado, was das ZDF jedoch zu Iowa erklärte.

„Die Amis haben keine Kultur. Sie wissen noch nicht einmal wo Belgien liegt!“

Haben Sie diesen oder einen ähnlichen Ausspruch schon mal gehört? Bestimmt, denn er hat überall in Deutschland Konjunktur, dabei ist er nichts weiter als ein arrogantes Vorurteil.

Die Vereinigten Staten von Amerika haben mehr Medizinnobelpreisträger hervorgebracht als alle anderen Länder der Welt zusammen. Kein Land hat mehr Physiknobelpreisträger hervorgebracht als die USA und das Land hat sogar doppelt so viele Wirtschaftsnobelpreisträger als alle anderen Länder der Welt zusammen. Auch bei dem Friedensnobelpreis liegt die USA auf Platz 1. Nur bei dem Literaturnobelpreis befinden sich die USA hinter Frankreich und dem Vereinigten Königreich auf Platz 3. Wenigstens etwas. Die USA an der Spitze aller Rubriken, das könnte Europa nun wirklich nicht ertragen, denn schließlich sind die USA ja ohne Kultur und Bildung.

Je älter ich werde, je mehr staune ich über die menschliche Virtuosität im Erträumen, Erdichten und freien Erfinden von Zuständen und Verhältnissen, die nicht existieren. Ich staune über die unverfrorene Dreistigkeit im Ableugnen und Hinwegsehen, Tatsachen gegenüber, die offen vor aller Welt liegen. Dass die USA keine Kultur haben, gehört zu den Erlogenheiten, die überall in Deutschland Kurs haben. Und doch bedarf es hier nicht einmal eines tieferen Nachdenkens, ein flüchtiges Hineinblicken in unsere Gesellschaft genügt, um zu erkennen, dass im Großen und Ganzen die USA unsere Kultur beflügeln und bestimmen. Unsere Kinos werden von amerikanischen Filme bestimmt, in unserem Fernsehen sind amerikanische Serien die größten Erfolge und amerikanische Musik bestimmt unsere Moden und unser Trends. Ob Stand Up, Poetry Slam oder Open Mike, so gut wie jede deutsche Dichterin und jeder deutsche Denker, wurde von den USA beeinflusst und spricht die Sprache, in der die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika geschrieben wurde.

„Die Amis wissen nicht einmal, was die Hauptstadt von Dänemark ist oder wie der Präsident von Frankreich heißt.“

Mal ganz angesehen davon, dass ich nicht einmal mit Sicherheit sagen kann, ob die meisten Deutschen diese beiden Fragen beantworten können, offenbart diese Aussage nur die eigene Selbstherrlichkeit. Warum soll ein Amerikaner mit afrikanischer Herkunft die Hauptstadt von Deutschland kennen? Wissen denn die meisten Europäer, wie die Hauptstädte der Elfenbeinküste, Togo oder Nigeria heißen? Warum muss ein Amerikaner mit asiatischer Herkunft wissen, wie die deutsche Kanzlerin heißt? Kann denn jeder Deutsche den Namen des chinesischen Staatsoberhaupts nennen?

Die USA sind das kulturell vielfältigste Land der Welt. Nirgendwo sonst auf der Welt kommen die Menschen aller Kulturen so selbstverständlich zusammen und schaffen gemeinsam diese atemberaubende Multikultur, die zum Vorbild aller Kunstschaffenden weltweit wurde. Im 20. Jahrhundert revolutionierten die USA die Kultur mit Jazz, Blues und HipHop, mit Hollywood und Pop Art.

Die besten Universitäten der Welt liegen, nimmt man nun die Ergebnisse des QS World University Rankings oder des Shanghai Rankings, in den USA. Deutschland ist im oberen Bereich dieser Hochschulrankings gar nicht vertreten.

Wenn jemand in Europa sagt, die Amerikaner hätten keine Bildung, dann kritisiert er damit in Wirklichkeit nur jene Amerikaner, die die Frechheit besitzen, Europa nicht für den Mittelpunkt der Welt zu halten. Das aber ist pure Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit. Interessanterweise sind Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit genau die Eigenschaften, die den Amerikanern gerne von europäischer Seite attestiert werden.

Zwei Weltkriege erschütterten Europa. Sie konnten erst durch das Eingreifen Amerikas beendet werden. Deutschland stürzte die Welt im Zweiten Weltkrieg in eine bis dahin ungeahnte Katastrophe. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es Amerikaner, die Deutschen in sogenannten Amerika-Häusern Demokratie beibrachten. Wenn man all das weiß, wirkt die deutsche Arroganz gegenüber den USA mehr als nur befremdlich.

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Das ist nicht okay, Jan!

Ich bin dafür, dass jemand, der unter 50 Jahre alt ist und dessen beide Eltern nicht in Deutschland geboren worden sind, die nächste deutsche Bundeskanzlerin wird.

Das schrieb Jan Böhmermann auf Twitter. Unter dem Tweet sammelten sich schnell die verschiedensten Kommentare. Manche schlugen sogar ein paar Kandidatinnen vor. Benedikt Brechtken zum Beispiel schlug Ivanka Trump vor und zeigte damit auf ironische Weise, dass am Ende nicht Geschlecht und Herkunft über den Charakten eines Menschen entscheiden, sondern Worte und Taten.

Benedikt Brechtken ist Vorsitzender der Jungen Liberalen für den Kreis Recklinghausen. Er ist ein Verfechter liberaler Werte und erklärter Gegner aller rassistischen und sexistischen Diskurse. Neben Brechtgen kommentierten auch Menschen den Tweet von Jan Böhmermann, die nicht die Werte von dem jungem Liberalen teilen. Einer davon heißt Martin Sellner. Er ist Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich.

Sellner und Brechtken sind ideologisch meilenweit voneinander entfernt. Jan Böhmermann aber schrieb auf Twitter:

Es dauert im Netz knapp 12 Stunden, bis rechtsextreme Empörungstrigger von der FDP Recklinghausen bis zu den Kernfaschos der Identitären Bewegung durchgereicht werden. Wie schnell, anonym und einfach läuft es andersherum? Und wie oft ist das in den letzten 5 Jahren geschehen?

Jan Böhmermann brachte einen jungen Mann, der für liberale und demokratische Werte streitet, in schädigender Weise mit einer rechtsextremen Ideologie in Verbindung und insinuierte so eine ideologische Verbindung.

Benedikt Brechtken spricht sich auf Twitter offen gegen rechtsextreme Tendenzen aus und kämpft gegen antisemitische Strukturen in der deutschen Politik. Ausgerechnet diesem jungem Politiker unterstellt Jan Böhmermann eine politische Nähe zu einem, wie er sagt „Kernfascho“.

Das ist nicht okay, Jan!

In der Politik geht es um Macht. Die Frage nach dem Umgang mit Macht ist daher ein notwendiges moralisches Thema für jeden politischen Menschen. Mediale Reichweite ist Macht. Je mehr Reichweite ein Mensch hat, umso mächtiger ist er. Wer die Macht hat, Teil des Sprachrohrs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu sein, bekommt dadurch extrem viel Reichweite.

Durch das ZDF hält Jan Böhmermann ein Megaphon in der Hand, dem er den größten Teil seiner über zwei Millionen Follower auf Twitter verdankt. Wer so eine Macht inne hat, kann damit anderen Menschen empfindlich schaden. Diese Macht zu missbrauchen, ist für Menschen, die etwas in der Gesellschaft bewegen oder verändern wollen, so verführerisch wie unmoralisch.

Jan Böhmermann hat diese Macht missbraucht und einen jungen Politiker, der sich gegen Hass und Hetze stellt, in ein schädigendes Spottlicht gestellt, auf das über zwei Millionen Menschen blicken.

Ich spüre, dass Jan Böhmermann ein Mann ist, dem Anstand und Fairness viel bedeuten. Darum gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass er sein Megaphon nutzt, um seinen Missbrauch wiedergutzumachen und vor allem, um öffentlich bei Benedikt Brechtken um Entschuldigung zu bitten.

Sollte ich mit meinem Gespür daneben liegen, sollte das ZDF darüber nachdenken, dem Jan das Megaphon wegzunehmen.

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Die brennende Lunte ans Pulverfass

Wer den Eindruck erweckt, die #Palästinenser müssten auf ihre heiligen Stätten in #Jerusalem verzichten, der legt die brennende Lunte ans Pulverfass“ – Die Meinung von @ARDSusanneGlass zum Nahost-Plan von US-Präsident #Trump. (red) #Israel

Das sind die Worte von Susanne Glass in einem Kommentar für die Tagesthemen.

Donnerwetter, Palästina wird in einem ARD-Kommentar zu einer Religion erklärt, die heilige Stätte hat. Es wird immer doller.

Palästina ist keine Religion. Palästina ist lediglich eine Gebietsbeschreibung. Palästinenser können Muslime, Christen, Juden, Atheisten und vieles mehr sein. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war „Palästinenser“ sogar ein Synonym für Jude. Palästinensische Juden gibt es schon in der Antike, zu einer Zeit also, als es noch keinen Islam und noch kein Christentum gab.

Der Begriff Palästina ist auch keine Volksbeschreibung. Es gibt keine palästinensische Sprache, keine unabhängige palästinensische Kultur, aber dafür eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die durch den Umstand vereint werden, dass sie in einem Gebiet leben, das einst von den Römern Palästina genannt wurde, nachdem sie die Juden besiegt hatten.

Die Römer wollten mit dem Begriff Palästina jede Beziehung der Juden zu dem Land verwischen. Deshalb zerstörten die Römer auch den jüdischen Tempel.

Der Tempelberg ist die heiligste Stätte der Juden. Heute wird genau diese Stätte von Muslimen bewacht. Das ist in etwa so, als würde Mekka von Christen und der Vatikan von Juden überwacht.

Der Tempelberg wird von der sogenannten Frommen Stiftung des Islams (Waqf) kontrolliert. Der Zugang zum Tempelberg ist über die Tore an der Nord- und Westseite der Anlage möglich. Allerdings ist der Zutritt dort nur Muslimen erlaubt. Andersgläubigen ist der Zutritt nur von Samstag bis Donnerstag über das Marokkanertor bei der Klagemauer erlaubt. Das Betreten ist dort nur nach scharfen Sicherheitskontrollen außerhalb der Gebetszeiten möglich. Juden werden, wenn überhaupt, nur in kleinen Gruppen und oft mit Aufsicht eingelassen.

Der Felsendom darf nur von Muslimen betreten werden! Verboten sind zudem das Mitbringen von Büchern und Kultgegenständen und das Abhalten von Gebeten anderer Religionen. Wenn Juden den Tempelberg betreten, werden sie nicht selten bedroht.

Auch Christen können auf dem Tempelberg Probleme kriegen.

Ich habe nach einem Kommentar von Susanne Glass gesucht, wo sie kritisiert, dass Juden auf ihre heilige Stätte verzichten müssen. Ich habe einen solchen Kommentar nicht gefunden.

Dafür kritisiert Susanne Glass ausgiebig Israel. In wortgewandten Ausführungen gibt sie Israel die Schuld am Konflikt und verliert kein einziges Wort zu dem Judenhass auf Seiten der Fatah und der Hamas. Die Gründungscharta der Hamas zum Beispiel verlangt die vollständige Vernichtung des gesamten jüdischen Volkes, sowie die Zerstörung des Staates Israels. Am 9. Oktober 2015 erklärte der Kleriker Muhammed Salah „Abu Rajab“ in der Al-Abrar Moschee in Rafah im Süden des Gazastreifens:

„Stecht die Juden ab! Wir werden sie allesamt abstechen und abschlachten!“

Der stellvertretende Minister für religiöse Stiftungen der Hamas, Abdallah Jarbu, erklärt:

„Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk.“

Mahmud Abbas von der Fatah sagte einst:

„In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“

Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah sprach Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie”ernannt hat, folgende Worte in die jubelnde Menge:

„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Im Jahr 2015 bezeichnete Abbas den Mord an einem israelischen Ehepaar durch palästinensische Terroristen als „heldenhaft“. Nicht wenige Judenmörder und deren Familien bekommen von Abbas‘ Fatah stattliche Renten für ihre terroristischen Bluttaten.

Am 1. Mai 2018 hielt Abbas vor dem Palästinensischen Nationalrat eine judenfeindliche Rede, in der er den Juden die Schuld am Holocaust gab. Er erklärte, die Vergasung der Juden sei eine Reaktion auf das „soziale Verhalten“ der Juden gewesen. Dazu zählte er unter anderem das Verleihen von Geld.

Hätte Susanne Glass nicht wenigstens irgendetwas zu diesem Hass und Terror sagen müssen, statt ausnahmslos Israel und die USA zu kritisieren? Susanne Glass schwieg zu all dem Hass gegen Israel und Juden, dabei hatte sie noch zwei Tage vorher folgendes geschrieben:

Die Begegnung mit #Holocaust -Überlebenden gehört auch für mich zu den bewegendsten Momenten. Aber wie die Erinnerung aufrecht erhalten, wenn diese Menschen nicht mehr selbst erzählen und vor der Wiederholung des Schreckens warnen können? Überlegungen heute im @Weltspiegel_ARD

Der Holocaust wurde möglich, weil viel zu viele Menschen zu dem mörderischen Hass gegen Juden geschwiegen und oft ausnahmslos Juden die Schuld zugeschoben hatten. Nichts anderes hat Susanne Glass mit ihren Kommentar vom 28. Januar 2020 gemacht. Mit ihrem Schweigen, ihrer einseitigen Schuldzuweisung und ihrer Kritik an Israel, sich gegen die Vernichtung zu wehren, legte sie selbst die brennende Lunte ans Pulverfass.

Fast beschleicht mich die Angst, hier wird von der ARD an zukünftige Überlebende gearbeitet, die dann für bewegende Momente sorgen können.

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How dare Israel!

Sabine Müller of the Hessian public broadcasting system is deeply disappointed about how Israel recently commemorated the Holocaust.

In a commentary for German national public broadcasting, Sabine Müller wrote: „It certainly wasn’t Federal President Steinmeier’s fault when the commemoration day in Yad Vashem was overshadowed by the selfish performances of Israel and Russia. It was a missed opportunity in the fight against antisemitism.“

Sabine Müller is „sad“ that it didn’t „work out“ in Jerusalem to present a „worthy commemoration“, and is certain that any „failure“ had nothing to do with the Germans. When Germany does things, it’s done efficiently: „Yes, many things were worthy and convincing, as apparent in German President Frank-Walter Steinmeier’s contribution.”

Yes, the Germans know how to get things right. The German spirit shall heal the world. Regarding Germany’s contribution, Sabine Müller says: „That was right and just.“

Israel, however, behaved disgracefully, according to Ms. Müller: „It was disgraceful how Israel and Russia hijacked this solemn day of remembrance. They made a private party of it, so to speak.“

At least, Benjamin Netanyahu “pulled through at the commemoration ceremony in Yad Vashem without tripping“. But in the end, for Ms. Müller, this day of remembrance was „unfortunately a missed opportunity”.

Who is this Frau Müller who writes so brazenly about the commemoration ceremony? Is she perhaps related to a Mr. Müller, who invented a recipe for a French potato soufflé?

Who knows? Perhaps someone should have shown Frau Müller the recipe for decent behavior.

As a German journalist Frau Müller is highly disrespectful when she accuses a Jewish government in a Jewish state of not commemorating the victims of the Holocaust in a appropriately dignified manner, and making a „private party“ of it all. Her comment sounds something like this:

„How dare Israel! We Germans didn’t murder more than six million Jews, so that today a country with more than six million living Jews can be so audacious. We Germans are entitled to a little more respect than that. We take things seriously! We took the Holocaust seriously and today we take its remembrance seriously. We won’t let some random Jews or Russians ruin it all. Germany, didn’t kill six million Jews for such a shoddy show.“

Ja, Frau Müller, that is roughly how your comment comes over. You seem to be a little upset that living Jews are not as cooperative as dead Jews.

There are two different kinds of memory. There are those who remember because they don’t want to forget and there are others who remember because they can’t forget. Those who can’t forget because it’s part of their own painful history don’t remember for some beneficial reasons. They remember because they can’t otherwise, because remembering is a cry of pain, anger and incomprehension. But those who don’t want to forget hope to profit in some way and see memory as a chance to learn something.

But what is there to learn from the Holocaust? That people are capable of cruel monstrosities? That people shouldn’t be gassed by the millions? That Jews are also human beings? That people should be kind to each other? That one may defend oneself when persecuted? That one declares war on people who gas other people? That one should disarm insane people? That one doesn’t congratulate anti-Jewish regimes on behalf of the German people on their 40th anniversary, as Federal President Steinmeier did with the Iranian regime? That should be common knowledge even without the Holocaust.

The Holocaust is not a lesson for those who are morally stuck. Remembering the Holocaust is not a chance for a better world. The Holocaust is an unforgettable and unforgivable crime from which there is nothing to learn.

But, people who don’t want to forget hope for some lesson or benefit from the crime, that the Holocaust must have been good for something. These people are proud when they succeed in learning a lesson from crime. They are the self-proclaimed masters of coming to terms with the past.

An interpreter of Steinmeier’s speech said on Facebook: „I translated his words with great pride and deep humility.“ Isn’t it touching that some Germans are again proud of the Holocaust, if only of how it’s being dealt with?

Sometimes it’s better just to remain silent. But when people who don’t want to forget meet those who can’t forget, then those who don’t want to forget but can’t keep quiet should at least take care not to explain to those who can’t forget how it „works“ with dignified remembrance.

***
(Translation: William Wires)

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„Es reicht nicht aus, eine beeindruckende Rede zu halten“

Ein offener Brief an Sabine Müller von Simone Hofmann.

Sehr geehrte Frau Müller,

haben Sie die Gedenkfeier überhaupt gesehen? Und auch alles verstanden? Es scheint mir, als sei das nicht Fall.

Ja, der deutsche Bundespräsident hat eine beeindruckende Rede gehalten. Aber beeindruckende Reden reichen halt nicht aus, wenn den Worten keine Taten folgen und die tatsächlichen Handlungen den gesagten Worten nicht entsprechen. Die Versprechen, die Deutschland immer sehr gerne in Bezug auf Israel gibt, werden von den Amerikanern erfüllt. Was, wenn Deutschland irgendwann wirklich zu diesen Versprechen stehen muss?

Als Israeli würden Sie auch nicht auf das vertrauen, was gesagt wird, sondern auf das, was getan wird.

Israel kann sich eben nicht auf jeden verlassen, der lautstark und mit leeren Worten Dinge verspricht, von denen man, durch dessen Handlungen, ausgehen kann, dass das Gesagte niemals in die Tat umgesetzt wird.

Was haben Sie denn erwartet? Haben Sie erwartet, dass Israel erfreut ruft: „Ja, Iran zerstöre den jüdischen Staat“?

Haben Sie erwartet, dass Israel den Palästinensern zuruft: „Wir freuen uns, werft mehr Raketen auf uns ab?“

Haben Sie im Ernst gedacht, dass sich Juden mit gesenktem Haupt der Welt präsentieren? Hier hat sich ein stolzes Israel präsentiert, das dem Holocaust gedenkt, aber gleichzeitig sagt: „Mit uns nie wieder! Und ja, wir können uns wehren! Und wir werden das auch tun!“

Genau damit haben Sie ganz offensichtlich ein Problem. Juden, die stolz und selbstbewusst auftreten und sich wehren können, sind für Sie wohl ein ungewohnter Anblick. Schade, dass Sie offensichtlich den Sinn des Gedenkens an den Holocaust überhaupt nicht begriffen haben.

Es reicht eben nicht aus, sich mit betretenem Gesicht zu präsentieren, eine beeindruckende Rede zu halten und dann wieder zur Tagesordnung überzugehen. Der Antisemitismus ist allgegenwärtig und auch ich ertappe mich dabei, dass ich die Kette mit dem Davidstern, die ich stets trage, in manchen Situationen verdecke, weil ich Angst habe, als Jüdin erkannt zu werden. Ist das für Sie normal? Für mich nicht.

Ich bin unendlich dankbar, dass wir Juden, egal wo wir auf der Welt leben, heute Israel haben und dieses Land für uns alle unsere Lebensversicherung ist. Was Sie hier in Ihrem Kommentar behaupten, zeigt mir einfach, dass Sie überhaupt nicht begriffen haben, worum es geht, was auch ihre Wortwahl klar zum Ausdruck bringt.

Schade, denn wenn man alles richtig verstanden hat und den Sinn der Gedenkfeier begriffen hat, dann kann man nur sagen, dass Israel eine wunderbar würdige Gedenkfeier organisiert hat. Schade, dass Sie so gar nichts verstanden haben.

Mit freundlichem Gruß,
Simone Hofmann
Frankfurt

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(TINSH)

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Was erlauben Israel?

Sabine Müller vom Hessischen Rundfunk ist tief enttäuscht über den unwürdigen Umgang Israels mit dem Holocaust.

In einem Kommentar für das ARD-Hauptstadtstudio stellt Sabine Müller fest: „An Bundespräsident Steinmeier lag es nicht: Der Gedenktag in Yad Vashem wurde von den egoistischen Auftritten Israels und Russlands überschattet. Eine vertane Chance im Kampf gegen Antisemitismus.“

Sabine Müller ist „traurig“, dass es in Jerusalem mit dem „würdigen Gedenken“ nicht „geklappt hat“, erklärt aber auch, dass das mit dem Nichtklappen nicht an der deutschen Seite gelegen hat. Wenn Deutschland etwas macht, dann gründlich: „Ja, vieles war würdig und überzeugend, und dazu hat der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beigetragen.“

Ja, Deutschland weiß, wie es geht. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Zu Deutschlands Beitrag sagt Sabine Müller: „Das war würdig.“

Israel aber benahm sich laut Frau Müller unwürdig: „Unwürdig war dagegen, wie Israel und Russland diesen Gedenktag teilweise kaperten. Wie sie vor der offiziellen Veranstaltung sozusagen ihre eigene politische und erinnerungspolitische Privatparty feierten.“

Sabine Müller behauptet, Israel habe das Gedenken „gekapert“ und eine unwürdige „Privatparty“ daraus gemacht. Sie erklärt, über 90-jährige Holocaust-Überlebende hätten eine Dreiviertelstunde lang in Yad Vashem warten müssen „wie bestellt und nicht abgeholt“. Ich bin mir sicher, in Deutschland wäre das nicht passiert. Wenn Deutschland was kann, dann Juden schnell abholen.

Benjamin Netanjahu habe zwar „immerhin“ seinen „Auftritt bei der Gedenkveranstaltung in Yad Vashem eklatfrei hinter sich“ gebracht, aber letztendlich war für Frau Müller dieser Gedenktag „leider auch eine vertane Chance.“

Wer ist diese Frau Müller, die so unverschämt über die Gedenkveranstaltung schreibt? Ist sie vielleicht verwandt mit dem Herrn Müller, dem einst das Rezept für ein französisches Kartoffel-Soufflé verraten wurde?

Man weiß es nicht. Allerdings scheint es notwendig, Frau Müller das Rezept für anständiges Verhalten zu verraten.

Frau Müller, es ist im hohen Maße respektlos, wenn eine deutsche Journalistin einer jüdischen Regierung in einem jüdischen Staat vorwirft, den Opfern des Holocausts nicht würdig zu gedenken und sogar unterstellt, aus dem Gedenken eine „Privatparty“ zu machen. Ihr Kommentar klingt in etwa so:

„Was erlauben Israel? Wir Deutschen haben nicht über sechs Millionen Juden ermordet, damit jetzt in einem Land, in dem über sechs Millionen Juden leben, so unwürdig damit umgegangen wird. Etwas mehr Respekt vor Deutschland. Wir nehmen die Dinge noch ernst! Wir haben den Holocaust ernstgenommen und jetzt nehmen wir das Gedenken ernst. Das lassen wir uns weder von Juden, noch von irgendwelchen dahergelaufenen Russen kaputt machen. Dafür hat mein Land nicht sechs Millionen Juden umgebracht!“

Ja, Frau Müller, so in etwa klingt Ihr Kommentar.

Es gibt zwei verschiedene Formen der Erinnerung. Die einen gedenken, weil sie nicht vergessen wollen und die anderen gedenken, weil sie nicht vergessen können. Wer nicht vergessen kann, weil es Teil der eigenen schmerzhaften Geschichte ist, gedenkt nicht, weil er sich davon etwas verspricht, er gedenkt, weil er nicht anders kann, weil das Erinnern ein Schrei ist aus Schmerz, Wut und Unverständnis. Wer aber nicht vergessen will, der erhofft sich aus dem Gedenken ein Profit und sieht die Erinnerung als Chance, etwas daraus zu lernen.

Was aber soll es aus dem Holocaust zu lernen geben? Dass Menschen zu grausamen Ungeheuerlichkeiten in der Lage sind? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklärt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? Dass man judenfeindliche Regime nicht im Namen des deutschen Volkes zum 40. Jubiläum gratuliert, wie es Bundespräsident Steinmeier mit dem iranischen Regime getan hat? All das sollte man auch ohne Holocaust wissen. Der Holocaust ist keine Nachhilfestunde für moralisch Sitzengebliebene. Das Gedenken an den Holocaust ist keine Chance auf eine Verbesserung der Welt. Der Holocaust ist ein unvergessbares und unverzeihliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt.

Menschen, die nicht vergessen wollen, sehnen sich aber nach einen Nutzen aus dem Verbrechen. Zu irgendwas muss der Holocaust ja gut gewesen sein. Diese Menschen sind dann ganz stolz, wenn es ihnen gelingt, aus dem Verbrechen eine Lehre zu ziehen. Sie sind die Herrenmenschen der Vergangenheitsbewältigung.

Ein Übersetzer der Rede Steinmeiers erklärte auf Facebook: „Das habe ich heut mit großem Stolz und tiefer Demut gedolmetscht.“ Ist es nicht anrührend, dass manche Deutsche wieder stolz sind auf den Holocaust, wenn auch nur auf den Umgang damit?

Manchmal ist es besser, einfach zu schweigen. Wenn aber Menschen, die nicht vergessen wollen auf jene treffen, die nicht vergessen können, dann sollten jene, die nicht vergessen wollen, aber auch nicht schweigen können, zumindest drauf achten, nicht jenen, die nicht vergessen können, zu erklären, wie es mit dem würdigen Gedenken „klappt“.


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Laughter can be dangerous

Not sharing the same sense of humor is as irreconcilable as not believing in the same gods. Just as fundamentalists accuse each other of not believing in the right god, people with different senses of humor can even end up accusing each other of having no taste or no sense of humor at all. Humor and religions are like farts: it’s the other person’s fart that stinks.

There are people who have wit, humor and irony and then there are those who prefer jokes with guaranteed self-satisfaction. They long for the comedian who ridicules their enemies of choice. They don’t want to laugh with others. Instead, they want to laugh at the chosen target, a preferred enemy.

We all have opinions, which is in itself nothing special, but not everyone has a fine sense of humor or a keen sense of harmony. We all have our convictions, but not everyone is a writer or a humorist. If I have to choose between ideology and humor, I prefer the wit, because a sense of humor is not so commonplace. This is true for those who create art. Do what makes you special. An opinion doesn’t make you special. Your art does!

There are comedians who point a finger at others and there are comedians who point a finger at themselves.

There are plenty of reasons to laugh, because ideologies, religions and beliefs are often hilarious. It’s absolutely justifiable to joke about those topics! If people feel offended because I laugh at the Koran, the Gospel, a manifesto, Marx, Mohammed or Jesus, then they are free to feel offended. Anyone who feels offended by my jokes is confusing people with ideas. A living being is more than just a collection of ideas and belief systems!

Laughter is involuntary.

We don’t listen to a joke, examine it and then decide whether to laugh or not. If a joke is good, we simply must laugh. Laughing is a spontaneous act. So the question, „Is it okay to laugh about it?“ is absurd. We laugh because we have to laugh! We may be ashamed afterwards to have laughed, like having had an erection in public, but red-faced embarrassment won’t mean much. Laughing can’t be suppressed. At best we can lie afterwards and say that the joke really wasn’t that funny, just as some people deny their sexuality.

Like lust, laughter is uncoupled from our will.

If someone makes a joke that you can’t laugh at, then you should listen again. If others are laughing, then it’s obvious that their erogenous laughing muscles were stimulated. What right do we have to forbid these people from laughing? Humor is not a pathological perversion. Still, you don’t have to share everyone’s humor. For every kind of humor there’s an audience.

Laughter is a break from suffering. Laughter helps us cope and not despair.

A comedian is not looking for a universal truth, but for a unique and creative kind of humor. The search is like tightrope walking. Comedians can offer a good laugh or fail embarrassingly. Humor thrives on risk, from crossing lines and nonconformity. Comedy is a high-performance sport. The stage is always in a critical state of emergency.

Spontaneous reactions to humor offer others a deep look into the individual soul, especially into the unknown parts. I have often betrayed myself through my laughter.

Joking is traitorous!

That’s why dictatorships forbid joking.

Laughter can be dangerous!

***
(Translation: William Wires)

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Festjahr jüdischen Lebens

Heute fand ich im WDR Videotext diese Nachricht:

Die jüdischen Gemeinden, darunter auch Köln, feiern im kommenden Jahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Am Dienstag haben sie angekündigt, das entsprechend feiern zu wollen. Anlass ist die erste urkundliche Erwähnung von Juden in Köln im Jahre 321. Es sei das älteste schriftliche Zeugnis jüdischen Lebens in Deutschland. Mit den Feiern wolle man ein Zeichen gegen den Antisemitismus setzen, sagte der Leiter der jüdischen Gemeinde Köln, Abraham Lehrer. Unterstützung kommt auch von der Bundesregierung.

Da der Faktencheck eine Tradition des WDR ist, erlaube ich mir eine kleine Korrektur dieser Nachricht: Deutschland ist noch keine 1700 Jahre alt. Juden leben in Köln länger als Deutsche.

Ich empfehle dem WDR die Lektüre dieses Artikels: „Juden leben in Köln länger als Deutsche“

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Was bedeutet „Nie wieder“?

„Heute vor 78 Jahren beriet die Naziregierung auf der #Wannseekonferenz, wie man elf Millionen Jüdinnen und Juden ermorden sollte. Nicht nur der Beschluss schockiert, sondern auch wie bereitwillig er von vielen umgesetzt wurde.

In allem, was wir tun, muss klar sein: nie wieder.“

Das schrieb Heiko Maas am 20. Januar 2020 via Twitter.

Heiko Maß erklärt auch:

„Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen“

Wenn Heiko Maas in allem, was er tut, klar machen will, dass es nie wieder den Versuch geben darf, das jüdische Volk zu vernichten, warum kritisiert er dann unverhältnismäßig oft ausgerechnet das Land, das einen zweiten Holocaust verhindert?

Der Großmufti von Jerusalem, Hadsch Muhammad Amin al-Husseini und der Führer von Nazideutschland, Adolf Hitler, trafen sich im Jahr 1941 in Berlin. Es ging um die “Endlösung der Judenfrage”. Al-Husseini wollte das Land, über das er später zu herrschen plante, “judenrein” haben. Weil auch die Naziregierung das wollte, diskutierten der Mufti und der Führer die Möglichkeit zur systematischen, industriellen Ermordung aller Juden. Nach dem Treffen fand die Konferenz am Wannsee statt, dessen Ziel die Planung der Vernichtung aller Juden in Europa war.

Al-Husseini soll einer der ersten Nichtdeutschen gewesen sein, der von dieser Planung erfuhr. Adolf Eichmann informierte al-Husseini im Kartenraum des Berliner SS-Hauptquartiers, indem er dort seine Unterlagen für die Wannseekonferenz benutzte. Eichmanns Adjutant sagte aus, dass der Großmufti sehr beeindruckt und so eingenommen von diesem Bauplan zur Judenvernichtung gewesen sei, dass er Eichmann bat, ihm einen Experten als persönlichen Assistenten nach Jerusalem zu schicken, um dort Todeslager und Gaskammern zu bauen, so bald Deutschland den Krieg gewonnen habe und er selbst an der Macht sei.

Auch heute gibt es ein Dokument, dass die Vernichtung aller Juden fordert. Die Gründungscharta der Hamas aus dem Jahr 1988 fordert in Artikel 7 die Vernichtung aller Juden. Im Jahr 2019 erklärte Fathi Ahmad Hamad, Innenminister der Hamas von 2009 bis 2014:

„Wir müssen alle Juden auf dem Antlitz der Erde angreifen, sie schlachten und töten mit der Hilfe Gottes.“

Der Kleriker Muhammed Salah „Abu Rajab“ predigte in Jahr 2015 in der Al-Abrar Moschee in Rafah im Süden des Gazastreifens:

„Unsere erste Phase soll lauten: Stecht die Juden ab! Sie haben keine Chance! Die zweite Phase soll lauten: Wir werden die Juden nicht mehr vertreiben! Wir werden sie allesamt abstechen und abschlachten!“

Der stellvertretende Minister für religiöse Stiftungen der Hamas, Abdallah Jarbu, erklärte im Jahr 2010.

„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen!“

Im Gazastreifen ist das Hakenkreuz ein beliebtes Symbol.

Unter den Nazis schaute die Weltöffentlichkeit weg, als Juden in Europa verfolgt und ermordet wurden. Heute schaut die Welt wieder weg, wenn es gegen Juden geht. Die ganze Welt? Nein! Ein kleines Land, nicht größer als Hessen, schaut nicht weg. Es gab das Land noch nicht, als die Nazis in Deutschland mordeten. Heute gibt es dieses Land und sorgt dafür, dass der zweite Holocaust nicht realisiert wird. Das Land heißt Israel!

Als im Rahmen des Plans zum zweiten Holocaust 850.000 Juden aus der arabischen Welt vertrieben wurden, nahm Israel die Juden auf! Als im Rahmen dieses Plans Juden in Entebbe selektiert wurden, befreite Israel die Juden. Jedes Mal, wenn Israel mit Raketen angegriffen wird, die in der Absicht abgefeuert werden, so viele Juden wie möglich zu töten, fängt Israel diese Raketen ab. Zu manchen Zeiten fliegen diese Raketen wochenlang mehrmals am Tag!

Es ist nicht die Welt, die all diese Versuche, einen zweiten Holocaust anzurichten, verhindert hat. Es ist Israel! Ginge es nach der Mehrheit der Länder der Welt, wäre ein weiterer Holocaust möglich. Die Vereinten Nationen tun alles, um die Verteidigung Israels zu diskreditieren und zu torpedieren. Die Vereinten Nationen haben mehr Resolutionen gegen Israel hervorgebracht als gegen alle anderen Länder der Welt zusammen. Die Vereinten Nationen kritisieren, dass Juden sich verteidigen! Was fällt den Juden eigentlich ein?

Bis in zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts galten alle Menschen, die in Palästina lebten, als Palästinenser. Dazu gehörten auch Juden. Viele Juden wurden selbstverständlich Palästinenser genannt. Die Nazis beschlossen, dass Juden keine Deutsche sein konnten und die Führer der arabischen Welt beschlossen, dass Juden keine Palästinenser sein können. Seitdem soll Palästina „judenrein“ sein, so wie es einst für Deutschland geplant war. Das ist der Grund, der einzige Grund, warum heute die Rede von „illegalen jüdischen Siedler“ ist. Ihr Jüdischsein macht sie illegal!

Und was machen die Vereinten Nationen und eine erschreckende Mehrheit der Menschheit? Sie nehmen diese Sprachregelung auf, reden ebenfalls von „illegalen jüdischen Siedlern“ und behaupten, der Konflikt sei eine Auseinandersetzung um Land. Das haben die Nazis auch behauptet. Die Behauptung ist heute jedoch so unwahr wie damals. Es geht nicht um Land! Die arabischen Führer sagen es selbst!

„Überließen uns die Juden Palästina, würden wir dann beginnen, sie zu lieben? Natürlich nicht! Wir werden sie niemals lieben. Absolut nicht! (…) Dein Glaube bezüglich der Juden soll sein, erstens, dass sie Ungläubige sind und zweitens, dass sie Feinde sind! Und sie sind nicht nur Feinde, weil sie Palästina besetzt halten. Sie wären auch unsere Feinde, wenn sie niemals irgendetwas besetzt hätten!“

Ein Holocaust wurde möglich, weil die ganze Welt wegsah. Ein weiterer Holocaust wurde verhindert, weil Israel nicht wegsieht: Für diese Verteidigung wird Israel pausenlos kritisiert, auch von Heiko Maas.

Als die Grenze Israels im April 2018 vom Gazastreifen aus massiv angegriffen wurde, erklärte die deutsche Bundesregierung, alle Maßnahmen zur Verteidigung von Israels Sicherheitsinteressen müssten „verhältnismäßig“ sein. Was soll das bedeuten?

Welche Verteidigung ist unverhältnismäßig, wenn es darum geht, einen Holocaust zu verhindern? Entweder sagt man „Nie wieder“ oder man sagt: „Wenn es verhältnismäßig ist, nie wieder, ansonsten gilt: Was willste machen?“

Natürlich eskaliert der Konflikt im Nahen Osten. Aber das liegt daran, dass sich Juden seit 1948 als Soldaten eines eigenen Landes gegen die Vernichtung wehren können. Aufgrund dieser Möglichkeit der militärischen Verteidigung eskaliert die Auseinandersetzung und das ist gut so, denn eine Situation eskaliert immer erst dann für beide Seiten eskaliert, wenn sich die eine Seite wehrt, von der anderen Seite ausgerottet zu werden.

Es gibt für Juden nur zwei Alternativen: Entweder werden sie als Opfer betrauert oder aber sie werden kritisiert, weil sie sich wehren. Es ist gut, dass Juden sich heute effektiv wehren können, denn deshalb wird ein zweiter Holocaust verhindert.

Deutschland und die Vereinten Nationen haben nichts zu der Verhinderung eines weiteren Holocausts beigetragen. Sie haben einfach noch nicht verstanden, dass ein klares „Nie wieder“ bedeutet, dass es keine Unverhältnismäßigkeit gibt, wenn jemand einen Holocaust ausführen will!

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Die Herrenmenschen der Vergangenheitsbewältigung

„Es gibt Roberto Benignis „Das Leben ist schön“. Und es gibt Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer, die keine Holocaust-Filme drehen sollten. Wir gehören nicht zu letzteren.“

Dieser Bewertung stammt von Philipp Ruch. Er gehört zu der Aktionsgruppe Zentrum für politische Schönheit (ZPS).

Es bedarf schon einer gehörigen Portion Arroganz, Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit, so einen Satz auszusprechen.

Philipp Ruch maßt es sich an, darüber zu urteilen, welche Künstler besser oder schlechter dafür geeignet sind , sich künstlerisch mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Wer glaubt Herr Ruch eigentlich, dass er ist? Mr. Holocaust-Remembrance? Super-Nicht-Vergessen-Man. Ist Philipp Ruch etwa ein Herrenmensch der Vergangenheitsbewältigung?

Philipp Ruch stellt fest: Aber der Holocaust ist und bleibt die Motivation für all unsere Aktionen.“

Wie diese Motivation aussieht, konnte im Jahr 2019 bestaunt werden. Hochmotiviert grub das ZPS in über zwanzig Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine, an denen die Nazis gemordet haben, nach Asche ermordeter Menschen und brachte einige Überreste nach Berlin, um sie dort vor dem Reichstagsgebäude in einer Säule auszustellen. Zu der Asche erklärte Ruch, das ZPS wisse nicht, welcher Nation, welcher Religion, welcher Widerstandsgruppe die Menschen angehörten: „Die Asche ist wie in der Welt von Schrödingers Katze. Die Identität dieser Menschen lässt sich gerade nicht feststellen. Es ist unmöglich, das Richtige zu tun.

Die Säule, so erklärte es das Kollektiv, sei eine „Gedenkstätte gegen den Verrat an der Demokratie“, um den deutschen Konservatismus an seine historische Schuld zu erinnern, sich mit den Faschisten eingelassen zu haben. Heute streckten wieder Konservative die Hand nach den Faschisten aus, sagte das ZPS in Hinblick auf die AfD: „Es nicht mit ihnen zu versuchen, nicht mit ihnen zu paktieren – das ist das Gebot der Stunde.“

Während des Holocaust wurden Juden in Vernichtungslager deportiert, dort ermordet und im Jahr 2019 deportierte das Zentrum für Politische Schönheit die Asche der Ermordeten nach Berlin, um mit den sterblichen Überresten politische Kunst zu machen. So sieht politische Schönheit in Deutschland von hochmotivierten Künstlern aus. Ich hätte es besser gefunden, wenn Opa seine künstlerischen Enkel irgendwie anders angefeuert hätte.

Nachdem diese Aktion besonders von jüdischen Gemeinden in Deutschland kritisiert worden war, erklärte Philipp Ruch: „Wir haben uns entschuldigt, die Asche aus der Stele genommen und an die Orthodoxe Rabbinerkonferenz übergeben.“

Ich kann mir die Herren und Damen vom Zentrum für politische Schönheit lebhaft vorstellen. In Ihrer Schulzeit haben sie gewiss jeden 9. November betroffen vor dem Gedenkstein in ihrem Heimatdorf gestanden, um an die Synagoge zu erinnern, die 1938 von den Nazis niedergebrannt wurde. An einem 27. Januar haben sie gewiss eine Klassenfahrten nach Theresienstadt gemacht oder wenigstens „Schindlers Liste“ im Leistungskurs Geschichte geschaut. Bestimmt haben sie auch mit Oma und Opa über die Zeit des Nationalsozialismus‘ gesprochen.

Sie sind vorbildliche Vergangenheitsbewältiger. Jedes Jahr wurden sie besser. Heute sitzen sie ganz weit auseinander von der Vergangenheit. Sie sind hier und irgendwo, ganz weit weg, die dunkele, böse Vergangenheit. Die Distanz bewirkt Wunder. Heute graben sie nach Asche, malen sich die Gesichter an und zeigen, wozu schöne Kunst in der Lage ist.

Vergangenheitsbewältigung ist mittlerweile neben Autos und Bier das wichtigste Wirtschaftsgut des Exportweltmeisters Deutschland. Wie dramatisch sähen die Arbeitslosenzahlen in Deutschland aus, wenn es all die Arbeitsplätze in den Lern-, Gedenk- und Dokumenationsstätten, in den Holocaustforschungsinstituten und Universitäten der Antisemitismusforschung nicht geben würde. Die Stadt Berlin wäre um einer ihrer beliebtesten Sehenswürdigkeiten ärmer: das Holocaust Mahnmal, von dem Altkanzler Gerhard Schröder einst gesagt hat, es sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“

Ohne Holocaust hätte das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Günter Grass niemals „Die Blechtrommel“ geschrieben und somit vermutlich auch nie den Nobelpreis für Literatur erhalten. Ohne Holocaust hätte Volker Schlöndorff niemals „Die Blechtrommel“ verfilmen können und daher nie den Oscar für diesen Film erhalten. So gut wie alle Oscars für den deutschsprachigen Raum sind Resultate der Vergangenheitsbewältigung: Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ und Christoph Waltz Oscar für die Rolle eines Nazis.

Das Zentrum für politische Schönheit aber stellt all das in den Schatten und instrumentalisiert die Vernichtung, weil es fest davon überzeugt ist, den Horror gut genug verstanden zu haben, um es als Instrument der politischen Debatte zu nutzen. Im Gegensatz zu Til Schweiger, dessen Schaffen mit der Kunstauffassung und dem Schönheitsideal des ZPS nicht in Einklag zu bringen ist. Diese Form der künstlerischen Arroganz ist nicht neu. Die Nazis hatten dafür damals einen sehr unschönen Begriff.

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