An der Gedenkstätte am Berliner Breitscheidplatz wurde ein Wort geschwärzt. Raten Sie, welches!

Deutlich mehr Muslime weltweit empörten sich lautstark über Kurt Westergaard als über Anis Amri. Niemand sage mir, es gäbe kein Problem!

Vor ein paar Tagen thematisierte ich in meinem Artikel „Gebt den Opfern ein Gesicht“ den Umstand, dass an der provisorischen Gedenkstätte in Berlin zum islamistischen Anschlag vom 19. Dezember 2016 alle deutschen Opfer gesichtslos sind.

Heute stelle ich fest, dass an der Gedenkstätte mittlerweile sogar das Wort „islamistisch“ geschwärzt wurde.

Ich würde Anis Amri auch gerne schlicht nur Arschloch nennen, aber ich kann nicht ignorieren, dass er sich selber als Moslem bezeichnete, sogar als wahren Moslem, berechtigt, für Allah zu morden.

Für jeden Menschen, der glaubt, Islam bedeute Friede, muss Anis Amri schlimmer sein als alle, die den Koran verbrennen oder eine Karikatur von Mohamed zeichnen wie Kurt Westergaard. Dennoch demonstrierten gegen Kurt Westergaard deutlich mehr Muslime als gegen Anis Amri.

Jedes mal, wenn irgendwo auf der Welt irgendjemand den Islam kritisiert, Mohammed verballhornt oder einen albernen Film über Muslime dreht, ist der Aufschrei in der islamischen Welt groß und Muslime gehen auf die Barrikaden. Wenn Islamisten jedoch morden und sich dabei auf Allah berufen, herrscht Schweigen in der Umma.

Ich bin Deutscher und Christ. Ich kenne die dunkele Zeit des Christentums, als Andersgläubige verfolgt wurden und die Zeit des Nationalsozialismus als Juden vernichtet und ihre Synagogen angezündet wurden. Es gab zwar zu allen Zeiten stets auch anständige Christen und Deutsche, aber von 1933 bis 1945 gaben die Nazis den Ton an. Und die Nazis waren Deutsche und viele Kirchen machten mit.

Der radikale Islam ist ein Problem innerhalb des Islams! Die menschenfeindlichen Interpretationen des Korans und die daraus resultierenden mörderischen Praktiken können daher nur von Muslimen selbst beendet werden. Es ist einzig und allein ihre Verantwortung.

Wer Islamismus und Islam trennen möchte, kann auch gleich versuchen, Alkoholismus von Alkohol zu trennen. So wie ein Alkoholiker bereit sein muss, sein Problem zu erkennen, bevor ihm geholfen werden kann, so muss auch ein Islamist zunächst sein Problem erkennen. Und ja, Alkohol kann Frieden bedeuten!

Christliche Politiker und Journalisten erklären zwar oft und gerne, Islam bedeute Frieden, aber es ist nicht ihre Aufgabe zu erklären, was der Islam bedeutet. Muslime müssen das tun! Zwar erklären nicht wenige Muslime ebenfalls, Islam bedeute Friede, aber sie werden übertönt von den Millionen muslimischen Stimmen, die weltweit lautstark erklären, einen Frieden gäbe es nur im Islam und alle, die nicht zum Islam gehören, dürften um des lieben Friedens Willen auch schon mal verfolgt, unterdrückt und ermordet werden. Keine andere Religion vereint zur Zeit so viele Menschen hinter staatlich gefördertem Hass und Intoleranz wie der Islam. In allen Ländern, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, wird dies von islamischen Regierungen vorgeschrieben.

Wenn sich Christen schon einreden, Islam bedeute Frieden, dann müssen diese Nicht-Muslime wenigsten anerkennen, dass die muslimischen Staatsoberhäupter der Länder, in den Homosexuelle getötet, Frauen unterdrückt und Juden verfolgt werden, das komplett anders sehen. Wissen christliche Politiker im Westen etwa besser, was der Islam bedeutet, als Muslime in islamischen Staaten? Früher nannte man so eine Arroganz Imperialismus!

Mir ist egal, was der Islam bedeutet. Menschen können glauben, was sie wollen, solange sie mir nicht gefährlich werden!

Ich bin mir sicher, Islam kann Frieden bedeuten. Jeder spirituellen Überzeugung wohnt die Möglichkeit des Friedens inne, vielleicht der einen Bewegung mehr als der anderen, was aber den Islam ausmacht, können nur Muslime bestimmen. Der Islam kann nur von innen reformiert werden. Das Christentum wurde ebenfalls von innen reformiert.

Die Reformbewegungen brachten allerdings auch Kriege mit sich. Protestanten und Katholiken standen sich im Dreißigjährigen Krieg so unversöhnlich gegenüber wie heute Sunniten und Schiiten. Zudem zeichneten sich ausgerechnet die Reformbewegungen als besonders judenfeindlich aus. Die judenfeindlichste christliche Schrift, die die Zerstörung von Synagogen und das Verbrennen von Torarollen fordert, wurde von Martin Luther geschrieben.

Das Christentum hat eine lange Geschichte der Gewalt und es brauchte mutige Menschen, die diese Gewalt anprangerten. Nicht selten wurden sie Ketzer beschimpft. Heute würde man sie christophob nennen und behaupten, sie wären Rassisten, da nicht jeder Christ gleich sei und Christentum Liebe bedeute. Bertrand Russel erwiderte darauf jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts:

“Die Christen versichern uns, dass ihre Religion eine Religion der Liebe sei, aber die Annahme des Christentums durch den römischen Staat zu Zeiten Konstantins trug nichts zur Verminderung der Kriege bei, und in unseren Tagen waren viele der fanatischsten Kriegshetzer Christen (…) Wenn man sich auf der Welt umsieht, so muss man feststellen, dass jedes bisschen Fortschritt im humanen Empfinden, jede Verbesserung der Strafgesetze, jede Maßnahme zur Verminderung der Kriege, jeder Schritt zur besseren Behandlung der farbigen Rassen oder jede Milderung der Sklaverei und jeder moralische Fortschritt auf der Erde durchweg von den organisierten Kirchen der Welt bekämpft wurde. Ich sage mit vollster Überzeugung, dass die in ihren Kirchen organisierte christliche Religion der Hauptfeind des moralischen Fortschrittes in der Welt war und ist.”

Friedrich Nietzsche schrieb im Jahrhundert davor:

“Der christliche Glaube ist von Anbeginn Opferung: Opferung aller Freiheit, alles Stolzes, aller Selbstgewissheit und des Geistes: zugleich Verknechtung und Selbst-Verhöhnung, Selbst-Verstümmelung (…) Das Christentum war bisher das größte Unglück der Menschheit (…) Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die furchtbarste aller Anklagen, die je in Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen. Sie hat aus jedem Wert einen Unwert, aus jeder Wahrheit eine Lüge, aus jeder Rechtschaffenheit eine Seelen-Niedertracht gemacht (…) Ich heiße das Christentum den einen großen Fluch, die eine große innerlichste Verdorbenheit, den einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist – ich heiße es den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit.”

Heinrich Heine erklärte im selben Jahrhundert:

“Ärgert dich dein Auge, so reiss es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.”

Jean-Jacques Rousseau sagte ein Jahrhundert vorher:

“Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.”

Ich habe viele christliche Freunde. Wenn ich sie frage, was sie von den schwulen- und frauenfeindlichen Passagen in der Bibel halten, erklären sie mir, die Bibel sei nur ein Buch und man könne sie nicht wörtlich nehmen. Einige meiner christlichen Freunde haben studiert und nennen diesen Umgang mit der Bibel „historisch-kritische Exegese“.

Wenn eine Ideologie nicht mehr kritisiert werden darf, wird sie totalitär. Egal ob Islam, Christentum oder Kommunismus, das Recht, Überzeugungen zu kritisieren und zu verarschen, sorgt dafür, dass sie menschlich bleiben. Wer sagt, der Soldat Mohammed, der vor eineinhalb Jahrtausenden gelebt hat, dürfe nicht karikiert werden, jedoch schweigt, wenn ein Bäcker aus Mekka hingerichtet wird, weil er Christ geworden ist, ist ein fundamentalistischer Fanatiker und hat die volle Breitseite Kritik verdient.

Der Islam muss so in Frage gestellt wird wie einst das Christentum. Das geht allerdings nur mit Aufklärung, Kritik, Spott und Hohn und sie muss von innen kommen! Was die Welt jetzt braucht sind Mohammed-Karikaturen von Muslimen, die die muslimische Welt in Frage stellen, so wie einst Voltaires Karikaturen die christliche Welt in Aufruhr versetzt haben. Wir brauchen geistige Hämmer, die den Islam zerschlagen, so wie Nietzsche einst auf das Christentum einschlug. Ist das islamophob? War die Aufklärung christophob? Nein. Es ist Aufklärung!

Daher ist es wichtig, die Motivation des Mörders zu benennen. Er mordete, weil er glaubte, dies für den Islam tun zu müssen. Wer sich weigert, den Begriff „islamistisch“ zu benutzen, betrügt Muslime um jene Entwicklung, die das Christentum bereits durchlaufen hat.

Aufklärung tut weh! Wer glaubt, Muslime müssten vor diesen Schmerzen geschützt werden, erklärt damit, Muslime seien schwächer, dümmer oder unfähiger mit Kritik umzugehen als Christen. Wer Muslime davor schützen möchte, erklärt sie zu geistigen Mündeln, die intellektuell unfähig sind, mit Kritik, Hohn und Spott umzugehen. Das ist purer Rassismus!

Was Christen ertragen können, können Muslime auch ertragen, denn ich halte diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten begabt wurden, worunter sind Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.

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“Give the victims a face!“

On August 25, 2017, I visited Breitscheid Place in Berlin, where an Islamic killer after having shot the driver of a truck of which he took control of and ran down twelve people on December 19, 2016. In memory of the victims there is a provisional memorial behind the Kaiser Wilhelm Memorial Church.

The provisional memorial also references the recent terrorist attack in Barcelona on August 17, 2017 in which seventeen people were ran down and killed.

When I saw the list of victims in Barcelona, I immediately noticed the big difference to the list in Berlin. The victims in Barcelona have names and faces. With one exception, all the other German nationals murdered in Berlin remain anonymous.

The German government’s treatment of the victims’ memory in Berlin is shameful. On December 19, 2016, twelve faceless “persons” weren’t just snuffed out, but specifically Fabrizia di Lorenzo, Lukasz Urban, Sebastian B., Dalia Elyakim, Naďa Čižmárová, and a human being and another human being and another and another and another and another and another.

Naďa Čižmárová from the Czech Republic was 34 years old when she was murdered. Her son was five years old at the time. Today, the boy asks his father: „And what if someone kills you?“

Dalia Elykim from Israel was 60 years when she was murdered. She died while she strolled with her husband Rami at the Christmas market. Rami survived seriously injured.

Fabrizia di Lorenzo from Italy was 31 when she was murdered. At her funeral, the Bishop said, „She was like an angel with spread wings, a woman with ideals who loved life.“

Lukasz Urban from Poland was 37 when he was murdered. He drove the truck, which the killer hijacked and then ran down eleven people, killing them. His seventeen year old son survives him.

We know nothing about the other victims of December 19, 2016. These are people without faces. They are just eight cold, bureaucratic numbers! Eight victims without faces and unknown existences.

It is striking that it is mainly the German victims who are reduced to numbers. Is it a German custom to perceive victims not as individuals but cynically as a numerical sum?

As long as the victims have no faces or existences, German politicians will continue to repeat such superfluous words as „We won’t let our way of live be interrupted!“

Who is this „we“? On December 19, 2016 not only were the victims’ “way of life” interrupted, but their very existences were snuffed out! The “we” obviously doesn’t include the murdered.

Any politician who says „We won’t let our way of live be interrupted“, excludes the victims of the attack.

Indeed something was taken from us on December 19, 2016: twelve existences, twelve people who wanted to live and to love, twelve people with names and faces.

„God reveals Himself in the face of the Other“ (Emmanuel Lévinas)

As long as we refuse to look into the countenances of the victims, as long as we continually stare at the face of the murderer, we can’t begin to think about our own responsibility.

The people who were murdered on December 19, 2016 lived within a political and social context.

In that context they became victims. They were murdered because the killer was not stopped. But the bloodshed could have been prevented.

On October 27, 2015, the police were informed about the radicalization of the soon-to-be killer. Subsequently, he traveled unimpeded throughout Germany and was able to apply for asylum or social benefits under at least 14 different aliases. His contacts with the radical salafist scene were known.

Those who refuse to take social and political responsibility will try to avoid looking into the eyes of victims. Perhaps, that is the reason why the German victims remain faceless. German politicians avoid looking into their eyes because they know that they are not entirely innocent of the murders.

The killer was supported by our taxes. The authorities looked away and our politicians failed! Therefore, I agree with a visitor’s written petition at the memorial that Germany must assume responsibility:

„Give the victims a face and not the perpetrators!“

***

Translation: William Wires
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Doubt makes us human

Questions fuel the engines of progress. Doubt makes us human. Wherever doubt is restricted and replaced by certainty, freedom suffers because certainty tends to define doubt as dangerous for a secure society.

Religions are inherently extremist. They are testimonies of a belief in a single altruistic divinity and are usually tolerant as long as they are not in power. Religious fundamentalists believe their holy books were written by God himself. They alone are privy to God’s will. Such a belief is not moderate.

Certainty squashes any doubt or alternate interpretation. But, doubt leaves a door open to other interpretations. People are more open when they question!

Doubt can cause intense feelings. Humor is one way to endure doubt. Laughing is an eruption, an earthquake within the body. Laughter is the best medicine to take if one’s own convictions are shaken. Only domineering fundamentalists don’t allow for doubt; doubters are seen as heretics! That’s why fundamentalists rarely laugh and are afraid of jokes.

The development of Islam illustrates what can happen when a religion has secular power. The religion of Islam is not moderate, only Muslims can be moderate! In many Islamic countries, moderate Muslims are jailed, some are tortured, others face the death penalty. These people are persecuted merely because they are doubters who ask questions. They question a government which protects Islam, the Koran which is supposedly the Word of God, and a prophet who claims to speak for God. Instead, the doubters laugh at the Koran and draw cartoons mocking the prophet. Some even turn their backs on Islam. Such people are imprisoned, tortured, executed. Their crime is doubting.

Doubt is what makes us human and open to change. Doubt is not easy. Doubters need friends. Therefore, I support most anyone who doubts the Koran, mocks the Prophet and makes jokes about Islam. I see no hatred, but compassionate humanity.

I’m afraid of people who feel no doubt because I fear what they may do to me if I don’t share their certainty. In Germany, many Muslims are threatened if they question or criticize Islam. I generally fear religions which strive towards theocratic rule. That’s why I state clearly: Yes, I am Islamophobic in face of a theocracy such as propagated by the Islamic State!

After the terrorist attack against the editorial staff of Charlie Hebdo, the German magazine Focus wrote:

„When he heard about the murder of the editors of the satire magazine Charlie Hebdo, the Cologne actor and director Gerd Buurmann, 38, stated: ‘Someone ought to do something.’ We should grieve the murder of the disrespectful Parisian journalists, but also be angry with the Islamists who aimed to eradicate humor with a machine gun. Buurmann thought for a moment and then decided that he himself would have to do something. His reason: ‘Everyone has the right to be caricatured and we must defend that right.’“

I respect individuals, but not necessarily their ideologies, religions and beliefs. If anyone feels offended when I talk tough about the Koran, the Gospel, any manifesto, Marx, Mohammed, Abraham or Jesus, that person is free to feel offended and may even swear at me. What humanity remains if a person no longer questions?

I will never stop laughing, doubting, criticizing and making fun of ideas. No matter how much hatred is hurled at me. There are people like Hamed Abdel-Samad and Seyran Ateş who defend my freedom even with their lives.

Those who are offended when I joke about a religious faith are not differentiating between human beings and abstract beliefs. A person is, however, more than a mere abstraction!

When people are criticized on account of their origins, that is racism. But when a person is criticized for his or her beliefs, it’s called enlightenment. No one can change their background or origins, but they can change their convictions and beliefs! The opposite of origin is future! Each step a person takes is precluded by a decision.

Religions, ideologies and convictions may be criticized at any time! Ideologies and religions can’t laugh. Only people can!

***

Translation: William Wires
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Der Judenretter von Köln

Vor einigen Jahren wurde ich eingeladen, in das Kölner Büro für internationale Angelegenheiten zu kommen. Ich hatte zuvor eine antisemitische Ausstellung vor dem Kölner Dom kritisiert, in der ein Jude in einer Karikatur dargestellt wurde, wie er ein Kind verspeist und sein Blut trinkt. Meine Kritik führte dazu, dass die Partnerstadt Kölns, Tel Aviv, nachfragte, warum eine solche Verunglimpfung von der Stadt unkommentiert bliebe. Die Stadt Köln verfasste daraufhin unter Federführung des damaligen Oberbürgermeisters und mit deutlicher Mehrheit des Kölner Rats eine Erklärung, in der die judenfeindliche Ausstellung vor dem Kölner Dom als „Botschaft des Hasses“ bezeichnet und verurteilt wurde.

Als ich in das Büro für internationale Angelegenheiten ging, war ich fest davon überzeugt, mir ein Lob für mein Einsetzen gegen Judenhass abzuholen. Als ich jedoch im Büro saß, machte mir der Leiter des Büros unmissverständlich klar, wenn ich nochmal die Beziehung zwischen Köln und Tel Aviv gefährden würde, ich es mit ihm „persönlich“ zu tun bekommen werde. Sein Name war Frieder Wolf.

Frieder Wolf ist der Leiter des Kölner Büros für internationale Angelegenheiten. Ja, Köln leistet sich einen Außenminister!

Mein guter Freund Tuvia Tenenbom besuchte jüngst diesen kölschen Außenminister in seinem Büro, nachdem er sich als Mann vorgestellt hatte, der seine Aufgabe darin sähe, Juden zu retten. “Ein Judenretter”, dachte sich Tuvia und entschied: “Ich möchte sehen, wie das Büro eines städtisch angestellten Judenretters in Köln aussieht.” Tuvia ging also ins Büro von Frieder Wolf und war überrascht über das Bild, das er prominent plaziert im Büro des kölschen Außenministers vorfand: Frieder Wolf zusammen mit Mahmud Abbas von der Fatah!

“In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.”

Diesen Satz sprach Mahmud Abbas im Juli 2013 zu überwiegend ägyptischen Journalisten. Mit “Israelis” meint Abbas ausschließlich Juden. Er meint nicht die knapp 1,6 Millionen Israelis, die Muslime sind. Sie dürfen sich selbstverständlich in einem möglichen Palästina aufhalten. Mufti Muhammad Hussein wurde von Abbas zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt und erklärte zur 47-Jahr-Feier der Fatah: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.‘“

Mahmud Abbas unterschreibt Todesurteile für Menschen, die nichts anderes getan haben, als Grundstücke an Juden zu verkaufen. Zudem lässt Abbas Straßen nach Menschen benennen, die als “Märtyrer” möglichst viele Juden ermordet haben.

Mit so einem Mann hat sich der „Judenretter“ des kölschen Außenministeriums ablichten lassen, vermutlich weil die Endlösung der Judenrettung selten in schönere Worte gepackt wurde.

Im Oktober 2011 hörte ich mir in der katholischen Hochschule den Vortrag „Wo Israel ist und wo Palästina? Der lange Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung aus israelischer Sicht“ von Igal Avidan an. Frieder Wolf war auch anwesend. Im Anschluss des Vortrags stellte er ernsthaft die Frage, ob es vielleicht möglich sei, dass der Grund für die Inakzeptanz Israels in der arabischen Welt nicht ähnlich wäre zu dem Grund, warum Deutschland während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft von der Welt gehasst wurde. Er sagte sogar, Deutschland habe eine harte Zeit gehabt, seine Grenzen zu akzeptieren und Israel sei nun dabei, die gleichen Fehler zu machen.

So denkt der Judenretter von Köln!

Als ich darauf hinwies, dass die Hamas eine terroristische Organisation sei, die laut Artikel 7 ihrer eigenen Gründungscharta alle Juden töten will, wurde ich von dem Judenretter harsch unterbrochen. Ich würde übertreiben, war sein Vorwurf. Schon komisch, dachte ich, er hat gerade Israel mit Nazis verglichen, aber ich bin derjenige, der übertreibt.

Der Abend wurde beendet von dem Bekenntnis einer Studentin, die erklärte, dass sie angesichts des Verhaltens Israels nun den Hass gegen Juden und Israelis verstehen könne.

Am 9. September 2017 wird der Judenretter von Köln jetzt seinen nächsten großen Auftritt haben. An dem Tag wird er um 19 Uhr in der Volkshochschule im Museum am Neumarkt zu folgendem Thema zu Gast sein: „50 Jahre Besatzung in Palästina – und kein Ende?“ Schon die Ankündigung der Vorstellung ist vielversprechend:

„Im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzte die israelische Armee die Westbank, den Gazastreifen und weitere Gebiete und annektierte Ostjerusalem und die Golanhöhen. Seit dieser Zeit zieht sich die Schlinge der Besatzung für die Palästinenser und Palästinenserinnen vor allem in der Westbank immer enger.“

Diese Worte lassen viel vermuten, aber keine Objektivität, vor allem nicht, weil der Leiter der Veranstaltung Thomas Nehms heißt, der schon mal „von den wutschnaubend vorgetragenen Motivationsvarianten der jüdischen und der deutsch-israelischen Lobby in der Bundesrepublik“ phantasiert. Die Ankündigung fährt fort:

„Ihr Alltag wird bestimmt durch Checkpoints, Sperranlagen, Landnahme und israelisches Militärrecht.“

Die Ankündigung hätte auch erwähnen können, dass ihr Alltag bestimmt wird durch eine palästinensische Behörde, die seit über acht Jahren nicht demokratisch legitimiert ist, die Andersdenkende verfolgt, Kinder als Schutzschilde missbraucht, Homosexuelle kriminalisiert, Judenmörder feiert, den Terrorismus fördert, wahllos Oppositionelle hinrichtet und das eigene Volk in Knechtschaft hält, aber all das verschweigt die Ankündigung. Schuld ist schließlich Israel. Das sieht auch Riad Othman so, der am 9. September neben Frieder Wolf an der Veranstaltung in der Volkshochschule teilnehmen wird und schon mal solche Phrasen drischt:

„Hauptgrund für die Armut im Westjordanland sowie für die Verkrüppelung der palästinensischen Wirtschaft insgesamt ist die israelische Besatzung.“

Natürlich, Schuld sind die Juden, nicht die palastinensischen Behörden und religiösen Führer, die das eigene Volk trotz millionenfacher Zuwendungen aus dem Ausland in Knechtschaft halten, um in diesem Umfeld der Armut und Verzweiflung noch mehr Hass schüren zu können, vor allem gegen Israel. Die Ankündigung fährt fort:

„Es wird immer deutlicher: Ohne ein Ende der israelischen Besatzung kann es keinen Frieden geben – weder für die Palästinenser noch für die Israelis. Aber wie kann ein Ende der Besatzung erreicht werden, und was braucht ein dauerhafter Frieden?“

Muss ich den Judenretter von Köln wirklich erst daran erinnern, dass Juden, Andersdenkende und Oppositionelle seit Mitte 1945 in Köln und in Deutschland nur deshalb nicht mehr verfolgt und ermordet werden, weil Besatzer kamen und ihnen die Freiheit brachten? Muss ich den Judenretter von Köln zudem noch daran erinnern, dass Juden Anfang des 19. Jahrhundert nach 300-jähriger Verbannung aus Köln nur deshalb die Stadt wieder betreten konnten, weil die Franzosen Köln besetzten und mit ihrer Besatzung die Religionsfreiheit brachten? Manchmal bringt Besatzung Frieden und Freiheit. In Köln war das mehrere Male der Fall und in Israel ist es heute definitiv auch der Fall!

Überall im Nahen Osten werden Menschen verfolgt, weil sie den Islam kritisieren, das gleiche Geschlecht lieben, für die Gleichberechtigung der Geschlechter streiten und für den Frieden mit Israel eintreten. Überall? Nein! Es gibt eine klitzekleine Ausnahme, wo sie frei sind: in dem kleinen, demokratischen und aufgeklärten Land Israel.

Wo Israel regiert, gilt das israelische Gesetz. Ich bin für Israel, nicht weil ich glaube, irgendwer habe irgendwo zuerst seinen Fuß in den Sand gesetzt, oder irgendein Gott habe irgendeinen bärtigen Mann zum Kaffeeklatsch eingeladen, um dabei die Welt aufzuteilen, sondern weil Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind, Homosexualität staatlich anerkannt ist, die Meinung, Kunst und Wissenschaft frei sind, keine Religion diskriminiert wird und Juden weder besser noch schlechter sein müssen als alle andere Menschen.

Jeder Quadratmeter im Nahen Osten, der sich ein Beispiel an Israel nimmt, ist ein gewonnener Quadratmeter. Warum soll daher ausgerechnet die israelische Besatzung das Problem sein? Israel lässt mich leben, wie ich möchte. Die anderen Regierungen jedoch verfolgen mich, weil ich so bin, wie ich bin!

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen. Jeder Ort, wo Israel aufhört zu regieren, wird ein weiterer Ort werden, an dem Homosexuelle, emanzipierte Frauen, Andersdenkende, Oppositionelle und Juden verfolgt und im schlimmsten Fall ermordet werden.

Die Ankündigung für den 9. September 2017 behauptet: „Ohne ein Ende der israelischen Besatzung kann es keinen Frieden geben.“

Ich aber sage: „Mit dem Ende der israelischen Besatzung kann es zur Zeit keinen Frieden geben, denn dann werden viele Menschen, die anders glauben, lieben und denken als die Barbaren, die zur Zeit den Nahen Osten außerhalb der Grenzen Israels bestimmen, die Sicherheit, die Israel ihnen garantiert, verlieren.“

Der Judenretter von Köln sieht das jedoch ganz anders. Ich kann es kaum erwarten, welchen grandiosen Judenrettungsplan er am 9. September 2017 präsentieren wird. Vermutlich wird sich sein Rettungsplan eher an den Beschluss orientieren, den der Kölner Rat im Jahr 1424 „für alle Ewigkeit“ fasste und der erst 300 Jahre später durch eine böse, böse Besatzung wieder aufgelöst wurde.

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„Gebt den Opfern ein Gesicht!“

Am 25. August 2017 war ich auf dem Berliner Breitscheidplatz, wo am 19. Dezember 2016 ein islamistischer Attentäter elf Menschen ermordete, nachdem er einen Speditionsfahrer erschossen hatte. In Erinnerung an die Ermordeten befindet sich vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eine provisorische Gedenkstätte.

Seit einigen Tagen befindet sich an dieser provisorischen Gedenkstätte ebenfalls ein Hinweis auf den Terroranschlag in Barcelona vom 17. August 2017, bei dem siebzehn Menschen ermordet wurden.

Als ich die Liste der Opfer von Barcelona sah, fiel mir sofort der große Unterschied zu der Liste der Opfer von Berlin auf. Die Opfer von Barcelona haben Namen und Gesicht. Sämtliche deutschen Opfer sind jedoch gesichtslos und nur von einem deutschen Opfer wird der Name genannt.

Der Umgang Deutschlands mit den Opfern von Anschlägen ist beschämend. Am 19. Dezember 2016 wurden nicht zwölf Menschen ermordet, sondern Fabrizia di Lorenzo, Lukasz Urban, Sebastian B., Dalia Elyakim, Naďa Čižmárová und noch ein Mensch und noch ein Mensch und noch ein Mensch und noch ein Mensch und noch ein Mensch und noch ein Mensch und noch ein Mensch.

Naďa Čižmárová aus der Tschechischen Republik war 34 Jahre alt, als sie ermordet wurde. Ihr Sohn war zu der Zeit fünf Jahre alt. Heute fragt er manchmal seinen Vater: „Und was ist, wenn dich jemand umbringt?“

Dalia Elykim aus Israel war 60 Jahre als sie ermordet wurde. Sie starb während sie mit ihrem Mann Rami auf dem Weihnachtsmarkt flanierte. Rami wurde schwer verletzt.

Fabrizia di Lorenzo aus Italien war 31 als sie ermordet wurde. Auf ihrer Beerdigung sagte der Bischof: „Sie war wie ein Engel mit offenen Flügeln: Sie, die das Leben mit so vielen Idealen und Werten liebte.“

Lukasz Urban aus Polen war 37 als er ermordet wurde. Er fuhr den Lastkraftwagen, den der Mörder an sich riss, bevor er elf weitere Menschen barbarisch tötete. Sein Sohn war siebzehn als er ermordet wurde.

Über die anderen Opfer vom 19. Dezember 2016 wissen wir nichts. Es sind Menschen ohne Gesicht. Sie sind lediglich Teil einer kalten, bürokratischen Zahl: Acht!

Acht Opfer ohne Gesicht und Geschichte.

Es fällt auf, dass es überwiegend die deutschen Opfer sind, die auf eine Zahl reduziert werden. Ist es eine deutsche Art, Opfer nicht als Individuen, sondern als zynische Zahl zu begreifen?

Solange die Opfer des Anschlags kein Gesicht und keine Geschichte haben, werden deutsche Politikerinnen und Politiker weiterhin so unsägliche Dinge sagen wie: „Wir lassen uns unsere Art zu leben nicht nehmen!“

Wer ist dieses „Wir“? Den Opfern vom 19. Dezember 2016 jedenfalls wurde nicht nur ihre Art zu leben genommen, sondern gleich ihr ganzes Leben! Sie können mit diesem „Wir“ nicht gemeint sein.

Jeder Politiker und jede Politikerin, die nach einem mörderischen Anschlag gebetsmühlenartig sagt, „wir lassen uns unsere Art zu leben nicht nehmen“, schließt damit die Opfer des Anschlags aus.

Uns wurde am 19. Dezember 2016 sehr wohl etwas genommen. Uns wurden zwölf Welten genommen, zwölf Menschen, die leben und lieben wollten, zwölf Menschen mit einem Gesicht.

„Im Antitz des Anderen erkennst Du Gott“ (Emmanuel Lévinas)

Solange wir uns weigern, in das Antlitz der Opfer zu schauen, solange wir ausnahmslos in das Antlitz der Täter starren, werden wir nicht anfangen, über unsere eigene Verantwortung nachzudenken.

Die Menschen, die am 19. Dezember 2016 ermordet wurden, lebten innerhalb eines politischen und gesellschaftlichen Kontexts. Dort wurden sie Opfer. Sie wurden ermordet, weil der Mörder nicht aufgehalten wurde. Der Mord aber wäre verhinderbar gewesen.

Am 27. Oktober 2015 wurde die Polizei erstmals über die Radikalisierung des späteren Mörders in Kenntnis gesetzt. In der Folgezeit reiste der spätere Attentäter ungehindert durch die Bundesrepublik und beantragte unter mindestens 14 verschiedenen Alias-Namen Asyl oder Sozialleistungen. Seine Kontakte zur radikal-salafistischen Szene waren bekannt.

Wer sich der gesellschaftlichen und politischen Verantwortung nicht stellen möchte, muss daher verhindern, in die Augen der Opfer sehen zu müssen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum die deutschen Opfer gesichtslos bleiben. Die deutsche Politik kann und will ihnen nicht in die Augen schauen, weil sie weiß, dass sie nicht ganz unschuldig ist an den Morden.

Der Täter wurde von unseren Geldern finanziert. Unsere Behörden schauten weg und unsere Politiker versagten!

Daher verlange ich, dass die deutsche Politik Verantwortung übernimmt und stimme daher mit der Forderung überein, die ein Besucher der Gedenkstätte auf die Metallhalterung geschrieben hat:

„Gebt den Opfern ein Gesicht und nicht den Tätern!“

Nachtrag:

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Kalter Anschlag

Am 23. August 2017 wurde in Rotterdam ein Konzert der US-Band „Allah-Las“ nach konkreten Terrorwarnungen abgesagt.

Am 2. Juni 2017 wurde das Festival „Rock am Ring“ wegen möglicher Terrorgefahr unterbrochen.

Im Januar 2017 wurde der Rosenmontagszug in Langenberg abgesagt. Der Grund waren die Anti-Terror-Auflagen von Polizei und Ordnungsamt.

Am 17. November 2015 wurde das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover kurzfristig abgesagt. Es gab einen konkreten Hinweis auf einen Sprengstoffanschlag.

Im Januar 2015 wurde der Bau eines geplanten Mottowagens im Kölner Karneval zu Charlie Hebdo gestoppt aus Angst vor Anschlägen. Die Stadt Braunschweig sagte wegen Terrorgefahr gleich den ganzen Faschingszug ab.

All diese Einschnitte in den Alltag unserer freien Gesellschaft wurden nicht durch Explosionen verursacht, sondern durch die bloße Angst vor terroristischen Anschlägen. Genau mit dieser Angst arbeitet der Terrorismus.

Für Terroristen sind auch abgesagte Veranstaltungen ein Erfolg!

Jedes Konzert, jede Sportveranstaltung, jeder Markt und jedes Festival, das aus Angst vor dem Terror abgesagt wird, jedes Wort, das nicht gesagt wird, jedes Stück, das nicht gezeigt wird, jede Karikatur, die nicht gedruckt wird, aus Angst vor Anschlägen und alle Menschen, die aus Angst vor Islamisten nicht mehr ohne Personenschützer das Haus verlassen können, sind Opfer kalter Terroranschläge!

Neuen Symptomen muss ein passendes Wort gegeben werden, damit sie erkannt, eingeordnet und bekämpft werden können. Für den Begriff „Kalter Anschlag“ ist die Zeit mehr als reif, denn unabhängig davon, ob in den jeweiligen Momenten tatsächlich eine konkrete Terrorgefahr bestand, schon die pure Angst vor Anschlägen, bringt uns dazu, unsere Freiheit einzuschränken.

Im 20. Jahrhundert sind wir mit dem Begriff „Kalter Krieg“ großgeworden. Für das 21. Jahrhundert sollten wir den Begriff „Kalter Anschlag“ in unseren Wortschatz aufnehmen, denn auch „kalte Anschläge“ sind für Terroristen ein Erfolg.

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Der Zweifel macht uns menschlich

Der Zweifel macht uns menschlich. Er ist der Motor der Entwicklung. Wo der Zweifel eingeschränkt wird, stirbt die Freiheit.

Gewissheit ist die Vernichtung der Möglichkeit, dass es anders sein kann. Wer zweifelt, lässt das Andere als Möglichkeit zu. Offen werden Menschen, wenn sie zweifeln.

Der Zweifel ist ein extremes Gefühl. Am besten ist er mit Humor zu ertragen. Lachen ist eine Eruption, ein Erdbeben des Körpers, ein Erschüttern der Festen der eigenen Überzeugungen.

Herrschsüchtige Fundamentalisten lassen den Zweifel nicht zu. Deshalb lachen Fundamentalisten so selten und erklären Menschen, die zweifeln zu Ketzern. Fundamentalisten haben eine Heidenangst vor Witzen.

Die verordnete Gewissheit neigt dazu, den Zweifel zu einer Gefahr für die innere Sicherheit zu erklären.

Zweifeln ist nicht leicht. Man braucht Verbündete, die einem helfen, tapfer zu zweifeln. Zweifeln heißt, Mensch zu sein.

Ich unterstütze jeden Menschen, der an heilige Bücher zweifelt, Propheten verspottet und Witze über Religionen macht. Ich sehe darin keinen Hass, sondern liebenswerte Menschlichkeit.

Ich habe Angst vor Menschen, die nicht zweifeln, weil ich weiß, was sie mit mir machen, wenn ich ihre Gewissheit nicht teile. Das gilt auch für nicht-religiöse Ideologien.

Ich habe Respekt vor Menschen, aber nicht vor ihren Ideologien, Religionen und Überzeugungen. Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich hart über den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed, Abraham oder Jesus spreche, so verwechselt er sich mit seiner Ideologie. Ein Mensch ist aber mehr als die Summe seiner Ideen.

Religionen, Ideologien und Überzeugungen dürfen jederzeit verballhornt werden. Es sind nämlich keine Ideologien und Religionen, die mit uns lachen, sondern es sind Menschen, die das tun.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

 

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Zwei Fragen an Merkel und Steinmeier

Folgende zwei Fragen schickte ich meiner Bundeskanzlerin Angela Merkel und meinem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier:

„Nicht selten tauchen in sozialen Netzwerken und in politischen Diskussionen Vergleiche von Trump und Hitler auf. Manchmal wir der amerikanische Präsident sogar als Hitler dargestellt. Ebenso tauchen öfter mal Vergleiche der AfD mit der NSDAP auf. Ich habe daher eine außenpolitische und eine innenpolitische Frage an Sie:

Außenpolitisch: Was sagen Sie zu dem Vergleich Trump-Hitler?

Innenpolitisch: Was sagen Sie zu dem Vergleich AfD-NSDAP?“

Die Bundeskanzlerin erklärt über das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, NS-Vergleiche seien immer „absurd und deplatziert, denn sie führen nur zu einem, nämlich dazu, die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen. Das disqualifiziert sich von selbst.“

Der Bundespräsident ließ über seine Sprecherin erklären, „haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage. Da sich die Fragen auf tagesaktuelle Politik beziehen, bitte ich um Verständnis, dass wir uns dazu nicht äußern.“

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„Fanatische Lieferwagenfahrer“

„Nizza, London, Berlin – und jetzt auch Barcelona: die Zahl der europäischen Länder, die zum Angriffsziel fanatischer Lieferwagenfahrer geworden sind, wird immer größer.“

Dies schrieb Vanessa Vu für die ZEIT zwei Tage nach dem Anschlag in Barcelona am 17. August 2017, bei dem vierzehn Menschen getötet und mindestens einhundertachtzehn Menschen verletzt wurden. Auf der Flucht erstach der „fanatische Lieferwagenfahrer“ eine weitere Person.

Jawohl, ein „fanatischer Lieferwagenfahrer“, so nannte Vanessa Vu den Attentäter. Am 11. September 2001 griffen vermutlich auch fanatische Hobbypiloten Amerika an und am 18. Juli 2016 wütete ein fanatischer Holzfäller im Regionalzug in Würzburg. Mich wundert, dass Vanessa Vu nicht „fanatische Lieferwagenfahrer*Innen“ geschrieben hatte. Vu schrieb stattdessen:

„Glaubt man der Propaganda, die die ideologischen Hintermänner der Attentäter verbreiten, dann galt der Angriff Europa – und zwar nicht dem Europa der Banken- und Währungsunion, dem Europa der vielen Nationalstaaten oder dem Brexit-Europa.“

Ja, hätten die „fanatischen Lieferwagenfahrer“ das böse Europa angegriffen, dann hätte Vanessa Vu vermutlich andere Worte gefunden.

Nicht schlecht war auch der Vorschlag, den Vanessa Vu zur Terrorbekämpfung anbot, nämlich dem „Terror nicht nur mit Abwehr und Außenpolitik zu begegnen, sondern mit Inklusion. Die europäischen Länder könnten zusätzlich zu ihren regionalen oder nationalen auch eine gesamteuropäische Integrationsstrategie anstreben und den Menschen eine Heimat bieten, bevor sie sich radikalisieren und bevor Terrororganisationen diese Menschen für sich gewinnen können.“

Ich mag mich irren und ich lade jede Leserin und jeden Leser ein, mich zu widerlegen, aber gab es in der Geschichte der Menschheit jemals eine Gesellschaft, die mehr Willkommens-Kultur lebte als Deutschland 2017? Was von der deutschen Politik an Hilfe und Unterstützung angeboten wurde und immer noch wird, ist einzigartig.

Vanessa Vu sprach in ihrem Artikel zudem noch die Nazis an:

„In den dreißiger Jahren war die Philosophin Hannah Arendt trotz der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunächst in Deutschland geblieben. Sie dokumentierte die beginnende Judenverfolgung und nahm in ihrer Wohnung Flüchtlinge auf.“

Liebe Vanessa Vu,

wo wir bei den Nationalsozialisten sind, meinen Sie nicht, die „fanatischen Lieferwagenfahrer“ sind aus dem selben Grund Schlächter geworden wie die Nationalsozialisten, nämlich weil sie sich dazu entschieden haben?

Im März 2012 wurden in Frankreich drei Kinder und ein Mann vor einer jüdischen Schule in Toulouse ermordet, weil sie Juden waren.

Im Januar 2006 wurde in Frankreich Ilan Halimi entführt und über einen Zeitraum von gefoltert, weil er Jude war. Er erlag seinen Verletzungen.

Im Mai 2014 wurden drei Menschen ermordet, weil sie in einem jüdischen Museum waren.

Im Mai 2014 wurden in Frankreich zwei Juden vor einer Synagoge brutal zusammengeschlagen, weil sie Juden waren.

Ende 2014 wurde ein junges Paar in Frankreich überfallen und die Frau vergewaltigt, weil sie Juden waren.

Nachdem einer der Terroristen rund um den Anschlag auf Charlie Hebdo, Amedy Coulibaly, in einem jüdischen Supermarkt in Paris Geiseln genommen und vier Juden getötet hatte, rief er den französischen Sender BFMTV an, um seine Forderungen zu verbreiten. Der Sender fragte: „Haben Sie das Geschäft aus einem bestimmten Grund ausgesucht?“ Die Antwort kam prompt: „Ja. Die Juden!“ Er zudem, im Namen des „Islamischen Staates“ zu kämpfen.

Da haben Sie die Motive, Frau Vu!

Die Terroristen morden im Namen einer islamistischen Nation. Sie sind Nationalislamisten und sie hassen Juden wie Nationalsozialisten. Sie hassen Juden so sehr, dass sie nicht einmal davor zurückschrecken, Kinder zu ermorden, weil sie Juden sind. Das machen nur echte Nazis!

Es wäre daher der Situation deutlich angemessener gewesen, folgende Worte zu wählen:

„Nizza, London, Berlin – und jetzt auch Barcelona: die Zahl der europäischen Länder, die zum Angriffsziel fanatischer Nationalislamisten geworden sind, wird immer größer.“

Die „fanstischen Liegerwagenfahrer“ sind Nationalislamisten. Sie sollten auch so genannt werden und vor allem sollte man Nationalislamisten so sehr mit „Inklusion“ begegnen wie Nationalsozialisten. Am Besten inkludiert man sie in Gefängnisse.

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„Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen!“

Nach jedem Terroranschlag höre ich es immer wieder. „Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen!“ Wer ist eigentlich dieses „Wir“?

Der deutsche Journalist Hamed Abdel-Samad lebt in Deutschland unter ständiger Lebensgefahr. Er kann nur mit Personenschützern sein Haus verlassen und seine Freunde nur geheim treffen. Er schwebt in permanenter Lebensgefahr, weil er den Islam kritisiert. Seine Freiheit auf ein unbeschwertes Leben wurde ihm genommen, weil er Artikel 5 des Grundgesetzes lebt.

Die deutsche Juristin Seyran Ateş lebt in Deutschland unter ständiger Lebensgefahr, weil sie eine liberale Moschee in Berlin eröffnet hat, wo Männer und Frauen gemeinsam beten, Homosexuelle Willkommen sind und Frauen kein Kopftuch tragen müssen. Ihre Freiheit auf ein unbeschwertes Leben wurde ihr genommen, weil sie die Artikel 3 und 4 des Grundgesetzes lebt.

Entweder lügt die Person, die sagt, „Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen“, oder sie sagt, Seyran Ateş und Hamed Abdel-Samad gehören nicht zu uns!

Natürlich gehören sie zu uns!

Lieber Hamed Abdel-Samad,
Liebe Seyran Ateş,
Liebe Muslime, die Ihr unter dem Islam leidet, wie er gerade zum großen Teil gelebt wird und dagegen kämpft,

Ihr kämpft für mich. Ihr kämpft für uns. Ihr bezahlt einen hohen Preis dafür. Ich glaube nicht an Helden, aber ich glaube an heldenhafte Taten. Ihr vollbringt sie jeden Tag. Danke, vielen, vielen Dank!

Es wird Zeit, dass wir zu Euch stehen und Euch verteidigen, allein schon, weil Ihr zu uns gehört, zu unseren Werten der Freiheit, Gleichberechtigung und Aufklärung. Statt zynisch zu behaupten, „Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen“, sollten wir endlich aktiv erklären:

„Wir erkämpfen uns Eure Freiheit zurück!“

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