Warum jene, die an Homöopathie glauben, keine homöopathischen Mittel kaufen sollten

Wenn auf einer Party einmal zu viel Harmonie herrschen sollte, dann empfehle ich, folgende Frage in den Raum zu werfen: „Was haltet ihr von Homöopathie?“ Ich garantiere, der Abend wird im Streit enden.

Es wird vermutlich noch ruhig beginnen. Zunächst werden die Gegner erklären, dass eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus bisher nicht nachgewiesen werden konnte, aber die Befürworter werden erwidern, die Mittel hätten bei ihnen gewirkt. Darauf werden dann die Gegner sagen, eine Relation zwischen Wirkung und Mittel sei nicht bewiesen, aber die Befürworter werden gewiss kontern, das sei ihnen egal, denn wer heilt habe recht. Dann wird es noch maximal zwei bis drei gesittete Gedankenaustausche geben, aber dann knallt es!

Dass jene, die nicht an die Wirkung homöopathischer Mittel glauben, erklären, man solle für die Pillen kein Geld ausgeben, ist klar. Aber auch jene, die an die Wirkung von homöopathischen Mitteln glauben, sollten ihr Geld stecken lassen! Der Grund ist ganz logisch.

Wenn es eine Wirkung von homöopathischen Mitteln gibt, dann muss es auch einen Grund für diese Wirkung geben. Der Grund liegt laut homöopathischer Lehre in der Potenzierung. Die Grundsubstanz des Arzneimittels wird wiederholt (meist im Verhältnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Ethanol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben und derart verdünnt, dass die Grundsubstanz am Ende nicht mehr nachgewiesen werden kann. Homöopathen glauben, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ wirksam wird.

Genau hier liegt das Problem. Da nicht nachgewiesen werden kann, ob ein Mittel wirklich potenziert wurde, weiß man nie, ob ein vermeintlich homöopathisches Mittel echt ist oder nur eine Fälschung. Jede Ärztin, die ein homöopathisches Mittel einkauft, kann nicht wissen, ob das Mittel echt ist. Niemand kann das wissen!

Für Gauner ist die Homöpathie somit das perfekte Verbrechen. Sie können homöopathische Mittel fälschen, ohne dass es ihnen nachgewiesen werden kann. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland Homöopathika für 482 Millionen Euro umgesetzt; das entspricht 8,1 Prozent aller rezeptfreien Arzneimittel. Davon wurden zwanzig Prozent von einem Arzt oder Heilpraktiker verordnet und achtzig Prozent wurden direkt vom Anwender in der Apotheke gekauft. Wer weiß, vielleicht waren die meisten Mittel nur Fälschungen!

Woher weiß man, ob Homöopathie hilft, wenn man echte homöopathische Mittel nicht von Fälschungen unterscheiden kann?

Stellen wir uns einfach nur folgenden Versuch vor: Unter 1000 Kügelchen befinden sich 10 Homöopathika. Die restlichen 990 Kügelchen sind schlichte unpotenzierte Kügelchen. Wenn alle 1000 Kügelchen zusammengeworfen und vermischt werden, ist es unmöglich die zehn Homöopathika zu finden. Selbst mit modernsten Mitteln kann ein homöopatisches Mittel nicht von einer Fälschung unterschieden werden!

Wie stark das Vertauen zur Homöpathin auch ist, das Mittel kann immer eine Fälschung sein. Selbst die Homöopathin kann sich nicht sicher sein! Vertraut die Homöopatin dem Zulieferer? Kennt der Zulieferer die Herstellerin? Selbst wenn man eine Heilung erlebt, kann man nie sicher sein, ob die Heilung nicht von einer anderen Sache rührt, denn das Mittel kann eine Fälschung sein!

Homöopathie ist wie Weihwasser. Niemand kann sicher sein, ob es wirklich gesegnet wurde! Darum sollten sich vor allem jene, die an Homöopathie glauben, immer fragen, ob sie nicht dabei sind, gut Geld für Fälschungen auszugeben.

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Was bedeutet Hardliner?

Der Gründer der Partei „Unser Haus Israel“ und ehemalige Außenminister von Israel, Avigdor Lieberman, wird wieder Teil der israelischen Regierung sein. Er folgt als Verteidigungsminister auf den zurückgetretenen Mosche Jaalon. Lieberman hat sich mit der regierenden Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf eine Beteiligung an der Koalition geeinigt. Eine Bedingung dafür war, dass seiner Partei der Posten des Verteidigungsministers zufallen solle.

In Deutschland wird seit der Ernennung Liebermans eifrig geunkt. So ziemlich alle reden von einem Rechtsruck und nicht wenige sehen den Frieden in weite Ferne rücken. Noch ferner? Wie viel ferner kann ein Frieden rücken, wenn die regierende Partei im Gazastreifen in ihrer Charta die Vernichtung aller Juden weltweit fordert und die Fatah in der sogenannten Palästinensischen Autonomie auf Feierlichkeiten den Völkermord an Juden preist, Straßen und Plätze nach Judenmörder benennt und Familien von Terroristen fürstlich belohnt?

Avigdor Lieberman ist unbestritten ein Hardliner. In einem Land, das von seinen Nachbarn vernichtet werden soll, ist es nicht ungewöhnlich, eine harte Linie zu entwickeln. Im Vergleich zu der Hamas und der Fatah jedoch ist er ein Friedensengel. Lieberman ist für eine Zweistaatenlösung, aber nicht wenige Parteien auf der Gegenseite, von der Hamas bis zur Hisbollah, führen die Vernichtung Israels und sogar die Auslöschung des gesamten jüdischen Volkes im Parteiprogramm. Jeder Jude, der sich dieser Massenmordabsicht entgegenstemmt, ist ein Hardliner. Und das ist auch gut so! Wer diesen Begriff in negativer Weise verwendet, hat nicht begriffen, um welchen mörderischen Hass es hier geht und erklärt, man solle auf die Absicht, vernichtet zu werden, nicht so hart reagieren! Wohin jedoch ein softer Umgang mit Judenmördern führt, zeigt die Geschichte.

Es gibt weder in der Hamas noch in der Fatah einen einzigen Politiker, der so gemäßigt ist wie Avigdor Lieberman. Gäbe es in der Regierung der palästinensischen Autonomie auch nur einen Mann wie Avigdor Lieberman, der Frieden wäre übermorgen da! Ein Beispiel:

Im Jahr 2001 gestand Lieberman, einem zwölfjährigen Jungen, der seinen Sohn angegriffen hatte, ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Vorfall ereignete sich 1999 in der israelischen Siedlung Nodkim. Nachdem sein Sohn ihm von dem Angriff erzählt hatte, spürte Lieberman dem Jungen auf und schlug ihn. Er wurde wegen tätlichen Angriffs und Drohung schuldig gesprochen. Das ist Israel! Terroristen, die Juden niederstechen, Eltern vor ihren Kindern abschlachten und auf Straßen und in Synagogen Massaker veranstalten, werden in der Palästinensischen Autonomie nicht verurteilt, sondern als Helden gefeiert. Das ist der Unterschied!

Das Problem vieler selbsternannter Nahostexperten besteht darin, dass sie bereits jauchzen, wenn ein Politiker in Gaza kein Hitler ist, sie aber garstig einen jüdischen Politiker in Israel in Grund und Boden kritisieren, wenn er kein Nathan der Weise ist.

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Nachdrücklich klar gemacht

Anfang April 2016 erstattete ich Anzeige aufgrund diverser Hassbotschaften und Mordaufrufe, die ich auf der Facebookseite „Islam Fakten“ gefunden hatte. Eine Auswahl der Aussagen liest sich wie folgt:

„Gottlose juden inshallah werdet ihr wieder vergast und endgültig ausgelöscht“

„war schon gut was Hitler gemacht hat dreckigen Hundesöhne“

„scheiß Juden sollen verrecken die Schweine Bastarde“

„dreckiger Judenpack. ich sage es immer hätte man mein kumpel Adolf’o zu ende bringen lassen was er angefangen hat hättma jetzt die probleme nicht“

Die Kommentare fanden sich allesamt unter einem Video, das von „Islam Fakten“ geteilt wurde. Auf dem Video sah man eine 23-jährige Terroristin, die mit einem Messer in der Hand auf der Flucht war, nachdem sie einen Menschen auf der Straße niedergestochen hatte. Umstehende Passanten versuchten, die Terroristin an der Flucht zu hindern. Die Seite Islam Fakten kommentiert das Video allerdings mit diesen Worten:

„JUDEN greifen eine alte PALÄSTINENSISCHE FRAU an und beschmeisen sie mit Steinen !“

Die Seite „Islam Fakten“ betrieb somit bewusste Manipulation zum Schaffen von Judenhass. Es überraschte daher nicht, das binnen weniger Minuten die Kommentarspalte mit Judenhass vollgepostet wurde. Ich erstatte Anzeige bei der Polizei und dokumentierte auf Tapfer im Nirgendwo ein paar Einträge, um so den Umfang des Hasses zu zeigen. In dem Artikel stellte ich fest:

„Klickt man auf die Namen der Menschen, die in deutscher Sprache Hitler feiern und die Vergasung von Juden fordern, landet man nicht selten bei Menschen, die sich selbst als gläubige Muslime präsentieren. Man zeige mir nur eine Seite auf Facebook, die sich als jüdisch ausgibt und auf der Menschen, die sich als gläubige Juden bezeichnen, die Vernichtung aller Muslime fordern. Man wird eine solche Seite nicht finden. Es gibt schlicht und ergreifend solche Seiten nicht!

Im Jahr 1933 gab es kein von Juden getragenes deutschsprachiges Medium, das zum Hass und zur Vernichtung des deutschen Volkes aufrief; es gab aber viele deutsche Medien, die zur Verfolgung des jüdischen Volkes aufriefen, weil die schimmsten Horrorgeschichten über Juden verbreitet wurden. Sämtliche Horrorgeschichten waren Lügen. Im Jahr 2016 gibt es keine von Juden organisierte Seite auf Facebook, die zur Vernichtung aller Muslime aufruft, aber es gibt unendlich viele Seiten des Judenhasses, die von Muslimen betreut werden und auf denen unzählige Muslime in deutscher Sprache zur Vernichtung aller Juden aufrufen, Seiten, die sich „Islam Fakten“ nennen und die übelsten Gerüchte und Lügen über Juden verbreiten!

Und was macht 2016 die deutschsprachige Welt, die das alles lesen kann? Sie verharmlost, entschuldigt, schaut zu und behauptet, so ganz unschuldig seien die Juden ja nun nicht an dem ganzen Ärger. So war es 1933 auch!“

Am 24. Mai 2016 saß ich aufgrund meiner Anzeige im Polizeipräsidium in Köln. Ich dachte, ich solle lediglich eine Zeugenaussage machen, doch was mich erwartete, war grotesk.

Ich saß im Präsidium und wurde belehrt. Mir wurde nachdrücklich klar gemacht, was in §55 StPO steht, nämlich:

„Jeder Zeuge kann die Auskunft auf solche Fragen verweigern, deren Beantwortung ihm selbst oder einem der in § 52 Abs. 1 bezeichneten Angehörigen die Gefahr zuziehen würde, wegen einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit verfolgt zu werden.“

„Haben Sie das verstanden“, wurde ich gefragt und ich sagte: „Ja.“ Dann wurde mir erklärt, die Kölner Staatsanwaltschaft habe ausdrücklich gebeten, mir §55 StPO nachdrücklich klar zu machen, denn bisher gäbe es nur einen Menschen, dem man nachweisen könne, die Aussagen veröffentlicht zu haben, so erklärte es mir der Polizist, nämlich mir! „Stellen Sie sich vor“, erklärte mir der Polizist, „sie schrieben über Kinderpornographie, dann dürften sie die Bilder auch nicht zeigen.“

Mein Einwand, dass das nicht so ganz vergleichbar sei, wurde direkt akzeptiert. Ich erklärte schlicht, dass ich die Sätze zitiere, um das Ausmaß des Judenhass zu dokumentieren und fügte hinzu, wenn diese Sätze im Original binnen weniger Minuten über tausend „Gefällt mir“ bekommen, es eine journalistische Pflicht sei, diesen Umstand klar und deutlich mit Zitaten zu benennen, um eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass die eine Seite schweigen muss,“ erklärte ich, „während die andere Seite laut ihren Hass postulieren darf.“

Ich unterzeichnete meine Aussage und ging. Jetzt sehe ich der weiteren Entwicklung mit hohem Interesse entgegen. Mal schauen was kommt.

(Nachtrag: Die Ermittlungen wurden eingestellt.)

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Juden leben in Köln länger als Deutsche

Lange bevor in Europa das deutsche Volk in Erscheinung trat, lebte und formte bereits ein anderes Volk das Gesicht der Städte, die heute zu Deutschland gehören. Die Städte Köln, Bonn, Worms, Speyer, Trier und Augsburg, um nur ein paar zu nennen, gibt es deutlich länger als Deutsche.

Völker kommen und gehen. Sie entstehen, bestehen, verwehen. Nicht selten werden Völker von außen bestimmt. Das beste Beispiel dafür ist das deutsche Volk, das in den verschiedenen Sprachen verschieden bezeichnet wird. Die Finnen nennen Deutsche „Saks“, weil sie die Sachsen in ihrer direkten Nachbarschaft haben. Die Sachsen treten erstmals ab dem 3. Jahrhundert in Erscheinung. Die Franzosen wiederum nennen die Deutschen Alemannen, eine Volksbezeichnung, die ebenfalls erstmals im dritten Jahrhundert auftaucht. Die Polen nennen die Deutschen Niemieckis und die Engländer Germanen. Kaum ein Deutscher würde sich jedoch Germane nennen und nur wenige bezeichnen sich als Sachsen oder Alemannen. Die Deutschen nennen sich „deutsch“! Woher kommt jedoch das Wort „deutsch“?

„Deutsch“ komm von dem Wort „diutisc“ und bedeutet so viel wie „zum Volk gehörig“. Mit diesem Begriff wurde die nicht-romanischsprechende Bevölkerung jenseits der nördlichen Grenze des Römischen Reichs bezeichnet. Der erste wichtige Beleg für den Begriff ist eine Textstelle aus dem 4. Jahrhundert, eine Passage in der gotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila. In seiner griechischen Vorlage fand er als Gegenbegriff zu jüdisch den Begriff „ἐθνικός“ (zum Heiden-Volk gehörig). Die nichtjüdischen Völker, die noch christlich bekehrt werden sollten, wurden mit diesem Wort zusammengefasst. Wulfila übersetzt den Begriff ins Gotische und verwendete dazu das Wort „þiudisko“.

Mit diesem Begriffwurden alle nicht Latein sprechenden Stämme jenseits der römischen Grenze zu einem Volk subsumiert. Diese Stämme zeichneten sich dadurch aus, dass ihre Frageworte mit einen W-Laut anfingen. Das ist übrigens noch heute so. Die Frageworte der deutschen Sprachfamilie lauten: Wer, Wie, Was, Who, Why, Where, Waarom, Wat, Waar. Die romanischen Sprachen zeichnen sich durch Frageworte aus, die mit Q anfangen: Quand, Que, Qui, Quando, Quoi.

Die Lautverschiebung von Q zu W wird in der Sprachwissenschaft „Erste Deutsche Lautverschiebung“ genannt und geschah ungefähr fünfhundert Jahre vor moderner Zeitrechnung. Da entstand ein neuer Sprachraum, der später der „deutsche“ Raum genannt wurde.

Der sprachliche Vorstellungsraum „deutsch“ wurde zu einer Zeit erfunden, als bereits eine Synagoge in Köln stand. Neben den Buchstaben des Latein, die heute benutzt werden, um Deutsch zu schreiben, waren es auch die Buchstaben des Hebräischen, die genutzt wurden, die deutsche Laute zu schreiben. Es gibt heute sogar noch eine sehr bekannte deutsche Sprache mit hebräischer Schrift, in der erzählt und gesungen wird: Jiddish. Die Sprache ist fast tausend Jahre alt und deutlich älter als die deutsche Hauptstadt Berlin.

Die unter dem Begriff „þiudisko“ zu einem Raum zusammengefassten Stämme waren alles andere als ein Volk mit einer gemeinsamen Identität. Nicht wenige lagen im Krieg miteinander.

Nach dem Zusammenbruch des Antiken Römischen Reichs war Mitteleuropa für Jahrhunderte ein chaotisches Gebiet der Völkerwanderung mit Scharmützeln an jeder Ecke. Erst die Karolinger brachten wieder Ordnung in die Region, indem Karl der Große von der römisch-katholischen Kirche wieder zum Cäsar (Kaiser) gekrönt wurde. So entstand das karolingische Ostfrankenreich. Aus dem Westfrankenreich sollte sich später Frankreich entwickeln. Aus dem Ostfrankenreich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen das Heilige Römische Reich heraus. Der Name „Sacrum Imperium“ ist für 1157 und der Titel „Sacrum Romanum Imperium“ für 1254 erstmals urkundlich belegt. Ab dem 15. Jahrhundert kam dann der Zusatz „Deutscher Nation“ hinzu, um das Reich vom Antiken Rom zu unterscheiden.

Als dieses Reich im frühen 19. Jahrhunderte aufhörte zu existieren, war Mitteleuropa wieder ein Flickenteppich mit dutzenden Landesvätern. „Deutschland“ war lediglich ein Vorstellungsraum. Der Traum einer deutschen Republik zerplatze in der gescheiterten Revolution 1848/49. Den Vorstellungsraum Deutschland dominierten stattdessen das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen, der Rheinbund und der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs, der sich im Jahr 1815 gegründet hatte. Der Deutsche Bund war ein Staatenbund, den die „souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands“ schlossen. Die Mitgliedes des Deutschen Bunds waren auch der Kaiser von Österreich und die Könige von Preußen, Dänemark und der Niederlande. In diesem Bund gärte der Wunsch nach einer deutschen Nation. Die Konkurrenz zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft im Bund spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz entschied Preußen 1866 die Vorherrschaft zu seinen Gunsten, führte die diversen Länder zu einem Reich zusammen und gab ihm den Namen „Deutsches Reich“, in Anlehnung an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, um so eine jahrhundertlange Tradition der vermeintlichen Deutschen vorzugaukeln. So wurde das deutsche Volk im Jahr 1871 erfunden! Für das „Deutsche Reich“ wurde sogar ein Denkmal errichtet – oder besser fertiggestellt. Um die Macht des neuen Deutschen Reiches zu dokumentieren, wurde eine über sechshundertjährige Baustelle fertiggestellt. Das Gebäude sollte daraufhin vier Jahre lang das höchstes Gebäude der Welt sein: der Kölner Dom!

Köln wurde somit 1871 deutsch. Davor war die Stadt mal römisch, mal französisch, mal preußisch gewesen. Kein Volk jedoch lebt länger in Köln als Juden. Die älteste Schrift, die jüdisches Leben in Köln dokumentiert, ist ein Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahre 321. In diesem Dekret heißt es:

„Allen Stadträten gestatten Wir durch allgemeines Gesetz, Juden in die Kurie zu berufen.“

In einer weiteren Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Der Bau einer jüdischen Versammlungsstätte zeigt, dass zu dieser Zeit schon eine größere Gemeinde vorhanden war. Das Judentum gehört zu Köln, bevor das Christentum Teil der Stadt wurde. Das Judentum brachte die Geschichten von Noah, Abraham, Sarah, Rebecca, Moses, Adam und Eva an den Rhein.

Als sich das Christentum mit der Macht der römischen Kaiser über Europa ausbreitete und sich einige Jahrhunderte später unter diesem Teppich das deutsche Volk erfand, wurden Juden schnell zu den Erzfeinden des neuen Volks erklärt. Im Jahr 1096 kam es im Verlauf des Ersten Kreuzzuges zu mehreren Pogromen. Am 27. Mai 1096 fielen in Mainz Hunderte von Juden Gewaltexzessen zum Opfer. Ähnliches geschah im Juli desselben Jahres in Köln. Im Jahre 1146 wurden mehrere Juden bei Königswinter von einem aufgebrachten christlichen Mob erschlagen, kurz vor Beginn des Zweiten Kreuzzuges. Nach dem Vierten Laterankonzil im Jahr 1215 waren alle Juden dazu angehalten, sich durch ihre Kleidung deutlich als Nichtchristen auszuweisen. Besonders die Farbe Gelb wurde genutzt, um Juden in Europa diskriminierend zu kennzeichnen. Juden wurden gezwungen, einen gelben Ring in Brusthöhe auf ihrer Kleidung zu tragen.

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Aus dieser Stigmatisierung entwickelte sich später der gelbe Judenstern der Nazis. Ähnliche Kleiderordnungen waren im Islam schon seit dem frühen 8. Jahrhundert für Juden üblich. Ihre Kennzeichnungspflicht begann 717 mit einem Befehl von Kalif Umar II. Die Art des Kennzeichens war anfangs nicht festgelegt und variierte. 807 befahl Kalif Hārūn ar-Raschīd in Persien für Juden dann einen gelben Gürtel.

In den Jahren 1287 und 1288 kam es im Rheinland zu einer Verfolgungswelle gegen Juden. In Andernach, Altenahr, Bonn und Lechenich wurden Juden getötet und ihre Häuser geplündert. In den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts wurde im Kölner Dom die sogenannte „Judensau“ auf einer der Stuhlwangen des Domchores angebracht. Sie befindet sich noch heute dort!

Trotz der Verfolgung prägten Juden das Gesicht Europas. Die bedeutsamste Prägung dürfte die Gründung der SchUM (hebräisch שו״ם) sein. SchUM war eine Art jüdische Hanse, nämlich ein Bund der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz. Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben ihrer mittelalterlichen, auf das Latein zurückgehenden hebräischen Namen: Schin (Sch) für Schpira (Speyer), Waw (U) für Warmaisa (Worms) und Mem (M) für Magenza (Mainz).

Die SchUM-Städte vertraten neben Handelsangelegenheiten auch eine gemeinsame Richtlinie bei der Auslegung der Religionsgesetze, die als Takkanot Schum (תקנות שו״ם) bekannt sind. Mit diesen Erlassen und den Talmudschulen, die unter den Juden in ganz Europa hohes Ansehen genossen, erlangten die SchUM-Städte Anfang des 13. Jahrhunderts eine führende Rolle im aschkenasischen Judentum. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie sogar als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur.

Nach vier Jahrhunderten endete die große Zeit von SchUM um 1350, als diese Gemeinden infolge der Großen Pest und von Massakern ausgelöscht wurden. In der Folgezeit entstanden zwar wieder kleine Gemeinden, die jedoch nie mehr jene Bedeutung erlangten, die sie vorher hatten.

Aus Köln wurden im Jahr 1424 alle Juden vertrieben. Das Volk, das in Köln länger gesiedelt hatte als Christen, wurde zu illegalen Siedlern erklärt und vertrieben! Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon und dem Code Civil, in dem das aufklärerische Ideal der Religionsfreiheit festgehalten wurde, kehrten Juden nach Köln zurück. Ein Jahrhundert später sollten sie jedoch wieder zu illegalen Siedlern erklärt werden, diesmal von den Nazis.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es viele jüdische Siedlungen in Europa. Sie wurden Schtetl genannt. Für die Nazis waren diese Schtetl jedoch illegale jüdische Siedlungen, die sie vernichteten und mit ihnen einen Großteil der jüdischen Bevölkerung Europas. Die Nazis erklärten, Juden könnten keine Deutsche sein, eine nationale Identität, die erfunden wurde, lange nachdem Juden bereits in deutsche Lande gesiedelt hatten. Das Judentum ist die älteste noch heute praktizierte Religion Deutschlands! Die Nazis aber erklärten, Juden könnten keine Deutsche sein, verfolgten und ermordeten sie und die Katholische Kirche schloss ein Konkordat mit den Nazis.

Wenn man sich die Geschichte Kölns genau anschaut, so war das Leben dort unter den Römern, Franzosen und Amerikanern deutlich besser als unter den Preußen und Deutschen. Vielleicht hätte dieses Volk gar nicht erfunden werden müssen. Deutsche waren viel zu oft Besatzer und andere Völker viel öfter Befreier. Erst mit den Alliierten kehrte die Religionsfreiheit nach Deutschland zurück und Juden wurden nicht länger als illegal bezeichnet. Es sollte jedoch nicht lange dauern, bis in Deutschland ein neuer Trick gefunden wurde, Juden zu illegalen Siedlern zu erklären, diesmal jedoch woanders, in Palästina. Dabei leben auch in Palästina Juden deutlich länger als sogenannte Palästinenser. Das palästinensische Volk ist sogar noch jünger als das deutsche Volk und wurde erst im 20. Jahrhundert erfunden.

Der Begriff „Palästina“ hat einen hebräischen Ursprung und geht auf das in der Bibel beschriebene Volk der Philister zurück. Das Volk der Philister gibt es nicht mehr, aber einen Philister kennt jedes Kind: Goliath.

Das Wort „Palästina“ taucht schriftlich erstmals bei dem antiken griechischen Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot auf, der das Gebiet im 5. Jahrhundert vor moderner Zeitrechnung so nannte. Nach der Zerschlagung des jüdischen Volkes im Jahr 135, nannten die Römer das Gebiet offiziell in Palästina, um dadurch jeglichen Bezug zum jüdischen Volk zu verwischen.

Das palästinensische Volk wurde erst 1967 erfunden. Davor gab es kein palästinensisches Volk. Es gab keine palästinensische Sprache, keine unabhängige palästinensische Kultur, kein palästinensisches Staatsoberhaupt und kein palästinensisches Volk. Es gab lediglich eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die einzig und allen durch den Umstand vereint wurden, dass sie in einem Gebiet lebten, das von Römern einst Palästina genannt wurde, so wie eben jene Römer einst ein anderes Gebiet als „deutsch“ bezeichneten. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Palästinenser“ sogar oft als Synonym für „Jude“ benutzt! In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Jerusalem ein sogenanntes palästinensisches Orchester. Es bestand ausnahmslos aus Juden. Wie also konnte es geschehen, dass ein Volk der Palästinenser erfunden wurde, das sich heute dadurch auszeichnet, dass Juden nicht mehr dazugehören?

Der mit Abstand größte Teil Palästinas liegt im heutigen Jordanien. Weitere Gebiete Palästinas sind der Golan, der Gazastreifen, das Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich im heutigen Israel. Alle, die in dem Gebiet Palästina leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser im Sinne dieser Gebietsbeschreibung! Im 20. Jahrhundert wurden jedoch Juden aus der Gruppe der „Palästinenser“ vertrieben, so wie Juden einst aus der Gruppe der „Deutschen“ vertrieben wurden.

Nach dem 1. Weltkrieg und durch den Untergang des Osmanischen Reiches wurde das Gebiet Palästina herrschaftslos. Ab 1922 verwaltete dann der Völkerbund das Gebiet. Alle Menschen, die in dem Gebiet lebten, wurden als Palästinenser bezeichnet, mochten sie nun christlich, muslimisch, jüdisch oder heidnisch sein. Heute gibt es in Palästina die unterschiedlichsten Länder. Aber nur ein Land ist demokratisch: Israel! 1948 wurde Israel von Juden gegründet. Sie glaubten an die Möglichkeit einer friedlichen Demokratie im Nahen Osten. In der Unabhängigkeitserklärung Israels heißt es:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbstständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

An dem Tag, an dem diese Erklärung verlesen wurde, erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem kleinen Land Israel den Vernichtungskrieg. Im Zuge dieses bis heute anhaltenden Krieges verließen 500.000 Menschen ihre Heimat im Glauben an die Versprechungen der arabischen Nationen, nach der Vernichtung Israels könnten die Araber als Sieger in die Region zurückkehren. Israel bot jedoch allen Menschen innerhalb der neuen Grenzen an zu bleiben, um sich in Demokratie und Selbstbestimmung frei zu entfalten, schließlich waren sie alle Palästinenser. 160.000 Araber nahmen das Angebot an und blieben. Mittlerweile sind über 20 Prozent aller Israelis arabische Bürgerinnen und Bürger, mit allen Rechten. Israelis sind somit die freiesten Palästinenser der Welt!

Mahmud Abbas wurde zwar 2005 als Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, aber seine Legislaturperiode endete am 9. Januar 2009. Seitdem hält er sich ohne Legitimation an der Macht. Jordanien ist eine Monarchie mit dem Islam als Staatsreligion und der Scharia als Gesetz. Demokratisch kann Jordanien somit nicht genannt werden, allein schon deshalb nicht, weil alle Palästinenser, die nicht dem Islam angehören, in Jordanien Bürger zweiter Klasse sind. In Syrien sind die Palästinenser entrechtet und werden in Lager gesperrt. Im Januar 2014 kesselte die syrische Armee Palästinenser in einem Lager ein und ließ sie dort verhungern. In Gaza herrscht heute die Hamas. Sie wurde zwar gewählt, aber nach der Wahl tauschte sie sofort Demokratie gegen Staatsterror aus. Seitdem herrscht die Hamas in Gaza ohne Legitimation. In kaum einem Gebiet der Erde werden Palästinenser brutaler unterdrückt als in Gaza. Die Gründungscharta der Hamas fordert die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes (Artikel 7) und die Zerstörung Israels (Artikel 13). Minister der Hamas rufen zur Vernichtung aller Juden auf, die sie öffentlich, auf Plätzen, in Moscheen und im Fernsehen, als Ungeziefer und Bakterien bezeichnen, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören. So wie Hitler einst das Deutsche Reich „judenrein“ machen wollte, wird heute Gaza „judenrein“ gemacht. Nicht zufällig ist der Gruß der Hisbollah und der Hamas der Hitlergruß. Die Vereinten Nationen schauen zu und die Europäische Union finanziert den Wahnsinn auch noch.

Letztendlich scheiterten die Nazis mit ihrem Versuch, Europa “judenrein” zu machen. Die Hamas jedoch ist bisher sehr erfolgreich. Alle Juden wurden im Jahr 2005 innerhalb weniger Tage aus dem Gazastreifen vertrieben. Am Morgen des 12. September 2005 verließen die letzten Juden den Gazastreifen über den Grenzübergang Kissufim. Der Abzug wurde von Arabern teils frenetisch mit Freudenschüssen und Autokorsos gefeiert. Die verlassenen Synagogen wurden in Brand gesteckt. Es kam zu einer wahren “Gazakristallnacht”. Es folgten heftige innerarabische Kampfhandlungen vereinzelter arabischer Klans und der Bewegungen Hamas und Fatah untereinander. Viele Hundert arabische Zivilisten verloren ihr Leben. Seit der Vertreibung der Juden aus Gaza wird Israel ununterbrochen und teilweise täglich mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossen. Mit der Vertreibung der Juden begann der Krieg und der moralische Niedergang.

Es ist heute im Nahen Osten wie in Europa damals. Obwohl Juden schon in Palästina lebten bevor es Muslime gab, erklären Muslime heute Juden zu illegalen Siedlern im Nahen Osten. Europäische Politiker übernehmen diese Rhetorik. Sie haben vergessen, dass es ihre Vorfahren genauso gemacht hatten. In Europa wurden Juden vertrieben, obwohl sie schon in Europa lebten, bevor Deutsche und Franzosen überhaupt erfunden wurden.

Das heißt aber nicht, dass Juden und Deutsche Gegensätze sind. Deutsch ist, wer Deutsch spricht, denkt und träumt. Seit es eine deutsche Nation gibt, sind auch jene Deutsche, die eine deutsche Staatsbürgerschaft haben. Zu jeder Zeit aber, waren Deutsche die mit der deutschen Sprache.

In dieser Bedeutung können Juden sogar zu den ersten Schrift-Deutschen gezählt werden. Die diversen deutschen Sprachen hatten lange kein eigenes Alphabet. Die deutsch Sprachen wurden gesprochen, nicht geschrieben. Es gibt aber zwei Alphabete, in denen die diversen deutschen Sprachen erstmals schriftlich niedergelegt wurden. Diese beiden Alphabete sind heute noch gebräuchlich für das Deutsche. Das überwiegend benutze Alphabet fast aller heute noch gesprochenen deutschen Sprachen ist Latein. Es gibt aber auch eine deutsche Sprache, die auf Hebräisch geschrieben wird: Jiddish.

„Warum ist es am Rhein so schön?“

Juden wissen es länger als Christen und Deutsche. Juden tranken ihren Wein auf die Schönheit des Rheins bereits, bevor es Christen und Deutsche taten. Dennoch wurden sie später von Deutschen und Christen als illegale Siedler vertrieben und ihre Bedeutung für die Kultur Europas negiert. Juden sind in Europa und Deutschland jedoch genauso wenig illegal wie heute im Nahen Osten. Juden haben Europa geprägt!

An dem Kölner Rathausturm zum Beispiel befindet sich die Statue von Max Isidor Bodenheimer.

Max Isidor Bodenheimer war Jurist und Vorreiter der zionistischen Bewegung. Ende des 19. Jahrhundert, fast zwei Jahrtausende nachdem die ersten Juden nach Köln gezogen waren, entwickelte er in Köln eine tollkühne Idee, die Realität werden sollte. Bodenheimer schlug vor, da Juden viel zu oft in Europa verfolgt worden waren, das jüdische Land, das vor über eintausendneunhundert Jahren zerstört worden war, wieder am Originalort entstehen zu lassen. Über ein halbes Jahrhundert später wurde dieses moderne Israel Realität. Die Gründung Israels ist der einzige Moment in der ganzen Geschichte der Menschheit, da ein Volk, das in der Zerstreuung seine Sprache (Hebräisch), Tradition (Feiertage) und Verfassung (Tora) bewahrt hatte, seine Kultur wieder einer eigenen Nationalität zufügen konnte! Zwar ist jedes Volk ein Konstrukt, aber das jüdische Volk ist schon ein ausserordentlich beeindruckendes Konstrukt.

Nicht nur der moderne Staat Israel hat seine Wurzeln in Köln, auch die Fahne Israels wurde 1897 in Köln entworfen und zwar von den damals in der Domstadt lebenden Kaufmann David Wolffsohn. An dem Ort in Köln, wo der moderne Zionismus erfunden wurde, befindet sich heute ein großer Schild Davids.

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Slamt doch einfach!

Da auf der Achse des Guten der Artikel „Ein i’Slamistisches Gedicht für Manuela Schwesig“ erschienen ist, veröffentlicht Tapfer im Nirgendwo noch einmal den Artikel „Slamt doch einfach“ vom 22. Oktober 2012 in überarbeiteter Form:

Die Initiative i,Slam versteht sich als Projekt, das jungen, talentierten Muslimen die Möglichkeit geben will, gehört zu werden, wenn sie sich zu gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Themen äußern wollen. i,Slam formuliert es auf der Homepage so:

„Das ist die Grundidee des i,Slam! Es gibt so viele begabte, muslimische Jugendliche, die nicht wissen, wohin mit ihren Texten, ihren Ideen, ihrer Meinung. Wer also Lust hat, ein Teil dieser Bewegung zu werden, dem schenken wir unsere Aufmerksamkeit und bieten ihm inschaAllah die Plattform zur Entfaltung seiner Kreativität.“

Das klingt ja alles schön und gut, aber darf ich Euch jungen, gläubigen Menschen mal einen kleinen, bescheidenen Rat geben, wie ihr ein friedvolles Zusammenleben aller Religionen erreichen könnt? Hört auf, Eurer Umwelt ständig Euren Glauben unter die Nase zu reiben!

Seit Jahren schon organisiere ich die Offene Bühne Show Kunst gegen Bares. Ich war bereits auf ein paar Poetry Slams und auf einigen Stand Up Bühnen. Soll ich Euch mal was verraten? Überall waren stets Menschen unterschiedlichsten Glaubens auf der Bühne! Aber wisst Ihr, was der Unterschied war? Es war stets relativ egal, welcher Religion jemand angehörte. So ziemlich alle Veranstaltungen, auf denen ich bisher war, waren interreligiös, ganz einfach weil alle anders waren, weil die Welt nun mal so ist. Es gab auch viele, die nicht gläubig waren. Es geht nämlich auch ohne!

Was mich an dieser dezidiert interreligiösen Veranstaltung stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der dort die Religion definiert wird. Muss ich etwa gläubiger Muslim sein, um dort mitmachen zu dürfen. Was ist ein gläubiger Moslem? Darf ein Moslem Texte gegen den Propheten dichten? Haben all die offensiv zu ihrer Religion stehenden Zuschauer ein Anrecht auf Beleidigtsein? Wer entscheidet was beleidigend ist? Wie tolerant ist eigentlich der „I-Slam“? Auf der Achse des Guten gibt es die Antwort:

„Wir wollen keine Kraftausdrücke oder Beleidigungen“, so die „fünfte Säule des i,Slam“. „Der Respekt vor den Religionen muss gewahrt werden“, betonen die Gründer. Aus diesem Grund beschäftigt „i,Slam“ auch einen „theologischen Berater“, der dafür Sorge trägt, dass bloß keine Blasphemie auf die Bühne gelangt. Denn im Gegensatz zu konventionellen Poetry Slams werden die Beiträge bei „i,Slam“ schon vorab von den Initiatoren gelesen und auf Spuren von Gotteslästerung überprüft.

Warum fällt es so vielen Menschen so unglaublich schwer, einfach nur Christ, Jude, Moslem oder Atheist zu sein, ohne daraus ein Alleinstellungsmerkmal zu machen, das nach gesonderten Konferenzen, Veranstaltungen und Konzerten schreit?

Slamt doch einfach!

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Hoffnung über Amsterdam

Die Westerkerk in Amsterdam ist eine der bekanntesten Kirchen der Stadt. Ganz in der Nähe befindet sich das Haus, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie vor den Nazis verstecken musste. Der Turm der Westerkerk ist fünfundachtzig Meter hoch und damit der höchste Kirchturm Amsterdams. Anne Frank schrieb am Samstag, 11. Juli 1942 in ihr Tagebuch:

„Liebe Kitty!

Vater, Mutter und Margot können sich noch immer nicht an das Geräusch der Westerturmglocke gewöhnen, die jede Viertelstunde angibt, wie spät es ist. Ich schon, mir hat es sofort gefallen, und besonders nachts ist es so etwas Vertrautes. Es wird Dich vermutlich interessieren, wie es mir als Untergetauchte gefällt. Nun, ich kann Dir nur sagen, dass ich es selbst noch nicht genau weiß. Ich glaube, ich werde mich in diesem Haus nie daheim fühlen, aber damit will ich überhaupt nicht sagen, dass ich es hier unangenehm finde. Ich fühle mich eher wie in einer sehr eigenartigen Pension, in der ich Ferien mache. Ziemlich verrückte Auffassung von Untertauchen, aber es ist nun mal nicht anders. Das Hinterhaus ist ein ideales Versteck. Obwohl es feucht und ein bisschen schief ist, wird man wohl in ganz Amsterdam, ja vielleicht in ganz Holland, kein so bequem eingerichtetes Versteck finden. Unser Zimmer war mit seinen nackten Wänden bis jetzt noch sehr kahl. Dank Vater, der meine ganze Postkarten- und Filmstarsammlung schon vorher mitgenommen hatte, habe ich mit Leimtopf und Pinsel die ganze Wand gestrichen und aus dem Zimmer ein einziges Bild gemacht. Es sieht viel fröhlicher aus.“

Am 19. April 2016 war der Musiker David Serebrianik zu Gast in Amsterdam und traf dort den Carellonisten der Westerkerk Boudewijn Zwart. Wie sich das Treffen entwickelte, beschreibt David Serebrianik wie folgt:

„So wie wir Juden halt sind, nutzte ich sofort die persönliche Beziehung, um an dem Mittag des 19. Aprils 2016 die Glocken der Westerkerk eine bestimmte schöne Weise ertönen zu lassen. An diesem Mittag hörte die City Amsterdam einem Zionisten und einem Christen zu, wie sie die Hymne Israels spielten! That’s freedom baby! Am Israel Chaj!“

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Dieses Video existiert nicht

Am 19. April 2016 spielten die Glocken der Westerkerk die Hatikva (Hoffnung). Anne Frank hätte diese Melodie in ihrem Versteck hören können. Ebenfalls am 19. April, jedoch 72 Jahre früher, schrieb Anne Frank:

„Was gibt es schöneres auf der Welt, als aus einem offenen Fenster hinaus in die Natur zu schauen, die Vögel pfeifen zu hören, die Sonne auf den Wangen zu fühlen und einen lieben Jungen in den Arm zu haben?“

Am 19. April 2016 wäre Anne Frank 86 Jahre alt gewesen. Sie wurde jedoch im Alter von fünfzehn Jahren ermordet. Es gab damals kein Land, das ihr helfen wollte oder konnte. Israel gab es damals noch nicht! Darum steht sie heute nicht als berühmte Journalistin mit siebzigjähriger Erfahrung als Autorin an einem offenen Fenster, spürt die Sonne auf ihren Wangen, hört Vögel pfeifen und denkt an die Liebe, das Leben und die Hoffnung.

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Erdo Erdo Erdoğan

Erdo Erdo Erdoğan
macht ein Gesicht wie ein Pavian.
Er ist wegen etwas beleidigt,
das keiner so ganz verstehen kann.

Erdo Erdo Pferdoğan
mutiert dann plötzlich zum Weinoğan.
Er weint und weint und weint und weint und ich sag einfach: „Na dann.“

Ich sag eigentlich nie „Na dann“,
aber wenn ich Erdoğan sehe, gibt’s nichts anderes, was ich sagen kann.
Manchmal sag ich einfach auch: „Alter, come on.“

Nachts bindet er sich einen Dildo um den Kopf
und spielt dann das letzte Einhorn.
Durch die Strassen Istanbuls macht er fröhlich Hop Hop Hop.
Er ist das letzte Einhorn!

Erdo Erdo Hairdoğan,
sag bloß nix gegen seinen Bart.
Das trifft ihn dann ziemlich hart!
Er kriecht in eine Ecke und kommt auf gar nichts, gar nichts klar.

Erdo Erdo Querdoğan,
sein Bart steht ihm eigentlich!
Es ist nur dieser Pedo-Blick,
der sagt: „Versteckt eure Kinder und Tiere, bevor ich sie alle fick.“

Nachts reibt er sich ganz sexy mit Honig ein
und spielt dann Biene Maja.
Zum Abflug bereit, springt er aus dem Fenster und bricht sich das Bein.
Aber er ist Biene Maja!

Erdo Erdo Erdoğan,
lach doch mal ein bisschen.
Sei nicht so sensibel,
dann geht’s Dir auch nicht so beschissen.

Diesen gut gemeinten Rat wollte ich Dir einfach mal sagen.
Es wär auch viel sympathischer, als alle verklagen,
Erdoğan Beschwerdoğan!

***

Das war „Wüggly Függöt“ von Ivan Spielt Akustisch Vorwiegend Deutsches Liedgut. Da Erdoğan den Sänger und Texter nicht verklagt hat, nehme ich mal an, das Lied geht klar und hat die Zensur überstanden. Daher teile ich das Lied jetzt.

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Kunst killen

Ein sehr guter Freund kommentierte meinen Artikel „Darf Satire Dreck fressen“ mit diesen Worten:

„Wer Kultur, dazu gehört auch Satire, ausschließlich den Marktgesetzen unterwerfen will, wird dann schnell keine mehr finden. Ohne Subventionen wären Mozart und Bach Kneipen-Piano-Player geblieben, kein Konzert hätte je stattgedunden, Shakespeare ein Friedhofsdichter und Kant ein Scheißhausphilisoph geworden. Dein Hass auf staatliche Subventionen ist fast schon therapiewürdig. Dein Glaube an den Neo-Liberalen Markt, der alles zum Guten regelt, ist einfach, sorry, nur noch dumm, um nicht doof zu sagen. Ich hoffe doch sehr, dass Dein „RTL“ und „Bild“-Staat, von dem Du immer mal wieder träumst, nie kommen wird.“

Meine Antwort darauf lautet:

Erst ein halbes Jahrhundert nach Bach beendete Napoleon die Inquisition. Während der Inquisition wurden unter Mitwirkung und im Auftrag der Kirche Menschen mit unliebsamen Meinungen verfolgt und ermordert. Der Adel spielte bei der Inqusition eine entscheidene Rolle als williger Vollstrecker der Kirche. Die Kirche, die Bach förderte, verfolgte und ermorderte zur gleichen Zeit unzählige Künstlerinnen. Auch der Adel, der Shakespeare förderte, verfolgte andere Menschen. Unter Königin Elisabeth zum Beispiel, die eine Förderin Shakespeares war, durften keine Juden in England leben. Die Kirche und der Adel verfolgten und killten mehr Genies als sie förderten. Ein wahrhaft schlechtes Beispiel für gelungene Kulturförderung!

Fällt Dir gar nicht auf, dass Du in Deiner Liste subventionierter Genies nur Männer aufgezählt hast? Kein Wunder! Der kirchlichen und adeligen Macht war die Subvention von künstlerisch und wissenschaftlich tätigen Frauen lange Zeit zuwider. Frauen konnten sich erst künstlerisch emanzipieren, als sie nicht mehr vom Tropf der adeligen und klerikalen Machthaber abhängig waren. Das Gleiche gilt übrigens auch für Künstlerinnen anderer Religionen und Hautfarben, was erklärt, warum alle von Dir genannten Genies weiße, christliche Männer waren.

Das 20. Jahrhundert jedoch ist ein Jahrhundert des künstlerischen Booms. Unzählige Menschen verschiedener Herkünfte formten und entwickelten die Musik, Malerei und Bildhauerei, das Theater und den Tanz in einer Vielfalt, wie es zuvor noch nie geschehen war. Standen Bach und Shakespeare in ihrer Zeit noch relativ einsam da, fallen einem heute neben Nina Simone, Prince, Frank Zappa, Gertrude Stein, Tennesse Williams und Elfriede Jelinek unendlich viele Künstlerinnen ein, die nicht weniger als Genies bezeichnet werden können wie die Männer der Jahrhunderte davor.

Heute entscheidet nicht mehr nur eine Königin oder ein Erzbischof, was wert ist, gefördert zu werden, sondern das emanzipierte und aufgeklärte Volk; und das Volk födert die Kunst heute so, wie die Königin und der Erzbischof einst, nämlich mit Geld! Subventionen lösen die Gesetze des Marktes nämlich nicht auf, auch geförderte Künstler müssen fressen und daher bezahlt werden, sondern Subventionen brutalisieren den Markt, indem durch die Förderung ein paar Menschen privilgiert werden, was dazu führt, dass das Leben der anderen Künstler erschwert wird.

Königin Elisabeth förderte damals nicht nur Shakespeare, sondern sie vernichtete mit ihrer Politik all die anderen Künstler ihrer Zeit, deren Namen wir daher heute nicht mal mehr kennen. Für Bach gilt das Selbe. Im Grunde kennen wir aus seiner Zeit fast nur noch seinen Namen! Du sagst mir, ich hätte eine Therapie nötig, ich aber sage Dir, Du hast Nachilfe in Geschichte nötig, denn die Geschichte zeigt eindeutig: Subventionen töten Kunst!

Stellen wir uns nur mal einen Platz vor, an dem es fünf freie Theater mit unterschiedlichen Stilen gibt, so ein richtiger Broadway. Wenn mir missfallen würde, was dort gespielt wird, ich aber genug Macht und Geld hätte, was könnte ich tun, um diesem Broadway zu schaden? Ganz einfach: Ich müsste nur beginnen, ein Theater staatlich zu subventionieren!

Wenn die Politik eines der fünf Theater fördern würde, wäre es schnell vorbei mit der Vielfalt! Vier Theater sähen sich nämlich auf einmal einem verzerrten Wettbewerb ausgesetzt, da das fünfte Theater plötzlich ein Konkurrent wäre, bei dem die Kasse bereits klingelt, bevor ein Gast überhaupt Platz genommen hat. Das subventionierte Theater könnte daher ohne Probleme seine Eintrittspreise senken und sich dadurch für das Publikum interessanter machen. Die anderen Theater müssten daraufhin dem Preisdruck folgen und daher bei den Künstlern sparen und somit deren Gagen kürzen. Es würde nicht lange dauern, bis das erste Theater dem Preisdruck nicht mehr standhalten könnte. Da wären es nur noch vier.

„Kein Problem“, würde dann die Politik sagen, „wir können ja noch ein weiteres Theater subventionieren.“ Alle Theater stellten daraufhin einen Antrag und schon gäbe es zwei subventionierte Theater am Platz. „Momentchen mal,“ sagt die Politik daraufin, „die Konzessionen haben wir auch schon lange nicht mehr geprüft und zwei Theater am Platz haben deutlich mehr Geld als früher, da sollten wir doch schleunigst mal wieder einen Besuch abstatten.“ Das Ordnungsamt und die Bauaufsichtsbehörde schicken ihre Leute los. Sie reden was von Sicherheit und sagen, sie dächten nur an die Kunden. Sie betonen, seit der Loveparade in Duisburg werde alles strenger gehandhabt und sowieso und überhaupt, lieber jetzt etwas pingeliger als später das Nachsehen. Ein Theater kann sich die neuen und teueren Anforderungen nicht leisten und muss schließen. Da sind es nur noch drei Theater.

„Es tut uns so fürchterlich, schrecklich leid,“ sagt die Politik irgendwann, „wir würden ja gerne weiterhin helfen wie zuvor, aber leider wir haben das Geld im Moment gerade nicht.“ In der Kommune läuft es finanziell irgendwann alles andere als gut. Den subventionierten Theatern müssen die Gelder gekürzt werden. Daraufhin demonstrieren die zwei subventionierten Theater. Einige Schauspieler legen sich vor das Rathaus uns rufen: „Das Theater stirbt!“ Die Presse berichtet von sozialer Kälte, die Bevölkerung ist außer sich. Es hilft alles nichts. Die Subventionen werden gekürzt. Jetzt müssen auch die subventionierten Theater einsparen, trauen sich aber nicht, mit den Preisen allzu hoch zu gehen, weil das Publikum sich an den niedrigen Preise gewöhnt hat. Stattdessen sparen sie bei den Künstlern. Die Gagen fallen. Ein Theater hat sich leider so an die Subventionsgelder gewöhnt, dass es verlernt hat, unabhängig zu wirtschaften und plant sich in den Ruin. Da sind es nur noch zwei.

Nur noch zwei Theater sind vor Ort. An den Stellen, wo einst die anderen Theater waren, läuft nur noch billiger Schund. Manch Schund ist nicht viel schlechter als was momentan in den schlecht subventionierten Theatern angeboten wird. Das Publikum bleibt weg. Ein Theater muss schließen. Da gibt es nur noch ein Theater.

An dem Platz, an dem einst fünf wunderbare Theater zu besuchen waren, steht jetzt nur noch ein Theater zwischen Schund. Irgendwann kommt eine Frau an den Platz und stellt die Frage, ob es eigentlich gerecht ist, dass dieses eine Theater subventioniert wird. „Aber liebe Frau,“ sagt der Pressesprecher der Stadt, „wie können Sie nur so eine Frage stellen? Sie sehen doch, was hier los ist. Wenn wir jetzt aufhören würden, das Theater zu subventionieren, dann gäbe es hier nur noch Schund. Wir garantieren hier die Qualität! Wer Kultur ausschließlich den Marktgesetzen unterwerfen will, wird dann schnell keine mehr finden. Ihr Glaube an den Neo-Liberalen Markt, der alles zum Guten regelt, ist einfach, sorry, nur noch dumm, um nicht doof zu sagen. Ich hoffe doch sehr, dass Ihr „RTL“ und „Bild“-Staat, von dem Du immer mal wieder träumst, nie kommen wird.“

Es ist amüsant, dass jene, die Suventionen verteidigen, erklären, ohne Subvbentionen gäbe es nur noch Schund. Dabei ist der Schund, den sie zitieren, nicht der Gegenentwurf von Subventionen, sondern das traurige Resultat. RTL2 isr nicht der Gegenentwurf des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sondern das traurige Resultat, weil die Gesetze des Marktes zur Privilegierung einiger Weniger derat verzerrt und brurtalisiert werden, dass qualititiv hochwertige freie Kunst nur noch schwer existieren kann. Ein Autor, der nicht selten in subventionierten Theatern gespielt wird, ist Bertolt Brecht. Von ihm stammt dieser Kinderreim:

„Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Das Geld, das subventionierte Theater bekommen, ist genau das Geld, das dann den anderen Theatern fehlt? Es gibt daher eine Menge Schauspieler, die frei nach Bert Brecht zu manch einem subventionierten Theaterleiter sagen können: „Wärst Du nicht subventioniert, wär ich nicht so schlecht bezahlt!“

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Darf Satire Dreck fressen?

Satire, die von staatlichen Mitteln subventioniert wird und mögen diese Mittel auch noch so indirekt fließen, ist niemals Satire, sondern immer Propaganda!

Mit jeder staatlichen Förderung und mag sie noch so gut gemeint sein, erklärte der Staat, dass der subventionierte Satiriker es wert ist, vom Zwang des Marktes befreit zu werden, um an den Hof berufen zu werden. Alle anderen Satiriker jedoch müssen sich weiterhin auf dem Markt behaupten, der allerdings durch die Förderung des Staates für die nichtgeförderten Satiriker brutalisiert wurde, da sie nun mit Satirikern konkurrieren müssen, die einen vom Staat ermöglichten Vorsprung haben!

Da kein Staat alle Satiriker fördern kann, sollte er besser gar keine Satiriker fördern und so für Gleichberechtigung sorgen. Der Satiriker ist besser bewaffnet ohne ein Schild des Staates. Kein Satiriker sollte sich den Staat zum königlichen Ritter wählen, schon aus Gründen des Selbstrespekts nicht! Wer will schließlich schon ein Hofnarr sein?

Stellen wir uns mal einen Platz vor, an dem es fünf verschiedene Restaurants gibt. Jedes Restaurant hat seinen eigenen Stil und ist auf seine Weise wunderbar. An dem Platz herrscht kulinarische Vielfalt. Was könnte diesem Ort gefährlich werden? Ganz einfach: Staatliche Subventionen!

Wenn die Politik auf einmal ihr Herz für die kulinarischen Künste entdecken würde und damit begänne, eines der fünf Restaurants zu fördern, wäre es schnell vorbei mit der Vielfalt! Vier Restaurants sehen sich nämlich auf einmal einem verzerrten Wettbewerb ausgesetzt, da das fünfte Restaurants plötzlich ein Konkurrent wäre, bei dem die Kasse bereits klingelt, bevor ein Gast ein Gericht gegessen hat, ja, sogar bevor dort überhaupt etwas bestellt wurde. Dieses Restaurant könnte ohne Probleme an den Preisen drehen, seine Gerichte günstiger anbieten und dennoch etwas Subventionsgeld in bessere Produkte investieren. Die anderen Restaurants wiederum müssten weiterhin ausschließlich mit ihrem erwirtschaften Geld auskommen. Besserer Produkte könnten sie nicht einkaufen, aber dem Preisdruck müssten sie dennoch folgen, besonders jetzt, da das subventionierte Restaurant in der Qualität etwas besser geworden wäre. Eingespart werden müsste das geringere Einkommen durch Lohnkürzungen bei den Köchen. Die besten Köche würden daraufhin kündigen und zu dem subventionierten Restaurant gehen, da dort nicht gespart werden müsste. Ersetzt würden sie durch weniger talentierte Köche. Zudem müssten auch die Waren etwas billiger eingekauft werden, um weiterhin konkurrieren zu können. Die Qualität würde leiden und weniger Gäste kommen. Es würde nicht lange dauern und das erste Restaurant müsste schließen. Da wären es nur noch vier.

„Kein Problem“, würde dann die Politik sagen, „wir können ja noch ein weiteres Restaurant subventionieren.“ Alle Restaurants stellten daraufhin einen Antrag und schon gäbe es zwei subventionierte Restaurants am Platz. Da kommt der Sommer. Alle Restaurants stellen ihre Stühle raus. Da denkt sich die Politik: „Momentchen mal, die Konzessionen für die Außengastronomie haben wir auch schon lange nicht mehr geprüft und zwei Restaurants am Platz haben schließlich deutlich mehr Geld als früher, da sollten wir doch schleunigst mal wieder einen Besuch abstatten.“ Das Ordnungsamt und die Bauaufsichtsbehörde schicken ihre Leute los. Sie reden was von Sicherheit und sagen, sie dächten nur an die Kunden. Sie betonen, seit der Loveparade in Duisburg werde alles strenger gehandhabt und sowieso und überhaupt, lieber jetzt etwas pingeliger als später das Nachsehen. Ein Restaurant kann sich die neuen und teueren Anforderungen nicht leisten und muss schließen. Da sind es nur noch drei.

„Es tut uns so fürchterlich, schrecklich leid,“ sagt die Politik irgendwann, „wir würden ja gerne weiterhin helfen wie zuvor, aber leider wir haben das Geld im Moment gerade nicht.“ In der Kommune läuft es finanziell irgendwann alles andere als gut. Den subventionierten Restaurants müssen die Gelder gekürzt werden. Daraufhin demonstrieren die zwei subventionierten Restaurants. Einige Köche legen sich vor das Rathaus uns rufen: „Die Küche stirbt!“ Die Presse berichtet: „Ab heute bleibt die Küche sozial kalt!“ Die Bevölkerung ist außer sich. Es hilft nichts. Die Subventionen werden gekürzt. Jetzt müssen auch die subventionierten Restaurants einsparen, trauen sich aber nicht, mit den Preisen allzu hoch zu gehen, weil die Gäste sich an den niedrigen Preise gewöhnt haben. Stattdessen sparen sie bei den Köchen und bei den Waren. Die Löhne fallen und die Qualität leidet. Ein Restaurant hat sich leider so an die Subventionsgelder gewöhnt, dass es verlernt hat, unabhängig zu wirtschaften und plant sich in den Ruin. Da sind es nur noch zwei.

Nur noch zwei Restaurants sind vor Ort, eines wird subventioniert, das andere Lokal nicht. An den Stellen, wo einst die anderen Gasthäuser waren, haben mittlerweile Schnellimbisse und Frittenbuden eröffnet. Einige sind qualitativ nicht schlechter als das Restaurant, das nicht subventioniert wird, aber dafür deutlich billiger. Diesem Druck ist das Restaurant nicht lange gewachsen und muss schließen. Da gibt es nur noch ein Restaurant.

An dem Platz, an dem einst fünf wunderbare Restaurants zu besuchen waren, steht jetzt nur noch ein Restaurant zwischen Imbissbuden. Irgendwann kommt eine Frau an den Platz und stellt die Frage, ob es eigentlich gerecht ist, dass dieses eine Restaurant subventioniert wird.

„Aber liebe Frau,“ sagt der Pressesprecher der Stadt, „wie können Sie nur so eine Frage stellen? Sie sehen doch, was hier los ist. Wenn wir jetzt aufhören würden, das Restaurant zu subventionieren, dann gäbe es hier nur noch Imbissstuben und Frittenbuden. Wir garantieren hier die Qualität! Ohne Subventionen müsste das einzige Restaurant am Platz schließen! Dann gäbe es dort nur noch Dreck zu fressen. Es ist unsere politische Pflicht, das Gute zu unterstützen.“

Die Frau geht nach Hause und bestellt sich eine Pizza. Am nächsten Tag erhöht die Kommune die Steuern.

Ein Autor, der nicht selten in subventionierten Theatern gespielt wird, ist Bertolt Brecht. Von ihm stammt dieser Kinderreim:

„Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Was denken subventionierte Theatermacher wohl, wenn sie diesen Kinderreim lesen? Ist Ihnen klar, dass das Geld, das sie als Subventionen bekommen, ein anderes Theater eben nicht bekommen kann? Ihre Eintrittsgelder sind nur deshalb so gering, weil ihre Kassen mit Steuergeldern aufgestockt werden. Die Theater ohne Subventionen müssen mit diesen Eintrittspreisen konkurrieren und daher das Geld bei ihren Künstlern einsparen. Es gibt nicht wenige Schauspieler, die frei nach Bert Brecht zu manch einem Theaterleiter sagen können: „Wärst Du nicht subventioniert, wär ich nicht so schlecht bezahlt!“

Ich halte jede Wette, der völlig zu recht belächelte deutsche Humor wird in dem Moment besser, da er aus dem Schutz des Staates befreit wird. Das wird dann der Moment sein, da das Publikum erkennt, dass es noch besser geht als die „heute Show“ oder „Neues aus der Anstalt“.

Die „heute Show“ ist übrigens lediglich eine Kopie der „Daily Show“, die sich auf dem freien Markt der Satire behaupten konnte und die „heute Show“ in jedem Aspekt um Längen schlägt.

Es mag hart klingen, aber alle Satiresendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten sind letztendlich Popaganda. Das hat Angela Merkel selbst bewiesen, in dem sie im April 2016 bei der türkischen Regierung anrief, um sich für die Satire von Jan Böhmermann zu erklären, die auf einem öffentlich-rechtlichen Sender ausgestrahlt wurde. Für freie Satire hätte sie sich niemals erklären können!

Jan Böhmermann war plötzlich ein Hofnarr, der zu weit gegangen war. Historisch gesehen hielt sich der Hof einen Hofnarren als vermeintlichen Vertreter des Volks gegen den Herrscher. Im Mittelalter war er oft der Einzige, der den Monarchen ungestraft kritisieren und verspotten durfte. Allerdings wurde der Hofnarr natürlich nicht vom Volk gewählt und war daher kein Vertreter des Volkes, sondern lediglich das Bild, das sich der König vom Volk machte und zwar durch seine Wahl und Förderung des Hofnarren.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass in Deutschland nun das Volk nach der Pfeife des Hofnarren lacht.

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Der Artikel 5 Club

Am 21. Januar 2010 ging ich mit meiner Frau durch Köln spazieren. Am Dom entdeckten wir einen Rentner, der dort eine Galerie aufgestellt hatte, an der er den Passanten unter anderem eine Karikatur zeigte, auf der ein Jude zu sehen war, der ein Kind aß und sein Blut trank. Ich war von der Karikatur so entsetzt, dass ich sofort die Polizei anrief und eine Anzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung nach §130 StGB stellte.

Die Kölner Staatsanwaltschaft entschied jedoch, die Karikatur sei nicht antisemitisch, da die dargestellte Person auf der Karikatur nicht als Jude erkennbar sei, da sie keine „Krummnase“ habe. Unglaublich, aber wahr, die Staatsanwaltschaft erklärte tatsächlich:

„Typisch für antijüdische Bilddarstellungen zu allen Zeiten ist die Verwendung von bestimmten anatomischen Stereotypen, die den Juden schlechthin charakterisieren sollen. Dabei werden insbesondere Gesichtsmerkmale überzeichnet, um den Juden als hässlich, unansehnlich und rassisch minderwertig erscheinen zu lassen (jüdische „Krummnase“, etc.) Einer solchen Bildsprache wird sich vorliegend nicht bedient.“

Die Kölner Staatsanwaltschaft entschied: Wo keine Krummnase, da kein Jude! Es war das erste Mal, dass mich arge Zweifel plagten, ob der Staat das Recht haben sollte, die Meinungsfreiheit einschränken zu dürfen.

Der Rentner vor dem Kölner Dom tat sich bis zu seinem Tod im Jahr 2016 immer wieder mit hasserfüllten Aussagen hervor. An seiner Galerie behauptete er zum Beispiel, das israelische Volk erpresse bereits seit Jahrhunderten die Welt, womit er klar machte, dass er nicht das Volk des Staates Israel meinte, das es schließlich erst seit dem Jahr 1948 gibt, sondern das israelische Volk, das es bereits seit Jahrhundert gibt: Juden. Zudem verglich der Rentner Israel mit Hitler und behauptete: „Wie früher die Deutschen mit den Juden – so heute die Israelis mit den Palästinensern.“

Da die Holocaustleugnung und die Billigung, Leugnung und Verharmlosung des Nationalsozialismus laut §130 StGB ebenfalls eine Straftat ist, erstatte ich aufgrund dieser Parolen erneut Anzeige, da die Behauptung, die Nazis damals seien so gewesen wie die Israelis heute, eine klare Verharmlosung des Holocausts darstellt. Wieder entschied die Kölner Staatsanwaltschaft, bei der Aussage handele es sich um erlaubte Kritik am Staate Israel:

„Ferner bleibt entscheidend zu berücksichtigen, dass im Falle einer Mehrdeutigkeit des Erklärungsgehalts solange nicht von einer allein strafrelevanten Deutung auszugehen ist, bis andere Deutungsmöglichkeiten auszuschließen sind.“

Die Zweifel, ob der Staat das Recht haben sollte, die Meinungsfreiheit einschränken zu dürfen, wuchsen.

Im Jahr 2014 schließlich, erklärte der Rentner den Völkermord an Juden als legitimen Widerstand, indem er titelte: “HAMAS = Volks-Widerstand”. Mehrere Menschen erstatteten daraufhin Anzeige. Eine Anzeige las sich wie folgt:

„Die Hamas fordert meinen Tod! Artikel 7 der Gründungscharta der Hamas fordert den Tod aller Juden weltweit, also auch in Deutschland. Das ist der Grund, warum die Hamas in Deutschland als Terrororganisation eingestuft wird. Ich bin Jüdin! Die Hamas fordert meinen Tod. Vor dem Kölner Dom wird diese Forderung als legitimer Widerstand verharmlost. Ich erstatte daher Strafanzeige. So lange vor dem Kölner Dom der Aufruf zum Judenmord als Widerstand bezeichnet wird, werde ich in Köln als Jüdin beleidigt, bedroht und verfolgt.”

All diese Anzeigen wurden von der Kölner Staatsanwaltschaft abgelehnt und meine Zweifel an das Recht des Staates, die Meinungsfreiheit einschränken zu dürfen, wuchsen weiter.

Die ständige Ablehnung der Kölner Staatsanwaltschaft, brachte mich im Jahr 2014 dazu, einen Test zu starten. Für meinen Blog Tapfer im Nirgendwo schrieb ich eine Glosse, in der ich die Parolen des Rentners vor dem Kölner Dom nahm und lediglich das Wort Israel mit dem Namen des Rentners austauschte. Ich wurde daraufhin von dem Rentner angezeigt und siehe da, die Kölner Staatsanwaltschaft forderte prompt 100,- Euro von mir, damit kein Verfahren wegen Beleidigung gegen mich eingeleitet wird. Es war der Tag, da mein Zweifel in Gewissheit kippte. Der Staat darf keine Zensur üben, auch nicht für einen vermeintlich guten Zweck, es trifft nämlich die Falschen.

Ein weiterer Test von mir nahm die Kölner Polizei unter die Lupe. Am 9. Juli 2011 rief ich bei der Polizei an, weil der Rentner seine abscheulichen Parolen an Laternen vor dem Kölner Dom befestigt hatte und niemand das Recht hat, wild zu plakatieren, schon gar nicht mit politischen, propagandistischen und aufstachelnden Plakaten. Die Polizei erklärte mir, dass das Ordnungsamt zuständig sei. Dort erklärte mir eine Dame, dass Wildplakatieren verboten sei. Daraufhin schlug ich vor, zum Domkloster 4 zu kommen, da dort seit Jahren nahezu täglich politische und anti-israelische Vorurteile verbreitet würden. Die Dame erklärte mir, dass momentan keine Kapazitäten frei seien, da das Ordnungsamt damit beschäftigt sei, „wild grillende“ Menschen zu entfernen. Ich rief also wieder bei der Polizei an und berichtete, dass das Ordnungsamt nicht tätig werden könne, worauf die Polizei erklärte, dann doch mal einen Wagen vorbei zu schicken. Vor Ort wurde mir erklärt, dass des Rentners Plakate an den Laternen toleriert werden. Die Polizei sagte: „Er genießt hier nun mal Narrenfreiheit. Er wird toleriert!“

Die Narrenfreiheit des Rentners reichte weit. In einem Flugblatt, das er im April 2013 vor dem Kölner verteilte, bezeichnete er mich als „kriminellen Israel-Lobbyisten“ und holt weit aus gegen mich. Eine Anzeige meinerseits endete am 12. Februar 2014 vor dem Kölner Amtsgericht mit der Entscheidung, dass ich als „krimineller Israel-Lobbyist“ bezeichnet werden dürfe, da dies zulässige Kritik sei.

Bei einer Demonstration vor dem Hauptbahnhof am 27. März 2011 entfernte die Berliner Polizei jedoch eine Israelfahne und nahm zwei Menschen in Gewahrsam, weil sie sich weigerten, ihre friedliche Solidaritätsbekundung mit Israel zu unterlassen. Im Januar 2009 stürmten Einsatzkräfte in Duisburg eine private Wohnung in Abwesenheit der Mieter, um eine Israel-Flagge aus dem Fenster zu entfernen, da eine aufgeputschte Meute von israelfeindlichen Judenhassern auf der Strasse den Anblick eines blauen Davidsterns nicht ertragen konnte und in guter alter Tradition deutscher Pogrome damit begonnen hatten, das Fenster mit Steinen zu bewerfen. Die Polizei hätte zwar dafür sorgen können, dass die Meute mit ihrer Gewalt aufhört, aber stattdessen stürmte sie lieber die Wohnung und machte somit die Mieter der Wohnung nicht nur zu Opfern der Judenhasser, sondern gleich auch zu Opfern des Deutschen Staates. Wieder einmal kapitulierte der Deutsche Staat vor dem Terror der Sturmtruppen auf der Strasse.

Im selben Monat fand in Bochum eine Demonstration von über 1500 Personen gegen den Staat Israel statt, zu der vier Moscheegemeinden aufgerufen hatten. Im Zuge dieser Demonstration wurden Parolen wie „Kindermörder Israel“, „Stoppt den Holocaust in Gaza“ und „Terrorist Israel“ laut. Alles schien darauf hinaus zu laufen, dass gleich jemand eine Israel-Flagge verbrennt. Als jedoch eine Studentin die Israel-Flagge herausholte und nicht verbrannte, sondern stolz schwenkte leitete die Staatsanwaltschaft später ein Strafverfahren gegen die Studentin ein, das mit einer Geldstrafe von 300,- Euro gegen die Studentin endete. Die Richterin hielt der Angeklagten vor: „Das war keine ungefährliche Situation, die Sie geschaffen haben.“

Nicht das Werfen von Steinen gegen ein Fenster mit Davidstern wurde unterbunden, sondern das Zeigen der Israel-Flagge. Diese Meinung wurde in Deutschland unterbunden. Es gibt jedoch Aussagen, die vom Recht auf freie Meinung geschützt werden, zum Beispiel: „Tod den Juden! Adolf Hitler!“ Diese Parolen wurden auf einer Demonstration gebrüllt, die im Sommer 2014 in Essen stattfand. Dort wurden Hakenkreuze in Davidsternen gezeigt, vom „Judenterror“ gefaselt und sogar behauptet, Juden seien „früher angeblich Opfer“ gewesen, ganz so, als habe es den Holocaust niemals gegeben.

Die Polizei schaute bei all dem zu. Am selben Tag interviewte der WDR-Journalist Stefan Göke die Polizistin Tanja Hagelüken. Sie wusste von einer friedlichen Demonstration zu berichten und Stefan Göke fügte hinzu:

„Es hat keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich Extremisten unter diese Demonstration gemischt haben, also weder von islamistischen Seite auf der einen Seite, aber auch keine Rechtsextreme, die dann das ganze nutzen konnten als Plattform um ihren Hass aufs Judentum oder auf Israel kundzutun. Das ist jedenfalls alles nicht passiert. Und bisher ist alles ein bißchen brisant aber durchaus friedlich.“

Während Stefan Göke im WDR dieser Worte in die Kamera sprach, zeigte ein Demonstrant direkt hinter ihm ein Plakat hoch, auf dem geschrieben stand: „Israel = Terrorist“. Stefan Göke hätte sich nur umdrehen müssen und er hätte gemerkt, dass er Blödsinn redet! Im Sommer 2014 schallten die übelsten Parolen gegen Juden über deutsche Straßen:

„Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“

„Juden ins Gas!“

„Scheiß Jude, brenn!“

Am 12. Juli 2014 zog eine Menschenmenge durch die Frankfurter Innenstadt und brüllte „Allah ist groß“ und „Kindermörder Israel“. Die Polizei schritt nicht ein, im Gegenteil: Die Polizei in Frankfurt stellte sogar die Lautsprecher eines Polizeiwagens zur Verfügung, damit die Hetze weithin gehört werden konnte!

Bei der Demonstration wurden Plakate mit deutlichen Aussagen gezeigt. Auf einem Plakat stand: „Ihr Juden seid Bestien“

Das alles geht in Deutschland. Auch bei Predigten ist man in Deutschland tolerant. Am 23. Januar 2015 wurde in einer Berliner Moschee eine Predigt mit diesen Worten gehalten:

„Eine Frau darf niemals das Haus ohne die Erlaubnis ihres Mannes verlassen und unter keinen Umständen darf sie eine Nacht außerhalb des Hauses verbringen ohne Erlaubnis ihres Mannes! Nicht mal bei ihrem eigenen Vater! (…) Eine Frau darf nicht arbeiten ohne die Erlaubnis ihres Mannes! (…) Ein Mann sollte seiner Frau nie das Arbeiten außerhalb des eigenen Hauses erlauben! (…) Das Leben einer Frau muss auf das Haus ihres Mannes beschränkt sein! (…) Eine Frau muss kochen, den Boden wischen, sauber machen und sich um ihren Mann, ihre Söhne und Töchter kümmern! (…) Einer Frau ist es nicht gestattet, den Beischlaf mit ihrem Mann zu verweigern! Mit keiner Entschuldigung darf sie sich rausreden!“

Die Frage, was auf deutschen Demonstrationen geht und was nicht, kann mit folgender Formel zusammengefasst werden: „Gegen Israel geht immer!“ Sollten sie was gegen Juden haben, sagen sie nur, es sei Israelkritik, dann bekommen Sie sogar für einen Anschlag auf eine Synagoge mildernde Umstände. Im Juli 2014 verübten gegen vier Uhr früh drei junge Männer mit sechs selbstgebastelte Molotowcocktails einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal. Das Amtsgericht Wuppertal erklärte damals, der Anschlag auf die Synagoge sei keine antisemitische Tat gewesen, da die Attentäter erklärt hatten, mit dem Anzünden der Synagoge in Wuppertal, die Aufmerksamkeit auf den Konflikt zwischen Israel und Gaza lenken zu wollen. Das Gericht schloss sich dieser Sichtweise an und erklärte, es gäbe „keine Anhaltspunkte für eine antisemitische Tat“!

Es gibt allerdings auch einige Beispiele dafür, dass Menschen wegen ihrer Meinung gegenüber Religionen verurteilt werden. Im Februar 2006 fiel das Amtsgericht Lüdinghausen ein über die Grenzen der Provinz hinaus bekanntes Urteil. Ein Mann war zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, weil er die Worte „Koran, der heilige Koran“ auf Toilettenpapier gestempelt hatte und diese Druckerzeugnisse dann an mehrere Fernsehsender, Moscheen und islamische Kulturvereine verschickt hatte. Nicht nur im Iran und in Saudi-Arabien maßen sich weltliche Gerichte an, Gott zu vertreten und sein Lästern zu ahnden, auch in Deutschland wird diese Tradition gepflegt und zwar mit §166 StGB.

§166 StGB lädt notorisch beleidigte Leberwürste geradezu ein, eine Störung der öffentlichen Ruhe herbeizuführen. Was immer Fundamentalisten jedoch glauben machen möchten, Worte, Bilder, Kunstwerke und Zeichnungen vermögen es nicht, Religionsausübungen zu stören. Religiöse Menschen müssen harsche Kritik, Spott und Polemik ebenso ertragen können wie Politikerinnen, Schauspieler, Köche, Lehrerinnen und alle anderen Menschen. Warum genießen gläubige Menschen einen besonderen Schutz, kritische Menschen jedoch nicht? Albert Voß hat recht:

„Gotteslästerung ist für mich ein Menschenrecht, das muss sein, damit man alles diskutieren kann. Also Gotteslästerung so verstanden, dass man in der Gesellschaft offen über alles reden kann.“

Im Mai 2012 zeigte die deutsche Polizei jedoch, dass es dieses Menschenrecht auf Gotteslästerung in Deutschland nicht gibt und verbat das öffentliche Zeigen eines religionskritischen Kunstwerks. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger von der SPD erließ in dem Monat hat eine Auflage an die Polizei, wonach auf einer Demonstration das Zeigen der berühmten Mohammed-Karikatur von Kurt Westergaard untersagt wurde. Der Innenminister begründet sein Handeln mit folgenden Worten: „Die Beamten dürfen nicht gefährdet werden.“

Es war damals bereits der zweite Versuch des Innenministers, das Zeigen der Karikatur zu unterbinden. Als die Mohammed-Karikatur bei einer Demo in Bonn gegen Salafisten gezeigt wurde, kam es zu einer „Explosion der Gewalt, die wir lange nicht mehr erlebt haben“, wie es die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa beschrieb. Ein 25-Jähriger griff mit einem Messer drei Beamten an. Dabei wurde ein 30-jährige Polizeikommissarin und ihr 35 Jahre alter Kollege schwer verletzt. Es flogen Flaschen und Steine auf die eingesetzten Beamten. Einige Salafisten schlugen mit von Zäunen abgebrochenen Latten auf die Polizisten ein. Insgesamt 29 Beamte erlitten bei der Auseinandersetzung Verletzungen. Das Handelsblatt titelt: „Mohammed-Karikatur sorgt für „Explosion der Gewalt.“

Salafisten marodierten durch die Straßen Bonns, aber das Handelsblatt erklärte, eine Zeichnung von Kurt Westergaard sei dafür verantwortlich gewesen, weil Mitglieder einer recht unsympathischen Truppe diese Karikatur bei einer angemeldeten Demonstration hochgehalten hatten. Für die Eskalation waren jedoch einzig und allein die Salafisten verantwortlich. Sie hatten mit Steinen geworfen, mit Zaunlatten geschlagen und mit Messern zugestochen. Kurt Westergaards Karikatur verbieten zu wollen ist genauso falsch wie den Bau einer Moschee verbieten zu wollen.

In Deutschland ist die Meinung weniger frei, als gemeinhin gedacht. Am 15. Juni 2012 nahm Jakob Augstein in der phoenix-Sendung „Jetzt aber wirklich – Endspiel um den Euro“ aus der Reihe „Augstein und Blome“ eine Deutschlandfahne und putzte sich damit die Nase. Zu seiner Aktion sagte er, wenn er dies in Amerika täte, würde er dafür nach Guantanamo geschickt werden.

Jakob Augstein hatte Unrecht! In den USA ist das Verbrennen, Schänden, Vernichten und Verächtlichmachen der eigenen Flagge selbstverständlich erlaubt und vom 1. Verfassungszusatz geschützt! Sogar das Oberste Gericht der USA hat die Verunglimpfung der Symbole der Staates als schützenswert im Sinne der freien Meinung erklärt. In Deutschland ist das jedoch nach §90a StGB verboten.

Ich habe mich viele Jahre mit den Gesetzen, die die Meinungsfreiheit in Deutschland einschränken, beschäftigen und muss feststellen: All diese Gesetze schützen nicht. Sie schützen mich nicht davor, als Schwein bezeichnet zu werden und sie schützen Juden nicht davor, dass ihre Vernichtung als „Widerstand“ verharmlost wird. Stattdessen verbieten diese Einschränkungen das Zeigen der Fahne Israels, das Kritisieren von Religionen und die Schmähung von Symbolen.

Ich lebe lieber in einem Land, in dem Gott, der Präsident und eine Fahne geschmäht werden können, es aber wenige tun, als in einem Land, wo es verboten ist, sich aber unzählige Unterdrückte danach sehnen, es zu können. Der Staat hat nicht zu entscheiden, was ich über Gott, einen Präsidenten, eine Fahne, ein Land, einen Prophet, einen Bürger oder einer Bürgerin sage. Ich habe in den letzten Jahren erkennen müssen, dass sämtliche Gesetze, die dem Staat die Macht geben, darüber zu entscheiden, was angemessene Meinung ist, letztendlich missbraucht werden. Ein Beamter hat eine offenkundig judenfeindliche Karikaturen zugelassen, während eine andere Beamtin, das Zeigen der Israelfahne unter Strafe gestellt hat. Kein Staat darf Menschen verbieten, ihre Gedanken auszusprechen! Und ja, es gibt widerliche Gedanken, das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Daher trete ich nun dem Artikel 5 Club bei. Dieser Club kennt nur eine Aufnahmeregel: Verteidige das Recht einer Person, deren Meinung Du verabscheust, ihre Meinung zu sagen. Es darf aber keine Meinung sein, die Du nur blöd findest oder wo Du lediglich eine andere Meinung hast, nein, es muss eine Meinung sein, die Dein Blut zum Kochen bringt! Die Meinung muss Dich richtig anekeln und Dir Angst machen.

Oft höre ich, Meinungsfreiheit schließe keine Hassreden und Falschaussagen ein, aber genau das tut sie. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geäußert werden dürfen. Es gibt kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das! Es gibt jedoch ein Zuviel an Angst und ein Zuviel an Beleidigtsein. Gegen Meinungen, die schmerzen, mögen sie nun schmerzen, weil sie wahr sind oder weil sie unwahr sind, hilft als Sofortmaßnahme ein einfaches Weghören und auf längere Sicht die Gegenrede als zivilisierte Form der Verteidigung.

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht. Die Zensur ist für die Redefreiheit das, was der Schleier für die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte, so wie jeder Mensch selbst entscheiden darf, ob und zu was er schweigen will. Es darf keinen Zwang geben, weder für den Schleier noch für den Mantel des Schweigens! Meinungsfreiheit gilt auch für die Hassrede! Sonst müsste der Koran schon längst verboten worden sein, denn da stehen einige deutliche Aufrufe zur Gewalt drin.

Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie gingen in eine Kneipe und da säße ein Mann mit einem Hakenkreuz am Revers. Sie würden denken: „Oh, ein Nazi, dem gebe ich kein Bier aus.“ Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, er trüge dieses Hakenkreuz nicht, weil es verboten ist. Sie würden sich vielleicht hinsetzen, sich vorstellen und er würde Sie nicht mit „Heil Hitler“ begrüßen, weil das unter Hassrede fällt. Sie würden ein wenig plaudern, dabei das ein oder andere Bier trinken, vielleicht sogar ein Bier ausgeben, bis das Gespräch auf ein Thema fällt, bei dem Sie plötzlich merken: „Scheiße, ein Nazi!“ Dann aber ist es zu spät. Sie haben ihm bereits ein Bier ausgegeben. Alles nur, weil ein Verbot des Hakenkreuzes und des Sagens von „Heil Hitler“ Sie daran gehindert hat, den Mann sofort als das zu erkennen, was er ist. Ich weiß lieber, wie jemand drauf ist, bevor er zur Tat schreitet. Außerdem möchte ich mit einem Nazi nicht plaudern. Mit einem Nazi möchte ich ausnahmslos Klartext reden oder ihn blockieren. Um aber entscheiden zu können, ob ich jemanden ignorieren oder blockieren möchte, muss ich ihn zunächst erkennen können.

Reden lassen und Zuhören ist ein präventiver Schutzmechanismus. Nur so lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schützen sollte. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden.

Andere Meinungen auszuklammern, ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die Hände vor die Augen hält und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man würde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie Bücher zu verbrennen.

Das Verbieten von Meinungen ist ein Präventivschlag, ein Kampf gegen eine Zukunft, die aus der eigenen Angst konstruiert wurde. Wer Meinungen verbietet, nimmt andere Menschen als Geisel der eigenen ängstlichen Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht.

Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden. Der Mensch, der in den Augen eines anderen Menschen ein Schwein ist, bleibt für ihn ein Schwein, auch wenn er es nicht mehr sagen darf. Das Messer in der Hose eines Mannes verschwindet nicht, wenn ihm der Mund verboten wird! Die Nazis wurden groß in einer Welt, in der es kein Internet gab. Meinungsfreiheit ist nicht das Problem, im Gegenteil: Eine der ersten Aktionen der Nazis, nachdem sie die Macht dazu bekommen hatten, bestand darin, Meinungen zu kriminalisieren und Kunst zu verbieten.

Deshalb ist ein Staat, der Zensur übt, immer schlimmer als ein Arschloch, das menschenfeindliche Scheiße redet.

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