„Shalom und Willkommen im ehrlichen, völkischen Wahn.“

Ein Kommentar von Elisabeth Lahusen.

Eine junge Frau soll sich ihren Wohnort nicht aussuchen dürfen, weil sie Jüdin ist und daher ein Friedenshindernis sei, weil sie als Jüdin dort wohnt, wo Antisemiten keine Juden haben wollen.

So steht es in dem Artikel „Chaya Tal. Warum eine deutsche Jüdin im Westjordanland lebt“ von Jennifer Bligh.

Was in dem Artikel nicht steht: Was genau unterscheidet Chaya von der Tochter und dem Sohn der ersten Frau des Vaters der Autorin dieses denkwürdigen Ignorantenpamphlets? Jennifer Blighs Vater war nämlich vor der Ehe mit ihrer Mutter mit einer Israelin verheiratet und zeugte mit ihr zwei Kinder.

Jennifer Bligh hatte das Glück, in einem postnationalsozialistischen Deutschland leben zu dürfen, das von alliierten Truppen davor geschützt wurde, wieder faschistisch zu werden. Ihre Halbgeschwister Orit und Yuval hätten im faschistischen Deutschland genau so wenig eine Überlebenschance gehabt, wie in einem von der Hamas oder der Fatah regierten Palästina. Aber Jennifer findet offenbar, dass in Judäa und Samaria keine Juden wohnen sollen, einfach, weil sich Judenhasser das so wünschen.

Soll es tatsächlich nach Meinung der offensichtlich rassisch reinen Jennifer Bligh und nach Ansicht der Redaktion des Bento auf der Welt Orte geben, in denen Juden nicht wohnen dürfen? Und wenn ja, wie erklärt Jennifer das dann ihren Halbgeschwistern?

Sorry, Ihr Lieben, Ihr hattet leider die falsche Mutter, also wird man Euch leider ermorden, wenn ihr Euch hier aufhaltet, wo ich gerne den völkisch gesäuberten Palästinenserstaat hätte?

Jennifers Halbschwester hat sie mit offenen Armen aufgenommen: „Komm, wir fahren zu mir, da hast du ab jetzt immer ein Zuhause.“

Jennifer findet überhaupt nichts dabei, dass ein Palästina gegründet werden soll, in dem nette Menschen wie ihre Halbschwester kein Lebensrecht hätten. Ist Orit weniger wert als Jennifer? Jennifers Halbbruder Yuval hat vermutlich in der Armee gedient. Wäre es Jennifer lieber, wenn die IDF einen der vielen Kriege verloren hätte und ihr Halbbruder gefallen wäre? Ihre Nichten und Neffen, pardon, „Halbnichten“ und „Halbneffen“, damit wir bloß im Rassenschema bleiben, auf das Jennifer offenbar so viel Wert legt, sollen also nicht in Judäa oder Samaria leben und vermutlich findet sie es auch schlimm, dass diese jungen Menschen in der IDF dienen und damit ihr, der nichtjüdischen Journalistin, auch die Freiheit verschaffen, sie für minderwertig erklären zu dürfen.

Pressefreiheit wird ja in Hamastan auch nicht gerade großgeschrieben. Oder ist Jennifer auch das egal? Würde sie ihrer Definition von Frieden auch freudig die Pressefreiheit opfern?

Das Leben ihrer Halbgeschwister und die eigene Existenzgrundlage sind ihr beide weniger wert, als das, was sie unter Frieden versteht. Hat sie sich wirklich klargemacht, was das heißt? Wissen Jennifers Halbgeschwister, wie Jennifer über sie denkt? Man wird ja wohl noch fragen dürfen. Und wenn wir schon mal dabei sind, zu fragen, dann interessiert mich auch Jennifer Blighs Definition von „Frieden“.

Ist „Frieden“ dort, wo Homosexuelle an deutschen Baukränen hängen, wo Regimekritiker gefoltert und ermordet und Frauen rechtlos sind? Ist „Frieden“ ein Synonym für Appeasement mit Mördern? Würde sie auch einem Herrn Goebbels in den verlängerten Rücken gekrochen sein, wenn der ihr für Mord an Juden „Frieden“ versprochen hätte, genau wie sie der Hamas und der Fatah auf den Leim geht, die ein Friedenshindernis in der reinen Existenz jüdischer Nachbarn sehen?

Wie Jennifer Bligh, deren Vater in erster Ehe mit einer Israelin verheiratet war, bei Bento ihren Friedenswunsch zu Papier bringt –ist denkwürdig. Lange nicht mehr so etwas schonungslos Ehrliches gelesen. Manche Autorinnen sind so ehrlich, sie veröffentlichen sogar ihre eigene Diagnose und die der Redaktion gleich mit.

Wie auch immer man zu derart offenem Judenhass steht, Ehrlichkeit wird man Jennifer Bligh jedenfalls nicht absprechen können. Shalom und Willkommen im ehrlichen, völkischen Wahn.

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Chaya Tal, Jüdin und Friedenshindernis

Ich bin schon oft mit Judenhass in Berührung gekommen, nicht selten in Form von Hassmails, die mir seit Jahren zugeschickt werden, dass aber mal vor meinen Augen eine gute Freundin fertig gemacht wird, einzig und allein weil sie Jüdin ist, das hätte ich nie gedacht. Dann aber kam Jennifer Bligh.

Für das Magazin Bento hat Jennifer Bligh einen Artikel verfasst, der einen erschreckend offenen Judenhass zur Schau stellt. Jennifer Bligh darf sich rühmen, mit diesem Artikel das selbstgerechteste Urteil über einen Juden gefällt zu haben, seit Shakespeares Portia. Schon der erste Satz zeigt, wie die Autorin tickt:

„Chaya Tal, 24, behindert mit ihrem Wohnort den Friedensprozess.“

Chaya Tal ist eine gute Freundin von mir. Sie wurde in Russland geboren, wuchs jedoch in Deutschland auf. Sie selber beschreibt sich wie folgt:

„Durchs Leben wurde ich gebracht von meiner “jiddischen Mamme”. Geprägt wurde ich vor Allem von schwedischen Kindermärchen, deutscher Nachkriegsliteratur, hebräischer Sprache, israelischen Liedern, jemenitischer Geschichte und dem jüdischen Religionsgesetz. Ich habe eine besondere Liebe zum Schreiben, zu Katzen, Musik, Wandern, Politik, Couchsurfing, Reparaturarbeiten, Sauberkeit und elektrischen Werkzeugen.“

Das klingt wirklich wie ein böses jüdisches Weib, das allein durch seine Existenz den Frieden bedroht.

Ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie Chaya regiert hat, als ihr vorgeworfen wurde, sie sei ein Friedenshindernis. Sie wird gelacht haben. Sie tat es auch. Dieses Lachen war für Jennifer Bligh jedoch ein Anlass, Chaya zu diffamieren und das Lachen als „unschön“ zu bezeichnen. Für Judenhasser lachen Juden immer „unschön“.

„Chaya lacht unschön auf. „Ich soll ein Friedenshindernis sein?“ Die meisten Siedler seien doch überhaupt nicht militant, einzelne Gruppen würden einfach nur herausgenommen und falsch dargestellt. Was sie dabei ignoriert: Es geht gar nicht darum, wie manche Siedler sich verhalten. Sie alle, egal ob freundlich oder militant, verstoßen mit ihren Siedlungen gegen internationales Recht.“

Was Jennifer Bligh hier ignoriert: Chaya verstößt nur aufgrund einer Sache gegen das sogenannte „internationale Recht“, weil sie Jüdin ist und es wagt, im Westjordanland zu leben. „Westjordanland“, so nennt Jennifer Bligh den Ort. Ich nenne das Gebiet jedoch so, wie es schon seit Jahrhunderten heißt: Judäa und Samaria.

Judäa und Samaria gehörten einst zu Jordanien, dem Land, das sich zu über 80 Prozent auf palästinensischen Boden befindet und wo im Gegensatz zu Israel Palästinenser nicht die volle Staatsbürgerschaft besitzen. Davor wurde das Gebiet vom Völkerbund verwaltet. Davor gehörten Judäa und Samaria zum Osmanischen Reich, davor zum Römischen Reich und davor, wie das Wort „Judäa“ schon vermuten lässt, zu einem Jüdischen Reich. Das jüdische Volk ist das älteste noch heute existierende Volk im Nahen Osten. Juden sind die Ureinwohner des Nahen Ostens!

Heute gehören die Gebiete Judäa und Samaria zu keinem Staat. Es ist ein umstrittenes Gebiet. Dennoch siedeln dort Menschen: Araber, Juden, Israelis, Staatenlose. Manche siedeln in Häusern, andere in Zelten. Chaya ist somit eine Siedlerin unter vielen. Sie ist jedoch Jüdin und für Menschen wie Jennifer Bligh sind Siedler illegal, wenn sie jüdisch sind. Gegen arabische Siedler hat sie nichts! Damit haben wir das Hauptproblem direkt vor uns:

Als „illegal“ werden nur die Siedler bezeichnet, die Juden sind! Das Problem, das viele Menschen mit diesen Siedlern haben, ist ihr Jüdischsein!

Die radikale Hamas erklärt in ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden zur Pflicht aller Muslime! Auch die Fatah ist von dieser Pflicht überzeugt. Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah bekräftigte Mufti Muhammad Hussein, der von Mahmud Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt wurde, die These, dass es Frieden nur bei der Vernichtung aller Juden geben könne. Wer jedoch glaubt und fordert, dass Juden verschwinden müssen, kann niemals Frieden mit Juden schließen. Wer brüllt “Juden raus aus meinem Land, meiner Stadt, meiner Nachbarschaft“, will keinen Frieden mit Juden, sondern einen Frieden von Juden.

Jennifer Bligh wünscht sich einen Frieden von Juden, so wie er im Jahre 2005 in Gaza exekutiert wurde. Im Jahr 2005 wurde der Gazastreifen der palästinensischen Verwaltung übergeben. Daraufhin wurden alle Juden innerhalb weniger Tage aus dem Gazastreifen vertrieben. Am Morgen des 12. September verließen die letzten Juden das Gebiet über den Grenzübergang Kissufim. Der Abzug wurde von Arabern teils frenetisch mit Freudenschüssen und Autokorsos gefeiert. Die verlassenen Synagogen wurden in Brand gesteckt. Es kam zu einer wahren “Gazakristallnacht”. Gaza schloss einen Frieden von Juden, aber nicht mit Juden. Deshalb feuerte die Hamas in den folgenden Jahren auch unzählige Raketen auf Israel ab, in dem Willen, so viele Juden wie möglich zu töten. Ein Minister der Hamas brachte die eigene Politik 2010 mit diesen Worten auf den Punkt:

„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“

Für diese Menschen sind Juden schon allein deshalb ein Friedenshindernis, weil sie leben. Der Name Chaya ist Hebräisch und bedeutet “die Lebendige”. Vermutlich stört Jennifer Bligh genau das, dass Chaya Tal lebendig ist.

Frieden kann es für Jennifer Bligh nur geben, wenn Chaya vertrieben wird! So sehen es auch viele Araber. Deshalb hat in Alon Schewut auch vor wenigen Wochen ein palästinensischer Attentäter auf Autos geschossen, die sich an der Kreuzung stauten. Hier verschwanden vor rund eineinhalb Jahren auch drei Jugendliche beim Trampen, später wurden sie erschossen. Alon Schewut muss zudem Bushaltestelle so sichern, dass kein Auto in die Menge fahren und Menschen töten können. Zu viele Menschen wollen dort Juden töten, weil sie leben und durch ihre pure Existenz „den Frieden stören“.

Überall in Jerusalem dürfen Muslime siedeln. Sie sind kein Friedenshindernis! Juden jedoch, die siedeln und Häuser bauen, sind für Jennifer Bligh ein Friedenshindernis!

Überall auf der Welt gibt es in diversen Ländern jüdische Siedlungen und Viertel. In Deutschland gibt es jüdisch, muslimisch und christlich geprägte Viertel. Nur wenige sehen in ihnen ein Friedenshindernis. Sie werden vielmehr als eine kulturelle Bereicherung verstanden und gelten als Unterstützung für ein friedliches Miteinander, da sie Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz zu fördern vermögen. In Köln gibt es die überwiegend muslimisch geprägten Keupstraße und in Paris den Marais im dritten und vierten Arrondissement, eine überwiegend jüdisch geprägte Siedlung der Stadt. In Israel gibt es eine Menge muslimische Viertel und Siedlungen. Fast zwanzig Prozent aller Israelis sind Muslime. Für Israel sind muslimische Siedlungen innerhalb und außerhalb Israels kein Friedenshindernis! Für viele arabischen Extremisten und erschreckend vielen westlichen Beobachtern jedoch ist die pure Existenz von Juden schon ein Friedenshindernis.

Für Araber, die Frieden mit Juden schließen wollen, sind jüdische Siedlungen kein Problem, sondern Garant für die Möglichkeit eines Friedens! Chayas Hand bleibt deshalb weit ausgestreckt; wie es in der Unabhängigkeitserklärung Israels steht:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbstständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

Jennifer Bligh ist derart von ihren Ressentiments erfüllt, dass sie es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. An einer Stelle schreibt sie zum Beispiel:

„Aus Chayas Sicht gibt und gab es keinen palästinensischen Staat.“

Falsch! Nicht nur aus Chayas Sicht hat es niemals einen palästinensischen Staat gegeben, sondern aus objektiver Sicht! Es gab noch nie einen Staat Palästina. Es gibt keine eigenständige palästinensische Sprache, keine unabhängige palästinensische Kultur und keine palästinensische Währung. Es gibt aber eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die durch den Umstand vereint werden, dass sie in einem Gebiet leben, das Palästina genannt wird. Der mit Abstand größte Teil dieses Gebiets liegt im heutigen Jordanien. Weitere Gebiete Palästinas sind Golan, Gazastreifen, Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich in Israel, aber alle, die in dem Gebiet leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser! In dem 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts war das Wort „Palästinenser“ sogar ein Synonym für Jude!

Heute gibt es in der Region Palästina die unterschiedlichsten Länder. Nur eines dieser Länder ist demokratisch: Israel! Obwohl Juden seit Jahrtausenden im Nahen Osten leben, werden sie von Judenhassern als illegale Fremde bezeichnet und Jennifer Bligh spielt mit auf diesem Klavier der Judenfeindlichkeit. Sie schreckt nicht mal vor offenen Lügen zurück:

„Chaya kann entscheiden, wo sie lebt, die Einwohner der palästinensischen Gebiete können das nicht.“

Das stimmt schlicht und ergreifend nicht! Araber und Muslime dürfen überall im Nahen Osten leben. In Israel stellen sie sogar zwanzig Prozent der Bürgerschaft. Juden jedoch ist das Leben im Gazastreifen und in weiten Bereichen der palästinensischen Autonomie verboten! Israel ist das einzige Land der Welt, dass jüdische Bürger nicht sicher über den Landweg verlassen können. Chaya aber lässt sich nicht einschüchtern und vertreiben. Sie bleibt!

„Wir werden nicht flüchten, nur weil uns jemand das Leben schwer macht.“

Jennifer Bligh kann das so gar nicht verstehen und betont:

„Chaya sieht das anders – und ist damit Teil des Problems: „Ich bin überzeugt, dass wir zu diesem Land gehören“, sagt sie.“

So denkt es in Jennifer Bligh. Eine Jüdin, die sich nicht vertreiben lässt, ist „Teil des Problems“. Vermutlich fordert sie auch in Deutschland alle Muslime und Araber auf, den Nahen Osten Deutschlands zu verlassen, zum
Beispiel Dresden, Bautzen, Heidenau und Clausnitz, weil ihre pure Existenz dort den Frieden stört. Ich kann kaum Jennifer Blighs nächsten Artikel erwarten. Vermutlich wird sie dort „aufdecken“, dass Chaya Brunnen vergiftet und Christenbabys isst, alles unter der Überschrift: „Chaya Tal ist unser Unglück!“

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„Gotteslästerung ist ein Menschenrecht!“

„Wir pilgern mit Martin Luther: Auf nach Rom! Die Papstsau Franz umbringen. Reformation ist geil!“

„Kirche sucht moderne Werbeideen. Ich helfe. Unser Lieblingskünstler: Jesus – 2000 Jahre rumhängen und immer noch kein Krampf!“

„Christliche Eltern! Wenn dieser schreiende Bettnässer Euch auch noch verflucht, sollt Ihr ihn lynchen! Jesus will es! Nach Matthäus 15,4. Macht ein neues Kind!“

Solche Sprüche klebt der pensionierte Mathelehrer Albert Voß auf die Heckscheibe seines Autos. Am 25. Februar 2016 wurde er deswegen vom Amtsgericht in Lüdinghausen verwarnt, wegen Gotteslästerung. Er muss eine Geldbuße von 500 Euro zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar eine Geldstrafe von 3000 Euro gefordert. Die Richerin urteilte: „Das ist eine öffentliche Beschimpfung der christlichen Kirche“ und entschied, dass daher die auf die Heckscheibe geklebten Sprüche nicht von der Kunstfreiheit gedeckt seien.

Im Februar 2006 hatte das Amtsgericht Lüdinghausen schon mal ein über die Grenzen der Provinz hinaus bekanntes Urteil gefällt. Ein Mann war zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, weil er die Worte „Koran, der heilige Koran“ auf Toilettenpapier gestempelt hatte und diese Druckerzeugnisse dann an mehrere Fernsehsender, Moscheen und islamische Kulturvereine verschickt hatte.

So sieht es aus, nicht nur im Iran und in Saudi-Arabien maßen sich weltliche Gerichte an, Gott zu vertreten und sein Lästern zu ahnden, nein, auch in Deutschland wird diese Tradition gepflegt. Der sogenannte Gotteslästerungsparagraf besagt:

„Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Egal ob es einen Gott gibt oder nicht, §166 StGB ist ein Skandal. Gibt es Gott, ist §166 pure Gotteslästerung. Ein Gott nämlich, der das deutsche Strafgesetz braucht, um seine Macht zu manifestieren, ist ein armseliger Gott. Gott braucht kein Amtsgericht in Lüdinghausen! Gibt es keinen Gott, so erklärt §166 widerum, dass es untersagt ist, unsichtbare Freunde zu beleidigen. Mein Freund Harvey spitzt da direkt die Ohren!

§166 StGB lädt notorisch beleidigte Leberwürste geradezu ein, eine Störung der öffentlichen Ruhe herbeizuführen. Was immer Fundamentalisten jedoch glauben machen möchten, Worte, Bilder, Kunstwerke und Zeichnungen vermögen es nicht, Religionsausübungen zu stören. Religiöse Menschen müssen harsche Kritik, Spott und Polemik ebenso ertragen können wie Politikerinnen, Schauspieler, Köche, Lehrerinnen und alle anderen Menschen. Warum genießen gläubige Menschen einen besonderen Schutz, kritische Menschen jedoch nicht? Albert Voß hat recht:

„Gotteslästerung ist für mich ein Menschenrecht, das muss sein, damit man alles diskutieren kann. Also Gotteslästerung so verstanden, dass man in der Gesellschaft offen über alles reden kann.“

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Netanjahu zur LGBT-Community

„Ich weiß, dass es heute hier sehr wichtige und ausführliche Debatten zu dem Thema LGBT gibt. Deshalb bin ich auch außerplanmäßig heute hier zugegen um den Mitgliedern der LGBT-Community nur einen Satz zu sagen: ‚Jeder Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen‘ – das ist die Grundidee vom Menschen, die unsere Nation schon vor Jahrtausenden bestimmt hat. Und es ist zugleich das Prinzip, dass das Leben unseres Volkes heute zu bestimmen hat!“ (Benjamin Netanjahu)

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Habt Ihr gar keinen Stolz?

In einem kleinen Ort in Sachsen, der sich Clausnitz nennt, stellten sich am 19. Februar 2016 über hundert hasserfüllte Menschen einem Bus mit Flüchtlingen in den Weg und grölten „Weg mit Euch!“ In dem Bus befanden sich Kinder. Sie weinten, weil ihnen der Zorn des Mobs so brutal entgegenschlug.

Im Februar 2016 bedrohten erwachsene Menschen und riefen dabei „Wir sind das Volk!“ Die Typen, die dort die letzten Reste menschlichen Anstands fahren ließen und sich an Kinder vergingen, nennen sich selbst “patriotische Deutsche”. Wenn ich diese Deutschen sehe, freue ich mich, dass es in Deutschland den Artikel 5 gibt und rufe: „Leck mich am Arsch Deutschland!“ Gegen diese Deutsche gehe ich auf die Straße, demonstriere, schreibe Artikel, wehre mich und bin sogar niemandem böse, wenn er aus Protest die deutsche Fahne nimmt und sie verbrennt. Wenn sich Deutsche deshalb beleidigt fühlt, frage ich nur: Habt Ihr gar keinen Stolz?

Während der Mob in Clausnitz Kinder verängstigte, stand die Polizei hilflos daneben und konnte nicht anders, als die Kinder mit Gewalt aus dem
Bus zu zerren, um sie in Sicherheit zu bringen. Das führte jedoch dazu, dass die Kinder gezwungen wurden, durch die Masse des Hasses zu gehen.

Immer öfter offenbart sich in Deutschland die Hilflosigkeit der Polizei, die ihrerseits von der Politik eingelassen wurde. In der Silvesternacht 2015/16 verlor die Kölner Polizei kurzfristig die Kontrolle über den Kölner Hauptbahnhof, so dass es zu unzähligen Gewalttaten kam, zum großen Teil in sexualisierter Form. Trotzdem erklärte die Kölner Polizei in einem Polizeibericht vom 1. Januar 2016 noch, die Kölner Nacht sei „friedlich“ und „entspannt“ gewesen.

Eine ähnlich spektakuläre Fehleinschätzung findet man in einem Bericht der Essener Polizei vom 18. Juli 2014, in dem eine Demonstration als „friedlich“ bezeichnet wird, in der Hakenkreuze gezeigt wurde, Hitlers Taten gegen Juden gefeiert wurden und unter anderem „Scheiß Jude, brenn!“ gebrüllt wurde.

Im Oktober 2015 wiederum verlor die Kölner Polizei kurzzeitig die Kontrolle über eine rechtsradikale Demonstration. Ein Bild von der Demonstration zeigt einen umgeworfenen Polizeibus und drumherum zum Teil vermummte Männer.

Am 12. Juli 2014 war die Polizei in Frankfurt so überfordert, dass sie hasserfüllten Demonstranten sogar ein Polizeiauto mit Lautsprecher zur Verfügung stellte, damit sie “Kindermörder Israel” brüllen konnten. Neben dem Polizeiauto lief ein Mann mit einem Schild herum, auf dem geschrieben stand: „Ihr Juden seid Bestien“

In Deutschland formiert sich ein Hass auf den Straßen und die Polizei scheint hilflos.

Am 13. November 2015, als bei dem fürchterlichen Anschlag in Paris 130 Menschen ermordet und über 350 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, befand ich mich in Israel. Ich saß auf einer Parkbank in Jaffa, dem arabischen Teil von Tel Aviv, und trank eine Flasche Bier, die ich in einem Kiosk gekauft hatte, während ein Muezzin von einem Minarett zum Gebet rief, als auf meinem Handy die Nachricht auftauchte, dass etwas schlimmes in Paris geschehen sei.

Der Terror, der am 13. November 2015 in Paris zuschlug, ist eine Gefahr, mit der sich Israel seit Jahrzehnten beschäftigen muss, dennoch gibt es in Israel nichts, was dem deutschen Umgang mit Terrorismus auch nur Nahe kommt.

In Deutschland leben rund fünf Prozent Muslime. In Israel jedoch leben über zwanzig Prozent Muslime! Wenn in Deutschland eine Moschee gebaut werden soll, gehen unzählige Deutsche auf die Straße und demonstrieren dagegen. Wenn ein Muezzin in Deutschland von einem Minarett zum Gebet rufen möchte, sehen „deutsche Patrioten“ das Ende des Abendlandes nahe und lassen die muslimische Religionspraxis teilweise einfach verbieten. In Israel gehören Moscheen zur Selbstverständlichkeit! In Israel ruft der Muezzin zum Gebet, während ich im Schatten des Minaretts gelassen ein Bier trinke und mir von einem Moslem, der erst jüngst in Deutschland war, erklären lasse, dass das Leben in Israel für einen Moslem tausend Mal besser ist als das Leben in Deutschland, wo Muslime als radikal Fremde angesehen werden und wo es muslimische Stadtviertel gibt, in denen Muslime so verwahrlost leben, dass man sich in Israel dafür schämen würde. In Israels Metropolen demonstrieren nicht jede Woche zehntausend Menschen wie in Dresden gegen eine Islamisierung und lassen dabei jeden Anstand fahren.

Natürlich gibt es in Israel auch Ängste und Bedenken und die Terroristen, die in Israel wüten und morden, erklären, dass sie ihre Taten im Namen Allahs begehen, aber das bedeutet für Israel nicht, muslimischen Staatsbürger ihre Grundrechte zu nehmen. In Israel können und dürfen muslimische Staatsbürger alles tun, was ihre jüdischen Mitbürger auch tun können. In Deutschland sieht das anders aus. Dort werden Christen gegenüber Muslimen staatlich bevorzugt und zwar aufgrund eines Staatsvertrags, der am 20. Juli 1933 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem damaligen Deutschen Reich unter Adolf Hitler abgeschlossen wurde.

Obwohl sich Israel seit über sechzig Jahren mit Krieg und Terror konfrontiert sieht, hat Israel an den Prinzipien der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit festgehalten. Das ist einzigartig! Noch nie in der ganzen Menschheitsgeschichte hat es ein demokratisches Land gegeben, das in seiner Existenz bedroht war und sich über Jahre hinweg gegen die erklärten Versuche zur kriegerischen Vernichtung des Volkes wehren musste, ohne dabei die eigene Demokratie abzuschaffen.

In Europa gab es in den letzten Monaten die ersten Vorspiele zu den Akten der Gewalt, die in Israel nur allzu bekannt sind. Dennoch kam es in Europa bereits jetzt zu einer beispiellosen Eskalation der Gewalt und Abschaffung von Prinzipien. In Deutschland werden unzählige Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt. Länder wie Polen und Ungarn erklären, Muslime seien unerwünscht. Tausende von Menschen gehen in Dresden und andernorts gegen Muslime auf die Straßen. Grenzen werden geschlossen und die Möglichkeit von Schießbefehlen an Grenzen von Politikerinnen der AfD ins Spiel gebracht. Zur selben Zeit werden auf Politiker Anschläge verübt. In Chemnitz wurde Sprengstoff gegen ein Parteibüro der AfD geworfen und in Arnsberg auf ein Parteibüro der AfD geschossen. In Karlsruhe wurde sogar auf einen Menschen geschossen, weil er Werbung für die AfD gemacht hatte.

Hier offenbart sich das ganze Dilemma. Während in Clausnitz über hundert Männer die letzten Reste menschlichen Anstands fahren lassen und „Ausländer raus“ brüllen, wobei sie natürlich selbst definieren, wer alles Ausländer ist, rufen die Brüder im Geiste in Karlsruhe „Nazis raus“ und entscheiden dabei ebenfalls selbst, wer Nazi ist, was für sie dann schon Legitimation genug ist, zur Waffe zu greifen und auf Mitglieder einer Partei zu schießen, weil sie glauben, sie dürften entscheiden, wer in Deutschland Grundrechte besitzt, nämlich nicht jene, die sie zum Nazi erklärt haben.

Als ich gerade schrieb „Leck mich am Arsch, Deutschland“, da erwähnte ich Artikel 5 und betonte, wie froh ich bin, dass es diesen Artikel gibt. Die Mütter und Väter des Grundgesetz’ wussten eben, dass nichts gefährlicher sein kann als ein autoritärer Staat, der den freien Diskurs verhindert. Ob eine Meinung gefährlich ist und somit das Grundrecht eingeschränkt werden muss, dürfen in einem freiheitlich-demokratischen Staat ausschließlich die Gerichte entscheiden und nicht irgendwelche Vollhonks! Das nennt sich Gewaltenteilung! Die Gewaltenteilung zu missachten ist Bürgerwehr PEGIDA Style.

Deutschland hat viel weniger ein Problem mit Flüchtlingen als viel mehr ein Problem mit sich selbst. Im Umgang mit islamischen Terror, der auf westdeutschen Straßen brüllt, dass Juden verbrannt werden sollen und deutschem Terror, der auf ostdeutschen Strassen brüllt, dass Ausländer raus sollen, wird Deutschland zeigen, wie souverän das Volk im Umgang mit komplizierten Herausforderungen ist. Wer nämlich glaubt, das Problem lösen zu können, in dem er „Ausländer raus“ brüllt, liegt genauso daneben wie jemand, der glaubt, alles sei wieder friedlich, wenn man nur die AfD verbietet.

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Frieden aufrecht zu halten, ist keine Kunst. In den ersten Jahrzehnten hat Deutschland das recht passabel hingekriegt, wenn auch mit Unterstützung der Alliierten, die stets ein nötiges und wachsames Auge auf Deutschland hatten. Seit einigen Jahren jedoch breitet sich Unfrieden in Deutschland aus und es sind solche Zeiten der Krise, in denen sich eine Nation bewährt.

Israel vollführt das Kunstwerk der Einhaltung rechtsstaatlicher und demokratischer Prinzipien länger als Deutschland, und das obwohl sich das kleine Land seit seiner Gründung im Krieg befindet, an dessen Ende die sogenannten „radikalen“ Feinde das ganze jüdische Volk ausrotten wollen, während die sogenannten „moderaten“ Feinde nur die Vernichtung des Staates Israel im Auge haben. Dennoch wird Israel ausgerechnet von Deutschland kritisiert. Viele deutsche Kritiker geben Israel neunmalkluge Vorschläge und behandelt das Land wie ein gewöhnliches westeuropäisches Land, ganz so, als mache es keinen Unterschied, ob sich ein Land im Frieden befindet oder in einem Krieg, an dessen Ende die Feinde nur die totale Vernichtung des Landes akzeptieren können.

Es war so leicht und selbstgefällig, Israel zu kritisieren, als Deutschland noch im sanften Schlaf des verlogenen Friedens dämmerte. Jetzt aber wird langsam deutlich, dass Israel all die Jahre von einem Land kritisiert wurde, in dem Juden von muslimischen Terroristen bedroht werden, weil sie Juden sind, Muslime von muslimischen Terroristen bedroht werden, weil sie angeblich keine wahren Muslime sind, Deutsche gegen Muslime hetzen, weil sie angeblich keine wahren Deutschen sind, Christen Privililegien genießen, die andere Religonsgemeinschaften in Deutschland nicht haben, Anschläge auf Politiker verübt werden, weil sie angeblich Nazis sind und Anschläge auf Flüchlingsheime verübt werden, weil dort angelich nur Terroristen hausen. Die Polizei und die Politik kapituliert nicht selten vor all diesen Formen des Terrorismus‘. Eine denkbar schlechte Ausgangsposition, um Israel Ratschläge zu erteilen!

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Netanjahu zu Gast in Deutschland

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu war im Februar 2016 in Deutschland zu Gast. Besonders auffällig bei diesem Staatsbesuch war die Tatsache, dass es diesmal erstaunlich wenig Kritik in Richtung Israel gab. Sogar sonst so israelkritische Medien und Parteien hielten sich mit neunmalklugen Besserwissereien auffällig zurück. Angela Merkel räumte sogar ein, dass „sicherlich jetzt nicht der Zeitpunkt“ sei, „einen ganz umfassenden Fortschritt zu machen.“ Was war der Grund für das Steckenlassen des deutschen Zeigefingers in Richtung des so oft als unartig empfundenen Israels?

Am 13. November 2015, als der Anschlag in Paris 130 Menschen in den Tod riss und über 350 Menschen zum Teil schwer verletzte, war ich in Israel. Viele meiner deutschen Freunde waren damals besorgt, weil ich im vom Terror gezeichneten Israel weilte. Der Terror schlug jedoch in Europa zu.

Ich saß auf einer Parkbank in Jaffa, dem arabischen Teil von Tel Aviv, und trank eine Flasche Bier, die ich in einem Kiosk gekauft hatte, während ein Muezzin von einem Minarett zum Gebet rief, als auf meinem Handy die Nachricht auftauchte, dass etwas schlimmes in Paris geschehen sei.

Was am 13. November 2015 in Paris geschehen ist, findet in Israel seit Jahrzehnten immer mal wieder statt. Auch Übergriffe, wie sie in der Silvesternacht in ganz Europa, aber intensiv in Köln stattgefunden haben, erlebt Israel in zum Teil brutal bewaffneter Form immer mal wieder.

Seit einiger Zeit und seit der Silvesternacht sogar in besonders aggressiver Form agitieren und demonstrieren in Deutschland regelmäßig mehrere tausend sogenannte “patriotische Europäer” gegen Muslime! In Israel gibt es nichts, was dem deutschen Phänomen PEGIDA auch nur Nahe kommt. Israel pflegt einen deutlich besseren Umgang mit den unterschiedlichen Religionen.

In Deutschland leben rund fünf Prozent Muslime. In Israel jedoch leben über zwanzig Prozent Muslime! Wenn in Deutschland eine Moschee gebaut werden soll, gehen unzählige Deutsche auf die Straße und demonstrieren dagegen. Wenn ein Muezzin in Deutschland von einem Minarett zum Gebet rufen möchte, sehen „deutsche Patrioten“ das Ende des Abendlandes nahe und lassen die muslimische Religionspraxis teilweise einfach verbieten.

In Israel gehören Moscheen zur Selbstverständlichkeit! In Israel ruft der Muezzin zum Gebet, während ich im Schatten des Minaretts gelassen ein Bier trinke und mir von einem Moslem, der erst jüngst in Deutschland war, erklären lasse, dass das Leben in Israel für einen Moslem tausend Mal besser ist als das Leben in Deutschland, wo Muslime als radikal Fremde angesehen werden und wo es muslimische Stadtviertel gibt, in denen Muslime so verwahrlost leben, dass man sich in Israel dafür schämen würde.

Natürlich gibt es in Israel auch Ängste und Bedenken und die Terroristen, die in Israel wüten und morden, erklären, dass sie ihre Taten im Namen Allahs begehen, aber das bedeutet für Israel nicht, muslimischen Staatsbürger ihre Grundrechte zu nehmen. In Israel können und dürfen muslimische Staatsbürger alles tun, was ihre jüdischen Mitbürger auch tun können. In Deutschland sieht das anders aus. Dort werden Christen gegenüber Muslimen staatlich bevorzugt und zwar aufgrund eines Staatsvertrags, der am 20. Juli 1933 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem damaligen Deutschen Reich unter Adolf Hitler abgeschlossen wurde und das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und der römisch-katholischen Kirche regelt. Dieses sogenannte Reichskonkordat wird noch heute für die Bundesrepublik Deutschland als gültig betrachtet und dürfte somit der einzige noch gültige faschistische Staatsvertrag in Europa sein!

Was am 13. November 2015 in Paris geschehen ist, ist eine Situation, mit der sich Israel seit über sechzig Jahren konfrontiert sieht. Dennoch hat Israel in diesen sechzig Jahren an den Prinzipien der Demokratie und Rechtstaatlichkeit festgehalten. Das ist einzigartig! Noch nie in der ganzen Menschheitsgeschichte hat es ein demokratisches Land gegeben, das in seiner Existenz bedroht war und sich über Jahre hinweg gegen die erklärten Versuche zur kriegerischen Vernichtung des Volkes wehren musste, ohne dabei die eigene Demokratie abzuschaffen.

In Europa gab es in den letzten Monaten die ersten Vorspiele zu den Akten der Gewalt, die in Israel nur allzu bekannt sind. Dennoch kam es in Europa bereits jetzt zu einer beispiellosen Eskalation der Gewalt und Abschaffung von Prinzipien. In Deutschland werden unzählige Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt. Länder wie Polen und Ungarn erklären, Muslime seien unerwünscht. Tausende von Menschen gehen in Dresden und andernorts gegen Muslime auf die Straßen. Grenzen werden geschlossen und die Möglichkeit von Schießbefehlen an Grenzen ins Spiel gebracht. Zur selben Zeit werden auf Politiker Anschläge verübt. In Chemnitz wurde Sprengstoff gegen ein Parteibüro geworfen und in Arnsberg auf ein Parteibüro geschossen. In Karlsruhe wurde sogar auf einen Menschen geschossen, weil er Werbung für eine Partei machte.

Es war so leicht und selbstgefällig, Israel zu kritisieren, als Europa noch im sanften Schlaf des verlogenen Friedens dämmerte. In der Vergangenheit verglichen deutsche Kritiker Israel oft mit westeuropäischen Länder, ganz so, als mache es keinen Unterschied, ob sich ein Land im Frieden befindet oder in einem Krieg, an dessen Ende die Feinde nur die totale Vernichtung des Landes akzeptieren können. So langsam dämmert es jedoch vielen Deutschen, dass es einen Unterschied macht!

Demokratie und Rechtstaatlichkeit im Frieden aufrecht zu halten, ist keine Kunst. Deutschland gelingt das recht passabel seit über sechzig Jahren. Israel jedoch vollführt dieses Kunstwerk seit über sechzig Jahren im Krieg. Bisher bekam Israel dafür überwiegend Kritik, weil zu viele Menschen empathielos waren und nicht nachempfinden konnten, was es bedeutet, sich in einem Krieg zu befinden und wie schwer es ist, in einem Krieg nicht die Menschlichkeit zu verlieren.

Jetzt schlagen die ersten terroristischen Bomben in Europa ein und lassen erahnen, was in Israel seit Jahrzehnten kriegerische Realität ist. Jetzt, wo Europa spürt, was Israel seit über sechzig Jahren erleben muss, wandelt sich manch eine Kritik in Staunen. Auf einmal erkennen immer mehr Europäer, dass Israel ein Vorbild sein kann, wie man mit Krieg, Terrorismus, Hass und dem Aufruf und steten Versuchen eines Völkermords umgehen kann, ohne dabei die eigene Rechtstaatlichkeit über Bord zu werfen und den Glauben an die Gültigkeit der Menschenrechte zu verlieren.

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The crusade argument

Whenever we in the West are confronted with the brutality of the „Islamic State“, the mass executions, the beheadings carried out with butcher knives, the public live burning of people, the throwing of homosexuals from rooftops, the public stoning and all the other barbaric acts, all recorded on the technical equipment of the West and transmitted in the world using the infrastructure of the West, there is always someone who blurts out: „The Christians were not much better. Just think of the Crusades!“

OK, let’s discuss the Crusades!

The Crusades were preceded by a brutal Islamic expansion which began in the 7th century. Large areas were conquered militarily and entire populations were subjugated under Islamic rule. Christian areas were then settled by Arab-Muslim conquerors in the Middle East, in North Africa and in Italy. The island of Sardinia was conquered and then Rome was attacked in 846, whereby the Basilica of St. Peter was destroyed. Spain and Portugal were also conquered by the early „Islamic State“. Under the reign of the Caliph al-Hakim, the destruction of the Holy Sepulchre of Christ, one of the most significant sanctuaries of Christianity, occurred in 1009.

The First Crusade was an answer to Byzantine Emperor, Alexios I Komnenos’ request for military support against Islamic expansion. On November 27, 1095, Pope Urban II finally rallied Christians at the Council of Clermont for a crusade to recapture the so-called „Holy Land“.

Does that sound familiar? People ask for help against an „Islamic State“ which is raging with unbridled barbarism?

Urban II called upon Christians to push the Muslims out of the Middle East and to reclaim the holy places of Jerusalem. Back then, the „Islamic State“ didn’t face a West with enlightened democracies, but rather several absolutist Christian monarchies. At that time, many Christians were at least as fanatical and fundamentalist as many Muslims were then and still are today!

After the capture of Jerusalem in 1099, crusaders who died in battle were hailed as martyrs. The Church emphasized the religious dimensions of the crusades by making participation an honorable „penance“, which was allegedly promulgated directly from God through the Pope’s words. Crusaders even made legally binding vows, similar to a pilgrimage commitment. They firmly believed in an honorable death for the Church and God. Many Christians were religious warriors as many Muslims were then and still are today.

During the Crusades, fundamentalists faced off against fundamentalists. It was a brutal, chaotic period in which all principles of reason were thrown overboard. The chaos of those times is clearly described in Heinrich Heine’s play, „Almansor“.

The play takes place in the 15th century, several centuries after the first Crusades. The rule of the early „Islamic State“ in Spain and Portugal was being terminated by Christian knights under the inquisitorial Cardinal Mateo Ximenes de Cisneros. The piece vividly describes the horrors and irrationality of this religious war.

The most famous dialogue is between two Muslims upon an act of provocation, a public burning of the Quran:

Almansor: We heard that the terrible Ximenes, at the market place of Granada – my tongue freezes in my mouth – threw the Quran into a flaming pyre!

Hassan: That was but a prelude; where they burn books, they will ultimately burn people also.

The craziness of this dialogue is the fact that the Muslim, Hassan, as a brutal religious fanatic, thinks it worse when a copy of the Quran is burned than if people were slaughtered. At one point he says:

„To those fighters once I had joined in the mountains, the cold sneer, fled with flaming heart. Just as the snow up there, never do the embers in our breast disappear; as those mountains never move, so never wavered our faithfulness; and how often we rolled down from those mountains as crushing stone boulders, from those heights to the Christian people in the valley; and when they died gasping, as distant whimpering mourning bells, and fear chants dully, the sound was a sweetness in our ears.“

A man, who criticizes book burning, slaughtered people. For Hassan burning a copy of the Quran is a mortal sin, but the killing of Christians resonates „sweetness in his ears“.

Does that sound familiar? There are those Islamists who are immeasurably indignant when their religion is insulted, but find it perfectly acceptable to kill in the name of religion. The Islamists of today are no different from the Islamists back then! The West, however, has changed. In the West, no longer do absolutist Christian monarchs rule; instead we have democratically elected governments that are committed to the Enlightenment. The Caliphate no longer faces a Christian empire, but rather a multicultural, democratic and enlightened West.

The question remains: How should the West react?

Of course, the West can not recruit fanatical warriors as Christian kingdoms did in the Middle Ages to combat Islam. Critical reasoning of the Enlightenment prohibits that, but the West needs a strategy to counter the „Islamic State’s” plan for world-wide domination.

Times have changed, more so for Christianity than for Islam!

Even today, Mecca, one of the holiest places in the Islamic world, may only be entered by Muslims. In Mecca, as in all of Saudi Arabia, apostasy is punishable by death; homosexuality and blasphemy, also. A person who commits adultery is stoned. Those who have sex before marriage are flogged. The hands of thieves are chopped off, also the hands and feet of robbers. All these legal punishments also belong to the repertoire of the „Islamic State“. Imagine if all that would occur at the Vatican, the Catholic equivalent of Mecca!

Christianity of the past is history. However, Islam of that time, unchanged, is still with us. Today, there’s a crusade going on, but it’s an Islamic crusade. The West would do well to quickly develop a strategy on how it intends to confront this threat.

(Translation: William Wires)

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Der Dritte Weltkrieg hat längst begonnen!

In Europa gibt es die arrogante Haltung, Europa sei der Mittelpunkt der Welt. Es gibt Europäer, die sind belustigt, wenn ein Amerikaner nicht die Hauptstadt von Frankreich oder Deutschland benennen kann, während sie selber keinen blassen Schimmer haben, was die Hauptstädte der Elfenbeinküste und Ghana sind.

Aus dieser Arroganz kommt auch die Haltung, einen Krieg nur dann als Weltkrieg zu bezeichnen, wenn Massen in Europa sterben, so wie einst im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Heute sterben jedoch wieder Massen! Allerdings nicht in Europa.

Das Reich, das diesmal die Welt unterjochen will, hasst Juden so sehr wie einst das Reich im Zweiten Weltkrieg, das sich das Deutsche Reich nannte. Das Reich, das heute die Welt in einen Krieg stürzt, nennt sich Islamischer Staat. Ob der Staat wirklich islamisch ist, ist so wichtig wie die Frage, ob das Deutsche Reich wirklich deutsch war oder die Nazis Deutschland nur falsch verstanden hatten.

Das Deutsche Reich konnte lange Zeit ungehindert an der Vernichtung das jüdischen Volks arbeiten. Der Islamische Staat jedoch wird daran gehindert. Israel sei Dank! Und was macht der Rest der Welt. Wegschauen und währenddessen Israel kritisieren!

Das kleine Land Israel wurde von den Vereinten Nationen mittlerweile mit mehr Resolutionen belegt als alle anderen der Staaten der Welt zusammen! Hätte es Israel und die Vereinten Natioen bereits 1938 gegeben, vermutlich hätten die Vereinten Nationen selbst damals Israel kritisiert und nicht das Deutsche Reich; wenn das Deutsche Reich nicht sogar dem UN-Menschenrechtsrat vorgestanden hätte, so wie heute Saudi-Arabien dem UN-Menschenrechtsrat vorsitzt, ein Land, das sich von der mörderischen Praxis des Islamischen Staats lediglich darin unterscheidet, dass Saudi-Arabien als Mitglied der Vereinten Nationen mordet und währenddessen gemeinsam mit so ziemlich allen anderen Ländern Israel verdammt.

Der Zweite Weltkrieg wurde von den Alliierten nicht geführt, weil das Deutsche Reich Juden vernichtete. Die Welt schaute zu. Er wurde aus anderen Gründen geführt. Bis zum Ende gehörte die Verhinderung des Völkermords an Juden nicht zum Kriegsziel der Alliierten.

Der Dritte Weltkrieg heute wird auch nicht geführt, weil Juden vernichtet werden sollen. Das zu verhindern, muss Israel ganz alleine stemmen (und wird dafür von den Vereinten Nationen kritisiert).

Der Dritte Weltkrieg wird geführt, weil wieder einmal ein Reich brutal zur Weltherrschaft greift. Dieser Krieg hat zwar schon abermillionen Opfer gefordert, aber eben noch nicht in Europa. Das heißt aber noch lange nicht, dass es den Krieg nicht gibt.

Der Dritte Weltkrieg hat längst begonnen!

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„Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!“

Es gibt Menschen, die schreiben den Satz Bertolt Brecht zu. Manche behaupten sogar, der Satz ginge wie folgt weiter: „Und dann kommt der Krieg zu euch.“ 

Das stimmt nicht!

Der Satz „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ stammt ursprünglich von Carl August Sandburg. Er war ein US-amerikanischer Dichter, Journalist und Historiker und lebte von 1878 bis 1967. Bekannt ist er besonders durch seine Biographie von Abraham Lincoln, für die er den Pulitzer-Preis gewann. Sein bekanntester Satz stammt allerdings aus dem Buch „The people, Yes“. Dort heißt es:

„The first world war came and its cost was laid on the people.
The second world war — the third — what will be the cost.
And will it repay the people for what they pay?…
The little girl saw her first troop parade and asked,
‘What are those?’
‘Soldiers.’
‘What are soldiers?’
‘They are for war. They fight and each tries to kill as many of the other side as he can.’
The girl held still and studied.
‘Do you know … I know something?’
‘Yes, what is it you know?’
‘Sometime they’ll give a war and nobody will come.’“

Laut Harpo Marx soll jedoch schon vor Carl Sandburg jemand diese Geschichte erzählt haben, nämlich der Schriftsteller Thornton Wilder. In seiner Autobiographie „Harpo speaks“ schreibt Marx:

„My favorite Thornton Wilder story was the one about the time a little girl asked him what war was. Wilder replied, „A million men with guns go out and meet another million men with guns, and they all shoot and try to kill each other.“ She thought that over, then said, „But supposed nobody shows up?“

Die amerikanische Frauenzeitschrift „McCall’s“ formulierte dann 1966 im Schatten des Vietnamkrieges die Schlagzeile: „Suppose They Give a War, and No One Came?“. Ein Anti-Kriegs-Poster aus dem Jahr 1969, auf dem weiße Tauben zu sehen waren, die in einer Blumenwiese auf Waffen sitzen, nahm dann diese Schlagzeile auf. Auf dem Poster stand: „What if they gave a war and nobody came …“

So kam der Satz dann nach Deutschland, wo er schnell in folgender Übersetzung benutzt wurde: „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“.

Irgendwann wurde der Satz fälschlicherweise Bertolt Brecht zugeschrieben. Ein anonymer Scherzkeks kam dann später auf die Idee, den Satz „Und dann kommt der Krieg zu euch“ hinzuzufügen und hängte diesem Satz gleich noch ein wahres Gedicht von Bertolt Brecht an:

„Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt,
und lässt andere kämpfen für seine Sache,
der muss sich vorsehen:
denn wer den Kampf nicht geteilt hat,
der wird teilen die Niederlage.
Nicht einmal Kampf vermeidet,
wer den Kampf vermeiden will:
denn es wird kämpfen für die Sache des Feinds,
wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.“

Das Gedicht stammt aus dem Werk „Koloman Wallisch Kantate“. So entstand also das folgende Gedicht:

„Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin,
und dann kommt der Krieg zu euch.
Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt,
und lässt andere kämpfen für seine Sache,
der muss sich vorsehen:
denn wer den Kampf nicht geteilt hat,
der wird teilen die Niederlage.
Nicht einmal Kampf vermeidet,
wer den Kampf vermeiden will:
denn es wird kämpfen für die Sache des Feinds,
wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.“

Das Gedicht ist somit nicht von Bertolt Brecht, sondern ein lyrischer Cocktail aus Carl Sandburg, Bertolt Brecht, Thornton Wilder, einem anonymen Scherzkeks und einem Schuss Marx, Harpo, nicht Karl!

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Differenzieren bei Lanz

Lieber Markus Lanz,

wenn Sie einen Mann einladen, der in jungen Jahren von katholischen Geistlichen missbraucht wurde, dann sorgen Sie doch bitte dafür, dass in der Runde niemand sitzt, der dem Opfer erklärt, er solle bei all seinem erfahrenen Leid doch bitte differenzieren, da er sich sonst den Vorwurf gefallen lassen müsse, mit seinen Aussagen das Christentum zu beleidigen. Das Gleiche gilt übrigens auch für eine muslimische Frau!

Am 10. Februar 2016 war Sabatina James zu Gast bei Markus Lanz. Sie berichtete von ihrem Leben als Muslimin, wie sie in Pakistan zwangsverheiratet werden sollte und von der Gewalt, die muslimische Frauen in ähnlichen Situationen immer wieder erleben müssen. Vor einigen Jahren konvertierte Sabatina James zum Christentum, was ihr ein Todesurteil eingebrachte. Seitdem hat sie keinen festen Wohnsitz mehr, da sie ständig auf der Flucht ist. Ohne Sicherheitskräfte kann sie keinen einzigen Schritt mehr in der Öffentlichkeit machen, da sie jederzeit und überall umgebracht werden kann. Sabatina James ist ein ständiger Binnenflüchtling in Deutschland.

Trotz all der Drohungen und Gefahren führt Sabatina James heute eine Stiftung, die Flüchtlingen hilft, der Hölle familiärer Gewalt zu entfliehen und erklärt ihr Engagement mit ihrer eigenen Erfahrung.

„Ich bin damals nach Deutschland gekommen, um hier als Frau meine Menschenrechte wahrnehmen zu können. Und ich stelle fest, das geht hier auch nicht mehr, weil Deutschland auch die Täter Willkommen heißt. Und ich werde auf Deutschlands Bahnhöfen von den Islamisten angesprochen und gewarnt. Und es gibt einen Polizisten, der mir das auch letztens gesagt hat, das machen sie, um Ihnen zu sagen, dass sie ganz nah kommen können, wenn sie wollen. Und wir kriegen tatsächlich auch Todesdrohungen. Also eine der Drohungen, die letztens gekommen ist, war: ‚Achte auf Deinen Kopf und schau, dass Dein Haus unter Polizeischutz gestellt ist.‘ Das war jetzt nicht nur an mich alleine, sondern an unsere Leute gerichtet, die mitarbeiten an der Aufklärung über den Islam. Das ist die Realität in Deutschland und ich glaube, die Meinungsfreiheit ist deswegen auch faktisch nicht mehr gewährleistet. Das Problem ist, dass wir mit dem antidemokratischen Islamismus eine rassistische und sexistische Ideologie herholen.“

Mit in der Runde bei Markus Lanz saß der ehemalige Nahost-Korrespondent Ulrich Kienzle. Seine Aufgabe bestand darin, die Erfahrungen von Sabatina James zu relativieren.

Kienzle: „Genau an dieser Stelle möchte ich schon widersprechen. Dass sie hier frei reden können, spricht doch gegen das, was sie gerade gesagt haben.“

James: „Ich kann hier nicht frei sprechen, weil ich hier mit einem Personenschützer da bin.“

Kienzle: „Sie können hier doch sagen, was sie wollen. Das kann Ihnen doch niemanden verbieten.“

James: „Hier bin ich da mit einem bewaffneten Personenschützer. Ich kann mich nicht mehr frei auf Deutschlands Straßen bewegen. Ich lebe unter einem Opferschutzprogramm und ich bin immer wieder darüber erstaunt, mit was für einer Leidenschaft die Islamisten verteidigt werden und soviel Einsatz bekomme ich für die Opfer nicht!“

Mit diesen Worten traf Sabatina James einen Nagel auf den Kopf. Immer wieder, wenn Gewalttaten im Namen des Islam verübt werden, werden im öffentlichen Diskurs die Opfer weitestgehend ignoriert und stattdessen sofort eine Debatte über den Islam gestartet, die dann größtenteils aus der gebetsmühlenartigen Beteuerung besteht, die Täter hätten den Islam nicht verstanden. Markus Lanz zum Beispiel relativierte reflexartig: „Da gehen uns jetzt gerade etwas die Begrifflichkeiten durcheinander. Islam ist ja nicht Islamismus, also das muss man klar und sauber trennen.“ Kienzle reagierte sofort: „Es gibt den Islam nicht.“ „Genau“, betonte daraufhin Markus Lanz. Niemand sagte: „Was es nicht gibt, kann man auch nicht beleidigen oder verleumden. Frau James, fahren sie daher fort.“ Stattdessen fachsimpelte Ulrich Kienzle weiter:

„Es gibt unheimlich verschiedene Strömungen im Islam. Es gibt ganz gefährlichen Islam und es gibt friedfertigen Islam, zum Beispiel in Indonesien, dort funktioniert Demokratie. Es ist das größte islamische Land der Welt und da funktioniert es. Aber, ich meine, was Sie erlebt haben, ist schrecklich, aber …“

Hier breche ich kurz ab, denn es gibt „aber“, die gehören sich einfach nicht. Ulrich Kienzle hätte schlicht und ergreifend sagen sollen: „Was Sie erlebt haben ist schrecklich. Punkt!“ Stattdessen aber maßregelte er Sabatina James:

„Dass der Eindruck entsteht, dass man sozusagen immer in Todesgefahr schwebt, das finde ich sollte in dieser Gesellschaft bei uns nicht so sein. Und wir sollten uns auch wehren gegen bestimmte Tendenzen, die es gibt.“

Ich übersetze mal: Hören Sie, Frau James, wenn ihre Erfahrungen den Eindruck erwecken, dass es Frauen im Islam gibt, die unterdrückt werden und daher auf der Flucht sind, dann sollten sie lieber die Fresse halten!

Diese Haltung kenne ich nur zu gut! In meiner Kindheit war ich Messdiener in dem kleinen Dorf Haren-Erika. Dort habe ich die komplette katholische Erziehung erhalten: Taufe, Beichte, Kommunion, Firmung, Missbrauch, das volle Programm. Der Missbrauchsskandal wurde sogar deutschlandweit bekannt. Im Jahr 1996 berichtete der Spiegel:

„Im Zollgrenzörtchen Haren-Erika an der holländischen Grenze sind die Straßen wie mit dem Lineal gezogen. Die Bewohner dulden kein Unkraut in ihren Rosenbeeten, und die Zierzäune vor ihren Haustüren sind immer frisch gelackt.

Auffallend ist auch ein Kruzifix aus massivem Stein, das sich vor dem Gehöft des Bauern Josef Bonnarens erhebt. Bonnarens ist ein handfester Anfangsfünfziger im karierten Baumwollhemd und zählt zu den Dorfpatriarchen von Haren-Erika. Er gehört zu den Schlüsselfiguren einer Tragödie, die fast zehn Jahre unter Verschluss gehalten wurde und die die rund 1000 Erikaner nun doch mit voller Wucht getroffen hat.

Jahrelang hatte der Dorfpfarrer der Marienkirche ihm anvertraute Kommunionskinder und Meßdiener sexuell mißbraucht. Bonnarens war schon früh über einen der ersten Fälle informiert.

Doch der Mann schwieg. Und er schweigt bis heute. Wie er schweigt das ganze Dorf.

Die Bürger von Haren-Erika wünschen sich, daß diese furchtbare Geschichte nicht wahr ist, obwohl der Täter gestanden hat. Sie wollen nicht glauben, daß vorgefallen ist, wofür ihr ehemaliger Gemeindepfarrer Alois Bruns, 64, am vergangenen Mittwoch zu – überaus milden – zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde: Von 1987 bis 1995 hat der Geistliche 14 Jungen aus dem Ort 227mal sexuell bedrängt, hat sie unsittlich berührt und gestreichelt. Und das, was vor Gericht verhandelt wurde, ist nur ein Teil der Vorgänge in Haren-Erika, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Zunächst offenbarten sich über 20 Geschädigte, doch dann war ein Teil der Eltern plötzlich „nicht mehr an Strafverfolgung interessiert“, heißt es bei der Polizei. Die gläubigen Bürger von Haren-Erika hatten am Ende doch mehr Respekt vor ihrer Kirche, die den Geistlichen schützen wollte, erklärt Friedrich Lücken, Anwalt betroffener Eltern, den Mechanismus. Das alles sei doch „aufgebauscht“, lautet nun die gängige Formel im Ort.

Es fing an im April 1987. Die Nachricht erreichte Bonnarens, damals noch stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, telefonisch: Ein achtjähriger Junge war vom Pfarrer der Marienkirche mißbraucht worden und sei nun völlig verstört, erklärte eine Verwandte des Buben. Der Priester hatte das Kind nach dem Kommunionsunterricht dabehalten, es auf seinen Schoß gesetzt, Hose und Unterhose heruntergezogen und sein Geschlechtsteil betastet.

„Überlegen Sie sich das gut mit der Anzeige, wenn Sie in Zukunft friedlich in Erika leben wollen“, rieten Bonnarens und der Kirchenvorstandsvorsitzende den Eltern unmißverständlich.“

An diesen Herrn Bonnarens muss ich jedes Mal denken, wenn einem Menschen, der von sexualisierter Gewalt innerhalb familiärer oder religiöser Kreise berichtet, erklärt wird, er solle differenzierter sein. Ich war daher froh, dass Sabatina James diese Worte an Ulrich Kienzle richtete:

James: „Erzählen Sie das den Opfern, die zu uns kommen, die genauso nicht frei leben können wie ich, weil sie ständig darauf achten müssen, wo könnte ein Verwandter von mir leben, der mir nach dem Leben trachtet. Das ist das Problem! Wenn man selber noch nicht mit der Scharia in Konflikt geraten ist, kann man wunderbar erzählen.“

Kienzle: „Aber das mit Ihrer Hochzeit hat ja gar nichts mit Scharia zu tun.“

James: „Erzählen Sie das meinem Vater und überzeugen Sie ihn davon!“

Damit traf Sabatina James den zweiten Nagel auf den Kopf. Viel zu oft wird Opfern religiöser Gewalt erklärt, was die Religion bedeuten soll, aber viel zu selten den Tätern. Warum muss sich in einer Talkshow eine Frau, die Opfer von islamischen Fundamentalismus wurde und nun als ständiger Flüchtling vor islamischen Terror das Leben in Deutschland fristen muss, erklären lassen, was der Islam bedeutet? Wenn Ulrich Kienzle der Islam so wichtig ist, dann soll er mit jenen sprechen, die dem Islam schaden. Es sind die Täter! Nicht die Opfer. Die Täter erklären, ihre unmenschlichen Taten im Namen des Islams zu tun! Wem das nicht gefällt und wer den Islam retten möchte, soll mit den Tätern reden und ihnen erklären, was der Islam bedeutet. Es ist geschmacklos, Opfern religiöser Fanatiker Nachhilfeunterricht in Religionslehre zu geben. Sabatina James weiß, wovon sie redet, sie hat es erlebt!

„Man sagt zu uns Ausländern: ‚Intergriert Euch!‘ Dann wollen sich auch manche integrieren, bekommen jeden Tag den Arsch voll dafür in den Parallelgesellschaften und werden am Ende noch hingerichtet mit der Begründung, sie habe gelebt wie eine Deutsche!“

Markus Lanz aber wusste es besser und erklärte:

„Es ist so wahnsinnig schwer mit der Wahrheit im Moment, da hat Herr Kienzle vollkommen recht. Es gibt unglaublich viele Gerüchte und jeder kann sich im Moment auch seine eigene Wahrheit sehr leicht und einfach zusammenbasteln. Der Eindruck, der entsteht und da hat Herr Kienzle natürlich recht, ist, da draußen wabert etwas, eine schlimme Paralleljustiz, wir haben das Alles nicht mehr im Griff. So ist es natürlich nicht! Das, wovon Sie reden, dass sind Fehlgeleitete, das sind in meinen Augen auch keine Religiösen, das sind Wahnsinnige, das sind Fanatiker. Wir reden nicht von der Mehrheit der Muslime. Wir reden nicht von den zahllosen Türken, beispielsweise, die in diesem Land leben, irgendwann in dieses Land gekommen sind, mit deren Integration wir in aller Regel gute Erfahrungen gemacht haben. Viele von denen sind an diesem Punkt auch Opfer. Ich will einfach nur sagen, das hat in Wahrheit mit der Religion nicht so viel zu tun.“

Dafür, dass Markus Lanz „genau“ gesagt hat, als Ulrich Kienzle erklärte, es gäbe den Islam nicht, kann er aber ziemlich klar erklären, was in seinen Augen der Islam ist. Am 10. Februar 2014 erklärten Markus Lanz und Ulrich Kienzle, zwei Männer mit christlichem Hintergrund, Sabatina James, eine Frau, die im Islam groß geworden ist, was der Islam bedeutet. Sabatina James aber wusste aus eigener Erfahrung eine andere Geschichte zu erzählen:

„Mir geht es um die Opfer. Da werden Kinder verheiratet mit Segen des Mullahs, da wird zum Prügeln von Frauen aufgefordert und gerechtfertigt, bei ‚ungehorsamen‘ Frauen, da werden Hinrichtungen beschlossen und durchgeführt durch die Hilfe sogenannter Friedensrichter, die Jagd auf flüchtige Frauen machen, wenn sie flüchten und von Zuhause weggehen, weil sie die Gewalt nicht mehr aushalten. Dann werden die Mädchen von diesen Friedensrichtern gefunden, wieder zurück gebracht und dann hat das Opfer die Möglichkeit, sich zu unterwerfen oder es wir liquidiert.“

Und es ist keine Ausnahme:

„Was Sie hier sagen, Herr Kienzle, klingt wunderbar bei einer Sendung von Markus Lanz, aber sagen sie das auf Al Jazeera. Überzeugen Sie meine Eltern. Überzeugen Sie die Islamische Staatengemeinschaft dazu, die offen proklamiert, sechsundfünfzig islamische Staaten proklamieren offen in der ‚Islamischen Menschenrechtserklärung‘, dass Nicht-Muslime und Frauen rechtlich keine Gleichstellung bekommen dürfen. Sechsundfünfzig islamische Staaten sind antidemokratisch. Das ist Mehrheit! Das ist nicht Minderheit! Das ist kein Einzelfall! Nicht ich sage, dass die Gewalt aus dem Islam entstammt, sondern die Begründer der großen islamischen Rechtsschulen sagen das. Die islamischen Quellentexte sagen das. Jede Menge Islamgelehrter sagen das heute. Die Islamische Staatengemeinschaft sagt das heute. Ich kritisiere nur, dass diese Dinge heute noch gelehrt, geglaubt und nicht bekämpft werden. werden

An dieser Stelle meldete sich Imam Ulrich al Kienzle vom christlichen Stamme wieder zu Wort:

„Auch hier bitte ich zu differenzieren. Die vier Rechtsschulen, die es im Islam gibt, verurteilen Leute wie Sie zum Tode. Es gibt aber eine Ausnahme, die Hanbalitische. Dort dürfen Frauen nur ein Leben lang ins Gefängnis.“

Sabatina James‘ Reaktion auf diese Differenzierung war köstlich: „Das ist aber schön“, sagte Sie und Kienzle stimmte zu: „Das ist schön, ja“, und fügte hinzu: „Es geht ums differenzieren!“

Immer wieder, wenn christlich sozialisierte Menschen erklären, was der Islam bedeuten soll, stelle ich fest, dass ihre Definition schwer nach christlicher Lehre klingt. Im Grunde christianisieren diese Menschen den Islam. Früher nannte man so ein Verhalten Imperialismus oder Missionierung, heute aber Differenzierung. Also gut, dann differenziere ich mal; der Unterschied besteht also darin: Der radikale Islam tötet Frauen, die dem Islam den Rücken kehren, während der moderate Islam sie nur lebenslang wegsperrt.

Was bedeutet „moderater Islam“ überhaupt? Religionen sind nicht moderat. Sie sind immer radikal! Ein Buch mit dem Anspruch Gottes Wort zu sein, kann nicht moderat sein. Dafür ist Gott selbst zu radikal! Alle Religionen sind immer nur dann tolerant, wenn sie keine staatliche Macht haben. Das Christentum wurde tolerant, nachdem die Aufklärung gesiegt hatte. Zurück ins Mittelalter möchte ich nicht. Dafür fürchte ich das Christentum zu sehr. Ich fürchte auch den Islam, denn ich weiß, wozu Religionen im Stande sind. Sogar im aufgeklärten Christentum war ich als Kind nicht sicher.

Jeder Mensch kann glauben, woran er will. Christen sollen meinetwegen ihre Nonnen verschleiern und Muslime keine homosexuellen Imame ernennen, aber ich verlange, dass es mir scheißegal sein kann, welcher Religion ein Mensch angehört und dass ich frei über diese Religion reden und lachen darf. Und noch was: Bedauerlicher Einzelfall mich am Arsch! Ich erwarte, dass man die Erfahrung eines Menschen, der in religiöser Unterdrückung aufgewachsen ist, ernst nimmt, ohne diesen Menschen ein zweites Mal zu missbrauchen, indem man ausgerechnet ihm erklärt, das habe nichts mit der Religion des Täters zu tun, in dessen Namen er glaubt und erklärt zu handeln.

Markus Lanz beendete die Diskussion mit den Worten, „Wir nehmen mit: Besonnenheit ist das Wort, das wir in den Mittelpunkt der ganzen Geschichten stellen sollte.“ Kienzle stimmte zu. Ich widerspreche!

Wenn es um Menschenrechte geht, gibt es keine Besonnenheit. Es geht schließlich um die Freiheit, um die Freiheit von Frauen. Die Feministin Hedwig Dohm erklärte bereits im 19. Jahrhundert: „Menschenrechte haben kein Geschlecht!“ Sie forderte nichts weniger als die politische, finanzielle und gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen. Sie nannte sich deshalb ganz bewusst und nicht minder stolz eine Radikalfeministin. Besonnene Feministinnen, die nur ein paar Verbesserungen im Leben der in Ungleichberechtigung gehaltenen Frauen forderten, waren ihr zuwider. Es waren keine besonnenen Feministinnen, die das Leben von Frauen in Europa befreit haben, es waren radikale Feministinnen, die eine ganze Hälfte der Bevölkerung befreit haben! Darum gelten die letzten Worte in diesem Artikel Sabatina James, die mit nur vier Worten den Grund für ihr Handeln erklärt:

„Ich wollte frei sein!“

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