Am 15. Oktober 2021 stellte ich folgende Frage an die Stadt Köln bezüglich der Religionsfreiheit:
„Hiermit bitte ich um Klärung der Frage, in welcher Zeit der Woche ich den folgenden Aufruf laut via elektronischer Verstärkung durch die Straßen und über die Dächer Kölns erschallen lassen darf:
„Allah ist nicht groß! Ich glaube, dass es keinen Gott gibt, auch nicht Allah. Ich erkläre, dass Mohammed kein Gesandter Gottes war. Lasst das Gebet! Auf zum besten Zweifeln! Auf zur Ketzerei! Allah ist nicht groß! Es gibt keinen Gott, auch nicht Allah.“
Am 21. Oktober 2021 erhielt ich folgende Antwort:
„Guten Tag Gerd Buurmann,
vielen Dank für Ihre Anfrage an die Stadt Köln bezüglich des Modellprojekts.
In Deutschland stellt die Religionsfreiheit ein Grundrecht dar. Es ist in Artikel 4 des Grundgesetzes verankert.
Durch europäisches Recht ist die Religionsfreiheit durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union gewährleistet.
Völkerrechtlich und gemäß internationalem öffentlichem Recht ist Deutschland u. a. aufgrund der Europäischen Menschenrechtskonvention zum Schutz der Religionsfreiheit verpflichtet. Gleichzeitig herrscht in Deutschland die Trennung zwischen Staat und Religion. Niemand darf verpflichtet werden, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren und niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder zur Teilnahme an religiösen Übungen gezwungen werden (Art. 140 GG i.V.m. Art. 136 Abs. 3 und 4 WRV).
Seit vielen Jahren ist der Islam, wie viele andere Religionen auch, ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft. Die ersten Moscheen sind in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Seit den 1980er Jahren sind Moscheen insbesondere in Städten entstanden, die einen hohen Zuzug von Menschen muslimischen Glaubens zu verzeichnen hatten. Nach aktuellen Schätzungen leben derzeit circa 4,4 bis 4,7 Millionen Muslim*innen in Deutschland. Deshalb wurde und wird die Frage nach der Erlaubnis der Gebetsrufe an den Moscheen bundesweit immer wieder diskutiert. Bereits während der Einschränkungen zur Corona-Pandemie sind Muezzinrufe innerhalb des Stadtgebietes täglich zur Mittagszeit und während des Ramadans 2020 ebenfalls täglich zur Mittagszeit geduldet worden. Aus diesem Grund hat sich die Stadt Köln entschlossen, ein zunächst auf zwei Jahre befristetes Modellprojekt durchzuführen.
Mit freundlichen Grüßen / Im Auftrag
Ihr Diversity-Team“
Meine Antwort lautet:
Sehr geehrtes Diversity-Team,
Vermutlich ist Ihnen ein bedauerlicher Fehler unterlaufen, denn Sie haben mir eine Mail geschickt, die offensichtlich für jemanden anderes bestimmt war, da dort meine Frage nicht beantwortet wird. Ich hoffe, Sie können noch ausfindig machen, für wen diese Antwort eigentlich gedacht war.
Können Sie mir bitte meine Frage beantworten? Sie lautet:Ich bitte um Klärung der Frage, in welcher Zeit der Woche ich den folgenden Aufruf laut via elektronischer Verstärkung durch die Straßen und über die Dächer Kölns erschallen lassen darf:
„Allah ist nicht groß! Ich glaube, dass es keinen Gott gibt, auch nicht Allah. Ich erkläre, dass Mohammed kein Gesandter Gottes war. Lasst das Gebet! Auf zum besten Zweifeln! Auf zur Ketzerei! Allah ist nicht groß! Es gibt keinen Gott, auch nicht Allah.“
Gerade für all die Menschen, die im Namen des Islams verfolgt, unterdrückt, gequält und erniedrigt wurden, kann es durchaus etwas bedeuten, wenn wir in unserer weltoffenen Stadt auch diesen Biographien Rechnung tragen. So werden auch die Interessen der hier unter dem Islam leidenden Menschen vertreten und ihre individuelle Geschichte mit dem Islam akzeptiert.
Menschen, die unter einem fundamentalistischen Islam leiden, viele von ihnen hier geboren, sind fester Teil der Kölner Stadtgesellschaft. Wer das anzweifelt, stellt die Kölner Identität und die individuellen Leidensgeschichten infrage. Wenn wir in unserer Stadt neben dem Ruf des Muezzins auch den Ruf der Kritiker des Islams hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und gelebt wird.
Meine Frage lautet: Wann darf die in Wort und Ton laut verstärkte, regelmäßige und friedlich vorgetragene Ablehnung des Islams über Köln erklingen?
Alles Liebe,
Gerd Buurmann
Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.
Das schrieb Georg Restle am 21. Oktober 2021 auf Twitter.
Georg Restle hat Unrecht!
Kritischer Journalismus soll nicht abgeschafft werden. Es geht lediglich darum, den Macherinnen und Machern von Monitor, Panorama und anderen öffentlich-rechtlichen Sendungen die Waffe zu nehmen, mit der sie andere Menschen zwingen, ihren Journalismus zu bezahlen.
Nicht der kritische Journalismus der öffentlich-rechtlichen Sendern soll abgeschafft werden, sondern die Gewalt, die von diesen Sendern ausgeht.
Das letzte Mittel jeder staatlichen Forderung ist die Gewalt. Der deutsche Staat hat mit den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten einen Vertrag geschlossen, der es den Anstalten erlaubt, alle deutschen Bürgerinnen und Bürger mit Waffengewalt zur Finanzierung zu zwingen. Ich plädiere für deutlich mehr staatlichen Pazifismus in dieser Angelegenheit.
Kritischer Journalismus ist auch ohne Gewalt möglich. Viele Zeitungen, Sender, Blogs und andere Medien beweisen es tagtäglich.
Diverse Formate nicht öffentlich-rechtlicher Art sind ebenfalls kritisch. Ob nun bei ARD, ZDF oder auf anderen freien Formaten, überall werden Menschen kritisiert, vorgeführt und teilweise veralbert. Die freien Medien zwingen die kritisierten, vorgeführten und veralberten Menschen jedoch nicht dazu gezwungen, diese Behandlung auch noch selbst zu bezahlen, die öffentlich-rechtlichen schon.
Jede Sendung darf mit jedem Menschen hart ins Gericht gehen, aber jeder Sender sollte wenigstens den Anstand haben, die in die Mangel genommene Person nicht auch noch dazu zu zwingen, für diese Behandlung zu bezahlen.
Die öffentlich-rechtlichen Sender zwingen angegangene Menschen dazu, die mediale Waffe zu finanzieren, mit der sie konfrontiert werden. Zu fürchten haben diese Sender nichts, denn die konfrontierte Person verfügt gar nicht über die medialen Mittel, sich effektiv verteidigen zu können. Der öffentlich-rechtliche Sender ist stärker. Dafür sorgt der Staat. Der Rundfunkbeitrag finanziert die Angreifer, nicht die Angegriffenen.
Die öffentlich-rechtlichen Sendungen sind privilegiert. Sie werden mächtiger gemacht als andere kritische Journalisten.
Mediale Reichweite ist Macht. Je mehr Reichweite ein Mensch hat, umso mächtiger ist er. Wer die Macht hat, Teil des Sprachrohrs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu sein, bekommt dadurch extrem viel Reichweite. Durch das öffentlich-rechtliche Systeme werden Megaphone an ausgewählte Akteure verteilt, die dann dadurch Millionen Follower auf Twitter, Facebook, Instagram und anderen sozialen Netzwerken generieren können und dadurch ihre Macht ausbauen. Wer eine solche Macht inne hat, kann damit anderen Menschen empfindlich schaden. Niemand sollte diese Macht haben.
Es geht also darum, den öffentlich-rechtlichen Akteuren ihre Privilegien der Macht zu nehmen, vor allem, weil sie sich ihre Privilegien mit Zwang von allen finanzieren lassen, die nicht privilegiert sind.
Dass es um Macht geht, erkennt man vor allem an der Art, wie die Mächtigen reagieren, wenn man ihnen ihre Privilegien wegnehmen will. Ein typisches Argument der Verteidiger des Zwangs zum Rundfunkbeitrag lautet zum Beispiel, ohne die öffentlich-rechtlichen Sender würde alles noch viel schlimmer werden. Genau dieses Argument ist besonders aus toxischen zwischenmenschlichen Beziehungen bekannt, wo es die Mächtigen und Brutalen sind, die immer wieder behaupten: „Ohne mich wird es Dir noch viel, viel dreckiger gehen.“
Der Inhalt und die Qualität der Sendungen Monitor und Panorama ist völlig irrelevant zur Beurteilung der Rechtmäßigkeit des öffentlich-rechtlichen Systems. Selbst ein edler König macht den Absolutismus nicht erstrebenswert. Sogar ein Fürst mit den schönsten Kleidern und Gedichten macht mich nicht zum Untertan. Ein Mann kann der beste Liebhaber der Welt sein, er kann die besten Qualitäten haben, wenn er mein Nein nicht akzeptiert, ist und bleibt es eine Vergewaltigung.
Deshalb, lieber Georg Restle, tun Sie bitte nicht so, als ginge es darum, kritischen Journalismus abzuschaffen. Darum geht es nicht! Ich bin auch ein kritischer Journalist und ich werde nicht abgeschafft, wenn der Zwang zum Rundfunkbeitrag fällt.
Es geht um Ihre Privilegien. Es geht um die Gewalt, die genutzt wird, um Sie mächtig zu machen. Wir beide sind kritische Journalisten, aber Sie pressen mir Geld ab und ich Ihnen nicht. Darum geht es.
Wer einen Menschen mit Gewalt dazu zwingt, seinen kritischen Journalismus zu bezahlen, sollte wenigstens den Anstand haben, die Kritik an diesen Zwang nicht zu diffamieren. Nichts anderes tun Sie, Herr Reste, aber, wenn Sie behaupten, den Kritikerinnen und Kritikern des Rundfunkbeitrags ginge es darum, kritischen Journalismus abzuschaffen.
Es geht lediglich darum, Ihnen die Privilegien zu nehmen, mit denen Sie kritischen Journalismus und Kritik an Ihrem Journalismus diffamieren.
Würde ich bei Monitor arbeiten, ich würde mit diesen Worten enden: „Georg Restle ist ein alter, weißer, mit Gewalt privilegierter Mann, der seine Macht nutzt, um Kritiker*innen zu diffamieren.“
***
Ich zwinge niemanden, mich zu finanzieren. Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, aber aus freien Stücken in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.
Durch die Maßnahmen im Kampf gegen Corona befinde ich mich zum ersten Mal in meinem Leben in Räumen, die gesunde Freundinnen und Freunde von mir nicht betreten dürfen, weil sie als minderwertig und schädlich angesehen werden. Das erste Mal in meinem Leben erlebe ich eine Spaltung in der Gesellschaft, in der die eine Seite glaubt, die andere Seite sei für sie durch ihre bloße Existenz lebensgefährlich. Das gilt es erstmal zu verdauen.
Ich mache es keiner Gaststätte, keinem Theater und keinem Club zum Vorwurf, wirtschaftlich überleben zu wollen. Nach den Monaten der Lockdowns, Ausgangsperren und Distanzierungen geht es für alle Orte, an denen sich Menschen treffen, um in Gemeinschaft etwas zu erleben, um die pure Existenz. Dennoch, ich muss es einfach sagen, es fühlt sich für mich falsch an, in einer Blase zu sitzen, in der nur gegen COVID-19 geimpfte oder an Corona genesene Personen gestattet sind.
Ich bin geimpft. Für mich stehen alle Orte offen. Ich kann alle Räume betreten, unabhängig davon ob nun die 3G- (getestet, genesen oder geimpft), die 2G- (genesen oder geimpft) oder die 1G-Regel (geimpft) gilt. Als geimpfter Mensch kann ich sogar Corona positiv sein und dennoch jeden Raum betreten. Für Menschen, die nachweislich Corona negativ sind, gilt dies nicht, jedenfalls nicht, wenn sie nicht geimpft sind.
Es fühlt sich falsch an!
In der Gesellschaft, in der ich mich gerade befinde, kann ich meine Freiheit nicht genießen. Ich habe zwar wieder Theaterstücke gesehen, gefeiert, getanzt, gegessen, getrunken und gelacht, kann wieder Kunst, Kultur und Gemeinschaft genießen und dennoch ist da dieses ungute Gefühl: Verdammt nochmal, es ist falsch, was wir da machen.
Es ist nicht falsch, weil wir endlich wieder unser altes Leben zurückhaben wollen, es ist auch nicht falsch, weil wir uns sicher fühlen wollen; es ist falsch, weil wir nicht zurückkehren in unser altes Leben, sondern weil wir in ein neues Leben hineingeschlittert sind, das nur scheinbar sicher ist, aber dafür umso ausgrenzender und unmenschlicher. In der schönen, neuen Welt, in der wir uns nun befinden, werden Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder ausgegrenzt, weil sie nicht geimpft sind. An immer mehr Orten hängen Schilder an den Eingängen: „Eintritt nur für Geimpfte“ / „Kein Zutritt für Ungeimpfte“
Ungeimpfte Menschen werden ausgegrenzt, jedoch nicht, weil sie eine Gefahr darstellen oder weil sie infiziert oder krank sind, sondern weil ihre Körper als defizitär angesehen werden. Menschen, die nachweislich gesund sind, die einen aktuellen, negativen Test vorweisen können, werden nicht reingelassen. Kranke und infizierte Menschen jedoch werden reingelassen, wenn sie geimpft sind.
Gesunde Menschen werden ausgegrenzt.
Ungeimpften Menschen werden mangelnde Solidarität, Egoismus und andere Gemeinheiten vorgeworfen. Sie werden ausgegrenzt, weil sie mit ihrer ganz persönlichen medizinischen Entscheidung, die sie zum Teil in Absprache mit ihren Ärztinnen und Ärzten gefällt haben, vielleicht riskieren, bei einer Infektion einen schwereren Krankheitsverlauf zu haben und dann Intensivbetten zu belegen.
Wenn wir alle Menschen ausgrenzen würden, die aufgrund ihrer persönlichen Entscheidungen eine höhere Wahrscheinlichkeit riskieren, Intensivbetten zu belegen, dann müssten wir eine Menge Menschen ausgrenzen. Raucher zum Beispiel, dürften nicht mehr in Gaststätten gelassen werden, und zwar unabhängig davon, ob sie in der Gaststätte rauchen. Es reicht, dass sie irgendwie, irgendwo, irgendwann rauchen, weil sie damit eine höhere Wahrscheinlichkeit riskieren, auf einer Intensivstation zu landen und einen Platz wegzunehmen.
Einen Menschen, der gesund ist, nicht in einen Laden zu lassen, weil er ungeimpft ist, ist genauso wie einen Raucher nicht reinzulassen, obwohl er drinnen gar nicht rauchen würde.
Auch dicken Menschen müssten wir den Eintritt in sämtliche Lokalitäten verwehren. Sie sind zwar nicht ansteckend, so wie Menschen, die kein Corona haben nicht ansteckend sind, aber ihre Art zu leben sorgt nunmal dafür, dass sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf einer Intensivstation landen und dann vielleicht einem krebskranken Menschen den Platz wegnehmen. Wenn der krebskranke Mensch jedoch ein Raucher ist, dann ist er wieder selber Schuld an seiner Misere und mindestens so egoistisch wie der Dicke.
Nun kann man einwenden, dass die Ungeimpften nicht reingelassen werden, um sie vor Ansteckungen durch die Geimpften zu schützen, allerdings erschließt sich mir diese zwanghafte, ungefragte und mannigfaltige Hilfe auch nicht. Hilfe durch Ausgrenzung? Sollte nicht jeder Mensch selbst entscheiden können, was er mit seinem Körper macht?
Wenn Du keine Autonomie über Deinen eigenen Körper hast, lebst Du nicht in einem freien Land.
Diese ganze Diskussion um Menschen, die anderen Menschen einen Platz auf der Intensivstation wegnehmen, ist vollkommen unmenschlich. Ein Freund von mir hatte kürzlich einen Unfall, weil er zu betrunken war. Er wurde in die Ambulanz gefahren. Als ich dort mit ihm saß, sah ich eine Menge Menschen, die medizinische Hilfe brauchten und fast alle waren dort, weil sie irgendwann vor der akuten Situation eine nicht ganz so kluge Entscheidung gefällt hatten. Nicht selten waren die letzten Worte von Menschen: „Glaub mir, das hält.“
Es gibt Männer, die klettern auf wacklige Stühle, um eine Glübbirne einzuschrauben. Es gibt Frauen, die setzen sich in geräderte Maschinen, um in teilweise atemberaubender Geschwindigkeit durch die Gegend zu heizen. Es gibt Leute, die saufen und rauchen, andere spritzen sich Substanzen. Oft ist es der Druck der Gruppe, der sie dazu verleitet. „Ach komm schon, einer geht noch rein.“ / „Glaub mir, Du wirst es mögen!“
Ich lebe heute in einer Welt, in der sich ein gesunder Mensch, der in Freiheit kulturell leben will, spritzen lassen muss. Er muss das sogar überall nachweisen. Menschen, die sich zum ersten Mal begegnen, fragen sich gegenseitig den Impfstatus ab und wollen Impfausweise sehen. Der Mensch ist dem Menschen ein Grenzsoldat gewesen. Überall gibt es Grenzposten.
An den Eingängen von Theatern und Gaststätten wird nicht mehr „Willkommen“ gesagt oder „Hereinspaziert“, sondern erst einmal gefragt: „Sind sie geimpft?“
Bisher kannte ich die Verpflichtung, mich impfen zu lassen nur, wenn ich in fremde Länder reiste. Dann aber überquerte ich auch Grenzen, die von Menschen in Uniformen bewacht wurden, von Soldatinnen und Soldaten. An solchen Grenzen kann sogar geschossen werden.
Seit einigen Wochen lebe ich in einem Land, in dem es solche Grenzen, die keine ungeimpfte Menschen reinlassen, auch um Kneipen, Restaurants, Clubs, Theater und anderen Lokalitäten gibt. Es ist der massivste Bau von Grenzen in kürzester Zeit, den ich je erlebt habe. Alle neue Grenzen zusammengenommen, sind länger als die Grenze zwischen Mexiko und den USA.
Noch vor einem Jahr hatte ich es nicht einmal erlebt, dass jemand nachweisen musste, gegen Masern geimpft zu sein, um in ein Theater zu dürfen. Nie musste eine Person bezeugen, gegen Röteln geimpft zu sein, um eine Bar betreten zu dürfen. Das Alter war das einzige Ausschlusskriterium. Für Kinder gelten besondere Schutzverpflichtungen. Erwachsene Menschen sind aber keine Kinder.
Clubs, an denen Türsteher gesunde, nüchterne, höfliche Menschen abgewiesen haben, weil ihnen ihr körperlicher Zustand nicht gefiel, habe ich stets vermieden. Heute jedoch gibt es leider keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Heute gilt der menschliche Körper als schändlich, wenn er nicht nicht behandelt wurde. Der menschliche Körper, der vor zwei Jahren noch ausreichte, ist heute mangelhaft und muss verbessert werden, nicht zum Wohle des Menschen selbst, sondern zum Wohle der ganzen Menschheit. Der Impfstatus wird zur persönlichen Wertung des Menschen, auf dessen Grundlage der Staat sogar Freiheitsrechte einschränken kann.
Am Körper des Menschen wird Politik gemacht. Der Zustand des Körpers entscheidet, ob gewisse Rechte eingeschränkt werden dürfen.
Die Impfung ist die neue Taufe. Nur mit ihr kann der Mensch seine Ursünde der Coronaanfälligkeit überwinden und zur neuen Gemeinschaft konvertieren. In dieser neuen Welt lautet die Devise: „Nur in einem geimpften Körper steckt ein gesunder Geist.“
Wenn alle Menschen geimpft sind, wird die Pandemie endemische. Mit dem notwendigen Druck bekommt man so ziemlich alles homogen. Wenn alle Menschen zum Islam konvertieren würden, gäbe es keine Religionskriege mehr. Es würde Frieden herrschen. Dennoch ist es falsch, wenn Menschen mit Druck zum Islam gezwungen werden. Wenn alle Menschen Kommunisten wären, gäbe es keine Ausbeuter mehr. Trotzdem ist es falsch, eine Ein-Parteien-Diktatur zu errichten. Es geht somit nicht darum, ob es richtig ist, an eine Religion des Friedens zu glauben oder in einer Gesellschaft der sozialen Gerechtigkeit zu leben, sondern um die Frage, ab wann die Grenze zur Unterdrückung überschritten ist, selbst wenn es um eine gute Sache geht.
Für mich ist ein erster Schritt über diese Grenze getan, wenn mit einer geradezu banalen Selbstverständlichkeit Millionen Menschen die Willkommens-Schilder an in ihren Geschäften mit der Aufschrift „Kein Zutritt für“ ersetzen.
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Heute vor einem Jahr, am 16. Oktober 2020, wurde dem 47-jährigen Lehrer Samuel Paty auf offener Straße in Frankreich der Kopf abgeschnitten, weil er es gewagt hatte, den Islam zu kritisieren. Der Jahrestag des Anschlag fällt in eine Woche des muslimisch motivierten Terrors.
Am 13. Oktober 2021 tötete ein 37-jähriger Mann im norwegischen Kongsberg bei Oslo vier Frauen und einen Mann mit einem Sportbogen. Der Täter erklärte selbst, zum Islam konvertiert zu sein. Die Polizei wiederum erklärte, der mutmaßliche Täter sei bereits in den Jahren 2019 und 2020 wegen des Verdacht auf islamische Radikalisierung von norwegischen Sicherheitsbehörden überwacht worden.
Am 15. Oktober 2021 wurde der englische Abgeordnete David Amess in einer Kirche in Leigh-on-Sea in der Grafschaft Essex abgestochen. Die Polizei geht von einer islamisch motivierten Tat aus.
Der 69-jährige konservative Parlamentarier hatte sich in dem Gotteshaus östlich von London zu einem Treffen mit Bürgerinnen und Bürger seines Wahlkreises getroffen. Dort wurde er von einem 25-jährigen Mann angegriffen, der mehrmals mit einem Messer auf ihn einstach.
Ort und Tat dieses Anschlags erinnern an den 29. Oktober 2020, als drei Menschen in einer Kirche in Frankreich ermordet wurden. Bei dem Anschlag versuchte der Täter, der 60-jährigen Nadine Devillers, den Kopf abzuschneiden. Auch dem 55-jährigen Kirchendiener Vincent Loques schnitt er brutal die Kehle durch. Das dritte Opfer war die 44-jährige Frau Simone Barreto Silva, die der Mörder ebenfalls versucht hatte, mit seinem Messer zu enthaupten. Mit klaffenden Wunden schleppte sich die Frau blutend aus der Kirche, in der der Angreifer geschlachtet hatte. Trotz der Wunden schaffte sie es noch, Passanten auf der Straße im Sterben letzte Worte zu sagen:
„Dites à mes enfants que je les aime.“ („Sagen Sie meinen Kindern, dass ich sie liebe.“)
Liebe Muslime,
entschuldigt, dass ich Euch kollektiv als Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft anspreche. Eigentlich ist mir egal, woran Ihr glaubt, aber die Männer, der die brutalen Taten begangen hat, beriefen sich bei ihren Taten auf Eure Religion.
Ich würde die Täter gerne schlicht brutale Psychopathen nennen, aber ich kann nicht ignorieren, dass sie sich selber als Muslime bezeichnen; sogar als wahre Muslime, berechtigt, für die Ehre des eigenen Glaubens zu morden.
Jedes mal, wenn irgendwo auf der Welt irgendjemand den Islam kritisiert oder Mohammed verballhornt, ist der Aufschrei in der islamischen Welt groß und Muslime gehen auf die Barrikaden. Wenn Muslime die Menschlichkeit mit ihren Taten schänden und sich dabei auf Allah berufen, muss der Aufschrei um das Vielfache lauter sein.
Euer Problem sind nicht Karikaturisten, Kritiker und Spotter. Euer Problem ist jeder, der sich Muslim nennt und im Namen Eures Gottes Hass sät und Gewalt ausübt. So wie die Nazis einst das Problem der Deutschen waren, so sind Islamisten heute das Problem des Islams.
Dem Hass, dem Samuel Paty, Nadine Devillers, Vincent Loques, Simone Barreto Silva, David Amess und die fünf Menschen in Kongsberg zum Opfer fielen, ist ein institutionalisierter Hass. Er hat einen Namen, ein Buch und einen Gründer: Islam, Koran und Mohammed. So wie schwarze Menschen Opfer des Hasses werden, der Rassismus heißt, wurden diese Menschen Opfer des Hasses, der Islamismus genannt wird.
Der muslimische Hass von heute ähnelt dem deutschen Hass der Nazis. Die Nazis stürzten die Welt in einen Weltkrieg. Am Ende wurde Deutschland dem Erdboden gleich gemacht. Bewahrt Euren Glauben vor dieser blutigen Lektion. Leistet Widerstand gegen die Islamisten und Fundamentalisten. Nur so ist ein Krieg zu vermeiden.
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Zum 115. Geburtstag der Philosophin Hannah Arendt veröffentlichte der Bühnenköbes Christian Bechmann vom Kölner Bühnenformat ESCHT Kabarett am 14. Oktober 2021 auf Facebook folgendes Zitat von Hannah Arendt: „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen!“
Ein sogenannter „dpa-Faktencheck“ verdeckte daraufhin dieses Zitat, weil es aus dem Zusammenhang gerissen und zudem ohne Erläuterung unpassend sei.
Dann schauen wir uns mal das Zitat an.
Im Jahr 1964, als Hannah Arendt über den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem berichtete, sprach sie mit dem Publizisten Joachim Fest. Dort kritisierte sie sehr scharf die „Dummheit, die so empörend war“ von Eichmann, sich ausgerechnet auf den Philosophen Immanuel Kant zu berufen, um sich so von der persönlichen Verantwortung und Schuld an der Vernichtung von Millionen Juden zu entledigen. Eichmann hatte erklärt, er sei sein Leben lang den Moralvorschriften Kants gefolgt und habe vor allem den Kantischen Pflichtbegriff zu seiner Richtschnur gemacht. Dazu erklärte Hannah Arendt:
„Ja. Natürlich eine Unverschämtheit, nicht? Von Herrn Eichmann. Kants ganze Moral läuft doch darauf hinaus, dass jeder Mensch bei jeder Handlung sich selbst überlegen muss, ob die Maxime seines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann. […] Es ist ja gerade sozusagen das extrem Umgekehrte des Gehorsams! Jeder ist Gesetzgeber. Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant.“
Hannah Arendt hat Recht. Für jeden, der die Philosophie von Immanuel Kant ernst nimmt, muss gelten: Niemand hat das Recht zu gehorchen!
Im Zuge der Demonstrationen gegen die staatlich erzwungenen Corona-Maßnahmen tauchte dieser Spruch vermehrt auf T-Shirts, Banner und Plakaten sogenannter „Querdenker“ auf. Diesen Umstand bemängeln einige selbsternannte Faktenchecker und mahnen, man möge auf den Kontext achten.
Dann schauen wir uns mal den Kontext an.
„Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen“ ist eine Formel, die Hannah Arendt benutzt, um die Philosophie der Eigenverantwortung von Immanuel Kant auf den Punkt zu bringen. Wir müssen uns daher mit eben dieser Philosophie der Eigenverantwortung von Immanuel Kant beschäftigen, um zu schauen, ob es berechtigt ist, mit diesem Spruch die aktuelle Coronapolitik zu kritisieren.
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.
Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Dass der bei weitem größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“
Zu den Beispielen, die Immanuel Kant anführt als Instanzen, die sich Menschen aussuchen, um an ihnen das verdrießliche Geschäft des Denkens zu delegieren, zählt er ausdrücklich auch den Arzt. Somit kann mit dieser Formel sehr gut die aktuelle Politik rund um Corona kritisiert werden, denn viel zu viele Menschen geben gerade aus Angst vor dem Virus viel zu viele Freiheiten auf.
Der Mensch hat die Fähigkeit, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und sollte dies auch tun. Das bedeutet, dass der Mensch zwar auf die Wissenschaft hören soll, aber dennoch an den Aussagen von Wissenschaftlern zweifeln sollte. Der Zweifel ist schließlich der Motor der Entwicklung.
Aufgeklärte Menschen studieren zwar die Medizin, aber sie hören sich mindestens immer die Meinung von mindestens zwei Medizinern an. Am Ende nämlich muss jeder Mensch selbst entscheiden, wem er vertraut und dieses verdrießliche Geschäft kann ihm niemand nehmen.
Aufgeklärte Menschen brauchen keine Vormünder, die ihnen erklären, was sie zu tun und zu lassen haben. Sie brauchen keine Faktenchecker, die die Oberaufsicht über die Wahrheit gütigst auf sich nehmen. Niemand hat das Recht zu gehorchen bei Kant.
Dass Facebook und andere Instanzen sich nun ausgerechnet an diesem Satz von Hannah Arendt abarbeiten und sich dabei als Vormünder aufspielen, die darüber entscheiden, was überhaupt gelesen werden kann, indem sie Texte löschen, blockieren oder bewerten, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Immanuel Kant hat es einst so formuliert.
„Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen, allein zu gehen.“
Facebook behandelt seine User wie Hausvieh und die Nutzer lassen sich so behandeln. Niemand hat jedoch das Recht zu gehorchen, auch nicht einem dpa-Faktencheck.
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Hiermit bitte ich um Klärung der Frage, in welcher Zeit der Woche ich den folgenden Aufruf laut via elektronischer Verstärkung durch die Straßen und über die Dächer Kölns erschallen lassen darf:
„Allah ist nicht groß! Ich glaube, dass es keinen Gott gibt, auch nicht Allah. Ich erkläre, dass Mohammed kein Gesandter Gottes war. Lasst das Gebet! Auf zum besten Zweifeln! Auf zur Ketzerei! Allah ist nicht groß! Es gibt keinen Gott, auch nicht Allah.“
Bei der Aussage handelt es sich um das pazifistische und nur durch Worte artikulierte Bekenntnis, nicht an die Religionsprinzipien des Islams zu glauben.
Die Stadt Köln erlaubt es muslimischen Glaubensgemeinschaften jeden Freitag gegen die Mittagszeit für ein paar Minuten die Rufe des Muezzins via elektronischer Verstärkung ertönen zu lassen. Wann darf ich im öffentlichen Raum den ebenso lauten Ruf zur Ablehung formulieren?
„Ich freue mich, dass wir mit diesem Modellprojekt den berechtigten religiösen Interessen der vielen Muslim*innen in unserer weltoffenen Stadt Rechnung tragen, damit ein Zeichen der gegenseitigen Akzeptanz der Religion setzen und ein Bekenntnis zur grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit abgeben – aber auch die Interessen der hier lebenden Muslim*innen akzeptieren. Muslim*innen, viele von ihnen hier geboren, sind fester Teil der Kölner Stadtgesellschaft. Wer das anzweifelt, stellt die Kölner Identität und unser friedliches Zusammenleben infrage. Wenn wir in unserer Stadt neben dem Kirchengeläut auch den Ruf des Muezzins hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und gelebt wird.“
Im Gegensatz zu rein instrumentalen Geräuschen, handelt es sich bei dem Ruf des Muezzins um deutliche Worte der Erhöhung der eigenen Ideologie über alle anderen Weltanschauungen. Es wird mit dem Ruf unter anderem erklärt, es gäbe nur einen Gott, der Allah heiße, groß sei und dass Mohammed sein Prophet sei.
Selbstverständlich ist es jedem erlaubt, fest daran zu glauben, dass der Islam über alles geht, so wie es Menschen gibt, die im Brustton der Überzeugung rufen: „Deutschland, Deutschland über alles!“
Wenn jedoch die Parolen des Islams via Lautsprecher übertragen werden, dann muss gleiches Recht für alle gelten, zumindest auch für jene, die in diesem speziellen Fall anderer Meinung sind. Zur Religionsfreiheit gehört auch das Recht, sich offen gegen eine Religion auszusprechen, wenn sie erklärt, sie sei im Gegensatz zu allen anderen Weltanschauungen die einzig richtige. Wenn also der Islam laut tönt, Allah sei groß, dann will ich ebenso laut und an selber Stelle das genaue Gegenteil rufen können.
Ich hoffe, dass sie den berechtigten Interessen der vielen Nicht- und Ex-Muslim*innen in unserer weltoffenen Stadt Rechnung tragen, um ein Zeichen der gegenseitigen Akzeptanz der Religion und des Atheismus zu setzen und ein Bekenntnis zur grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit, die auch das Zweifeln und Ablehnen mit einschließt, zu geben. Nur so werden auch die Interessen der hier unter dem Islam leidenden Menschen vertreten und ihre individuelle Geschichte mit dem Islam akzeptiert.
Menschen, die unter einem fundamentalistischen Islam leiden, viele von ihnen hier geboren, sind fester Teil der Kölner Stadtgesellschaft. Wer das anzweifelt, stellt die Kölner Identität und die individuellen Leidensgeschichten infrage. Wenn wir in unserer Stadt neben dem Ruf des Muezzins auch den Ruf der Kritiker des Islams hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und gelebt wird.
Der Gebetsruf darf freitags in der Zeit zwischen 12 bis 15 Uhr und für die Dauer von maximal fünf Minuten erfolgen. Wann genau darf der Ruf zur Kritik am Islam ebenso lang und ebenso laut erfolgen?
Alles Liebe, Gerd Buurmann
Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.
Ich hab da ein ganz ungutes Gefühl, nämlich dass es uns allen deutlich schlechter geht, als wir es zugeben.
Durch Corona haben wir uns immer mehr in die sozialen Netzwerke verabschiedet. Dort aber ist es so, dass wir niemals unsere Schwächen zeigen und unsere Niederlagen kommunizieren. Auf Instagram gibt es immer nur perfekte Bilder, auf Facebook immer nur erfolgreiche Geschichten. Alles ist Inszenierung und dazu noch eine geschönte.
Was ist, wenn es uns allen doch nicht so gut geht, wie wir es uns gegenseitig auf den sozialen Netzwerken glaubhaft machen wollen?
Ich arbeite auf der Bühne und vor Publikum. Ich habe Freundinnen und Freunde in der Szene, die schreiben über den Neuanfang nach dem Lockdown. Sie berichten begeistert über ihre erfolgreichen Auftritte, die sie zweifelsohne haben, aber ich höre auch von Kolleginnen und Kollegen, dass es neben den schönen, erfolgreichen Auftritten auch deutlich mehr Auftritte gibt, die ausfallen oder abgesagt werden müssen, weil kaum jemand kommt.
Ich sehe, dass immer weniger Menschen im Theater an der Theke oder im Foyer verweilen, um mit den anderen Gästen über das Theatererlebnis zu sprechen. Der Austausch unter den Gästen hat spürbar abgenommen. Die Leute kommen getrennt und gehen getrennt. Sie kommen kurz vor dem Beginn der Aufführung und gehen sofort nach der Aufführung. Das Theaterleben ist nicht mehr so, wie es vor Corona war.
Viele Menschen sind immer noch auf Distanz. Nicht wenige Theater machen sich Sorgen um ihre Existenz. In den sozialen Netzwerken aber sehe ich überwiegend nur Bilder von glücklichen und zufriedenen Menschen. Irgendwas in mir sagt, dass das nicht stimmt.
Darum meine Frage: Wie geht es Dir?
***
Wer mir antworten möchte, kann dies tun unter: gerdbuurmann@hotmail.de
Mir ging es eine Zeit lang sehr schlecht. Ich habe in meinem Umfeld versucht, aufzuklären, bin auf Demos und Mahnwachen gegangen, habe mich als Nazi und rechts beschimpfen lassen, wurde von Polizei und Ordnungsamt schikaniert. Ich habe sehr, sehr viel geweint.
Und auch heute begreife ich es immer noch nicht, wie eine Gesellschaft es zulassen kann, dass ihre Kleinsten und Schwächsten Masken tragen müssen, dass ihre Alten in Isolation vegetieren und sterben mussten. Das zerreißt mir immer noch das Herz.
Ich möchte mit einer Gesellschaft, die solch Unmenschliches zulässt, nichts mehr zu tun haben. Ich habe mich aus dieser Gesellschaft zurückgezogen, habe nur noch Kontakt zu Gleichgesinnten. Damit geht es mir wesentlich besser.
Vor Corona habe ich gerne Veranstaltungen besucht, nun nicht mehr. Um Zutritt zu bekommen, möchte ich niemandem beweisen müssen, dass ich Corona negativ bin. Ehrlich, so etwas mache ich einfach nicht mit.
Ja, ich bewege mich fast ausschließlich nur noch in meiner Blase, aber ich muss tun, was mir gut tut.
***
Schlecht, weil es mich an den Frühsommer 1989 erinnert. Bleib in deiner Blase! Überlege, wem du was sagst! Heute gilt: Überlege, wo du was schreibst! Ja, du kannst als Freidenker denken, was du willst, aber nicht sagen. Und wenn du es doch tust, warst du früher der Klassenfeind, heute rechts. Dabei war ich immer liberal.
Schlecht, weil meine Bemühungen, andere zum Nachdenken zu bewegen, gescheitert sind.
Schlecht, weil, da gäbe es einiges, gut, weil ich mich von allen getrennt habe, von XING, Telegram, Signal, Instagram, weil wir wieder wandern gehen, solange bis man am Waldeingang einen Test vorzeigen muss, weil ich (wir) uns wieder zurückgezogen haben in das Wohnmobil, in den Garten, in die Blase. Ich weiß, das ist nicht mutig, nicht bürgerlich, aber ich bin müde.
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Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ZDF ist völlig überrascht. Für das Comedy-Format „Barrys Barbershop“ hat der Sender die Autorin Feyza-Yasmin Ayhan engagiert und muss nun erkennen, dass sie eine islamische Aktivistin ist, die einigen problematischen Überzeugungen anhängt.
Zu den Aktionen von Feyza-Yasmin Ayhan gehört unter anderem die Verbreitung einer antisemitischen Karikatur, auf der ein Jude mit Hakennase dargestellt wurde. Zudem hat sie auf einer Veranstaltung einer Organisation, die der judenfeindlichen Hamas nahesteht, passend zur Gründungscharta der Hamas, wo die Vernichtung aller Juden weltweit gefordert wird, das Ende des Staates Israel gewünscht.
In einem lyrischen Text dichtete sie einst unter dem Pseudonym Yasmin Poesy: „Das, was Israel in Palästina vernichtet hat, wird nicht sterben, und das, was Israel in Palästina errichtet hat, wird keine Sekunde leben.“
Warum ist das ZDF eigentlich so überrascht? Es ist ja nicht so, als hätte Feyza-Yasmin Ayhan aus ihren Überzeugungen einen großen Hehl gemacht.
Wenn jemand eine Kappe trägt, auf der die Buchstaben einer Partei prangen, dann wundere ich mich nicht, wenn es in dem Hirn unter der Kopfbedeckung ein wenig so tickt, wie es in dem Programm der dort erwähnten Partei steht. Wenn ein Mann zum Beispiel ein Abzeichen der Partei Die Linke trägt, wundere ich mich nicht, wenn er gegen die NATO polemisiert, ebensowenig wie es mich überrascht, wenn eine Frau, die ein AfD-Abzeichen trägt, gegen die Europäische Union wettert.
Feyza-Yasmin Ayhan trägt eine Kopfbedeckung, die wie jedes andere ideologisch aufgeladene Kleidungsstück, Rückschlüsse auf ihre Geisteshaltung zulässt, die man zur Disposition stellen darf. Sie trägt Kopftuch.
Einer Person, die ein muslimisches Kopftuch trägt, unterstelle ich eine gewisse Nähe zu Mohammed und seinen Lehren, so wie ich einer Person, die eine Kappe mit der Aufschrift „Make America Great Again“ trägt, eine gewisse Sympathie für Donald Trump unterstelle. Ich habe übrigens schon beide Kleidungsstücke getragen.
Ich habe mir einige der am meisten kritisierten Aussagen von Donald Trump angeschaut und einigen Vertreterinnen und Vertretern der Republikanischen Partei der USA zugehört. Ich habe zudem ein wenig in das Programm des Islams reingelesenen und mir ebenfalls einige Vertreterinnen und Vertreter dieser ideologischen Bewegung, die in einigen Nationen der Welt zur Staatsräson gehört, angetan. Was soll ich sagen? Ich finde den Islam im Großen und Ganzen deutlich gefährlicher als die GOP. Ja, ich finde den Islam sogar gefährlicher als Die Linke und die AfD.
Der Koran ist deutlich gefährlicher als alle Parteiprogramme sämtlicher im Deutschen Bundestag vertretener Parteien. Im Namen des Korans wurden und werden deutlich mehr Menschen ermordet.
Wer kein Problem damit hat, dass eine Frau stolz das Kopftuch zur Schau stellt, muss diese Gelassenheit auch bei all jenen Menschen walten lassen, die stolz das Abzeichen einer bundesdeutschen Partei tragen. Zudem sollte es niemanden überraschen, wenn eine Person so denkt, wie es die Symbolik ihrer Kleidung vermuten lässt.
Es ist nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was in dem Kopf ist. Es gibt verschiedene Gründe, eine Kopfbedeckung anzuziehen. Wer die Mode jedoch von den Überzeugungen eines Feldherrn abhängig macht, der vor eineinhalb Jahrtausenden einige Menschen seiner Ideologie unterworfen und viele weitere getötet hat, hat meiner bescheidenen Meinung nach noch etwas Platz im Kopf frei.
Das Gleiche gilt für alle Menschen, die mit diesen Leuten zusammenarbeiten und sich dann wundern, wenn sie tatsächlich so denken, wie es ihre Kleidung vermuten lässt.
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Im Juni 2021 wurde von De Telegraaf ein Video veröffentlicht, auf dem ein Kind zu sehen ist, wie es auf offener Straße in Amsterdam auf eine Israelfahne spuckt und danach Beleidigungen in Form von Worten und Gesten in Richtung der Menschen mit den Fahnen absondert.
Das Kind wurde von den erwachsenen Frauen, die den Jungen bei sich hatten, zu dieser Handlung verführt und in seinem Benehmen bestätigt. Das Video zeigt erwachsene Menschen, die ein Kind zum Hass missbrauchen. Die Bilder aus Amsterdam erinnern mich an folgendes Video:
Hier sehen wir einen Vater, der seinen kleinen Sohn zu israelischen Soldaten schiebt und dabei schreit, sie sollen ihn erschießen. Der Vater ist bereit, seinen Sohn als Märtyrer zu opfern. Die israelischen Soldaten jedoch bringen dem Jungen Liebe entgegen.
Die abscheulichen Taten des Vaters im Nahen Osten und der Frauen in Amsterdam sind keine Einzelfälle. Schauen Sie sich nur dieses Video an:
Kindern wird beigebracht, den Tod mehr zu schätzen, als das Leben. Das palästinensische Erziehungsministerium in Ramallah organisiert Veranstaltungen für Schüler, bei denen Terroristen geehrt werden, die Juden ermordet haben. Rund um Israel werden Selbstmordkindergartenlager betrieben, in denen der Hass auf Juden gelehrt wird. Ein nicht unerheblicher Teil des Geldes zur Finanzierung dieses Hasses wird von der UNRWA bereitgestellt. Der größte Geldgeber für diese Organisation ist Deutschland und zwar mit 170 Millionen US-Dollar allein für die Zeit 2019/2020.
Die Bundesregierung sendet deutsche Steuergelder in die Hände von Terrorgruppen, die Kinder missbrauchen und sie zum Krieg gegen Juden und den Staat Israel erziehen. Das ist blanker Kindesmissbrauch. Kinderseelen werden zerstört.
Der Hass gegen Juden wird in der muslimischen Welt heute so brutal und offen propagiert wie in Deutschland in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Kinder und Jugendliche werden zum Hass auf Juden erzogen. Die Hamas Maus stachelt Kinder zum Hass gegen Juden auf und lässt sie Lieder über die heldenhafte Tat des Judenmords singen.
Es gibt ganze Hochglanzvideos, in denen der Terrorismus glorifiziert und der Hass auf Juden gefeiert wird.
In einer Serie eines der erfolgreichen arabischen Sender wird gezeigt, wie Juden ein Christenkind schlachten, um aus seinem Blut Mazzebrot zu machen.
Die Serie lief zur besten Sendezeit im Feiertagsprogramm.
In der muslimischen Welt wird im Fernsehen, auf Plätzen, in Stadien und in Moscheen zur Vernichtung aller Juden aufgerufen. Juden werden als Ungeziefer und Bakterien bezeichnet, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 sprach der libanesischer Minister, Wiam Wahhab, am 4. Juli 2010 auf Al-Jadid/New TV:
„Ich unterstütze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben.“
Auch an deutschen Schulen breitet sich dieser Hass aus. Im Jahr 2017 wurden an Berliner Schulen in 21 Bezirken 27 Lehrer vom American Jewish Committee interviewt. Das Ergebnis war erschreckend: Antisemitische und islamistische Einstellungen gewinnen in Schulen an Einfluss. Lehrer berichteten von Schülern, die voller Hass sind und folgende Aussagen tätigten: „Ja, der Hitler, der hat halt leider nicht alle umgebracht.“
Die Studie des American Jewish Committee erschien einige Monate nachdem an einer Berliner Schule ein 14-jähriger jüdischer Schüler über einen langen Zeitraum hinweg gemobbt worden war. Der Junge wurde judenfeindlich beleidigt, geschubst, getreten, geschlagen, gewürgt und bedroht, während andere Schüler zugeschaut und gelacht hatten.
Im Dezember 2017 berichtete Tapfer im Nirgendwo von einem jüdischen Abiturienten, der von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern bedroht wurde. Auf dem Pausenhof und in der Kantine der Schule im Berliner Wedding musste er sich von einigen seiner Mitschülerinnen und Mitschülern diese Worte anhören:
„Ihr seid Kindermörder!“ „Euch sollte man die Köpfe abschneiden.“ „Hitler war gut!“ „Hitler hat die Juden umgebracht! Er war ein guter Mann!“
Dieser Hass breitet sich in Europa aus. Mütter und Väter erziehen ihre Kinder in diesem Hass. Nicht selten sind es Eltern, die ihren Glauben deutlich zur Schau stellen.
In den dunkelsten Zeiten Europas wurden Juden durch Christen verfolgt. Heute wird im Namen des Islams Hass verbreitet. Es braucht daher keine Muslime, die den Nicht-Muslimen erklären, was der angeblich wahre Islam bedeuten soll, ganz so, als sei Judenhass eine Einladung zum Dialog zwischen Muslimen und Christen.
Wenn eine Religion Kinder zum Hass erzieht, dann braucht es kritische Analysen. Der Islam muss ebenso heftig durch den Reißwolf der Aufklärung gedreht werden wie das Christentum.
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Jede Nation, die sich weder völkisch noch rassistisch definiert, sondern sich als Hüterin der Aufklärung versteht, braucht einen Moment, wo Menschen sich zusammengefunden haben, nicht weil sie die gleiche Hautfarbe haben oder an den selben Gott glauben, sondern weil sie frei sein wollen.
Diesen Moment haben uns die mutigen Frauen und Männer Ostdeutschlands vor über dreißig Jahren geschenkt. Sie gingen auf die Straßen, um für die Freiheit zu demonstrieren. Sie kehrten dem Regime der Unterdrückung den Rücken. Sie taten dies unter Einsatz ihres Lebens. Niemand wusste, wie die Staatsmacht reagieren würde.
Sie gingen auf die Straße, nicht weil sie gehungert haben, sondern weil sie nach Freiheit sehnten. Sie wollten sagen können, was sie wollen, auch wenn es den Mächtigen nicht gefällt. Sie wollten reisen können, wohin sie wollen. Sie wollten schlicht und ergreifend frei sein. Diesen Ruf der Freiheit verbanden sie mit dem Spruch: „Wir sind das Volk!“
Diese Revolution war der Beginn der Nation, die seit dem 3. Oktober 1990 als wiedervereinigtes Deutschland existiert.
Dieses Jahr ist der Tag der Deutschen Einheit immer noch überschattet von Corona. In den letzten Monaten wurde erbittert ein Streit um die Frage nach dem Verhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit geführt. Dabei wird leider immer öfter der politische Gegner diffamiert.
„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“
Klingt gut, oder? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Hass? Es ist doch gut, wenn all das verboten ist, oder?
Der zitierte Absatz fand sich an fünfter Stelle des sechsten Artikels der Verfassung der DDR. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden. Nimm Dich in acht vor selbsternannten Friedensaktivisten, denn sie erklären Dich zum Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen.
Wir befinden uns wieder in einem Krieg. Diesmal jedoch ist der Feind klein und kann sich in jedem Körper befinden, in dem Körper des Kollegen, der Enkelin, des Freundes, der Verkäuferin und in uns selbst. Durch das Virus werden wir einander zur Gefahr. Als Strategie zur Bekämpfung dieser Gefahr hat uns die Regierung in einen Lockdown und sogar in eine Ausgangssperre geschickte.
Die Bürgerinnen und Bürger wurden und werden zum Wehrdienst gegen das Coronavirus zwangsverpflichtet. Alle müssen mitmachen. Wer sich weigert, die Uniformen der Hygiene anzulegen oder die Befehle zur Distanz zu exekutieren gilt als Deserteur, der die Truppenmoral schwächt und das Wohl und die Gesundheit des Volkes gefährdet.
„Es geht um die Gesundheit,“ sagen sie Verteidiger der Freiheitsbeschränkungen und fügen Klagens hinzu, „oder willst Du, dass noch mehr Menschen an dem Virus sterben?“ Sie sind der festen Überzeugung, dass wenn sich alle Menschen an die Coronaregeln halten und das gewohnte Leben temporär einstellen, sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann. Es geht um die Sicherheit! Was kann man dagegen haben?
Nun, der Mensch ist das Problem!
Jeder Vorschlag einer Problemlösung, bei dem der Mensch zum Problem erklärt wird, ist unmenschlich. Eine solche Lösung will nicht das Problem beenden, sondern den Menschen. Der Sozialismus der DDR war so ein unmenschliches System, nicht aufgrund der Ideale, sondern aufgrund der Methodik.
Der Mensch ist frei und fehlerhaft. Er kann sich für das Gute und für das Böse entscheiden. Er definiert überhaupt erst, was gut und böse ist.
Das Problem der DDR war, dass sie die mit Schwächen geschlagen und mit Interessen versehenen Menschen nicht befähigte, ein gerechtes Leben zu führen, sondern die Menschen zwang, ein gerechtes Leben zu führen. Was gerecht ist, definierten dabei ein paar wenige Mächtige. Für die SED war der Mensch ein Problem, weil er frei ist. Auch für die Parteien heute, die Bürgerinnen und Bürger in Zeiten von Corona mit Verordnungen in Lockdowns, Ausgangssperren und sozialen Distanzierungen zwingen, ist der Mensch das eigentliche Problem. Diese Entwicklung ist mehr als beunruhigend.
Der Mensch ist ein Wesen, das sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Menschen besitzen die Fähigkeit zu Moral. Menschen sind Kreaturen, die Welten erdichten und Kunst erschaffen können. Menschen machen Gesetze und werfen Partys. Menschen erleben sich in der Gemeinschaft und messen sich aneinander. Sie lachen, singen, tanzen und grölen. Sie umarmen sich, kuscheln, raufen, ringen und bekriegen sich. Menschen möchten das Leben spüren. Sie möchten raus. Menschen möchten einen Eindruck hinterlassen. Sie möchten sich mal fallen lassen und mal herrschen. Menschen sind frei.
Freiheit ist gefährlich.
So wie der Zwang der DDR zu Freundschaft, Gerechtigkeit und Solidarität viele Menschen zerstört hat, so zerstört heute der Zwang zur Corona-Bekämpfung viele Existenzen und Menschen.
Der Mensch ist ein Lümmel. Je stärker er zu etwas gezwungen wird, mag es auch noch so richtig und wichtig sein, umso mehr steigt in ihm der Wille zum Widerstand auf, vor allem wenn die Maßnahmen urmenschliche Verhaltensweisen unterdrücken.
Ich liebe die Freiheit. Sie ermöglicht es mir, ein privatisierter Sozialist zu sein, der versucht, ein gerechter Mensch zu sein. Ich freue mich, wenn es mir gelingt und ich ärgere mich, wenn es mir misslingt. Wenn mir im Misslingen aber unverhältnismäßige Strafen auferlegt werden, wenn ich zum Problem erklärt werde, weil ich menschlich bin, regt sich in mir Widerstand.
Natürlich braucht es Regeln, um eine soziale Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, aber wenn die Regeln unmenschlich werden, wenn der Mensch das Problem wird, bricht entweder alles zusammen oder die Unterdrückung des Menschen nimmt zu.
Es gibt Menschen, die in der Coronakrise ihre Existenz verloren haben, deren Beziehungen im Ausnahmezustand zu Grunde gegangen sind und deren Kinder Depressionen bekommen haben. Die Krise hat verzweifelte Personen hinterlassen, die nicht im Home Office Kuchen essen konnten, weil es schon am Brot gemangelt hatte. Es gibt Menschen, für die ist das Fußballstadion, das Theater, die Kneipe oder der Club lebensnotwendige Ablenkung und eine soziale Form des Stressabbaus und der Aggressionsbewältigung. All das hatte Monate zu.
Menschen brauchen Spiele. Wenn man ihnen diese Spiele nimmt, dann machen sie sich Spiele und zwar auf der Straße.
In den letzten Monaten wurden um ihren Alltag beraubte Menschen bestraft, weil sie am Ende waren, ihre Wohnungen verließen und manche Coronaregeln brachen. Mit abwertenden Zeigefingern wurden Mensch, denen das Wasser zum Hals stand, weil sie sich die Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona nicht leisten konnten, von Leuten zurechtgewiesen, die sich in der Krise Wein leisten konnten.
Die Politik der Bekämpfung der Pandemie war und ist zutiefst unmenschlich. Mit jedem Aufruhr unzufriedener Lümmel wird diese Unmenschlichkeit deutlicher. Jeder Protest macht das soziale Gefälle deutlicher. Manch ein Stufenplan zur Bekämpfung des Coronavirus ist so wahnsinnig wie ein kommunistischer Fünf-Jahres-Plan der DDR.
Verantwortung lässt sich nicht verordnen. Wir müssen endlich wieder mehr Freiheit wagen. Und wir müssen aufhören uns auszugrenzen. Am Tag der Deutschen Einheit sollten wir wieder ein paar Mauern einreißen, die wir in den letzten Monaten hochgezogen haben. Wir sollten die Mauern zwischen Getesteten, Genesen, Geimpften und Ungeimpften einreißen und uns wieder als Gesunde begegnen.
Wir sind das Volk!
Wer kennt ihn nicht, Onkel Hartmut, mit dem man sich an Weihnachten gestritten hat, weil er eine Partei gewählt hat, die so gar nicht geht; oder Tante Rita, die auf homöopathische Mittel schwört und sich auf keinen Fall impfen lassen möchte; oder Lukas, der Sohn von Robert und Adelheid, der nun ihre Tochter ist und Larissa heißt und sich darüber beschwert, dass die Hochzeitseinladungen nicht genderneutral verfasst wurden; oder Emir aus dem Büro, der Erdoğan gewählt hat, obwohl er Homosexuell ist, also Emir, nicht Erdoğan; oder Nachbarin Frau Sugulle, die auf die Häuserwand „White silence = violence“ gesprüht hat oder Candace, die immer zum Stammtisch kommt und Donald Trump gut findet, obwohl sie eine PoC ist; oder Rüdiger, der Veganer ist und es Dich wissen lässt, während Du die Weihnachtsgans isst?
Die Pandemie hat uns entfremdet, besonders von unseren Onkeln, Tanten, Nichten, Neffen, Arbeitskollegen, Nachbarinnen und Vereinsmitglieder*innen, von eben jenen Menschen, mit denen wir uns gestritten haben, ihnen aber dabei in den Augen sehen konnten. Menschen, deren Meinungen wir nicht teilen, die unser Blut zum Kochen gebracht haben, haben wir in den letzten Monaten immer seltener getroffen. Wir haben sie abgeschoben und aus unserem Leben verbannt. Wir haben uns in Blasen und Echokammern eingemauert.
Millionen neue Mauern wurden errichtet und die körperliche Nähe zum Nächsten aufgehoben. Wir schauen uns nicht mehr ins Antlitz. Stattdessen fordern wir: „Sag mir, wo du stehst!“
Der Mensch ist dem Menschen ein Grenzsoldat geworden. Wir fragen nicht mehr: „Wie geht es Dir?“ Wir fragen: „Kann ich Deine Papiere sehen? Bist Du geimpft? Bist Du getestet?“
Die DDR hat versucht, wie viele andere Länder weltweit, die Menschen zu zwingen, gerecht zu sein. Das Projekt Sozialismus ist jedoch gescheitert. Heute versuchen viele Staaten, Menschen zu zwingen, gesund zu sein. Das Projekt Sanitarismus wird jedoch auch scheitern.
Heute wissen wir, dass die meisten Menschen füreinander Verantwortung füreinander übernehmen, wenn sie frei sind. Ein Sozialismus, der Mauern errichtet, ist nicht gerecht und ebensowenig ein Sanitarismus, der Mauern errichtet.
Der Mensch entfaltet sich am besten in der Freiheit.
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