Eine Ameise in Bewegung

„Eine Ameise in Bewegung schafft mehr als ein dösender Ochse.“

Mit diesem Satz von Laotse begann die Vorsitzende des „Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung in den von Dürre und/oder Wüstenbildung schwer betroffenen Ländern“, Monique Barbut, ihre Rede beim International Cooperation Diplomatic Dinner am 16. November 2017 im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Bonn.

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Zu dem Dinner geladen hatte der Jüdische Nationalfond, eine Umweltorganisation aus Israel. In genau dieser Organsation erkennt Monique Barbut eine „Ameise in Bewegung“.

Es ist wahrlich bemerkenswert, was die große Umweltorganisation des kleinen Landes Israels für die Welt geleistet hat und immer noch leistet. Israel ist das einzige Land der Welt, in dem heute mehr Bäume stehen als vor hundert Jahren. In einer Welt, in der sich die Wüsten ausbreiten, begrünt der Jüdische Nationalfond die Wüsten Israels. Die Wasserversorgung Israels ist so gut organisiert, dass das Land sogar ohne Regen auskommen könnte. Möglich wird dies durch eine Technik zur Entsalzung des Meerwassers. Israel transformiert Salzwasser in Trinkwasser, fast so, wie ein anderer berühmte Jude vor zweitausend Jahren Wasser in Wein verwandelt hat. Allerdings haben wir es heute nicht mit einem Wunder zu tun, sondern mit israelischer Technologie.

Israel ist die führende Nation im Nutzen von recyceltem Wasser. Israel recycelt ungefähr 80% des benutzen Wassers. Auf dem zweiten Platz liegt Spanien mit einer Wiederverwendung von 17%. Ganze 63% liegen somit zwischen Platz Eins und Platz Zwei. Allein dieser Abstand zeigt, wie führend Israel in den Technologien der Wassergewinnung und der Begrünung von Wüsten ist. Entwickelt und finanziert werden diese Technologien hauptsächlich vom Jüdischen Nationalfond.

Monique Barbut erklärte bei der 23. Weltklimakonferenz in Bonn, dass genau diese Technologien Frieden in jene Ecke der Welt bringen können, die seit Jahrzehnten von Krisen und Kriegen geprägt sind. Sie betonte, dass ein großer Teil der Flüchtlinge, die in den letzen Jahren nach Europa gezogen sind, Klimaflüchtlinge seien, weil allein in den Jahren von 2006 bis 2010 Syrien die schlimmste Dürreperiode der Region seit der Aufzeichnung des Wetters erleben musste. Sie fragte provokativ in die Runde:

„Wieviele Flüchtlinge müssen eigentlich noch in Vororte der europäischen Großstädte geschwemmt werden, bis Europa erkennt, dass das Problem vor Ort gelöst werden muss?“

Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist das Klima. Dürren destabilisieren Regionen. Die daraus entstehenden existentiellen Nöte machen Menschen anfällig für Diktaturen, religiöse Fundamentalismen, menschenverachtende Ideologien und Hass. Allerdings können wir nicht hoffen, dass sich das Klima zu unseren Gunsten verändert. Wir können aber den Dürren und den Wüstenbildungen etwas entgegensetzen. Diese Möglichkeit, sich selbst in kargen Regionen ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen, emanzipiert die dort lebende Bevölkerung, da sie unabhängiger wird.

Israel ist ein Nachbar von Syrien und dem selben Klima unterworfen wie Syrien. Dennoch flüchten keine Massen von Israel nach Europa. Warum? Weil Israel gelernt hat, aus den schweren Vorraussetzungen das Beste zu machen. Statt nach Sündenböcken für die Misere zu suchen und große Erklärungen abzugeben, was in den nächsten zehn Jahren weltweit verändert werden muss, statt die Lösung des Problems in die ferne Zukunft zu vertagen und in die Hände anderer Länder zu legen, hat sich Israel hingesetzt und eine praktische Lösung für das Problem entwickelt.

Israel ist wie Syrien ein Land, das mit extremer Wasserknappheit konfrontiert ist. Israel hat diesen Nachteil jedoch in eine Chance verwandelte und ein technisches Wissen entwickelt, das der Dürre trotzt. So wie Noah eine Arche baute, um dem Wasser zu trotzen, schafft der Jüdische Nationalfond Oasen, um der Dürre zu trotzen. Stellen wir uns nur mal vor, Noah hätte mit den Vereinten Nationen verhandelt und den Erklärungen und Weltrettungsplänen anderer Völker vertraut, statt Holz für die Arche zu sammeln. Eine Taube hätte diese Noah nicht mehr gebraucht.

Der Jüdische Nationalfond kämpft mit seinen selbstentwickelten Technologien erfolgreich gegen die Wüstenbildung in seiner Region. Genau diese Technologien sind für Afrika von immenser Bedeutung. Afrika kennt das Problem der Dürre und sehnt sich danach, die Probleme so selbstbestimmt meistern zu können wie Israel. Daher saßen bei dem International Cooperation Diplomatic Dinner besonders viele Ministerinnen und Minister afrikanischer Staaten im Raum, um von dem Wissen Israels und des Jüdischen Nationalfonds zu profitieren, unter anderem Jean Kapata, Ministerin für Ländereien, natürliche Ressourcen und Umweltschutz in Sambia.

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Für die Delegationen aus Afrika war klar: Die Technologien des Jüdischen Nationalfonds helfen den afrikanischen Staaten mehr als manche Entwicklungshilfegelder aus Europa. Sie wissen, wenn sie mit Israel kooperieren, dann können ihre Länder so fruchtbar werden, dass es für die Bürgerinnen und Bürger dieser Länder ebensowenig Gründe zur Flucht gibt wie für die Bürgerinnen und Bürger Israels.

Der kleine Staat Israel ist Dank des Jüdischen Nationalfonds eine Ameise in Bewegung, die mehr für den Frieden auf der Welt tut als manch ein dösender Ochse bei den Vereinten Nationen. Was haben sich die Ochsen in den letzten Jahren nicht alles für Ziele gesetzt? Welche Klimaziele sich die großen Nationen aber auch immer setzen werden, das kleine Land Israel mit seinen gerade mal 8 Millionen Bürgerinnen und Bürgern ist eine Ameise verglichen mit Deutschland (82 Millionen), den USA (323 Millionen), Indien (1,33 Milliarden) und China (1,37 Milliarden). Diese Ochsen können den Wagen der Reduzierung der CO2-Emissionen vielleicht ziehen, aber wenn sie dösen, kann auch die Ameise Israel nichts machen. Eine Ameise kann keinen Wagen ziehen. Das können nur Ochsen. Selbst wenn die Ameise vor den Wagen gespannt wird, erleichtert sie dem Ochsen das Ziehen nicht spürbar.

Es ist daher irrelevant, ob Israel bei den großen Würfen, Plänen und Entscheidungen der großen Nationen zur Klimarettung mitmacht. Es ist für Israel aber nicht irrelevant, wenn die großen Nationen dösen – und mache dösen nicht nur, sie schlafen felsenfest. Statt sich aber über die Mängel und Fehler der großen Nationen zu beklagen, schaut Israel der Realität lieber ins Auge und arbeitet mit dem, was vorhanden ist. Israel kann nicht darauf hoffen, dass die Ochsen erwachen und die Karre aus dem Schlamm ziehen. Israel kann den Ochsen auch nicht befehlen, den Karren zu ziehen. Die Ochsen ignorieren die Ameise sogar größtenteils. Nicht wenige Ochsen der Welt verbringen ihre Zeit sogar lieber damit, die Ameise bei jeder nächstbesten Gelegenheit zu kritisieren, statt Pläne zu entwickeln, der eigenen Bevölkerung zu helfen.

Das Klima ist wie es ist. Israel wird es nicht verändern. Israel kann aber damit leben. Genau diese Emanzipation von den teilweise überheblichen, teilweise zum Scheitern verurteilten Weltrettungsversuche der großen Nationen ist Hoffnung für die Staaten Afrikas. Sie können von der Ameise Israel lernen, nicht darauf zu hoffen, dass die Ochsen aufwachen und stattdessen in Bewegung kommen, um die Wüsten zu begrünen, das Wasser zu recyceln und all die Technologien zu nutzen, die helfen, nicht mehr abhängig von den Weltrettungsversuchen Europas zu sein, eine Region, die in Afrika eh schon genug Schaden angerichtet hat.

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In Berlin liegt die Erinnerung an die Terror-Opfer auf einen Haufen

Am 19. Dezember 2016 verübte ein islamistischer Attentäter auf dem Breitscheidplatz in Berlin einen Terroranschlag, bei dem er elf Menschen ermordete. Zuvor hatte er einen Speditionsfahrer erschossen.

An der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche befindet sich seit einiger Zeit eine provisorische Erinnerungsstätte, bei der allerdings sämtliche deutschen Opfer gesichtslos sind und nur von einem deutschen Opfer der Name genannt wird. An die Opfer aus Italien, Tschechien, Israel und Polen wird mit Namen und Gesicht erinnert. Tapfer im Nirgendwo schrieb vor einiger Zeit dazu:

„Solange die Opfer des Anschlags kein Gesicht und keine Geschichte haben, werden deutsche Politikerinnen und Politiker weiterhin so unsägliche Dinge sagen wie: „Wir lassen uns unsere Art zu leben nicht nehmen!“

Uns wurde am 19. Dezember 2016 aber sehr wohl etwas genommen. Uns wurden zwölf Welten genommen! Zwölf Menschen, die leben und lieben wollten, zwölf Menschen mit einem Gesicht. Der Philosoph Emmanuel Lévinas sagte einst: „Im Antlitz des Anderen erkennst Du Gott“

Berlin weigert sich, in das Antlitz der Opfer zu schauen. Stattdessen wurde der provisorische Erinnerungsort lieblos auf einen Haufen gefegt. Wer dafür verantwortlich ist, weiß niemand.

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Wie geschmacklos. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass Lastkraftwagen zur Belieferung des Weihnachtsmarkts über die Kerzen fahren!

Dafür gibt es nun eine weitere, viel kleinere, unauffälligere, aber dafür immer noch provisorische Gedenkstätte am Breitscheidplatz.

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Hinter der neuen Gedenkstätte liegt die alte Gedenkstätte wie eine Müllhalde. Ist das Erinnerung oder kann das weg?

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An der neuen Gedenkstätte brennt für jedes Opfer eine Kerze und auf einer Pappe steht geschrieben: „Warum?“

Eine gute Frage. Warum konnte der Anschlag passieren? Warum stehen an der Gedenkstätte nur zwei große christliche Kreuze, obwohl auch eine Jüdin aus Israel unter den Opfern war? Warum befinden sich einige Nationalflaggen an der Gedenkstätte, aber es fehlen die Flaggen einiger Länder, aus denen die Opfer kamen? Aber vor allem, warum ist die Stadt Berlin und die Politik in Deutschland nicht in der Lage, den Opfern angemessen zu gedenken? Wer ist verantwortlich?

Am 19. Dezember 2017 soll den beiden provisorischen Gedenkstätten eine offizielle Gedenkstätte folgen. Der Senat der Stadt Berlin hat entschieden, dass der Boden auf dem Breitscheidplatz einen Riss bekommen soll, der mit einer goldenen Legierung aufgefüllt wird. In die Stufen der Gedächtniskirche sollen zudem die Namen der Opfer verankert, sowie ihre Herkunftsländer erwähnt werden.

Hoffentlich geht die Stadt Berlin im Rahmen der Einweihung des neuen Mahnmals mit der Entsorgung der alten Gedenkstätten würdevoller um als es bisher geschehen ist und fegt nicht einfach alles in eine Ecke auf einen Haufen und lässt es dort erst mal für unbestimmte Zeit liegen.

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Bildnachweis: Jouwatch

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„Wahrscheinlich bin ich für Sie nun auch ein Antisemit.“

Ich habe Post auf meinen Artikel „In Frankfurt wird wieder selektiert“ bekommen. Ich gestatte mir, die Mail im Original zu posten, denn sie ist sehr aufschlussreich:

„Sg. Hr. Buurmann,

wahrscheinlich bin ich für Sie nun auch ein Antisemit,

aber ich habe ehrlich gesagt die Schnauze voll von diesem Unsinn, den Sie im letzten Artikel zu der Gerichtsentscheidung bezüg. Kuvait-Airlines verbreiten.

Kleiner gings wieder nicht, nein?

Warum kann man nicht akzeptieren, dass das Gericht sich an Gesetze hält?

Warum muss man immer Sonderregeln brauchen? Ich persönlich kenne keine Juden (zumind. weiß ich nicht, ob jemand einer ist, den ich kenne). Aber im Urlaub fallen Israeli regelmäßig unangenehm auf! Vor allem dadurch, andere verächtlich zu behandeln. Verstehe ich nicht. Und, in jedem Reiseführer steht, dass die Bevölkerung Juden nicht mochte, warum, frage ich mich, war das so in jedem Land, wo ich war?

Israel ist auch nicht gerade der gewaltfreie, gesetzlich einwandfreie und demokratische Staat, wie es behauptet wird. Auch dort ist viel am Argen.

Woanders, z.B. Kuwait auch, aber Recht ist Recht! Das Flugzeug unterlag kuwaitischem Recht, kann der Westen mit seinen demokratischen „Werten“ natürlich z.B. in den USA missachten. Aber das deutsche Gericht wollte das nicht!

Das der Israeli eine _KOSTENLOSE_ Umbuchung bekommen sollte, also die Airline ihn schadlos halten wollte, findet keine Erwähnung. Auch die Airline wollte das Gesetz einhalten, dem Israeli helfen.

Und dann dieser Kommentar. Schämen Sie sich!“

Ich muss dem Autor dieser Mail in einer entscheidenen Sache zustimmen. Ich halte ihn tatsächlich für einen Antisemiten.

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Sawsan Chebli und die Scheinheiligkeit

Sawsan Chebli ist seit Dezember 2016 Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Davor war sie stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts unter Frank-Walter Steinmeier. Ihre Kompetenz ist somit die Sprache. Es ist daher sehr merkwürdig, welchen missverständlichen Tweet sie am 19. November 2017 auf Twitter postete:

„Scheinheiligkeit arab. Golfstaaten muss endlich aufhören. Sie kooperieren eng mit Israel, Rest ist Show. Leidtragende: Araber.“

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Da diese Aussage so gelesen werden kann, dass Sawsan Chebli die Kooperation der arabischen Staaten mit Israel kritisiert, stellte sie später klar:

„Wer mich kennt, weiß es. Für alle anderen: natürlich bin ich FÜR Kooperation: nicht versteckt, sondern offen! Täte Region gut.“

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„Damit das klar ist: Ich bin für eine Normalisierung der Beziehungen zw. Israel u. den Nachbarn. Und zwar nicht nur undercover!“

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In einem späteren Tweet schrieb Sawsan Chebli:

„Sie haben doch nur darauf gewartet, mir Antisemitismus vorzuwerfen. Absurder geht’s kaum.“

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Wer sind diese „sie“, die nur darauf gewartet haben sollen, Sawsan Chebli Antisemitismus vorzuwerfen?

Ich habe einen Vorschlag für Sawsan Chebli: Statt sich zu einem Opfer finsterer Mächte zu machen, die nur darauf gewartet haben sollen, ihr alles mögliche vorzuwerfen, wäre es vielleicht ratsam, lieber an der eigenen Rhetorik zu arbeiten. Es ist immer besser, an sich selbst zu arbeiten, statt Sündenböcke zu suchen. Die Ablehnung von Selbstkritik beim zeitgleichen Schaffen und Verurteilen von Sündenböcken ist nämlich eine Spezialität eben jener arabischen Staaten und Parteien, die Israel hassen und von Sawsan Chebli als „scheinheilig“ bezeichnet wurden.

Sawsan Chebli sollte zur Klärung einfach mal präzise Worte nutzen und folgendes erklären: „Die Weigerung der arabischen Staaten, Israel anzuerkennen, muss endlich aufhören. Es wird Zeit, dass sie offen mit Israel kooperieren!“

Das wären klare und nötige Worte! Ich frage mich nur, wie diese Worte in Teilen der Community ankommen würden.

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Heute ist ein guter Tag für die Demokratie!

In Deutschland herrscht immer noch eine tiefsitzende Angst vor der Demokratie. Anders ist ein großer Teil der Reaktionen auf das Scheitern der Jamaika-Koalitionsverhandlung nicht zu erklären. Dabei ist heute ein guter Tag für die Demokratie!

Kurz vor Mitternacht hat Christian Lindner die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Sondierung zur Schaffung einer Regierungskoalition aus CDU, CSU, FDP und Grünen gescheitert ist. Viele fürchten jetzt Neuwahlen. Aber für Neuwahlen gibt es überhaupt keinen Grund. Es gibt stattdessen viel mehr gute Gründe für das folgende Szenario: Angela Merkel wird zur Kanzlerin gewählt und gestaltet dann in einer Minderheitsregierung und in einer Zusammenarbeit mit der Opposition auf Augenhöhe die Geschicke unseres Landes.

Auf dieses Experiment sollten wir uns einlassen, denn das Experiment heißt Demokratie!

Wir haben uns in Deutschland mittlerweile so an Koalitionen mit absoluter Mehrheit gewöhnt, dass wir uns gar nicht mehr vorstellen können, dass es auch anders geht. Aber es geht auch anders! Eine Regierung kann nämlich auch mit einer einfachen Mehrheit gewählt werden.

Das Grundgesetz setzt ziemlich klare Rahmen und vor allem enge Grenzen für Neuwahlen. Das Parlament zum Beispiel hat gar nicht das Recht, sich selbst aufzulösen. Ein in der Geschichte der Bundesrepublik bereits begangener Weg zu Neuwahlen ist die berühmte Vertrauensfrage nach Artikel 68. Diesen Antrag kann aber nur eine gewählte Kanzlerin stellen und genau das ist Angela Merkel nicht mehr. Sie führt zur Zeit laut Artikel 69 lediglich die Geschäfte. Es liegt am Bundespräsidenten, Neuwahlen auszurufen. Wenn der Bundespräsident keine Neuwahlen ausruft, muss er nach Artikel 63 ein Mitglied des Bundestags zur Wahl stellen und diese Person wird Angela Merkel sein! Wird Angela Merkel gewählt, schlussendlich reicht eine einfache Mehrheit, ist sie Kanzlerin. Danach liegt es an ihr, ob sie die Vertrauensfrage stellt und dadurch Neuwahlen provoziert oder ob sie stattdessen lieber regiert und zwar mit einem Parlament, das das Volk so gewählt und gewollt hat!

Eine Minderheitsregierung hat sogar einen besonderen Vorteil. In einem Parlament mit einer Minderheitsregierung sind Debatten keine pure Show, da sich eine Kanzlerin in der Minderheit stets eine Mehrheit beschaffen muss! Bei Regierungen mit absoluter Mehrheit ist das nicht nötig, denn sie hat die Mehrheit schon vor der Debatte. Eine Regierung jedoch, die in der Minderheit ist, muss argumentieren und vor allem zuhören. Sie muss den ganzen Bundestag als Partner ernst nehmen und kann nicht einfach so durchregieren. Durchregieren, was für ein fürchterliches Wort für eine Demokratie.

Wäre es nicht schön, mal ein Parlament zu haben, in der die Debatten wirklich einen Sinn haben und in dem sich die Mitglieder des Bundestag endlich mal wirklich zuhören müssen?

Mir gefällt die Idee, dass in einem solchen Parlament nicht mehr Parteidisziplin und Machtwort herrschen, sondern das gemeinsame Ringen mit- und das stetige Werben füreinander. Ich freue mich auf eine Zeit, in der alle Mitglieder des Bundestags wissen, dass sie gemeinsam mit der Regierung etwas schaffen können, wenn sie nur wollen. Im Grunde erleben wir gerade die Renaissance der Gewissensfrage und die Emanzipation des Artikels 38, in dem steht:

Die Abgeordneten „sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“

Nirgendwo hat dieser Artikel mehr Gewicht als in einem Bundestag ohne Koalitionszwang. An einer Regierung ohne Koalitionszwang, die jedem Mitglied im Bundestag zuhören muss und in jedem individuellen Mitglied des Bundestags einen potentiellen Partner für eine mögliche Zusammenarbeit erkennen muss, kann ich daher nichts finden, das Neuwahlen nötig macht.

Es ist Demokratie. Mehr Demokratie. Wir sollten sie wagen!

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In Frankfurt wird wieder selektiert

Im Sommer 2016 wollte ein Mann mit Kuwait Airways von Frankfurt nach Bangkok fliegen. Sein Flug wurde jedoch storniert als die Fluggesellschaft herausfand, dass er israelischer Staatsbürger ist. Der Mann verklagte daraufhin die Fluggesellschaft, aber am 16. November 2017 wieß das Frankfurter Landgericht die Klage zurück und bestätigte, dass Kuwait Airways keine israelischen Staatsangehörigen befördern muss.

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Das kuwaitische Gesetz aus dem Jahr 1964, das Vereinbarungen mit israelischen Staatsbürgern verbietet, hat somit auch auf dem Frankfurter Flughafen Gültigkeit. Andere Länder, andere Sitten.

Die Diskrimierung von Israelis hat eine gewisse Tradition in einigen islamischen Ländern. Auch ich bin davon betroffen. Es gibt nämlich acht Länder, die nicht nur Israelis abweisen, sondern darüber hinaus keine Menschen einreisen lassen, die in Israel waren!

Ich kann somit nicht das bunte Nachtleben Libyens erleben und die Schwulen- und Lesbenszene im Sudan muss auch ohne mich auskommen. Ich kann nicht mit Feministinnen im Auto um die Blocks von Saudi Arabien ziehen. Und das alles nur, weil ich in Israel war! Syrer können mich zu Hause besuchen, ich jedoch nicht mehr Syrer in ihrem Haus!

In Flugzeugen wurden Israelis schon öfter selektiert. Ich war gerade mal fünf Wochen alt, als Juden in einem Flugzeug von Deutschen selektiert wurden. Sie wurden selektiert, um getötet werden zu können. Unter den Selektierten waren auch Kinder!

Am 27. Juni 1976, wurde Flug 139 der Air France, der von Tel Aviv nach Paris führen sollte, nach einer Zwischenlandung in Athen entführt. Es waren zwölf Besatzungsmitglieder und zweihundertachtundfünfzig Fluggäste an Bord. Die Entführer nannten sich „Kommando Che Guevara“, benannt nach dem Mann, der noch heute die Herzen vieler Kapitalismuskritiker höher schlagen lässt. Einige Terroristen gehörten zu der Volksfront zur Befreiung Palästinas und zwei Terroristen waren Deutsche. Sie gehörten zu den Revolutionären Zellen. Ihre Namen waren Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann. Gemeinsam zwangen sie die Piloten der Air France Maschine den Flughafen Entebbe in Uganda anzufliegen, da dort die Terroristen durch das Regime Idi Amins unterstützt wurden.

Mit der Flugzeugentführung sollte die Freilassung von insgesamt dreiundfünfzig Inhaftierten aus Gefängnissen in Israel, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz erpresst werden. Darunter waren auch Mitglieder von zwei deutschen Terrororganisationen, nämlich der Roten Armee Fraktion um Andreas Baader und Ulrike Meinhof und der Bewegung 2. Juni. Außerdem forderten die Entführer fünf Millionen US-Dollar von der französischen Regierung für die Rückgabe des Flugzeuges.

Die Passagiere wurden in der alten Transithalle des Terminals von Entebbe als Geiseln gehalten, wo sie in Juden und Nicht-Juden selektiert wurden. Die Selektion wurde von den Deutschen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann vorgenommen, die anhand der israelischen Papiere, aber auch aufgrund vermeintlich jüdischer Namen die Menschen selektierten. So wurden auch einige Passagiere fälschlicherweise als Juden identifiziert. Nach der Selektion wurden die Juden als Geiseln gehalten und die übrigen Menschen freigelassen. Ein Überlebender des Holocausts zeigte Wilfried Böse bei der Selektion seine eintätowierte Häftlingsnummer, um ihn so an die Selektion in den Konzentrationslagern erinnern. Wilfried Böse erklärte daraufhin, er sei kein Nazi, sondern Idealist.

Wenn Idealisten selektieren, ist es offensichtlich was anderes.

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Die Brutalität der Terroristen

Die Terroranschläge in Frankreich sind von einer unfassbaren Brutalität geprägt. Einige Terroristen schneiden ihren Opfern bei lebendigem Leib die Köpfe ab, andere feuern mit Sturmgewehren auf Menschengruppen oder warfen Handgranaten in ein feierndes Publikum. Die Brutalität erinnert an die bestialische Art und Weise, mit der die Terroristen des Anschlags bei den Olympischen Spielen 1972 in München israelische Spieler ermordet hatten.

Damals schnitten sie dem Gewichtheber Yossef Romano die Hoden ab, missbrauchten ihn, während die anderen Geiseln, die später aller ermordet wurden, zusehen mussten. Yossef Romano Todeskampf zog sich stundenlang qualvoll hin. Er blutete aus.

Was die Anschläge in Frankreich und München ebenfalls miteinander verbindet, ist der Mantel des Schweigens, der von weiten Teilen der deutschen Medienlandschaft über die Bestialität der Anschläge gelegt wird. Die Welt schrieb im Dezember 2015:

„Lange Zeit hatte der deutsche Staat versucht, alle Informationen darüber zurückzuhalten, was palästinensische Terroristen den israelischen Sportlern bei der Geiselnahme in München bei den Olympischen Spielen 1972 alles angetan hatten. Doch nun werden erstmals Details der sadistischen Grausamkeiten bekannt, die die Terroristen an ihren Opfern begangen haben, bevor die dilettantisch geplante deutsche Befreiungsaktion in einem riesigen Blutbad endete.“

Auch zu den Grausamkeiten des Anschlags im Theater Bataclan wird geschwiegen. Große Teile der Medien weigern sich zum Beispiel, die judenfeindlichen Aspekte des Anschlags zu erwähnen. Der WDR behauptete:

„Es gibt keinerlei Belege dafür, dass der Anschlag auf das Bataclan im November 2015, zu dem sich der IS bekannt hat, antisemitisch motiviert war. Er kann deshalb nicht in eine Aufzählung antisemitischer Attentate aufgenommen werden.“

Keinerlei Belege? Am 20. Dezember 2008 drehten arabische Terroristen einen Film des Hasses über das Theater und Caféhaus Bataclan, in dem am 13. November 2015 brutal gemordet wurde. Damals drängten vermummte Männer zum Eingang des Bataclan mit einer klaren Nachricht für die jüdischen Besitzer.

Ein Mann sprach:

„Der Zorn und die Revolte in meinen Vierteln ist etwas, das wir nicht länger kontrollieren können, darum haben wir eine Nachricht für die Leiter dieses Theaters. Heute bin ich noch nett, aber eins sollten Sie wissen, mit all den Männern, die wir hinter uns haben, wir werden sie nicht mehr lange zurückhalten können. Das ist es, was ich sagen wollte und jetzt werde ich zurückziehen. Aber wisse das, wir werden mit Ungeduld warten!“ 

Die Bedrohungslage wurde so heftig, dass die jüdischen Besitzer das Theater kurz vor dem Anschlag verkaufen mussten. Im Jahr 2011 wiederum erklärte ein Mitglied der Terrorgruppe „Armee des Islam“ bei einem Verhör des französischen Inlandsgeheimdienstes: „Wir planen einen Anschlag auf das Bataclan, weil die Eigentümer Juden sind.“

Es ist abenteuerlich, wie der WDR versucht, den Judenhass klein zu reden, wohlwissend, dass auch andere Anschläge in Frankreich und Europa deutlich judenfeindlich waren. In der Nacht zum 4. April 2017 wurde in Paris die 66-jährige Jüdin Sarah Lucy Halimi von einem 27-jährigen Mann schlafend in ihrem Bett mit diversen Messerstichen schwer verwundet und dann vom Balkon ihrer Wohnung im 3. Stock auf die Straße geworfen. Der Täter schrie während der Tat „Allahu Akbar!“ Im späteren Verhör erklärte der Täter, der Koran habe ihm den Auftrag gegeben und er habe ganz bewusst die Frau getötet. Die beiden größten jüdischen Verbände Frankreichs riefen nach dem Mord zu einem Schweigemarsch auf.

Am 21. Januar 2006 wurde in Frankreich Ilan Halimi von einer Gruppe muslimischer Einwanderer entführt und über einen Zeitraum von drei Wochen gefoltert, weil er Jude war. Er erlag seinen Verletzungen.

Am 19. März 2012 wurden vier Menschen vor einer jüdischen Schule in Toulouse von einem Mann getötet, der sich als Kämpfer des Islams verstand. Drei der Opfer waren Kinder.

Am 24. Mai 2014 wurde ein israelisches Paar und eine französische Besucherin im Jüdischen Museum in Brüssel erschossen. Der Mörder glaubte, es im Namen Allahs zu tun. Am selben Tag wurden in Frankreich zwei Juden, die aus einer Synagoge kamen, brutal zusammengeschlagen. Die Täter glaubten, damit dem Propheten zu gefallen.

Nachdem einer der Terroristen rund um den Anschlag auf Charlie Hebdo in einem jüdischen Supermarkt in Paris Geiseln genommen und vier Menschen getötet hatte, rief er den französischen Sender BFMTV an, um seine Forderungen zu verbreiten. Der Sender fragte: “Haben Sie das Geschäft aus einem bestimmten Grund ausgesucht?” Die Antwort kam prompt: “Ja. Die Juden!”

In der Stadt Odense in Dänemark wurden Ende 2008 zwei Israelis angeschossen. Ein paar Wochen später am 8. Januar 2009 rief auf den Straßen in Oslo ein überwiegend muslimischer Mob “Tötet die Juden!” und “Schlachtet die Juden ab!”

Im Jahr 2016 schickte der Journalist Constantin Schreiber einen Mann inkognito in fast zwanzig Moscheen in Deutschland, um sich die Freitagspredigten anzuhören. Was er zu hören bekam, war wenig vertrauenserweckend und teilweise sogar sehr erschreckend. Die Gläubigen wurden allesamt dazu aufgerufen, sich vom Leben in Deutschland abzugrenzen. Constantin Schreiber sagt: „Der Aufruf zur Abgrenzung zieht sich wie ein roter Faden durch die Texte.“

Auf europäischem Boden werden Menschen verfolgt und ermordet, weil sie Juden sind und weite Teile der deutschen Presse schweigen sowohl über die Brutalität als auch über die judenfeindliche Motivation der Täter. Dieses Schweigen hat eine lange Tradition. Es fand seinen Höhepunkt in München und vielen anderen deutschen Städten in den Jahren vor 1945.

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Fakten zu den Statistiken antisemitischer Straftaten

Sollten Sie wieder einmal von der Statistik über antisemitische Straftaten gehört haben, die belegen soll, das Problem komme zum größten Teil von rechts, präsentiert Tapfer im Nirgendwo Ihnen ein paar wichtige Auszüge aus diesem „Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus“ des 18. Deutschen Bundestags vom 7. April 2017 (Drucksache 18/11970). Hier wird deutlich, der größte Teil judenfeindlicher Straftaten ist nicht dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen, sondern wird dem rechtsradikalen Spektrum zugeordnet. Ein wichtiger Unterschied für jene, die sich vor Judenhass schützen müssen.

„Antisemitische Straftaten zählen in Deutschland zur politisch motivierten Kriminalität (PMK). (…) Eine politische Motivation wird dann angenommen, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich die Tat gegen eine Person oder Personengruppe aufgrund deren Nationalität, Volkszugehörigkeit, »Rasse«, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, Behinderung, sexueller Orientierung, ihres gesellschaftlichen Status oder ihres äußeren Erscheinungsbildes richtete. (…) Fremdenfeindliche Straftaten werden heute überwiegend als extremistisch eingestuft. Antisemitische Straftaten gelten generell als extremistisch. Beides wird unter dem Begriff der »Hasskriminalität« zusammengefasst. (…) Innerhalb der PMK wird einerseits nach sogenannten Phänomenbereichen, nämlich »PMK-Rechts«, »PMK-Links«, »PM-Ausländerkriminalität« (PMAK, oder auch PMK-Ausländer) und »PMK- Sonstige«, andererseits zwischen Straftaten generell und der Teilmenge der Gewalttaten unterschieden, denen auch im Fall antijüdischer Straftaten eine besondere Bedeutung zukommt. Der jeweils ermittelte Sachverhalt kann nur einem der drei Phänomenbereiche »PMK-Rechts«, »PMK-Links« oder »PMAK« zugeordnet werden. Ist eine Zuordnung zu diesen nicht möglich, wird der Phänomenbereich »PMK-Sonstige« gewählt.“

Antisemitische motivierte Straftaten werden somit nicht gesondert erfasst, sondern unter Fremdenfeindlichkeit subsumiert! Das heißt, unter „PMK-rechts“ finden sich größtenteils Straftaten gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte. Das bedeutet, über die Verteilung antisemitischer Straftaten kann durch diese Statistik keine Aussage gefällt werden.

„Der PMAK/PMK-Ausländer werden Straftaten zugeordnet, »wenn in Würdigung der Umstände der Tat und/oder der Erkenntnisse über den Täter Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass v. a. die durch eine nicht-deutsche Herkunft geprägte Einstellung des Täters entscheidend für die Tatbegehung war, insbesondere wenn sie darauf gerichtet sind Verhältnisse und Entwicklungen im In- und Ausland oder aus dem Ausland Verhältnisse und Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland zu beeinflussen. Straftaten der PMAK können auch durch deutsche Staatsangehörige verübt werden«.“

Der Begriff „Ausländerkriminalität“ bedeutet somit nicht, Ausländer, die Straftaten begehen, sondern Straftaten mit Verhältnissen zum Ausland, womit auch deutsche Staatsbürger Ausländerkriminalität begehen können.

„Die Polizei kann nur solche Straftaten erfassen, die sie entweder selbst ermittelt hat oder die ihr von dritter Seite bekannt gemacht werden. D. h. wir haben es auch hier, wie bei allen Formen von Kriminalität, mit dem Hellfeld-Dunkelfeld-Problem zu tun. Eine Ursache ist das sogenannte Underreporting, d. h. viele antisemitische Straftaten werden von den Betroffenen oder Zeugen nicht angezeigt.“

Da mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade die judenfeindlichen Äußerungen in Flüchtlingsheimen und Moscheen nicht von den Bewohnern und Besuchern der Räumlichkeiten zur Anzeige gebracht werden, taugt diese Statistik nicht zur Ermittlung von Judenhass unter Muslimen und Flüchtlingen.

„Die Zahl der tatsächlichen antisemitischen Vorfälle wird auch dadurch systematisch unterschätzt, dass bei jedem Vorfall, bei dem es zu mehreren Delikten gekommen ist (z. B. Beleidigung, Raub, Körperverletzung), nur das Delikt mit der höchsten Strafandrohung gezählt wird. Damit gehen alle anderen Delikte nicht in die polizeiliche Statistik ein. Insbesondere bei kollektiven Handlungen, wie Demonstrationen, ist die genaue Anzahl der begangenen Straftaten daher kaum angemessen zu ermitteln.“

In den letzten Jahren waren bei Demonstrationen in Deutschland folgende Parolen zu hören:

„Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“
„Juden ins Gas!“

Diese Demonstrationen fanden mit tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern muslimischen Glaubens in Berlin, Frankfurt, Essen, Gelsenkirchen und vielen weiteren Städten statt. In der Statistik werden diese Massen nicht angemessen gespiegelt.

„Die Einordnung einer Straftat als antisemitisch hängt von der Wahrnehmung und von den Kriterien ab, nach denen eine Tat eingestuft wird. Es handelt sich also um das »Problem der Motivklärung«, das die Entwicklung eines Problembewusstseins voraussetzt. Es hängt letztlich von den Erfahrungen, der Sensibilität und dem thematischen Kenntnisstand der ermittelnden Beamten ab, ob eine antisemitische Straftat als solche erkannt und korrekt klassifiziert wird.“

Im Jahr 2015 verurteilte das Wuppertaler Amtsgericht zwei Araber zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt für einen Brandanschlag auf eine Synagoge. Ein weiterer 18-Jähriger Täter wurde nach Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe ohne konkretes Strafmaß verurteilt. Alle drei mussten zudem zweihundert Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das niedrige Strafmaß begründet das Gericht mit der Feststellung, dass es keine Anhaltspunkte für eine antisemitische Tat gäbe. Die Palästinenser hatten gestanden, im Sommer 2014 Brandsätze auf die Synagoge geschleudert zu haben, erklärten aber, dass sie damit die Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken wollten.

Einige Anschläge auf jüdische Einrichtungen werden nicht unter Antisemitismus gefasst, wenn eine „Palästina-Verbindung“ besteht.

„Fremdenfeindliche und antisemitische Straftaten werden grundsätzlich immer dann dem Phänomenbereich PMK-Rechts zugeordnet, wenn keine weiteren Spezifika erkennbar sind (z. B. nur der Schriftzug »Juden raus«) und zu denen keine Tatverdächtigen bekannt geworden sind. Damit entsteht möglicherweise ein nach rechts verzerrtes Bild über die Tatmotivation und den Täterkreis.“

In der Nacht vom 27. auf den 28. März 2011 wurde die Aachener Synagoge mit einem Hakenkreuz beschmiert. Im Sommer zuvor war bereits die Außenmauer des jüdischen Friedhofs an der Lütticher Straße verunstaltet worden. Neben Hakenkreuzen wurde auch die Parole „Freiheit für Palästina“ an die Wand geschmiert.

Hakenkreuze und andere Symbole werden nicht nur von rechts verwendet, aber oft ausschließlich rechts zugeordnet. Das heißt: Wenn ein Hakenkreuz dabei ist, wird die Tat als rechtsradikal eingestuft, selbst wenn es von Muslimen kommt.

„Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die PMK-Statistik eine Reihe teils behebbarer, teils reduzierbarer, teils aber auch nicht zu ändernder Schwächen aufweist, so dass sie nur begrenzt zur Beurteilung der Verbreitung von Antisemitismus und entsprechenden Tätergruppen geeignet ist.“

So steht es in dem „Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus“.

„Nur begrenzt“ ist eine sehr milde Bezeihnung. „Gar nicht“ trifft es besser.

Wer diese Statistik anführt, um Aussagen über die Verteilung von Antisemitismus in Deutschland zu tätigen, betreibt Fake News!

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Eine Liebeserklärung an Henryk Broder

„Vielleicht hört es sich ein wenig melodramatisch an und theatralisch, aber es gibt diese Momente und dann hat man auf einmal diesen glücklichen Gedanken: Aber es gibt noch immer Henryk. Er ist es. Glücklich! Er ist noch immer da. Das ist ja toll. Solange er da ist, gibt es Hoffnung.“

Diese Worte über Henryk M. Broder stammen von Leon de Winter. Wie Recht er hat. Ich liebe diesen Mann auch, der mit seinem Humor, seinem Wut, seiner Verletztheit und seiner unbändigen Lust am Leben über die Welt schreibt und über die Menschen, die auf diesem Planeten wandeln, fallen und aufstehen. Er stellt alles Frage, weil er den Zweifel liebt. Und er macht sich Sorgen um Deutschland, obwohl er bei einem Kaffeeklatsch mit Leon de Winter zugibt:

„Es ist schon komisch. Da sind zwei Juden an einem Tisch in Dresden und reden darüber, wie schade es ist, dass Deutschland sich aufgegeben hat. Es ist doch völlig absurd, oder? Wir machen uns Sorgen um den Fortbestand Deutschlands. Haben wir gekifft heute?“

Das Gespräch mit Leon de Winter ist Teil der Dokumentation „Der ewige Antisemit“ von Joachim Schröder. In dem Film geht Henryk Broder auf die Suche nach Judenhass in Europa. Was er auf seine Reise findet, ist erschreckend und macht wütend und traurig: Hochbewaffnete Soldaten in jüdischen Vierteln in Paris, die Juden schützen müssen, weil in Frankreich immer mal wieder Juden getötet werden, weil sie Juden sind; einen Rabbiner in Malmö, der erklärt, dass das Leben für Juden in der schwedischen Stadt unerträglich geworden ist und die letzten Juden überlegen, die Stadt zu verlassen; den ehemaligen Bürgermeister der Stadt Krauschwitz in Sachsen-Anhalt, der den Holocaust leugnet; eine Professorin in Hildesheim, die wortgewandt mörderischen Israelhass relativiert, der an ihrer Universität gelehrt und veröffentlicht wurde, darunter die Aussage, Israel sei schlimmer als Nazideutschland; einen jüdischen Restaurantbetreiber, der ein Restaurant schließen musste, weil seine deutschen Nachbarn erklärten, die Israelis seien das Unglück der Welt; und er trifft mehrmals den Autoren Hamed Abdel-Samad, der nur noch mit Personenschützer das Haus verlassen kann, weil er den Islam hinterfragt und mit Juden befreundet ist und dafür von deutschen Journalisten kritisiert wird, weil er mit seinen aufklärerischen Werken den Islam beleidigen soll. Die Dokumentation endet mit Worten von Leon de Winter:

„Mein Gott, was haben unsere Ahnen, unsere Eltern, das Europa geliebt, das bürgerliche Ideal. Es hat wenige Gruppe gegeben, die das mit so viel Hingabe umarmt haben. Als im frühen 19. Jahrhundert im Ghetto die Türen geöffnet wurden, wie besessen sie waren, wie so unglaublich hungrig. Und ich denke auch, wir erleben jetzt die letzte Phase der jüdischen Existenz in Europa. Es ist die letzte Phase. Es hat angefangen in den dreißiger Jahren. Es war eine eigentlich nie beantwortete Liebe. Ich denke in vierzig, fünfzig Jahren gibt es eigentlich keine Juden mehr in Europa.“

Diese Worte sind so schmerzhaft, dass wir sie alle hören müssen, vor allem, wenn wir an folgende Worte von Henryk Broder denken:

„Antisemitismus ist wie der berühmte Kanarienvogel im Bergbau. Wenn der Kanarienvogel tot umfällt, dann wissen die Bergleute, obwohl sie noch nichts gerochen haben, es ist Zeit, den Schacht zu verlassen. Das ist Antisemitismus. Der Vorbote eines größeren Unheils.“

Ich bin zwar nur ein sehr, sehr kleiner Teil Europas, aber an dieser Stelle möchte ich meine Liebe erwidern. Ich liebe Henryk! Und ich bin stolz, dass er mich seinen Freund nennt.

Ich bin mir sicher, in hundert Jahren werden die kommenden Generationen auf jene Zeitgenossen, die Broder heute mit den blumigsten Worten verteufeln, mit so viel Unverständnis blicken, wie wir heute auf jene blicken, die einst Heinrich Heine verteufelten. Heute wissen wir, was damals die Hauptgründe für das Heine-Bashing und für die Herabsetzungen waren. Heinrich Heine war stets klar, deutlich und direkt mit seinen Worten. Oft lüftete er das Mieder der deutschen Sprache. Er kritisierte Religionen und Majestäten. Sein Spott traf Rechte wie Linke. Und er war Jude.

Henryk ist wie Heinrich, ein Charakter, der sich selbst keinen Maulkorb verpasst, aus Angst, die Falschen könnten ihn zitieren. Er muss sich nicht rechtfertigen. Seine Haltung ist so klar wie die Heines. Deutschland wäre ärmer ohne ihn. Deutschland ist Broders zu Hause, seine Beute, und zu Hause ist dort, wo man die Buxe aufmacht! Allerdings erklärt er:

„Ich muss sagen, mir ist dieses jüdische Beharren, >Wir bleiben hier<, leicht unheimlich. Ich halte das nicht für besonders klug. Wenn man etwas aus der Geschichte gelernt haben will, muss man vermutlich als erstes wissen, wann die Zeit da ist zu gehen."

Lieber Henryk,

egal, ob Du bleibst oder gehst, ob nun nach Paris wie Heinrich Heine oder nach Reykjavik, bitte schreibe noch lange weiter über Deutschland, über die Linken und die Rechten, über die Hybris der Deutschen, die im Luftreich des Traums die Herrschaft so unbestritten zu behaupten suchen, dass sie auf ihren Wegen gar manches Sternlein ausputzen mit ihren Flügelschlägen und lass Dir nicht einreden, Deine deutlichen Worte über Majestäten und Religionen seien Beleidigungen. Schreibe noch viele, viele gesunde Jahre weiter über Dein persönliches Wintermärchen.

Dein Freund,
Gerd

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Pippi Langstrumpf und Rassismus

In die Stadtbibliothek im südschwedischen Borås rückte im Oktober 2017 die Polizei ein, weil ein Vater die Sicherheit seiner Kinder in dem öffentlichen Gebäude gefährdet sah. Wie die schwedische Zeitung Expressen berichtete, alarmierte der Mann die Polizei, weil er Kinder dabei beobachtet hatte, wie sie einem Hörspiel von Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ lauschten. Er nahm besonders Anstoß an dem Wort „Negerkönig“, mit dem Pippis Vater dort bezeichnet wurde.

Der Roman „Pippi Langstrumpf“ wurde im Jahr 1945 erstmals publiziert. Schnell wurden die Geschichten rund um „das stärkste Mädchen der Welt“ ein Welterfolg. Allerdings sagt das stärkste Mädchen der Welt in der Romantrilogie sowas:

“Meine Mutter ist schon lange tot. Mein Vater ist ein Negerkönig. Eines Tages kommt er und holt mich. Dann werde ich eine Negerprinzessin. Heihopp, was wird das für ein Leben!“

An anderer Stelle wird Pippi Langstrumpf noch deutlicher:

“Wie kannst du überhaupt verlangen, dass ein kleines Kind mit einem Engel als Mutter und einem Negerkönig als Vater immer die Wahrheit sagen soll? Übrigens will ich euch verraten, dass es in Nicaragua keinen einzigen Menschen gibt, der die Wahrheit sagt. Sie lügen den ganzen Tag.“

Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf ist sich sicher, dass es keinen einzigen „Neger“ gibt, der die Wahrheit sagt. Ist Pippi Langstrumpf rassistisch?

Diese Frage verstört viele Fans von Pippi. Der Weg von einem Fan zu einem Fanatiker kann sehr kurz sein und wird genau dann beschritten, wenn sich ein Fan weigert, das Objekt seiner Bewunderung als Mensch zu sehen und zwar mit all seinen menschlichen Fehlern und Schwächen.

Pippi ist ein wunderbares Mädchen, keine Frage. Sie ist stark, selbstbewusst und kreativ. Mit all diesen Eigenschaften ist sie ein Vorbild für sämtliche Mädchen und Jungs. Ich liebe ihre Freiheit und ihre Anarchie.

Gute Romane zeichnen sich dadurch aus, dass die Charaktere nicht schlicht in schwarz und weiß gezeichnet werden, sondern dass sie komplex sind, Persönlichkeiten, an denen sich die Leserinnen und Leser reiben können und müssen. Dies gilt auch für Pippi.

Kinder sind klüger als manche Erwachsene denken. Wenn es etwas gibt, dass uns Astrid Lindgren beigebracht hat, dann das.

Astrid Lindgrens Figuren sind Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften. Auch Pippi Langstrumpf hat schlechte Seiten. Für manche Völker zum Beispiel nutzt sie Worte der Verachtung. Es sind genau die Völker, die zu ihren Gunsten von ihrem Piratenvater Efraim Langstrumpf beraubt und ausgebeutet werden. Pippis Reichtum, von der Villa bis zum Pferd, ist das Resultat der Unterdrückung, Ausbeutung und Plünderung ihres Vaters. Aus genau diesem Umstand erwächst ihre Anarchie. Pippis Freiheit ist das Resultat des imperialistischen Verhaltens ihres Vaters.

Genau diese Ungerechtigkeit will Pippi nicht erkennen, obwohl sie am Ende der Trilogie spürt, dass an ihrer Freiheit etwas faul ist. Der letzte Satz, den sie im letzen Roman spricht lautet: “Niemals will ich werden groß.“

Pippi Langstrumpf ist neun Jahre alt und sie will es bleiben. Sie will ihre Privilegien genießen wie ein Kind, ohne erkennen zu müssen, aus welch brutaler Ungerechtigkeit sie entstammen. Pippi Langstrumpf ist eine Metapher für alle Menschen, die zwar frei, stark und unabhängig sind, sich aber nicht eingestehen wollen, auf welche zum Teil ausbeuterischen Strukturen diese Freiheit fußt.

Astrid Lindgren hat mit Pippi Langstrumpf eine Heldin verfasst, aber wie alle großen Heldinnen und Helden der Literaturgeschichte hat Pippi Fehler und Schwächen. Sie eignet sich nicht dazu, uneingeschränkt verehrt zu werden.

Eine andere Heldin bei Astrid Lindgren heißt Ronja Räubertochter. Im Gegensatz zu Pippi Langstrumpf erkennt sie, dass ihr Vater, so sehr sie ihn auch liebt, auf sehr unmoralische Art zu seinem Reichtum gelangt. Als Ronja das erkennt, macht sie etwas, das Pippi nicht gemacht hat: Sie lehnt sich gegen ihren Vater auf! Sie liefert sich sogar seinem Erzfeind aus, um ihren Vater zum Umdenken zu zwingen.

Astrid Lindgren hat ihre Leserinnen und Leser immer ernst genommen, gerade weil sie größtenteils Kinder sind. Der Oetinger Verlag hat jedoch beschlossen, die Kinder wieder zu bevormunden und beraubt sie somit ihrer Rechte, die Astrid Lindgren ihnen selbstverständlich zugesprochen hat.

In den neuen Übersetzung spricht Pippi nicht mehr von ihrem Vater als “Negerkönig“ sondern als “Südseekönig“, ganz so, als hätten die Völker der Südsee ganz freiwillig diesen skandinavischen Piraten zum Herrscher. Somit hat der Oetinger Verlag hat eine Figur in Lindgrens Roman zerstört. Aus einer Figur, die mit rassistischen Gedankenmustern verdrängt, dass ihre Freiheit auf Piraterie und Ausbeutung fußt, hat der Verlag ein Mädchen reinen Gewissens gemacht. Das ist Kunstzerstörung und Geschichtsverfälschung, denn Pippi Langstrumpf erinnert uns daran, dass sich selbst unter unseren größten Heldinnen rassistisches Gedankengut breit machte.

Wer die Stellen in den Romanen unserer Heldinnen und Helden nachträglich verändert, wer den Rassismus wegwischt, leugnet den Rassismus unserer Vergangenheit und betreibt damit Geschichtsverfälschung.

Wer Bücher verbrennt, verbrennt die Bücher so, wie sie sind. Der Oetinger Verlag aber hat den Roman „Pippi Langstrumpf“ mit der Tilgung von Erzählmomente, die ihm als unpassend erschienen, nachhaltig und für die Zukunft zerstört.

Den Rassismus aus einer Figur eines Romans zu schneiden, ist so skandalös, als würde man verlangen, Jago in Shakespeares “Othello“ dürfe seinen General nicht mehr als “Mohr“ bezeichnen.

Aus Geschichte(n) lernen wir nicht, indem wir sie einfach umschreiben.

„Aber es ist doch nur ein Kinderbuch“, wird jetzt manch eine sage. Ja, es ist ein Kinderbuch, aber nicht „nur“!

Kinder haben das Recht, sich Gedanken zu machen. Sie dürfen fragen, warum die tolle Pippi so doof über „Neger“ spricht und behauptet, sie würden alle lügen. Und Erwachsene haben die Pflicht, sich mit solchen Heldinnen auseinanderzusetzen, statt die Geschichte umzuschreiben und zu relativieren. Geschichtsfälschung ist niemals akzeptabel.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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