Vorschlag zur Feiertagsdebatte

Da gerade wieder darüber diskutiert wird, ob der 8. Mai ein Feiertag werden soll, möchte ich einen Vorschlag formulieren. Es würde mich unendlich freuen, sollte diese Feierlichkeit Realität werden:

Lasst uns den Mai als Monat der Verfassung erklären und die Verfassung vom 1. bis zum 23. Mai feiern!

Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz in Kraft. Daher lasst uns an jedem Tag des Monats bis zum 23. Mai an den jeweiligen Artikel im Grundgesetz erinnern. Wie beginnen und enden die Wochen der Verfassung mit jeweils einem bundesweiten Feiertag. Innerhalb der Feierwochen sollten wir den 8. Mai als Gedenktag besonders begehen.

Hier der Ablauf des Monats:

1. Mai: Tag der Arbeit und der Menschenwürde (Feiertag)

2. Mai: Tag der Freiheit

3. Mai: Tag der Gleichberechtigung

4. Mai: Tag der Religionsfreiheit

5. Mai: Tag der Meinungsfreiheit

6. Mai: Tag der Familie

7. Mai: Tag der Schule

8. Mai: Tag der Versammlungsfreiheit und des Endes des Krieges (Gedenktag)

9. Mai: Tag der Vereine

10. Mai: Tag des Briefs

11. Mai: Tag der Freizügigkeit

12. Mai: Tag gegen Sklaverei

13. Mai: Tag des Zuhauses

14. Mai: Tag des Eigentums

15. Mai: Tag der Bodenschätze

16. Mai: Tag der Flüchtlinge

17. Mai: Tag der Petition

18. Mai: Tag der freiheitlich demokratischen Grundordnung

19. Mai: Tag der Grundrechte

20. Mai: Tag des Widerstands

21. Mai: Tag des Volks

22. Mai: Tag der Parteien

23. Mai: Europatag und Tag des Grundgesetzes (Feiertag)

Jetzt fehlt nur noch eine schöne Tradition für diese Feierwochen. Ich schlage vor, dass wir Skulpturen, Bilder und Figuren von Giraffen aufstellen. Warum? Ganz einfach:

Im Bonner Naturkundemuseum Koenig begann nach dem Zweiten Wektkrieg die Arbeit an der Verfassung für die künftige Bundesrepublik. Ein Großteil der dort ausgestellten ausgestopften Tiere konnten ausgeräumt werden. Nur die Giraffen waren zu groß. Daher blieben sie stehen. Im Schatten dieser Giraffen wurde das Grundgesetz verfasst.

Da es die Giraffen heute noch gibt, sollten wir sie zu Bundesgiraffen erklären und somit zu dem Symbol unseres Grundgesetzes und der Feierlichkeiten.

Die Bundesgiraffen:

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Der gewalttätige Typ aus dem Fernsehen

Am 6. Mai 2020 habe ich auf SAT1 eine Show gesehen, in der ein gewalttätiger Typ seine Übergriffigkeiten in Anwesenheit der Opfer zelebrieren durfte.

Ich glaubte nicht, was ich sah. Ein Typ ging körperlich gewalttätig gegen eine Frau vor und erklärte später, es gäbe halt Frauen, die wären nicht fähig, zuzuhören und da müsse man halt auch mal körperlich nachhelfen. Später schnappte sich der Typ die Wertsachen der angegriffenen Frau und warf die Gegenstände die Treppe hinunter.

All diese Taten passierte in einem Land, dessen großes Problem in einer unzureichenden Verfolgung und Aufklärung von Gewaltverbrechen gegen Frauen besteht. Vielleicht hatte SAT1 deshalb beschlossen, die Show „Promis unter Palmen“ in Thailand zu produzieren, da es dort mit den Frauen- und Selbstbestimmungsrechten nicht so weit her ist. In Deutschland jedenfalls wäre das Verhalten des Types ein klarer Fall für die Polizei gewesen.

In „Promis unter Palmen“ durfte der Täter nicht nur die Taten begehen, es wurde ihm sogar gestattet, später über diese Taten minutenlang zu sprechen und sie zu zelebrieren, während das Opfer dabei saß und schweigen musste, weil es bei jedem Versuch, sich selbst Gehör zu verschaffen, ständig nach nur ein paar Worten wüst unterbrechen wurde. Das Opfer hatte die Fresse zu halten, während der Täter sprach.

Der Täter griff zudem verbal eine weitere Frau an, die über vierzig Jahre jünger ist. Der Täter beleidigte ihr Aussehen und ihren Charakter auf übelste Art. Der Typ war sich seiner Machtposition bewusst und missbrauchte sie auf erschreckend selbstverständliche Weise. Wie ein Fronherr benutze er die Menschen um sich herum und erfreute dich daran, sie zu erniedrigen.

Als die junge Frau erklärte, so nicht behandelt werden zu wollen, erklärte der Täter, sie solle doch froh sein, dass sich ein Typ ihres Kalibers überhaupt mit ihr abgibt. So sprechen gewaltige Männer über Frauen, die sie wie Gegenstände benutzen.

Zudem erklärte der Typ einem offen homosexuell lebenden Mann, er habe den Hass aller homofeindlichen Menschen befeuert, weil er sich nicht anständig verhalten habe. So denkt es in ihm: Wenn eine „Tunte“ sich daneben benimmt, dann soll sie sich nicht wundern, wenn alle Schwulen gehasst werden.

Der Typ ließ sich zudem lange über das Äußere des Mannes aus. Vor allem seine weißen Zähne und die braune Haut wurden mit einer Salve von Beleidigungen bedacht. Es war Bodyshaming der unangenehmsten Sorte.

Der Moderator schritt nicht ein. Er ließ den Täter minutenlang gewähren. Die Show wurde nicht unterbrochen. Der Täter wurde nicht gestoppt. Der seelische Missbrauch und die körperliche Gewalt wurde toleriert. Warum? Vermutlich weil der Täter eine Frau ist. Der Typ heißt Désirée Nick.

Was sich Frau Nick bei „Promis unter Palmen“ geleistet hat, ist übelster Psychoterror, gepaart mit körperlicher Gewalt und seelischem Missbrauch. Einem Mann hätte man ein solches Verhalten im Fernsehen nicht durchgehen lassen und das zu recht nicht.

Gesendet wurde dieses Fest der Gewalt in Zeiten von Corona. Während also manche Kinder, Frauen und Männer gehäuft Opfer von häuslicher Gewalt und von Mobbing werden, hofiert SAT1 eine Täterin und bietet ihr sogar noch Sendezeit, ihre Verbrechen zu feiern.

Was sich SAT1 dort erlaubt hat, ist eine sexistische Schande. Wer nach dieser widerwärtigen und menschenverachtenden Mobbing-Orgie Désirée Nick immer noch zu einer Ikone verklärt, sollte jeder Demonstration zur Geschlechtergerechtigkeit und körperlicher Selbstbestimmung fern bleiben.

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Ein Stern, der deinen Namen trägt

Am 3. Mai 2020 wurde folgendes Bild von einer Person auf Facebook veröffentlicht:

Die Person veröffentlichte auf Facebook ebenfalls folgendes Statement:

Ich frage mich, wenn sie so eine entschiedene Impfgegnerin ist, warum hat sich dann gegen Gehirn und Anstand impfen lassen?

Ohne Stern findet man heutzutage in Deutschland als Opfer einfach nicht mehr statt. Jeder erlebt seinen ganz privaten Holocaust. Der Trend geht mittlerweile sogar zum Zweitholocaust.

Tapfer im Nirgendwo präsentiert daher noch ein paar weitere Sterne aus der Galaxis G-Schmaklos.

Mir fällt dazu nur noch eins ein: Unpassende Vergleiche sind schlimmer als Hitler!

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Zum Geburtstag von Golda Meir

Golda Meir wurde am 3. Mai 1898 geboren. Tapfer im Nirgendwo präsentiert ein paar Zitate dieser großen Frau.

„Ich will ihnen mal sagen, was ich gegen Moses habe. Er hat uns vierzig Jahre lang durch die Wüste geschleppt, nur um uns dann an den einzigen Ort im ganzen Nahen Osten zu bringen, wo es kein Öl gibt!“ (Laut The New York Times vom 10. Juni 1973 auf einem Bankett während des Staatsbesuches vom Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Willy Brandt, in Israel.)

„Ob Frauen besser sind als Männer, kann ich nicht sagen. Aber ich kann sagen, dass sie auf jeden Fall nicht schlechter sind.” (Quelle: Haaretz)

„Nicht schön zu sein, war der wahre Segen. Nicht schön zu sein, zwang mich, meine inneren Ressourcen zu entwickeln. Das hübsche Mädchen hat ein Handicap, das sie erst überwinden muss.“ (Quelle: Haaretz)

“In Israel machte mal die Geschichte die Runde, Ben-Gurion habe mich als den einzigen Mann in seinem Kabinett bezeichnet. Was mich daran amüsiert, ist, dass er oder wer auch immer diese Geschichte erfunden hat, denkt, dass dies das größte Kompliment ist, das einer Frau gemacht werden kann. Ich bezweifle sehr, dass sich ein Mann geschmeichelt fühlen würde, wenn ich über ihn gesagt hätte, dass er die einzige Frau in der Regierung sei.“ (Quelle: Haaretz)

„Wenn Frieden kommt, können wir den Arabern vielleicht mit der Zeit vergeben, dass sie unsere Kinder getötet haben. Wir können ihnen aber nie vergeben, dass sie uns gezwungen haben, ihre Kinder zu töten. Wir werden erst Frieden mit den Arabern haben, wenn sie ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.” (Erstmals erwähnt in dem Buch „A Land of Our Own : An Oral Autobiography“ aus dem Jahr 1973, herausgegeben von Marie Syrkin.)

„Pessimismus ist ein Luxus, den sich ein Jude niemals erlauben kann.“ (In The Observer vom 29. Dezember 1974)

„Sei nicht so bescheiden. So groß bist Du nicht.“ (Zu Verteidigungsminister Mosche Dajan)

„Wir hassen Krieg. Wir jubeln nicht über unsere Siege. Wir freuen uns, wenn eine neue Baumwollsorte angebaut wird und wenn in Israel Erdbeeren blühen.“ (Erstmals erwähnt in dem Buch „As Good as Golda : The Warmth and Wisdom of Israel‘s Prime Minister“ aus dem Jahr 1970, herausgegeben von Israel Shenker und Mary Shenker)

„Ich bevorzuge es, am Leben zu sein und kritisiert zu werden, statt gemocht zu werden.“ (Im Magazin Ms. von April 1973)

„Es ist wahr, wir haben alle unsere Kriege gewonnen, aber wir haben dafür bezahlt. Wir wollen keine Siege mehr. (…) Wir haben immer gesagt, dass wir in unserem Krieg mit den Arabern eine Geheimwaffe haben: keine Alternative. Die Ägypter konnten nach Ägypten fliehen und die Syrer nach Syrien. Die einzige Richtung, in die wir flüchten konnten, war ins Meer. Und bevor wir das tun, können wir genauso gut kämpfen.“ (Aus dem Magazin LIFE vom 3. Oktober 1969)

„Ich bin eine Palästinenserin!“

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Just Do It

Berhane Berhane im Gespräch mit Gerd Buurmann.

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Leverkusens DisTanz in den Mai

NACHTRAG: Das Verwaltungsgericht hat die erweiterten Verbote der Stadt Leverkusen rund um das verlängerte Wochenende fast vollständig gekippt. Das Gericht hat entschieden, dass die Verbote teils unzulässig sind.

Wichtige Information für alle Menschen, die sich vom 30. April bis zum 3. Mai 2020 in Leverkusen aufhalten. Folgende Dinge sind an diesen Tagen verboten:

– Das Mitführen von Bollerwagen für alle Menschen, die keine minderjährigen Kinder haben.

– Das öffentliche Trinken von alkoholischen Getränken.

– Das öffentliche Musizieren auf Instrumenten.

– Das öffentliche Benutzen von Geräten, die Schall erzeugen, zum Beispiel Handys.

– Das zu laute Abspielen von Musik im Auto.

Wir machen Sie nachdrücklich darauf aufmerksam, dass Sie sich massiv strafbar machen, wenn Sie in diesen Tagen am Rhein in Leverkusen mit einem Glas Wein vor sich und einer Gitarre in der Hand das Lied „Die Gedanken sind frei“ singen.

Bleiben Sie gesund!

Die Stimme eines gebürtigen Leverkuseners zu dieser Situation:

„Meine Heimatstadt ist die erste Stadt Deutschlands, die aufgrund von Corona ein Alkoholverbot verhängt. Ich schäme mich so sehr!“ (Torsten Schlosser)

In einem Gespräch mit Tapfer im Nirgendwo erklärte Torsten Schlosser, er sei so sauer über diese Entscheidung seiner Heimatstadt, dass er sofort auf Wikipedia gegangen sei, um sich dort von der Liste der Persönlichkeiten der Stadt Leverkusen zu streichen. Leider war er gar nicht drauf.

Der gebürtige Emsländer Gerd Buurmann plädiert daher dafür, dass Torsten Schlosser umgehend zum Ehrenbürger der Stadt Haselünne erklärt wird, der Stadt mit drei Schnapsbrennereien (Berentzen, Rosche, Heydt) und einer Entzugsklinik.

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Von wegen „Ruinenhaufen“

Achille Mbembe ist ein kamerunischer Historiker, Politikwissenschaftler und Theoretiker des Postkolonialismus. Tapfer im Nirgendwo präsentiert ein paar seiner Aussagen und widerspricht. Achille Mbembe behauptet:

„Die Auswirkungen des israelischen Projekts auf den palästinensischen Körper sind viel einschneidender als die relativ primitiven Operationen des Apartheidregimes in Südafrika zwischen 1948 und den frühen 1980er Jahren.“

Die Apartheid war eine Periode der institutionalisierten Rassentrennung in eine „schwarze Rasse“ und eine „weiße Rasse“. Sie endete erst 1994. Achille Mbembe setzt mit seinem Vergleich den Staat Israel mit der „weißen Rasse“ gleich und unterstellt somit, es gäbe eine israelische Politik, die auf der Annahme beruhe, bei dem Judentum handele es sich um eine „überlegene Rasse“. Dies ist eine Lüge! In der Unabhängigkeitserklärung von Israel findet sich das genaue Gegenteil:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

Alle Bürgerinnen und Bürgern Israels, egal welcher Religion sie angehören und unabhängig davon, ob sie sich als Juden, Araber oder Palästinenser verstehen, haben die gleichen Rechte. Achille Mbembe aber behauptet:

„Das zeigt sich in seiner fanatischen Politik der Zerstörung, die darauf abzielt, das Leben der Palästinenser in einen Ruinenhaufen zu verwandeln oder in einen Abfallhaufen, der gesäubert werden soll. In Südafrika erreichten die Schutthaufen nie solche Ausmaße.“

Von wegen „Ruinenhaufen“. In Jerusalem gibt es über siebzig Moscheen. In Israel stehen über vierhundert Moscheen (Stand 2019). Damit hat sich die Anzahl der Moscheen in den letzten Jahren in Israel verfünffacht. Ende der achtziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es in Israel gerade mal etwas mehr als achtzig Moscheen. Über dreihundert Imame in Israel erhalten finanzielle Zuwendungen des Staates Israel.

In Israel sind Muslime und Juden Nachbarn. Sie sind einander Arbeitskollegen, Lehrerinnen, Anwälte, Richterinnen, Abgeordnete, Polizisten, Feuerwehrmänner, Soldatinnen, Köche, Sexualpartner und vieles, vieles mehr. Sie lachen, leben, essen, weinen und streiten zusammen. Sie leben miteinander und teilen sich die selbe Heimat. Sie sind gemeinsam in Treue verbunden mit den Bäumen, Flüssen, Bergen, Meeren, Seen, Städten, Dörfern und Wüsten ihrer Heimat, die sie oft in ihre Gebete einschließen. Sie sind eine Familie! Manche sind entfernte Verwandte, andere wiederum frisch nah Vertraute. Tapfer im Nirgendwo präsentiert ein paar Stimmen aus dem „Ruinenhaufen“:

„Mein Name ist Mohammed Zoabi. Ich bin ein stolzer israelischer, zionistischer, arabischer Moslem. Die Art, wie ich mich selber bezeichne, verärgert all jene, die gegen Israel, gegen Gerechtigkeit und gegen die Hoffnung auf Demokratie im Nahen Osten sind. Israel ist ein jüdischer Staat, aber das hält mich nicht davon ab, mein Land zu lieben und zu unterstützen. Die Leute sollen endlich aufhören, Israel zu hassen, nur weil es das Land des jüdischen Volkes ist.

Israel ist die Hoffnung für Demokratie. Ernsthaft! Israel ist das Licht in der Dunkelheit. Israel ist der Himmel inmitten der Hölle. Ich sage das nicht, um irgendeines unserer Nachbarländer zu beleidigen, überhaupt nicht, aber das ist nun mal die Tatsache. Schaut Euch Syrien an. Es ist einfach nur beschämend, was dort geschieht. Syrien ist gerade mal nur hundert Kilometer von meinem Haus entfernt, von dem Ort, an dem ich gerade stehe und dort werden die Menschen getötet. Menschen werden dort verfolgt, nur weil sie Freiheit fordern. Das ist beschämend! Homosexuelle werden im Iran und in Saudi-Arabien hingerichtet, nur weil sie schwul geboren wurden. Das ist beschämend!“

„Mein Name ist Noor Dahri. Ich bin ein britisch-pakistanischer und muslimischer Zionist. Es gibt dadurch keinen Widerspruch in meiner Identität. Zionismus bedeutet schlicht, das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung in seiner alten Heimat anzuerkennen.

Seit der Staatsgründung im Jahr 1948 waren Israelis immer gezwungen, ihren Staat zu verteidigen. Die Geschichte zeigt, dass Israel sich nicht nur im Kampf verteidigt hat, sondern auch Frieden angeboten und territoriale Zugeständnisse an jene Nachbarn gemacht hat, die zuvor ihre Zerstörung gefordert hatten. Es wurde immer wieder bewiesen, dass Israel bereit ist, umstrittenes Land auszutauschen, solange sich ihre Feinde nur auf einen anhaltenden Frieden einigen konnten.

Der Zionismus ist eine friedliche Ideologie, die andere dazu bringen soll, die Realität Israels als legalen und legitimen Staat für das jüdische Volk zu akzeptieren. Muslime sollten die politische Ideologie des Zionismus nicht fürchten oder verleumden. Sie sollten nicht die Flammen religiösen Hasses oder religiöser Konflikte anfachen.“

„Mein Name ist Sara Zoabi. Ich bin Araberin, Muslimin, Israelin und stolze Zionistin von Nazrat Ilit. Ich bin Araberin, weil ich Araberin bin. Ich bin Muslimin, weil ich Muslimin bin. Und ich bin Zionistin, weil ich an das Recht des jüdischen Volkes an einen eigenen Staat glaube, den Staat Israel, das Heilige Land. Ich bin mir sicher, einige Leute, die mich jetzt hören, werden sagen: „Was ist los? Hast Du den Verstand verloren? Wie kannst Du nur sagen, eine Zionistin zu sein?“

Ich möchte allen israelischen Arabern sagen: Wacht auf! Wir leben hier im Paradies. Im Vergleich mit anderen arabischen Länder ist das hier der Garten Eden! Für mich gibt es kein anderes Heimatland als Israel. Ich habe keine andere Flagge. Bei allem Respekt meiner arabischen und muslimischen Wurzeln betone ich: Ich bin keine Verräterin! Ich schade niemandem.

Welcher Ort ist besser als Israel? Hier kann ich tun, was ich in keinem anderen arabischen Land tun kann. Ich bin mir sicher, wie ich hier lebe, ist nicht mal ein Prozent der Araber in den arabischen Nachbarländern vergönnt, aber hundert Prozent aller israelischen Araber leben so!“

„Mein Name ist Kothar. Ich bin 24 Jahre alt und komme aus dem Dorf Drijat im Negev. Ich gehöre zu einer 13-köpfigen religiösen Familie. Mein Vater arbeitet als Lehrer, während meine Mutter zu Hause bleibt. Ich arbeite als Lehrerin in einer israelischen Schule. Ich unterrichte Arabisch für die fünfte und sechste Klasse in einem neuen Programm, das „Ya Salamm“ heißt.

Es gibt viele andere Araber wie mich, die in Israel leben und arbeiten. Sie haben Freude am Leben, arbeiten, passen sich an und haben keine Probleme hier. Wenn Menschen Israel boykottieren, dann boykottieren Sie mich und alle anderen Araber, die hier leben und arbeiten.“

„Mein Name ist Mosab Hassan Yousef:. Ich bin in Ramallah als Mitglied der Hamas aufgewachsen. Ich richte meine Worte an die palästinensische Autonomiebehörde, die von sich behauptet, die „alleinige legitime Vertretung“ des palästinensischen Volkes zu sein. Ich frage: Woher nehmen Sie diese Legitimität? Das palästinensische Volk hat Sie nicht gewählt, und es hat Sie nicht dazu veranlasst, von Ihnen vertreten zu werden. Sie haben sich selbst ernannt!

Sie tragen keine Verantwortlichkeit für Ihre eigenen Leute. Dies wird belegt durch Ihre totale Verletzung der Menschenrechte. Fakt ist, das palästinensische Individuum und seine menschliche Entwicklung ist Ihr geringstes Anliegen. Sie entführen palästinensische Studenten vom Campus und quälen sie in Ihren Gefängnissen. Sie quälen Ihre politischen Konkurrenten. Das Leiden des palästinensischen Volkes ist das Ergebnis Ihrer egoistischen politischen Interessen. Sie sind der größte Feind des palästinensischen Volkes.

Würde Israel nicht existieren, hätten Sie niemanden, dem Sie Schuld zuschieben könnten. Übernehmen Sie Verantwortung für die Ergebnisse Ihrer eigenen Handlungen. Sie schüren die Flammen des Konflikts, um Ihre eigene missbräuchliche Macht zu erhalten. Sie benutzen sogar diese Plattform, um die internationale Gemeinschaft und die palästinensische Gesellschaft zu täuschen, um ihnen weiszumachen, Israel sei für die Probleme verantwortlich, die Sie selbst erschaffen haben.”

Unbeeindruckt von diesen Worten behauptet Achille Mbembe:

„Der Wunsch nach einem Feind, nach Apartheid, Auslöschung (…) führen in letzter Konsequenz fast unausweichlich zum Wunsch nach Zerstörung, wo das Blut (das vergossene Blut) das Gesetz macht, in expliziter Anwendung des alten Diktum der Vergeltung, des Aug-um-Auge oder lex talionis des Alten Testaments.“

Hiermit bedient sich Achille Mbembe eines der ältesten judenfeindlichen Lügen, die über Juden verbreitet werden. Juden wurde vorgeworfen, Kinder zu schlachten, Brunnen zu vergiften und die Welt zu unterjochen. Diese Lügen sind bei den meisten Menschen mittlerweile verpönt. Eine Lüge aber hält sich und wird sogar von aufgeklärten Journalistinnen und Journalisten verbreitet. Es ist die Behauptung, bei dem Auspruch „Auge um Auge“ handele es sich um ein Rachegebot.

Der Spruch עין תּחת עין ist Teil eines Rechtssatzes aus Sefer ha-Berit in der Tora. In der Bibel ist diese Stelle als Ex 21, 23–25 gekennzeichnet. Die korrekte Übersetzung lautet:

„… so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“

Dieser Satz bedeutet nicht, dass eine Tat mit der gleichen Tat vergolten werden soll, sondern dass die Strafe der Tat abgemessen sein muss. Mit dieser Formel wurde die im Alten Orient verbreitete Blutrache eingedämmt, die übele Strafen für selbst kleine Vergehen vorsah. Diese Blutrache wurde durch eine Verhältnismäßigkeit von Vergehen und Strafe abgelöst. Die Formel verlangt vom Täter zum Beispiel einen angemessenen Schadensersatz in allen Fällen von Körperverletzung.

Die talmudische Erklärung der Tora, auf der die jüdische Tradition aufbaut, kommt zu dem Schluß (Traktat Bava Qamma 83b-84a), dass der Verlust eines Auges schlichtweg nicht durch die Wegnahme eines anderen Auges kompensiert werden kann. Die Formel kann somit eben nicht als „Wie du mir, so ich dir“ verstanden werden, sondern führt unter Bezugnahme auf den Rechtsgrundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetz (Leviticus 24, 22) vielmehr einen Ausgleichsanspruch ein. Anstelle der drakonischen Aufrechnung wird mit der Formel mäßigend zwischen den Streitparteien vermittelt.

Mithin liegt die Bedeutung der Norm „Auge um Auge“ in einer realistischen Evaluation der tatsächlich im Schadensfall verletzten Rechtsposition. Im Talmud wird sogar der Schadensersatz definiert. Er setzt sich aus fünf Komponenten zusammen (Traktat Bava Qamma, Mischna 8,1):

Ersatz des materiell entstandenen Schadens
Schmerzensgeld
Heilungskosten
Ersatz des Arbeitsausfalls
Wiedergutmachung der Beschämung

Viele Leute, besonders israelkritische Journalisten, sehen diesen Kontext jedoch nicht und faseln stattdessen beharrlich von einem „Prinzip der Rache“, das aus diesem Zitat sprechen soll und erklären zudem, das Evangelium sei im Gegensatz ein Buch der Nächstenliebe. Dabei übersehen sie geflissentlich, dass es auch im Evangelium ab und an ganz schön unversöhnlich zugeht.

Der Gott der Christen und der Gott der Juden tun sich nicht viel, wenn es um Rache geht. Gott, ob christlich oder jüdisch, ist mal eifersüchtig und mal versöhnlich. Ich würde sogar sagen, der Gott der Christen ist unversöhnlicher als der Gott der Juden. Der Gott des alten Bundes straft nämlich nur im Diesseits. Der Gott des Evangeliums aber straft sogar im Jenseits und zwar für immer und ewig auf brutalste Weise, wie es die Offenbarung des Johannes zeigt. Es ist erschreckend, was für Strafen der christliche Gott für alle Ewigkeit bereithält. Mit der christlichen Hölle hat sich der neutestamentarische Gott einen ewigen Ruinenhaufen gesetzt. Ein versöhnlicher Gott sieht anders aus.

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„Allein unter Briten“

Als Tuvia Tenenbom in London das Theater der World Shakespeare Company besuchte, hatte er auf „Hamlet“ oder „Macbeth“ gehofft. Es wurde jedoch „Tartuffe“ gegeben. Allerdings war es nicht die Komödie von Molière, sondern eine moderne Bearbeitung des Stoffs von Anil Gupta und Richard Pinto. Tuvia Tenenbom schreibt darüber:

„Der Text ist superpolitischkorrekt. Ich sehe den Schauspielern zu und bekomme den Eindruck, dass keiner hier spielen will, sondern alle nur predigen wollen. Im Theater ist das eine Todsünde. (…) Das ist eine herbe Enttäuschung! Ich hatte allerbestes Theater erwartet und habe das Schlimmste bekommen. Von dem von mir so bewunderten englischen Theater ist nichts als ein Schatten übrig. Hier haben gescheiterte Künstler versucht, eine Kunstform, das Theater, in eine Ideologie zu gießen.“

Diese wunderbaren Worte finden sich in dem Buch „Allein unter Briten“ von Tuvia Tenenbom. Dem Autor selbst liegt das Predigen fern. Er ist jemand, der Fragen stellt und in seiner Art erinnert er an einen Narren aus einer Komödie von Shakespeare.

Tatsächlich erinnert ganz Großbritannien an eine Komödie, die Shakespeare nicht besser hätte schreiben können. Ich musste bei der Lektüre immer wieder an eine ganz besondere Komödie des englischen Dramatikers denken: „Der Kaufmann von Venedig“.

„Der Kaufmann von Venedig“ ist eine bitterböse Satire, in der Shakespeare Christen zeigt, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen christlichen Prinzipien zu leben, von Juden jedoch erwarten, genau diese Prinzipien zu leben. Die Juden werden zudem heftiger bestraft als Christen, wenn sie den christlichen Geboten nicht mehr folgen möchten oder können als die Christen selbst. In Shakespeares Venedig gilt: Christen dürfen ganze Menschen als Sklaven besitzen, aber Juden bekommen schon bei einem Pfund Menschenfleisch Probleme. Juden müssen die besseren Christen sein.

Das Vereinten Königreich, das Tuvia Tenenbom besucht, erinnert an genau dieses Venedig. Obwohl die Briten genug mit sich selbst zu tun haben sollten, finden sich überall Briten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das jüdische Land Israel dafür zu kritisieren, sich nicht christlicher zu verhalten als all die anderen christlichen Nationen.

In Nordirland zum Beispiel sieht Tuvia Tenenbom überall palästinensische Flaggen hängen. Als er in einem Pub fragt, was es mit all den Flaggen auf sich habe, erhält er als Antwort: „Weil wir die unterstützen.“ Ein anderer Mann erklärt warum: „Wegen der Scheißjuden.“ Ein anderer Mann führt aus, die Israelis seien „Abschaum“ und „bringen Kinder um, töten Babys“. Einer beklagt sich daraufhin, Hitler habe nicht genug Juden getötet und die anwesenden Männer stimmen zu.

Egal ob Tenenbom sich auf dem Fringe Festival in Edinburgh befindet, bei dem Vorsitzenden der Labour-Partei, Jeremy Corbyn oder am Loch Ness, er muss feststellen: „Irland, Nordirland, Schottland und jetzt England: Palästina ist allerorten. Haben diese Leute nichts anderes, worüber sie nachdenken könnten? Wie wär‘s mit dem Brexit, meine Lieben?“

Großbritannien befindet sich in einer schweren Identitätskrise. Was bedeutet es, Brite zu sein? War der Brexit richtig? Sollten Schottland, Wales oder Nordirland unabhängig werden? All diese Fragen spalten das auf Papier Vereinigte Königreich. In der Mitte des Buchs schreibt Tuvia Tenenbom: „Seit Wochen frage ich die Engländer, was an ihnen einzigartig ist.“

Eine zufriedenstellende Antwort erhält er nicht. Er findet jedoch heraus, dass er die schottische Spezialität haggis, neeps & tatties nicht mag und dass die Mehrheit der Briten Israel hasst. Überall im Königreich trifft er Menschen, die Israel behandeln wie der Jude Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“ behandelt wird. Schauen wir uns daher das Stück von Shakespeare etwas genauer an und verlassen dafür kurz das Buch „Allein unter Briten“.

„Der Kaufmann von Venedig“ entstand in den letzten fünf Jahren des 16. Jahrhunderts, als Elisabeth I. Königin war. Interessanterweise war sie die Tochter von Heinrich VIII. und unter genau diesem König vollzog sich der erste große Brexit. Der Brexit des 21. Jahrhunderts war nämlich nicht der erste Brexit der Geschichte. Mit der Weigerung von Papst Clemens VII., die Ehe von König Heinrich VIII. für nichtig zu erklären, beschlossen die englischen Bischöfe im 16. Jahrhundert, die Autorität des Papstes im Königreich England nicht länger anzuerkennen. Am 11. Februar 1531 erklärten sie, dass ihr König nunmehr Oberhaupt der katholischen Kirche in England sei. Die Anglikanische Kirche war gegründet und der Brexit von der katholischen Union in Europa vollzogen.

Viele Menschen in England wussten damals nicht, ob dieser Brexit klug war und hatten Angst vor der Zukunft. Diese Ängste wurden geschürt, als vom europäischen Festland der Handel mit den abtrünnigen Engländer teilweise eingestellt wurde. Die Experten der katholischen europäischen Union sahen und hofften den wirtschaftlichen Niedergang der Insel nahen. Sie sollten Unrecht haben. Der Brexit von Heinrich VIII. förderte die Möglichkeit für die englische Krone, eines der mächtigsten Reiche der Menschheitsgeschichte zu schaffen, das Britische Weltreich ab 1583.

Als Shakespeare seine Stücke schrieb, war England noch keine Weltmacht. Es gab noch keinen englischen Einfluss auf Indien, Australien und Amerika. Königin Elisabeth I. zum Beispiel kannte Tee nicht! Tee kam aus den Regionen der Welt, mit denen England anfing zu handeln, nachdem sich Europa verschlossen hatte. Aber nicht nur Tee fand sich zu Shakespeares Zeiten nicht in England, ebensowenig gab es zu der Zeit in England Juden. Sie waren alle vertrieben.

Zurück zu dem Buch „Allein unter Briten“.

In dem Königreich zu Tenenboms Zeiten gibt es wieder Juden in England. Es gibt sogar jüdische Lords wie Lord Stone of Blackheath. Was er in dem Buch jedoch berichtet, macht wenig Mut:

„Ich trage immer eine Tasche bei mir. Darin sind mein Pass und Geld in siebenundzwanzig verschiedenen Währungen. Wenn ich morgen gehen müsste, würde ich es tun. Ich bin sechsundsiebzig und lebe seit sechsundsiebzig Jahren hier und bin Mitglied des House of Lords, aber trotzdem. Und deswegen habe ich in Jerusalem eine Wohnung.“

Auch Tuvia Tenenbom ist wenig hoffnungsvoll für die Insel. Auf den letzten Seiten seines Buchs schreibt er, er verlasse Großbritannien und werde wohl niemals wieder zurückkommen, weil es dort „zu viele Antisemiten“ gäbe.

„Allein unter Briten“ ist ein deprimierendes Buch. Dennoch macht es Freude, es zu lesen, weil Tuvia Tenenbom niemals seinen Humor verliert. In scheinbar nebensächlichen Episoden schreibt er über seine Liebe zum Theater, zur arabischen Kultur und zu gutem Essen. Es gibt zudem einige aufschlussreiche Theaterbesprechungen.

Vor allem aber gibt es wieder viele spannende Interviews, wie sie nur Tuvia Tenenbom führen kann. Er bringt Menschen dazu, die unglaublichsten und ehrlichsten Dinge zu sagen. Er ist eben ein echter Narr von shakespeare’scher Größe. Er spricht unter anderem mit dem Gründer der United Kingdom Independence Party, Nigel Farage und mit Hochwürden Dr. George J. Whyte von der Church of Scotland.

Und dann gibt es da noch eine Katze, eine Ratte und einen Adler. Aber ich möchte nicht zu viel verraten. Daher sei dieses Buch hier einfach nur wärmstens zur Lektüre empfohlen.

„Allein unter Briten“

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Pidder Lüng

Ein Gedicht von Detlev von Liliencron (1844-1909).

Der Amtmann von Tondern, Henning Pogwisch,
Schlägt mit der Faust auf den Eichentisch.
„Heut‘ fahr‘ ich selbst hinüber nach Sylt
Und hol‘ mir mit eig’ner Hand Zins und Gült
Und kann ich die Abgaben der Fischer nicht fassen,
Sollen sie Nasen und Ohren lassen.
Und ich höhn ihrem Wort:
Lewwer duad üs Slaav.“

Im Schiff vorn der Ritter, panzerbewehrt,
Stützt sich finster auf sein langes Schwert.
Hinter ihm, von der hohen Geistlichkeit,
Steht Jürgen, der Priester, beflissen bereit.
Er reibt sich die Hände, er bückt den Nacken:
„Der Obrigkeit helf ich, die Frevler packen.
In den Pfuhl das Wort:
Lewwer duad üs Slaav.“

Gen Hörnum hat die Prunkbarke den Schnabel gewetzt,
Ihr folgen die Ewer, kriegsvolkbesetzt.
Und es knirschen die Kiele auf den Sand
Und der Ritter, der Priester springen ans Land.
Und waffenrasselnd hinter den beiden
Entreißen die Söldner die Klingen den Scheiden.
„Nun gilt es, Friesen:
Lewwer duad üs Slaav.“

Die Knechte umzingeln das erste Haus,
Pidder Lüng schaut verwundert zum Fenster heraus.
Der Ritter, der Priester treten allein
Über die ärmliche Schwelle hinein.
Des langen Peters starkzählige Sippe
Sitzt grad an der kargen Mittagskrippe.
Jetzt zeige dich, Pidder:
Lewwer duad üs Slaav.

Der Ritter verneigt sich mit hämischem Hohn.
Der Priester will anheben seinen Sermon.
Der Ritter nimmt spöttisch den Helm vom Haupt
Und verbeugt sich noch einmal: „Ihr erlaubt,
Dass wir euch stören bei euerm Essen?
Bringt hurtig den Zehnten, den ihr vergessen!
Und euer Spruch ist ein Dreck:
Lewwer duad üs Slaav.“

Da reckt sich Pidder, steht wie ein Baum:
„Henning Pogwisch, halt deine Reden im Zaum.
Wir waren der Steuern von jeher frei
Und ob du sie wünschst, ist uns einerlei.
Zieh ab mit deinen Hungergesellen.
Hörst du meine Hunde bellen?
Und das Wort bleibt stehn
Lewwer duad üs Slaav!“

„Bettelpack!“, fährt ihn der Amtmann an
Und die Stirnader schwillt dem geschienten Mann.
„Du frisst deinen Grünkohl nicht eher auf
Als bis dein Geld hier liegt zu Hauf.“

Der Priester zischelt von Trotzkopf und Bücken
Und verkriegt sich hinter des Eisernen Rücken.
O Wort, geh nicht unter:
Lewwer duad üs Slaav.

Pidder Lüng starrt wie wirrsinnig den Amtmann an.
Immer heftiger in Wut gerät der Tyrann
Und er speit in den dampfenden Kohl hinein:
„Nun geh an deinen Trog, du Schwein.“
Und er will, um die peinliche Stunde zu enden,
Zu seinen Leuten nach draußen sich wenden.
Dumpf dröhnts von drinnen
„Lewwer duad üs Slaav!“

Einen einzigen Sprung hat Pidder getan,
Er schleppt an den Napf den Amtmann heran
Und taucht ihm den Kopf ein, und lässt ihn nicht frei,
Bis der Ritter erstickt ist im glühheißen Brei.
Die Fäuste dann lassend vom furchtbaren Gittern,
Brüllt er, die Türen und Wände zittern,
Das stolze Wort:
„Lewwer duad üs Slaav!“

Der Priester liegt ohnmächtig ihm am Fuß.
Die Häscher stürmen mit höllischem Gruß,
Durchbohren den Fischer und zerren ihn fort,
In den Dünen, im Dorf rasen Messer und Mord.
Pidder Lüng doch, ehe sie ganz ihn verderben,
Ruft noch einmal im Leben, im Sterben,
Sein Herrenwort:
„Lewwer duad üs Slaav!“

***
(TINDVL)

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Wenn es dann klatscht, ist es kein Applaus!

Am 16. April 2020 erklärte Ranga Yogeshwar bei Maybrit Illner, die zu dem Thema „Konsequent gegen Corona – können wir schon lockerlassen?“ geladen hatte:

„Quarantäne, Abstand, Masken – das sind Maßnahmen des Mittelalters. Wir leben 2020. Wir könnten intelligent und schnell sein.“

Ranga Yogeshwar hat recht. Wir könnten in unserem Kampf gegen das Virus durchaus moderner sein. Zu der Modernen gehören viele Errungenschaften der Aufklärung. Neben der Freiheit der Wissenschaft sei besonders die Emanzipation der Menschen genannt. Dazu gehört vor allem die Emanzipation der Frau.

Wir leben 2020. Wir könnten intelligent und schnell sein.

Es wird leider viel zu wenig darauf hingewiesen, dass mit der momentanen Schließungen der Schulen und Kitas gerade Frauen besonders belastet werden.

Es ist kaum zu glauben, aber noch bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts war es laut Bürgerlichem Gesetzbuch jedem Ehemann gestattet, das Arbeitsverhältnis seiner Ehefrau zu kündigen, wenn sie seiner Ansicht nach der Arbeit im Haushalt nicht ausreichend nachkam. Dieses Gesetz war Ausdruck einer Zeit, in der eine Person aufgrund ihres Geschlechts dazu gezwungen werden konnte, gewisse Arbeiten zu vollrichten. Männer hatten in den Krieg zu ziehen und Frauen hatten die Hausarbeit zu vollführen.

Diese Zeiten sind vorbei. In der modernen Welt sind alle Menschen frei und haben das Recht, nach ihrer Vorstellung von Glück zu streben. Diese Überzeugung hat uns in kurzer Zeit so intelligent und schnell gemacht, dass wir heute fliegen können und alle ein Weltwunder des Wissens und der Kommunikation in der Hand halten.

Gerade in der Corona-Krise hilft uns dieses Weltwunder in besonderer Weise. Dennoch fallen wir im momentanen Versuch, die Krise zu bewältigen, hier und da in alte Muster zurück. Dazu gehören all jene Methoden, die Frauen besonders belasten. Diese Diskriminierung sollten wir nicht hinnehmen.

Stattdessen sollten wir als Gemeinschaft jene Berufe besonders wertzuschätzen, die gerade jetzt in dieser Krise besonders wichtig sind. Neben der Informationstechnologie gehört dazu auch die Betreuung von Kindern, Alten und Kranken. Diese Pflegeberufe werden nach wie vor überwiegend von Frauen ausgeübt.

Die Pflege-Branche ist so wichtig wie die IT-Branche. Sie sollte auch so wertgeschätzt werden.

Sollte sich nicht spätestens nach der Corona-Krise die finanzielle Stellung der Pflege- und Betreuungsberufe verbessern, sollten wir uns nicht wundern, wenn das nächste Klatschen, das wir um 21 Uhr hören, kein Applaus ist.

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