Kennen Sie Fritz Busch?

Ich habe gerade auf dem Siegener Stadtfest die Big Band Latino Chant angesagt. Sie gründete sich in den Neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts in der Fritz-Busch-Musikschule in Siegen.

Für die Anmoderation recherchierte ich ein wenig, wer Fritz Busch war und was soll ich sagen, ich bin begeistert. Ich finde, er ist ein Held der Stadt Siegen und ein großartiger Mensch. Sie sollten ihn kennen!

Fritz Busch wurde am 13. März 1890 in Siegen geboren und war ein musikalisches Genie. Mit 19 Jahren wurde er Kapellmeister in Riga, anschließend in Bad Pyrmont und in Gotha. Er war als Musikdirektor beim Sinfonieorchester Aachen und beim Staatsorchester Stuttgart engagiert. Ab 1921 war er Chefdirigent an der Semperoper in Dresden.

Später wollten Hitler, Goebbels und Göring ihn für Berlin gewinnen, aber er weigerte sich und sagte, dass er keinem jüdischen Kollegen den Platz wegnehmen würde. Darauf erklärte Göring: „Na, lieber Freund, wir haben ja auch Mittel in der Hand, Sie dazu zu zwingen!“

Die Erwiderung von Fritz Busch zeigt, was für ein großartiger Mann er war. Auf die Drohung von Göring erklärte er:

„Versuchen Sie das nur. An einem erzwungenen ‚Tannhäuser‘ unter meiner Leitung werden Sie keine Freude haben. So etwas Stinklangweiliges haben Sie in Ihrem Leben noch nicht gehört.“

Für die Nazis hatte Busch nichts übrig und sie daher nichts für ihn. Am 7. März 1933, sechs Tage vor seinem 43. Geburtstag, vor Beginn einer Aufführung von Verdis Rigoletto, wurde Busch von SA-Männern vom Pult gebrüllt. In der Folge musste er sein Amt als Generalmusikdirektor an der Semperoper aufgeben. Die Opernsängerin Maria Stader kommentierte dazu:

„Zehn Jahre lang stand er hundertmal jährlich am Pult der Staatsoper, hat in Dresden Operngeschichte gemacht, hat ‚Intermezzo‘ uraufgeführt und ‚Ägyptische Helena‘, und als Quittung haben ihn die Nazis zur Oper herausgegrölt.“

Busch emigrierte nach England, nahm später die argentinische Staatsbürgerschaft an und wirkte in der ganzen Welt von den USA bis Skandinavien. Von 1945 bis 1950 war er künstlerischer Leiter der Metropolitan Opera in New York.

Im Februar 1951 kehrte Busch nach Deutschland zurück, um in Köln die erste Opernproduktion des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks im neuen Sendesaal zu dirigieren. Es war Verdis Maskenball. Seiner Berufung an die Wiener Staatsoper kam sein Tod am 14. September 1951 zuvor.

Nach ihm ist der Fritz-Busch-Preis benannt, mit dem herausragende Künstlerinnen und Künstler geehrt werden, die der Sächsischen Staatsoper angehören oder angehörten. Nach ihm ist auch die Musikschule in Siegen genannt.

Fritz Busch war ein wahrer Held! Ich bin froh, durch einen Zufall von seiner Geschichte erfahren zu haben. Er ist nun ein Vorbild von mir.

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Der Mob von Chemnitz

Was gerade in Chemnitz passiert, ist absolut beunruhigend.

Ein Mann wurde in der Nacht zum 26. August 2018 in Chemnitz getötet. Er wurde niedergestochen. Er war Vater und von Beruf Tischler. Sein früherer Ausbildungsbetrieb schrieb nach seiner Tötung:

„Mit Bestürzung und Fassungslosigkeit haben wir vom gewaltsamen Tod unseres ehemaligen Tischlerlehrlings erfahren. Daniel war ein sehr hilfsbereiter, fleißiger und lebenslustiger Mensch – Ruhe in Frieden Daniel!“

Ein Mensch ist eine ganze Welt, wer ihn tötet, tötet eine ganze Welt.

Darum geht es!

Es geht um einen Menschen, der nicht mehr ist, der sich nicht mehr entscheiden kann, gute oder böse Dinge zu tun. Es geht um eine Welt, die aufgehört hat zu atmen, zu leben und zu lieben, eine Welt die herausgerissen wurde aus den Welten vieler anderer Menschen, die ihn vermissen.

Menschen, die trauern, ziehen sich zurück.

Nur ein paar Stunden nach Daniels Tod zogen Tausende Menschen durch Chemnitz. Darunter auch ein Mob, unter denen mancher sogar den Hitlergruß zeigte. Einige griffen Gegendemonstranten und Journalisten an. Ein Mob mischte sich unter den „Trauermarsch“ und sorgte so dafür, dass es kein Trauermarsch mehr war. Es war vielmehr eine Schande!

Ein Trauermarsch ist ruhig. Der Mob von Chemnitz aber bestand teilweise aus jungen Männern, einige davon betrunken und höchst aggressiv. Sie warfen Brandsätze und Flaschen. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Die Bewegung Pro Chemnitz hatte zu der Demonstration aufgerufen. Sie ist im Stadtrat von Chemnitz mit drei Sitzen vertreten. Dem Ruf folgten erklärte Neonazis und Mitglieder rechtsradikaler und rechtsextremer Parteien von Der Dritte Weg bis zu Die Republikaner.

„Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.“

So stellt sich der Teufel im fünften Kapitel des Buchs Markus im Evangelium vor. Das Böse ist dort, wo sich der Mensch einer Masse unterwirft, wo das Individuum in einem Mob verschmilzt und sich in der Legion der Vielen auflöst. In Chemnitz wütete die Legion. Es ist erschreckend, wie unvorbereitet die Polizei und die Politik auf diese Legion war.

Es ist unmöglich, mit einem Mob zu reden. Reden kann man nur mit Menschen. Wer von einer Ideologie besessen ist, braucht die Masse und diese Masse lässt andere Meinungen nicht zu. Sie schreit den Zweifel nieder, grölt nach Geschlossenheit und grenzt Kritik aus. Gerade dieser Masse sollten wir uns verwehren.

Der Zweifel macht uns menschlich.

Zur Trauer gehört der Zweifel. Die Frage nach dem Warum ist stets unter jenen, die sich in Trauer versammeln. In Chemnitz wurde nicht gezweifelt. Es wurde nicht getrauert. In Chemnitz wurde gekämpft.

Zwei Lager kristallisieren sich in diesen Kampf heraus. Die eine Seite glaubt, Deutschland stünde kurz vor der feindlichen Übernahme durch Einwanderer und die andere Seite glaubt, Deutschland stünde kurz vor der Machtergreifung der Nazis. Beide Seiten sind unversöhnlich und haben ein großes Interesse daran, dass der Rest die Nerven verliert. Wir sollten ihnen nicht auf den Leim gehen.

In Chemnitz ist viel schief gelaufen. Die Polizei hätte besser vorbereitet sein müssen, die Politik hat viel zu viele Menschen verloren und seit wann überhaupt ist in Deutschland wieder das öffentliche Zeigen des Hitlergruß‘ erlaubt? Es sind viele Fehler passiert. All diese Fehler können jedoch analysiert und behoben werden. Wir können unserer Verfassung vertrauen.

Dafür müssen aber Polizei, Politik und wir selbst kritisiert werden. Nicht, um Schuldige zu finden, das sind selbstverständlich die Täter, sondern um besser zu werden, damit wir den Tätern nicht unterliegen. Chemnitz ist eine Niederlage für uns alle. Das können wir nicht akzeptieren. Wir müssen besser werden!

Die stärkste Waffe unserer Verfassung ist die Möglichkeit der Selbstkritik und der Selbstreflexion. Das Wort, die Kunst und der Glaube sind gerade deshalb frei, weil die Verfassung die Artikulation des Zweifels, der Kritik und des Irrtums als Motor zum Fortschritt schützt. Neben der nötigen Kritik sind auch falsche Ansichten und irrtümliche Meinungen frei. Nur aus dieser Freiheit kann Verantwortung entstehen.

Das Jahr 2018 ist nicht 1933!

Im Jahr 1933 holte eine radikal antidemokratische Partei bei den Wahlen in der Weimarer Republik über dreißig Prozent der Stimmen. Davor machte die Partei die Straßen des Landes unsicher. Im Jahr 1933 hatte Deutschland allerdings auch eine zahnlose Verfassung. Ohne Probleme konnte die NSDAP diese Verfassung abschaffen und eine Diktatur installieren. Das geht heute nicht mehr. Heute sind wir hervorragend konstituiert.

Das Grundgesetz ermöglicht es allen Bürgerinnen und Bürger, sich parlamentarisch Gehör verschaffen, um im Streit, in der Auseinandersetzung und einer möglichen Zusammenarbeit eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Die Verfassung, die uns das ermöglicht, wurde uns unter anderem von den Amerikanern, Engländern und Franzosen geschenkt, die diese Verfassung vor über siebzig Jahren für uns erkämpft haben. Diese großen Nationen haben kein Problem damit, auch extreme Positionen in ihre Politik zu integrieren. Ob nun Marine Le Pen in Frankreich, Donald Trump in den USA oder Brexit-Befürworter in Großbritannien, extreme Positionen können dort sogar Wahlen gewinnen und dennoch gehen diese Nationen daran nicht zu Grunde. Es wird lediglich intensiver diskutiert, auf den Straßen mehr demonstriert und bei Familienfeierlichkeiten etwas mehr gestritten, aber die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist in keine dieser großen Nationen in Gefahr. Die Gewaltenteilung und das Gleichgewicht der Kräfte stehen.

Diese Länder zeigen uns, dass die Antwort auf extreme Positionen nicht ein mehr an Verboten ist, sondern eine starke Konstituierung, die an extremen Haltungen nicht zu Grunde geht, sondern sie parlamentarisch und gesellschaftlich zu integrieren versteht. Integration ist das Stichwort!

Wir müssen miteinander reden!

Wenn es Leuten schlecht geht, flüchten sie. Manche flüchten in andere Länder, andere in Ideologien. Es gibt Länder und Ideologien die sind eher gut und es gibt welche, die sind eher schlecht. Je bunter eine Gemeinschaft wird, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Farbe hinzukommt, die man nicht mag.

Ein Land mit einer guten Verfassung weiß, dass es Menschen mit radikal unterschiedlichen Überzeugungen gibt und dass darunter sogar eine Menge haarsträubender Ideologien zu finden sind. In einem solchen Land werden diese Haltungen jedoch nicht verboten, sondern in einem gut konstituierten Umfeld gezügelt, damit sie sich mit allen anderen Überzeugungen auseinandersetzen müssen. Jede Überzeugung, mag sie noch so göttlich oder menschlich sein, darf diskutiert, kritisiert und lächerlich gemacht werden und wenn sie zur Gewalt greift, muss die Polizei in der Lage sein, diese Gewalt zu kesseln.

Was in Chemnitz geschehen ist, zwingt uns, inne zu halten. Die Gewalt ist beängstigend. Wir dürfen jedoch nicht in Panik verfallen. Wer für die Sicherheit bereit ist, die Freiheit zu opfern, wird am Ende beides verlieren. Die Gewalttäter von Chemnitz zwingen uns nicht in Knie.

Wir sind das Volk!

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Es ist die Kultur!

Bei einem Prozess eines jungen Mannes in Hannover, dem versuchte Tötung vorgeworfen wird, erklärt der Anwalt des Anklagen:

„Der Beschuldigte kennt es aus seiner Kultur so, dass Konflikte mit dem Messer ausgetragen werden. Er beschreibt die regionalen Bräuche wie folgt: Wird man beleidigt, darf man zustechen. In schweren Fällen darf man die Person töten.“

„Er führt aus, dass sein Verhalten nach den religiösen Anforderungen nicht zu beanstanden war und begreift nicht, weshalb er in Haft sitzen muss.“

Hier erkennen wir deutlich, dass es vollkommen uninteressant ist, welche Hautfarbe ein Täter hat oder was seine Muttersprache ist. Das Problem ist, woran er glaubt, was seine Ideologie ist und in welcher Kultur er erzogen wurde.

Rassismus ist die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse ist jedoch Kritik. Kritik ist kein Rassismus. Kritik war und ist der Motor der Aufklärung.

Es wird Zeit, dass die Kultur des jungen Mannes mit aller Härte der Aufklärung kritisiert wird.

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„Aufgebrachte zionistische Horde“

Was man so alles über Google herausfinden kann. Raten Sie mal, wer eine Demonstration im August 2018, an der auch ich teilnahm, eine „aufgebrachte zionistische Horde“ genannt hat.

Achten Sie mal darauf, wie oft die Journalistin in dem Artikel den Begriff „jüdische Aktivisten“ benutzt, obwohl ein großer Teil der Demonstranten nicht jüdisch war.

Die Journalistin, die das geschrieben hat, lief mir erstmals im Jahr 2009 über den Weg. Damals kritisierte sie eine Inszenierung von William Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“, in der ich die Rolle des Shylocks übernommen hatte. Ihre Kritik begann mit den Worten:

„Während Israel den Gaza-Streifen in Schutt und Asche legt, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Der Pressesprecher der Hamas hätte es nicht besser formulieren können. Die Hamas fordert laut Gründungscharta Artikel 7 nicht nur die Vernichtung Israels und aller Juden, sondern verfolgt, foltert und mordet auch das eigene palästinensische Volk, aber die Kritikerin nahm sich erst einmal Israel vor. Sie hätte ihre Kritik auch mit diesen Worten beginnen können:

„Während die Hamas jüdische und palästinensische Menschen zum Wohle ihrer Ideologie mordet, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Sie tat es nicht. Sie stellte lieber Israel als vernichtendes Etwas dar. Über den im Anschluss der Aufführung gehaltenen Vortrag von Alex Feuerherdt erklärte sie, Feuerherdt habe argumentiert, Israelkritik sei grundsätzlich antisemitisch, „egal, wie viele Zivilisten im Gaza-Streifen getötet und illegale Siedlungen im Westjordanland errichtet werden.“

Sie unterstellte der Inszenierung eine „Brandmanier“ und behauptete, das Severins-Burg-Theater würde sich unverbrüchlich für das Recht Israels einsetzen, „brutal zurückzuschlagen“. Sie zeichnete nicht nur das Bild eines brutal agierenden Israels, sondern nannte auch das Severins-Burg-Theater brutal. Das war ihre Kritik an mich, mein Theater und Israel.

Dabei thematisierte das Severins-Burg-Theater lediglich das Phänomen, dass im allgemeinen Diskurs Israel als brutaler Staat abgestempelt wird, während bei anderen Staaten gleiches Verhalten oder extreme Brutalität toleriert wird. Die Inszenierung kritisierte die Doppelmoral, die Gewalt nur dann zur Kenntnis nimmt, wenn sie von Juden ausgeht.

Es ist nämlich genau diese Doppelmoral, die Shakespeares Jude Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“ zum Verhängnis wird. Shylock ist ein Mensch, der sich irgendwann schlicht weigert, die Schmach der Unterdrückung hinzunehmen. Sämtliche Christen in diesem Stück sind nicht in der Lage, ihre eigenen christlichen Prinzipien zu leben, dennoch fordern sie von dem Juden eben diese Verhaltensweise und bestrafen ihn, als sich herausstellt, dass er den Geboten der Christen nicht besser folgen möchte und kann als die Christen selbst. Shylock kann nicht besser sein als alle anderen Menschen. Er ist kein Übermensch. Er ist ein Mensch und erklärt:

Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muss seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache.

Wie jeder Mensch, der bedroht und angegriffen wird, verteidigt Shylock sich, schützt sein Leben und versetzt zur Not auch seine Umwelt in Angst und Schrecken, so dies die einzige Möglichkeit ist, das eigene Leben zu bewahren. Natürlich ist Shylocks Rache zuweilen blind, aber warum fällt vielen diese Blindheit erst auf, wenn Sie von einem Juden ausgeht? Warum wurde diese Blindheit nicht mit der gleichen Vehemenz bekämpft, als Shylock das Opfer war?

Um diese Frage dreht sich die Inszenierung und ist somit kein Plädoyer für eine angebliche Nibelungentreue gegenüber Israel, das die Kritikerin in dieser Inszenierung mit verzerrtem Blick zu entdecken glaubte und behauptete, Israel lege den Gaza-Streifen in Schutt und Asche und ein kleines Kölner Theater unterstütze es auch noch dabei.

Vermutlich waren wir schon damals für sie nichts weiter als eine „aufgebrachte zionistische Horde“ und „jüdische Aktivisten“.

Zu dem aktuellen Bericht sagt Alex Feuerherdt:

Während sie von einer „zionistischen Horde“ schwadroniert, die „Hate-Speech auch gegen Israelis“ skandiere (was für eine Verdrehung der Tatsachen angesichts der BDS-Praktiken), heißt es über die Diskussion bei der „Pop-Kultur“, die bekanntlich von BDS-Aktivisten niedergebrüllt wurde, nur ganz allgemein: „Vor einigen Tagen eskalierte ein Podium in Berlin.“ Wer dafür verantwortlich war, sagt sie nicht, während sie über die Veranstaltung in Bochum eben schreibt, es seien „jüdische Aktivisten“ gewesen. So sieht er aus, der moderne Antisemitismus. Nichts anderes ist es.

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„Wir werden nicht schweigen!“

Am 18. August 2018 saß ich in der Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle in Bochum und wohnte einem Spektakel bei, über das ich später den Artikel „Stefanie Carp inszeniert die eigene Absolution“ verfasste. Neben mir im Publikum saß Dorothea Marcus für den Deutschlandfunk. Was sie später über diese Veranstaltung in einer Berichterstattung unter der Überschrift „Buh-Rufe und ein paar Demonstranten“ berichten sollte, kann getrost als gezielte Desinformation bezeichnet werden.

Schon während der Veranstaltung war mir Dorothea Marcus aufgefallen, da sie mehrfach Menschen im Publikum, die hinter ihr saßen und sich rege an der Inszenierung beteiligten, anzischte und mit harschen Worten zur Ruhe aufforderte: „Benehmen Sie sich nicht wie im Kindergarten und seien sie ganz einfach still!“

Im Deutschlandfunk berichtete sie dann später:

„Malca Goldstein-Wolf, eine jüdische Aktivistin aus Köln, hatte zu einer Demo aufgerufen, aber eine richtige Demo war das nicht. Es standen einige Grüpplein von Leuten mit Israelfähnchen, die dann auch eifrig ins Publikum strömten. Und dann standen da noch andere Aktivisten, die gegen diese Demo der jüdischen Aktivisten waren. Malca Goldstein-Wolf und Gefolge forderten den Kopf von Stefanie Carp. Die anderen waren dagegen. Und man sah die ungefähr achtzig Unterstützer strömten in die Runde, in den mit fünfhundert Leuten besetzten Saal und haben sich sehr stark diskreditiert durch kindergartenartige Hate-Speech-Einwürfe, die einfach unfassbar peinlich waren.“

Wo soll ich da anfangen?

Zunächst einmal, es war keine „Demo der jüdischen Aktivisten“. Die Mehrheit der Redner auf der Demonstration waren keine Juden, zum Beispiel der Landtagsabgeordnete Lorenz Deutsch (FDP), der evangelische Pfarrer Thomas Wessel (Christuskirche) und meine Wenigkeit (Tapfer im Nirgendwo).

Wir forderten zudem nicht eifrig den Kopf von Stefanie Carp. Manch ein hasserfüllter Mensch mag das vielleicht glauben, wenn er den Begriff „jüdische Aktivisten“ hört, aber wir taten nichts anderes, als unsere Grundrechte wahrzunehmen.

Es waren auch nicht achtzig Leute auf der von Malca Goldstein-Wolf angemeldeten Demonstration, sondern über zweihundert Menschen. Die Polizei sprach sogar von über zweihundertfünfzig Demonstranten.

Was die Menschen im Publikum anbelangt, die ab und an tatsächlich recht lautstark und vehement Zwischenrufe tätigten, sei angemerkt, dass der Moderator der Veranstaltung, Norbert Lammert (Bundestagspräsident a.D), diese Zwischenrufe ganz bewusst zuließ und sogar auf Nachfrage erklärte, die Zwischenrufe nicht zu unterbinden, da sie nicht das Ziel hätten, die Veranstaltung zu verhindern und daher ausgehalten werden könnten.

Dorothea Marcus unterließ es in ihrer Berichterstattung, die Gründe für die Zwischenrufe zu erwähnen. Auf dem Podium war unter anderem behauptet worden, der Staat Israel sei der stärkste Grund dafür, dass es heute Judenhass gibt und der Davidstern sei nach dem Hakenkreuz das neue Symbol der Empathielosen. Ganz offen wurde über „den Sinn und die Legitimation von Boykott-Aufrufen“ diskutiert, also darüber, ob es legitim ist, Menschen zu diskriminieren, wenn sie aus einem gewissen Land kommen.

„Die Juden sind selber Schuld am Judenhass und überhaupt die neuen Nazis und darum gilt: Kauft nicht bei Juden!“

Im Grunde wurde inhaltlich genau das auf der Bühne der Rheintriennale unter der Leitung von Stefanie Carp behauptet. Dass bei so viel Hass auf der Bühne einige Menschen im Publikum protestierten, darf nicht verwundern. Es erstaunt vielmehr, dass die Veranstaltung noch so gesittet ablief, vor allem weil zu den zwei auf der Bühne vertretenden BDS-Unterstützenden irgendwann auch noch ein dritter Unterstützer hinzu geholt wurde, der ein paar Tage vorher eine Diskussion gesprengt hatte und den Berliner Kultursenator Klaus Lederer bei dem Berliner Festival Pop-Kultur mit wüsten Beleidigungen angeschrien hatte. Auch in Bochum beleidigte er das Publikum und brüllte mit hochrotem Kopf in den Saal, alle Juden in Israel seien Rassisten. Er sprach von „five million with white privilege“. Er meinte die Juden in Israel. Er erklärte zudem die Palästinenser in Israel hätten „null Menschenrechte“. Eine klare Lüge.

Dorothea Marcus erwähnte keine einzige dieser Entgleisungen. Stattdessen verunglimpfte sie die Menschen im Publikum, die diese Entgleisungen mit von der Moderation erlaubten Zwischenrufen kommentierten. Dorothea Marcus drehte sich sogar persönlich während der Veranstaltung zu einem jüdischen Paar hinter sich um und rief es zur Ordnung, es sollte still sein.

Das ist die Welt von Dorothea Marcus: Die Juden haben still zu sein, wenn sie beleidigt werden und Lügen über sie verbreitet werden. Sollten sie nicht still sein, so nennt Dorothea Marcus sie „eine aufgebrachte zionistische Horde“, wie geschehen in der Badischen Zeitung.

Dorothea Marcus hilft in ihrer Berichterstattung heftig mit, Juden zum Schweigen zu bringen. Während Frau Carp sich geweigert hatte, einen Vertreter der Jüdischen Gemeinden in NRW auf die Bühne zu lassen, was ihr besonders von den jüdischen Gemeinden massive Kritik einbrachte, da sie so die BDS-Kampagne hofierte und unterstützte, verschwieg Dorothea Marcus die Gründe für die Proteste im Publikum. Stattdessen ließ sie als O-Ton eine Befürworterin der BDS-Kampagne zu Wort kommen, die erklären durfte, die BDS-Kampagne sei ganz wunderbar. Sie stellte die Unterstützerin mit diesen Worten vor:

„Und die erzählte so ein bisschen, warum BDS einst entstanden ist, im Jahr 2000 gegründet gegen das Südafrikanische Apartheidsregime und damals durchaus erfolgreich gewesen und für sie (…) ist eben BDS nach wie vor ein legitimes Instrument.“

Das ist keine Desinformation mehr, sondern eine glatte Lüge. BDS gründete sich am 9. Juli 2005 und rief von Anfang an ausschließlich zum Boykott von Israel auf. Die Apartheid in Südafrika wiederum endete im Jahr 1994. Es gab sie im Jahr 2000 somit gar nicht mehr und die Kampagne BDS hatte damit nichts zu tun.

Niemand verbietet Malca Goldstein-Wolf den Mund. Darum gehören die letzten Worte der „jüdischen Aktivistin“:

„Die mediale Berichterstattung eines Journalisten richtet sich immer nach seiner Gesinnung. Über die Gesinnung von Frau Marcus braucht man keine Zweifel zu haben, sie geht sogar soweit, Fake-News zu verbreiten. Offenkundig mag sie keine wehrhaften Juden und erträgt es nicht, wenn sich Juden nicht alles gefallen lassen. Wir werden nicht schweigen, auch dann nicht, wenn man uns die Stimme verwehrt. Damit werden sich Menschen mit der Gesinnung dieser Redakteurin abfinden müssen!“

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Stefanie Carp inszeniert die eigene Absolution

„Der Fehler war, die Young Fathers überhaupt ausgeladen zu haben.“

Dies erklärte die Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, am 18. August 2018 in der Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle in Bochum bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Freiheit der Künste“, zu der Carp geladen hatte, um über „Sinn und Legitimation von Boykott-Strategien im Bereich der Kultur“ zu diskutieren. So stand es in der Ankündigung.

Zu dieser Diskussion war es gekommen, da Stefanie Carp zunächst die Band Young Fathers ausgeladen hatte, da sie die weltweit agierende Kampagne BDS unterstützt, diese Ausladung aber kurz danach wieder zurückgenommen hatte.

BDS ruft explizit dazu auf, Israel zu boykottieren und Israelis zu diskriminieren, um so das Land Israel zu schwächen. BDS unterscheidet dabei nicht, ob es sich um Menschen aus der Kunst, Wissenschaft und des Sports handelt oder ob es Kinder oder Erwachsene sind. Wer Israeli ist, soll boykottiert, bestraft und ausgegrenzt werden. So will es BDS. Nicht nur das, jeder Mensch, der sich mit Israelis einlässt, soll ebenfalls unter Druck gesetzt werden. Sogar Prominente wurden bereits massiv bedroht, weil sie sich mit Israelis eingelassen haben, unter anderem die Rolling Stones und Lionel Messi.

Die Methoden der BDS-Kampagne wecken düstere Erinnerungen

Die Kampagne ist so einflussreich, dass sich sogar der Deutsche Bundestag mit ihr beschäftigt hat. Die Mehrheit der Fraktionen erklärt, die Justiz solle prüfe, ob BDS den Straftatbestand der Volksverhetzung erfülle und spricht sich deutlich gegen die BDS-Bewegung aus:

„Der Deutsche Bundestag verurteilt den Aufruf zum Boykott israelischer Geschäfte und Waren sowie die Aufbringung von ›Don’t Buy‹-Schildern auf Waren aus Israel aufs Schärfste.“

Trotz dieser klaren Ansage des Deutschen Bundestags vollführte Stefanie Carp eine Kehrtwende und lud die Young Fathers wieder ein. Die weigerten sich dann jedoch, der Einladung zu folgen. Stefanie Carp entschied sich dann für die Diskussions-Veranstaltung, bei der sie auch erklärte, warum sie die Young Fathers wieder eingeladen hatte, obwohl der Deutsche Bundestag die BDS-Kampagne scharf verurteilt hatte. Carp erklärte, wenn man nur noch Künstler einladen würde, die in „jeder Weise konform sind mit jedem derzeitigen Wording der Bundesrepublik, dann hätten wir ein sehr, sehr eingeschränktes Programm.“

Boykottaufrufe und Vielfalt

Ein vielfältiges Programm ist laut Carp nur möglich, wenn die Diskriminierung von Israel kein Ausschlusskriterium für eine Teilnahme bei der Ruhrtriennale ist. Zum „Wording“ der Bundesrepublik gehört es übrigens auch, dass Frauen und Homosexuelle gleichberechtigt sind. Werden wir in Zukunft auch über den Sinn und die Legitimation von Boykotten gegen Schwule und Frauen diskutieren, wenn es die wie auch immer definierte Vielfalt nötig macht? Werden demnächst auch Türken und Chinesen diskriminiert, um ein eingeschränktes Programm zu vermeiden?

Die Diskussion fand in der Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle am 18. August 2018 statt. An dem Tag und an dem Ort wurde über Sinn und Legitimation von einer Diskriminierung Israels gesprochen.

Der 18. August 2018 ist der 30. Jahrestag der Gründungscharta der Hamas. An dem gleichen Tag im August des Jahres 1988 veröffentlichte die Hamas diese Charta. In ihr steht festgeschrieben, ein Frieden unter den Menschen könne erst kommen, wenn alle Juden weltweit vernichtet seien (Artikel 7). Jeder Frieden mit Israel wird abgelehnt (Artikel 13). Stattdessen wird die Zerstörung des Landes Israel gefordert. Was für ein „Wording“. Mit dieser Hamas arbeitet BDS zusammen.

Die Jahrhunderthalle wiederum wurde 1902 vom Bochumer Verein gebaut. Während der Zeit des Nationalsozialismus war der Bochumer Verein der von Zwangsarbeit am stärksten profitierende Einzelbetrieb in Bochum. Die Turbinenhalle, in der die Diskussion stattfand, wandelte somit einst als nationalsozialistischer Musterbetrieb Energie in Leistung für Nazis um.

Stefanie Carp ist die Farid Bang der Besserverdienenden

Stefanie Carp war für die Zusammensetzung der Runde, für den Tag der Veranstaltung und für den Ort verantwortlich. Sie machte es möglich, an einem Ort, der mit dem Nationalsozialismus untrennbar verbunden ist, am 30. Jahrestag eines Dokumentes, in dem die Vernichtung des jüdisches Volkes als Bedingung bezeichnet wird, über den Sinn und die Legitimation eines Boykotts des jüdischen Staates Israel zu diskutieren. Die Diskussion fand zudem an einem Sabbat statt, was dafür sorgte, dass aufgrund des jüdischen Feiertags einige Juden nicht an der Diskussion teilnehmen konnten. Die vier Landesverbände der Jüdischen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen hatten zwar gebeten, dass ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde eingeladen wird, aber Frau Carp verweigerte sich der Bitte.

Die Intendantin setzte stattdessen eine Gesprächsrunde zusammen, in der unwidersprochen offene Lügen über Israel und massive Verharmlosungen der BDS-Kampagne geäußert wurden. Auf der Bühne saßen eine BDS-Unterstützerin aus Belgien, ein weiterer BDS-Unterstützer aus den USA, die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Ruhrtriennale, ein Bundestagspräsident a.D., ein Musiker, der erklärte, Stefanie Carp sei keine Antisemitin und eben jene Nicht-Antisemitin selbst. Zur „Ausgewogenheit“ wurde später noch ein dritter BDS-Supporter auf die Bühne geholt.

Er behauptete, Palästinenser hätten „null Menschenrechte“ in Israel und Israel sei ein „Apartheidsstaat“, in dem alle Juden Rassisten seien, nämlich „fünf Millionen mit weißem Privileg“. Im Verlauf der Diskussion wurde weiterhin behauptet, BDS sei eine „Menschenrechtsorganisation“ und eine Person behauptete sogar bar jeder Logik, die Kampagne BDS boykottiere eigentlich keine Israelis, was schon eine sehr abenteuerlich Aussage ist, schließlich steht das B im Namen BDS für „Boycott Israel“.

Juden sind selber Schuld

Der Unterstützer aus den USA brachte es sogar fertig zu erklären, die Abzeichen der Empathielosen mögen sich verändert haben, vom Hakenkreuz zum Davidstern. Unter Protest eines Teils des Publikums behauptete er sogar, der Staat Israel und seine Politik sei heute eines der größten Gründe für das Vorhandensein von Antisemitismus. Als sich einige Anwesende im Publikum lautstark über diese Aussage beschwerten, fuhr eine Frau in meiner Reihe eine Jüdin hinter mir an, sie solle sich nicht wie im Kindergarten benehmen. Ein anderer Mann fügte hinzu, er würde ja gerne Juden verstehen wollen, aber ihr Verhalten mache es ihm gerade sehr schwer.

Das war die Stimmung, die in der Turbinenhalle produziert wurde und hauptverantwortlich dafür war Stefanie Carp. Sie hatte die Gesprächsrunde zusammengestellt. Sie hatte dafür gesorgt, dass es eine ganz klare Positionierung hin zur BDS-Verharmlosung auf der Bühne gab. Diese Positionierung und die Ermangelung eines Menschen, der die Verharmlosungen wenigsten hätte benennen können, führte dazu, dass sich ein großer Teil des Publikums überhaupt nicht vertreten gefühlt hatte. Die Jüdischen Gemeinden in NRW zum Beispiel waren nicht vertreten, obwohl sie angefragt hatten.

Stefanie Carp ist somit für die Tumulte innerhalb der Veranstaltung verantwortlich. Sie war die Regisseurin der Runde. Es war nur der Moderation des Bundestagspräsidenten a.D. zu verdanken, dass die Veranstaltung nicht eskalierte. Es war Norbert Lammert. Allerdings blieben alle seine kritischen Fragen an die BDS Unterstützer und Unterstützerinnen unbeantwortet, zum Beispiel die Fragen, warum BDS ausschließlich Israel attackiere, aber keinen anderen Regierungen wie in Nordkorea oder Saudi-Arabien und vor allem, warum BDS auch Kinder ins Visier nehme, denn BDS ruft auch zur Bestrafung von Schülern auf, wenn sie Israelis sind. Alle drei Unterstützenden der Kampagne sagten nichts dazu, sondern erklärten, BDS sei notwendig und ernteten dafür Applaus.

Stefanie Carp wollte Absolution und bekam sie

Nach der Veranstaltung war mir klar, dass die Runde nicht stattgefunden hatte, um über die „Freiheit der Künste“ zu sprechen, wie es im Programmheft stand, sondern um Stefanie Carp eine Absolution zu erteilen. Es wurde auf der Bühne einstimmig beschlossen, Stefanie Carp sei keine Antisemitin, weil sie das Existenzrecht Israels nicht in Frage stelle und die deutsche Geschichte kenne. Allerdings reichte das noch nicht zur Absolution. Die vollkommene Unschuldserklärung konnte sie nur erhalten, indem der BDS verharmlost wird. Und das wurde dann auch getan. Es wurde verharmlost und gelogen, was die Turbine her gab.

Israel wurde pausenlos auf der Bühne kritisiert und dabei immer wieder betont, man dürfe und müsse Israel kritisieren können, als gäbe es irgendwo eine sinistre Macht, vermutlich eine jüdische, die deutsche Superintendantinnen daran hindert, das Gute, Wahre und Richtige zu benennen. Dass die Feinde Israels die Vernichtung aller Juden fordern und einen Vernichtungskrieg gegen Israel führen, wurde in der ganzen Diskussionsrunde nicht einmal erwähnt, und das ausgerechnet am Jahrestag der Gründung des Dokuments, in dem die Vernichtung des jüdischen Volkes gefordert wird. Auch auf die Bedeutung des Ortes wurde nicht hingewiesen. Darum ging es nicht. Es ging nicht um den Hass, den sich Juden ausgesetzt sehen. Es ging einzig und allein darum, den Arsch von Stefanie Carp zu retten.

Stefanie Carp machte sich zum Opfer

Stefanie Carp erweist sich als eine Intendantin, die sich in der Rolle der Opfers gefällt. Kritik an ihrer Arbeit bezeichnete sie als eine „Kampagne gegen mich“. Für eine Frau, die immer und immer wieder erklärt, Kritik an Israel müsse möglich sein, reagiert sie recht empfindlich, wenn sie selbst mal kritisiert wird.

„Darf ich jetzt alle Künstler, die mit BDS sympathisieren nicht mehr einladen?“

Diese Frage stellte Stefanie Carp ernsthaft in die Runde, ganz so, als könne ihr das irgendjemand verbieten. Als Intendantin des Festivals ist sie die einzige Person, die letztendlich darüber entscheidet, wer eingeladen wird und wer nicht. Niemand verbietet ihr irgendwas. Sie ist frei, sogar mit über einer Millionen Euro subventioniert frei. Warum also inszeniert sie sich als Opfer? Um ihre Kritiker zu Tätern zu machen!

„Ich persönlich zum Beispiel würde auch nicht bei der BDS unterschreiben, einfach weil ich Deutsche bin und ich finde selbst, wenn man viele Motive der Palästinenser unterschreiben kann.“

Das sagt Stefanie Carp. Wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte, würde die deutsche Intendantin heute ihre Unterschrift unter eine Kampagne setzen, die Israel aussondert. Vermutlich sollen wir darüber auch noch froh und dankbar sein. Es bleibt jedoch eine Restsorge, denn die Staatsbürgerschaft kann man ändern. Wann wird sich Carp trauen? In Belgien lässt es sich offenkundig auch gut leben und da wird teilweise auch deutsch gesprochen.

Es darf von einer Intendantin erwartet werden, dass sie zu ihren Entscheidungen steht und nicht zwischen einem Ein- und Ausladen herumeiert, um schließlich zu erklären, die Ausladung einer Gruppe, die dazu aufruft, Israel zu diskriminieren, sei falsch gewesen, weil dadurch die Vielfalt der Künste in Gefahr sei.

Stefanie Carp will für nichts die Verantwortung übernehmen. Im Grunde erklärt sie, dazu gezwungen worden zu sein, darüber zu diskutieren, ob die Diskrimierung und der Boykott des jüdischen Staates Israels Sinn und Legitimation hat; ihr seien die Hände gebunden. Hannah Arendt nannte ein solches Abgeben der Eigenverantwortung einst die „Banalität des Bösen“.

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Facebook sperrt Gerd Buurmann zum dritten Mal

Es ist schon wieder passiert. Ich wurde durch Facebook gesperrt, weil ich unter einem Beitrag, in dem massiv gegen Israel und Juden gehetzt wurde, auf einen Typen, der fragte, warum „die Juden“ denn „nichts aus ihrer Geschichte gelernt“ hätten und nun in Israel „wie die Nazis“ agierten, folgenden sarkastischen Kommentar abgesetzt hatte.

„Ja warum? Warum haben die Juden nichts aus Auschwitz gelernt? Warum wurde diese deutsche Nachhilfe nicht angenommen? Unverschämt, diese Juden.“

Für diesen im Kontext problemlos als Satire erkennbaren Kommentar wurde ich nun von Facebook gesperrt. Interessanterweise wurden die Kommentare, die Israel mit Nazideutschland vergleichen und erklären, gerade „die Juden“ hätten doch „aus der Geschichte lernen“ müssen, von Facebook stehengelassen.

Ich wurde mittlerweile drei Mal von Facebook gesperrt. In beiden letzten Fällen ging es ebenfalls um das Posten von Berichten und Bildern gegen Judenhass. Am 1. Juli 2017 wurde ich bei Facebook gesperrt, weil ich ein Bild veröffentlicht hatte, das zeigte, wie auf Stolpersteinen herumgetrampelt wird.

Meine Empfindung zu dieser Art des Gedenkens fasste ich in diesem Artikel zusammen:

„Die Familie Stolperstein“

Für das Bild wurde ich am 1. Juli 2017 für 24 Stunden bei Facebook gesperrt. Ein paar Tage vorher wurde ich für eine Polemik geperrt, die ich zu dem Umgang des WDR mit der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner verfasst hatte. Die Polemik trägt den Titel:

„Neues vom WDR Faktencheck“

Die Polemik ist eine deutliche Reaktion auf das Verhalten des WDR, das ich bereits in diesem Artikel kritisiert hatte:

„Ein beispielloser Skandal“

Für das Posten dieser Polemik auf Facebook wurde ich ebenfalls von Facebook für 24 Stunden gesperrt.

Es gibt ein grundlegendes Problem bei Facebook. Bei Facebook werden Einträge gelöscht, wenn sie von vielen Menschen gemeldet werden. Je mehr ein Mensch also gehasst wird, umso mehr läuft er Gefahr, von Facebook diskriminiert zu werden.

Es gibt über 1,6 Milliarden Muslime auf der Welt aber nicht mal 16 Millionen Juden. Auf einen Juden kommen hundert Muslime. Es ist viel leichter, eine große Anzahl von Muslimen zu finden, die sich durch eine Aussage beleidigt fühlen und mag sie auch noch so harmlos sein, als eine große Anzahl von Juden, die sich durch eine Aussage beleidigt fühlen und mag sie auch noch so brutal sein.

Immer wieder kommt es bei Facebook vor, dass vollkommen akzeptable Kritik am Islam gelöscht wird und die Kritiker mit langen Sperren belegt werden, während offen judenfeindliche Aussagen nicht gelöscht werden. Bei Facebook kommt es nämlich nicht auf die Aussage an, sondern darauf, wieviele Menschen sich beleidigt fühlen.

Der Mob beherrscht die Netzwerke. Heute gilt, bringe nur genug Menschen gegen Dich auf und eine Sperrung wird sehr wahrscheinlich. In einer aufgeklärten Demokratie herrschen jedoch nicht die Masse und der Mob, sondern die Vernunft und das Menschenrecht. Die Grundrechte des Einzelnen können nicht durch eine Mehrheit abgeschafft werden. Judenhass fand und findet oft eine Mehrheit und war und ist dennoch immer falsch.

Die Art und Weise wie soziale Netzwerke wie Facebook ihre Seiten verwalten, ist ein Angriff auf den liberalen Geist der Individualität, wo der Gedanke der Freiheit und die persönliche Entfaltung zählen und nicht der Mob.

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Von wegen Waffenruhe

„Hamas erklärt Waffenruhe.“

Dieser Satz ist eine recht unverschämte Art, um zu sagen:

„Der Hamas sind die Raketen ausgegangen.“

Es wird von Seiten der Hamas exakt solange Waffenruhe herrschen, bis die Hamas wieder genug Waffen hat.

Die Waffen gegen Israel werden finanziert von Geldern, die die Hamas von der Europäischen Union und somit auch von Deutschland bekommt.

Nicht weniger unverschämt werden diese Gelder „Aufbauhilfe“ genannt.

Es ist somit auch deutsches Geld, das diese Kinder hier in Angst und Schrecken versetzt.

Für das Jahr 2018 gibt die Bundesregierung sogar zusätzliche 8,4 Millionen Euro für das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen (UNRWA) aus. Das Geld sei für den Gazastreifen bestimmt, teilte das Vertretungsbüro in Ramallah mit. Deutschland verdoppelt damit ungefähr seine Zahlungen.

Die USA hatten ihre Hilfen zu Jahresbeginn 2018 gestoppt, solange die Palästinenser nicht zu Verhandlungen mit Israel bereit seien. Deutschland ist das egal. Die Hamas fordert in ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden weltweit (Artikel 7). Damit kennt Deutschland sich aus.

Deutschland zahlt, damit die Hamas auch morgen noch kraftvoll zuschießen kann.

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Israel is not the aggressor!

During the past years, Israel has been continually attacked by rocket fire and by incendiary devices, while terrorists try to breach border areas and commit murder. Israeli civilians are forced to seek protection in bunkers. Children must quickly evacuate kindergartens.

Israel has every right to defend itself.

Israel is not the aggressor.
Israel is not anteing up the spiral of violence.
Israel is not pouring oil on the fire.
Israel is simply defending itself!

Hamas fires every single missile towards schools, hospitals, retirement homes, mosques, synagogues and churches! The goal of every rocket is to kill as many Israelis as possible, whether they are children or old men. Hamas states the motivation for the attacks on civilians in its charter. Article 7 demands the extermination of the entire Jewish people worldwide! Hamas leaders and preachers describe Jews as a bacteria that must be eradicated. Even Arab children are urged in TV educational programs to hate Jews and to kill them.

The intention of every rocket against Israel is to carry out mass murder!

Hamas’s mass murder fails for only one reason: Israel has established an excellent defensive system and protects its own people. In Gaza, however, people are dying because Hamas is abusing its population. Israel uses weapons to protect people. Hamas, however, uses people to protect its weapons, weapons with which to commit mass murder of Jews.

Hamas attacks Israeli schools and at the same time uses its own schools to hammer hatred of Jews into children’s brains. They misuse civilians to shield the weapons that are fired at Israel, only to lament all the louder when those children die who have been abused as human shields and as child soldiers. Whoever shows photos of those unfortunate dead children are playing into the hands of those child murderers, and even bears responsibility if more children die in the propaganda war against Israel.

Not Israel’s retaliation kills but rather the aggression and inhumanity of Hamas!

With such headlines as the BBC has produced, the news broadcaster is actually participating in the war against Israel and the Jews!

All media that print images of dead children in this war are part of the problem, for it is Hamas‘ intention to „produce“ these dead children in order to morally weaken Israel – and the verb „produce“ is exactly the right word to sum up the inhumanity of Hamas. Hamas‘ propaganda feeds on the deaths of children.

All politicians who criticize Israel for defending itself, who carry on about disproportionately and accuse Israel of purposely killing civilians, are taking sides in a propaganda war against Israel. Hamas deliberately stashes its weapons behind civilians in order to make them casualties, because they know very well that reports on civilian deaths are well received by the European critics of Israel. If Europeans wouldn’t get all so horny when they see photographs of dead children and civilians, Hamas would certainly not „produce“ so many dead civilians and children.

The principle of supply and demand prevails. There is a market in Europe for images of dead Palestinian children and Hamas meets this demand. It’s all about „producing“ images of dead children and civilians in order to weaken Israel.

Not a single Israeli missile is fired with intent to kill civilians, but rather with clear warnings beforehand. Every Hamas missile, however, aims to kill as many people, including children, as possible. That’s the big difference!

The weakness of the Arab side doesn’t represent any moral superiority. Hamas aims for mass murder, but they are not able to carry out that intention. Israel, however, could hit back much harder, but doesn’t! Israel loves life and wants to protect it, including the lives of children and the innocent on the side of its sworn enemies who propagate violence and hate in their schools, mosques, parliaments and television programs.

No country on earth would act as coolly as Israel in the face of officially declared genocide, especially if those intentions were expressed in a barrage of rockets. Israel’s concern for the lives of its enemies is exemplary. Considering all the children who are being used by Hamas as human shields, all the child soldiers being educated in Arab schools, all the terror tunnels being built under hospitals and all the missiles being stored near United Nations facilities in the Gaza Strip, it’s remarkable that Arab casualties are so small.

If Hamas had used all the money that it has spent on rockets and tunnels instead to build up Gaza, all hospitals, power stations, retirement homes and mosques would be in good shape and also be perfectly equipped. With all the money Gaza has received, Gaza should actually be one of the richest areas in the Middle East! However, the desire to destroy Israel and the hatred of Jews consumes all those funds. Israel and Jews don’t pose a danger to Palestinian Arabs, but rather the hatred of Israel and the hatred of Jews! Hatred doesn’t lead to prosperity!

Israel would rather have its Arab neighbors as business partners than as adversaries.

Israel takes unprecedented precautions to warn the civilian population before any military action takes place. In order to destroy Israel, Hamas is willing to sacrifice its own people. But Hamas won’t succeed, because Israel makes every effort to avoid civilian casualties. Former Israeli Prime Minister Golda Meir summed it up this attitude in a few words:

„We can forgive the Arabs for killing our children. We cannot forgive them for forcing us to kill their children. We will only have peace with the Arabs when they love their children more than they hate us.“

The weakness of the Arab side by no means represents moral superiority.

It’s a good thing when the haters are too weak to carry out their hatred of Jews. But, it’s disgusting to be critical of Jews defending themselves.

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Translation: William Wires
http://www.williamwires.com
http://www.facebook.com/William.Wires.Fine.Art

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„Mein lieber Herr Kokoschinski!“

Eine Erinnerung von Alpha O’Droma.

Ich will eine Geschichte über Hans Rosenthal erzählen.

Mein Stiefvater, Manfred Kuckuck, wäre beinahe mal Profifußballer geworden. Unter dem legendären Hanne Sobek hatte er es in der Saison 62/63 mit dem SCC Charlottenburg sogar mal ins DFB-Viertelfinale geschafft, doch dann kam der Meniskusschaden, heute ein Witz, damals das Karriereende.

In den frühen 70ern spielte er ab und zu noch bei den alten Herren mit oder in diversen Prominentenmannschaften. So kam es auch, dass wir einmal im Jahr gegen Hänschen Rosenthals Truppe antraten. Auf dem Fußballplatz nannte ihn jeder nur „Hänschen“, was auch an seiner Statur gelegen haben mag, denn er war klein und schmächtig, doch sein Herz war das eines Wals. Als Berliner Jude entging er nur knapp dem Tod, musste in den Vierzigern Zwangsarbeit in einer Fabrik leisten, entkam bei einem Bombenangriff und überlebte das Kriegsende versteckt in einer Laubenkolonie, doch nach dem Krieg blieb er in Deutschland und arbeitete beim Radio.

Wie wir war er sehr fußballbekloppt, leider für den falschen Verein, Tennis Borussia, dem er lange als Präsident vorsaß. Und schon früh ging es bei ihm um die gute Sache. Regelmäßig veranstaltete er Benefizspiele mit anderen Prominenten, deren Einnahmen zum Beispiel deutschen Kriegerwitwen zugute kamen – und das als von den Nazis geknechteter Jude!

Doch Hänschen kannte keine Vorurteile, auch wenn er in jungen Jahren auf dem Fußballplatz noch oft als „Drecksjude“ beschimpft wurde, er lächelte all dies weg und begegnete dem Hass mit seiner allumfassenden Menschenliebe. Und die Menschen spürten das. Es sprach sich herum, dass dieser kleine Wicht ein ganz Großer war. Und ein Gentleman.

Wie ihr sicher wisst, herrschen auf dem Fußballplatz eigene Sitten. Jeder wird geduzt, der Humor ist so derb wie die Fouls und der Ton so rau wie die Schotterplätze, auf denen die Pelle stets liegen blieb, wenn man fiel. Vierundvierzig blutende Knie begleiteten jede Begegnung, denn Rasenplätze gab es nur für die Topteams. Und in dieser Welt der harten Kerle bewegte sich Hans Rosenthal mit ausgesuchter Höflichkeit, siezte jeden und behandelte auch das schnoddrigste Arbeiterkind wie den hochprominenten Gast einer seiner Sendungen. Er liebte Kinder, spielte mit uns oft Kicker und verlor dabei absichtlich. Wir vergötterten ihn.

Eines Tages, es stand mal wieder eine Benefizspiel gegen seine Promi-Elf an und ich stand wie immer hinter dem gegnerischen Tor, da kam es zu jenem legendären Foul.

In Manfreds Mannschaft spielte ein Stürmer namens Koko, fast zwei Meter groß, athletisch, behaart wie ein Affe, ein richtiger Bigfoot.

Onkel Manfred (Stiefväter nannte man weiland so) flankte von links herein, doch die Flanke kam etwas zu tief für Koko, der Torwart, irgendein Schauspieler, dessen Name mir ums Verrecken nicht mehr einfällt, faustete sie heraus, direkt auf Hänschen, der den Ball mit der Brust stoppte, ihn sich vorlegte und gerade weiter passen wollte, als Koko herangestürmt kam und ihn von hinten umsenste. Koko traf dabei sogar den Ball, doch Hänschen Rosenthals im Weg befindliche Beine schossen dabei eine derartige Sonne, dass ein kollektives „AUUUOOO!“ über den Platz schallte – von Spielern und Zuschauern gleichermaßen.

Es sah grotesk aus, dieser eingesprungene Rosenthal mit anderthalb Schrauben, eine unglaubliche Übung, die so nie wieder geturnt werden sollte. Nur die Landung wirkte ungesund, als das schmächtige Kerlchen halb seitwärts und halb rücklings zu Boden krachte und die damals noch unbekannten Spiegelneuronen uns allen schmerzverzerrte Minen aufs Antlitz zauberten. Der Pfiff des heran sprintenden Schiris erklang noch vor der Landung. Er gab Gelb – damals eine Sensation, speziell bei Freundschafts- oder gar Benefizspielen – denn Gelb gab es in den Siebzigern in der Regel eigentlich nur bei offenen Schien- und Wadenbeinbrüchen, so etwas wie simple Bänderrisse durch Blutgrätschen wurden meist mit einer Ermahnung abgetan.

Wie durch ein Wunder hatte sich Hänschen nicht schwer verletzt, er sammelte seine Knochen zusammen und ging humpelnd auf Koko zu. Normalerweise hätte jeder deutsche Fußballspieler jetzt etwas Unverbindliches geschrien wie „Du hast wohl den Arsch offen, du debiler Kackspast!“ oder ihm eine gelangt, nicht jedoch der unglaubliche Hans Rosenthal.

Er baute sich dicht vor Koko auf, was an sich schon komisch wirkte, da dieser ihn um fast zwei Köpfe überragte, stemmte seine Fäuste in die Hüften und sprach mit vorwurfsvoller Stimme das seinen Tod überdauernde Bonmot: „Mein lieber Herr Kokoschinski …“

Wir haben Tränen gelacht, alle bis auf Koko, der wirklich untröstlich war und sich mit hängendem Kopf vielmals entschuldigte. Für Hänschen war das Spiel vorbei, er zog beide (!) Beine nach, was ebenfalls einen Touch von Slapstick hatte, und ließ sich sofort auswechseln.

Nicht nur Koko wurde sein Leben lang mit diesem Spruch gehänselt, auch meine Eltern sollten, wann immer ich Scheiße baute, und das war nicht selten, sich vor mir aufbauen, die Fäuste in die Hüften stemmen und „Mein lieber Herr Kokoschinski!“ knurren.

Der „Herr“ ging irgendwann verloren, aber zuweilen hört man den Satz immer noch, auch wenn niemand die dazu gehörige Anekdote mehr kennt. Ich hoffe, ich konnte diese Bildungslücke schließen.

Es sollte fast vierzig Jahre später sogar zu einem Déjà-vu kommen: Anno 2009 schaute ich eines Samstags die Sportschau und plötzlich schoss mir das Bier aus der Nase, weil ich so unfassbar lachen musste. Kickers Offenbach spielte grade ein Drittligamatch gegen den VFL Osnabrück, die in den Strafraum stürmten, da hörte ich den Kommentator rufen: „Kokoschinski von hinten in die Beine – UIIIH, ein böses Foul!“

Tatsächlich spielte bei Offenbach ein Michael Kokocinski im Mittelfeld, und auch wenn ich mir nicht mehr sicher bin, wie Kokos Nachname damals geschrieben wurde, kann man sicher davon ausgehen, dass es sich bei jenem Offenbacher Kickers-Rüpel um einen direkten Nachfahren handeln muss …

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(TINAOD)

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