Ihr wagt es und nennt Euch Freunde der Juden?

„Unter Freunden muss man sich auch mal unangenehme Wahrheiten sagen können.“

„Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen.“

Diese Sätze höre ich ständig.

Heute erhielt ich einen hoch emotionalen Brief von einem Freund, der seinem Unmut über die „deutsche Normalität“ im Umgang mit Juden und Israel Luft machen wollte. Er schickte mir den Brief mit den Worten:

„Das würde ich gerne mal manchem Volksvertreter sagen, aber ich schäme mich. Ich weiß, die Angesprochen werden nicht darauf reagieren. Sie werden mich höchstens hassen und den Brief als überzogen bezeichnen. Ist er ja auch. Am Ende bin ich nur der kleine Idiot, der mal laut gerufen hat.“

Ich las den Brief und dachte: „So viele Menschen in Deutschland wissen gar nicht, wie sich manche Juden hier fühlen.“

Ich bat meinen Freund, diesen Brief veröffentlichen zu dürfen. Er sagte: „Damit wirst du nicht einen einzigen Blumentopf gewinnen. Der Brief ist eine einzige Wut- und Verzweiflungs-Tirade.“

Ja, es stimmt, der Brief ist eine Tirade. Aber wenn es wirklich irgendwo in Deutschland diese viel beschworene Freundschaft mit Juden geben sollte, dann gehört zu dieser Freundschaft auch, einem guten Freund zuzuhören, wenn er verständlicherweise keine Geduld mehr hat, um mit 34 Jahren dem Hass höflich zu begegnen, den er erstmals im Kindergarten zu spüren bekam, als er erstmals judenfeindlich beleidigt wurde.

Aviel Tromm hat sich bereit erklärt, dass ich diesen Brief veröffentlichen darf. Und nein, mein Freund, Du musst Dich nicht schämen. Das Land muss sich schämen, das Dich so im Stich lässt.

„Mein Gott, was haben unsere Ahnen, unsere Eltern, das Europa geliebt, das bürgerliche Ideal. Es hat wenige Gruppe gegeben, die das mit so viel Hingabe umarmt haben. Als im frühen 19. Jahrhundert im Ghetto die Türen geöffnet wurden, wie besessen sie waren, wie so unglaublich hungrig. Und ich denke auch, wir erleben jetzt die letzte Phase der jüdischen Existenz in Europa. Es ist die letzte Phase. Es hat angefangen in den dreißiger Jahren. Es war eine eigentlich nie beantwortete Liebe. Ich denke in vierzig, fünfzig Jahren gibt es eigentlich keine Juden mehr in Europa.“ (Leon de Winter, 2017)

Sehr geehrte Damen und Herren Ministerinnen und Minister,
Werte Bundesregierung,

Ihr allesamt geht mir auf den Sack, wie Ihr Euch auf Eure „Erinnerungskultur“ und Eure „Staatsräson“ geistig einen abwedelt und zeitgleich so viel aus der Geschichte gelernt habt, dass Deutschland in fünfzig Jahren endlich so ist, wie es sich Eure Mörder von Großeltern erträumt haben – judenrein!

Jedes Mal, wenn ein Jude in Deutschland Prügel bezieht, müsst Ihr euch als geschockte Politiker aufspielen, welche nutzlose Sonntagsreden und Slogans von sich geben und tatsächlich so tun, als ob Ihr überhaupt nicht verstehen könntet, woher denn dieser Hass nur kommt. Ihr fabuliert in Talkshows darüber, dass Antisemitismus keinen Platz in Deutschland hätte, tragt Kränze zu Mahnmalen und putzt fleißig Stolpersteine. Oh, was liebt Ihr Eure toten Juden. Ich bin geneigt, Euch einen Hang zur Nekrophilie zu attestieren!

Doch jedes Mal, wenn die lebenden Juden sich wehren, auf ihr Recht der Selbstbestimmung pochen, immer dann seit ihr sofort zur Stelle, um gemeinsam mit den religiösen und ideologischen Fanatikern dieser Welt, UN-Resolutionen zu verabschieden, die Israel zum Dämon der Welt stilisieren. Im Stürmer hat man dies mit Karikaturen getan. Ihr macht es mit Politik.

Da dürfen hochrangige Politiker ruhig mal klatschen, wenn im EU-Parlament ein Herrn Abbas die ältesten antisemitischen Geschichten erzählt, da darf man laut von einem Apartheidsstaat oder Regime sprechen und es ist auch völlig okay für Euch, an den Gräbern toter Terrorfürsten Blumen und Kränze niederzulegen. Europa muss bis heute sehr traurig darüber sein, dass es den Arabern 1948 nicht gelungen ist, die Juden im Nahen Osten zu ersäufen, wie ein Bauer die Katzenbabys in der Regentonne.

Entweder seid Ihr so dumm, dass Ihr Rührei nicht von Scheiße unterscheiden könnt oder ihr macht es mit Absicht. Ihr seit ein Haufen mieser Heuchler, der sich in den Moll-Akkorden der Klezmer-Musik heulend vor Mahnmalen präsentiert und zeitgleich nur daran arbeitet, die europäischen Juden loszuwerden.

Was habt ihr gelernt aus 2014? Was habt ihr gemacht? In ganz Deutschland antisemitische Ausschreitungen, Brandanschläge auf Synagogen, unendlich viele Beleidigungen und Repressionen gegen Juden und jüdische Einrichtungen. Was war die Konsequenz? Der Landtag NRW zum Beispiel untersuchte die Vorfälle in Essen, verurteilte diese und fertig. Es gab keine praktischen Anwendungen. Die Schuldigen sitzen heute noch genau da, wo sie damals auch gesessen sind. Einzige wirksame Maßnahme war eine Großkundgebung, welche nicht von Euch, sondern vom Zentralrat der Juden in Deutschland initiiert wurde.

Und was arbeitet Ihr nun in der Praxis? Ihr verurteilt und kritisiert Israel seit den 60ern auf Dauerschleife, habt keinerlei Verständnis für Selbstverteidigung und Sicherheitsbedürfnis. Ihr lehnt Jerusalem als Hauptstadt ab und pumpt Milliarden Euro in die Terrorstrukturen der Hamas und anderer vor Ort. Und zu was macht Euch das alles nach Eurer eigenen Definition? Ihr wagt es und nennt Euch Freunde Israels und der Juden? Freunde? Was zum Henker ist falsch mit euch?

Mit dieser Politik der „Freundschaft“ habt Ihr eine dermaßen einseitige Medienberichterstattung geschaffen, dass es nur zwei Arten von Juden im Alltag der Deutschen gibt. Juden sind aus dem realen Alltag fast völlig verschwunden.

Erste Art: Juden erscheinen in Deutschland in Meldungen über Schüler und Schülerinnen, die aufgrund ihres jüdisch Seins die Schule wechseln müssen oder in Dokumentationen zur Shoa, die so belanglos geworden sind, dass sie im Fernsehen das schwarz-weiße Bildrauschen des Analogzeitalters ersetzt haben.

Zweite Art: Juden begegnen den meisten Menschen in Deutschland als Schreckgespenst in den Nachrichten, wenn Israel sich, wie so oft, verteidigen muss und schon in der Überschrift kein Zweifel gelassen wird, dass „der Jude“ schuld ist. Faktisch berichten Medien fast immer negativ über Israel. Angriffe auf den Staat werden meist als letzte Zeile in durchweg tendenziösen Berichten erwähnt und Politiker aller Parteien ertrinken entweder in ihren Mäßigungsgebeten oder beschimpfen wie Sigmar Gabriel Israel als Apartheidsstaat.

Das bundesdeutsche Nachkriegsnarrativ ist der Versuch einer Schuldabwehr. Um sich nicht der eigenen Geschichte mit letzter Konsequenz zu stellen, wird Israel mit den Nazis mindestens gleichgestellt.

Und zu guter Letzt, um der Heuchelei die Krone aufzusetzen, setzt Ihr Antisemitismusbeauftragte ein, welche betteln und bitten müssen, um überhaupt angehört zu werden. Sollten sie angehört werden, dürfen sie den moralischen Zeigefinger haben. Großartig! Das nenne ich ganz großes Kino. Soviel Perversion und Hinterlistigkeit kennt man sonst nur aus Psychothrillern!

Das Ergebnis von über 40 Jahren Deutsch-Israelischer „Freundschaft“ ist, dass der Antisemitismus lauter geworden ist, dass es für Juden immer gefährlicher wird, sichtbar auf die Straße zu gehen und dass immer mehr Juden aus Deutschland auswandern.

Zu Eurem realen Wirken und Werken bleibt mir nur eins, ich muss feststellen, dass Ihr der Tradition verpflichtet seid, einer deutschen Tradition, die es möglich machte, Juden während der Kreuzzüge zu schlachten wie Vieh, eine Tradition, die Martin Luthers Schmähschrift „Von den Juden und Ihren Lügen“ möglich machte, einer Tradition, die dafür verantwortlich ist, dass sechs Millionen Juden im staatlichen Auftrag ermordet wurden.

Nicht wir sind geworden wie Eure Großeltern, nein, Ihr, allesamt, seid genau so, wie es sich Eure Mörder von Vorfahren gewünscht haben. Seid dabei doch wenigstens ehrlich, diese Farce ist kaum noch zu ertragen.

Hochachtungsvoll,
Aviel Tromm

„Wenn Ihr Euch irgendwann wieder mal fragt, wie es so weit kommen konnte, dann ist die Antwort die: Weil sie damals so waren, wie ihr heute seid!“ (Henryk M. Broder, 2018)

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