Ein kleines Rätsel

Ein Vater und sein Sohn haben einen schrecklichen Unfall auf einer Autobahn. Der Vater ist sofort tot. Der Sohn jedoch wird lebensgefährlich verletzt in eine nahe gelegene Ambulanz gebracht, wo ein Team von Ärzten sich dem schwer verletzten Jungen annimmt, als plötzlich jemand von den Ärzten ruft: „Ich kann ihn nicht operieren. Er ist mein Sohn!“

Wie ist das möglich?

Nun, die Antwort ist vollkommen simpel und doch gibt es viele Menschen, die nicht darauf kommen. Probieren Sie es selber einmal aus. Die Antwort lautet: Der Arzt ist die Mutter des Sohnes!

Mit dem Begriff „Team von Ärzten“ wurde nichts über das Geschlecht der Ärzte ausgesagt. Dennoch stellt sich in den Köpfen der meisten Menschen, die diesen Begriff hören, nicht die Möglichkeit ein, die Ärzte könnten weiblich sein. Hätte ich von einem Team von Ärztinnen und Ärzten gesprochen, so hätte sich dieses Problem nicht ergeben.

Der Feminismus hat viele Menschen befreit. Ich bin daher überzeugter Feminist. Allerdings mag ich die Silbe „-in“ nicht sonderlich. Für mich setzt diese kleine Silbe das Geschlecht einer Person in einem Umfeld fest, wo das Geschlecht nicht von Bedeutung ist. Ich muss nicht wissen, welches Geschlecht ein Bäcker hat, um herauszufinden, ob sie gute Brötchen backt. Wenn sie gute Brötchen backt, dann ist sie meine Bäcker! So einfach ist das.

Ich stelle mir gerade vor, ich sei Bäcker und jemand würde sagen, ich sei ein Bäckeron. Ich würde natürlich fragen, was die Silbe „-on“ soll und dann würde dieser jemand sagen, damit ausdrücken zu wollen, dass ich männlich sei. Wie würde ich regieren? Ich würde denken, was genau tut jetzt mein Geschlecht hier zur Sache? Ich backe Brot. Ist mein Penis da wirklich von Bedeutung?

Ich bin ein Mann. Als Mann kenne ich das Gefühl nicht, über mein Geschlecht als das Andere vom Eigentlichen definiert zu werden. Es gibt keine extra Silbe für mich als Mann. Mannsein ist keine Abweichung von der Norm. Frausein jedoch ist eine Abweichung, die sogar sprachlich über eine Derivation manifestiert wird. Eine Ärztin ist ein Arzt mit der Abweichung, Frau zu sein. Nichts anderes erklärt die Silbe „-in“. Sie macht das Geschlecht der Frau zur Abweichung.

Ich bin mir meiner Privilegien als Mann vollkommen bewusst. Vielleicht auch gerade deshalb kommt es mir absolut nicht erstrebenswert vor, in einer Welt leben zu müssen, wo mein Geschlecht eine Abweichung vom eigentlich Stamm ist. Gerd Buurmann ist ein Bloggeron. Ich fände das befremdlich.

Ein Bäcker ist eine Person, die backt. Eine Bäckerin jedoch ist eine Person, die backt und weiblich ist. Während es für einen Bäcker irrelevant ist, was er oder sie zwischen den Beinen hat, wird die Weiblichkeit für die Bäckerin konstitutiv. Der Mann ist Mensch, die Frau ist ein weiblicher Mensch. Mit der Silbe „-in“ wird genau dieses Dilemma verstärkt. Ein gutes Beispiel dafür ist folgender Dialog:

A: „Hast Du gehört? Anne Will ist Journalistin des Jahres geworden!“

B: „Echt? Und wer ist Journalist des Jahres geworden?“

Hätte man gesagt, Anne Will ist „Journalist des Jahres“ geworden, hätte es dieses Problem nicht gegeben. Wenn man aber sagt, „morgen findet ein Treffen der Journalisten des Jahres statt“, dann denken wieder weniger an Frauen. Es ist Dilemma, für das es keine einfache Lösung gibt. Auf der einen Seite kann die konsequente Weigerung der Nutzung der Silbe „-in“ dazu führen, dass Frauen ausgespart und verschwiegen werden, so dass sich jede Frau ständig fragen muss, ob sie auch gemeint ist, auf der anderer Seite kann die konsequente Nutzung der Silbe dazu führen, dass Frauen in einer Art über ihr Geschlecht definiert werden, wie es bei Männer nicht der Fall ist.

Es gibt noch eine andere Variante des Rätsels. Sie geht wie folgt:

„Drei Bauarbeiter sind in der Pause. Zwei trinken Bier. Die beiden Biertrinker fragen die dritte Person: „Was ist denn los?“ Da sagt sie: „Ich bin schwanger!“

Auch diese Version zeigt, dass bei dem Begriff Bauarbeiter nicht automatische die Möglichkeit des Frauseins mitgedacht wurde. Allerdings ist auch eine andere Variante möglich.

„Drei Bauarbeiter sind in der Pause. Zwei trinken Bier. Die beiden Biertrinker fragen die dritte Person: „Was ist denn los?“ Da sagt sie: „Ich bin Moslem!“

Diese Version zeigt, dass bei dem Begriff Bauarbeiter auch die religiöse Zugehörigkeit nicht mitgedacht wird. Ich fände es jedoch mehr als befremdlich, wenn wir jetzt anfangen würden, Silben, Sternchen, Gaps und andere grammatikalische Derivationen für religiöse Zugehörigkeiten oder Hautfarben einzuführen. Bei Geschlechtern finde ich solche Derivationen nicht weniger befremdlich.

Ich als Mann kann nicht nachempfinden, was es bedeutet, in einer Sprache denken zu müssen, die mich ständig vor Identitätskrisen stellt. Die Sprache lässt sich aber nicht per Dekret ändern. Sprache ändert sich durch Gebrauch und vor allem über Jahrhunderte. Unsere Sprache ist älter als wir alle. Sie wird uns überleben und sich dabei ständig ändern. Das ist unser Schicksal aber auch unsere Chance.

 

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„Politisch aufgewühlte Männer“ – Worte bewusst gewählt

Am 8. März 2018 kam es auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in der Berliner Messe zu einen Vorfall am Stand des Staates Israel. Drei arabische Männer der dort eingesetzten Wachfirma, die eigentlich für die Sicherheit zuständig waren, zogen lautstark zum Stand der israelischen Tourismusagentur, schwenkten eine arabische Fahne und riefen dabei „Free Palestine!“

Als es zu verbalen Auseinandersetzungen kam und die Situation drohte zu eskalieren, rief der private Sicherheitsdienst des Israel-Standes die Polizei.

Mittlerweile ist bekannt geworden, dass es sich bei den randalierenden Wachleuten um polizeibekannte Kriminelle handelt. Die drei Männer hätten in der Vergangenheit Körperverletzungen und Raubtaten begangen, wie ein Polizeisprecher bestätigte.

Am 9. März 2018 schrieb die Gewerkschaft der Polizei:

„Traurig, aber wahr: Bei der #ITB mussten Kollegen dem #Israel-Stand zu Hilfe eilen, der von offenbar politisch aufgewühlten Männern der zum Schutz der ITB eingesetzten Sicherheitsfirma bedrängt wurde.“

Auf meine Nachfrage, was mit „politisch aufgewühlte Männer“ gemeint sei und wie die Gewerkschaft der Polizei diese „Aufgewühltheit“ bewerte, erklärt Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei Landesbezirk Berlin:

„Sie waren nicht politisch aufgewühlt, es sind Antisemiten. Wir haben die provokanten Worte bewusst gewählt, um endlich einen offenen Diskurs darüber zu führen, dass offen ausgelebter Antisemitismus in unserem Land nicht nur von Neonazis praktiziert wird.“

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Wetten, dass Sie diese Schilder nicht verstehen?

An einem Mittwoch um 11 Uhr morgens fuhr die Komponistin, Sängerin und gute Freundin Franzi Rockzz durch Wuppertal, als sie ihren Wagen an der Heinrichstraße abstellen wollte. Dort sah sie folgendes Schild:

*****
P
*****
Parken nur mit
Parkausweis der
Straßenverkehrsbehörde
*****
So
10-14h
*****
2 Std.
*****

Was möchten uns diese Schilder sagen?

Ist doch einfach. Versteht doch jeder:

„Das Parken ist hier nur mit einem Parkausweis der Straßenverkehrsbehörde gestattet, außer Sonntags von 10 bis 14 Uhr, dann dürfen hier alle parken, allerdings nur zwei Stunden.“

Völlig klar! Obwohl, es kann auch heißen:

„Das Parken ist hier Sonntags von 10 bis 14 Uhr gestatten allerdings nur mit einem Parkausweis der Straßenverkehrsbehörde und nur für zwei Stunden.“

Eindeutig! Obwohl, es kann auch heißen:

„Das Parken ist hier allen für 2 Stunden gestattet. Sonntags zwischen 10 und 14 Uhr dürfen hier sogar alle länger parken. Menschen mit einem einem Parkausweis der Straßenverkehrsbehörde dürfen hier sogar jederzeit länger parken.“

Das wird es sein! Obwohl, es kann auch heißen:

„Hier dürfen alle immer parken, außer Sonntags zwischen 10 und 14 Uhr, dann dürfen hier nur Menschen mit einem Parkausweis der Straßenverkehrsbehörde parken, allerdings nur für zwei Stunden.“

Ja, jetzt hab ich es. Obwohl, …

Franzi Rockzz jedenfalls parkte ihren Wagen dort, am Mittwoch, 7. März 2018 um 11 Uhr morgens ohne im Besitz eines Parkausweis der Straßenverkehrsbehörde zu sein.

Hat sie dort widerrechtlich geparkt oder nicht? Was meinen Sie?

Ein Anruf bei der Verkehrsbehörde hat Aufschluss gegeben. Es gibt somit eine offizielle Lesart dieser Schilder. Wie sieht sie aus? Was meinen Sie?

Während Sie nun darüber nachdenken, was diese Schilder bedeuten, hören Sie sich dazu gerne das Lied „Heaven’s gate“ von Franzi Rockzz an. Es lohnt sich.

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A tremendous gain

Laszlo Trankovits has been the office manager and correspondent of the Deutsche Presse-Agentur (dpa) for over 35 years, and has worked in the USA, the Middle East, Italy and Africa. He currently lives in New York and, as a representative of the dpa management, is responsible for the implementation of dpa projects in the USA. In his book „The News Professionals – Why quality journalism is indispensable for our democracy“, which is on the Frankfurter Allgemeine book list, he writes:

„The enormous enrichment of public discourse by all the clever people in all non-media professions and industries, who until now have only been able to produce publicity through traditional media or books, is undisputed. But now they have become an important voice in daily discourse. Good examples are blogs by the versatile artist and author Gerd Buurmann, the journalist Roland Tichy, the writer Gideon Böss or the fine ‚Achse der Guten‘ authors.“

In his book, Laszlo Trankovits deals with the fact that the traditional media have lost the exclusive privilege of providing the public with news because the Internet has created new and undreamt-of opportunities to access and disseminate information. Democracy needs enlightened and informed citizens. For that reason, Laszlo Trankovits names the dpa as an example of the necessity of quality journalism. The book’s tenor can best be described with this great opening sequence of the American series „The Newsroom“.

The invention of the Internet today is as revolutionary as the invention of the printing press six hundred years ago. Both technologies have a great deal in common. The biggest common denominator is probably the fact that book printing, like the Internet, is largely used for the reproduction of shoddy literature. Both technologies promoted the spread of pornography.

The printing press made the profession of copyist superfluous. Copyists, then primarily monks, painstakingly copied books by hand. The printing press also broke the Church’s monopoly over the dissemination of knowledge. The Church fought back and emphasized that with the printing press the border between relevant and useless knowledge became blurred.

Book printing also caused catastrophes. Martin Luther, for example, was not only able to promulgate his reformist theories, he could also spread his anti-Jewish treatises. With the advent of book printing, not only did many more people suddenly have access to education, but more people were able to publish their own opinions regardless of content. Like the Internet today, printing catapulted Jew hatred into the mainstream arena.

Martin Luther’s reformation was a book printing revolution, just as the uprisings in the Arab world a few years ago were a Facebook and Twitter revolution. Just as the printing press led to the Reformation, a split in the Christian world and a brutal Thirty Years‘ War, the Internet today is dividing the Muslim believers in the Arab world.

Today, most Muslims have access to the Internet, whether they are reformist or radical – and just as in the case of Christians, even reformist Muslims are no less hostile to Jews as are the conservatives.

For Christians, it was the reformer Martin Luther who popularized Jew hatred. A few centuries later in the 19th century, it was again a reformer who printed books against the Jews. His name was Wilhelm Marr. He was a journalist, an atheist, belonged to the extreme left wing of the radical-democratic party around 1848, and he hated Jews! In regard to so-called reformers, a good measure of skepticism is necessary!

In February 1879 Marr’s propaganda work „The Victory of the Teutonic Empire over Judaism – Viewed from a Non-confessional Point of View“ was published in Berlin. The book went through twelve editions in the same year. The printing press made that possible. In his publication, Marr clearly distances himself from the traditional religiously based antisemitism and claimed instead that the Jews are a foreign race of „parasites“ who were exploiting Germany. He clarified this paradigm shift from religion to race by using the term „antisemitism“. Marr had coined important clichés and buzzwords. In 1880 he laid the foundation for the conspiracy-theoretical equation of Judaism, capitalism and communism with his work „Golden Rats and Red Mice“, themes which were later expanded upon by Adolf Hitler in „Mein Kampf“.

Millions of copies of „Mein Kampf“ were printed thanks to the printing press. Leaflets had ensured that fascists, communists and fundamentalists were able to spread their ideas quickly and effectively among the public. But book printing also made the Enlightenment possible. The printing press has democratized the world! Just as the Scholl’s used the printing press for their anti-Nazi „White Rose“ resistance, today the Internet is the new mode of communication for political resistance.

Today, the Internet ensures that ever more people have access to information. But it also enables the decimation of widespread hatred and fake news on a large scale. The anti-Jewish treatise „The Protocols of the Elders of Zion“ once celebrated as a book, enjoys increased popularity on the Internet.

The Internet has only just begun to reform the world. Virtually everyone has access to worldwide knowledge thanks to new technologies. Anyone can publish their thoughts today, unless they live in North Korea, regardless of whether those thoughts are true or false, good or bad. The Internet presents us with completely new challenges and this is exactly what Laszlo Trankovits deals with in his book „The News Professionals“.

One thing is clear, however: the Internet is a fact that won’t simply disappear. Censorship can have no real effect! Deleting websites is only just effective as burning books. It remains merely a symbolic act, no more and no less, but still a questionable one. All we can do is fasten our seat belts, because the plane has left the ground.

Just as book printing once reformed and split Christianity, with all the bloody side effects, the Internet today will divide and reform Islam. The Islamic Reformation will be no less cruel than the earlier Christian version, perhaps even more brutal in view of all the new weapons.

We do well to be well informed in this new world.

***

Translation: William Wires

http://www.williamwires.com
http://www.facebook.com/William.Wires.Fine.Art

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Eine enorme Bereicherung

Laszlo Trankovits war über 35 Jahre Büroleiter und Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur (dpa), unter anderem in den USA, im Nahen Osten, in Italien und Afrika. Derzeit lebt er in New York und ist als Repräsentant der dpa-Geschäftsführung für die Umsetzung von dpa-Projekten in den USA verantwortlich. In seinem Buch „Die Nachrichtenprofis – Warum Qualitätsjournalismus für unsere Demokratie unverzichtbar ist“, das in der Reihe Frankfurter Allgemeine Buch erschienen ist, schreibt er:

„Unbestritten ist die enorme Bereicherung der öffentlichen Diskurse durch all die klugen Leute in allen nichtmedialen Berufen und Branchen, die bisher nur über traditionelle Medien oder Bücher Öffentlichkeit herstellen konnten. Nun sind sie aber eine gewichtige Stimme im täglichen Diskurs geworden. Gute Beispiele sind Blogs des vielseitig begabten Künstlers und Autors Gerd Buurmann, des Publizisten Roland Tichy, des Schriftstellers Gideon Böss oder die smarten Autoren von der Achse des Guten.“

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Die Deutsche Bahn tilgt die Namen großer Frauen

Im Jahr 2017 suchte die Deutsche Bahn nach Namen für ihre neusten Züge. Über 19.400 Vorschläge wurden damals eingereicht, aus denen dann eine Jury fünfundzwanzig Namen aussuchte. Die Wahl fiel unter anderem auf Hedwig Dohm, Alexander von Humboldt, Erich Kästner, Käthe Kollwitz und Anne Frank. Im Februar 2018 gab die Deutsche Bahn jedoch bekannt, ihre neuen Züge doch nicht nach historischen Persönlichkeiten zu benennen.

Damit reagierte das Unternehmen auf empörte Reaktionen, die es gegeben hatte, weil einer der Züge den Namen Anne Franks tragen sollte. Anne Frank wurde 1944 in ein Konzentrationslager verschleppt und starb im Alter von 15 Jahren im Lager Bergen-Belsen. Es war die Deutsche Reichsbahn, die das jüdische Mädchen in den sicheren Tod transportiert hatte. Ein Bahnsprecher sagt: „Wir müssen einräumen, dass wir das Thema leider falsch eingeschätzt und damit Gefühle verletzt haben“, und fügt hinzu, die Verstrickung von Reichsbahn und NS-Staat sei ein „dunkles Kapitel in der Geschichte der Eisenbahn“. Statt nach Personen sollen die Züge nun nach deutschen Regionen, Flüssen oder Bergen benannt werden.

Lediglich ein ICE 4 wird den Namen eines berühmten Persönlichkeit tragen, nämlich Martin Luther.

Ausgerechnet der Name Martin Luther bleibt. Martin Luther war ein Mann, der mit die übelsten Sachen über Juden gesagt hat. Sein Name wird von der Deutschen Bahn als einziger Name geehrt, während Anne Frank, ein jüdisches Mädchen, das Opfer des Hasses wurde, der auch von Martin Luther gepredigt wurde, entfernt wird. In der Abhandlung „Über die Jüden und ihre Lügen“ von Martin Luther steht:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

In dem „Handbuch über die Judenfrage“ schreibt Martin Luther:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich …“

Martin Luthers Hass auf Juden inspirierte die Nationalsozialisten. Beim Nürnberger Prozess erklärte Julius Streicher:

„Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir zum Beispiel ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank. In dem Buch ‚Die Juden und ihre Lügen‘ schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man soll sie vernichten.“

Dieser Martin Luther ist nun die einzige Persönlichkeit, nach der ein ICE 4 benannt ist. Anne Frank wurde entfernt!

Aber nicht nur Anne Frank wurde entfernt. Auch andere bedeutende Persönlichkeiten fielen der Tilgung zum Opfer, darunter zum Beispiel Hedwig Dohm.

Hedwig Dohm war eine der Kämpferin für die Freiheit von Frauen. Sie lebte von 1931 bis 1919 und schrieb mehrere Romane, Theaterstücke, Artikel und Glossen. Sie war eine der bekanntesten Schriftstellerinnen ihrer Zeit und überzeugte durch Klarheit und Humor. Hier auf Tapfer im Nirgendwo habe ich diese Frau schon in diversen Artikel geehrt.

„Nennt mich einen Feministen“
„Zehn Jahre femininster Stolz“
„Und das alles vor Franz Müntefering“
„An die Frauen des Arabischen Frühlings“
„Die Natur ist eine Byzantinerin“
„Eine Anregung zur Erziehungsfrage“
„Wäre ich ein glühender Patriot“

Die Erinnerung an diese Heldin für Freiheitsrechte, Demokratie und Gerechtigkeit hat die Deutschen Bahn jetzt zunichte gemacht, während Martin Luther, der in brutaler Form über Juden gehetzt hat, einen Zug hat, der unter seinem Namen fährt. Dass Hedwig Dohm aus einer jüdischer Familie kommt und somit viele ihre Nachfahren von den Nazis ermordet wurden, macht die ganze Angelegenheit nur noch unerträglicher.

Im Jahr 1919 durften Frauen in Deutschland das erste Mal wählen. Es war das Jahr, in dem Hedwig Dohm im hohen Alter starb. Ein Leben lang hatte sie für das Frauenwahlrecht gekämpft. Ihr Slogan lautete: “Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

Am 12. November 1918 erging folgender Aufruf an das Deutsche Volk vom Rat der Volksbeauftragten:

“Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“

Dieser Tag gilt als Geburtsstunde des Frauenwahlrechts. Am 30. November 1918 trat das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen daraufhin zum ersten Mal in Deutschland wählen und gewählt werden.

Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eine der größten Revolutionen, die die Menschheit je erlebt hat. Es ist eine Revolution, die es ermöglicht hat, dass die Hälfte der Bevölkerung die Grundrechte erhielt, die uns heute selbstverständlicher Teil unserer Demokratie scheinen. Die Frauen und Männer, die für dieses Recht gekämpft haben, waren Heldinnen und Helden, die nicht selten staatlicher Repression und sogar politischer Verfolgung ausgesetzt waren.

Die Aufklärung beginnt mit der Gewissheit, dass alle Menschen in ihren Rechten gleich geschaffen sind. Für diese Gewissheit kämpfte Hedwig Dohm.

Es ist daher nicht weniger als ein Skandal, dass ausgerechnet ihr Name, zusammen mit vielen anderen Namen, von den Zügen der Deutschen Bahn getilgt wurde, während Martin Luther weiter geehrt wird. Es ist sowieso schon ein Skandal, da es für die religiöse Reformation von Martin Luther in einigen Bundesländern einen eigenen Feiertag gibt, nämlich am 31. Oktober, während es bis heute in ganz Deutschland keinen einzigen Feiertag für die Revolution gibt, für die Hedwig Dohm gekämpft hat und die für die Gleichberechtigung aller Menschen gesorgt hat.

Heute schreiben wir das Jahr 2018. Vor hundert Jahren wurde in Deutschland die Demokratie eingeführt, denn erst mit der Einführung des Frauenwahlrechts kann wirklich von einer Demokratie gesprochen werden.

Hundert Jahre Frauenwahlrecht. Hundert Jahre Demokratie!

Das ist ein Grund zu feiern! Durch Deutschland müssten eigentlich Züge mit den Namen berühmter Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht rollen, die Kostüme der Suffragetten sollten Superheldinnenkostüme sein, die Mädchen wie Jungs stolz zu Karneval tragen und es müsste eigentlich einen Feiertag für die Frauenbewegung geben. Aber leider sieht es in Deutschland ganz anders aus.

Durch Deutschland rollt ein Zug, benannt nach einem religiösen Fanatiker, der Juden hasste und einige Bundesländer feiern seine Reformation auch noch und überall im Land stehen Statuen von ihm herum.

Wäre Anne Frank nicht ermordet worden, vielleicht würde sie heute noch leben. Sie wäre heute so alt wie Hedwig Dohm einst geworden ist. Was hätte sie wohl zu der ganzen Farce gesagt?

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Maischberger macht die Schreinemakers

Der 22. August 1996 ist in die Geschichte des Fernsehjournalismus eingegangen. An diesem Tag wurde die Sendung Schreinemakers Live im Moment der Sendung von den Verantwortlichen des Senders Sat.1 live abgesetzt. Am 28. Februar 2018 macht Sandra Maischbergerauf der ARDdie Schreinemakers und wird gesendet.

Schreinemakers Live war eine von Margarethe Schreinemakers moderierte Infotainment-Sendung auf Sat.1. Sie wurde zwischen 1992 und 1996 wöchentlich über mehrere Stunden im Programm des Privatsenders Sat.1 ausgestrahlt. Für die Moderation ihrer Show wurde Schreinemakers mit dem Bambi, der Goldenen Kamera und dem Goldenen Kabel ausgezeichnet. Am 22. August 1996 blendete sich Sat.1 dennoch aus der Live-Sendung aus, nachdem Schreinemakers einen Bericht über eine sie betreffende Steueraffäre senden wollte. Die Verantwortlichen von Sat.1 sahen es als journalistisch fragwürdig an, dass eine Journalistin ihre eigene Sendung als Sprachrohr nutzt, um auf Kritik an die eigene Person zu reagieren. Sat.1 entschied sich somit, aus Gründen der Befangenheit von Margarethe Schreinemakers, die Sendung abzusetzen.

Über zwanzig Jahre später macht jetzt Sandra Maischberger für die öffentlichen-rechtlichen die Schreinemakers!Bei Maischberger wird heute Nacht auf der ARD zu diesem Thema diskutiert:

„Die Schweizer Volksabstimmung über die Abschaffung des Radio- und Fernsehbeitrags könnte zum Warnschuss für ARD und ZDF werden. Wie noch nie steht vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehen im Kreuzfeuer von Kritikern: Diese sprechen von Zwangsgebühren, beklagen Geldverschwendung, bezweifeln die journalistische Neutralität oder schimpfen über zu viele Krimis. Sind 17,50 Euro Rundfunkbeitrag monatlich zu viel? Oder ist das öffentlich-rechtliche Programmangebot weltweit einmalig und jeden Cent wert: von „Panorama“ bis „In aller Freundschaft“, von „aspekte“ bis zum „Tatort“, von der „heute show“ bis zur „Sportschau“?“

Obwohl Sandra Maischberger befangen ist, weil sie von genau diesen Zwangsgebühren bezahlt wird, diskutiert sie dazu auf einem Sender, der ebenfalls befangen ist. Wäre die ARD ein Sender, der der Neutralität verpflichtet ist, würde diese von Befangenheit strotzende Sendung ebensowenig ausgestrahlt werden, wie der befangene Beitrag von Schreinemakers Live einst nicht auf Sat.1gesendet wurde.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob Schreinemakers Beitrag nun gesendet wurde oder nicht, denn jeder Sender hat selbstverständlich das Recht, selbst zu entscheiden, was gesendet wird und was nicht. Ein solcher Sender darf mich aber nicht zwingen, dafür Geld zu geben und neutral ist so ein Sender schon mal gar nicht.

Niemand ist neutral und niemand darf mir Geld wegnehmen, egal wie gut der Zweck auch sein mag. Das darf nur der Staat und dann sind es Steuern.

Wer Zwangsgebühren nimmt, kann nur sehr bedingt glaubwürdig über den Sinn und Unsinn von Zwangsgebühren reden. Ein Alkoholiker jedenfalls redet nicht weniger sachlich über Abstinenz.

***

Wenn Sie mehr zum Thema lesen möchten, hier der Artikel: „Der Zwang zum Rundfunkbeitrag muss verschwinden“

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Juden erwünscht, aber nicht gut sichtbar

„Sie haben am 08.12.2017, um 15:48 Uhr, in 1090 Wien, Boltzmanngasse 5, im Rahmen einer angemeldeten Kundgebung gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA, durch das unten beschriebene Verhalten, in besonders rücksichtsloser Weise die öffentliche Ordnung ungerechtfertigt gestört.

Sie haben im Rahmen dieser angemeldeten Kundgebung eine israelische Fahne, für die Teilnehmer der Kundgebung gut sichtbar, in äußerst provokanter Art und Weise gespannt und dadurch erheblichen Unmut und Provokationen und den anwesenden palästinensischen Protestanten (sic!) erzeugt.

Wegen dieser Verwaltungsübertretung wird über Sie folgende Strafe verhängt: Geldstrafe von 100 €, falls diese uneinbringlich ist, Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen gemäß Paragraph 81 Abs. 1 Sicherheitspolizeigesetzes BGBI.“

Dies ist eine Strafverfügung aus Wien vom 3. Jänner 2018!

Im ersten Absatz des einundachtzigsten Paragraphen des Sicherheitspolizeigesetzes steht: „Wer durch ein Verhalten, das geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, die öffentliche Ordnung stört, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit Geldstrafe bis zu 500 Euro zu bestrafen, es sei denn, das Verhalten ist gerechtfertigt, insbesondere durch die Inanspruchnahme eines verfassungsgesetzlich gewährleisteten Rechts. Anstelle einer Geldstrafe kann bei Vorliegen erschwerender Umstände eine Freiheitsstrafe bis zu einer Woche, im Wiederholungsfall bis zu zwei Wochen verhängt werden.“

Wenn die Strafverfügung Bestand hat, ist das Schwenken der israelischen Fahne in Österreich kein verfassungsgesetzlich gewährleistetes Recht mehr.

Was in Österreich geschieht, ist in Deutschland nichts neues.

In Deutschland ist das Zeigen der Fahne Israels schon mehrmals geahndet worden. Am 17. Januar 2009 zum Beispiel fand in Bochum eine Demonstration gegen Israel statt. Über 1500 Personen waren anwesend. Vier Moscheen hatte zu der Demonstration gegen Israel aufgerufen. Im Zuge dieser Demonstration wurden Parolen wie „Kindermörder Israel“, „Stoppt den Holocaust in Gaza“ und „Terrorist Israel“ skandiert. Alles schien darauf hinaus zu laufen, dass jemand eine Israel-Flagge herausholt, um sie zu verbrennen. Eine Studentin holte die Israel-Flagge heraus, verbrannte sie jedoch nicht, sondern schwenkte sie stolz als Zeichen der Solidarität mit Israel. Aufgrund dieser Aktion leitete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die Studentin ein, die eine Geldstrafe von € 300,- gegen die Studentin zur Folge hatte. Die Erklärung lautete: „Das war keine ungefährliche Situation, die Sie geschaffen haben.“

Vermutlich hatten sich Juden vor der Pogromnacht am 9. November 1938 auch in eine nicht ungefährliche Situation begeben, weil sie sich dafür entschieden hatten, sich auf deutschem Boden nieder zu lassen, um dort Gebäude mit Davidsternen zu errichten. Damals jedenfalls mussten die deutschen Juden nach der Nacht, in der jüdische Einrichtungen in Brand gesetzt wurden, für die entstanden Kosten der Feuerwehreinsätze selbst aufkommen.

So wie für Nazis eine Synagoge eine Provokation darstellt, so stellt für manche die Fahne Israels eine Provokation dar. Wenn sich Judenhasser in Deutschland durch einen Davidstern provoziert fühlen und bereit sind, ihre Aggression in Gewalt umschlagen zu lassen, sind nicht etwa die Gewalttäter Verbrecher, sondern jene Menschen, gegen die sich der Hass richtet.

Deutsche Polizei entfernt eine Israelfahne.

Im Januar 2009 stürmten deutsche Einsatzkräfte in Duisburg eine private Wohnung in Abwesenheit der Mieter, um eine Israel-Flagge aus dem Fenster zu entfernen. Vor der Wohnung hatte eine aufgeputschte Meute in alter Tradition deutscher Pogrome damit begonnen, Steine auf das Fenster mit dem Davidstern zu werfen. Die Polizei sorgte jedoch nicht dafür, dass der Mob mit seiner Gewalt aufhört, sondern stürmte stattdessen die Wohnung und machte somit die Mieter der Wohnung zu Opfern der Judenhassern. Die deutsche Polizei kapitulierte vor dem Terror der Sturmtruppen auf der Strasse.

Auch im deutschen Fußball ist die Fahne Israels nicht immer gern gesehen. Almog Cohen ist ein israelischer Fußballspieler und stand beim FC Ingolstadt 04 unter Vertrag. Am 26. April 2015 trennten sich im Stadion an der Alten Försterei die Union Berlin und der FC Ingolstadt mit einem 2:2. Almog Cohen saß das ganze Spiel über auf der Bank und twitterte kurz nach Abpfiff auf hebräisch: „Heute wurde beim Spiel eine Israel-Fahne entfernt. Eine Fahne, die deutsche Fans mitgebracht haben, wurde von einem Ordner entfernt. ‚Keine Juden-Fahnen‘, sagte er.“

Der stellvertretende Polizeisprecher Berlins, Thomas Neuendorf, erklärte daraufhin: „Das Einsammeln der Israel-Flagge war eine Entscheidung des Polizeiführers.“

An selben Wochenende wie das Spiel fand in Berlin auch eine große palästinensische Konferenz in der „Arena“ in Treptow statt. Aufgrund dieses Konferenz bat sich die Polizei ein besonnenes Verhalten aus und dazu gehörte wohl auch, nicht mit jüdischen Symbolen zu provozieren. Die Organisatoren der Konferenz, die nicht provoziert werden sollten, waren die Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland (PGD) und das Palestine Return Center (PRC). Beide unterhalten laut Verfassungsschutz Verbindungen zur Hamas. Die Hamas fordert in ihrer Gründungscharta den Tod aller Juden (Artikel 7) und die Vernichtung Israels (Artikel 13). Mit solchen Leuten sollte man wahrlich sehr besonnen umgehen und sie nicht auch mit Symbolen lebender Juden provozieren.

Wann wer wo einen Judenstern trägt, das entscheidet in Deutschland immer noch die Polizei!

Bei einer Demonstration vor dem Berliner Hauptbahnhof am 27. März 2011, auf der zu einem Boykott gegen Israel aufgerufen wurde, entfernte die Polizei eine Israelfahne und nahm zwei Menschen in Gewahrsam, weil sie sich weigerten, Ihre friedliche Solidaritätsbekundung mit Israel zu unterlassen. Ein paar Jahre später wurden bei Protesten vor dem Brandenburger Tor in Berlin israelische Flaggen verbrannt. Bei dieser Demonstration waren 1.200 Menschen anwesend. Zahlreiche Flaggen der Palästinensischen Autonomiebehörde wurden bei dieser Demonstration „gut sichtbar“ und „äußerst provokativ“ geschwenkt. Evelyn Hecht-Galinski erklärte später, das Verbrennen der Fahne Israels sei „ein legales Recht“, für das man sich nicht schämen brauche.

Nicht nur Israelfahnen stellen in Deutschland eine Provokation dar, auch Synagogen können für Unmut sorgen. Im Sommer 2014 verübten drei junge Männer einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal. Das Gericht sprach jedoch ein mildes Urteil über die Attentäter, da es „keine Anhaltspunkte für eine antisemitische Tat“ erkennen konnte. Das Gericht folgte der Logik der Attentäter, die erklärt hatten, sie hätten mit dem Anschlag Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken wollen.

Ein Anschlag auf deutsche Synagogen gilt als „Israelkritik“.

Würde ein Anschlag auf eine Moschee als überzogene Kritik am Iran oder ein Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim als überzogene Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik bezeichnet werden, es gäbe gewiss einen Aufschrei in Deutschland, aber wenn es um Juden und Israel geht, gelten andere Regeln. Wenn in Deutschland ein Anschlag auf eine jüdische Einrichtung verübt wird, weil jemandem die Politik Israels nicht gefällt, dann ist das kein Judenhass, sondern Israelkritik, die etwas zu weit gegangen ist.

Es gelten in Deutschland zwei Faustregeln.

1. Hass auf Israel ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

2. Solidarität mit Israel ist nicht immer durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Diese deutsche Auffassung gilt jetzt auch in Österreich. Dort ist es nämlich neuerdings eine strafbare Verwaltungsübertretung die Israel-Fahne „gut sichtbar“ zu zeigen, wenn sich Leute dadurch provoziert fühlen.

Wer sich von der Fahne Israels provoziert fühlt, hat ein Problem mit der puren Existenz des Landes, das stolz ein jüdisches Symbol auf seiner Flagge trägt. So ein Mensch hasst. Jede Nation, die solchen hassenden Menschen auch nur einen Flecken öffentlichen Raum einräumt, wo sie ihrem Hass so sehr frönen dürfen, dass es den Menschen, die von Ihnen gehasst werden, unter Strafandrohung untersagt wird, stolz zu sein auf das, was die Hasser so sehr verabscheuen und die Gehassten sogar dazu gezwungen werden, ihren Stolz nicht zu zeigen, kapituliert vor dem rasenden Mob der hassenden Sturmtruppen.

Was ist, wenn sich Rassisten bei einer Demonstration durch Menschen mit gut sichtbarer dunkler Hautfarbe provoziert fühlen? Werden die Menschen mit der äußerst provokanten Hautfarbe dann abgeführt? Was ist mit einem Mann, der eine Kippa auf dem Kopf trägt und dabei erheblichen Unmut bei Judenhassern auslöst? Muss die Polizei dem Mann dann die Kippa zur Wahrung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit vom Kopf reißen? Was ist mit Frauen, die ihr Aussehen in äußerst provokanter und rücksichtsloser Art und Weise zur Schau stellen? Wäre es nicht besser, diese Frauen unter einem Ganzkörperschleier zu verstecken? Es ist schließlich keine ungefährliche Situation, die sie schaffen, wenn Sie unverhüllt das Haus verlassen.

Sexisten fühlen sich durch Frauen provoziert. Frauen sind aber nicht das Problem, sondern die Sexisten. Schwarze erzeugen bei Rassisten erheblichen Unmut. Schwarze sind aber nicht das Problem, sondern die Rassisten. Judenhasser hassen Juden. Juden sind aber nicht das Problem, sondern die Judenhasser.

Wer Israel hasst, kann den Anblick der Israelfahne nicht ertragen. Man sollte jetzt meinen, die Israelhasser seien das Problem, aber für Österreich ist jetzt Israel das Problem. Der Anschluss mit Deutschland in Sachen Israelkritik ist somit vollzogen.

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Die Essener Tafel ist ein Ort des Bürgerkriegs

„Mir läuft es eiskalt den Rücken runter. Essen nur für Deutsche. Migranten ausgeschlossen.“

Dies schrieb Sawsan Chebli via Twitter über die Essener Tafel. Sawsan Chebli ist seit Dezember 2016 Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Die Unterstützung bürgerschaftliches Engagements ist somit ihre Kernaufgabe.

Die Essener Tafel ist eine gemeinnützige Hilfsorganisationen, die Lebensmittel, welche im Wirtschaftskreislauf nicht mehr verwendet und ansonsten vernichtet werden würden, an Bedürftige verteilt. Die Tafel ist somit ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Wenn ausgerechnet die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement die Essener Tafel öffentlich kritisiert, müssen die engagierten Bürgerinnen und Bürger dieser Tafel etwas schlimmes verbrochen haben. Sawsan Chebli kritisiert, dass die Essener Tafel nur Essen für Deutsche ausgibt und Migranten ausschließt. Das stimmt jedoch nicht! Das Gegenteil ist der Fall.

Die Essener Tafel wird mehrheitlich von Migranten frequentiert. Über zwei Drittel aller Menschen, die von der Essener Tafel Unterstützung erhalten, sind Migranten. Wie also kommt Sawsan Chebli dazu, diese Lüge über die Essener Tafel zu verbreiten? Ende Februar 2018 gab die Essener Tafel bekannt:

„Da Aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahre, der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75% angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur neue Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen.“

Begründet wurde die Entscheidung damit, immer mehr junge Flüchtlinge hätten eine überdurchschnittlich hohe Aggressivität an den Tag gelegt, was dazu geführt hätte, dass immer mehr Bedürftige mit deutschem Pass der Essener Tafel fern geblieben sind. Ein Verantwortlicher erklärte:

„Wir wollten erreichen, dass der Weg in die Tafel für alle wieder offen ist. Die deutsche Oma oder die alleinerziehende deutsche Mutter haben sich bei uns zuletzt nicht mehr wohlgefühlt. Der Aufnahmestopp ist nur eine vorübergehende Maßnahme und geht wahrscheinlich nicht über den Sommer hinaus.“

Die Essener Tafel hat somit lediglich eine vorübergehende Quote für Bedürftige mit deutschem Pass eingeführt. Das heißt, Migranten werden ausdrücklich nicht ausgeschlossen, denn auch Migranten können im Besitz eines deutschen Passes und somit deutsche Staatsbürger sein. Es handelt sich somit nachweislich nicht um eine rassistische Entscheidung. Es ist eine geradezu böswillige Unterstellung, ausgerechnet einer Organisation, die überwiegend Migranten hilft, Rassismus vorzuwerfen.

Man kann zu einer Quotenregelung stehen wie mal will, ich persönlich bin kein besonderer Freund davon, aber in Deutschland gilt sie als probates Mittel zur Herstellung einer gerechten Verteilung. Die SPD zum Beispiel beschloss im Jahr 1988 eine Frauenquote für Ämter und Mandate und erklärte im Jahr 1998, diese Quote müsse vierzig Prozent entsprechen.

Sawsan Chebli gehört genau dieser Partei an. Sie weiß, dass die SPD die Frauenquote deshalb unterstützt, weil sie auf der männlichen Seite der Gesellschaft besonders viel Aggressivität auszumachen glaubt und fest davon überzeugt ist, dass diese Aggressivität zu einer Benachteiligung von Frauen führt und deshalb mit einer Quote bekämpft gehört. Nichts anderes steht hinter der Entscheidung der Essener Tafel.

Sawsan Chebli hat eine falsche Nachricht über die Essener Tafel verbreitet.

Die von Sawsan Chebli verbreitete Fake News spaltet die Gesellschaft nicht nur, sie hat sogar zu einem Anschlag gegen die Essener Tafel geführt. In der Nacht zum 25. Februar 2018 griffen Unbekannte die Essener Tafel an. Sie sprühten „Nazis“ und „Fuck Nazis“ an die Türen und Fahrzeuge der Essener Tafel.

Das muss man sich mal klar machen. Engagierte Männer und Frauen nutzen ihre freie Zeit, um ehrenamtlich überwiegend Migranten zu helfen und werden von der Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement verleumdet und müssen sogar erleben, wie sie angegriffen und als „Nazis“ beleidigt werden. Wenn das kein Grund dafür ist, dass Sawsan Chebli ihren Platz augenblicklich räumen muss, dann weiß ich nicht, was noch passieren soll.

In Deutschland gibt es zwei große Pfeiler, auf die sich der Sozialstaat stützt. Es gibt die staatliche Sozialhilfe und die private Wohltätigkeit. Mit der staatlichen Sozialhilfe wird ein großer Teil der sozialen Verantwortung an den Staat delegiert. Der Staat erhält das Recht, mit all seinen zur Verfügung stehenden Mitteln der Gewalt Geld von den Bürgerinnen und Bürgern zu erzwingen, um damit dann der Gemeinschaft zu dienen. Die private Wohltätigkeit wiederum basiert auf der freien Entscheidung der Bürgerinnen und Bürgern, mit den Mittel ihrer Wahl Menschen zu helfen.

Im Jahr 2017 nahm der Deutsche Staat 38,4 Milliarden Euro mehr ein. Wie ist es möglich, dass ein Sozialstaat mit 38,4 Milliarden Euro Überschuss nicht dafür sorgen kann, dass seine Bürgerinnen und Bürger nicht von einer Tafel abhängig sind? Wie ist es möglich, dass Deutschland zwar 38,4 Milliarden Euro Überschuss eingenommen hat, aber nicht in der Lage ist, die Flüchtlinge und Migranten so zu versorgen, dass sie nicht zu einer Tafel gehen müssen?

Bei der Essener Tafel arbeiteten Männer und Frauen ehrenamtlich und kämpfen gegen die Probleme an, die die deutsche Politik zu verantworten hat. Wenn diese engagierten Menschen nun ausgerechnet von deutschen Politikerinnen und Politiker kritisiert werden und zwar in einer derart verleumderischen Form, dass eine Stimmung entsteht, in der sie angegriffen werden, weil sie zu „Nazis“ erklärt werden, dann ist das Maß der Unerträglichkeit erreicht. Dann läuft es mir eiskalt den Rücken runter.

Karl Lauterbach (SPD) schreibt:

„Schade, Ausländerhass sogar bei den Ärmsten angekommen.“

Wie kann man nur so kalt, herzlos und bar jeglicher Empathie über die Ärmsten der Armen sprechen? Die Menschen, die der Essener Tafel fern bleiben, hassen Ausländer nicht! Sie ertragen es lediglich nicht mehr, dass sie kämpfen müssen, um von dem Staat, in dem sie leben und für den sie gearbeitet haben, wenigstens minimalste Hilfe zu bekommen. Diese Menschen kämpfen jeden Tag um den Erhalt ihrer Würde, weil der Staat nicht mehr in der Lage ist, ihnen Artikel 1 des Grundgesetzes zu garantieren. Diese vom Staat im Stich gelassenen Menschen haben niemals damit gerechnet, dass sie in ihrem Elend nun auch noch die Flüchtlingskrise bewältigen müssen.

Die Essener Tafel wurde nicht gegründet, um die Flüchtlingssituation zu meistern. Dennoch öffnete die Tafel wie selbstverständlich ihre Tore. Bis heute hilft sie bei der schwierigen Aufgabe zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. Mittlerweile sind sogar über zwei Drittel aller Menschen, denen dort geholfen wird, Flüchtlinge und Migranten. Dabei war die Essener Tafel nicht als Organisation der Flüchtlingshilfe gegründet worden. Was aber machen deutsche Politiker und Politikerinnen wie Chebli und Lauterbach? Sie fallen den Helferinnen und Helfern und den hilfsbedürftigen Menschen in den Rücken.

Die Essener Tafel ist ein Ort des Bürgerkriegs geworden. Heute kämpfen dort Deutsche, Migranten und Flüchtlinge um ihre Würde. Letztere haben in Kriegs- und Krisengebieten brutale Gewalt als Mittel zum Zweck täglich erleben müssen. Nun kämpfen sie an der Front der Essener Tafel. Chebli und Lauterbach rührt das aber nicht. Sie verurteilen stattdessen die Ärmsten der Armen, die nicht mehr zur Tafel gehen, weil sie in all ihrem Elend nicht in der Lage sind, mit ihren Ellenbogen gegen den Verdrängungswettbewerb anzugehen. Wie zynisch kann man eigentlich noch werden?

Chebli und Lauterbach leben in einem Wolkenkuckucksheim. Sie tragen weiße Hermeline, lustwandeln tagsüber in ihren ökologisch artgerechten Gärten und philosophieren abends bei Biowein und lokalem Walnussbrot darüber, was es bedeutet, ein gutes und gerechtes Leben zu führen. Sie schlürfen Austern und erklären, es gäbe keine Obergrenze des Machbaren. Wehe aber, es gibt Menschen, die sich weigern, die Zwangsarbeit ihres guten Gewissens zu leisten. Dann werden sie ungemütlich.

Den Preis für die Träumereien der Satten zahlen stets die Elenden.

Alles hat eine Obergrenze! Keine Organisation hat unendlich viel Kapazität und grenzenlose Möglichkeiten. Die Obergrenze liegt immer dort, wo man nicht mehr in der Lage ist, Hilfe zu gewährleisten. Für die Essener Tafel, die niemals angetreten ist, die Flüchtlingskrise zu meistern, ist die Obergrenze erreicht.

Wir reden hier teilweise von Flüchtlingen, die aus Kriegsgebieten kommen. Dort wurden sie traumatisiert und brutalisiert. Diesen Menschen kann die Essener Tafel überhaupt nicht helfen. Sie ist dafür gar nicht ausgebildet. Dazu braucht es hochspezialisierte Expertinnen und Experten. Warum wird es überhaupt zugelassen, dass durch Krieg und Zerstörung traumatisierte und brutalisierte Menschen mit den sozialen schwächsten Deutschen nicht nur konfrontiert, sondern in direkte Konkurrenz gesetzt werden? Wird Deutschland nur noch von zynischen, selbstverliebten und empathielosen Wolkenkuckucksprinzesinnen regiert?

Warum regt sich kein lautstarker Protest gegen all die Politikerinnen und Politiker, die die Frechheit besitzen, ausgerechnet die selbstlosen und hilfsbereiten Menschen zu verleumden, die ihre freie Zeit opfern, um anderen Menschen zu helfen? Diese engagierten Bürgerinnen und Bürger haben lediglich erklärt, dass die Obergrenze ihrer Fähigkeit zu helfen, erreicht ist. Das ist kein Verbrechen!

Außerdem ist es die verfehlte Politik, die überhaupt erst dazu geführt hat, dass die hilfsbereiten Menschen der Essener Tafel brutal an ihre Grenzen gestoßen sind. Sawsan Chebli und Karl Lauterbach verdammen engagierte Bürgerinnen und Bürger, weil sie an ihre Grenzen stoßen. Für diese Kaltschnäuzigkeit gehören beide entlassen!

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Münchner Sicherheitskonferenz – „Israel droht mit Selbstverteidigung“

Die Reaktionen einiger Medien auf die Rede Benjamin Netanjahus auf der Münchner Sicherheitskonferenz sind empörend. „Netanjahu hält brachiale Rede“, behauptet n-tv und fügt hinzu: „Derart aggressive Reden sind auf der auf Dialog gepolten Sicherheitskonferenz selten.“ Der Bayrische Rundfunk titelt: „Netanjahu zieht über Iran her“. Die Tagesschau berichtet: „Netanyahu attackiert Iran – Scharfe Worte und eine angebliche Drohne“. Der Stern titelt: „Netanjahu nutzt Münchner Sicherheitskonferenz für scharfe Drohung gegen den Iran“. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Israel droht Iran mit Angriff“

Die Reaktionen dieser Journalisten lassen sich auf jene Formel bringen, mit der der Focus einst im Jahr 2006 zeigte, zu welchen Stilblüten ein Mensch fähig ist, wenn er fest davon überzeugt ist, dass Israel in jedem Konflikt stets die allein aktive und vor allem aggressive Seite ist, die unter allen Umständen kritisiert gehört, weil für ihn schon die pure Existenz des Staates Israel und die Tatsache, dass Juden selbstbestimmt leben, eine Drohung ist. Der Focus titele damals: „Israel droht mit Selbstverteidigung“

Am 18. Februar 2018 hielt Benjamin Netanjahu eine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz, in der er plastisch zeigte, welcher Bedrohung sich Israel ausgesetzt sieht. Er nannte die Lügen und Gerüchte gegen Juden, die täglich vom Iran in deutlicher und brutalen Art ausgestoßen werden, Lügen und Gerüchte. Er warnte vor einer Verharmlosung des iranischen Regimes, das keinen Hehl daraus macht, gewisse Völkergruppen vernichten zu wollen. Er sprach sich für das iranische Volk, das in Frieden, Sicherheit und Freiheit leben möchte und gegen das iranische Regime, das das eigene Volk in Ketten hält, aus. Er reichte allen arabischen Nachbarn, die mit Israel zusammenleben wollen, die Hand zum Frieden und bot Unterstützung im Kampf gegen die Unterdrücker der Freiheit an.

Die Rede war ein Friedensangebot. Sie anders zu verstehen, benötigt Vorsatz.

Netanjahu bat die anwesenden Staatsvertreterinnen und Vertreter um Hilfe bei seiner Mission für den Frieden und betonte, dass gerade er, als Vertreter des jüdischen Volkes, weiß, was es bedeutet, wenn jemand erklärt, Juden zu hassen und was passiert, wenn dieser Jemand nicht ernst genommen wird und die Weltgemeinschaft stattdessen versucht, diesen Jemand zu beschwichtigen.

Wer diese Rede als aggressiv und brachial bezeichnet, muss auch einen Wecker, der dafür sorgt, dass man aus seinen süßen Träumen erwacht, aber dafür einen wichtigen Termin nicht verpasst, als aggressiv und brachial bezeichnen. Er muss auch eine Sirene als aggressiv und brachial bezeichnen, die den schönen und ruhigen Tag unterbricht, aber dafür sorgt, dass man sich vor der kommenden Rakete in Sicherheit bringen kann. Aggressiv und brachial ist die Rede nur für jene Träumer, die nicht aufwachen wollen und denen die kommende Rakete egal ist. Für alle anderen Menschen trifft der Wecker wie die Sirene genau den richtigen Ton.

Tapfer im Nirgendwo präsentiert daher die Rede Benjamin Netanjahus in deutscher Übersetzung. Wer die Rede liest, wird entsetzt sein über die Reaktion mancher Leute, die diese Rede als aggressiv bezeichnen. Er wird mache Überschriften und Berichterstattungen zu dieser Rede vermutlich und berechtigterweise als Fake News empfinden. Die Rede ist nämlich keine Attacke. Sie ist eine Bitte um Unterstützung und in Anbetracht der Umstände, in denen sich Israel befindet, erstaunlich ruhig vorgetragen. Israel befindet sich seit siebzig Jahren in einem Krieg, in dem die Feinde offen und mit deutlichen Worten und Taten die totale Vernichtung des jüdischen Volkes fordern. Die Kinder in Israel werden allesamt im Krieg groß. Die Grenzen Israels werden ständig missachtet. Allein in den letzten acht Jahren gingen über achttausend Raketen- und Granatenangriffe auf Israel nieder.

Ausgerechnet die Worte des israelischen Premierministers, der über diese aggressiven Attacken und brachialen Gewalttaten gegen sein Volk berichtet und seine Wehrhaftigkeit betont, werden als brachiale und aggressive Attacken bezeichnet. Es ist kaum perverser denkbar.

Lesen Sie daher die Rede, aber vergessen Sie dabei nicht die Reaktionen und Kommentare. Ich muss Ihnen allerdings raten, atmen sie immer mal wieder tief und ruhig durch, wenn Ihnen beim Lesen der Rede die Schlagzeilen deutscher Medien durch den Kopf gehen, denn sonst werden sie selbst aggressiv und brachial.

***

München ist eine wunderschöne Stadt. Sie ist voll von beeindruckenden Monumenten, reich ausgestatteten Museen und schöner Architektur. Aufgrund dieser Konferenz ist München in den vergangenen vier Jahrzehnten ein Synonym für Sicherheit geworden. Sicherheit ist wichtig, denn ohne Sicherheit ist nichts wirklich möglich, keine Freiheit, kein Wohlstand und kein Frieden, den wir schätzen und nach dem wird uns sehnen.

Für das jüdische Volk gab es in dieser Stadt jedoch zwei berüchtigte Ereignisse. Im Jahr 1972 wurden elf unserer Olympioniken am Münchner Flughafen massakriert. In vielerlei Hinsicht läutete dieser Akt der Barbarei den Aufstieg des internationalen Terrorismus ein. Seitdem kämpfen wir alle miteinander dagegen.

Vor achtzig Jahren fand hier ebenfalls eine weitere Veranstaltung statt. Sie hatte weitreichende Konsequenzen. Hier in München wurde damals ein katastrophales Abkommen unterzeichnet, das die Welt den grausamsten Krieg der Geschichte einbrachte. Zwei Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg, zwei Jahrzehnte nach einem Krieg, der sechzig Millionen Menschenleben forderte, entschieden sich die Staatsoberhäupter, die sich in München trafen, dafür, Hitlers Regime zu beschwichtigen, anstatt es zu konfrontieren. Diese Staatsoberhäupter waren edle Männer. Sie dachten, in Erfüllung ihrer höchsten Verantwortung zu handeln, nämlich den Frieden zu bewahren. Der Preis ihrer Handlungen sollte sich aber bald zeigen.

Die Zugeständnisse an Hitler ermutigten das Naziregime nicht nur, sie erleichterten ihm sogar die Eroberung Europas. Anstatt einen Weg einzuschlagen, der den Krieg hätte verhindern können oder zumindest in seinem Umfang und seiner Größe eingeschränkt hätte, machten diese wohlmeinenden Staatsoberhäupter einen größeren und kostspieligeren Krieg unvermeidlich. Als der Krieg zu Ende war, fragte Roosevelt Churchill, wie er diesen Krieg nennen würde? Er antwortete sofort und ohne zu zögern: Der Unnötige Krieg. Er sagte, es habe nie einen Krieg gegeben, der leichter zu verhindern gewesen wäre.

Nach dem Münchner Abkommen sollten sechzig Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg sterben, darunter ein Drittel meines Volkes, sechs Millionen Juden. Sie wurden von den Nazis und ihren Kollaborateuren im Holocaust ermordet. Wir werden niemals vergessen und wir werden niemals zulassen, dass die historischen Wahrheiten umgeschrieben werden.

Wir werden nicht vergessen.
Wir werden nicht vergeben.
Wir werden immer für die Wahrheit kämpfen.

Heute treffen wir uns hier zweieinhalb Jahre nach der Unterzeichnung eines anderen Abkommens, das in einer anderen Stadt im Herzen Europas unterzeichnet wurde. Auch dort haben edle Männer und Frauen, hochgesinnte Staatsoberhäupter, die hoffen, einen Krieg zu vermeiden, ein Abkommen mit einem Regime unterzeichnet, das sein eigenes Volk brutal unterdrückt und seine Nachbarn terrorisiert.

Verstehen Sie mich recht, der Iran ist nicht Nazi-Deutschland. Es gibt viele Unterschiede zwischen den beiden Regimen. Das eine Regime glaubte an eine Herrenrasse, das andere Regime glaubt an eine Herrenreligion. Juden im Iran werden nicht in Gaskammern geschickt. Sehr wohl aber werden dort religiösen und ethnischen Minderheiten grundlegende Freiheiten verweigert. Es gibt zudem viele weitere offensichtliche Unterschiede. Aber es gibt auch einige auffallende Ähnlichkeiten. Der Iran erklärt offen seine Absicht, Israel mit seinen sechs Millionen Juden vernichten zu wollen. Es macht daraus absolut keinen Hehl. Der Iran will unsere Region, den Nahen Osten, dominieren und versucht, die Welt durch Aggression und Terror zu beherrschen. Der Iran entwickelt ballistische Raketen, die bis nach Europa und in die Vereinigten Staaten gelangen können.

Henry Kissinger sagte einst, der Iran müssen sich entscheiden, ein Land oder ein Verursacher sein zu wollen. Das Regime im Iran hat sich entschieden, ein Verursacher zu sein. Der Kommandeur der Revolutionsgarde, Ali Jafari, sagte, sie seien weltweit auf dem Weg zur Herrschaft des Islam. Weltweit bedeutet: Auch hier.

Dies ist meines Erachtens die größte Bedrohung für unsere Welt, nicht nur für Israel, nicht nur für unsere arabischen Nachbarn, nicht nur für Muslime weit und breit, sondern auch für Sie. Denn ist die iranische Aggression erst mit Atomwaffen bewaffnet, wird sie unkontrollierbar sein und die ganze Welt umfassen. Schauen Sie doch noch, was der Iran jetzt schon tut, bevor das Regime Atomwaffen hat. Stellen Sie sich mal vor, was sie später tun werden, wenn sie, da sei G’tt vor, einst Atomwaffen haben.

Genau wie vor achtzig Jahren hat ein Abkommen, das als Beschwichtigung (Appeasement) angesehen wurde, das Regime nur noch in seinen Absichten ermutigt und den Krieg näher gebracht. Mit dem Atomabkommen hat der Countdown für ein iranisches Atomwaffenarsenal in etwas mehr als zehn Jahren begonnen. Die Aufhebung der Sanktionen, die durch das Abkommen vorgenommen wurden, hat den Iran nicht gemäßigt. Der Iran wurde weder in seiner Innenpolitik nich in seiner Außenpolitik gemäßigter. Stattdessen wurde ein gefährlicher iranischer Tiger in unserer Region und darüber hinaus entfesselt.

Durch ihre Stellvertreter, durch schiitische Milizen im Irak, durch Huthis im Jemen, durch die Hisbollah im Libanon und die Hamas in Gaza, verschlingt der Iran große Teile des Nahen Ostens. Es gibt allerdings eine positive Konsequenz der wachsenden Aggression des Irans in der Region. Sie bringt Araber und Israelis näher zusammen als je zuvor. Paradoxerweise könnte diese Aggression des Irans den Weg für einem umfassenden Frieden ebnen, sogar für einen palästinensisch-israelischen Frieden. Das könnte durchaus passieren.

Es wird aber nicht passieren, wenn die iranische Aggression weiter wächst, und nirgends werden die kriegerischen Absichten des Iran deutlicher sichtbar als in Syrien. Dort hofft der Iran, ein umspannendes Reich zu schaffen, das Teheran mit Tartus und das Kaspische mit dem Mittelmeer verbindet. Seit geraumer Zeit schon warne ich vor dieser Entwicklung. Ich habe in Wort und Tat klargemacht, dass Israel rote Linien hat und bereit ist, sie durchzusetzen. Israel wird weiterhin verhindern, dass der Iran eine ständige Militärpräsenz in Syrien aufbauen kann. Israel wird weiterhin den Iran daran hindern, eine weitere Terrorbasis zu errichten, um Israel zu bedrohen.

Der Iran versucht jedoch weiterhin, diese roten Linien zu überschreiten. Letzte Woche erreichte die Unverschämtheit buchstäblich neue Höhen. Der Iran schickte eine Drohne auf israelisches Territorium und verletzte so Israels Souveränität und bedrohte unsere Sicherheit. Wir zerstörten diese Drohne, sowie das Kontrollzentrum, das die Drohne von Syrien aus steuerte. Als unsere Stellungen beschossen wurden, zerstörte Israel die syrischen Flugabwehrbatterien. Israel wird dem iranischen Regime niemals erlauben, eine Schlinge des Terrors um unseren Hals zu legen. Wir werden ohne Zögern handeln, um uns zu verteidigen. Und wir werden, wenn es nötig ist, nicht nur gegen Irans Stellvertreter handeln, wenn sie uns angreifen, sondern auch gegen den Iran selbst.

Später am heutigen Tag werden Sie auch eine Rede von Herrn Sarif hören. Er ist das Sprachrohr des iranischen Regimes. Ich muss Herrn Sarif für eine Sache Anerkennung zollen. Er lügt wortgewandt. Letztes Jahr sagte er auf dieser Konferenz, ich zitiere: „Extremismus wird von Hoffnungslosigkeit und Mangel an Respekt vorangetrieben.“

Nun, wenn das wahr ist, warum verweigert dann das iranische Regime seinen eigenen Menschen Hoffnung und Respekt, indem es Journalisten und Aktivisten inhaftiert? Sarif sagte, es sei falsch, den Iran als radikal zu bezeichnen. Wenn das stimmt, wie nennt man ein Regime, das Schwule an öffentliche Kräne erhängt? Sarif sagte, dass es für die Konflikte in Syrien und im Jemen keine militärische Lösung gäbe. Wenn das wahr ist, warum schickt der Iran dann Kämpfer und Waffen, um genau an diesen Orten die Gewalt anzuheizen?

Ohne Zweifel wird Herr Sarif ohne Scham Irans ruchloses Engagement in Syrien bestreiten. Der Iran bestreitet schließlich auch, dass er letzte Woche einen Akt der Aggression gegen Israel begangen hat und eine Drohne in unseren Luftraum geschickt hat, um unser Volk zu bedrohen. Nun, hier ist ein Stück dieser iranischen Drohne, oder besser, was davon übrig geblieben ist, nachdem wir es abgeschossen haben. Ich habe es hierher gebracht, damit Sie es selber sehen können.

Herr Sarif, erkennen Sie das? Sie sollten es. Es gehört Ihnen. Sie können heute eine Botschaft an die Tyrannen von Teheran mitnehmen: Testen Sie niemals Israels Entschlossenheit!

Ich habe eine weitere Botschaft für alle, die heute hier sind: Ich möchte, dass Sie das iranische Volk unterstützen. Ich möchte, dass Sie jene Menschen in der Region unterstützen, die Frieden wollen, indem Sie sich gegen das iranische Regime stellen, das den Frieden bedroht.

Ich habe mit Videobotschaften zu den Menschen im Iran gesprochen. Die Reaktionen sind erstaunlich. Ich habe das schon vor den jüngsten Demonstrationen gesehen. Ich habe unsere Geheimdienstleute gebeten, mir zu erklären, wie es sein kann, dass wir aus dem Iran offene Zustimmung von Menschen bekommen, die das unterstützen, was ich sage, obwohl sie damit ihr Leben und ihre Familien in Gefahr bringen. Ich sagte, da passiert gerade was.

Die Menschen dort wollen Freiheit. Sie wollen ein anderes Leben. Sie wollen wirtschaftlichen Wohlstand. Sie wollen Frieden. Sie wollen diese weit verbreitete iranische Aggression nicht.

Ich habe diesen Menschen erklärt, dass wir keine Auseinandersetzung mit dem iranischen Volk haben, sondern nur mit dem Regime, das sie quält. Ich nutze daher die Gelegenheit hier, um den Familien der sechsundsechzig iranischen Zivilisten, die heute bei dem Flugzeugunfall ihr Leben verloren haben, unser Beileid auszusprechen. Wir haben keinen Streit mit dem iranischen Volk, aber wir sind absolut entschlossen, die Aggression des iranischen Regimes aufzuhalten und zurückzudrängen.

Lassen Sie uns heute, meine Damen und Herren, hier in München das Versprechen abgeben, dass wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Appeasement funktioniert nie. Die Stunde, den Krieg zu verhindern, kommt spät, aber es ist noch nicht zu spät. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Regime eines Tages stürzen wird. Wenn es soweit ist, wird der große Frieden zwischen dem alten jüdischen Volk und dem alten persischen Volk wieder aufblühen. Wenn das geschieht, werden die Menschen im Iran und die Menschen in der Region frei atmen.

Heute aber müssen wir klar sprechen und kühn handeln. Wir können dieses gefährliche Regime aufhalten. Wir können seine Aggression zurückdrängen und dadurch eine friedlichere, wohlhabendere und sicherere Welt für unsere Region und für unsere Zukunft schaffen.

***

Das war die Rede von Benjamin Netanjahu. Zum Schluss noch eine ganz besondere Reaktion auf diese Rede von Heike Hänsel. Sie ist Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion:

„Kriegstreiber Netanyahu droht #Iran mit direktem Krieg auf #MSC2018 !! Er vergleicht Münchner Abkommen von 1938 mit Atomabkommen mit #Iran , die Nazis wollten eine “Herrenrasse” und der Iran eine “Herrenreligion” Er zeigt Teil einer abgeschossenen iran. Drohne! Nein zu Kriegs-PR!“

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