Der Angriff des Meldemobs

Es gibt ein grundlegendes Problem bei den sogenannten „sozialen“ Medien. Dort werden Einträge gelöscht, wenn sie von vielen Menschen gemeldet werden. Diese Methode hat jedoch einen großen Fehler.

Wo sich der Mensch einer kollektiven Ideologie unterwirft, wo das Individuum in einem Mob verschmilzt und sich in der Legion der Vielen auflöst, wird es gefährlich.

Es ist nahezu unmöglich, mit einem Menschen zu reden, der von einer Ideologie besessen ist. Die Dynamik des Mobs kann sehr gefährlich werden, vor allem, wenn der Mob in der Gewissheit der moralischen Überlegenheit daherkommt. Dabei ist es irrelevant, was das Ziel des heiligen Zorns ist; die Methode des Mobs ist immer verabscheuungswürdig.

Nichts rechtfertigt eine Schreckensherrschaft der Tugend. Wenn sich Menschen, die sonst wenig gemeinsam haben, in der gemeinsamen Herabwürdigung einer anderen Person vereinen, wenn Hass identitätsstiftend wird, dann wird es gefährlich.

Der Mob lässt andere Meinungen nicht zu und erklärt stattdessen, Worte seien Gewalt, nur um so dann tatsächliche physische Gewalt gegen den Redner rechtfertigen zu können. Der Mob erklärt jeden Abweichler und jeden Kritiker zu einer Gefahr, gegen die auch Gewalt angewendet werden darf. Es ist schließlich Notwehr.

„Wehret den Anfängen“ brüllen diese selbstgerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus ihrer eigenen Angst heraus konstruieren. Aus Angst nimmt der Mob andere Menschen als Geisel einer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht. Bei der Verleihung des Böll-Preises sagte Herta Müller einst:

„Wenn Hassparolen spazieren gehen, dann geht auch irgendwann ein Messer spazieren.“

Wer mit diesem Satz Meinungen verbieten möchte, muss auch für ein Verbot des Korans plädieren, denn unzählige Terroristen sind mit den Parolen des Korans spazieren gegangen, bevor sie zum Messer griffen. Das Messer in der Hose eines Menschen verschwindet aber nicht, wenn ihm der Mund verboten wird. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden. Nur wer die brutalen Gedanken hört, kann sich wehren. Das Verbieten von Worten bringt rein gar nichts!

Worte und Meinungen sind weit weniger gefährlich als eine Legion, die sich so im Recht fühlt, dass sie glaubt, Feuer legen zu dürfen, um die Gefahr auszumerzen. Wer alles verbannt und verbrennt, was ihm nicht gefällt, wird blind für das, was in der Gesellschaft vor sich geht und wird entsetzt aus dem Sessel fallen, wenn bei der nächsten Wahl die Bürgerinnen und Bürger in der geheimen Wahlkabine ihre Meinung in ein definitives Kreuz verwandelt haben. Dann behaupten sie, sie hätten all das nicht kommen sehen. Natürlich haben sie es nicht kommen sehen! Sie haben ja all die Menschen verbannt, die anderer Meinung waren und konnten sich daher nicht mit ihnen auseinandersetzen.

Andere Meinungen auszuklammern, ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die Hände vor die Augen hält und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man würde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie Bücher zu verbrennen!

Facebook und Twitter aber sperren Nutzerinnen und Nutzer öfter aus nichtigen Gründen, während Beiträge, die unverhohlen und offen Hass predigen, nicht gelöscht werden. Hamed Abdel-Samad ist es passiert und auch ich kann ein Lied davon singen. Unsere Accounts wurden ohne Angaben von Gründen gesperrt und erst nach juristischer Hilfe wieder freigeschaltet. Bei allen Sperrungen erklärten Fundamentalisten öffentlich ihre Freude darüber. Sie hatten im Vorfeld sogar dazu aufgerufen, die Sperrungen der Accounts auf Twitter und Facebook durch massenhaftes Melden der Beiträge zu erwirken.

Wer einen Menschen durch Melden mundtot machen will, meldet aus diversen Gründen. Manche melden Beiträge wegen vermeintlicher Hate-Speech, andere wegen vermeintlichen Fake-News und wieder andere wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzung. Im Falle Hamed Abdel-Samads zeigten bereits alle drei Strategien Wirkung. So konnte es sogar geschehen, dass ein Fundamentalist, der auf YouTube offen gegen Henryk Broder, Seyran Ateş und Hamed Abdel-Samad gehetzt hatte, es erreichen konnte, dass ein Video gelöscht wurde, in dem Henryk Broder, Seyran Ateş und Hamed Abdel-Samad die Stellen zitiert hatten, in denen gegen sie gehetzt wurde. Als Grund für die Löschung wurde eine Urheberrechtsverletzung angegeben.

Wenn Hetze möglich ist, aber das Reagieren der Betroffenen auf diese Hetze geahndet wird, dann ist was faul an dem Urheberrecht.

Im Fall von Hamed Abdel-Samad führt der Meldemob sogar einen Zermürbungskrieg in der virtuellen Welt gegen einen Mann, der in der realen Welt ständig auf der Flucht vor Fundamentalisten ist. Hamed Abdel-Samad kann nicht ohne Personenschützer sein Haus verlassen und er kann seine Freunde nur geheim treffen. Sein unbeschwertes Leben wurde ihm genommen, weil er die Freiheit der Meinung lebt und den Islam kritisiert. Er lebt unter ständiger Lebensgefahr, weil er Homosexuelle nicht verurteilt, für Frauenrechte streitet, das Kopftuch für Frauen nicht fordert, Juden nicht hasst und den Islam an seinen fundamentalistischen Stellen kritisiert. Das ziehen viele Muslime in Europa als Grund heran, Hamed Abdel-Samad umbringen zu wollen.

Seine wichtigste Waffe im Kampf gegen die Fundamentalisten, die ihn töten wollen, ist das freie Wort und die Möglichkeit, seine Worte zu veröffentlichen. Ein Meldemob tut nun alles, ihm diese Waffe zu entreißen und Twitter, Facebook und YouTube sind die willigen Vollstrecker dieses Mobs.

Dabei sind diese Unternehmen Kinder unserer aufgeklärten Gesellschaft. Für ihre Freiheit sind viele Männer und Frauen gestorben, die für das freie Wort gestritten haben, wie Hamed Abdel-Samad und Seyran Ateş. Ausgerechnet diesen Menschen ihre wichtigsten Selbstverteidigungswaffen zu nehmen, ist unerträglich.

Der Mob beherrscht die Netzwerke. Heute gilt, bringe nur genug Menschen gegen Dich auf und eine Sperrung wird sehr wahrscheinlich. Das ist auch der Grund, warum in sozialen Netzwerken so oft offen judenfeindliche Beiträge nicht gelöscht werden, während schon leicht islamkritische Beiträge verschwinden.

Es gibt über 1,6 Milliarden Muslime auf der Welt aber nicht mal 16 Millionen Juden. Auf einen Juden kommen hundert Muslime. Es ist viel leichter, eine große Anzahl von Muslimen zu finden, die sich durch eine Aussage beleidigt fühlen und mag sie noch so harmlos sein, als eine große Anzahl von Juden, die sich durch eine Aussage beleidigt fühlen und mag sie noch so brutal sein.

Immer wieder kommt es bei vor, dass vollkommen akzeptable Kritik am Islam in sozialen Medien gelöscht wird und die Kritiker mit langen Sperren belegt werden, während offen judenfeindliche Aussagen nicht gelöscht werden. Es kommt nämlich nicht auf die Aussage an, sondern darauf, wieviele Menschen sich beleidigt fühlen.

Über 1,6 Milliarden Muslime weltweit eigenen sich einfach besser für das Schaffen eines Mobs als 16 Millionen Juden. In einer aufgeklärten Demokratie herrschen jedoch nicht die Masse und der Mob, sondern die Vernunft und das Menschenrecht. Die Grundrechte des Einzelnen können nicht durch eine Mehrheit abgeschafft werden. Judenhass fand und findet oft eine Mehrheit und war und ist dennoch immer falsch.

Die Art und Weise wie soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook ihre Seiten verwalten, ist ein Angriff auf den liberalen Geist der Individualität, wo der Gedanke der Freiheit und die persönliche Entfaltung zählen und nicht der Mob.

Eine Rede zu verbieten, weil man glaubt, sie könne Gewalt befördern, ist ein Präventivschlag. Ein solcher Schlag sollte, wenn überhaupt, nur in ganz engen Grenzen gestattet sein.

Niemand ist in Gefahr, weil Hamed Abdel-Samad und Seyran Ateş reden. Sie aber sind in Gefahr, weil sie reden!

Der Mantel des Schweigens ist für die Redefreiheit das, was der Schleier und das Kopftuch für die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte und jeder Mensch darf selbst entscheiden, ob und zu was er schweigen und reden will. Es darf keinen Zwang geben, weder für den Schleier noch für den Mantel des Schweigens und unter keinen Umständen darf es einem Mob überlassen werden, darüber zu entscheiden, was gesagt werden darf.

Das vom 18. Deutschen Bundestag verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz stärkt den Mob. Durch dieses Gesetz werden soziale Netzwerke unter empfindlicher Strafandrohung in die Position einer privatisierten Exekutive gezwungen, um als Beliehener des Staates in Abwesenheit einer Rechtssprechung pro­phy­lak­tisch Aussagen zu löschen, die angeblich gegen das deutsche Gesetz verstoßen sollen. Das ist zwangs-privatisierte milde Zensur, denn im Zweifel werden kritische Aussagen einfach zu unangemessenen Meinungen erklärt, gelöscht und die Nutzerinnen und Nutzer gesperrt, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Das sind durch Strafandrohung an Privatunternehmen delegierte Redeverbote, die dazu führen, dass der Meldemob zum Angriff bläst!

Sozial Netzwerke können sich auch nicht ohne weiteres auf ein „Hausrecht“ zurückziehen, denn jedes soziale Netzwerk hat durch die AGB, denen der User zugestimmt hat, einen Vertrag mit eben diesen User. Ein gültiger Vertrag darf nicht unbegründet gebrochen werden. Hausrecht hin oder her, auch in meinem eigenen Haus darf ich keinen gültigen Vertrag brechen.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist eine massive Einschränkung in die Presse- und Meinungsfreiheit aus Angst vor (Sprach)-Terror, ob nun rechts, links, islamistisch oder anders radikal.

Wir haben es mit einem Sieg des Gefühls und der Masse über die Vernunft und das Individuum zu tun.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist ein Problem

Am 30. Juni 2017 verabschiedete der 18. Deutsche Bundestag in Anwesenheit von weniger als hundert Abgeordneten das skandalöse Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Mit diesem Gesetz werden soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter unter empfindlicher Strafandrohung in die Position einer privatisierten Exekutive gezwungen, um als Beliehener des Staates in Abwesenheit einer Rechtssprechung pro­phy­lak­tisch Aussagen zu löschen, die angeblich, vermutlich oder vielleicht gegen das deutsche Gesetz verstoßen sollen.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist eine massive Einschränkung in die Presse- und Meinungsfreiheit aus Angst vor (Sprach)-Terror, ob nun rechts, links, islamistisch oder sonstwie radikal. Jedes MdB, das dafür gestimmt hat, wird sich einst dafür verantworten müssen.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist zwangs-privatisierte Zensur!

Regierungen streben danach, an der Macht zu bleiben. Sie sollten daher nie mit der Macht versehen werden, darüber entscheiden zu dürfen, welche Aussagen angemessene Meinung sind. Sie sollten auch nicht mit der Macht versehen werden, private Unternehmen mit Zwang zu dieser Aufgabe zu verpflichten. Im Zweifel nämlich werden kritische Aussagen einfach zu kriminellen Aussagen erklärt, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Die Vergabe von Macht an den Staat und seinen Beliehenen sollte immer unter dem Vorbehalt geschehen: Was, wenn mein politischer Gegner an der Regierung ist? Ein Land mit einem Netzwerkdurchsetzungsgesetz schenkt einer möglichen repressiven Regierung die Kontrolle über Meinungen.

Staatlich ausgeführte oder durch Strafandrohung an Privatunternehmen delegierte Redeverbote sind sehr gefährlich. Es wäre besser, dem freien Markt der freien Gedanken zu vertrauen.

Der stinkende Prophet auf der Orangenkiste in der dunklen Ecke des Marktplatzes entlarvt sich selbst.

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In Erinnerung an Theo van Gogh

Am 2. November 2004 wurde der niederländische Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh auf offener Straße ermordet. Sein Mörder war ein islamischer Fundamentalist.

Van Gogh war mit dem Fahrrad unterwegs ins Filmstudio, als er von einem Mann eingeholt wurde, der sofort auf ihn zu schießen begann. Als van Gogh am Boden lag, schnitt ihm der Attentäter die Kehle durch und stieß mit zwei Messerstichen ein fünfseitiges Bekennerschreiben in seinen Körper, das eine Morddrohung an Ayaan Hirsi Ali enthielt.

Mit Ayaan Hirsi Ali produzierte er einen seiner letzten Filme: „Submission“. Der Film handelt von vier islamischen Frauen, die über ihre Missbrauchserfahrungen sprechen. In dem Film werden verschleierte Gesichter und durchsichtig bekleideten Körper mit fünf Suren aus dem Koran beschrieben, die Frauen zur Unterwerfung unter ihren Ehemännern auffordern. Die weiblichen Körper sind gezeichnet von Schlägen und Striemen durch Peitschenhiebe. Diesen Film gab der Mörder van Goghs als Grund für seine Mordtat an. Der Mörder sagte bei seinem Prozess aus, als Muslim dürfe er jedem „den Kopf abhacken“, der Allah beleidige. Auch sagte er: „Ich würde es wieder tun“.

Theo van Gogh ging mit dem Islam genauso hart ins Gericht wie mit jeder anderen Religion auch.

Wer Muslimen nicht das selbe zumuten will wie Christen, ist ein Rassist. Wer nach Einschränkungen der Meinungs- und Kunstfreiheit ruft, weil Muslime angeblich nicht ertragen können, was Christen selbstverständlich ertragen, ist ein Rassist! Wer in Muslimen nur Menschen erkennt, die gar nicht anders können, als marodierend die Straßen zu stürmen, wenn Mohammed auch nur dargestellt wird, ist ein Rassist!

Theo van Gogh war kein Rassist. Er beleidigte alle gleich. Er war ein Provokateur. Er beleidigte Juden, Frauen, Christen und viele Menschen mehr. Er machte nicht mal vor dem Holocaust halt. Er erzählte Witze wie diesen: „Es riecht nach Karamel. Heute verbrennen sie wohl die Juden mit Diabetes.“

Der Schriftsteller Leon de Winter nannte ihn einen „Meinungsterroristen“ und erklärte:

„Er folterte mich und meine Frau verbal. So stellte sich van Gogh eine Unterhaltung zwischen mir und meiner Frau vor: „Liebste, lass uns heute Nacht nach Treblinka fahren!“ Woraufhin „die Liebste Leons Pimmel mit Stacheldraht umwindet.“

Viele hassten Theo von Gogh, auch Leon der Winter, allerdings schrieb er später, ihm verziehen zu haben. Theo van Gogh beleidigte alles, oft geschmacklos.

Das Leben kostete ihm allerdings nur das Beleidigen des Islams.

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Warum der Reformationstag kein Tag (nur) zum Feiern ist

Am 31. Oktober 2017 jährt sich der Reformationstag zum fünfhundertsten Mal. In ganz Deutschland wird dieser Tag als Feiertag begangen. Die Reformation eignet sich jedoch nicht nur zum Feiern. Es waren nämlich oft Reformatoren, die den Judenhass brutalisierten.

Martin Luther hat die abscheulichsten Sachen über Juden geschrieben. Er führte den Judenhass seiner Zeit sogar auf eine ganz neue Ebene. In seiner Abhandlung „Über die Jüden und ihre Lügen“ erklärte er:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

In seinem „Handbuch über die Judenfrage“ forderte er:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich …“

Über dreihundert Jahre später war es wieder ein Reformator, der den Judenhass brutalisierte. Konnten Juden ihrer Vernichtung unter Luther noch durch Konversion zum Christentum entgehen, wurden Juden im 19. Jahrhundert zu einer Rasse erklärt. Als „Endlösung“ für dieses Problem kam dann nur noch die physische Vernichtung der Juden in Frage. Diese neue Form des Judenhasses wurde Antisemitismus genannt.

Das Wort Antisemitismus ist historisch gesehenen der pseudo-wissenschaftliche Versuch, dem alten religiösen Judenhass ein neues modernes Gewandt zu geben. Das Wort taucht in der Mitte des 19. Jahrhundert erstmals auf und wird dann zu einem nicht unerheblichen Teil von dem Journalisten Wilhelm Marr (1819-1904) geprägt. Marr griff das Wort auf und rechtfertigte damit eine rassistische Ausgrenzung der Juden. Er gehörte dem extrem linken Flügel der radikal-demokratischen Partei um 1848 an und war erklärter Atheist. Wilhelm Marr war links, demokratisch und er hasste Juden!

In Marrs reformierter Überzeugung waren die Juden schuld am Liberalismus, weil sie sich den jüdisch konnotierten Kapitalinteressen verschrieben hätten. In Berlin erschien im Februar 1879 seine Propagandaschrift “Der Sieg des Germanenthums über das Judenthum – Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet”, die noch im selben Jahr zwölf Auflagen erlebte. In dieser Schrift grenzt sich Marr deutlich von der traditionellen religiösen Judenfeindschaft ab und behauptet stattdessen, dass die Juden eine fremde Rasse von „Parasiten“ seien, die erfolgreich die Ausbeutung Deutschlands betreiben. Diesen Paradigmenwechsel von Religion zu Rasse verdeutlichte er durch die Benutzung des Begriffs „Antisemitismus“. Marr prägte wesentliche Klischees und Schlagworte. Er legte 1880 mit seiner Schrift “Goldene Ratten und rothe Mäuse” die Basis für die verschwörungstheoretische Gleichsetzung von Judentum, Kapitalismus und Kommunismus.

Die beiden Reformatoren Martin Luther und Wilhelm Marr prägten mit ihren Schriften die Gedankenwelt der Nationalsozialisten. Beim Nürnberger Prozess erklärte Julius Streicher:

„Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir zum Beispiel ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank. In dem Buch ‚Die Juden und ihre Lügen‘ schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man soll sie vernichten.“

Auch im 21. Jahrhundert sind es wieder sogenannte Reformatoren, die den Judenhass befeuern. Während der Wahl im Iran im Jahr 2013 zum Beispiel wurde der Kleriker Hassan Rohani in vielen deutschen Medien als Reform-Kandidat bezeichnet, obwohl er loyaler Anhänger des politischen und geistlichen Oberhaupts des Irans war, dessen Hass auf Juden und Israel bekannt war.

Für viele deutsche Medienvertreter gilt sogar Mahmoud Abbas von der Fatah als Reformator. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel bezeichnet Abbas sogar öffentlich als „Freund“. Abbas sagte eins:

„In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“

Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah sprach Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt hat, folgende Worte in die jubelnde Menge:

„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Im Jahr 2015 bezeichnete Abbas den Mord an einem israelischen Ehepaar durch palästinensische Terroristen als „heldenhaft“. Nicht wenige Judenmörder und deren Familien bekommen von Abbas‘ Fatah stattliche Renten für ihre terroristischen Bluttaten. Diese Renten wiederum werden durch europäische Gelder finanziert, da die Fatah von Deutschland und der Europäischen Union unterstützt wird. Es sind schließlich die gemäßigten Reformatoren.

Im deutschen Bundestag sind es ebenfalls die sich selbst als ganz reformiert verstehenden Abgeordneten von der Partei Die Linke, die den Judenhass unterstützen. Am 31. Mai 2010 befand sich die Bundestagsabgeordnete Annette Groth auf dem untersten Deck des Schiffs Mavi Marmara, um die israelische Sicherheit und den Frieden zu gefährden. Die Mavi Marmara versuchte eine Blockade zu durchbrechen, die errichtet wurde, um die Terrororganisation Hamas zu schwächen. Die Hamas fordert in ihrer Charta nicht nur die Zerstörung Israels, sondern auch die Vernichtung des gesamten jüdischen Volks weltweit. Politiker der Hamas erklären Juden zu Bakterien, die vernichtet werden müssen.

Annette Groth befand sich übrigens deshalb auf dem untersten Deck der Mavi Marmara, weil es eine strikte Geschlechtertrennung auf dem fundamentalistischen Schiff gab. Wenn es um Judenhass geht, akzeptiert die reformierte Annette Groth eben auch Geschlechterdiskriminierung. Ihr Parteikollege Diether Dehm scheut sich ebenfalls nicht vor einer reformierten Definition des Judenhass:

“Der Antisemitismus wurde das, was er wirklich ist: Eine massenmordende Bestie. Und deswegen dürfen wir nicht zulassen, dass man den Begriff des Antisemitismus für Alles und Jeden inflationiert. Antisemitismus, das ist Massenmord! Und es gibt überhaupt keinen Anlass, wenn mein Kollege und Freund Rolf Becker hier spricht, wenn von irgendeiner Seite dazwischengepöbelt wird Antisemitismus. Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben!”

In Deutschland beginnt Antisemitismus laut Diether Dehm also erst mit der Vergasung von 6 Millionen Juden. Alles darunter ist vermutlich eine Ordnungswidrigkeit! Das ist eine Reformation!

Zu den in Sachen Judenhass reformierten Denkern gehört auch der Publizist Jakob Augstein, der immer wieder betont, „im Zweifel links“ zu sein. Bei seinen Analysen internationaler Politik bringt er schon mal gerne jüdische Strippenzieher ins Spiel:

„Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.“ (Spiegel)

So denkt es im reformierten Augstein: Der Jude kommandiert, der Deutsche beugt sich. Und was am schlimmsten ist:

„Israel bekommt das, was es will. Und dafür muss Israel nicht einmal zahlen.“ (Spiegel)

Mit diesem linken Herz am rechten Fleck wundert es nicht, dass Jakob Augstein den Schriftsteller Günter Grass zum Heiligen erklärt. Grass ist der Reformator. Wie Jesus hat er die Last der Israelkritik für uns alle auf sich genommen hat:

„Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.“ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“ (Spiegel)

Für Jakob Augstein steht fest, dass Israel Krieg will und sich dazu ständig der jüdischen Lobby in Amerika bedient und sogar das deutsche schlechte Gewissen wegen des Holocausts instrumentalisiert:

„Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ (Spiegel)

Die Überzeugung vieler reformierter Linker von heute lässt sich auf diese einfache Formel bringen: Israel ist unser Unglück! Es war ein langer Weg von Luthers Judenhass bis zum heutigen Israelhass, aber der Weg wurde konsequent gegangen.

Die Reformation von Martin Luther war eine Buchdruck-Revolution. Es war die damals neue Erfindung des Buchdrucks, die es nicht nur den Reformatoren ermöglichte, ihre Schriften zu vervielfältigen. Auch die Judenhasser konnten ihren Hass massenhaft unter die Leute bringen. Martin Luther war beides.

So wie die Reformation eine Buchdruck-Revolution war, so sind die Aufstände im arabischen Raum, die vor einigen Jahren begangen, eine Internet-Revolution. So wie der Buchdruck die Spaltung der christlichen Kirche zur Folge hatte und im Dreißigjährigen Krieg einen brutalen Höhepunkt erreichte, so sorgt heute das Internet dafür, dass sich im arabischen Raum die Gläubigen spalten. Heute haben alle Muslime den gleichen Zugang zum Internet, mögen sie nun Reformmuslime oder Angehörige des Islamischen Staates sein. Und so wie damals bei den Christen sind die Reformatoren des Islams teilweise ebenso jundenfeindlich wie die Konservativen, teilweise sogar noch judenfeindlicher!

Ich bekomme daher regelmäßig ein ungutes Gefühl, wenn ich höre, wie jemand ganz unkritisch und positiv einen Reformator feiert.

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Halloween oder Reformationstag?

Was soll ich am 31. Oktober feiern? Halloween oder Reformationstag?

Lass mich nachdenken.

Halloween wurde in den USA groß, der Reformationstag in Deutschland. An Halloween treiben Menschen albernen Schabernack und Kinder bekommen Süßigkeiten. Der Reformationstag ehrt einen Mann, der forderte, man möge Synagogen niederbrennen, Toras schänden und Juden verfolgen.

Puh.

Am 27. August 2015 fand ein äußerst kurioser Vortrag in der Kölner Melanchthon-Akademie in Zusammenarbeit mit der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit statt. Prof. Dietz Bering referierte zu dem Thema: „War Luther Antisemit?“

Mich erinnerte die Veranstaltung ein wenig an ein Titelbild der Titanic. Eigentlich hätte der ganze Vortrag nur zwei Buchstaben lang sein müssen, „Ja“, aber die Einladung zum Vortrag versprach mehr:

„Sind die großen Verdienste Luthers unbestritten, so sind seine Beziehungen zu den Juden zweifelhaft. War er nun Antisemit oder nur – wie damals geradezu alle – ein schlichter Judenfeind? Diese Frage wird von Dietz Bering aufgearbeitet, indem er als erster eine tief gestaffelte Definition des Antisemitismus vorlegt und Luther an ihr systematisch misst.“

Entwarnung! Luther war kein Antisemit. Er war nur ein „schlichter Judenfeind“. Um genau zu sein, seine Beziehung zu Juden war lediglich „zweifelhaft“. Glück gehabt. Dann zitiere ich einfach mal ein paar schlichte Passage aus dem zweifelhaften Werk „Von den Juden und ihren Lügen“ von Dr. Martin Luther, erstmals gedruckt zu Wittenberg im Jahr 1543:

„Wisse du, lieber Christ, und zweifle nicht daran, dass du nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren, heftigeren Feind hast als einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.“

„Tun sie aber etwas Gutes, so wisse, dass es nicht aus Liebe, noch dir zugute geschieht, sondern weil sie Raum haben müssen, bei uns zu wohnen, müssen sie aus Not etwas tun, aber das Herz bleibt und ist, wie ich gesagt habe.“

„Sie sind eitel Diebe und Räuber, die täglich nicht einen Bissen essen noch einen Faden am Leibe tragen, den sie uns nicht gestohlen und geraubt hätten durch ihren verdammten Wucher, leben also täglich von eitel Diebstahl und Raub mit Weib und Kind, als Erzdiebe und Landräuber, in aller unbussfertigen Selbstsicherheit. Denn ein Wucherer ist ein Erzdieb und Landräuber, der billig am Galgen siebenmal höher als andere Diebe hängen sollte.“

„Sie sind uns eine schwere Last, wie eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück in unserm Lande.“

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke sehe ewiglich (…) Zum zweiten: dass man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre, denn sie treiben ebendasselbe darin, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeuner, auf dass sie wissen, sie seien nicht Herren in unserm Lande, wie sie rühmen, sondern in der Verbannung und gefangen, wie die ohne Unterlass vor Gott über uns Zeter schreien und klagen. Zum dritten: dass man ihnen alle Betbüchlein und Talmudisten nehme, worin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird. Zum vierten: dass man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren, denn solches Amt haben sie mit allem Recht verloren (…) Zum fünften: dass man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herrn noch Amtleute noch Händler noch desgleichen sind; sie sollen daheim bleiben (…) Zum sechsten: dass man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold nehme und zur Verwahrung beiseitelege. Und dies ist die Ursache: alles, was sie haben, haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst kein andres Gewerbe haben. Solches Geld sollte man dazu brauchen (und nicht anders), wenn ein Jude sich ernstlich bekehrte, dass man ihm davon vor die Hand hundert, zweihundert, dreihundert Gulden je nach der Person gebe, womit er ein Gewerbe für sein arm Weib und Kindlein anfangen möge und die Alten und Gebrechlichen damit unterhalte, denn solch böse gewonnenes Gut ist verflucht, wenn man’s nicht mit Gottes Segen zu gutem nötigem Gebrauche wendet. Zum siebenten: dass man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase. Denn es taugt nicht, dass sie uns verfluchte Gojim im Schweiß unseres Angesichts wollten arbeiten lassen, und sie, die heiligen Leute, wolltens hinter dem Ofen mit faulen Tagen und Feisten verzehren und darauf lästerlich rühmen, dass sie der Christen Herrn wären von unserm Schweiß, sondern man müsste ihnen das faule Schelmenbein aus dem Rücken vertreiben.“

„Man möge sie, wie gesagt, zum Lande austreiben und ihnen sagen, dass sie in ihre Lande und Güter gen Jerusalem hinziehen und daselbst Lügen, Fluchen, Lästern, Speien, Morden, Stehlen, Rauben, Wuchern, Spotten und alle solche lästerliche Greuel treiben, wie sie bei uns tun, und uns unsre Herrschaft, Land, Leib und Gut lassen.“

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Eine Bitte an die Freunde Israels

Der Satz „Unter Freunden muss man Israel auch kritisieren dürfen“ ist die moderne Variante von „Einige meiner besten Freunde sind Juden!“

Dieser kurze Artikel ist eine Bitte an die Freunde Israels, besonders an jene, die ihren Freundschaftsdienst darin sehen, Israel zu kritisieren. Allen anderen sei empfohlen, diesen Artikel an jene Menschen zu senden, die erklären, besondere Freunde Israels zu sein. Es wird ihnen gewiss nichts ausmachen, folgenden Brief zu beantworten.

Lieber Freund Israels,

ich habe ein paar Fragen an Dich:

Wie lauten Artikel 7 und 13 der Gründungscharta der Hamas?

Gibt es irgendein Land auf der Welt, das ein Gebiet mit einer Regierung, die erklärt, das Land und sein gesamtes Volk vernichten zu wollen, dennoch mit Nahrung, Wasser und Medikamenten versorgt?

Gibt es irgendein durch totale Vernichtung bedrohtes Land, dem man vorwirft, dem Gebiet, wo die Vernichter regieren, nicht mit genug Wasser zu versorgen?

Gibt es irgendein Volk, das vernichtet werden soll, dessen Angehörige man als illegale Siedler bezeichnet, wenn sie es wagen, dort zu leben, wo die Vernichter sie nicht haben wollen?

Gibt es ein Land das mit mehr UN-Resolutionen belegt und kritisiert wurde als der Iran, wo Homosexuelle hingerichtet werden, Saudi-Arabien, wo Frauen nicht die gleichen Rechte haben wie Männer, sowie China, Russland und die Türkei, wo kritische Journalisten ins Gefängnis gesperrt werden?

Alles Liebe,
Ein Freund.

Glauben Sie mir, die ehrliche Beantwortung dieser Fragen wird jeden Freund Israels verändern.

Sie dürfen die Antworten aber nicht selber geben. Eine Antwort wirkt nämlich nicht, wenn sie nur durch das Ohr geht. Eine Antwort ist erst dann verstanden, wenn sie auch durch den eigenen Mund gegangen ist. Darum lassen Sie die Freunde Israels selbst die Fragen beantworten. Als Hilfe zur Beantwortung können Sie jedoch folgende Artikel empfehlen:

Wer Israel als Besatzungsmacht bezeichnet, soll „Der ewige Besatzer“ lesen.

Wer Palästinenser als alleinige Opfer des Konflikt sieht, soll „Der ewige Flüchtling“ lesen.

Wer von „illegalen Siedlungen“ spricht, soll „Die jüdischen Siedler sind nicht das Problem“ lesen.

Wer erklärt, an Israel höhere Maßstäbe ansetzen zu müssen, soll „Nathan oder Shylock“ lesen.

Wer nicht weiß, wofür die Hamas steht, soll „Neues von der Hamas“ lesen.

Wer den Schutzwall kritisiert, soll „Die Mauer in Jerusalem“ lesen.

Wer Israel als Apartheidsstaat bezeichnet, soll „Der Rassismus der Israelkritik“ lesen.

Wer es jedoch authentisch braucht, soll hören, was die Araber Mosab Hassan Yousef, Sara und Mohammad Zoabi über Israel zu sagen haben.

Wer all die oben gestellten Fragen ehrlich beantwortet hat, wird erkennen: Moment mal, Israel ist ja das einzige Land im Nahen Osten, wo ich nicht verfolgt werde, wenn ich nach all den Rechten lebe, die mir in Deutschland selbstverständlich garantiert werden. Nur in Israel kann ich als Deutscher mit allen Rechten des Grundgesetzes leben. Meine pure Existenz als aufgeklärter Deutscher ist im Nahen Osten somit nur in Israel möglich.

Darauf muss jedoch jeder Freund Israels selber kommen!

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Die Antwort der Tagesschau zum Totalversagen

Nachdem ich über ein Totalversagen der Tagesschau im Umgang mit Judenhass berichtet hatte („So gehen Facebook und die Tagesschau mit Hass um“), erhielt ich folgende Antwort der Redaktion der Tagesschau:

„Wir geben Ihnen insofern Recht, dass auf der Facebook-Seite der Tagesschau Kommentare gestanden haben, die dort nicht hätten stehen dürfen – und das viel zu lange. Am Tag nach der Veröffentlichung des Artikels über das U-Boot-Geschäft haben uns rund 17.000 Kommentare bei Facebook erreicht. In dieser Flut sind uns die israelfeindlichen und herabsetzenden Inhalte leider durchgegangen. Wir bitten alle Nutzerinnen und Nutzer, die sich durch diese Kommentare verletzt gefühlt haben, um Entschuldigung. Wir werden künftig noch intensiver versuchen, auf die Einhaltung der Netiquette zu achten.“

Ich bin der Redaktion der Tagesschau dankbar für diese Antwort, und auch meinem Kollegen Alan Posener, der ebenfalls über die Angelegenheit berichtet hat und zwar in der Welt („Judenhass auf Facebook? Die Tagesschau versagt“).

Ja, die Tagesschau hat versagt, aber sie hat ihr Versagen eingestanden und verspricht, Konsequenzen daraus zu ziehen. Das respektiere ich. Alles weitere wird sich zeigen.

Ich zitiere jedoch Meister Yoda: „Nein, nicht versuchen! Tu‘ es oder tu‘ es nicht! Es gibt kein Versuchen!“

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Kennen Sie Tal Flicker?

Im Oktober 2017 fand in der Stadt Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten der Judo Grand Slam statt. Der Judo Grand Slam war 2017 nach der Weltmeisterschaft und der Europameisterschaft einer der wichtigsten Judo-Wettkämpfe des Jahres. Alle teilnehmenden Athleten wurden beim Grand Slam gleich behandelt, bis auf die Judokas aus Israel. Ihnen war es verboten, ihre Fahne und den Davidsstern zu zeigen. Auch die Nationalhymne dufte nicht gespielt werden.

So geschah es dann, dass Tal Flicker aus Israel die Goldmedaille in der Kategorie bis 66 Kilogramm erkämpfte, seine Ehrung dann jedoch ohne die Hymne Israels stattfand. Stattdessen wurde die Hymne des Internationalen Judo-Verbands gespielt. Zudem wurde nicht die Fahne Israels gehisst, sondern die Flagge des Internationalen Judo-Verbands.

Später, in seinem Hotelzimmer, erklärte Tal Flicker, dass obwohl eine andere Melodie bei der Siegerehrung gespielt wurde, er die haTikwa, die Hymne Israels, im Herzen sang, weil er stolz ist auf sein Land:

„Ich entschied mich dazu, die haTikwa auf dem Siegerpodest zu singen, weil Israel mein Land ist und ich stolz darauf bin, Israeli zu sein. Die Melodie, die gespielt wurde, war nur ein Hintergrundgeräusch. In meinem Herzen sang ich die Nationalhymne. Ich bin stolz auf mein Land. Die ganze Welt soll wissen, dass wir aus Israel sind und wen wir repräsentieren. Die Tatsache, dass sie unsere Flagge versteckt haben, ist nur ein Flicken auf unserer Flagge. Jeder weiß wirklich, woher wir kommen.“ 

„Solange noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt und nach Osten hin, vorwärts, ein Auge nach Zion blickt, solange ist unsere Hoffnung nicht verloren, die Hoffnung, zweitausend Jahre alt, ein freies Volk zu sein, in unserem Land, im Lande Zion und in Jerusalem!“

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(Foto: Franzisco Lozano Martin)

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Tschetschenischer Sänger verschwunden – Wurde er Opfer staatlicher anti-schwuler Verfolgung?

In Tschetschenien soll ein Sänger gefoltert und getötet worden sein. Die tschetschenischen Behörden bestreiten dies jedoch und behaupten, der Sänger halte sich in Deutschland auf.

Zelim Bakaev ist ein Sänger, der in Russland und in Tschetschenien auftrat, bis ihm in Tschetschenien im Rahmen der anti-homosexuellen Gesetzgebung Auftrittsverbot erteilt wurde. Bakaev wurde in Grozny geboren und arbeitete dort unter anderem am Kulturamt des Bürgermeisters. Später wurde er Mitglied des Lied- und Tanzensembles „Stolitsa“ und konzertierte neben Tschetschenien noch in anderen nordkaukasischen Republiken. Im Jahr 2017 bewarb er sich für eine russische Castingshow, die im September 2017 in der russischen Fernsehkette Muz-TV beginnen soll.

Am 6. August 2017 reiste er nach Grozny, um an der Hochzeit seiner Schwester teilzunehmen. Er wollte einige Tage später wieder in Moskau sein, um sich am 10. August für die russische Castingshow zu bewerben. Dort kam er nie an. Am 8. August wurde sein Handy deaktiviert. Am 18. August reichte seine Mutter eine Beschwerde wegen des Verschwindens ihres Sohnes bei der Polizei in Grozny ein. Am 22. August beantragte sie beim Menschenrechtsrat, dass eine Erklärungen vom tschetschenischen Innenministerium über das Verschwinden ihres Sohnes verlangt werden solle. Am 14. September forderte die amerikanische Menschenrechtsorganisation Human Rights First das US-Außenministerium auf, mit den russischen Behörden über Zelim Bakaev zu reden. Am 16. September 2017 richtete die Mutter einen öffentlichen Appell an den tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrow. Am 18. September weigerte sich das tschetschenische Innenministerium, eine kriminelle Ermittlungen gegen das Verschwinden von Bakaev einzuleiten. Die tschetschenische Polizei behauptete stattdessen, Bakaev habe am 11. August ein Ticket für einen Zug nach Moskau gekauft.

Als wäre das alles nicht schon merkwürdig genug, wurde am 24. September 2017 ein Video auf YouTube veröffentlicht, das angeblich in Deutschland nach dem Verschwinden Bakaevs aufgenommen worden sein soll, in dem Bakaev zu sehen sein soll, wie er behauptet, in Deutschland zu sein.

Ob diese Videos tatsächlich in Deutschland aufgezeichnet wurde und ob es sich um ein freiwillig aufgezeichnetes Video von Zelim Bakaev handelt, ist sehr umstritten. In dem Video sind nämlich Möbel, Geräte und Getränke zu sehen, die in Deutschland nicht vermarket werden. Zudem gibt es keine Bestätigungen, dass Bakaev im August 2017 oder später die Grenze eines der Schengen-Länder überschritten hat.

Das Verschwinden Bakaevs reiht sich ein in die brutale Verfolgungswelle, die seit einigen Monaten über Homosexuelle in Tschetschenien eingebrochen ist. Homosexuelle Männer werden in Lager verschleppt, wo sie geschunden und gefoltert werden. Es ist sogar von von „tschetschenischen Konzentrationslagern für Homosexuelle“ die Rede. In London haben bereits Tausende Menschen gegen diese Verfolgung demonstriert und der britische Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten, Sir Alan Duncan, sagte im Parlament:

„Uns teilen Menschenrechtsgruppen mit, dass antischwule Kampagnen, sowie Tötungen vom Oberhaupt der tschetschenischen Republik, Ramzan Kadyrow, orchestriert werden.“

Tschetschenien ist ein überwiegend muslimisches Gebiet. Weit über neunzig Prozent aller Tschetschenen sind Muslime, so wie das Oberhaupt Tschetscheniens. Ja, ich habe „Oberhaupt“ geschrieben, denn „Oberhaupt“ ist die offizielle Bezeichnung von Ramzan Kadyrow. Am 2. September 2010 ließ er vom tschetschenischen Parlament seine Bezeichnung von „Präsident“ in „Oberhaupt“ ändern. Nach Aussage Kadyrows stehe nur einer Person in der Russischen Föderation die Bezeichnung „Präsident“ zu, nämlich dem Staatschef und das ist Wladimir Putin. Da Tschetschenien aber eine autonome Republik in Russland ist, brauchte es einen passenden Titel für den Chef dieser Republik. Diskutiert wurden Vorschläge wie „Imam“ oder „Vater des Volkes“, aber am Ende einigte man sich auf „Oberhaupt“.

Wladimir Putin hat nach einem Treffen mit Ramzan Kadyrow erklärt, den „provozierenden“ Artikeln über die Homosexuellenverfolgung keinen Glauben zu schenken und beschuldigte stattdessen die internationalen Medien, einen „massiven Informationskrieg mit unwürdigsten Methoden zu führen.“ Er fügte hinzu: „Die Realität wird verzerrt. Es werden Versuche unternommen, unsere Gesellschaft, unseren Lebensstil und unsere Traditionen und Bräuche schwarz zu malen.“

Ein Sprecher des tschetschenien Oberhaupts wiederum erklärte:

„Diese Publikation ist eine absolute Lüge. Man kann nicht jemanden festnehmen und unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“

Diese Antwort erinnert an den ehemaligen Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte: „Im Iran gibt es keine Homosexuellen.“

Kadyrow selbst erklärt: „Homosexuelle sind schlimmer als Krieg.“ Er ist sich auch sicher, dass es keine Homosexuellen in Tschetschenien gibt und betont: „Auch wenn es solche Menschen in Tschetschenien gegeben hätte, hätten die Sicherheitsbehörden keine Probleme mit ihnen, denn ihre eigenen Verwandten hätten sie dorthin geschickt, woher niemand zurückkommt.“

Jetzt ist der Sänger Zelim Bakaev verschwunden.

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So gehen Facebook und die Tagesschau mit Hass um

Am 23. Oktober 2017 veröffentlichte die Tagesschau auf ihrer Facebook-Seite eine Nachricht über einen „Milliarden-Deal mit Israel“.

Hasserfüllte Kommentare unter dem Artikel ließen nicht lange auf sich warten. Die Nutzerin Malca Goldstein-Wolf schrieb daraufhin eine Nachricht an die Tagesschau:

„Ich bin gleichermaßen erschrocken, traurig und wütend, dass Sie zu Ihrem Artikel über den U-Boot Deal mit Israel keinen Admin eingesetzt haben. Ich habe schon einigen Antisemitismus erlebt, dieser Thread allerdings ist besonders übel. Ist es zu viel verlangt, dass Sie offenkundigen Antisemitismus auf der Facebook-Seite der Tagesschau unterbinden?“

Die Redaktion der Tagesschau hätte antworten können:

“Es stimmt nicht, dass wir keinen Admin eingesetzt haben. Wir haben einen Admin. Es wurden auch schon viele judenfeindliche Kommentare gelöscht, aber es sind so viele, dass unsere bisherigen Ressourcen offenkundig nicht mehr ausreichen. Wir werden in Zukunft darauf achten, bei Themen, die judenfeindliche Reaktionen provozieren können, mehr Ressourcen einzusetzen, denn Judenhass hat bei der Tagesschau keinen Platz. Bitte entschuldigen Sie, dass sich auf unserer Seite Judenhass ausbreiten konnte.“

Die Tagesschau hätte auch schreiben können:

“Wir setzen keinen Admin ein. Wir glauben an die radikale Meinungsfreiheit. Nur so können wir sehen, wie es in den Köpfen unserer Zuschauerinnen und Zuschauer tickt. Wenn wir Kommentare löschen, verhindern wir damit nicht, dass die Kommentare gedacht werden. Es ist daher immer besser, die Wahrheit über die Gedanken hasserfüllter Menschen zu hören, da man nur so erfahren kann, woran man ist. Wir empfehlen Ihnen daher, Ihre freie Meinung zu nutzen und den Autorinnen und Autoren der judenfeindlichen Kommentare zu schreiben, was Sie davon halten.“

All das hätte die Tagesschau schreiben können. Sie tat es jedoch nicht. Stattdessen reagierte sie gar nicht. Malca Goldstein-Wolf wurde daher selber gegen den Hass tätig und bekam auf der Facebook-Seite der Tagesschau prompt folgende Antwort:

“Halts Maul du Kuh… hoffentlich hat Der Iran bald ne Atombombe (…) Ich hoffe Israel geht unter mit ganz großem Taraaa.“

Der Mann, der Malca Goldstein-Wolf als „Kuh“ bezeichnete und die totale Vernichtung Israels forderte, machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er erklärte frank und frei, er „hasse Israel jedoch aus ganzem herzen.“

Ein anderer Nutzer erklärte, Juden würden den Holocaust für finanzielle Zwecke missbrauchen: „Nein. Ich werde meine Meinung sagen was ich von dem Verbrecherstaat Israel halte und was ich von dem finanziellen Missbrauchs des Holocaust halte. Die Zeiten sind vorbei, in denen ihr uns den Mund verbietet.“

Da die Tagesschau die Beleidigungen und Vernichtungsphantasien nicht löschte, meldete Malca Goldstein-Wolf sie bei Facebook und bekam die Antwort, dass sie nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen. Das entmutigte sie jedoch nicht. Sie diskutierte weiter. Dabei wurde ihr vorgeworfen, sie würde zusammen mit allen anderen Zionisten, Terroristen züchten und Chaos verbreiten. Es wurde sogar behauptet, der Islamische Staat werde von Israel unterstützt.

Im Verlaufe des Gesprächs kam auch der Koran ins Spiel und es wurde diskutiert, in welchem Kontext die judenfeindlichen Passagen des Korans zu verstehen seien.

Als Malca Goldstein-Wolf daraufhin erklärte, dass dies für sie „muslimischer Dumpfbacken Antisemitismus“ sei, wurde sie für diesen Kommentar für dreißig Tage auf Facebook gesperrt.

So sieht es also mittlerweile aus: Während beleidigende und dem Hass zugeneigte Kommentare gegen Israel, Zionisten und Juden den Gemeinschaftsstandards von Facebook nicht widersprechen und auf der Seite der Tagesschau zu lesen sind, wird eine Frau, die von den Hassenden beleidigt wurde, gelöscht und für dreißig Tage gesperrt, weil sie sich mit deutlichen Worten gegen diesen Hass gewehrt hat. Für mich klingt das alles so:

„Diese lebendigen Juden aber auch. Da wehren die sich einfach. Das muss schnell unterbunden werden.“

Israel zu kritisieren, ist einfach viel unkomplizierter, wenn man vorher alle Juden rausschmeißt, die sich wehren. Auf der Seite der Tagesschau jedenfalls stehen die Beleidigungen gegen Malca Goldstein-Wolf und die Vernichtungsphantasien über Israel immer noch. Lediglich die nervige Jüdin wurde entfernt. Eine nicht ganz traditionslose Lösung, wenn man sich die Geschichte des Landes anschaut, in dem die Tagesschau produziert wird.

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