Wagner kurz zusammengefasst

Ein Kommentar von David Serebianik.

Kann man die Texte der gesamten Wagner-Opern in einige, wenige, prägnante Sätze fassen? Ja! Zum Beispiel so:

Oh weiche, Kehrtwende, dem schniedernden Geschmöhl, aus bartstenden Kierbe ist dein Buhrt gemöhrtet! Denn dein Bühndsal miestet brümmelnd in der Troben würgriebender Häller! Und schmögelnde Töre bejungelt bliefend den heisernen Klung der Frache! Bekrause mürdend den Kralch und betrenne krödelnd die tüngende Gehre!

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Ein Anschlag auf eine Synagoge muss nicht immer judenfeindlich sein!

Das Jahr 2017 beginnt mit einer Einladung an alle Judenhasser, denn das milde Urteil gegen drei junge Männer, die im Sommer 2014 einen Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal verübt hatten, ist jetzt rechtsgültig. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verwarf einen Antrag auf Revision und erklärte somit die Begründung des Amtsgerichts in Wuppertal für gültig, das das niedrige Strafmaß mit der Feststellung begründet hatte, es gäbe „keine Anhaltspunkte für eine antisemitische Tat“. Das Wuppertaler Amtsgericht folgte damals der Logik der Attentäter, die gestanden hatten, im Sommer 2014 Brandsätze auf die Synagoge geschleudert zu haben, jedoch ebenfalls erklärt hatten, dass sie damit die Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken wollten.

Von nun an gilt also, wenn ein Anschlag auf eine jüdische Einrichtung in Deutschland verübt wird, weil jemandem die Politik Israels nicht gefällt, dann ist das kein Judenhass, sondern Israelkritik, die etwas zu weit gegangen ist.

Ich bin mal gespannt, wann der erste Anschlag auf eine Moschee als überzogene Kritik am Iran und ein Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim als überzogene Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik bezeichnet wird, weil von einem deutschen Gericht Anhaltspunkte für eine fremdenfeindliche Tat nicht festgestellt werden konnten.

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#BerlinfürIsrael

Seit kurz nach 18 Uhr des heutigen Abends (9. Januar 2017) wird das Brandenburger Tor in Berlin in den Nationalfarben Israels erleuchtet, aus Solidarität mit den Terroropfern Israels. #BerlinfürIsrael

Bilder von Vivian Kanner.

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Die Gewaltspirale des Frank-Walter Steinmeier

„Die Nachrichten aus Jerusalem sind zutiefst schockierend. Bei uns rufen diese Bilder Erinnerungen an die schrecklichen Ereignisse vom Breitscheidplatz in Berlin vor wenigen Wochen wach. Ich verurteile diesen blutigen Anschlag auf das Schärfste. Wir stehen in diesen schweren Stunden an der Seite unsere israelischen Freunde. Der Terrorismus bedroht uns alle gemeinsam.

Unsere Gedanken sind bei den Familien und Angehörigen der Opfer. Den Verletzten wünsche ich eine schnelle Genesung. Das Ziel der Attentäter scheint klar: Sie wollen die Spannungen im Nahostkonflikt anheizen und eine Spirale der Gewalt in Gang setzen. Sie dürfen dieses Ziel nicht erreichen.“

Das sind die Worte unseres Außenministers Frank-Walter Steinmeier, nachdem ein Terrorist am 8. Januar 2017 einen Lkw gezielt in eine Gruppe von Menschen gelenkt hatte und dabei vier Menschen getötet und 17 weitere verletzt hatte.

Sehr geehrter Frank-Walter Steinmeier,

was wollen Sie damit sagen, das Ziel des Attentäters sei es, eine Spirale der Gewalt in Gang zu setzen? Soll das etwa heißen, die Spirale der Gewalt dreht sich noch nicht?

Nachdem ein Terrorist am 8. Januar 2017 vier Menschen getötet hatte, nannte die radikal-islamische Hamas den Anschlag einen „heroischen und mutigen Lastwagen-Anschlag“. Im Gazastreifen wurden Süßigkeiten verteilt, um den Anschlag zu feiern und eine Menschenmenge versammelte sich sponan auf den Straßen Gazas und jubelte über den Judenmord.

Für Sie, Herr Steinmeier, bedeutet dies, dass die Spirale der Gewalt noch nicht in Gang gesetzt ist?

Die Hamas fordert im siebten Artikel ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden weltweit. Minister der Hamas nennen Juden Bakterien, die vernichtet gehören. Der offizielle Gruß der Hamas ist der Hitlergruß. Im arabischen Kinderprogramm werden Kinder dazu erzogen, Juden zu hassen und töten zu wollen. Seit dem 1. Januar 2010 wurden über 7500 Raketen und Granaten auf Israel abgeschossen. Unzählige tödliche Anschläge mit Äxten, Beilen, Messern, Waffen, Autos und Sprengstoffgürteln wurden in den letzten Jahren auf Juden verübt. Der Mord von Juden wird von der Hamas und der Fatah mit stattlichen Renten für die Hinterbliebenen der Terroristen belohnt. Das Geld dafür wird unter anderem von der Europäischen Union bereitgestellt. Und Sie, Herr Steinmeier, besitzen die Nerven, ein paar Stunden nach einem jundenfeindlichen Anschlag zu sagen, die Spirale der Gewalt dürfe nicht in Gang gesetzt werden?

Die Spirale dreht sich bereits. Sie dreht sich seit Jahren. Ach was, sie dreht sich seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten. Sie wird Judenhass genannt. In der palästinensischen Autonomie werden von Ministern und sogenannten Gelehrten diese Phrasen gedroschen:

„Überließen uns die Juden Palästina, würden wir dann beginnen, sie zu lieben? Natürlich nicht! Wir werden sie niemals lieben. Absolut nicht!“

„Wir werden die Juden als Feinde betrachten, selbst wenn sie uns Palästina zurück geben. Weil sie Ungläubige sind!“

„Ich unterstütze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben.“

„Juden sind fremdartige Bakterien! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen!“

Herr Steinmeier,

nach dem Holocaust wurden Juden oft gefragt, warum sie sich nicht gewehrt hätten. Heute erklären Sie, die Spirale der Gewalt dreht sich erst, wenn Juden sich wehren.

Vor ein paar Tagen wurde ein junger israelischer Wehrdienstleistender verurteilt, weil er einen am Boden liegenden Terroristen erschossen hatte, kurz nachdem der Terrorist einen Mordanschlag auf ihn versucht hatte und einige seiner Freunde bei einem Terroranschlag lebensgefährlich verletzt hatte. Im Gegensatz zu den Mitgliedern der Hamas und der Fatah jubelt in Israel niemand, wenn Menschen sterben. Im Gegenteil, israelische Bürgerinnen und Bürger werden sogar verurteilt, wenn sie sich dem Hass hingeben.

Es ist eber egal, was Juden machen. Die Spirale des Judenhasses und der Gewalt dreht sich unabhängig vom Verhalten von Juden. Diese Spirale wird ausnahmslos befeuert von jenen, die Juden hassen.

Ihre Behauptung, Herr Steinmeier, diese Spirale würde sich nicht drehen, zeigt entweder, dass sie keine Ahnung haben, mit welchem Hass und mit welcher Gewalt Juden heute noch konfrontiert werden oder dass es Ihnen egal ist. Oder es zeigt, was am schlimmsten ist, dass es für Sie keine Gewalt ist.

Was immer der Grund ist, Sie scheinen lieber um tote Juden zu trauern, als lebendigen Juden das Recht zuzusprechen, sich zu verteidigen. Ich bin mir aber sicher, dass Juden sich lieber von Deutschland kritisieren lassen, als sich in einer Gedenksstunde im Deutschen Bundestag betrauern zu lassen. Nie wieder!

Es wird in Zukunft kein weiteres Mahnmal für massenermordete Juden geben, egal wie sehr sich manch ein deutscher Politiker dafür einsetzen wird. Und das dürfen Sie gerne kritisieren!

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„Möge Allah diese Juden erniedrigen und zerstören“

Dieser Satz wurde zusammen mit der Aussage „Juden BBQ“ auf der Facebook-Seite „Freiheit für Palästina“ gepostet, als in Israel Waldbrände wüteten. Facebook löschte den Satz „Möge Allah diese Juden erniedrigen und zerstören“, nachdem er gemeldet wurde, da er gegen die Gemeinschaftsstandards verstoße. Wie sieht es jedoch die deutsche Justiz?

Am 25. November 2016 wurde aufgrund beider Sätze eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung (§130 StGB) gestellt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund stellte das Ermittlungsverfahren jedoch ein und zwar, so sagt es das Datum im Brief, am 16. Juni 2016, also über fünf Monate bevor die Aussage überhaupt getätigt wurde. (Vermutlich hat da der copy/paste-Geist zugeschlagen.) Die Begründung ist nicht weniger verwunderlich als das Datum:

„Der Schutzzweck des §130 StGB ist in erster Linie das allgemeine Interesse an einem friedlichen Zusammenleben im Staat, soweit es sich auf Teile der Bevölkerung oder Gruppen im Sinne abgrenzbarer Personenmehrheiten bezieht. Diese Gruppe muss indes für eine Strafbarkeit nach §130 StGB Teil der inländischen Bevölkerung sein, das heißt tatsächlich in Deutschland leben. Dies ist vorliegend hinsichtlich beider getätigte Aussage nicht der Fall. Inhaltlich werden beide Äußerungen im Rahmen einer Diskussion über Brandgebiete in Israel getätigt. Die getätigten Äußerungen beziehen sich offensichtlich auf die jüdische Bevölkerung dort. Eine andere Auslegung wäre eine Interpretation der getätigten Äußerungen zum Nachteil eines Beschuldigten, was im Rahmen eines Strafverfahrens nicht zulässig ist. Weitere Delikte, wie beispielsweise eine Beleidigung, kommen schon mangels gestellten Strafantrages der entsprechenden Personen, die durch diese Äußerungen beleidigt sein könnten, nicht in Betracht. Nach allem kann Ihrem Vorbringen insgesamt kein nach deutschen Strafrecht strafrechtlich relevantes Verhalten erkannt werden.“

Ich übersetze mal:

Der Satz „Möge Allah die Juden in Deutschland erniedrigen und zerstören“ ist laut der Staatsanwaltschaft in Dortmund dazu geeignet, das friedliche Zusammenleben in Deutschland zu stören. Der Satz „Möge Allah diese Juden erniedrigen und zerstören“ ist jedoch eine vollkommen akzeptable Äusserung, da mit „diesen Juden“ jene Juden gemeint sind, zu deren Zerstörung laut Dortmunder Staatsanwaltschaft straffrei aufgerufen werden kann, da sie nicht in Deutschland leben!

Im Jahr 1933 lebten ungefähr 500.000 bis 600.000 Juden im Deutschen Reich. Der weitaus größte Teil aller Juden, die von den Nazis vernichtet wurden, waren nicht Teil der „inländischen Bevölkerung“. Laut der Staatsanwaltschaft Dortmund wäre es mit aktueller Gesetzgebung im Jahr 1933 vollkommen in Ordnung gewesen, den etwas mehr als 5 Millionen ermordeten Juden, die nicht im Deutschen Reich lebten, Zerstörung und Erniedrigung zu wünschen.

Der Aufruf zur Zerstörung bezieht „sich offensichtlich auf die jüdische Bevölkerung dort“, schreibt die Dortmunder Staatsanwaltschaft und zu deren Zerstörung darf aufgerufen werden. Das kommt den Judenhassern, die gerne mal „Allah“ anrufen, gerade Recht, denn sie finden, dass Juden nichts in ihren Ländern zu suchen haben und vertrieben, vernichtet oder ins Meer getrieben gehören. Für die Dortmunder Staatsanwaltschaft ist das legitim. Sie kann und will in dieser Aussage nichts „zum Nachteil des Beschuldigten“ erkennen.

Eleganter wurde selten von Seiten eines deutschen Gerichts erklärt, dass der Aufruf zur Zerstörung von Juden in Ordnung geht, wenn sie sich nur an gewissen Orten befinden. Es ist alles nur eine Frage von „diese“ und „dort“. Der Aufruf zur Zerstörung von Juden in Israel jedenfalls ist laut Dortmunder Staatsanwaltschaft kein strafrechtlich relevantes Verhalten. Folgender Satz dürfte somit jetzt auch erlaubt sein:

„Diese Juden dort sind unser Unglück!“

Die Staatsanwaltschaft Dortmund betont zudem, dass es an gestellten Strafanträgen der entsprechenden Personen mangelt, „die durch diese Äußerungen beleidigt sein könnten“. Tapfer im Nirgendwo schlägt daher vor, sollten Sie eine Person sein, die sich dadurch beleidigt fühlt, dass Sie zerstört werden sollen, sobald Sie sich als Jude in Israel aufhalten, schreiben Sie das einfach der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Sie erreichen die Dortmunder Staatsanwaltschaft hier.

Halten Sie mich gerne auf dem Laufenden! 

Gerdbuurmann@hotmail.de 

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Eine Warnung

Unter keinen Umständen möchte ich eine Kriminalisierung von vermeintlichen oder tatsächlichen Fake News!

Wollen wir wirklich in einem Land, in dem ein zorniger und gewaltbereiter Mob „Lügenpresse“ brüllt, eine politische Institution etablieren, die sogenannte „Lügenpresse“ kriminalisieren darf? Wollen wir einer Partei, die durch diesen Mob gestärkt wird, wirklich ein Werkzeug bereitlegen, das sie nur noch ergreifen muss, sobald sie es zu einer politischen Verantwortung geschafft hat? Nein, das wäre das Ende der Freiheit.

Wir sollten niemals die Worte Freiheit und Wahrheit gegeneinander ausspielen. Die Schaffung einer politischen Institution, die darüber entscheiden darf, was Wahrheit ist und was Lüge, bedeutet zugleich die Schaffung einer Diktatur der Gesinnung. In einer freien Welt kann es jedoch kein Wahrheitsministerium geben! Fake News ist die englische Schwester von Lügenpresse.

Die Welt ist komplex und das Sein noch viel komplexer. Jeder Versuch, etwas zu verstehen und zu begreifen, ist zugleich immer auch eine Verfälschung der Tatsachen. Wer eine Angelegenheit zu erklären versucht, macht sie damit vielleicht verständlicher und für den Zuhörenden leichter begreiflich, aber er lügt damit auch, weil eine Erklärung nichts anderes ist als eine Reduzierung auf das eigene Verständnis. Eine Reduzierung ist jedoch eine Verfälschung. Allerdings lässt sich nichts ohne Reduzierung und somit ohne Verfälschung zusammenfassen, geschweige denn begreifen.

Das heißt nicht, dass es keine Wahrheit gibt. Natürlich gibt es die Wahrheit, es gibt sie so sicher, wie es die Freiheit gibt, aber Freiheit und Wahrheit sind einfach zu groß, um wirklich gefasst zu werden. Freiheit und Wahrheit sind das, was manche religiöse Menschen mit Gott übersetzen und wir wissen, wie ungemütlich Menschen werden können, wenn sie fest davon überzeugt sind, Gott vollkommen erfasst und verstanden zu haben.

Es gibt lediglich Annäherungen zur Wahrheit.

Der Mensch zeichnet sich dadurch aus, die Kategorien Wahrheit und Freiheit denken zu können, aber Menschlichkeit bedeutet, immer zu zweifeln, ob man im Besitz der Wahrheit ist und sich zu fragen, was Freiheit wirklich bedeutet. Das heißt nicht, dass alles relativ ist. Oh nein, manche Aussagen sind weiter entfernt von der Wahrheit als andere. Es gibt sogar Aussagen, die so falsch sind, dass nicht mal mehr das Gegenteil richtig ist. Dennoch ist selbst jede falsche Aussage nur in Beziehung zu der Wahrheit falsch. Somit wohnt auch einer als falsch erkannten Aussage die Erkenntnis zur Wahrheit inne. Es braucht zur Entwicklung somit den Mut zum Irrtum und die Kraft zum Zweifeln und Verwerfen. Der Weg zur Wahrheit führt über das Unrecht haben. Wer stets nur Recht haben will, zieht eine Mauer hoch und verweigert sich jeder Entwicklung.

Lange Zeit dachte der Mensch, die Erde stünde im Zentrum des Universums. Dann kam die kopernikanische Revolution. Plötzlich war nicht mehr die Erde im Mittelpunkt des Universums, sondern die Sonne. Für viele Menschen war das ein Schlag ins Gesicht. Es durfte nicht wahr sein, dass der Planet der Menschen nicht im Mittelpunkt des Universums ist. Die Menschen glaubten ebenfalls lange, die Krone der Schöpfung zu sein. Dann aber kam Charles Darwin und erklärte mit seiner Theorie der Evolution, dass der Mensch nur das Resultat einer zufälligen Entwicklung ohne schöpferische Absicht ist. Für viele Menschen war das wieder ein Schlag ins Gesicht. Sie wollten nicht glauben, dass der Mensch nur ein zufälliges, kleines und vor allem zeitlich begrenztes Rad im Getriebe der Welt ist.

Kein Mensch ist jemals im Zentrum der Wahrheit!

Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die sich dagegen sträubten, nicht im Besitz der Wahrheit zu sein. Sie fühlen sich zu höherem berufen. Ich finde es immer wieder hoch amüsant, wenn sich Menschen aufmachen, das Große und Ganze zu retten, obwohl sie schon am Kleinen verzweifeln. Es gibt Menschen, die nicht einmal ihre Familie zusammenhalten können, aber glauben zu wissen, was die europäische Gemeinschaft braucht; denen die Blumen auf dem Balkon verwelken, aber den Regenwald retten wollen; die über einen Handyvertrag verzweifeln, aber glauben, die Weltwirtschaft durchschaut zu haben. Für mich haben diese Menschen die Glaubwürdigkeit von zölibatären Priestern, die mir was von der Ehe erzählen.

Apropos Wahrheit, die Sonne ist nicht der Mittelpunkt des Sonnensystems! Die Erde dreht sich auch nicht um die Sonne. Die Erde dreht sich um das Baryzentrum. Der Mittelpunkt unseres Sonnensystems ist das Baryzentrum. So jedenfalls bezeichnet man in der Himmelsmechanik den Massenmittelpunkt eines Systems von zwei oder mehreren Himmelskörpern. Es ist der Ruhepunkt des Systems, um den die Körper sich bewegen und mit dem das System an der Bewegung in einem größeren System teilnimmt. Das Baryzentrum des Sonnensystems liegt meistens knapp außerhalb der Sonne und hängt vor allem von der Stellung des Jupiters und des Saturns ab. Die beiden Riesenplaneten besitzen 0,10 beziehungsweise 0,03 Prozent der Sonnenmasse, sodass sie das Baryzentrum um dieses Maß ihrer Bahnachsen beeinflussen, was ungefähr 740.000 und 410.000 Kilometer ausmacht. Da der Sonnenradius 696.000 Kilometer beträgt, kann das Baryzentrum langperiodisch sowohl innerhalb als auch außerhalb der Sonnenoberfläche liegen. Die meiste Zeit jedoch befindet sich der Mittelpunkt außerhalb der Sonnenfläche. Ein Punkt ist jedoch keine Fläche, sondern nur eine Idee.

So wie es unendlich groß gibt, gibt es auch unendlich klein.

Als Kind habe ich oft nachts an meinem Kinderzimmerfenster gestanden und so lange in den Himmel gestarrt, bis alles ganz unscharf wurde. Wenn ich dann noch meine Augen ein wenig zusammenkniff, dann fingen die Sterne plötzlich an zu tanzen. Irgendwann kam die Angst. Die Angst, hinauf gezogen zu werden, hinein zu fallen. Ich fing an, mich zu fragen, was dahinter ist. Ich hab dann einfach unglaublich viel gelesen, Hawking, Einstein, Wein- und Heisenberg, die ganzen Bergs halt. Sie machten sich Gedanken über das Universum und die Beschaffenheit von Zeit. Und was ist dabei heraus gekommen?

Es wird behauptet, Gott würfelt nicht, aber ich glaube, dass er nicht nur würfelt, sondern auch noch bescheißt. Und was machen wir? Wir schaffen uns Theorien und hoffen, dass in der Zeit, in der wir leben, die Theorie nicht widerlegt wird. Aber irgendwann wird sie widerlegt. Jede Theorie wird irgendwann widerlegt, sonst ist sie überhaupt nichts wert. Alles wird irgendwann widerlegt. Auch ich werde irgendwann widerlegt werden. Und bis es soweit ist, schaue ich einfach in den Himmel und habe Angst davor, hinaufgezogen zu werden, hineinzufallen.

Lange Zeit dachte ich, ich hätte so unglaubliche Angst vor dem Tod, weil ich keine Ahnung habe, was danach kommt. Aber das ist ja Quatsch. In Wirklichkeit habe ich diese unglaubliche Angst, weil ich genau weiß, was dahinter ist. Wir wissen es doch alle ganz genau! Da brauchen wir uns überhaupt nichts vormachen. Es gibt doch nur zwei Möglichkeiten, also ganz logisch betrachtet – nur zwei Möglichkeiten: nicht mehr sein oder für immer. Für immer!

Für immer? In zehn Jahren werden wir darüber lachen.

Ich war zwölf, höchstens dreizehn, als ich das erste Mal versuchte, die Unendlichkeit zu sehen. Das war so eine fixe Idee von mir. Im Schlafzimmer meiner Eltern standen damals zwei Spiegel. So zwei richtig große. Einer für Vati, einer für Mutti. Ich stellte sie einander gegenüber und schon war sie da: die Unendlichkeit. Ich musste nur noch nachschauen. Ich stellte mich also in die Mitte der beiden Spiegel und sah mich. Was hatte ich denn auch erwartet? Ich war im Weg! Die Unendlichkeit war hinter mir. Ich war zwar noch ein Kind, aber die Unendlichkeit war kleiner. Die Unendlichkeit ist immer kleiner.

Die Wahrheit lässt sich nicht fassen. Wer behauptet, andere mundtot machen zu dürfen, weil er im Besitz der Wahrheit sei, lügt!

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Gerd Buurmann stellt sich gegen unsere Gesellschaft, sagt jedenfalls die CDU.

Am 6. Januar 2017 um 11:23 Uhr postete die CDU Hamburg via Facebook diese Aussage:

„Wer unsere christlichen und gesetzlichen Feiertage in Deutschland ablehnt, stellt sich gegen unsere Gesellschaft.“

Damit sagt die CDU, dass ich mich gegen die Gesellschaft stelle, denn ich bin für eine Trennung von Staat und Kirche. Ich bin für eine Abschaffung aller religiösen Feiertage, die jedoch durch staatliche Feiertage ersetzt werden müssen. Ich bin zudem gegen konfessionsgebundenen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Ich bin für eine radikale Trennung von Staat und Kirche, gerade weil ich Christ bin! Ja, ich finde, jeder Mensch tut gut daran, an einem Tag in der Woche zu ruhen, um sich seiner Familie, seinen Freunden und seinem Glauben zu widmen, aber kein Staat sollte das Recht haben, mir vorzuschreiben, ob dieser Tag der Sonntag, Samstag, Feitag oder welcher Tag auch immer sein sollte. Jesus soll einst gesagt haben:

„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“

Es gibt keinen besseren Satz für den Laizismus als dieser Spruch von Jesus. Außerdem ist es gotteslästerlich zu glauben, der allmächtige Gott brauche menschliche Institutionen und Regierungen, um seine Macht zu bezeugen. Ein Staat, der sich anmaßt, Gottes Wille in Gesetze zu gießen, reduziert den Allmächtigen zu einem Wesen, so schwach, so mickrig und so unbedeutend, dass er die Hilfe einer weltlichen Regierung braucht. Respekt und Ehrfurcht vor Gott sehen anders aus!

Ein Glaube, der es nicht schafft, die Herzen seiner Anhänger ohne staatlichen Zwang zu erreichen, ein Glaube, der nicht stark genug ist, dass er sich auch unter Nachbarn mit fremden Sitten und Gebräuchen entfalten kann, ein Glaube, der nur leben kann, wenn er anderen Menschen Fesseln anlegt, ist ein schwacher Glaube. Ein Gott, der auf Staatsdiener angewiesen ist, um seinem Wort Nachdruck zu verleihen, ist ein armseliger Gott!

Ich feiere christliche Feiertage, gehe sogar ab und zu in die Kirche und ja, ich bete sogar. Ich brauche aber keinen Staat für meinen Glauben, schon allein deshalb nicht, weil ich oft an Gott zweifele. Religion ist Privatsache. Ich will in keinem Land leben, in dem mir die religiösen Überzeugungen anderer Menschen aufgezwungen werden. In genau so einem Land leben ich aber. Das Land Nordrhein-Westfalen zum Beispiel untersagt es allen Bürgerinnen und Bürgern, mögen sie nun christlich sein oder nicht, an Karfreitag Theater zu spielen oder öffentliche Tanzveranstaltung zu besuchen. Von Mitternacht bis zum Samstag um 6 Uhr morgens, also ganze 30 Stunden, untersagt das Land NRW folgende Aktivitäten: Märkte, gewerbliche Ausstellungen, Sportveranstaltungen einschließlich Pferderennen, Zirkus, Volksfeste, Freizeitanlagen, soweit dort tänzerische und artistische Darbietungen erfolgen, alle Unterhaltungsveranstaltungen einschließlich sämtlicher, auch klassischer, Theater- und Musikaufführungen wie Opern, Operetten, Musicals, Puppenspiele und Ballett, Spielhallen, Wettannahme, musikalische sowie sonstige unterhaltende Darbietungen in Gaststätten sowie alle anderen der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen einschließlich Tanz. Mit anderen Worten: Karfreitag ist NRW ein Gottesstaat!

Als Hauptgrund für die Entscheidung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, an dem Feiertagsgesetz festzuhalten, wird immer wieder der Ruf nach Respekt angeführt. An einem Tag im Jahr, so heißt es, dürfe der christliche Teil der Gesellschaft durchaus mal Respekt für seinen Glauben verlangen. Ein einziger Freitag im Jahr ohne Kunstfreiheit, Tanzen und dem Recht auf freie Entfaltung könne schließlich nicht so schlimm sein. Für mich aber haben Kunst, Kultur, Aufklärung und Liberalismus den gleichen Stellenwert wie für andere Menschen ein religiöser Glaube. Theater ist für mich Menschendienst, wie die Kirche für Christen Gottesdienst ist. Wie würden Christen reagieren, lebten sie in einem Land, in dem ihnen die Heilige Messe oder der Gottesdienst für nur einen einzigen Sonntag im Jahr untersagt wäre, mit der Begründung, einmal im Jahr dürfe die Religion durchaus mal ruhen, es sei schließlich nur ein Tag im Jahr!

Respekt kann nicht erzwungen werden. Respekt ist eine Form der Wertschätzung, ein Geschenk der Aufmerksamkeit und der Ehrerbietung. Respekt ist nur da möglich, wo sich ein Mensch frei dazu entscheidet, seine Wertschätzung und seine Aufmerksamkeit zu schenken. Alles andere ist Zwang. Es ist wie ein Kind, das von der Mutter gezwungen wird, Danke zu sagen. Ein erzwungenes Danke ist kein Dank und erzwungener Respekt ist kein Respekt!

Außerdem habe ich Angst vor Religionen und diese Angst ist nicht vollkommen unberechtigt! Religionen sind nämlich schlicht und ergreifend immer radikal! Ein Buch, mit dem Anspruch, Gottes Wort zu sein, kann nicht moderat sein. Dafür ist Gott selbst zu radikal! Es gibt keinen moderaten Islam, sondern nur moderate Muslime. Christen sind nur dort moderat, wo sie nicht alle Worte der Bibel wörtlich nehmen. Darum habe ich besonders Angst vor Religionen, wenn sie nach staatlicher Macht greifen, denn sämtliche Religionen sind immer nur so lange tolerant, wie sie keine staatliche Macht haben. Das Christentum wurde erst tolerant, nachdem die Aufklärung die Macht der Kirche nicht zimperlich zerschlagen hatte. Nach wie vor besitzen Christen in Deutschland ein staatlich subventioniertes Recht auf Diskriminierung!

Ein katholisches Krankenhaus zum Beispiel, darf einen Chefarzt entlassen, wenn er nach seiner Scheidung erneut heiratet. Der Staaz gibt dennoch weiterhin Gelder. Das entschied das Bundesverfassungsgericht. Katholische Einrichtungen erhalten staatliche Zuwendungen, obwohl bei der Vergabe der katholischen Spitzenpositionen (z.B. Priester, Bischöfe, Kardinäle) eine verpflichtende Männerquote von 100% herrscht. Mit dem Artikel 3 des Grundgesetzes ist das zwar nicht vereinbar, aber Steuergelder gibt es dennoch! Der deutsche Staat treibt sogar Kirchensteuern ein!

All diese staatlich subventionierten Diskriminierungen im Namen des Christentums werden mit der vermeintlich christlichen Tradition Deutschlands erklärt. Tradition ist jedoch, was die Mehrheit in Deutschland zur Tradition erhoben hat. Das heißt: Je größer die Gemeinde der einer anderen Religion in Deutschland wird, desto vehementer wird sie genau jene Rechte und Privilegien einfordern, die Christen hier besitzen.

Jeder soll glauben, woran er will. Christen sollen meinetwegen ihre Nonnen verschleiern und Muslime keine homosexuellen Imame ernennen, aber der Staat soll sich aus der ganzen Sache raus halten. Komisch, dass ich mich mit dieser Einstellung laut CDU schon außerhalb der Gesellschaft stellen soll. Aber was soll man schon erwarten von einer Partei, die sich nach einer Religion benannt hat.

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Ich bin Charlie, immer noch!

Heute vor zwei Jahren wurden in Paris Künstlerinnen und Künstler ermordet, weil sie Witze über den Islam gemacht hatten und Juden, weil sie Juden waren. Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine kleine Auswahl von Artikeln zum Thema:

„Das Bild vom Islam ist mir gerade egal“

„1. FC Islam 609“

„Selber Schuld, Charlie“

„Nennt Sie Naziis“

„Danke, Du Arschloch!“

„Navid Kermani – Ein Widerspruch“

„Meine Gefühle als Mensch“

„Das Kölner Festkomitee beleidigt den Islam“

„Eine unangenehme Wahrheit“

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Ihr judenfeindlichen Arschlöcher,

Nach dem tödlichen Kopfschuss auf einen arabischen Terroristen ist der israelische Soldat Elor Asaria wegen Totschlags verurteilt worden. Dies teilte ein israelisches Militärgericht in Tel Aviv mit. Der damals 18-jährige Sanitätssoldat hatte im März 2016 in Hebron den verletzt am Boden liegenden Attentäter in den Kopf geschossen. Das Strafmaß wird noch verkündet. Ihm drohen bis zu zwanzig Jahre Haft. Tapfer im Nirgendwo rebloggt den Artikel zur Tat vom 25. März 2016:

Avatar von tapferimnirgendwoTapfer im Nirgendwo

die Ihr seit gestern voller Geilheit das Video teilt, auf dem ein israelischer Soldat zu sehen ist, wie er einem arabischen Terroristen in den Kopf schießt. Eure Erregung über dieses Video widert mich an. Ihr glaubt, auf diesem Video einen Juden zu sehen, der so böse ist, wie Ihr Euch Juden immer vorgestellt habt. Was seid Ihr doch für Barbaren!

Das Video, das am Donnerstag von der israelischen Menschenrechtsorganisation B’tselem veröffentlicht wurde, zeigt einen israelischen Soldaten in Hebron, der einem arabischen Attentäter, der im Verlaufe eines versuchten Terroranschlags zu Boden gegangen ist, in den Kopf schießt. Ein angegriffener israelischer Soldat musste schwer verletzt von einem Rettungswagen abtransportiert werden.

Warum erregt Euch dieses Video so sehr? Seit Jahrzehnten schon morden arabische Terroristen mit Gewehren, Messern, Äxten, Beilen, Autos und Scheren bewaffnet Juden. Die Mörder kommen durch Tunnel und schleichen sich in Wohnungen. Sie morden Männer, Frauen und Kinder auf Straßen und…

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Gedanken zum „racial profiling“

Das erste heiße Eisen des Jahres 2017 in Deutschland ist „racial profiling“. Das größte Problem bei dieser Debatte ist jedoch, dass nicht sauber differenziert wird.

Um es von Anfang an klar zu machen, wenn die Feuerwehr im fünften Stock ein Feuer löscht, kommt es in den Stockwerken darunter zum Wasserschaden. In der Silvesternacht 2016/17 hat die Polizei einen erneuten sexistischen Terroranschlag in Köln verhindert. Das ist gut! Dafür gilt der Polizei Dank!

Die Polizei hat dabei die ankommenden Menschen nach Hautfarbe und ethnischer Zugehörigkeit gerastert, weil immer deutlicher wurde, dass sich eine besorgniserregende Menge aggressiver, nordafrikanisch und arabisch aussehender Männer für den Kölner Hauptbahnhof verabredet hatten. Oft wird dabei übersehen, dass die Polizei auch nach Geschlecht aussortierte, denn es wurden keine nordafrikanisch oder arabisch aussehenden Frauen eingekesselt.

Das Problem ist, dass nicht sauber differenziert wird. Für viele umfasst der Begriff „racial profiling“ die Kriterien ethnische Zugehörigkeit, Religion und nationale Herkunft. Das sind aber vollkommen unterschiedliche Dinge. Um zu schauen, was unsere Gesellschaft im Kampf gegen den Terror bereit ist zu tolerieren, sollten die Begriffe einmal klar getrennt werden. Es gibt:

racial profiling
national profiling
ideology profiling
sexual profiling

Wenn es also mal geschieht, dass sich Täter in der Hautfarbe ähneln, ist es verständlich, dass diese Hautfarbe für die Fahndung relevant wird, aber es bleibt auch klar, dass nicht die Haut-, Augen- und Haarfarbe in die Hirne der Täter gefressen haben, sondern ihre Ideologien und Überzeugungen! Teil einer jeden Ideologie ist das Glaubensfundament. Was die Terroristen am Kölner Dom vereint, ist nicht ihr Äußeres. Das ist nur eine scheinbare Koinzidenz. Es vereint sie vielmehr ihr Inneres, das, woran sie glauben. Dass dieser Glaube auch weiße Menschen vergiften kann, hat die sogenannte Sauerland-Gruppe bewiesen und beweisen im geringeren Maße aber ebenso deutlich Menschen wie Pierre Vogel.

Die meisten männlichen Araber aus sämtlichen Ländern sind anständige Menschen, so selbstverständlich wie es anständige Muslime gibt. Die Frage ist jedoch, wenn man nach dem Grund sucht, warum jemand zur Gewalt greift, ist der Grund nicht in der Hautfarbe, sondern in den Überzeugungen zu finden.

Rassismus ist die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner völkischen oder ethnischen Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse nennt sich jedoch Kritik. Wer einen Muslim beurteilt, weil er Araber ist, betreibt Rassismus. Wer jedoch einen Araber beurteilt, weil er einer Ideologie verfallen ist, betreibt Aufklärung.

Nach terroristischen Anschlägen in Europa wie dem frauenfeindlichen Anschlag am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht 2015/16 oder dem Anschlag in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo und einem koscheren Supermarkt in Paris Anfang 2015 schrieben selbst seriöse Medien, die Straftaten seien von „Südländern“ oder von „Menschen mit nordafrikanischem“ oder „arabischem Aussehen“ begangen worden! Immer öfter wurden die Täter von einem großen Teil der deutschen Presselandschaft auf ihr Äußeres reduziert. Das ist „racial profiling“!

Im Umgang mit der Terrorschlägen müssen wir uns daher immer wieder entscheiden, müssen wir rassistisch oder können wir aufklärerisch sein. Der Rassist sagt, die Täter waren „Südländer“ oder „Araber“. Der Aufklärer aber konzentriert sich auf ihre Überzeugungen.

Wir müssen daher aufhören, Kritik am Glauben als islamophob zu bezeichnen, denn je mehr wir Kritik am Islam kriminalisieren, umso mehr öffnen wir die Tür zum „racial profiling“. Dabei sollte „racial profiling“ nach Möglichkeit immer ausgeschlossen, so wie „sexual profiling“, obwohl es mehr als verständlich ist, manchmal sogar überlebenswichtig, dass eine Frau nachts im Park auf einen fremden Mann anders reagiert als auf eine fremde Frau. Es ist ein notwendiges übel, so wie unter eng definierten Umständen auch „national profiling“. „Ideology profiling“ ist jedoch ein notwendiges Mittel der Aufklärung.

Je mehr wir in Zeiten des Friedens den Mut finden, uns aufgrund unserer Ideologien, Überzeugungen und Religionen zu kritisieren und zu hinterfragen, ohne uns angegriffen oder beleidigt zu fühlen, umso mehr werden wir uns in unseren Differenzen verstehen und mit Sicherheit, so glaube ich fest, ein Rastern nach den Kriterien des Aussehens überflüssig machen!

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