Ich bin Charlie, immer noch!

Heute vor zwei Jahren wurden in Paris Künstlerinnen und Künstler ermordet, weil sie Witze über den Islam gemacht hatten und Juden, weil sie Juden waren. Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine kleine Auswahl von Artikeln zum Thema:

„Das Bild vom Islam ist mir gerade egal“

„1. FC Islam 609“

„Selber Schuld, Charlie“

„Nennt Sie Naziis“

„Danke, Du Arschloch!“

„Navid Kermani – Ein Widerspruch“

„Meine Gefühle als Mensch“

„Das Kölner Festkomitee beleidigt den Islam“

„Eine unangenehme Wahrheit“

Veröffentlicht unter Liberalismus, Philosophie, Politik, Spaß | Kommentare deaktiviert für Ich bin Charlie, immer noch!

Ihr judenfeindlichen Arschlöcher,

Nach dem tödlichen Kopfschuss auf einen arabischen Terroristen ist der israelische Soldat Elor Asaria wegen Totschlags verurteilt worden. Dies teilte ein israelisches Militärgericht in Tel Aviv mit. Der damals 18-jährige Sanitätssoldat hatte im März 2016 in Hebron den verletzt am Boden liegenden Attentäter in den Kopf geschossen. Das Strafmaß wird noch verkündet. Ihm drohen bis zu zwanzig Jahre Haft. Tapfer im Nirgendwo rebloggt den Artikel zur Tat vom 25. März 2016:

Avatar von tapferimnirgendwoTapfer im Nirgendwo

die Ihr seit gestern voller Geilheit das Video teilt, auf dem ein israelischer Soldat zu sehen ist, wie er einem arabischen Terroristen in den Kopf schießt. Eure Erregung über dieses Video widert mich an. Ihr glaubt, auf diesem Video einen Juden zu sehen, der so böse ist, wie Ihr Euch Juden immer vorgestellt habt. Was seid Ihr doch für Barbaren!

Das Video, das am Donnerstag von der israelischen Menschenrechtsorganisation B’tselem veröffentlicht wurde, zeigt einen israelischen Soldaten in Hebron, der einem arabischen Attentäter, der im Verlaufe eines versuchten Terroranschlags zu Boden gegangen ist, in den Kopf schießt. Ein angegriffener israelischer Soldat musste schwer verletzt von einem Rettungswagen abtransportiert werden.

Warum erregt Euch dieses Video so sehr? Seit Jahrzehnten schon morden arabische Terroristen mit Gewehren, Messern, Äxten, Beilen, Autos und Scheren bewaffnet Juden. Die Mörder kommen durch Tunnel und schleichen sich in Wohnungen. Sie morden Männer, Frauen und Kinder auf Straßen und…

Ursprünglichen Post anzeigen 554 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Nachrichten | Kommentare deaktiviert für Ihr judenfeindlichen Arschlöcher,

Gedanken zum „racial profiling“

Das erste heiße Eisen des Jahres 2017 in Deutschland ist „racial profiling“. Das größte Problem bei dieser Debatte ist jedoch, dass nicht sauber differenziert wird.

Um es von Anfang an klar zu machen, wenn die Feuerwehr im fünften Stock ein Feuer löscht, kommt es in den Stockwerken darunter zum Wasserschaden. In der Silvesternacht 2016/17 hat die Polizei einen erneuten sexistischen Terroranschlag in Köln verhindert. Das ist gut! Dafür gilt der Polizei Dank!

Die Polizei hat dabei die ankommenden Menschen nach Hautfarbe und ethnischer Zugehörigkeit gerastert, weil immer deutlicher wurde, dass sich eine besorgniserregende Menge aggressiver, nordafrikanisch und arabisch aussehender Männer für den Kölner Hauptbahnhof verabredet hatten. Oft wird dabei übersehen, dass die Polizei auch nach Geschlecht aussortierte, denn es wurden keine nordafrikanisch oder arabisch aussehenden Frauen eingekesselt.

Das Problem ist, dass nicht sauber differenziert wird. Für viele umfasst der Begriff „racial profiling“ die Kriterien ethnische Zugehörigkeit, Religion und nationale Herkunft. Das sind aber vollkommen unterschiedliche Dinge. Um zu schauen, was unsere Gesellschaft im Kampf gegen den Terror bereit ist zu tolerieren, sollten die Begriffe einmal klar getrennt werden. Es gibt:

racial profiling
national profiling
ideology profiling
sexual profiling

Wenn es also mal geschieht, dass sich Täter in der Hautfarbe ähneln, ist es verständlich, dass diese Hautfarbe für die Fahndung relevant wird, aber es bleibt auch klar, dass nicht die Haut-, Augen- und Haarfarbe in die Hirne der Täter gefressen haben, sondern ihre Ideologien und Überzeugungen! Teil einer jeden Ideologie ist das Glaubensfundament. Was die Terroristen am Kölner Dom vereint, ist nicht ihr Äußeres. Das ist nur eine scheinbare Koinzidenz. Es vereint sie vielmehr ihr Inneres, das, woran sie glauben. Dass dieser Glaube auch weiße Menschen vergiften kann, hat die sogenannte Sauerland-Gruppe bewiesen und beweisen im geringeren Maße aber ebenso deutlich Menschen wie Pierre Vogel.

Die meisten männlichen Araber aus sämtlichen Ländern sind anständige Menschen, so selbstverständlich wie es anständige Muslime gibt. Die Frage ist jedoch, wenn man nach dem Grund sucht, warum jemand zur Gewalt greift, ist der Grund nicht in der Hautfarbe, sondern in den Überzeugungen zu finden.

Rassismus ist die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner völkischen oder ethnischen Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse nennt sich jedoch Kritik. Wer einen Muslim beurteilt, weil er Araber ist, betreibt Rassismus. Wer jedoch einen Araber beurteilt, weil er einer Ideologie verfallen ist, betreibt Aufklärung.

Nach terroristischen Anschlägen in Europa wie dem frauenfeindlichen Anschlag am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht 2015/16 oder dem Anschlag in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo und einem koscheren Supermarkt in Paris Anfang 2015 schrieben selbst seriöse Medien, die Straftaten seien von „Südländern“ oder von „Menschen mit nordafrikanischem“ oder „arabischem Aussehen“ begangen worden! Immer öfter wurden die Täter von einem großen Teil der deutschen Presselandschaft auf ihr Äußeres reduziert. Das ist „racial profiling“!

Im Umgang mit der Terrorschlägen müssen wir uns daher immer wieder entscheiden, müssen wir rassistisch oder können wir aufklärerisch sein. Der Rassist sagt, die Täter waren „Südländer“ oder „Araber“. Der Aufklärer aber konzentriert sich auf ihre Überzeugungen.

Wir müssen daher aufhören, Kritik am Glauben als islamophob zu bezeichnen, denn je mehr wir Kritik am Islam kriminalisieren, umso mehr öffnen wir die Tür zum „racial profiling“. Dabei sollte „racial profiling“ nach Möglichkeit immer ausgeschlossen, so wie „sexual profiling“, obwohl es mehr als verständlich ist, manchmal sogar überlebenswichtig, dass eine Frau nachts im Park auf einen fremden Mann anders reagiert als auf eine fremde Frau. Es ist ein notwendiges übel, so wie unter eng definierten Umständen auch „national profiling“. „Ideology profiling“ ist jedoch ein notwendiges Mittel der Aufklärung.

Je mehr wir in Zeiten des Friedens den Mut finden, uns aufgrund unserer Ideologien, Überzeugungen und Religionen zu kritisieren und zu hinterfragen, ohne uns angegriffen oder beleidigt zu fühlen, umso mehr werden wir uns in unseren Differenzen verstehen und mit Sicherheit, so glaube ich fest, ein Rastern nach den Kriterien des Aussehens überflüssig machen!

Veröffentlicht unter Nachrichten | Kommentare deaktiviert für Gedanken zum „racial profiling“

Die blonden, blauäugigen Männer

Ich kann es nicht mehr hören!

„Ginge von blonden, blauäugigen Männern eine Gefahr aus, dann wären in der Silvesternacht in Köln eben blonde, blauäugige Männer eingekesselt worden.“

So ein Quatsch! Zunächst einmal kann man nicht wirklich sagen, dass es in der Geschichte keine blonden, blauäugigen Männer gegeben hat, die sich, ich sage mal so, etwas daneben benommen haben. Auch in der aktuellen Welt sind nicht alle blonden, blauäugigen Männer Engel.

Des weiteren bin ich mir sicher, wenn eine kritische Masse von blonden, blauäugigen Männern in unserer Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt werden würden, wenn man sie einkesseln und der Freiheit berauben würde, dann wäre aber schnell Schicht im Schacht. Nicht wenige blonde und blauäugige Männer rasten ja schon bei dem Gedanken einer Frauenquote aus!

Das Argument mit den blonden, blauäugigen Männern zieht einfach nicht!

Ich bin ein blonder, blauäugiger Mann. Okay, ich habe eine Glatze, aber wenn sich meine Haare nicht verabschiedet hätten, wäre ich blond. Ich habe noch nie in meinem Leben erlebt, schon gar nicht täglich, geschweigedenn immer und überall, ob nun bei der Arbeit oder auf der Straße, ob nun in der Bahn, auf einem Amt oder bei einem Bewerbungsgespräch, dass ich anders, dass ich schlechter behandelt werde, nur wegen meines Äußeren. Ich kenne das Gefühl nicht, dass mich beschleicht, weil ich Angst haben muss, die Polizei, die eigentlich mein Freund und Helfer sein sollte, könnte mich aufgrund meiner Hautfarbe schlechter behandeln. Meine Mutter musste mir als Kind nie erklären, dass ich aufgrund meiner Hautfarbe in besondere Situationen kommen kann, wo ich mich besonders vorsichtig zu verhalten habe. Ich werde auch nie meinen Kindern, sollte ich je welche bekommen, sagen müssen, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe in besonders gefährliche Situationen kommen können.

Ich werde nie verstehen oder nachfühlen können, was es heißt, nicht weiß, blond, blauäugig und männlich zu sein. Ich weiß nur, dass wenn ich immer und immer und immer wieder in schlechte Situationen geraten würde, nur aufgrund meines Äußeren und ich in der Silvesternacht in Köln wegen meines Äußeren in einen Polizeikessel geraten wäre, in mir Hilflosigkeit, Wut und Zorn hochgekrochen wären, besonders wenn die Mehrheit der blonden und blauäugigen Männer im Polizeikessel um mich herum erkennbar wirklich Arschlöcher wären.

Ich bin mir sicher, kein blonder, blauäugiger Mann in Deutschland würde es sich mehr als ein paar Mal gefallen lassen, aufgrund seines Äußeren schlechter behandelt zu werden, selbst wenn es tausend böse, blonde, blauäugige Männer gäbe.

Tun wir blonden, blauäugigen Männer also nicht so, als hätten wir auch nur ansatzweise eine Ahnung davon, was es bedeutet, immer und immer wieder in eine Rasterfahndung zu gelangen!

Wie es sich anfühlen muss, eine Frau zu sein, die in der Kölner Silvesternacht 2015/16 von der Polizei im Stich gelassen wurde, während sich widerliche Barbaren alles herausnahmen, davon fangen wir besser gar nicht erst an!

Veröffentlicht unter Feminismus, Philosophie | Kommentare deaktiviert für Die blonden, blauäugigen Männer

Alternative für Köln

In der Silvesternacht zum 1. Januar 2017 wollte die AfD vor dem Kölner Dom demonstrieren. Die Polizei der Stadt Köln verbat jedoch die Kundgebung und das Verwaltungsgericht folgte den Argumenten der Ordnungshüter. Die Demonstration wurden untersagt! Polizeipräsident Jürgen Mathies berief sich auf „belegbare und jetzt schon erkennbare Gefahren für Versammlungsteilnehmer und Unbeteiligte“ und betonte, es sei der Polizei Köln unmöglich, „auch die AfD-Versammlung mit verfügbarem Personal und den für friedliche Silvesterfeiern vertretbaren Mitteln zu schützen“.

So demonstrierten die AfD nicht! Stellen wir uns nur mal vor, die AfD hätte gefordert, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe zu selektieren. Stellen wir uns vor, sie hätte zwei Türen am Hauptbahnhof gefordert, um Gäste nach der Hautfarbe zu sortieren. Mit Sicherheit hätte es einen Aufschrei gegeben!

Am 31. Dezember 2016 war es der AfD verboten, auf dem Domplatte zu demonstrieren, aber ihr Geist der (berechtigten) Angst war da. An dem Hauptbahnhof zur Domseite gab es zwei Türen. Die Polizei nutzen diese Türen, um die ankommenden Gäste zu selektieren. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet:

„Die Polizei hat eine Gasse am Eingang gebildet, sortiert ganze Gruppen arabisch aussehender junger Männer und Jugendlichen aus. Anwesende Polizisten sprechen von „selektieren“. Durch die Polizeimaßnahme entsteht ein Stau am Eingang zur Bahnhofshalle (…) Am kleinen Ausgang des Hauptbahnhof zur Domseite ist eine der Türen für Nordafrikaner reserviert (…) Vereinzelte Personen werden direkt in Züge aus der Stadt heraus gesetzt.“

Es wurden knapp 1700 Identitäten festgestellt, 29 Gewahrsamnahmen und 6 Festnahmen durchgeführt, sowie 900 Platzverweise ausgesprochen. Polizeipräsident Mathies erklärte in einer Pressekonferenz kurz vor Mitternacht:

„Am Hauptbahnhof steht eine Gruppe von rund Tausend Personen, die dem nordafrikanischen Hintergrund zuzuordnen sind. Unsere Kollegen nehmen ihre Personalien auf. Am Bahnhof Deutz/Messe wurde ein Zug gestoppt. Da werden gerade etwa 300 Personen kontrolliert.“

Nach terroristischen Anschlägen in Europa wie dem frauenfeindlichen Anschlag am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht 2015/16 oder dem Anschlag in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo und einem koscheren Supermarkt in Paris Anfang 2015 schrieben selbst seriöse Medien, die Straftaten seien von „Südländern“ oder von „Menschen mit nordafrikanischem“ oder „arabischem Aussehen“ begangen worden! Immer öfter wurden die Täter von einem großen Teil der deutschen Presselandschaft auf ihr Äußeres reduziert. Das ist rassistisch!

Es ist nicht die Haut-, Augen- und Haarfarbe, die sich in das Hirn eines Täters gefressen hat. Es ist die Ideologie! Teil einer jeden Ideologie ist das Glaubensfundament. Was die Täter der oben erwähnten Terroranschläge vereint, ist nicht ihr Äußeres. Es vereint sie ihr Inneres, das, woran sie glauben. Dass dieser Glaube auch weiße Menschen vergiften kann, hat die sogenannte Sauerland-Gruppe bewiesen.

Die meisten Araber sind anständige Menschen, so selbstverständlich wie es anständige Muslime gibt. Die Frage ist jedoch, wenn man nach dem Grund sucht, warum jemand zur Gewalt greift, ist der Grund dann eher in der Hautfarbe zu finden oder in den Überzeugungen? Rassismus ist die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner völkischen Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse nennt sich jedoch Kritik. Wer einen Muslim beurteilt, weil er Araber ist, betreibt Rassismus. Wer jedoch einen Araber beurteilt, weil er einer Ideologie verfallen ist, betreibt Aufklärung.

Im Umgang mit der Terrorschlägen müssen wir uns also entscheiden, wollen wir rassistisch oder aufklärerisch sein. Der Rassist sagt, die Täter waren „Südländer“ oder „Araber“. Der Aufklärer aber konzentriert sich auf ihre Überzeugungen. Es ist erschreckend, wie viele Menschen sich bei der Wahl zwischen Rassismus und Aufklärung für Rassismus entscheiden. Was wir brauchen sind mehr Menschen, die den Mut haben, Menschen aufgrund ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen zu kritisieren. Was wir nicht brauchen, sind Rassisten, die glauben, Taten würden begangen, weil die Täter eine gewisse Hautfarbe haben.

Am 31. Dezember 2015 wurde vor dem Kölner Hauptbahnhof ein Terroranschlag gegen Frauen verübt! Am 31. Dezember 2016 wurde ein solcher Anschlag verhindert. Das ist erst mal gut! Darum liegt es mir fern, die Polizei vor Ort in irgendeiner Form anzugreifen. Die Polizei hat getan, was ihr möglich war, um einen Terror gegen Frauen, wie wir ihn am 31. Dezember 2015 erleben mussten, ein Jahr später zu verhindern. Manchmal ist etwas falsches zu tun das einzig Richtige, was man noch tun kann, weil sonst nichts anderes mehr möglich ist. Wenn die Feuerwehr im fünften Stock ein Feuer löscht, kommt es in den Stockwerken darunter zum Wasserschaden. Aber wir können mit den Kollateralschäden vom 31. Dezember 2016 nicht zufrieden sein!

Ich gebe der Polizei nicht die Schuld für den 31. Dezember 2016. Schuld sind die Terroristen, die Sexisten, die Islamisten, die Zwietracht säen wollen. Am 31. Dezember 2015 hatte die Polizei Schuld, als sie die Opfer des sexistischen Terroranschlags alleine ließ! Am 31. Dezember 2016 trug die Polizei jedoch Verantwortung und das ist gut! Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Polizei gut genug aufgestellt ist, um Verantwortung zu tragen. Darum gilt:

Danke, liebe Polizei!

Danke, dass Ihr einen Anschlag wie vom 31. Dezember 2015 verhindert habt. Danke, dass Ihr die Frauen nicht im Stich gelassen habt. Dennoch, der 31. Dezember 2016 darf sich nicht wiederholen! Wir können und dürfen nicht zufrieden sein mit der Art und Weise, wie es in der Silvesternacht 2016/17 abgelaufen ist. Wir müssen es einfach besser können! Wir sind aufgeklärt, modern, humanistisch und feministisch. Die Bibliothek von Alexandria passt heute auf einen Mikrochip, wir fliegen und kommunizieren in einem weltweit gespannten Netz. Wir müssen es einfach besser können als zwei Türen, eine für Weiße und eine für die Anderen.

Ich stelle mir mal vor, ich sei Polizist. Die Polizei ist getrieben zwischen dem Anspruch, uns zu beschützen und der Erwartung, uns nicht auf die Nerven zu gehen. Es ist nicht leicht, bei der Polizei zu sein. Die Polizei erfährt in Deutschland einfach viel zu wenig Dankbarkeit. Wenn ich eine Polizistin oder einer Polizisten sehe, dann sage ich immer „Danke“. Die Polizei hat es verdient. Ich rufe alle meine Leserinnen und Leser auf, dies auch zu tun, denn diese Männer und Frauen machen einen harten Job und sind für uns da!

Ich stelle mir aber auch mal vor, ich steckte in die Haut eines Mannes, der als vermeintlicher Nafri selektiert im Polizeikessel vor dem Kölner Hauptbahnhof stand und nur feiern wollte. Ich nehme mal an, er ist Deutscher. Lediglich seine Hautfarbe und die Herkunft seiner Eltern machte ihn verdächtigt. Was denkt so ein Mann wohl in diesem Moment? Was denkt ein Mensch, der weiß, was es bedeutet, einen Job nicht zu bekommen, weil er so aussieht, wie er aussieht? Was denkt ein Mensch, der aufgrund seines Aussehens größere Schwierigkeiten hat, eine Wohnung zu finden, der von Behörden anders behandelt wird, oft nicht mal beabsichtigt, sondern unterbewusst, der stets und immer wieder auf seine Hautfarbe reduziert wird? Er braucht nur in einen Club zu gehen und schon weiß er, dass er anders ist als seine Freunde, die problemlos am Türsteher vorbei kommen.

Als weißer Mann kenne ich so eine Behandlung nicht. Ich werde nicht täglich auf meine Hautfarbe reduziert, einzig und allein dafür, um mich schlechter zu behandeln. Ich kann mir aber vorstellen, wie es ist, immer wieder ausgegrenzt zu werden, um dann zu erleben, dass ich aufgrund meines Aussehens sogar von der Polizei eingekesselt werde. Es gibt einen wissenschaftlichen Ausdruck für dieses Gefühl: Scheiße!

Natürlich weiß ich, dass dafür die Terroristen verantwortlich sind und nicht die Polizei. Ich weiß, dass die Polizei im Zweifel auf meiner Seite ist, aber ich stehe nun mal im Kessel und darf nicht feiern und das einzig und allein nur wegen meiner Hautfarbe. Das ist, ich wiederhole den wissenschaftlichen Ausdruck: Scheiße!

Im Grunde sind sich die Polizisten, die nun kritisiert werden und die unschuldigen Männer, die eingekesselt vor dem Kölner Dom standen sehr ähnlich. Sie müssen einstecken, was andere verbockt haben. Davon können jedoch auch die Frauen vom 31. Dezember 2015 ein Klagelied singen. Was die Polizei und die zu Nafris reduzierten Männer am 31. Dezember 2016 erleben mussten, verblasst im Vergleich zu den Erfahrungen, die Frauen am 31. Dezember 2015 vor dem Kölner Dom machen mussten.

Ich stelle mir mal vor, ich sei eine Frau. Wie fühlt es sich an, einen Auftrag nicht zu bekommen, weil ich eine Frau bin und ständig auf mein Äußeres reduziert zu werden? Wie ist es, im nächtlichen Park Angst zu haben, vergewaltigt zu werden und an allen Orten Übergriffigkeiten erleben müssen, nur weil ich eine Frau bin? In der Silvesternacht 2015/16 fanden sich Frauen eingekesselt in einer Horde von ideologisch aufgegeilten Barbaren, die wüten konnten, weil die Polizei sie im Stich ließ. Für einen kurzen Augenblick waren der Staat und das Land nicht mehr in der Lage, ihre Bürgerinnen zu schützen. Es war eine Kapitulation, die niemals hätte passieren dürfen. Die Silvesternacht 2015/16 ist somit nicht vergleichbar mit der Silvesternacht 2016/17. Das Eine war eine Kapitulation, das Andere nur etwas, das hätte besser organisiert werden müssen.

Wie lautet eigentlich die weibliche Form von Nafri? Von Frauen ging schließlich in der Silvesternacht keine Gefahr aus!

Zu Beginn des Jahres 2017 sollten wird die Gemeinsamkeiten erkennen. Die zu Unrecht Eingekesselten, die Polizei vor Ort und sämtliche angegriffenen und diskriminierten Frauen sitzen in einem Boot. Die Terroristen wollen, dass sie aufeinander los gehen, aber genau diesen Sieg dürfen wir ihnen nicht schenken. Unsere Gesellschaft ist wehrhaft, unsere Polizei ist verantwortungsvoll und Deutsch sein hängt nicht von der Hautfarbe oder dem Geschlecht ab.

Das heißt, dass es nicht angehen kann, dass ein Mensch vor dem Kölner Dom seine Bürgerrechte nicht ausleben kann, nur weil die Polizei nicht in der Lage ist, seine Rechte zu schützen. So schwer es manch einer Person fällt, es zu akzeptieren, aber das bedeutet auch, dass das Verbot für die AfD, am Silvesterabend vor dem Kölner Dom zu demonstrieren, ebenfalls inakzeptabel ist. Die AfD ist keine verbotene Partei. Es mag einem die innere Galle aufregen, manch ein Mitglied der AfD reden zu hören, aber die Grundrechte gelten für AfD-Mitglieder wie für jeden anderen Menschen. Die Justiz entscheidet, ob die AfD etwas verbotenes tut, nicht der Mob auf der Straße und die Polizei muss ihre Rechte schützen! Alles andere ist Selbstjustiz.

Außerdem, nachdem es in Köln zwei Türen zur Selektion von Menschen gegeben hat und eine klare Ansage der Polizei, das Versammlungsrecht von Menschen nicht schützen zu können, gibt es andere Nasen, an die es zu fassen gilt. Wer sich über die AfD echauffiert, darf jetzt nicht schweigen. Wir sind aufgeklärt, wir können einander ertragen, wir müssen einander ertragen und vor allem: Wir können es besser! Alles andere wäre ein Sieg der Terroristen!

Nur gute Polizei kann man kritisieren! Am 31. Dezember 2016 übernahm die Polizei Verantwortung. Wie jeder Mensch, der seinen Beruf liebt und Verantwortung übernimmt, hat die Polizei gelernt, was sie beim nächsten Mal besser machen kann. Darum ist Kritik gut!

Am 31. Dezember 2015 konnte man die Polizei nicht kritisieren. Man konnte nur an der Polizei verzweifeln. Sie kapitulierte. Sie ließ uns im Stich. Sie machte sich schuldig.

Es ist ein großer Unterschied, ob jemand Schuld trägt oder Verantwortung. Bei Schuld hilft nur eine Verurteilung. Darum ging der damalige Polizeichef auch! Verantwortung jedoch ermöglicht Kritik. Am 31. Dezember 2016 machte die Polizei Kritik möglich. Allein dafür, aber noch für vieles mehr, sage ich:

Danke, liebe Polizei!

Veröffentlicht unter Nachrichten | Kommentare deaktiviert für Alternative für Köln

Was Köln gemacht hat, ist in Israel undenkbar

Am 1. Januar 2017 erklärten die Stadt Köln, sowie die Landes- und Bundespolizei bei einer Pressekonferenz, in der Silvesternacht zum 1. Januar 2017 knapp 1700 Identitätsfeststellungen, 29 Gewahrsamnahmen und 6 Festnahmen durchgeführt, sowie 900 Platzverweise ausgesprochen zu haben. An dem Hauptbahnhof zur Domseite gab es zwei Türen. Die Polizei nutzen diese Türen, um die ankommenden Gäste zu selektieren. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet:

„Die Polizei hat eine Gasse am Eingang gebildet, sortiert ganze Gruppen arabisch aussehender junger Männer und Jugendlichen aus. Anwesende Polizisten sprechen von „selektieren“. Durch die Polizeimaßnahme entsteht ein Stau am Eingang zur Bahnhofshalle (…) Am kleinen Ausgang des Hauptbahnhof zur Domseite ist eine der Türen für Nordafrikaner reserviert (…) Vereinzelte Personen werden direkt in Züge aus der Stadt heraus gesetzt.“

Was in Köln geschehen ist, ist in Israel undenkbar, allein schon deshalb, weil Muslime, Araber, Juden und Israelis nicht nach ihrer Hautfarbe zu unterscheiden sind. Sie sehen sich nämlich oft viel zu ähnlich.

Israel nutzt daher andere Mittel und Wege, um sich vor dem Terrorismus zu schützen, der zum Alltag gehört. Immer wieder muss Israel mörderische Anschläge ertragen. Israels Nachbarn feuern Raketen auf das kleine Land ab und die Hamas in Gaza fordert sogar die totale Vernichtung des jüdischen Volkes! Inmitten dieses Hasses bewahrt sich Israel Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit!

Deutschland weigert sich jedoch, von Israels Erfahrungen zu lernen. Stattdessen wird Israel mehrheitlich kritisiert, obwohl das kleine Land eigentlich als Vorbild dienen sollte.

In Israel gibt es kein „racial profiling“. In Israel gibt es ein „ideology profiling“!

Es ist nämlich nicht die Haut-, Augen- und Haarfarbe, die sich in das Hirn eines Täters gefressen hat. Es ist die Ideologie! Teil einer jeden Ideologie ist das Glaubensfundament. Was die Terroristen vereint, ist nicht ihr Äußeres. Es vereint sie ihr Inneres, das, woran sie glauben und dass dieser Glaube auch weiße Menschen vergiften kann, hat die sogenannte Sauerland-Gruppe bewiesen.

Das Problem ist, dass nicht sauber differenziert wird. Für viele umfasst der Begriff „racial profiling“ die Kriterien ethnische Zugehörigkeit, Religion und nationaler Herkunft. Das sind aber drei vollkommen unterschiedliche Dinge, nämlich:

racial profiling
national profiling
ideology profiling

Die meisten Araber aus sämtlichen Ländern sind anständige Menschen, so selbstverständlich wie es anständige Muslime gibt. Die Frage ist jedoch, wenn man nach dem Grund sucht, warum jemand zur Gewalt greift, ist der Grund dann eher in der Hautfarbe zu finden oder in den Überzeugungen?

Rassismus ist die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner völkischen Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse nennt sich jedoch Kritik. Wer einen Muslim beurteilt, weil er Araber ist, betreibt Rassismus. Wer jedoch einen Araber beurteilt, weil er einer Ideologie verfallen ist, betreibt Aufklärung.

Deutschland versucht es lieber mit Rassismus. Nach terroristischen Anschlägen in Europa wie dem frauenfeindlichen Anschlag am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht 2015/16 oder dem Anschlag in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo und einem koscheren Supermarkt in Paris Anfang 2015 schrieben selbst seriöse Medien, die Straftaten seien von „Südländern“ oder von „Menschen mit nordafrikanischem“ oder „arabischem Aussehen“ begangen worden! Immer öfter wurden die Täter von einem großen Teil der deutschen Presselandschaft auf ihr Äußeres reduziert. Das ist „racial profiling“!

Im Umgang mit der Terrorschlägen müssen wir uns also entscheiden, wollen wir rassistisch oder aufklärerisch sein. Der Rassist sagt, die Täter waren „Südländer“ oder „Araber“. Der Aufklärer aber konzentriert sich auf ihre Überzeugungen. Es ist erschreckend, wie viele Menschen sich bei der Wahl zwischen Rassismus und Aufklärung für Rassismus entscheiden.

Was wir brauchen sind mehr Menschen, die den Mut haben, Menschen aufgrund ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen zu kritisieren. Was wir nicht brauchen, sind Rassisten, die glauben, Taten würden begangen, weil die Täter eine gewisse Hautfarbe haben. Deutschland muss seinen Pfad des Rassismus schnell verlassen, denn „racial profiling“ ist ein No-Go, „national profiling“ vielleicht ein unter eng definierten Umständen nötiges Übel und „ideology profiling“ ist ein unter Umständen notwendiges Mittel der Aufklärung.

Wir sollten Israel daher weniger kritisieren und dafür mehr von dem Land lernen, vor allem, wie man Menschlichkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Zeiten des Terrorismus‘ und des Kriegs verteidigt.

Veröffentlicht unter Deutschland, Israel, Nachrichten | Kommentare deaktiviert für Was Köln gemacht hat, ist in Israel undenkbar

Köln zu Silvester

Vor genau einem Jahr, am 1. Januar 2016, gab die Kölner Polizei diese Presseerklärung heraus:

„Die Polizei Köln zieht Bilanz

Wie im Vorjahr verliefen die meisten Silvesterfeierlichkeiten auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen friedlich. Die Polizisten schritten hauptsächlich bei Körperverletzungsdelikten und Ruhestörungen ein.

Kurz vor Mitternacht musste der Bahnhofsvorplatz im Bereich des Treppenaufgangs zum Dom durch Uniformierte geräumt werden. Um eine Massenpanik durch Zünden von pyrotechnischer Munition bei den circa 1000 Feiernden zu verhindern, begannen die Beamten kurzfristig die Platzfläche zu räumen. Trotz der ungeplanten Feierpause gestaltete sich die Einsatzlage entspannt – auch weil die Polizei sich an neuralgischen Orten gut aufgestellt und präsent zeigte.“

Ein Jahr später sieht die Lage in Köln viel dramatischer aus. Heute, am 1. Januar 2017 meldete sich die Stadt, Landes- und Bundespolizei bei einer Pressekonferenz mit folgenden Ergebnissen:

2 (leichte) sexuelle Übergriffe,
29 Gewahrsamnahmen,
knapp 1700 Identitätsfesstellungen,
6 Festnahmen,
900 Platzverweise.

Polizeipräsident Mathies erklärte in einer Pressekonferenz kurz vor Mitternacht:

„Am Hauptbahnhof steht eine Gruppe von rund Tausend Personen, die dem nordafrikanischen Hintergrund zuzuordnen sind. Unsere Kollegen nehmen ihre Personalien auf. Am Bahnhof Deutz/Messe wurde ein Zug gestoppt. Da werden gerade etwa 300 Personen kontrolliert.“

An dem Hauptbahnhof zur Domseite gab es zwei Türen. Die Polizei nutzen diese Türen, um die ankommenden Gäste zu selektieren. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet:

„Die Polizei hat eine Gasse am Eingang gebildet, sortiert ganze Gruppen arabisch aussehnder junger Männer und Jugendlichen aus. Anwesende Polizisten sprechen von „selektieren“. Durch die Polizeimaßnahme entsteht ein Stau am Eingang zur Bahnhofshalle.“

„Am kleinen Ausgang des Hauptbahnhof zur Domseite ist eine der Türen für Nordafrikaner reserviert. Etwa 50 bis 80 Menschen werden dort festgehalten und einzeln nacheinander von den Beamten überprüft. Vereinzelte Personen werden direkt in Züge aus der Stadt heraus gesetzt.“

„Eine Schlägerei zwischen zwei Personen der Gruppe nordafrikanisch aussehender Männer. Die Polizei geht sofort entschieden dazwischen und nimmt eine Person fest. Die Gruppe Nordafrikaner ist laut Polizei mit dem Zug aus Düsseldorf gekommen. Man gehe davon aus, dass die geschätzt 120 Personen sich zuvor verabredet haben.“

Was ist bloß zwischen 2016 und 2017 passiert? Im Jahr 2016 war laut Polizeibericht noch alles „friedlich und entspannt“ und heute ähnelt Köln einem Hochsicherheitstrakt! Was sagen Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Kardinal Wölki eigentlich dazu, dass vor dem Kölner Dom Menschen nach ihrer Hautfarbe und Herkunft selektiert und mit Zügen abtransportiert wurden? Warum durften diese Menschen nicht mitfeiern? Gibt es eine Erklärung für diese Maßnahmen oder Hinweise, dass von dieser Personengruppe eine besondere Gefahr ausging? Ist das christliche Nächstenliebe und Kölsche Gastfreundlichkeit? Solche Aktionen kritisieren Wölki und Reker sonst. Irgendwas muss passiert sein.

Veröffentlicht unter Nachrichten | Kommentare deaktiviert für Köln zu Silvester

2016 – ein Epilog

Ein Epilog von Alpha O’Droma, der über mich sagt:

„Gerd Buurmann, ein furchtbarer Polemiker, mit dem sich allerdings vortrefflich streiten lässt. Ich möchte ihn stets erwürgen oder knuddeln. Auf jeden Fall provoziert er immer eine Reaktion – das größte Kompliment für einen Polemiker.“

Hier sein Epilog:


2016 begann beschissen. Unsere linksgrünversiffte Gutmenschenillusion, alle Flüchtlinge wären promovierte Ärzte und Ingenieure mit vornehmem Charakter, zerplatzte bereits am 1.1. und wir mussten feststellen, dass das genau so dumme Arschlöcher sind wie wir. Also statistisch.

Nur kam hier bereits das Wort des Jahres zum Zuge und die weltweit neu erstarkte rechtspopulistische Front (also unsere Arschlöcher, die meinen, sie wären repräsentativ für uns) zog über Migranten her (dem Trugschluss erlegen, deren Arschlöcher wären repräsentativ für alle Migranten) und sie zog uns Jack Nicholson gleich über den Post-Fuck-Tisch und wie weiland Jessica Lange stöhnten wir nur ergeben: „Ja, das muss dann wohl so sein…“ und ließen uns ficken.

Wir Deutschen sind solche verkackten Prinzipienreiter und Schwarzweißseher! So eine Ansprache, die packt die empörungswillige Volksseele. Und sie erreicht, wozu sie geschaffen ist: ein Klima von Angst, Hass und Gewalt. Und damit kriegen die Populisten alle Spießer und Kleinbürger. Weltweit.

Spießer sind aber nicht per se schlechte Menschen – auch wenn ich als Flower-Power-Saddhu-Schüler immer gehässig über sie spreche, weil ich finde, dass Stöcke in Ärschen schlecht für jedwege Haltung sind. Immerhin das haben wir 2016 begriffen, dass nicht jeder, der wegen der Flüchtlinge eine Sorge äußert, Nazi oder Rassist ist. Und dass wir die wirklich besorgten Bürger an die Rechtspopulisten verlieren, wenn wir „besorgter Bürger“ automatisch mit dem Subtext „rassistischer AfD-Sympathisant“ versehen.

Unsere Aufgabe für 2017 ff. ist, eine neue Dialogkultur zu entwickeln, die diese Menschen adressiert, wollen wir verhindern, dass sich die AfD bundesweit als echter Machtfaktor etabliert. Der schlechteste Weg ist, die AfD zu imitieren, Herr Seehofer!

Deshalb ist für mich auch „Filterblase“ das Wort des Jahres. Postfaktisches ist nicht neu, schließlich existiert die BILD seit 1952 und dumme Hetze, die Lügengeschichten über Randgruppen erfindet, gab es auch schon immer. Es gibt auch nicht mehr Rassisten als früher.

Der einzige Unterschied zu früher ist, dass das nicht mehr in der Kneipe am Stammtisch geschieht. Die Doofen haben heute alle Internet. Deshalb geschieht Hetze jetzt öffentlich und jede Lügengeschichte wird tausendfach geteilt. Es schlummert etwas Heimtückisches in diesen Facebook-Algorithmen, die dafür sorgen, dass wir uns mit genau den Menschen umgeben, die so denken wie wir. Klar müssen Rassisten in Dresden glauben, sie wären das Volk, denn jeder in ihrem Umfeld erzählt die gleichen Horrorgeschichten über Migranten, die allesamt kriminelle Vergewaltiger sind und in ihrer Freizeit Ziegen schächten. Im Wohnzimmer!

Aber uns Gutmenschen betrifft es genauso. Wir schreiben gegen Rechts und klopfen uns gegenseitig ganz dolle auf die Schultern, denn schließlich geht es darum, wer die Guten und wer die Bösen sind. Ja klar, die Guten sind immer wir! Aber wem soll das helfen, wenn wir uns gegenseitig ganz toll finden, aber dabei völlig unter Unseresgleichen bleiben?

Klar kannst du mit einem echten Pegidioten nicht reden und du wirst keinen echten Rassisten überzeugen, doch um die geht es nicht, sondern um die verunsicherte Mehrheit in diesem Land. Zwischen rechtem Pöbel und Bahnhofsklatschern hocken viele Millionen Menschen, die nicht mehr wissen, was und vor allem wem sie glauben sollen. Klar ist der Lügenpressevorwurf lächerlich, vor allem, da er von Leuten kommt, die nachweislich noch nie in ihrem Leben eine gute Zeitung gelesen haben, aber er fällt auf den fruchtbaren Boden der Angst und Verunsicherung, speziell im Osten, wo man der Presse traditionell nie trauen konnte. „Was liegt auf der Treppe und lügt?“ hieß es da früher. Die Pointe lautete „Neues Deutschland“ (das war das SED-Einheitspresseorgan – für die Jüngeren unter uns).

Wer nicht mehr weiß, was er glauben soll, glaubt am Ende jeden möglichen Scheiß, solange der ins eigene xenophobe Weltbild passt. Und auch Xenophobe sind per se keine schlechten Menschen, sondern nur Menschen, die Angst vor dem Fremden haben. Und so lange es dagegen nix von Ratiopharm gibt, müssen wir uns um diese Menschen kümmern, egal für wie dämlich, provinziell oder rassistisch wir sie halten. Viele sind es nicht! Ich kenne herzensgute Leute, die jedem einzelnen Migranten offen und freundlich begegnen, aber im gleichen Atemzug Sätze sagen wie „Das mit den Ausländern wird einfach zu viel“, „Wieso müssen WIR die alle aufnehmen?“ oder „Man hat ja Angst auf die Straße zu gehen“, weil man ja dort sofort von Asylanten vergewaltigt oder ausgeraubt wird. Gefühlte Wirklichkeiten, denen man mit Fakten begegnen kann. Könnte. Denn wenn du diese irrationalen Ängste z.B. mit Kriminalitätsstatistiken widerlegst, kommt sofort der Zweifel, ob diese Statistik des Bundeskriminalamtes nicht gefälscht sei. Weil heutzutage alles Fake ist. Und jeder einen kennt, der das eigene Vorurteil bestätigt. Frag die Irene! Das hat die selbst erlebt!

Die Menschen müssen wieder differenzieren lernen. Nie stand jedermann so viel Information zur Verfügung wie heute, doch was nützt das jemandem mit der Medienkompetenz eines Gibbons? Der recherchiert nicht, sondern schaltet bei Reizüberflutung einfach auf Oberflächlichkeitsmodus und liest nur noch Schlagzeilen. Und da wird dann nicht mehr unterschieden zwischen einer Headline der Süddeutschen oder des Kopp-Verlages. Und auch um den Gibbon müssen wir uns kümmern, wir brauchen Medienkompetenz als Schulfach, damit die Menschen filtern lernen und die Qualitätsmedien, die wir durchaus haben, auch in ihren Augen wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen. Und damit sie Bullshit und Fakenews von echten Nachrichten unterscheiden können.

Wir müssen den Dialog offen halten. Den Dialog mit diesen Menschen überhaupt erst mal beginnen und nicht immer gleich verurteilen, DAS hat uns 2016 hoffentlich gelehrt, denn weder der rechte Pöbel noch die Gutmenschenfraktion entscheidet zukünftige Wahlen, sondern die riesige verunsicherte Masse zwischen diesen beiden Lagern.

Was war noch 2016?

Endlich mal ein wichtiges Spiel gegen Italien gewonnen! Wenige Tage später lachten die Franzosen: Endlich mal ein wichtiges Spiel gegen Deutschland gewonnen! Und am Schluss heulte Ronaldo und die Portugiesen lachten: Endlich mal ein wichtiges Spiel gewonnen! Was bleibt, ist lediglich die Erkenntnis, das Jérôme ’ne coole Sau ist, die jeder gern als Nachbar hätte. Außer Gauland.

Promisterben.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dieses ganze Betroffenheitsgeheuchele geht mir dermaßen auf den Sack! Die allermeisten hatten ein gesegnetes Alter erreicht. Zeit zu gehen, so what!? Da berührt Carrie Fisher oder Prince schon eher, die waren doch noch so jung! Nein, so jung waren die auch nicht mehr, wir haben sie nur so jung in Erinnerung, weil wir mit denen unsere Jugend verbracht haben. Und deshalb diese lächerliche Betroffenheit bei jedem Sänger oder Schauspieler: weil ihr Tod uns bewusst macht, dass wir selbst nicht mehr ganz taufrisch sind, dass die Einschläge näher kommen, dass – wenn schon die Helden unserer Jugend die Grätsche machen – auch wir bald fällig sind. Wir bejammern, wenn wir ganz ehrlich sind, also nur unsere eigene Sterblichkeit!

Der Terror ist nun auch in Deutschland angekommen.

War doch klar, dass das nicht an uns vorüber geht, oder? Eine Frage der Zeit. Dass es so lange gedauert hat, liegt wahrscheinlich daran, dass wir Deutsche im arabischen Raum gut gelitten sind. Auf meinen Reisen durch Pakistan und Afghanistan während des Golfkrieges 1990/91 bewarf man mich – wie jeden Westerner – oft mit Steinen. Doch ich musste dann nur die Hände heben und meinen damals noch grünen Pass zeigen: „Alemania!“ und sogleich wurde mir anerkennend auf die Schulter geklopft „Adolf Hitler very good man“, so als hätte ich höchstpersönlich 6 Millionen Juden vergast. Applaus von den falschen Leuten aus den falschen Gründen gab es also schon vor facebook

Doch ich schweife ab. Sorry! Zum Terror gibt es nicht viel zu sagen. Hört einfach auf mit dieser gefühlten Angstscheiße! Wenn man euch sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, an einem Kirschkern zu ersticken, 100.000 mal größer ist, als bei einem Terroranschlag draufzugehen, kriegt ihr dann Panik beim Anblick von Kirschkonfitüre? Nein. Na also! Nehmen wir uns ein Beispiel an den Norwegern und leben einfach so weiter wie bisher – frei und offen! Der Berliner macht das sowieso. Da kann der IS morgen eine schmutzige Bombe vor dem Reichstag hochgehen lassen, dass Mitte und Prenzlberg komplett verseucht in Schutt und Asche liegt, da zucken wir in der Muddastadt nur mit den Schultern und sagen Sachen wie „Wenigstens hattet die janzen Drecksschwaben erwischt“ (Politiker, Hipster, jeder kann sein persönliches Feindbild hier einsetzen) oder „Scheiß druff! Da war eh immer nur Stau!“

Fatalismus ist keine Gleichgültigkeit! In der Ruhe liegt die Kraft.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Gelassenheit. Bleibt gesund und geht liebevoll miteinander um, ihr Lutschpuppen! Ich wünsche euch einen guten Rutsch in ein geiles 2017.

Euer
Alpha O’Droma

***
(TINAOD)

Veröffentlicht unter Fremde Feder | Kommentare deaktiviert für 2016 – ein Epilog

Allah? Allah? Who the fuck is Allah?

Es geschieht immer wieder. Junge, homosexuelle Menschen werden auf Facebook und anderen „sozialen“ Medien massiv attackiert. Wenn ein schwules Paar ein Foto hochlädt, wo sie sich küssen, ist ein homophober Shitstorm nahezu vorprogrammiert. Hass, Gewalt und Beleidigungen sind sichere Bestandteile der homophoben Kommentare. Nicht selten wird Gott als Auftraggeber des Schwulenhasses genannt. Ich habe daher einen Vorschlag:

Wenn es einen Gott geben sollte und er allmächtig ist, dann braucht er gewiss keine jämmerlichen Wichser, die in seinem Namen auf Facebook Hass und Dreck verbreiten. Gott wird zudem in seiner Allmächtigkeit mit Sicherheit darauf klar kommen, wenn er beleidigt und verarscht wird. Die Scheißkerle jedoch, die seinen Namen missbrauchen, kommen nicht darauf klar, wenn Gott beleidigt wird. Darum rufe ich zu folgenden Aktion auf:

Beleidigt den Gott, an den die Leute glauben, die Schwule hassen. Tut dies in ihrer Anwesenheit!

Gott wird darauf klar kommen, beleidigt zu werden. Ich glaube sogar, es ist gottgefällig, dies zu tun, denn Gott steht bestimmt gerne für Menschen ein, die gehasst werden, weil sie lieben.

Jesus ließ sich für die Menschen kreuzigen, dann wird Gott sich bestimmt für die Liebe beleidigen lassen. Ein kleiner Preis für die Größe der Liebe. Hier ist eine Beleidigung. Sie kommt von Nietzsche:

„Gott ist tot!“

Zur Sicherheit füge ich noch ein Lob an Gott hinzu:

„Gott ist schwul!“

Wer Gott nicht beleidigen möchte, kann auch dieses Lob verwenden. Leute nämlich, die im vermeintlichen Namen Gottes Schwule hassen, werden auch dies als Beleidigung auffassen.

Ich bin mir sicher, es ist sehr viel besser, einen unsichtbaren Freund zu beleidigen, statt einen lebenden, atmenden, liebenden Menschen und ich bin mir sicher, Gott sieht das genau so, wenn es ihn gibt!

Veröffentlicht unter Philosophie, Politik | Kommentare deaktiviert für Allah? Allah? Who the fuck is Allah?

Ein Vorschlag für die CSU und Volker Beck

Volker Beck wundert sich über die „CSU-Logik“:

„Für die CSU gefährdet das Kopftuch einer Richterin das Vertrauen in die Neutralität der Justiz. Really?“

Dabei zeigt er das Bild eines Verhandlungssaals in Bayern und kreist dort das Kreuz über der Tür ein. Ich mache dann mal einen Vorschlag:

Die Richterin nimmt ihr Kopftuch ab und hängt es über das Kreuz. Abgemacht?

Volker Beck erklärt:

„Ich lehne den Vorstoß der CSU zum Kopftuchverbot ab: Ein pauschales Verbot religiöser Bekundungen in Gerichten durch das äußere Erscheinungsbild von Richterinnen und Staatsanwältinnen ist mit deren Glaubens- und Bekenntnisfreiheit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) nicht vereinbar. Wird aus religiösen Gründen das Bedeckungsgebot als verpflichtend angesehen, käme dies für die Betroffenen einem Berufsverbot gleich.
Entscheidend ist nicht, was ein Mensch auf dem Kopf trägt, sondern was er in seinem Kopf hat.“

Das stimmt Volker, aber ich möchte hinzufügen, wenn jemand glaubt, ein unsichtbarer Freund habe einem massenmordenden Feldherrn vor 1500 Jahren in einer arabischen Wüste zugeflüstert, wie sich eine Frau im 21. Jahrhundert in Europa am besten zu kleiden hat, ist in diesem Kopf noch eine Menge Platz frei! Volker Beck fährt fort:

„Ich traue einer Muslima mit Kopftuch oder einem Juden mit Kippa genauso zu, Recht zu sprechen und unparteiisch zu entscheiden, wie jeder anderen Person. Auch Wohnungseigentümer vermögen grundsätzlich als Richter in Mietrechtsfragen unabhängig Recht zu sprechen.“

Das stimmt Volker, aber wenn der Wohnungseigentümer behauptet, sein unsichtbarer Freund habe ihm das Haus als Eigentümer übergeben und kein weltliches Recht könne ihm dieses Gottesurteil nehmen, würde Dich das hoffentlich ein wenig skeptisch machen. Volker Beck fährt fort:

„Ich sympathisiere nicht mit den Vorstellungen, die mit dem muslimischen Bedeckungsgebot verbunden sind, da sich damit auch bestimmte Geschlechter-und Sexualitätsvorstellungen verbinden können. Auch sind andere Vorstellungen im Islam beheimatet. Doch darauf kommt es nicht an.“

Doch Volker, genau darauf kommt es an. Wenn Religion als Ideologie verstanden wird, dann darf ein vorsitzender Mensch vor Gericht ebensowenig diese religiöse Ideologie zur Schau tragen, wie irgendeine andere politische Ideologie. Oder darf eine Richterin vor Gericht auch ein Hut mit der Aufschrift „Bündnis 90/Die Grünen“ tragen? Ist es ein Berufsverbot, wenn ein sozialdemokratischer Richter nicht ein Wahlplakat der SPD offen vor Gericht präsentieren darf?

Ich sage nur: Augen auf bei der Berufswahl. Wer Arzt werden will, sollte sich bei der Arbeit von Dreck an seinen Händen trennen können und wer Richterin werden will, sollte sich bei der Arbeit von religiösen Dogmen trennen können.

Veröffentlicht unter Deutschland, Philosophie | Kommentare deaktiviert für Ein Vorschlag für die CSU und Volker Beck