Wisst ihr, wann wir alle am Arsch sind?

Ein kurzer Kommentar von Maxi Gstettenbauer.

Wisst ihr, wann wir alle am Arsch sind? Wenn SPIEGEL ONLINE entscheidet, was man lustig finden darf und was nicht.

Der große Widerspruch ist ja, alle Zeitungen schreiben, wie furchtbar unwitzig der Auftritt war, aber im Video rasten die Leute komplett aus. Vielleicht, weil die Menschen im Publikum blicken, dass das nicht so gemeint ist? Er war schon immer offensive.

Außerdem probiert er da ein Set aus. Ich habe damals seine Show „Hilarious“ in San Francisco gesehen, ungefähr ein halbes Jahr, bevor es als Special rauskam. Da waren viele Bits noch echt beleidigend und von der Haltung her auch völlig durch den Wind. Später im Special, als es „fertig“ war, war davon nichts mehr zu sehen, weil er einfach Zeit hatte, dran zu arbeiten.

Am Anfang sind viele Bits einfach whack. Gerade wenn man Tabus erforscht.

Und man hat das Recht, auf der Bühne schlimme Dinge zu sagen. Das heißt nicht, dass das die Privatmeinung des Künstlers ist. Aber komm, was rege ich mich auf. Ich kriege echt die Krise, wenn irgendwelche unlustigen weißen Ritter, die Null Plan von Comedy haben, so eine Scheiße schreiben.

Ich hab C.K. selber in meinem Programm angegriffen wegen seinem übergriffigen Verhalten. Aber dass jetzt die komplette Presselandschaft sich als Comedy Experte aufspielt und wieder mal entscheiden will, was lustig ist und was nicht, geht mir ultra auf den Sack. Gerade nach der Relotius Geschichte sollte der SPIEGEL ganz still sein.

Sagen, was ist und nicht sagen, wie man es zu finden hat. Das kriegt das Publikum schon selbst hin.

Ich mach mir jetzt nen Kaffee.

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Controlled laughter

Those who sort humor into political categories don’t understand humor. And they rarely fail to emphasize that there’s nothing to joke about.

Those who say jokes can be dangerous may also believe that a woman leaving the privacy of the home without a veil is a danger. Censorship is for freedom of speech what the veil is for women’s rights. Every woman is free to decide for herself whether she wants to wear a veil, just as every person is free to decide for himself or herself whether and about what he or she wants to remain silent.

Political attitudes are burkas for humor. Comedy must be naked!

There are talented comedians who have wit, humor and master irony, and then there are those who prefer comedy wrapped in their own political convictions. They deliver humor with a guarantee included, just like the rabble rouser, who aims at a chosen enemy to laugh at.

Political comedy with prepackaged convictions is more about laughing at something or about someone rather than enjoying a good laugh together. Finger pointing relies on an audience’s bias. Poking at those „up there“ is generally risk-free. Audiences can maintain an illusion of not being responsible for politics. Humor aimed at those „up there“ is as if a king or a dictator were magically placed above them.

The one-trick jokester is similar to that of the political agitator. Both create and perpetuate an identity with which an audience can identify as a horde of malcontents looks to release anger. Laughter is then a form of aggression.

There are comedians who point the finger at others and there are comedians who point the finger at themselves.

All ideologies, religions and convictions offer without exception plenty of material for the comedian. It’s absolutely in order to make jokes about those topics! If someone feels insulted by jokes aimed at the Koran, the Gospel, a manifesto, a party, Mohammed or Jesus, then he or she is free to feel insulted. I will never abstain from doubting or criticizing ideas and concepts. People who feel personally attacked when their faith is ridiculed, are confusing themselves with their belief systems. But, people are more than the sum of their ideas!

Laughter itself can’t be located politically, because laughter is not a voluntary action. A person doesn’t listen to a joke, then after categorizing it, decide whether to laugh or not. If a joke is good, then laughter will erupt spontaneously. It’s as simple as that.

„Is that something to laugh about?“ is really an absurd question.

Those who laugh because it coincides with a predetermined mindset aren’t really laughing, but are only confirming group think. Laughing is an involuntary act! For sure, one can be ashamed afterwards to have laughed. Some may even be ashamed to have got an erection in public, but shame doesn’t help. It’s very difficult to suppress laughter. You can only lie afterwards and say you didn’t find the joke funny at all, just like other people deny their sexuality.

Laughter, like pleasure, is a spontaneous eruption.

If someone makes a joke you can’t laugh at, then maybe it’s time to open your ears. If others laugh, then their erogenous laugh muscles have apparently been stimulated. What right do we have to deny people their laughing? Humor is not a pathological perversion.

Of course, people don’t always share the same sense of humor. Humor aims at different targets. For example, comedy with a preconceived political direction leaves me cold. I don’t want to be serviced. I want to be fucked by the comedian. I want to laugh because I have to laugh!

***

Translation: William Wires
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So geht das nicht!

Ein offener Brief von Malca Goldstein-Wolf an den Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeiger.

Sehr geehrter Carsten Fiedler,

als pro-jüdische Aktivistin habe ich 2018 auch Unterstützung aus Ihrem Hause erfahren, unter anderem durch diesen Bericht. Mit Ihrer heutigen Berichterstattung unterstützen Sie meinen Kampf gegen Antisemitismus allerdings nicht, im Gegenteil. Wenn Sie Judenhassern wie Wolf Bonnemann eine Bühne geben, helfen Sie mit, Antisemitismus zu schüren.

Ich konnte zunächst gar nicht glauben, was ich da lesen musste. Wolf Dieter Bonnemann macht die Juden selbst, ganz selbstverständlich, für Judenhass verantwortlich. Er schreibt:

„Solange sich offizielle Vertreter der hiesigen Juden nicht von der jetzigen Politik Israels distanzieren, so lange werden Anti-Israel-Haltung und Antisemitismus Hand in Hand gehen, auch wenn weitere Antisemitismusbeauftragte ernannt werden.“

Israelische Politik kann nie als Grund für Judenhass genannt werden. Es ist ein Unding, so etwas zu behaupten und es ist unerträglich, dass so eine Hetze abgedruckt wird. Bonnemann verteidigt indirekt den täglichen Raketenangriff auf Israel, er rechtfertigt Terroranschläge der Palästinenser auf unschuldige Israelis und er verharmlost tätliche Angriffe auf Juden hierzulande.

Auch ich bin dieses Jahr körperlich angegriffen worden, von einer Dame, die sich auch mit einer dieser radikalen pro-Palästina Organisationen identifiziert. Was mein Vergehen war? Ich hatte gewagt, eine kleine israelische Flagge in der Hand zu halten.

Herr Bonnemann macht genau das, was heutzutage in Mode gekommen ist. Er kotzt seinen Hass auf Juden scheinheilig als „Israelkritik“ getarnt in die Öffentlichkeit. Er möchte die Menschen glauben machen, dass die bösen Juden an ihrem Schicksal selbst schuld sind. In diesen Zeiten tragen auch Sie als Medienerstatter eine soziale Verantwortung. Mit Abdruck dieses Statement handeln Sie grob fahrlässig und sorgen dafür, dass Angriffe auf Juden salonfähig gemacht werden. Das ist inakzeptabel und zutiefst unmoralisch.

Falls es Sie interessiert, welch Geistes Kind Bonnemann ist, lesen Sie gerne die palästinensische Propaganda, die auch er unterzeichnet hat.

Herr Fiedler, ich bitte Sie, diesen Artikel nicht so stehen zu lassen. Eine öffentliche Klarstellung ist das Mindeste, um den Schaden zu begrenzen. Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung.

So geht das nicht!

Shalom,
Malca Goldstein-Wolf

***

Die Antwort des Chefredakteurs des Kölner Stadt-Anzeigers, Carsten Fiedler:

Sehr geehrte Frau Goldstein-Wolf,

Sie haben Recht: Dieser Leserbrief hätte so nicht veröffentlicht werden dürfen. Die Synagogen-Gemeinde Köln hat sich ebenfalls mit berechtigter Kritik an mich gewandt. Wir haben dazu in der heutigen Ausgabe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ neben einem Beitrag der Synagogen-Gemeinde eine entsprechende Stellungnahme der Chefredaktion veröffentlicht mit folgendem Wortlaut:

„Der Kölner Stadt-Anzeiger distanziert sich von jeglichem antisemitischen Gedankengut. Am 10.12.2018 hatten wir kritisch über Antisemitismus in Köln berichtet. Dieser Bericht war Anlass für mehrere Leserbriefe zu dem Thema. Wir haben großes Verständnis für die Sorgen der Synagogen-Gemeinde Köln. In Zeiten, in denen Antisemitismus in Deutschland wieder zunimmt, sind wir als Redaktion gefordert, auch Leserzuschriften besonders kritisch zu prüfen. Leider sind wir in diesem Fall unserem Anspruch nicht gerecht geworden, was wir bedauern.“
Kölner Stadt-Anzeiger, Chefredaktion

Herzliche Grüße,
Carsten Fiedler
Chefredakteur

***

Die Antwort von Malca Goldstein-Wolf:

Sehr geehrter Herr Fiedler,

Ich bedanke mich für Ihre prompte Antwort und Ihre klare Haltung! Was ich mich jedoch immer noch frage ist: „Was geht in dem Redakteur vor, der diesen Leserbrief zum Abdruck gebracht hat?“ Das bereitet mir, ehrlich gesagt, Unwohlsein… Vielleicht fragen Sie ihn mal?

Beste Grüße,
Malca Goldstein-Wolf

***

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Vereinter Judenhass

„Solange sich offizielle Vertreter der hiesigen Juden nicht von der jetzigen Politik Israels distanzieren, so lange werden Anti-Israel-Haltung und Antisemitismus Hand in Hand gehen, auch wenn weitere Antisemitismusbeauftragte ernannt werden.“

Diese Worte von Wolf Dieter Bonnemann veröffentlichte der Kölner Stadt-Anzeiger am 2. Januar 2019. Bonnemann beschwert sich in diesem Leserbrief, er habe „kein kritisches Wort von offizieller jüdischer Seite, sei es vom Zentralrat der Juden oder dem jeweiligen Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde, gegen die israelische Nahostpoltik gehört.“

Das ist die Sicht des Bonnemann: Ein Jude, der Israel nicht kritisiert, muss sich nicht wundern, wenn er beleidigt, ihm seine Kippa vom Kopf gerissen oder seine Synagoge angegriffen wird. Es ist eine Sicht, die sich in Deutschland mittlerweile sogar in der Justiz findet.

Am 18. Januar 2016 fand am Wuppertaler Landgericht die Berufungsverhandlung gegen Attentäter statt, die Ende Juli 2014 einen Brandanschlag auf die Wuppertaler Synagoge verübt hatten. Das Amtsgericht Wuppertal erklärte damals, der Anschlag auf die Synagoge sei keine antisemitische Tat gewesen, da die Attentäter erklärt hatten, mit dem Anzünden der Synagoge die Aufmerksamkeit auf den Konflikt zwischen Israel und Gaza lenken zu wollen. Das Gericht verstand dieses Ansinnen und erklärte, dass es „keine Anhaltspunkte für eine antisemitische Tat“ gäbe!

Die Ausführungen von Bonnemann, Juden könnten aufgrund ihres Verhaltens selber Schuld am Judenhass sein, ist zutiefst antisemitisch. Es ist so, als würde man einer vergewaltigen Frau Mitschuld an dem Verbrechen geben, weil sie einen zu kurzen Rock getragen hat. In der selben perversen „Logik“ könnten Rechtsextreme auch Moscheen angreifen und dabei erklären, mit der Tat die Politik Saudi-Arabiens oder des Irans kritisieren zu wollen. Auch Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte könnten als Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik abgebucht werden.

Es ist vollkommen irrelevant wie sich ein Jude benimmt, Antisemitismus ist immer falsch. Wolf Dieter Bonnemann jedoch sieht das anders. Er kann den Hass auf Juden in Deutschland irgendwie verstehen und erklärt: „Die Politik der israelischen Regierungen seither und das das Aufkommen einen neuen Antisemitismus sind nicht voneinander zu trennen. Die israelische Regierung nach 1967 haben wiederholt gegen Völkerrecht verstoßen. Ein solches Verhalten löst Reaktionen aus.“

Da haben wir es also. Die Vereinten Nationen müssen für Wolf Dieter Bonnemann herhalten, um den Judenhass zu rechtfertigen. Es ist daher wichtig zu betonen, dass die Vereinten Nationen nicht sehr vertrauenswürdig sind, wenn es um Israel geht.

Der sogenannte Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat Israel öfter verurteilt als alle anderen Länder der Welt zusammen. Israel wurde öfter verurteilt als Saudi-Arabien, China, Nordkorea, Russland, Venezuela, Katar und all die anderen Länder der Welt von Deutschland bis den USA zusammen! Dafür gibt es nur zwei mögliche Erklärungen. Entweder ist Israel ein teuflischer Staat, böser, abartiger und verdammenswerter als alle anderen Länder der Welt zusammen oder die Vereinten Nationen sind judenfeindlich.

Die Vereinten Nationen sind judenfeindlich!

Es schmerzt, diese Tatsache zu akzeptieren. Kann es denn sein, dass eine bei vielen Menschen moralisch so hoch angesehene Organisation judenfeindlich ist? Ist es möglich, dass sich die ganze Welt irrt? Ja, es ist möglich. Die ganze Welt kann sich irren, besonders, wenn es um Juden geht. In diesem Fall hat sie sich nämlich schon einmal geirrt.

Es gibt Menschen, die hassen die jüdische Religion, sie werden Antijudaisten genannt, es gibt Menschen, die hassen das jüdische Volk, sie werden Antisemiten genannt und es gibt Menschen, die hassen den jüdischen Staat, sie werden Antizionisten genannt. Sie alle speisen sich aus dem selben alten Hass auf Juden, der Jahrhunderte lang tradiert wurde.

Viele Länder der Vereinten Nationen haben eine lange Geschichte der judenfeindlichen Tradition. In jenen Ländern, die christlich und islamisch geprägt sind, wurde der Judenhass jahrhundertelang über die Religion tradiert. Aber auch in aufgeklärten Ländern konnte sich der Judenhass in rassistischen Ideologien und anderen politischen Bewegungen manifestieren. Judenhass findet sich heute in jeder politischen Richtung, von links bis rechts, in jeder Klasse, von arm bis reich und bei vielen Menschen, von gebildet bis dumm. Es gibt einen weltweit agierenden Vereinten Judenhass und dieser Hass vereint sich leider auch in den Vereinten Nationen.

Judenhass ist in der Welt grenzübergreifend so zweifellos vorhanden, wie Frauenhass und wenn es um die Stellung der Frau geht, können die Vereinten Nationen auch keine gute Bilanz vorweisen. Bei der 37. Sitzung des Menschenrechtsrates in Genf kamen Länder zusammen wie Katar, Saudi-Arabien und Afghanistan, drei Länder, die nicht dafür bekannt sind, Frauen zu fördern, sondern eher dafür, sie wegzusperren, auszupeitschen und zu steinigen. Hillel Neuer von der Organisation UN Watch kritisierte damals die Vereinten Nationen mit deutlichen Worten:

„Was ist mit dem Witz, der sich UN-Menschenrechtsrat nennt und jedes Jahr Israel mehr verurteilt als alle anderen Länder der Welt zusammen? In einer Welt, in der Frauen systematisch vergewaltigt, ermordet und als Sklavinnen verkauft werden, welches ist wohl das einzige Land, das die UN-Kommission dieses Jahr auserkoren hat, um es für die Behandlung von Frauen zu verurteilen? Ja, Sie haben richtig geraten: Israel. Israel! Israel, wo Frauen Kampfjets fliegen, große Unternehmen und Universitäten leiten, dem Obersten Gericht schon zwei Mal vorstanden und als Sprecherinnen in der Knesset und als Premierministerin gedient haben.“

Die Vereinten Nationen sind vom Antisemitismus befallen. Aus diesem Fakt jedoch eine Rechtfertigung für die Existenz von Judenhass zu konstruieren, ist an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten. Am 2. Januar 2019 hat der Kölner Stadt-Anzeiger so eine Geschmacklosigkeit abgedruckt.

Die Antwort der Chefredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers vom 3. Januar 2019:

„Der Kölner Stadt-Anzeiger distanziert sich von jeglichem antisemitischen Gedankengut. Am 10.12.2018 hatten wir kritisch über Antisemitismus in Köln berichtet. Dieser Bericht war Anlass für mehrere Leserbriefe zu dem Thema. Wir haben großes Verständnis für die Sorgen der Synagogen-Gemeinde Köln. In Zeiten, in denen Antisemitismus in Deutschland wieder zunimmt, sind wir als Redaktion gefordert, auch Leserzuschriften besonders kritisch zu prüfen. Leider sind wir in diesem Fall unserem Anspruch nicht gerecht geworden, was wir bedauern.“

Tapfer im Nirgendwo erwidert: „Bedauern ist gut, daraus lernen ist besser.“

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Und? Gut reingekommen?

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Just sayin‘

Ein kurzer Einwurf von Malca Goldstein-Wolf.

Ich bin froh, dass in meinem Freundeskreis konstruktiv diskutiert wird und wir die Meinung des Anderen respektieren, auch wenn wir, politisch gesehen, Lichtjahre voneinander entfernt sind. Trotzdem mache ich mir Sorgen um unser Demokratieverständnis.

Auch ich finde Jens Maier, Richter und AfD Politiker, in seinen Aussagen unerträglich. Habe ich als Demokratin das Recht, ihn des Kinos zu verweisen oder begebe ich mich damit genau auf eine politische Ebene, die ich eigentlich verurteile? Ist es richtig, Kinder in Sippenhaft zu nehmen, ihnen die Aufnahme in eine Waldorf Schule zu verweigern, weil die Eltern der AfD zugehörig sind?

Ich persönlich finde dieses Verhalten zutiefst undemokratisch und skandalös. Solange diese Partei von so vielen Bundesbürgern gewählt wird, dass sie im Bundestag sitzt, solange sollten ihre politischen Gegner mit Argumenten punkten und nicht mit trotziger Ausgrenzung. Wenn wir das nicht tun, stärken wir genau diejenigen, die wir politisch demaskieren möchten.

Kein Mensch ist eine „Kackbratze“. Mit Sprache zu entmenschlichen, entspricht nicht dem Niveau, auf das sich ein Demokrat begeben sollte. Und alle AfD-Wähler über einen Kamm zu scheren, ist auch nicht konstruktiv. Wer nicht differenziert, erkennt die Ursachen nicht.

Wer die Ursachen nicht kennt, wird seine politischen Ziele nicht umsetzen können. Und damit schaden wir nicht nur der Demokratie, wir spalten unsere Gesellschaft.

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Die Milde ist eine Meisterin aus Deutschland

Tapfer im Nirgendwo präsentiert die Liste aller im Jahr 2018 angenommenen Verurteilungen der Generalversammlung der Vereinten Nationen:

Israel 21
Iran 1
Syrien 1
Nordkorea 1
Russland 1
Myanmar 1
USA 1

Alle übrigen Länder haben keine Verurteilungen bekommen, darunter so beispielhafte Länder wie Algerien, China, Katar, Saudi-Arabien, Venezuela und die Türkei.

Israel hat mehr Verurteilungen erhalten als alle anderen Länder der Welt zusammen. Dafür gibt es nur zwei mögliche Erklärungen. Entweder ist Israel ein teuflischer Staat, böser, abartiger und verdammenswerter als alle anderen Länder der Welt zusammen oder die Vereinten Nationen sind judenfeindlich.

Deutschland hat sechzehn Verurteilungen gegen Israel mitgetragen und hat das kleine Land somit ebenfalls öfter verurteilt als alle anderen Länder der Welt zusammen. Der deutsche Außenminister Heiko Maas erklärt dieses Verhalten wie folgt:

„Anstatt frühzeitig aus der Debatte rauszugehen und damit Resolutionstexte zu bekommen, die deutlich schärfer gegen Israel gerichtet sind, wollen wir in den Debatten Einfluss nehmen und dafür sorgen, dass die Texte so ausfallen, dass sie nicht die Schärfe haben, sondern dass Dinge, die dort stehen und die wir nicht mittragen können, auch nicht verabschiedet werden.“

Es ist für den deutschen Außenminister somit ein Zeichen der Milde, Israel häufiger zu verurteilen als alle anderen Länder der Welt zusammen. Da frage ich mich, was denn noch schlimmer sein kann. Auch da gibt Heiko Maas die Antwort. Zu Beginn seiner Amtszeit als Außenminister erklärte er:

„Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen.“

Heiko Maas meint es grundgut und macht es dennoch abgrundtief falsch. Israel öfter zu verurteilen als alle anderen Länder der Welt ist für ihn eine mildtätige Handlung, der durch Deutschlands Sonderbehandlung die Schärfe entzogen wurde. Alles unterhalb von Auschwitz ist vermutlich Milde.

In Auschwitz wurden nicht nur Millionen Juden vernichtet, sondern, wenn man der Logik des deutschen Außenministers folgen möchte, auch der Judenhass selbst, denn Judenhass beginnt ab heute bei Auschwitz und alles darunter ist eine Ordnungswidrigkeit. Das unverhältnismäßige und manische Draufkloppen auf den einzigen jüdischen Staat der Welt ist sogar ein Akt der Milde.

Die Milde ist ein Meisterin aus Deutschland.

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Die Haltung von Georg Restle und was sie kostet

In einer Analyse des Falls Claas Relotius, der mehrfach erlogene Rührgeschichten als Journalismus verkauft hatte und dafür sogar mehrfach ausgezeichnet wurde, zitierte ich  einst Georg Restle, Leiter und Moderator des ARD-Politmagazins Monitor:

„Journalismus im Neutralitätswahn – Warum wir endlich damit aufhören sollten, nur abzubilden, „was ist“. Mein Plädoyer für einen werteorientierten Journalismus.“

Ich argumentierte, in einer Gesellschaft, in der „werteorientierter Journalismus“ von öffentlich-rechtlicher Hand gefördert und gefordert werde, seien Phänomene wie Claas Relotius nicht verwunderlich. Er habe lediglich eine Nachfrage bedient:

„Viele Journalistinnen und Journalisten stehen unter einem immensen Druck, korrekt orientierten Wertejournalismus zu produzieren, wenn sie im Haifischbecken jenseits des Neutralität überleben wollen. Dieser Druck hat seinen Preis und die Wahrheit stirbt bekanntlich zuerst.

In der Laudatio von Patricia Riekel, ehemalige Chefredakteurin der Bunte, für Claas Relotius anlässlich der Verleihung des Katholischen Medienpreises 2017 durch die Deutsche Bischofskonferenz am 16. Oktober 2017 in Bonn heißt es:

„Manchmal wird man ja gefragt, was man als Erstes tun würde, wenn man Deutschland für einen Tag regieren würde. Ich würde ein Gesetz erlassen, dass die Reportage „Königskinder“ zur Pflichtlektüre für alle Politiker wird. Vielleicht hat sich dann das in meinen Augen beschämende Gerangel um die Obergrenze erledigt.“

Darum geht es. Der Journalismus von heute soll Debatten erledigen, nicht fördern. Claas Relotius wilderte in diesem Umfeld und er ist gewiss nicht der einzige Jäger mit wildem Jägerlatein.“

Mein Artikel wurde massenweise geteilt und gelesen. Daher fühlte sich Georg Restle bemüßigt, etwas zu diesem Thema zu schreiben. Auf Twitter ließ er verlauten:

„Weil hier so viel durcheinander geworfen wird: Haltung heißt für mich: Bekenntnis zu Menschenrechten, keine Relativierung des Holocaust und Freiheit immer auch als Freiheit der Andersdenkenden. Dass damit viele am rechten Rand ein Problem haben, überrascht mich nicht wirklich.“

Damit machte Georg Restle alles noch viel schlimmer.

Georg Restle schrieb, das Bekenntnis zu den Menschenrechten und die Erklärung, den Holocaust nicht zu relativieren, seien Haltungen. Man kann natürlich in diesen Fällen von „Haltungen“ sprechen, ich spreche jedoch lieber von Selbstverständlichkeiten.

Jeder vernünftige Mensch bekennt sich zu den Menschenrechten. Das ist keine mutige Haltung, sondern eine Grundvorraussetzung für einen Dialog mit Zukunft. Die Weigerung, den Holocaust zu relativieren, ist in Deutschland zudem nicht bloß eine Haltung, sondern eine Verpflichtung. Es ist nämlich laut deutschem Strafgesetzbuch verboten, den Holocaust zu relativieren.

Für Georg Restle waren diese Verpflichtung nicht erwähnenswert. Er sprach von einer „Haltung“, ganz so als könne man es auch anders sehen. Für einen öffentlich-rechtlichen Journalisten war diese Wortwahl ein ziemlich starkes Stück.

Eine Haltung ist es, Feminist zu sein, die Rundfunkgebühr toll, die FDP klasse, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz brillant und Mohamed töfte zu finden. All das darf man natürlich anders sehen. Niemand muss Schwule und Lesben geil finden und kann stattdessen in Religionen aufgehen. Auch Georg Restle lässt keinen Zweifel an seiner Haltung. Reflexartig schreibt er auf Twitter von einem „rechten Rand“ und steckt einfach mal Menschen, die es wagen, ihn zu kritisieren, in diese Kiste. Ich bin jedoch nicht rechts. Ich bin Tapfer im Nirgendwo.

Georg Restle erklärt die Menschenrechte und die Weigerung, den Holocaust zu relativieren, nicht zu Selbstverständlichkeiten, sondern zu mutigen Haltungen. Es gibt ein schönes deutsches Wort dafür: Gratismut.

Obwohl gratis, ist dieser Mut nicht. Ich muss den Mut von Georg Restle nämlich mitfinanzieren. Georg Restle muss mich jedoch nicht bezahlen. Ich übe keine Gewalt gegen Herrn Restle aus. Restle jedoch übt Gewalt gegen mich aus, denn all seine Meinungen und Haltungen, mit denen er Menschen be- und aburteilt, wurden unter Einsatz von Zwang finanziert. Dieser Zwang gibt ihm die Macht, die Stellung und die Reichweite, mit der er über mich richten kann. Auch das ist eine Haltung. Eine feige und brutale, möchte ich hinzufügen.

Durch den Rundfunkstaatsvertrag hält Georg Restle ein Megaphon in der Hand, dem er den größten Teil seiner über siebzigtausend Follower auf Twitter verdankt. Wer so eine Macht inne hat, kann damit anderen Menschen empfindlich schaden. Diese Macht zu missbrauchen, ist für Menschen, die etwas in der Gesellschaft bewegen oder verändern wollen, so verführerisch wie unmoralisch. George Restle missbraucht die Macht oft.

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Eine Liste vermeintlicher Experten

Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine Liste vermeintlicher Expertinnen und Experten. Klicken Sie einfach auf die Namen, um zu lesen, was für dummes Zeug sie unter Mithilfe großer Medienkonzerne verbreitet haben:

Jürgen Todenhöfer

Lamya Kaddor

Markus Lanz

Michael Lüders

Sabine Rau

Ulrich Kienzle

Sawsan Chebli

Claas Relotius

Dieter Dehm

Markus Rosch

Jörg Schönenborn

Khola Maryam Hübsch

Aiman Mazyek 

Stefanie Carp

Jakob Augstein

WDR Monitor

ZDF heuteplus

ARD Tagesschau

Deutschlandfunk

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Gibt es in Deutschland bald staatlich ausgestellte Todesurteile?

Die Frage scheint absurd, aber genau das könnte passieren, wenn die Idee der Moscheesteuer Realität wird.

In der aktuellen Regierungskoalition von CDU, CSU und SPD wird zur Zeit über die Einführung einer Moscheesteuer nachgedacht. Diese Steuer soll für die muslimischen Gemeinden wie bei den christlichen Gemeinden vom Staat eingetrieben werden.

Unions-Bundestagsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) erklärt in der Welt, eine Moscheesteuer sei „ein wichtiger Schritt“ und würde es Muslimen erlauben, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Der Justiziar der Unionsfraktion, Michael Frieser (CSU), erklärt:

„Das Ziel muss eine eigenständige Finanzierung sein, um die Unabhängigkeit der Moscheegemeinden zu gewährleisten.“

Ich verstehe die Absicht hinter der Steuer. Die Finanzierung von muslimischen Gemeinden in Deutschland soll von ausländischen Geldgebern entkoppelt werden. Diesem Vorschlag wohnt jedoch eine große Gefahr inne.

Da in Deutschland die sogenannte Kirchensteuer erhoben wird, gibt es ebenfalls die Möglichkeit, offiziell und mit staatlicher Beglaubigung aus der Kirche auszutreten. Dieser Austritt wird von den Kirchen akzeptiert. Auch ich bin aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Sollte es in Deutschland bald eine Moscheesteuer geben, dann wird dieses Land auch einen Austritt aus der islamischen Glaubensgeneinschaft ermöglichen müssen. So wie es möglich ist, offiziell und mit staatlicher Urkunde beglaubigt aus der Kirche auszutreten, wird es dann auch möglich sein, aus dem Islam auszutreten. Genau da liegt das Problem.

Der „Abfall vom Glauben“, im Islam Ridda (arabisch ردة) oder Irtidād (ارتداد) genannt, wird islamrechtlich an manchen Orten der Welt mit der Todesstrafe geahndet. Menschen, die den Islam verlassen, werden Murtadd (مرتد) genannt. Mit der Einführung der Moscheesteuer würde Deutschland eine staatliche Behörde schaffen, die Menschen, die die Steuer nicht entrichten wollen, offiziell zu Murtadd erklärt. Im Sudan, Jemen und Iran, sowie in Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, Afghanistan, Somalia und in Mauretanien kann Abfall vom Islam noch heute mit dem Tode bestraft werden.

Es ist somit für Menschen lebensgefährlich, eine in Deutschland ausgestellte Beglaubigung zu bekommen, die erklärt, sie seien aus dem Islam ausgetreten. Genau eine solche Beglaubigung wird aber in Zukunft jeder Muslim erhalten, der ebensowenig die Moscheesteuer zahlen möchte, wie ein Christ die Kirchensteuer.

Ich konnte angstfrei aus der katholischen Kirche austreten. Für jeden Moslem wird ein solcher angstfreier Austritt nicht möglich sein. Es werden somit bei Einführung der Moscheesteuer viele Menschen die Steuer zahlen, schlicht und ergreifend weil sie Angst um ihr Leben haben, wenn sie austreten, denn die Fundamentalisten des Islams bedrohen „Abtrünnige“ auch in Deutschland, wie die Beispiele Hamed Abdel-Samad und Amed Sherwan zeigen.

Vielen Leuten, die eine Moscheesteuer fordern, ist diese Gefahr nicht klar. Genau diese Ignoranz gegenüber den nicht wenigen Fundamentalisten innerhalb des Islams führt zu Ideen, denen Muslime zum Opfer fallen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt begrüßt die Debatte um eine Moscheesteuer und erklärt:

„Es wäre klug und höchste Zeit, dass wir für die muslimischen Gemeinden in Deutschland unabhängige Finanzierungsquellen finden und damit den schädlichen Einfluss durch politische gesteuerte Gelder und radikale Prediger aus der Türkei oder den Golfstaaten endlich unterbinden.“

Ich verstehe Katrin Göring-Eckardts Intention, aber der Islam ist nicht das Christentum. Diese einfache Wahrheit zu akzeptieren, ist der erste und vor allem nötige Schritt auf dem Weg hin zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Islam.

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